Monthly Archives of: Oktober 2011

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Treffpunkt KulturManagement: Kulturpolitik in Österreich oder „die Macht der Beharrungskräfte“.

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Wenn Österreich sich gerne als Kulturnation präsentiert und bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die künstlerischen und kulturellen Glanzlichter der Vergangenheit verweist, dann bietet es sich an, sich am österreichischen Nationalfeiertag mit der österreichischen Kulturpolitik zu beschäftigen. Wir freuen uns, mit Michael Wimmer, dem Geschäftsführer von Educult, einem „unabhängigen Institut für für Forschung, Beratung und Management in Kultur und Bildung“, beim nächsten Treffpunkt KulturManagement am 26. Oktober von 9 bis 10 Uhr einen ausgewiesenen Experten der österreichischen Kulturpolitik begrüßen zu dürfen.

Der Musikerzieher und Politikwissenschaftler hat erst vor wenigen Wochen mit „Kultur und Demokratie“ ein Werk vorgelegt, das sich eingehend mit der österreichischen Kulturpolitik beschäftigt (siehe dazu meine Rezension) und sehr präzise deren Defizite herausarbeitet. In einer Zusammenfassung seiner Buches konstatiert Wimmer,

„dass die wesentlichen kulturpolitischen Inhalte bis heute ihre Referenz in einer kulturellen Norm finden, die sich als Ausdruck imperialer Herrschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat.“

Wimmer beschreibt in seinem Buch ein kulturpolitisches System, das die Veränderungen des politischen Systems unbeschadet überstanden hat. Daraus resultiert der Titel unseres 17. Treffpunkt KulturManagement „Kultur und nationale Identitätsbildung in Österreich: oder warum sich der österreichische Kulturbetrieb so schwer tut, in der Demokratie anzukommen“, zu dem ich Sie ganz herzlich einladen möchte. Wir wollen die Diskussion über die Herausforderungen einer zukünftigen Kulturpolitik nicht ganz auf Österreich beschränken und richten diese Einladung deshalb auch an alle diejenigen, die nicht aus Österreich kommen, sich aber für Kulturpolitik interessieren.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 26.10.2011 von 9:00 bis 10:00
Thema: „Kultur und nationale Identitätsbildung in Österreich: oder warum sich der österreichische Kulturbetrieb so schwer tut, in der Demokratie anzukommen“
Impulsvortrag: Dr. Michael Wimmer

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

Update: Auf Kulturmanagement Network ist ein Nachbericht zu dieser Veranstaltung erschienen, die Aufzeichnung ist hier zu finden.

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„Kultur und Demokratie“ (Rezension)

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In der Vorbereitung auf diesen Beitrag habe ich unter anderem bei Google nach  der „Zukunft der Kulturpolitik“ gesucht und interessanterweise tauchen auf der ersten Seite der Trefferliste mehrheitlich Verweise auf Artikel, Veranstaltungshinweise, etc. auf, die sich bezüglich der Zukunft von Kulturpolitik eher skeptisch äußern. So stellte sich etwa Martin Wassermair schon vor drei Jahren die Frage, ob sich über Kulturpolitik „in Zeiten ihrer Selbstauflösung“ überhaupt diskutieren lasse? Eine traurige Geschichte, wenn andererseits immer wieder die Bedeutung von Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft betont wird.

Ich selbst habe in der Vergangenheit immer wieder die Visionslosigkeit der Kulturpolitik kritisiert und die Frage gestellt, ob es Kulturpolitik überhaupt noch gebe? Nachdem ich das neue Buch von Michael Wimmer, Kultur und Demokratie. Eine systematische Darstellung von Kulturpolitik in Österreich (Affiliate Link) gelesen habe, weiß ich, dass es sie gibt. Man muss nicht unbedingt zufrieden sein mit ihr, aber sie existiert, was die Grundvoraussetzung für Veränderung ist.

