“Mit ‘Kultur 2020. Kunstpolitik für Baden-Württemberg’ wollen wir ein Zeichen setzen für eine Kunstpolitik der Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit, die das Bestehende wahrt und zugleich Perspektiven für Neues eröffnet. Wir wollen unsere Kunstpolitik in enger Partnerschaft mit den Kunst- und Kulturschaffenden, aber auch mit kommunalen und privaten Förderern weiterentwickeln und gemeinsam das Beste für das Kulturland Baden-Württemberg erreichen”,
sagte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg Stefan Mappus vor wenigen Tagen anlässlich der Präsentation des Entwurfs „Kultur 2020. Kunstpolitik für Baden-Württemberg“ (siehe ergänzend dazu die Presseaussendung). Auf 340 Seiten sind die Empfehlungen des Landeskunstbeirats zusammengefasst, in denen unter anderem gefordert wird, dass künstlerische und kulturelle Angebote nicht auf die Städte beschränkt werden dürften, sondern auch BürgerInnen in den ländlichen Gebieten davon profitieren müssten. Außerdem solle die “Spitzenkunst” weiter gefördert werden, da sie weit über die Landesgrenzen hinaus wirke. Interessant ist, dass Kulturpolitik nicht isoliert betrachtet wird, sondern mögliche Synergien mit der Bildungspolitik hervorgehoben werden. Weitere Punkte, die in den Empfehlungen angesprochen werden:
- die Kultureinrichtungen sollen sich verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund öffnen
- Kommunikation und Vernetzung der Player im Bereich Kunst und Kultur wird als essentiell betrachtet
- Kunst und Kultur sollen trotz der schwierigen finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte weiter unterstützt werden.
Das klingt alles wohlbekannt und voller guter Absichten. Zwei Fragen werden hier aber meiner Meinung nach ausgeklammert:
- Wie kann es der Kulturpolitik gelingen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von KünstlerInnen zu verbessern?
- Welche Überlegungen gibt es, um den von den öffentlichen Zuwendungen abhängigen Kulturbetrieben das Überleben zu ermöglichen, wenn die Kulturbudgets angesichts der enormen Defizite in den öffentlichen Haushalten weiter gekürzt werden müssen?
Hier so zu tun, als wenn nichts passieren könnte, halte ich für Augenauswischerei. Schließlich prophezeite Tobias Timm schon im letzten Oktober in der ZEIT den großen Kahlschlag und schrieb: “2010 wird die Kultur womöglich kaputtgespart.” Ich gehe davon aus, dass auch die KulturpolitikerInnen den Ernst der Lage erkannt haben und wissen, dass die Kunst der nachhaltigste Rohstoff Europas ist. Umso wichtiger wäre es, verschiedene Szenarien zu entwickeln und nicht so zu tun, als wäre das alles kein Problem. Die 340 Seiten helfen da nur bedingt weiter.
Schreibe einen Kommentar Antworten abbrechen