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Die digitale Zukunft hat bereits begonnen

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© A. Dreher; Pixelio Wenn ich gestern geschrieben habe, dass Relevanz zum Schlüsselfaktor in der digitalen Welt wird, um überhaupt wahrgenommen  zu werden, dann stellt sich natürlich die Frage, ob es nicht entscheidender ist, in der realen Welt wahrgenommen zu werden? Kultureinrichtungen sehen das wohl so, denn in Sachen Werbung setzen sie nach wie vor auf Plakate, Flyer und ähnliche Dinge, während sie auf die Online-Werbung fast ganz verzichten, wie Axel Kopp in seinem Blogpost „Online-Werbung: eine ehrliche und wirkungsvolle Sache“ festgestellt hat. Dass das ein Fehler ist, beweist die folgende Präsentation „Next Generation Media“ vom Januar diesen Jahres:
Die Folien zeigen, die digitale Zukunft hat bereits begonnen. So wurden etwa am ersten Weihnachtstag weitweit 6,8 Mio. Smartphones in Betrieb genommen und in der letzten Woche des vergangenen Jahres 1,2 Mrd. Apps runtergeladen. Auf YouTube zählte man 2011 eine Mrd.Billion Views und immer mehr Unternehmen kommunizieren direkt mit ihren Fans in den auf Google+ angebotenen Hangouts. Für die vielen Millionen UserInnen, die digital erreicht werden können, gilt es entsprechende Inhalte zu entwickeln, damit Kunst und Kultur relevant bleiben beziehungsweise es wieder werden.
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Social Media: wie geht es weiter?

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Gestern ist mir dieser Tweet, den Andreas Klisch veröffentlicht hat, aufgefallen: Er führt zu einem Artikel, in dem die Frage gestellt wird, wann die Social Media Blase platzt? Nicht ob, sondern wann? Ich denke, diese Sichtweise ist richtig, denn wenn man den Hype Zyklus betrachtet, und wir können wohl von einem Hype sprechen, dann befinden wir uns jetzt gerade entweder kurz vor oder bereits auf dem Höhepunkt der Kurve.

Gartner Hype-Zyklus (veröffentlicht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation)

Was bedeutet das für Kultureinrichtungen? In dem oben erwähnten Artikel heißt es:
„Irgendwann werden wir nicht mehr am Blog unseres Friseurs, am Check In von hunderten Bekannten in beliebigen Shops oder Lokalen oder an den Tweets von In-Locations interessiert sein, weil es einfach zu viel wird. Und das wird die, die später in den Markt eingetreten sind, stärker treffen, als die „Firstmover“, die jetzt schon groß sind. Für Unternehmen kommt es darauf an, eine langfristige Strategie zu definieren, die authentisch und im Einklang mit den Werten des Unternehmens ist. Die, die jetzt nur aufspringen weil SM in ist, werden auch die ersten sein, die wieder verschwinden oder ihre Investments abschreiben können.“
Mit jedem Blog, jedem Twitteraccount oder Facebook-Profil treten wir in Konkurrenz zu all den Kultureinrichtungen, die sich zu dem gleichen Schritt entschieden haben. Bis vor kurzem war es etwas Besonderes, im Social Web präsent zu sein, man konnte damit Aufmerksamkeit erregen. Aber wenn Sie heute jemandem erzählen, dass Sie nun auf Twitter sind, dann ist das ungefähr so spannend wie die Meldung über den Ankauf eines Smartphones. Die Herausforderung besteht darin, eine Strategie zu entwickeln, die die Einzigartigkeit der Einrichtung auch im Internet abbildet, so wie das etwa die Bayerische Staatsoper (auch wenn der Vernetzungsgedanke noch fehlt), das Neanderthal Museum oder die Beispiele, die ich immer wieder hier im Blog erwähne, tun. Twitteraccounts wie dieser werden entweder verschwinden oder als nicht besonders vorteilhafte Visitenkarte im Internet zurückbleiben. Im Augenblick ist es noch schwierig, über die Ziele und Möglichkeiten des Social Web zu sprechen, weil es vielen reicht, einfach dabei zu sein. Wir merken das übrigens auch bei der stARTconference, bei der es heuer viel schwieriger ist, Begeisterung für das Thema Web 2.0 zu wecken. Oft wird einem das Gefühl vermittelt, dass man das eh schon alles weiß. Wie war das noch mit Second Life? Auch damals wollten alle dabei sein, beeindruckende Präsenzen entstanden. Und heute? Der Hype ist vorbei, viele „Inseln“, für teures Geld aufgebaut, sind verwaist, weil die Erwartungen falsch oder überzogen waren. Es besteht die Gefahr, dass es vielen im Social Web ähnlich gehen wird, so die Logik des Hype Zirkels. Tun Sie was dagegen, dass Sie nicht dazu gehören.
