Post Format

„Wenn Sie sich nicht vorstellen, fliegen Sie hier raus“

6 comments

Ja, so rauhe Sitten herrschen in manchen Foren. Ehe man sich versieht, steht man schon wieder vor der Türe. Auf dieses sehr anschauliche Beispiel bin ich bei Daniel Langwasser gestoßen, der sich auf seinem Blog Community-Management Gedanken über die stillen Mitleser gemacht hat.

Sein Blogpost hat mich nachdenklich gestimmt, denn die Gruppe derer, die sich still und passiv verhält, gibt es ja überall, nicht nur im virtuellen Raum. Ich denke, vor allem LehrerInnen kennen dieses Problem zu Genüge, wenn es darum geht Noten zu geben. Sich aktiv an Diskussionen zu beteiligen muss ja noch nicht unbedingt heißen, dass die Beiträge auch qualitativ wertvoll sind.

Fakt ist, dass es Menschen gibt, die eher extern referenzierend sind und sich dadurch sichtbarer in eine Gruppe einbringen als intern referenzierende Menschen, die sich sehr viel seltener zu Wort melden. Im Endeffekt haben wir es hier nur mit zwei verschiedenen Modi zu tun, wenn es darum geht, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Die einen denken laut und lassen andere an ihren Gedanken teilhaben. Die anderen machen das mit sich aus und teilen dann ihre Schlussfolgerungen. Eine Bewertung im Sinne von gut oder schlecht ist da gar nicht möglich bzw. eigentlich auch nicht sinnvoll.

Zurück zu den stillen Mitlesern, die natürlich auf Blogs, Foren oder Communities immer wieder als Thema auftauchen. Daniel Langwasser stellt in seinem Blogpost fest, dass diese Menschen, auch Lurker genannt, von denen, die sich aktiv in einer Community engagieren, häufig geringgeschätzt werden. Meistens in einer Frustphase, wenn die MacherInnen das Gefühl haben, zu wenig Wertschätzung zu erfahren. Um aus diesen passiven aktive Mitglieder zu machen, werden Regeln aufgestellt, die alle zur aktiven Teilnahme verpflichten. Über die Sinnhaftigkeit solcher Ansätze müssen wir, denke ich, nicht diskutieren.

Ich muss gestehen, auch ich habe passive Mitglieder von Foren, Communities immer wieder mal voreilig als unsozial angesehen und ihnen ihre Passivität vorgeworfen. So a la „jetzt habe ich mir so viel Mühe gegeben, jetzt könnte er sich aber ruhig mal rühren“. Zwar habe ich das für mich behalten, aber die Gedanken waren da. Wenn man sich das aber mal durchdenkt, ist das völliger Unsinn. Insofern teile ich Langwassers Meinung, wenn er schreibt:

„Aber gerade diese stillen Mitleser machen die Beteiligung für die aktiven / schreibenden Mitglieder vielfach erst wirklich interessant, da ihre Beiträge von einem größeren Publikum wahrgenommen werden.“

So wie die KünstlerInnen ihr Publikum brauchen, möchte auch der Vielschreiber gelesen werden. Egal ob im Blog, im Forum oder sonstwo. Was wäre denn, wenn plötzlich alle auf mich reagieren würden? Wahrscheinlich wäre ich damit auch wieder nicht zufrieden und würde mich über den Stress beklagen. ;-)

Und noch einen Punkt sollten wir beachten: es ist ja nicht so, dass es Menschen gibt, die überall ihren Senf dazugeben müssen (auch wenn manchmal der Eindruck entsteht :-) ) und andere wiederum, die nie und nirgends etwas von sich geben. Wir müssen uns ja nur an die eigene Nase fassen. Wahrscheinlich haben Sie einerseits Ihre Räume (online und offline), in denen Sie sich aktiv einbringen. Andererseits werden Sie aber auch häufig in anderen Räumen eine passive Rolle einnehmen.

Wenn ich mir überlege, wie viele Blogs ich ohne zu kommentieren lese und in wie vielen Foren ich mich nie äußere, dann müsste ich schon des öfteren die rote Karte erhalten haben.

Halten wir fest, dass jede Gruppe, jede Community und auch jedes Blog auf der einen Seite diejenigen braucht, die aktiv Content beisteuern. Auf der anderen Seite muss es aber auch diejenigen geben, für die dieser Content produziert wird. Oft teilt man sie zahlenmäßig auf in 1% liefert regelmäßig Inhalte, 9 % gelegentlich, 90% nie. Über die Zahlen kann man jetzt streiten, aber die Größenordnungen sind klar, denke ich. Nun kann man daran arbeiten, dass die Zahl der aktiven Mitglieder ansteigt und vielleicht ein paar Prozent mehr beträgt. Aber umdrehen wird man das Verhältnis nicht können. Es wär wahrscheinlich auch unbefriedigend, denn dann wäre der Zuschauerraum zu klein und zu wenige würden zuhören.