Was aber versteckt sich hinter dem Begriff Kulturpolitik eigentlich. Wer sich auf Wikipedia informiert, ahnt schon, dass die Beschäftigung damit nicht so ganz einfach ist. Wimmer verweist gleich zu Beginn seines Buches auf ein Dilemma, denn die Kunst versuche sich einerseits der Politisierung zu entziehen und sei andererseits in der Praxis auf diese angewiesen. Heraus kommt

„eine Art spätromantisches Mäzenatentum, dessen einziges Interesse darauf gerichtet ist, dass es Kunst gibt.“ (S.15)

Auch wenn es oft so scheinen mag, aber die Autonomie der Kunst stellt noch kein kulturpolitisches Programm dar und es bleibt die Frage, welche Interessen denn in der Kulturpolitik durchgesetzt werden sollen? Zuvor skizziert Wimmer aber die gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte und macht deutlich, dass sich auch die Kunst letzten Endes nicht gegen die fortschreitende Ökonomisierung aller unserer Lebensbereiche wehren  konnte und wir heute Abschied genommen haben von der Idee, Kulturpolitik könne auch als Gesellschaftspolitik verstanden werden.

Aber noch eine zweite Entwicklung verändert die Rahmenbedingungen: die wachsende Ethnisierung des Sozialen:

„Je mehr sich die ökonomischen Konkurrenzverhältnisse zwischen den Menschen verschärfen, desto eher würden ethnische und damit auch kulturelle Differenzen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft als Ab- bzw. Ausgrenzungskriterium (…) ins Treffen geführt,“ (S.24)

beruft sich Wimmer auf den Politikwissenschaftler Christoph Butterwege. Die Kulturalisierung des Sozialen führt dazu, dass unterschiedliche Kulturen eher als Kampfplatz denn als Hort von Innovation gesehen werden.

Natürlich kommt man in einem solchen Buch nicht umhin, den Begriff der Kultur zu definieren. Wimmer geht hier sehr geschickt vor und beschreibt „lediglich“ die Spannungsfelder (Zivilisation, Bildung, Religion, etc.), in denen sich „Kultur“ bewegt. Zur Sprache kommt dabei (natürlich) auch die Beziehung der beiden Bereiche Kunst und Kultur. Wimmer konstatiert, dass wir nicht nur umgangssprachlich, sondern auch im kulturpolitischen Fachdiskurs dazu neigen, beide Begriffe synonym zu verwenden. Dass dem nicht immer so war, zeigt Wimmer am Beispiel Gottfried Benns, der sich vehement dagegen aussprach, die Kunst als repräsentative Ausdrucksform von Kultur zu verstehen.

Ähnlich schwierig stellt sich die Annäherung an den Begriff Kulturpolitik dar. Wimmer sieht eine enge Verknüpfung zwischen den jeweiligen politischen Systemen und ihren kulturellen Ausformungen. Die Beobachtung Friedrich Schillers, dass es der Kunst immer dann gut ging, wenn es den Menschen schlecht ging, oder, wie es Wimmer formuliert,

„dieses offenkundige Auseinanderklaffen zwischen demokratischen Errungenschaften und institutionellem Niedergang des Kulturbetriebs“ (S.87)

veranlasst ihn dazu, sich das Verhältnis der verschiedenen politischen Modelle zu ihrem Kulturbetrieb genauer anzuschauen und zwischen einem liberalen, einem wohlfahrstaatlichen, einem republikanischen und einem ästhetischen Verständnis zu unterscheiden. Die historische Entwicklung hat dazu geführt, dass wir es heute, wenn wir die institutionelle Basis von Kulturpolitik betrachten, mit unterschiedlichen Modellen zu tun haben. Den meisten von uns sind das zentralistische und das föderalistische Modell wohl bekannt, während das außerdem von Michael Wimmer beschriebenen para-staatliche Modell, das Modell des staatlichen Kulturunternehmers sowie das transnationale Kooperationsmodell eher selten genannt werden.

Aus den unterschiedlichen Modellen ergibt sich auch ein unterschiedliches Instrumentarium, um staatliche Kulturpolitik betreiben zu können. Die Republik Österreich zum Beispiel verfügt über Sammlungsbestände der vormaligen Herrscherhäuser, kümmert sich aber nicht nur um die Pflege und den Erhalt dieser Sammlungen, sondern tritt auch aktiv als Käuferin von Kunstwerken auf. Diesen akquisitiven stehen restriktive Maßnahmen gegenüber, in denen bestimmten, als schädlich betrachteten Entwicklungen wie zum Beispiel dem Wiener Aktionismus der Kampf angesagt wurde.