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Der demografische Wandel als Herausforderung für Kulturbetriebe

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Diese sehr spannende Grafik habe ich in dem vom „Center for the Future of Museums“ herausgegebenen Report „Demographic Transformation and the Future of Museums“ entdeckt. Sie zeigt recht anschaulich, vor welchen Problemen und Herausforderungen die amerikanischen Museen stehen, da sie derzeit eine Zielgruppe erreichen, die, gemessen an der Gesamtbevölkerung, schon in den letzten Jahren stark geschrumpft ist und diesen Entwicklungsprozess auch in der Zukunft nicht wird aufhalten können.
„Building the Future of Museums on a Better Base of Knowledge“ ist das Resümee der AutorInnen überschrieben, in dem nicht nur auf die Bedeutung des Zahlen- und Datenmaterials hingewiesen, sondern auch beklagt wird, dass dieses Material nicht ausreichend genutzt wird.
Normalerweise beklage ich an dieser Stelle, wie weit uns die USA voraus sind und wie schön es doch wäre, wenn es auch bei uns entsprechende Informationen über das jeweilige Thema geben würde. In diesem Fall ist das nicht so, denn mit interkultur.pro gibt es in Nordrhein-Westfalen eine Einrichtung, die versucht,
  • „Migrantinnen und Migranten den Zugang zu Kultureinrichtungen sowie Kunst-, Kultur- und Förderprogrammen zu erleichtern,
  • Migrantinnen und Migranten in ihren künstlerischen Leistungen zu unterstützen (und)
  • die kulturellen Szenen der Zugewanderten für die Mehrheitsgesellschaft zu öffnen.“
Und auch hier gibt es, ähnlich wie in den USA sehr detailliertes und auch aktuelles Datenmaterial (Sinus Studie 2009: Von Kult bis Kultur. Von Lebenswelt bis Lebensart.), das als Grundlage für vielfältige Aktivitäten dienen kann. Eine wesentliche Erkenntnis: DIE MigrantInnen gibt es nicht, die folgende Grafik (Seite 16)  zeigt, dass es in Nordrhein-Westfalen insgesamt acht unterschiedliche Millieus gibt.
„Die Unterschiede zwischen den am weitesten voneinander entfernten Lebenswelten sind bei den Migrantenmilieus wesentlich größer als bei der Gesamtbevölkerung. Das heißt, wir haben es bei den Einwanderern mit Milieus zu tun, die auf der einen Seite von vormodernen bäuerlichen Traditionen, auf der anderen von den soziokulturell modernsten Einstellungen geprägt sind.“ (Seite 16)
Kultureinrichtungen stehen daher vor der Herausforderung, die entsprechenden Angebote an eine „Gruppe“ zu entwickeln, die sich durch große Heterogenität auszeichnet. Wie die Zukunft der Kultur in der Einwanderungsgesellschaft aussehen kann, dieser Frage geht der dritte Bundesfachkongress Interkultur unter der Überschrift „Offen für Vielfalt – Zukunft der Kultur“ nach, der vom 27. bis 29. Oktober 2010 in Bochum stattfinden wird.