Eine Community, die wachsen möchte, muss also auch zusehen, dass die Zahl der passiven Mitglieder zunimmt, dass so etwas wie ein Gleichgewicht entsteht.

Für mich heißt das auf das Weblog bezogen: ich freue mich natürlich weiter über viele Kommentare hier im Blog. Aber ich schätze all diejenigen, die sich nie äußern genauso wie die KommentarschreiberInnen. Und wenn eine stille MitleserIn aus ihrer Rolle schlüpft, dann heißt das, wenn die oben genannten Relationen stimmen: ich habe wieder 9 neue stille MitleserInnen gewonnen. ;-)

6 Comments Join the Conversation

  1. Ob rauer oder sanfter Druck auf die passiven Mitleser letztlich so zielführend ist?

    Auf einer Fotoplattform habe ich mich zunächst über die Menge an Kommentaren zu meinen Bildern gewundert.

    Was für eine aktive Community, war mein erster Eindruck.
    Die große Masse der Kommentare bestand in Bemerkungen wie „toll“, „super Bildausschnitt“ usw.

    Kontrolle bei anderen Bildern, ähnliches Bild.

    Hintergrund: es gibt Punkte für Kommentare. Wozu man die Punkte braucht hat mich schon nicht weiter interessiert.

    Die Masse diese Kommentare wirkt wie Spam und verschüttet die echten Kommentare.

    Reply

  2. Das habe ich ähnlich erlebt. Wenn unter einem Beitrag zehnmal danke oder toll steht, dann ist das noch nicht mal fürs Ego gut, weil es so aufgesetzt wirkt und es letzten Endes auch ist.

    Nein, bevor man mit solchen Mitteln zu arbeiten beginnt, sollte man die Hütte lieber zusperren.

    Reply

  3. Dann will ich mich mal als (einer der) Lurker in deinem Blog outen. Ein begeisterter Lurker! Ich sehe die Quantität deiner Beiträge als sehr hoch an und freue mich immer wieder über jeden neuen Post. Selbst kommentiert hab ich aber noch nie. Ich weiß nicht warum… wahrscheinlich liegt es am hohen Niveau.
    Es ist nicht so, dass ich mich auch niveauvoll artikulieren könnte. Nein… hoffe ich doch. Aber ich würde beispielsweise auch nie die Tagesthemen kommentieren. Vielleicht hinkt der Vergleich ein bisschen, aber ich sehe mich hier tatsächlich als ein „Konsument“, der mitliest und Infos rauszieht.
    Bislang… denn jetzt hab ich ja meinen ersten Kommentar geschrieben.
    Doch auch wenn ich nicht jeden Tag einen Kommentar schreibe, kannst du sicher sein, dass ich, so bald du wieder einen neuen Post hast, ich wieder auf der Seite lande (und viele andere „Lurker“ sicherlich auch, aber das siehst du wahrscheinlich an der Statistik).

    Reply

  4. Oh Mann, ein „freudscher Versprecher“. Es soll natürlich nicht Quantität, sondern Qualität heißen. Anscheinend hatte ich das Wort falsch geschrieben und Word hat mir einen automatischen Vorschlag gemacht, den ich ohne zu lesen übernommen habe. So was nennt wohl einen gelungenen Einstand ;-)

    Reply

  5. Danke für Deinen Kommentar, Tom! Nachdem Du ein Blog betreibst und vorhast, online ein Buch zu veröffentlichen (einfach Toms Namen im Kommentar oben anklicken), wirst Du Dich mindestens so gut ausdrücken können wie ich. Denke ich mal. :-)

    Wenn Du schreibst, dass Du Dich hier als Konsument siehst, ist das ja genau das, worum es mir geht. Du findest hier Infos, die Dich interessieren und deshalb schaust Du hier immer wieder her. Perfekt! Und wenn Du dann wie heute einen Kommentar schreibst, freue ich mich darüber und weiß, dass Du auch die nächsten Blogposts lesen wirst. Super!

    Und irgendwann wirst Du Dich dann vielleicht hier wieder melden. Kann man dabei Fehler machen? Eigentlich nicht. Du hast erst Quantität statt Qualität geschrieben. Und was ist passiert? Gar nichts, Du schiebst einen kurzen Satz hinterher und alles ist klar. Hat gar nicht weh getan, oder? :-)

    Reply

  6. Pingback: Das PM-Blog » Hoffentlich kein Omen,

Leave a Reply

Required fields are marked *.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.