Ausgestattet mit diesem Wissen folgt man dem Autor gerne in Richtung österreichischer Kulturpolitik. Welche historischen Wurzeln hat sie, wie ist die Kunst- und Kulturverwaltung organisiert und welche Größe weist das Budget für diesen Bereich auf? Darauf aufbauend bietet der Autor dann eine eingehende Analyse des „Politikfeldes Kulturpolitik in Österreich“, wie er das siebte Kapitel des gut 400 Seiten dicken Buches überschrieben hat. Wimmer konzentriert sich dabei auf die Rahmenbedingungen (polity), Prozesse und Verfahren (politics) und die politischen Inhalte (policy).

Vor allem der letzte Punkt hat mir oft überraschende Einblicke in die Konzepte und inhaltlichen Vorstellungen derer, die in den letzten Jahrzehnten die österreichische Kulturpolitik bestimmt haben, gewährt. Für Wimmer stehen hinter der österreichischen Kulturpolitik bestimmte Ansprüche, die ideologisch unterlegt sind und völlig unterschiedliche Auswirkungen auf die kulturpolitische Praxis haben. Wimmer unterscheidet dabei zwischen folgenden Ansätzen:

  • dem konservativen Anspruch: dahinter verbirgt sich der Wunsch, eine „durch den Kulturbetrieb repräsentierte kulturimperiale Sonderrolle Österreichs“ zu bewahren, die auf der einstigen Größe des Landes aufbaut.
  • dem demokratiepolitischen Anspruch: Kulturpolitik als ein Instrument zur „Harmonisierung der Gesellschaft“, dieser Glaube trieb vor allem die Regierung unter Bruno Kreisky an.
  • dem kultur- bzw. gesellschaftsliberalen Anspruch: den KünstlerInnen und Intellektuellen kommt eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung zu; sie sind es, die Diskurse führen und die gesellschaftliche Entwicklung auch über ihr Kunstschaffen vorantreiben.
  • dem wirtschaftsliberalen Anspruch: wirtschaftliche Argumente gewinnen an  Bedeutung, die Entwicklung geht in Richtung Kulturwirtschaftspolitik, das Ergebnis ist eine Ökonomisierung des Bereiches.
  • dem nationalen Anspruch: Kunst und Kultur als Instrumente, um sich gegenüber dem Fremden abzugrenzen und der damit verbundene Versuch, kulturelle Unterschiede zum Austragen sozialer und gesellschaftlicher Konflikte zu nutzen.
  • dem integrativen Anspruch: die Idee einer Kulturpolitik, „die darauf abzielt, staatlicherseits eine Gleichwertigkeit kultureller Ausdrucksformen in einer ausdifferenzierten, demokratisch verfassten Gesellschaft herzustellen“. (S.307)

Hat man dieses Buch durchgelesen, sind die Defizite der österreichischen Kulturpolitik offensichtlich. Aber das Wissen um die Ursachen dieser Defizite können der Ausgangspunkt für die so dringend benötigten Veränderungen im österreichischen Kunst- und Kulturbereich sein. Michael Wimmer hat nicht nur in seinem Buch, sondern auch in einem eigenen Text Empfehlungen ausgesprochen, über die es sich zu diskutieren lohnt. Als Anstoß zur Diskussion hat er sein Buch auch verstanden. Das Zeug dazu hat es, es lohnt sich, das Buch zu lesen. Fragt sich, ob jemand da ist, der es diskutieren möchte?

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Social Software: nicht immer geht es in die richtige Richtung

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Stellen Sie sich vor, Sie sollen eine wichtige Nachricht erhalten. Wenn man Sie fragt, ob diese Nachricht an Sie als Postkarte oder als Brief verschickt werden soll, werden Sie sich vermutlich für Variante 2 entscheiden. Nehmen wir außerdem an, dass die Nachricht so wichtig ist, dass sie niemand außer Ihnen lesen darf. Sie können die Nachricht irgendwo bei sich verstecken. Oder Sie zerschneiden die Nachricht und bringen jedes Wort an einem anderen Ort unter. In Punkto Sicherheit werden Sie sich vermutlich wieder für Variante 2 entscheiden.