„Ziel des alle zwei Jahre stattfindenden Kongresses ist es, mit politischen Entscheidungsträgern und Multiplikatoren auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene Leitlinien und praktische Handlungsempfehlungen zum großen Themengebiet „Interkultur“ zu entwickeln und ein Forum für den Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren der Kultur-, Jugend-, Bildungs- und Sozialarbeit sowie der Politik und Verwaltung zu bieten,“
heißt es in der Ankündigung. Bis zum 25. Juli läuft übrigens noch ein Nachwuchsförderprogramm, das 25 „engagierten und interessierten MitdenkerInnen“ bis zur Altersgrenze von 35 Jahren die kostenlose Teilnahme am Kongress ermöglicht und auch Reise- und Übernachtungskosten übernimmt. Weitere Infos finden Sie hier.
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Otto Scharmer: „Kapitalismus 3.0“

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© Gerd Altmann; Photoopia Über das Blog „Systemische Organisationsentwicklung“ von Jochen Häussermann-Schuler bin ich auf einen sehr lesenswerten Artikel von Otto Scharmer gestoßen, der den Titel „Kapitalismus 3.0“ trägt.
„Die Krise unserer Tage dreht sich nicht um einen Zusammenbruch des Finanzwesens oder der Ökonomie. Die wirkliche Krise betrifft einen geistigen Zusammenbruch – den Zusammenbruch des üblichen ökonomischen Denkens,“
beginnt Scharmer seinen Aufsatz und stellt in ihm als Lösungsansatz die „sieben Akupunkturpunkte des sozialen Organismus“ vor, durch den sich der soziale Wandel bewerkstelligen lässt. In dem Artikeln spricht er von
  1. „neue(n) Formen der Koordination,“
  2. der „Schaffung von Eigentumsrechten für lebenswichtige Gemeingüter,“
  3. der „Schaffung von Grundeinkommen und Zugang zu Gesundheit, Bildung  und Unternehmerpotenzial,“
  4. der „Schaffung eines offenen und transparenten Geldwesens,“
  5. der „Schaffung von Open Source-Technologien für Gemeinschaftsinnovation,“
  6. der „Gründung einer Global Action Leadership School für die grüne Transformation“ und
  7. „öffentliches Bewusstsein und Vertiefung der Demokratie.“
Unter dem letzten „Akupunkturpunkt“ konstatiert Scharmer, dass unsere heutige Gesellschaft von drei Sektoren bestimmt wird, der Wirtschaft, dem Staat und der Zivilgesellschaft. In diesen drei Sektoren hat er unterschiedliche Formen von Kommunikation identifiziert:
„Erstens Kommunikation in Art von „Downloads“ (einseitig, manipulativ, wie etwa Propaganda im Bereich Politik oder Werbung im Bereich Wirtschaft), dann zweitens die Form der Debatte (zweiseitig, transaktional); dann drittens den Dialog (multilateral, reflektierend) und viertens schließlich die Form, die ich „presencing“ nenne (multilateral und transformierend).“ (S. 19)
Während im „Kapitalismus 1.0“, wie Scharmer schreibt, die ersten beiden Kommunikationsformen anzutreffen seien, beinhalte der „Kapitalismus 2.0“ auch noch die dritte Kommunikationsform, an deren Ende der Dialog stehe, der aber bisher
„zu wenig transformativem Handeln, wirklichen Durchbrüchen und kollektiven Innovationen geführt (hat).“
Daher würde sich das bisher noch nicht realisierte Modell 3.0 darauf konzentrieren müssen,
„neue Infrastrukturen gesellschaftlicher Erneuerung zu schaffen, die bereichsübergreifende Initiativen für grundlegende Innovationen und Wandel unterstützen“.
Ist das nicht genau das, was alle vom Web 2.0 fordern, nämlich den nächsten Schritt zu setzen? Über den Dialog hinaus, über das gemeinsame Gespräch zum gemeinsamen Handeln zu kommen?
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Kultur2020: so soll die Kulturpolitik der nächsten Jahre in Baden-Württemberg aussehen

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„Mit ‚Kultur 2020. Kunstpolitik für Baden-Württemberg‘ wollen wir ein Zeichen setzen für eine Kunstpolitik der Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit, die das Bestehende wahrt und zugleich Perspektiven für Neues eröffnet. Wir wollen unsere Kunstpolitik in enger Partnerschaft mit den Kunst- und Kulturschaffenden, aber auch mit kommunalen und privaten Förderern weiterentwickeln und gemeinsam das Beste für das Kulturland Baden-Württemberg erreichen“,
sagte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg Stefan Mappus vor wenigen Tagen anlässlich der Präsentation des Entwurfs „Kultur 2020. Kunstpolitik für Baden-Württemberg“ (siehe ergänzend dazu die Presseaussendung). Auf 340 Seiten sind die Empfehlungen des Landeskunstbeirats zusammengefasst, in denen unter anderem gefordert wird, dass künstlerische und kulturelle Angebote nicht auf die Städte beschränkt werden dürften, sondern auch BürgerInnen in den ländlichen Gebieten davon profitieren müssten. Außerdem solle die „Spitzenkunst“ weiter gefördert werden, da sie weit über die Landesgrenzen hinaus wirke. Interessant ist, dass Kulturpolitik nicht isoliert betrachtet wird, sondern mögliche Synergien mit der Bildungspolitik hervorgehoben werden. Weitere Punkte, die in den Empfehlungen angesprochen werden:
  • die Kultureinrichtungen sollen sich verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund öffnen
  • Kommunikation und Vernetzung der Player im Bereich Kunst und Kultur wird als essentiell betrachtet
  • Kunst und Kultur sollen trotz der schwierigen finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte weiter unterstützt werden.
Das klingt alles wohlbekannt und voller guter Absichten. Zwei Fragen werden hier aber meiner Meinung nach ausgeklammert:
  1. Wie kann es der Kulturpolitik gelingen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von KünstlerInnen zu verbessern?
  2. Welche Überlegungen gibt es, um den von den öffentlichen Zuwendungen abhängigen Kulturbetrieben das Überleben zu ermöglichen, wenn die Kulturbudgets angesichts der enormen Defizite in den öffentlichen Haushalten weiter gekürzt werden müssen?
Hier so zu tun, als wenn nichts passieren könnte, halte ich für Augenauswischerei. Schließlich prophezeite Tobias Timm schon im letzten Oktober in der ZEIT den großen Kahlschlag und schrieb: „2010 wird die Kultur womöglich kaputtgespart.“ Ich gehe davon aus, dass auch die KulturpolitikerInnen den Ernst der Lage erkannt haben und wissen, dass die Kunst der nachhaltigste Rohstoff Europas ist. Umso wichtiger wäre es, verschiedene Szenarien zu entwickeln und nicht so zu tun, als wäre das alles kein Problem. Die 340 Seiten helfen da nur bedingt weiter.
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Kunst und Kultur in Wien: gegen Kommerz und Ökonomisierung

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Wien denkt weiter nennt sich ein Gemeinschaftsblog, für das laut Impressum Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorn verantwortlich zeichnet und das schon mit einigen prominenten GastbloggerInnen aufwarten kann.