In einer ähnlichen Situation befand ich mich, als es darum ging, einen geeigneten Anbieter für Online-Speicherplatz zu finden. Nutzt man Dropbox, dann ist das, um auf das Beispiel zurückzukommen, jeweils die Variante 1. Handelt es sich nicht um große Geheimnisse, dann ist daran nichts auszusetzen. Sehr viel spannender war in meinen Augen allerdings die Idee von Wuala. Die Dateien werden verschlüsselt, bevor sie meinen Computer verlassen, dann zerlegt und auf die Computer der verschiedenen Wuala-Nutzer verteilt. Gespeichert werden sie also nicht auf dem Server des Anbieters, sondern in einem P2P-Netzwerk, an dem sich viele UserInnen beteiligt haben, weil sie auf diese Weise kostenlosen Speicherplatz bekommen konnten. Ich selbst fand diese Idee toll und habe in den letzten Monaten knapp 20GB Speicherplatz angesammelt.

Nun hat Wuala das System umgestellt und speichert meine Daten auf einem zentralen Server ab. Begründet wird das mit dem enormen Aufwand und einem Systemwechsel. Ich finde diese Entwicklung bedauerlich, denn damit verliert Wuala sein Alleinstellungsmerkmal. Die Idee, Sicherheit über ein P2P-Netzwerk herzustellen, hat Charme und bei mir bis heute immer fehlerlos funktioniert.

Ob ich Wuala weiterhin nutzen werde, weiß ich noch nicht, denn mit Bitcasa steht ein Anbieter in den Startlöchern, der ein ähnliches Verschlüsselungssystem verwendet und mir für monatlich 10 USD unbegrenzten Speicherplatz anbietet (siehe dazu: Bitcasa macht verschlüsselten Onlinespeicher sexy). Der Nachteil: deren Server stehen vermutlich in den USA. Da ist mir ein Server in der Schweiz schon lieber. Wuala zeigt, wie schnell man den Kredit bei seinen UserInnen verspielen kann, wenn man die in ihren Augen falsche Entscheidung trifft (siehe dazu die Forenkommentare).

Aber der Eigentümer von Wuala, das französische Unternehmen LaCie, ist nicht alleine: auch Delicious hat sich durch den Relaunch in eine Richtung entwickelt, die es als Social-Bookmarking-Tool fast unbrauchbar macht. Eigentlich schade…

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stART11: heute in einem Monat geht es los

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Als Kind bekam ich Geschichten erst vorgelesen bzw. las sie selbst, als ich dazu in der Lage war. Geschichten waren aber in diesem Alter untrennbar mit Büchern verbunden.  Aufgebrochen wurde diese enge Verbindung mit dem Aufkommen von Schallplatten, die es einem erlaubten, sich Geschichten anzuhören. Die weitere Entwicklung kennen wir. Auf die Schallplatte folgte die Kassette, dann kam die CD, die dann irgendwann von der DVD abgelöst wurde.

Aber damit nicht genug. Heute lassen sich Geschichten auch über das Internet erzählen, eines der für mich schönsten Beispiele in dieser Hinsicht ist Inanimate Alice, „a digital novel“, wie es auf der Website heißt. Die Geschichte der zehnjährigen Alice können wir nur am Bildschirm erleben und das in Form von Text, Bildern, aber auch Spielen. Das transmediale Erzählen hat sich in den letzten Monaten auch bei uns zum Renner entwickelt und uns schon im letzten Jahr dazu bewogen, die Kunst des digitalen Erzählens zum Thema der diesjährigen stARTconference zu machen. Sie findet am 17. und 18. November in der Haniel-Akademie und der gegenüberliegenden ehemaligen Kalvinistenkirche statt, also direkt im Herzen von Duisburg-Ruhrort, dem „Kreativquartier“ der Stadt.