„Das Projekt ‚Wien denkt weiter‘ hat sich zum Ziel gesetzt, einen Katalog an Leitlinien und Maßnahmen zu erarbeiten, die die Kulturpolitik der Stadt Wien in Zukunft prägen sollen. Basis dafür ist das Thesenpapier ‚Kultur. Für Wien. Für morgen. Für fast alle‘ „,
heißt es auf der Website. Mit dem Blog soll eine öffentliche Diskussion initiiert werden, die in den Kongress „Wien denkt weiter“ mündet, der Mitte Juni 2010, also in gut einem Monat stattfinden soll. Eine schöne Idee, nur fürchte ich, wurde sie etwas spät begonnen, denn bis jetzt findet die Diskussion noch nicht statt. Was aber nicht nur an den InitiatorInnen liegt, schließlich hat das Blog auf Facebook bereits über 500 Fans und da wird schon die eine oder andere VertreterIn aus Kunst und Kultur dabei sein. Oder es gibt zu diesem Thesenpapier nichts zu sagen? Wer sich die Thesen durchliest und auch die Mühe nicht scheut, sich die lange Version zu Gemüte zu führen, wird unter Umständen beeindruckt sein, was da für Vorstellungen existieren hinsichtlich einer Kulturpolitik 2020. Bei den meisten Punkten werde ich kaum etwas dagegen vorbringen können, etwa wenn darauf verwiesen wird, dass auch in Zeiten der Globalisierung die lokale Kunst nicht vergessen werden darf. Das Problem dabei: solche Visionen sind ja nicht unbedingt neu, nur konnten sie noch nie wirklich umgesetzt werden. Warum? Häufig ist es das Geld, das fehlt. Eigentlich fast immer. Und wird nicht der Erfolg von Kulturpolitik letzten Endes daran gemessen, ob es gelingt, das Kulturbudget zu erhöhen bzw. zumindest das Level zu halten? Gut, so viel sind unserer Gesellschaft Kunst und Kultur Wert, mehr ist es einfach nicht. Die Reaktionen halten sich in Grenzen, wenn es Kürzungen gibt, meist kommen sie von den Betroffenen selbst, was verständlich ist. Und weil es eigentlich fast immer um (fehlendes) Geld geht, gefällt mir diese eine These so gar nicht:
„Gegen Kommerz und Ökonomisierung der Kunst. Die Wiener Kulturpolitik bekennt sich zu einer soliden öffentlichen Finanzierung, die nicht dem Markt, sondern der Qualität verpflichtet ist!“
Diese Forderung ist so nicht haltbar und wenn man es genau nimmt, unsinnig. Punkt eins, eher ein Nebenschauplatz: Markt oder Qualität. ganz ehrlich, müssen wir immer noch über Markt und Qualität als Gegensatz diskutieren? Der Markt, das sind wir. Sie und ich. Wollen Sie sich nachsagen lassen, dass Sie als MarktteilnehmerIn für das Gegenteil von Qualität stehen? Wahrscheinlich werden Sie entgegnen, dass Ihnen vor allem die Qualität wichtig sei und der Markt völlig egal. Vermutlich werden das alle sagen, was erstens in Ordnung und zweitens ein Hinweis darauf ist, dass diese Unterscheidung so eigentlich nicht existiert. Schließlich gibt es ganz viele Märkte, auf denen Sie anzutreffen sind und trotzdem auf die Qualität schauen. Viel wichtiger ist mir aber die Kernaussage dieser These, die da lautet: entweder Kommerz und Ökonomisierung der Kunst oder öffentliche Finanzierung. Ich glaube nicht an diesen Gegensatz, schließlich gab es schon immer Bereiche in Kunst und Kultur, die sich dem Kommerz verschrieben haben. Ja und? Ist es denn falsch, mit Kunst Geld zu verdienen? Ich finde nicht und stelle fest, dass die meisten den Kommerz nur solange verteufeln, bis sie selbst an die Futtertröge gekommen sind. Bleibt die Ökonomisierung. Was habe ich mir darunter eigentlich vorzustellen? Ökonomisierung und Kunst, damit verbinden wir die Vorstellung, dass die Kunst unter die Räder von betriebswirtschaftlichen Erwägungen kommt und es nur noch um Effektivität und Effizienz geht. Effektivität und Effizienz, das wollen wir anscheinend nicht. Oder vielleicht doch? Christian Dries schreibt in seinem Artikel „Ökonomisierung – ja,bitte!„:
„Ökonomisierung bedeutet zunächst nichts anderes als Rationalisierung, Effizienzsteigerung und Leistungsorientierung. Wer konsequent ökonomisch handelt, erledigt seine Arbeit so, dass er das selbe oder ein besseres Resultat in kürzerer Zeit und mit verbesserten Mitteln erreicht. Durch den Einsatz neuer Technologien etwa, durch Arbeitsteilung oder besseres Zeitmanagement. Der Gewinn ist übrigens jedes Mal – freie Zeit. Zeit für andere Tätigkeiten oder all die schönen Dinge jenseits der Arbeit.“
Das möchte ich eigentlich schon. Und auch das, was Dries für die Universitäten vorschlägt, was sich aber sehr gut auf Kunst und Kultur übertragen lässt:
„Was wir wirklich brauchen, klingt auf den ersten Blick paradox, ist es aber nicht. Wir brauchen eine neue Hochschulökonomie des Überflusses und der Verschwendung – sparsam, effizient und entschlackt auf der strukturellen Ebene, mit stimulierender und entfesselnder Wirkung auf Spitzenforschung und Lehre. Mit zahlreichen Oasen der Nutz- und Zwecklosigkeit, Spielwiesen der Wissenssuche. Ohne den permanenten ökonomischen Druck durch Drittmitteljagd, Mittelkürzungen und Effizienzdenken im Nacken.“
Ich denke, die Unterscheidung zwischen der strukturellen Ebene und der inhaltlichen Arbeit ist wichtig. Ein Kunstwerk entsteht nicht auf Basis von Kosten-Nutzen-Rechnungen, beim Drumherum schadet es aber nicht, wenn auf Effektivität und Effizienz geachtet wird. Ganz im Gegenteil: darum geht es, wenn man „erfolgreich“ sein will, denn, um es mit den Worten von Adam Thurman zu sagen:
„(…) there is a difference between loving to act and running a theatre.“
Oder, wie ich es in meinem Beitrag „Von Cafehäusern und der Kunst“ formuliert habe:
„Kunst braucht nicht nur den Traum, sondern auch den Businessplan.“
Deshalb ist es in meinen Augen wichtig, dass im Kunst- und Kulturbereich nicht nur künstlerische Projekte gefördert werden, sondern verstärkt auch in die Infrastruktur investiert wird. Das ist in vielen profitorientierten Branchen ganz selbstverständlich, warum also sollte das nicht auch im Kunst- und Kulturbereich möglich sein? Und noch ein letzter Punkt: es ist zwar schön, dass alle gegen die Ökonomisierung der Kunst sind. Tatsache ist aber, dass die finanzielle Situation für die meisten KünstlerInnen mehr als trostlos ist. Wäre es nicht an der Zeit, bei geförderten Projekten darauf zu achten, dass die Mindeststandards in Sachen Bezahlung eingehalten werden? Die Tiroler Kulturinitiativen (TKI) haben dankenswerterweise Honorarrichtlinien für freie KulturarbeiterInnen zur Verfügung gestellt. Nun können KulturpolitikerInnen natürlich entgegnen, dass dafür nicht genügend Geld da sei. Das mag sein, aber dagegen kann man ja was tun, Stichwort Ökonomisierung.
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„Conversations“ oder „There is no Planet B“

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Wir haben keinen zweiten Planeten. Darauf machten kurz vor Weihnachten in Kopenhagen vor allem die VertreterInnen der vielen NGOs aufmerksam, die zusehen mussten, wie die Politik angesichts der bevorstehenden Herausforderungen versagte. Rund 10.000 TeilnehmerInnen bzw. VertreterInnen aus 190 Ländern, da kann man schnell zu der Erkenntnis kommen, dass in einer solch großen Gruppe der gemeinsame Nenner entsprechend klein sein muss. Aber muss das wirklich so sein? Während es in meinem gestrigen Beitrag um die Zukunft von Social Media ging, versucht das Projekt „Conversations„, das ich hier kurz vorstellen möchte, die Zukunft mit Hilfe von Social Media zu gestalten.