Dank dieses Umzugs in die direkte Nähe des weltgrößten Binnenhafens und dank unserer beiden Partner, der Unternehmensgruppe Haniel und der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg (GFW), ist es uns gelungen, sowohl einen tollen Rahmen für die diesjährige stART11 zu finden als auch sehr günstige Tickets anbieten zu können. Sie kosten dieses Jahr 144 Euro und können über dieses Online-Formular bestellt werden.

Aber zurück zu den Inhalten. Auf der einen Seite ist es schön zu sehen, wie solch transmediale Geschichten funktionieren und mit „Peers Return“ werden wir Ihnen ein Projekt vorstellen, dass die Geschichte Peer Gynts aufgreift und sie über verschiedene Medienformate erzählt. Dieses Beispiel ist uns deshalb besonders wichtig, weil es nicht nur auf die gängigen Formate wie Video, Foto oder Musik zurückgreift, sondern sich auch in den Bereich des Musiktheaters vorzuwagen beabsichtigt. Unsere Idee dahinter: Transmedia Storytelling ist nicht nur etwas für den Film- und Musikbereich, sondern auch für die klassischen Kunstsparten. Wie aber funktioniert  Transmedia Storytelling bzw. wie funktioniert erst einmal Storytelling und das Arbeiten mit narrativen Methoden? Im Rahmen von Vorträgen und Workshops bekommen Sie einen Einblick in die Welt des (transmedialen) Storytelling. So wird Marcus Brown, Social-Media-Chef der Marketingagentur Booming in seiner Keynote erklären, wie digitales Storytelling überhaupt funktioniert und was er unter dem Begriff „Streamtelling“ versteht.

Sein Hintergrund als Mitarbeiter einer Marketingagentur macht schon deutlich, dass wir uns vom Storytelling einiges versprechen und das Erzählen von Geschichten nicht als Selbstzweck betrachten. Wer mit Geschichten arbeitet, findet schnell heraus, dass es dabei nicht nur um das Erzählen, sondern auch um das Zuhören geht, d.h. die ZuhörerInnen spielen eine durchaus wichtige Rolle. So verfolgt Storytelling vor allem im Kontext von Social Media das Ziel, über die Geschichte hinaus zu wirken. Ist die Geschichte zu Ende, gehen die Gespräche darüber erst so richtig los und das im Idealfall auf den diversen Social-Media-Kanälen, die die jeweilige Kultureinrichtung nutzt.

Sie sehen, Social Media ist eigentlich die Grundvoraussetzung, um Storytelling richtig zu nutzen und aus dem eher passiven Publikum so etwas wie eine Community werden zu lassen. Dahinter verbirgt sich die Idee, auf diese Weise auch neue Erlösmodelle zu entwickeln und Kultureinrichtungen fit zu machen für Zeiten, in denen die öffentlichen Kassen leer sind und die staatliche Förderung eher ab- als zunimmt. Wenn ich Sie nun neugierig gemacht habe, finden Sie in einem eigenen Beitrag mehr über das Programm der stART11. Und wenn Sie noch mehr wissen wollen, besuchen Sie doch die folgende Seite, auf der wir Ihnen alle Informationen im Überblick zur Verfügung stellen. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind.

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Warum ein Blog so wertvoll ist

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Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Fan von Blogs bin und immer wieder auf ihre Bedeutung im Rahmen eines Social-Media-Konzeptes hinweise. Ich bin mir darüber klar, dass der Aufwand für ein Blog wesentlich größer ist als die Aktivitäten auf den meisten anderen Kanälen, trotzdem halte ich ein Blog für einen unverzichtbaren Bestandteil im Social-Media-Mix. Warum?

In meinem Beitrag „So schnell werden Ihre Informationen wertlos“ habe ich auf eine Untersuchung verwiesen, die gezeigt hat, dass die Halbwertzeit von Informationen auf Twitter und Facebook bei rund drei Stunden liegt. Konkret wurde analysiert, wie lange es dauert, bis die Hälfte der Klicks auf einen per Posting oder Tweet verbreiteten Link erfolgt ist. David Röthler fragte daraufhin in einem Kommentar nach vergleichbaren Zahlen für meine Blogbeiträge, weil eine längere Halbwertzeit zu dem Schluss führen würde, dass diese nachhaltiger wirken als Postings auf Facebook oder Twitter.