„Beim Projekt ‚Conversations At The Beginning Of A New Time‘ sollen sich Experten ebenso wie Normalbürger über gesellschaftliche Zukunftsfragen austauschen – überwiegend im Social Web“,
schreibt Matthias Schwenk in seinem Carta-Beitrag dazu. Zehn Themengebiete wurden ausgewählt, die für unsere Zukunft wichtig sind bzw. es sein könnten und nun sind wir alle dran, die uns wichtigen Fragen zu formulieren, zu diskutieren und entsprechende Antworten darauf zu finden. Das wird genauso wie in Kopenhagen schiefgehen, werden Sie nun vielleicht einwerfen. Ja und Nein. Wer eine verbindliche Antwort erwartet, welche konkreten Handlungen unsere Umwelt retten können, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Eine Gebrauchsanleitung wird es nicht geben. Während aber die Politik in Kopenhagen in ihren Strukturen und ihrem Denken hängengeblieben ist, könnte das von Ulrike Reinhard und Stuart Kauffman initiierte Projekt wegweisend sein, weil hier, wie Matthias Schwenk es formuliert, „eine Arbeitsform der Zukunft“ entsteht:
„Ein offenbar loser Zusammenschluss verschiedener Menschen über Kontinente hinweg, die auf den ersten Blick nichts zu verbinden scheint. Tatsächlich aber kennen sich die Protagonisten gut und sind über das Internet bestens miteinander vernetzt.“
Sich auf diesen partizipativen Ansatz einzulassen kostet Mühe und Zeit. Vielleicht fallen die Ergebnisse, die dann im Rahmen einer Open-Space-Veranstaltung  in Wien zusammengefasst werden sollen, sehr bescheiden aus. Trotzdem könnte das ein Schritt in die richtige Richtung sein, denn der Prozess verläuft nicht mehr top-down, sondern bottom-up. Hinter „Conversations“ steht der Grundgedanke, dasss wir am Beginn eines neuen Zeitalters stehen, in dem unsere alten Lösungsansätze nicht mehr greifen. Ulrike Reinhard erklärt im Video-Interview, wie die Idee zu diesem Projekt entstanden ist und worum es ihr und Stuart Kauffman geht:
Eines der Themengebiete ist mit „Clash of Cultures“ überschrieben. Klickt man die Unterseite „culture“ an, taucht ein Beitrag auf, dessen Überschrift mir sehr gut gefällt: „Can we Learn to Applaud Each Other?“ Die PolitikerInnen in Kopenhagen konnten es nicht. Ob wir es können, müssen wir erst noch beweisen. Vom „Clash of Cultures“ könnte dann keine Rede mehr sein. Alle weiteren Infos zum Projekt finden Sie entweder auf der Projektwebsite oder – gut zusammengefasst – im Beitrag von Matthias Schwenk.
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Kultur und Web 2.0: wie geht es weiter?

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Anlässlich der stARTconference wird es, ich habe es ja schon mal erwähnt, auch einen Tagungsband geben. Nachdem die stART.09 inhaltlich sehr breit angelegt war, geht es im nächsten Schritt darum, einzelne Themenstränge zu identifizieren, die für die stART.10 interessant sein könnten. Welche Trends sind zu erkennen, welche Themen an der Schnittstelle von Kultur und Web 2.0 werden uns nächstes und die darauffolgenden Jahre beschäftigen? Für den Tagungsband würde ich gerne eine Beitrag schreiben, in dem die möglichen Entwicklungen angesprochen werden. In dem aber auch die offenen Fragen formuliert werden. Die meiner Meinung nach wichtigsten Fragen und Entwicklungen möchte ich hier kurz auflisten:
  1. Erfolgsmessung im Web 2.0: Immer schneller steigt die Zahl der Kultureinrichtungen, die ein Facebook- bzw. Xing-Profil haben, bloggen, twittern oder auf Flickr bzw. YouTube vertreten sind. Wie aber lässt sich der Erfolg der Web 2.0-Aktivitäten überhaupt messen? Welche Aussagekraft besitzen so Kategorien wie „visits“, „visitors“ oder die Verweildauer auf einer Website? Reichen solche Zahlen überhaupt? Oder ist es notwendig, sich ganz andere Kriterien zu überlegen? Reputation etwa, oder die Fähigkeit zum Dialog?
  2. Geschäftsmodelle: Bis jetzt lebt ein großer Teil der Kultureinrichtungen im deutschsprachigen Raum vor allem von öffentlichen Geldern. Hinzu kommen meist noch Ticketeinnahmen und Geld, das über die Fundraising-Aktivitäten eingenommen werden kann (Sponsoring z.B.). Was können sich Kultureinrichtungen vom Fundraising 2.0 erwarten? Öffnen sich hier wirklich neue Finanzierungswege? Stichwort Sellaband. Werden wir in absehbarer Zeit Kleinstbeträge online transferieren können. Was muss passieren, damit ich online mit einem Mausklick einen Euro spenden kann, ohne dass die Hälfte davon für die Transaktionskosten drauf geht? Über Geschäftsmodelle zu reden heißt aber auch darüber nachzudenken, wie die Kreativen, die KünstlerInnen, die für das Internet den Content produzieren, von ihrer Arbeit leben können? Ist die Flatrate ein geeignetes Modell, um entsprechende Gelder zu lukrieren und an die ContentproduzentInnen zu verteilen?
  3. Urheberrecht: Spricht man über Geschäftsmodelle und die Frage, wer wieviel Geld für die Contentproduktion erhält, dann landet man wahrscheinlich sehr schnell beim Urheberrecht. Die Zeiten, in denen KünstlerInnen Kunstwerke produzieren und wir andächtig und staunend davorstehen, sind vorbei. Die Amateure emanzipieren sich, werden zu Experten und beginnen, das Kunstwerk weiter zu verarbeiten. Wie sollen die Kulturbetriebe, die KünstlerInnen darauf reagieren? Sie werden, so die Entwicklung sich fortsetzt, ihren Expertenstatus verlieren. Ist das erstrebenswert oder nicht?
  4. Unternehmenskultur: Kulturbetriebe sind häufig streng hierarchisch organisiert. Einrichtungen, die sich ins Web 2.0 begeben, treffen dort auf eine Welt, die ganz anders funktioniert. Flache Strukturen, Transparenz und was wahrscheinlich die größte Herausforderung bedeutet: die Dinge lassen sich nicht mehr kontrollieren. Kultur und Web 2.0, was heißt das für die Unternehmenskultur im Kunst- und Kulturbereich? Werden die Aktivitäten scheitern, weil hier verschiedene Wertesysteme aufeinanderprallen und sich die alten Strukturen durchsetzen können? Oder führen die Web 2.0-Aktivitäten zu einem neuen Bewusstsein, das dann auch ganz neue Strukturen hervorbringt? Oder kurz gesagt: hier geht es um Partizipation versus Hierarchie.
  5. Marketing und PR: Was bedeuten all diese Veränderungen für die Bereiche Marketing und PR? Wie gelangen die Informationen zu den Zielgruppen? Wie kann man ihnen das „Produkt“ Kunst schmackhaft machen? Aus dem (Marketing)-Monolog wird der Dialog und die PR verliert ihre Gatekeeperfunktion. Was heißt das für Agenturen und Abteilungen, die bis jetzt den jeweiligen Content produziert haben bzw. für die beiden Bereiche zuständig sind? Werden Sie überflüssig oder wird bald jede größere Kultureinrichtung über eine Community-ManagerIn verfügen?
  6. Mobile Web: Wie lange werden wir noch, wenn wir vom Internet sprechen, dabei an unseren Desktop oder das Laptop denken? Dank Smart- und iPhone greifen immer mehr Menschen über die mobilen Devices auf das Internet zu. Für die Kunst- und Kultureinrichtungen heißt das nicht nur, dass sie ihre Inhalte entsprechend aufbereiten müssen, sondern es entstehen ganz neue Möglichkeiten, die online- und die offline-Welt miteinander zu verbinden. Stichwort Augmented Reality. Tags werden nicht mehr nur für einzelne Websites vergeben, sondern als sogenannte Airtags mit der realen Welt verbunden.
Wie sehen Sie das? Welche Trends werden uns im Kunst- und Kulturbereich beschäftigen? Habe ich wichtige Punkte vergessen? Und welche Fragen sind Ihnen im Hinblick auf das Social Web wichtig? Schreiben Sie mir doch, was Ihnen noch abgeht oder wie Sie zukünftige Entwicklungen einschätzen?