Nun ist es natürlich nicht ganz korrekt, die Klickzahlen von Blogbeiträgen mit denen von Links zu vergleichen, die in einem Tweet oder einem Facebook-Posting enthalten sind. Mal abgesehen von der Tatsache, dass wir es hier mit recht unterschiedlichen Formaten zu tun haben, tauchen bei meinen Blogbeiträgen gleich mehrere Probleme auf. Ich weiß erstens nicht genau, wie oft einzelne Blogbeiträge angeklickt werden, weil ich keine genauen Zugriffszahlen via Feedreader habe. Und es ist höchst kompliziert, die Zugriffe auf die einzelnen Stunden herunter zu brechen.

Wer selbst ein Blog betreibt, weiß aber, dass das auch gar nicht nötig ist, denn die einzelnen Beiträge werden meist über mehrere Tage verteilt angeklickt und dementsprechend liegt die Halbwertzeit der Klickzahlen natürlich höher als bei Facebook oder Twitter. Wie sieht das nun konkret auf meinem Blog aus? Leider schaffe ich es zeitlich nicht, meine mehr als 1.500 Beiträge zu analysieren. Aber ich habe versucht, einige Gesetzmäßigkeiten zu finden.

Eine Vielzahl von Beiträgen beschäftigt sich mit Veranstaltungen, was zu der Vermutung führt, dass diese nur zeitlich begrenzt auf Interesse stoßen. Die Zahlen des ersten Beispiels stammen von einem Beitrag aus dem August 2010, die Zugriffe beschränken sich auf die Zeit von August bis November 2010, vermutlich erfolgte die Hälfte der Klicks gleich in den ersten Tagen. Zu berücksichtigen ist, dass hier weder die Zugriffe via Feedreader noch direkt über die Startseite enthalten sind, aber es geht mir ja gar nicht unbedingt darum, die wirklichen Zugriffszahlen herauszufinden, sondern die Frage zu beantworten, wie lange es dauert, bis Blogbeiträge im virtuellen Nirvana verschwinden. In diesem Fall ging das also recht schnell, wie man sehen kann.

Handelt es sich um Beiträge ohne eine konkrete zeitliche Zuordnung, sehen die Zahlen etwas anders aus. Im folgenden Beispiel handelt es sich um einen Beitrag, der auf eine Broschüre zum Thema EU-Förderungen hinweist und ziemlich genau vier Jahre alt ist. Er weist laut dieser WordPress-Statistik ingesamt 89 Zugriffe auf, die Hälfte der Klicks wurde im Juni 2008, also 8 Monate später erreicht.

Ein ähnliches Muster weisen übrigens viele meiner Beiträge auf, die Zugriffe verteilen sich auf etwa zwei Jahre, danach gibt es dann nur noch „Zufallstreffer“. Schon hier wird klar, dass Blogbeiträge wesentlich länger sichtbar bleiben als einzelne Tweets oder Facebook-Postings, wobei es mir nur um die Tendenz geht, denn es wäre unzulässig zu behaupten: die Halbwertzeit von Links auf Twitter liegt bei 3 Stunden und die bei meinen Blogbeiträgen bei 8 Monaten.

Wer viele solcher Blogbeiträge hat, muss immer wieder für Nachschub sorgen, denn die Statistik zeigt, dass nach einigen Monaten das Interesse an den Beiträgen nicht nur nachlässt, sondern fast völlig verschwindet, was bedeutet: diese Beiträge werden nicht mehr gelesen und wenn doch, sind die Zugriffe statistisch gesehen irrelevant. Handelt es sich um zeitlose Inhalte, kann ich natürlich versuchen, in aktuellen Beiträge auf diese alten Blogposts zu verlinken. Im folgenden Beispiel habe ich 30 Monate später auf diesen Beitrag verlinkt und da das Blog in dieser Zeit an LeserInnen gewonnen hat, gab es die meisten Zugriffe auf diesen im Juni 2007 verfassten Beitrag erst im November 2009.

Ein solcher Ansatz ist auf Twitter oder Facebook zwar nicht ganz unmöglich, kommt aber aus praktischen Gründen kaum vor. Im Fall dieses Beitrags habe ich es aber geschafft, dass er nicht in Vergessenheit geraten ist, sondern die Hälfte der hier registrierten Zugriffe erst nach zwei Jahren erfolgt ist.

Am interessantesten ist aber das folgende Muster:

Dieser Beitrag stammt aus dem März 2007 und erfreut sich seitdem wachsender Beliebtheit. Im Unterschied zu den anderen Beispielen nimmt das Interesse hier nicht ab, sondern zu. In der Regel sind das die Beiträge, auf die z.B. in Wikipedia verlinkt wird oder die bei Google so gut angeschrieben sind, dass sie im Suchmaschinenranking ganz weit oben auftauchen und so eine ständig wachsende (oder gleichbleibende) Zahl an Zugriffen garantieren.

Je häufiger Sie das mit Ihren Blogbeiträgen schaffen, desto unabhängiger sind Sie vom Tagesgeschäft. Schaffen werden Sie das vermutlich am ehesten mit Grundlagenbeiträgen bzw. zeitlosen Themen. Weniger gut funktioniert diese Strategie, mein erstes Beispiel hat es gezeigt, wenn Sie in Ihrem Blog nur Ihre eigenen Veranstaltungen ankündigen. Diese „bleibenden“ Blogposts passieren aber nicht einfach, sondern sind Teil einer Strategie, deren erster Teil darin besteht, die entsprechenden Schlagworte oder Keywords zu erarbeiten, unter denen Sie dann gefunden werden wollen (siehe dazu: Wissen Sie, mit welchen Suchbegriffen Sie im Web gefunden werden?).

Ob Sie damit erfolgreich sind, sehen Sie dann einerseits an den Zugriffszahlen. Andererseits können Sie mit Hilfe von Tools wie etwa Free Monitor for Google kontrollieren, wie gut Sie bei Google mit den ausgewählten Keywords gerankt sind. Nicht vergessen sollten Sie: es braucht etwas Zeit, bis eine solche Strategie aufgeht.

Titelbild: „Writer’s space„; By runran (CC-Lizenz)

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Der Leitfaden „Social Media für Museen“ ist erschienen

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Eines der Ergebnisse unserer Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern im Rahmen des Forschungsprojektes Audience+ ist der von Axel Vogelsang, Bettina Minder und Seraina Mohr erstellte Leitfaden „Social Media für Museen“.

„Unser Ziel war ein leicht verständlicher Leitfaden, welcher die Grundlagen der Arbeit mit sozialen Medien erklärt und was es dabei zu beachten gilt,“

schreibt Axel Vogelsang im Projektblog. Der Leitfaden ist als Arbeitsbuch konzipiert, das die LeserInnen mit ganz konkreten Aufgaben konfrontiert. Kultureinrichtungen, die gerade dabei sind, sich mit der Materie vertraut zu machen, finden hier eine Anleitung, worauf beim Einstieg in das Social Web zu achten ist. Der Leitfaden enthält nicht nur eine Vielzahl von Informationen, sondern liest sich auch sehr angenehm und ist sehr schön gestaltet worden. Wer schön gemachte Bücher mag, sollte sich ein Printexemplar (Affiliate Link) sichern. Alle anderen können sich den Leitfaden hier kostenlos als PDF herunterladen.

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stARTcamp Köln: Social Media muss man leben

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„Das Social Web ist schön, aber es macht viel Arbeit.“ So lautete das Motto des mittlerweile dritten stARTcamps, das nach Essen und Dresden nun in Köln über die Bühne ging. Vorab: es war eine tolle Veranstaltung, perfekt organisiert von Anke von Heyl, Wibke Ladwig und Ute Vogel, mit einem vielseitigen Programm und gut 100 TeilnehmerInnen, unter ihnen viele bekannte, aber auch jede Menge neuer Gesichter.

Mein Kölnbesuch begann schon am Tag davor, denn ich wollte die Gelegenheit nutzen und im Museum Ludwig die Ausstellung „Ichundichundich. Picasso im Fotoportrait“ besuchen. Wer Picasso mag und sich gerne Fotos aus alten Zeiten anschaut, sollte sie sich nicht entgehen lassen. Gerne hätte ich via Twitter auf den Account des Museums und die Ausstellung verwiesen, aber leider ist das Museum nicht auf Twitter vertreten. Und was ich noch mehr bedauere: das Blog des Hauses existiert nicht mehr. Ohne die Gründe zu kennen, musste ich an das vor kurzem ebenfalls eingestellte Blog der Duisburger Philharmoniker denken. In beiden Fällen entschieden sich die Verantwortlichen für den Einstieg in das Social Web und stellten die Aktivitäten aber nach einiger Zeit wieder ein.

Für mich stellt sich die Frage, woran das liegen kann? Betreibt jemand sein Blog privat, dann hat er vielleicht keine Lust oder keine Zeit mehr, die Gründe sind auf alle Fälle zu respektieren, schließlich geht es mich, der ich höchstens Leser dieses Blogs bin, nichts an. Bei einer öffentlich finanzierten Einrichtung muss ich die Gründe natürlich auch respektieren, aber für mich stellt sich auch die Frage, was im Vorfeld falsch gelaufen ist, dass es zu dieser Entscheidung kommen konnte? Wobei „falsch gelaufen“ vielleicht gar nicht der richtige Begriff ist. Wie man sich dem Thema Social Media annähert, ist mittlerweile bekannt, Sebastian Hartmann machte in seiner stARTcamp-Session deutlich, worauf es dabei ankommt. Hineinkommen ins Social Web scheint also gar nicht so schwer zu sein, die Herausforderung besteht wohl eher darin, nicht wieder hinauszufallen bzw. mit seinen Aktivitäten nicht zu scheitern.

Als mir dann auch noch am Abend das neue Positionspapier „Wissensmanagement und Enterprise 2.0“ der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. (GfWM) in die Hände fiel (die jeweils aktuelle Version dieses Positionspapiers findet man auf diese Seite), hatte ich mein Thema für das stARTcamp: wie schafft man es, Social Media nachhaltig in der jeweiligen Struktur zu verankern und so ein Scheitern zu vermeiden?

Besonders groß ist in meinen Augen die Gefahr des Scheiterns dann, wenn man Social Media lediglich als eine (neue) Form der Kommunikation betrachtet, die sich zu den bisherigen Kommunikationsmaßnahmen gesellt. Christian Riedel hat in seinem Blogbeitrag „Digital Thinking basiert auf Digital Behaviour – Der blinde Fleck der Unternehmenskultur“ recht einleuchtend erklärt, warum das Wechselspiel von digitalem Denken und digitalem Verhalten den nachhaltigen Erfolg der Social-Media-Aktivitäten begünstigt.

Die Erkenntnis, dass man das, was man nach außen signalisiert, auch selbst verinnerlichen und leben muss, ist nun nicht neu, auch die AutorInnen des GfWM-Positionspapiers haben diesen Gedanken aufgegriffen und ihn noch um den Ansatz der lernenden Organisation erweitert. Ihren ganzheitlichen Zugang verdeutlicht ihre Behauptung:

„Enterprise 2.0 kann man nicht einführen, sondern nur werden.“ (S.3)

Ähnliches lässt sich, so denke ich, auch über Social Media sagen: man muss es leben. In der Praxis heißt das, die Social-Media-Aktivitäten dürfen sich nicht auf den B2C und den B2B-Bereich beschränken, sondern sollten auch die Bereiche B2E (Business to Employee) und E2E (Employee to Employee) umfassen. Ein Ansatz, der z.B. in einem Unternehmen wie IBM schon längere Zeit gelebt wird. Ganz so weit sind die Kulturbetriebe noch nicht, aber das stARTcamp hat gezeigt, dass viele auf dem richtigen Weg sind. Sogar das „social singing“ klappte schon recht gut. ;-)

Hier die Folien zu meiner Präsentation: