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Jrene Rolli: Selbstdarstellung von Künstlern im Internet (Gastbeitrag)

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© Maren Beßler ; Pixelio

Beeinflusst das Medium Internet das Künstler-Dasein und deren Selbstdarstellung? Eine spannende Frage, der Jrene Rolli in ihrem Essay „Selbstdarstellung von Künstlern im Internet“ nachgegangen ist. Ich freue und bedanke mich, dass sie mir ihren Text für das Kulturmanagement Blog zur Verfügung gestellt hat.

Entstehung und Entwicklung der künstlerischen Selbstinszenierung

Das Selbstporträt. Eine alte Tradition im künstlerischen Schaffen und auch die erste Form von künstlerischer Selbstdarstellung, an die man sich zurück erinnert. Bis zu Beginn der Moderne bleibt es auch die einzige Erinnerung.

Lange richteten sich Künstler bei der Schaffung ihrer Werke vor allem auf ihre Hauptauftraggeber Staat und Kirche aus. Erst die Moderne brachte die Tendenz zur Selbstreferentialität mit. In Hinblick auf die Kunst bedeutete dies eine neue Freiheit für die Kunstschaffenden. Experimentelles entstand, neue Materialien wurden entdeckt und eingesetzt. So auch das eigene Ich, der eigene Körper. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man diese Tendenz radikal weiterentwickeln. Vermehrt fanden nun künstlerische Auseinandersetzungen mit der eigenen Person in Handlungen und Aktionen statt. Ab 1960 wurde die Selbstdarstellung als treibende Kraft des künstlerischen Schaffens von immer mehr Künstlern entdeckt. Der verkaufsfördernden Wirkung der Selbstdarstellung auf dem aufblühenden Kunstmarkt war man sich bereits zu dieser Zeit bewusst. Nicht immer stand des Künstlers authentische Ich im Mittelpunkt des Werkes, oftmals schlüpften sie in andere Rollen, agierten als Schauspieler und nahmen immer wieder andere Identitäten an. Oft mündete dies in einer totalen Selbstentfremdung.

Die wahre Hochkonjunktur erlangte die Selbstdarstellung jedoch erst mit dem Internet. Das Phänomen der „boomenden“ Selbstdarstellung trifft man seit Anfang des 21. Jahrhunderts nicht bloss in der Kunstsparte an. Diese Erscheinung ist breit über die ganze Gesellschaft verstreut. Videos vom neugeborenen Baby auf YouTube, das Tagebuch der Tochter von nun an in einem Blog mit der halben Welt geteilt und über Xing werden triste Lebensläufe zum Leben erweckt.

Sennet hat den immer stärker werdenden Hang – man könnte hier wohl auch von Drang sprechen – zur Selbstoffenbarung „die Tyrannei der Intimität“ genannt. Was Künstler jedoch von den anderen die ihr Ich öffentlich zelebrieren unterscheiden mag, ist die Art und Weise wie sie es tun. So geschickt und professionell erreichen sie oft weit bessere Resultate als die dem modernen Exhibitionismus frönenden Personen.

Künstler-Dasein heute

Nicht alleine durch die Entwicklung eines Kunstmarktes wie wir ihn heute kennen, sicherlich auch durch Fördergelder, Stipendien und Möglichkeiten des Teilzeit-Studiums, begehen und wagen immer öfters Leute den Weg zum Künstler-Dasein. Der grosse Jackpot der auf dem Kunstmarkt gefüllt mit Geld und Anerkennung lockt, die Chance ihn zu knacken ist vergleichbar mit einem Sechser im Lotto.

Doch wann ist ein Künstler überhaupt ein Künstler? Brock argumentiert, dass im Gegensatz zu allen anderen Berufsgruppen sich die Künstler ausschliesslich über sich selbst legitimieren. Beuys hingegen äusserte einst, jeder sei ein Künstler. So unterschiedlich diese zwei Ansichten auf den ersten Blick sind, so ähnlich wirken sie bei einer zweiten Betrachtung.

Zahlreiche Portale auf dem Internet widmen sich Kunstschaffenden und bieten eine Plattform für die Präsentation eigener Werke. Nehmen wir in diesem Beispiel im spezifischen die Bildende Kunst. Häufig teilen sich im Web Kunststudenten mit Abschluss und Ausstellungserfahrung den Platz mit künstlerischen Autodidakten. Könnte man die Identitäten hinter den Werken nicht weiterverfolgen, würde nicht selten der Unterschied kaum auffallen. Weder von richtigen und falschen Künstlern noch von Konkurrenz kann man sprechen, denn jeder ist ein Künstler, wie eben Beuys schon früh zu sagen wagte. Und dies wohl heute im Zeitalter des Internets mehr als je zuvor.

Eigenheiten des Internets in Bezug auf die Identität

Gegenüber von klassischen Medien mit einem sozial integrativen Effekt, schreibt Lievrouw dem Internet das Auslösen eines Gefühls der Einzigartigkeit zu. Das Internet bietet auch Minderheiten und deren Sichtweisen Platz und fördert entsprechend Individualität. Dass gerade Künstler bereits früh das Internet für sich entdeckten erstaunt daher nicht. Das Experimentieren mit verschiedenen Identitäten ist in der virtuellen Welt auf Grund der wegfallenden körperlichen Merkmale, der fehlenden Kontrolle durch das soziale Umfeld sowie der gegebenen Anonymität ein Kinderspiel. Ein Spiel in dem verschiedene Rollen eingenommen werden können und so ein eigenes anderes Selbst geformt werden kann. Der eigene Auftritt kann also immer wieder anders aussehen.

Früher war die Zugehörigkeit von Faktoren wie Kirche und sozialer Klasse bestimmt und wirkte sich stark auf die Identitätsentwicklung aus. Heute fehlen diese festen Gruppierungen oft. Virtuelle Netzwerke nehmen deren Platz ein und werden zu einem bedeutsamen Instrument für die Identitätsentwicklung. Egal ob als Einzelkämpfer oder in einer Gruppierung mit Gleichgesinnten, das Internet bietet auch bisher unbekannten Kunstschaffenden die Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen und aus dem Schatten heraus zu treten. Man spricht von einer modernen Identität welche mobiler, multipler und selbstreflexiver und konstruierbar ist.

Unterschiede in der Selbstdarstellung

Die Form der Selbstdarstellung kann in mehrere Richtungen gehen. Einerseits als direkter Einflussfaktor auf das künstlerische Werk andererseits als reine in Szene Setzung des Künstlers an sich in der Öffentlichkeit. Wobei ersteres schon seit Beginn der Moderne zu beobachten ist, tauchte die teilweise extreme Selbstdarstellung der Künstler erst mit dem Internet erwähnenswert auf. Wobei wir uns hier wieder an Beuys und Brock erinnern können: Jeder kann grundsätzlich ein Künstler sein und das World Wide Web bietet hier nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Selbstinszenierung. Gehen wir als Beispiel wieder von den Bildenden Künsten aus und schauen uns die Vielfalt von Portalen, Portfolios und Web-Magazinen an die in den letzten Jahren entstanden sind und vor allem wie sie sich entwickelt haben. Längst haben frühere Minderheiten wie Grafitti-Künstler oder Illustratoren auch ihren Weg auf renommierten Kunst-Webseiten gefunden und Platz genommen. Was jedoch früher wie auch heute noch immer Bestand hat, ist, dass die „Qualität“ der Werke noch immer Hauptgrund für Erfolg respektive Renommee ist.

Wandlung des Künstler-Daseins mit dem Internet

Kaum ein Künstler existiert ohne seine eigene Webseite oder zumindest einem Onlineauftritt auf einem der zahlreichen Branchenportale. Besonders die junge Generation der Kunstschaffenden hat das Internet als vielfältig nutzbares Medium erkannt. Nebst Verkaufsförderung, Steigerung der Bekanntheit und Netzwerk- Möglichkeiten ist die Selbstvermarktung voll im Gange. Die Kunstschaffenden haben verstanden, wenn sie auf dem Kunstmarkt gefragt sein wollen müssen sie ein attraktives Angebot zu bieten haben. Das soll nicht heissen, dass sie ihre Werke dem Markt anpassen, sondern vielmehr, dass sie sich als Künstler zu einer Marke gewandelt haben. Vergleichbar mit einer Einzelfirma, die ein Image aufbaut, sich eine Corporate Identity zulegt und selbstsicher auf den Markt tritt um seine Produkte anzubieten. Künstler scheinen sich in den letzten Jahren zum heutigen Gesamtkunstwerk ICH gewandelt zu haben.

Literaturverzeichnis

Über die Autorin:

Jrene Rolli, 1986, aus Zürich, hat an der Universität Basel und Hochschule Luzern Kulturmanagement studiert. Zurzeit ist sie im Medienbereich als Produktionsassistentin für trimediale (TV/Radio/Online) Formate tätig und hat die administrative Leitung der Abteilung inne. Ihre Spuren im kulturellen Bereich hat sie bisher besonders mit Kommunikation hinterlassen; In Kunstgalerien im In- und Ausland, internationalen Filmfestivals und Musik- und Kulturmagazinen. Stark interessiert am Zusammenspiel von Wirtschaft und Kultur hat sie ihre Masterarbeit zum Thema „Kunst in der Werbung von Banken“ verfasst.

Link: Jrene Rolli (Xing) (nur für angemeldete Mitglieder sichtbar)

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Gastbeitrag von Frank Koebsch: Blogparaden als Marketinginstrument für die Bildende Kunst

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Wenn vor ein paar Tagen das Jüdische Museum in Berlin eine Social-Media-ManagerIn für das eigene Haus gesucht hat, dann ist das ein eindeutiger Hinweis für die zunehmende Bedeutung des Social Web. Während große Häuser die Möglichkeit haben, dafür die entsprechenden Stellen zu schaffen, ist es für einzelne KünstlerInnen sehr viel schwieriger, sich im Social Web bemerkbar zu machen, schließlich hat der Tag nur 24 Stunden und selbst die sind meist schon verplant.

Während viele KünstlerInnen deshalb auf Social-Media-Aktivitäten verzichten, gehört Frank Koebsch zu denen, die mit den verschiedenen Social-Media-Kanälen experimentieren und sich immer wieder neue Dinge einfallen lassen, z.B. der Versuch, die eigenen Kunstwerke in ein Video zu verpacken und auf YouTube zur Verfügung zu stellen.

Eine neue Idee ist die Blogparade, die Frank Koebsch gemeinsam mit anderen Bildenden KünstlerInnen initiiert und morgen beginnen wird. Warum eine Blogparade auch für den Kunst- und Kulturbereich ein interessantes Marketinginstrument sein kann, beschreibt Frank Koebsch in diesem Beitrag, für den ich mich ganz herzlich bei ihm bedanke.

Blogparaden als Marketinginstrument für unsere Kunst

Bildende Künstler haben es eigentlich einfach, sich im Netz zu präsentieren. Bilder und Videos sagen mehr als 1.000 Worte und werden von den Suchmaschinen geliebt. Aber trotzdem sind Themen wie Aquarelle, Acrylbilder, Drucke, Gemälde, Collagen oder Zeichnungen Nischenthemen im Netz. Viele Künstler  nutzen neben dem Ausstellungsbetrieb und den klassischen Webseiten seit Jahren das  Web 2.0, um neue Interessenten, Fans, Freunde, Follower und Kontakte im Netz zu gewinnen. Diese Menschen für die Kunst zu interessieren und dann vielleicht irgendwann im realen Leben persönlich kennen zu lernen, sei es zum Beispiel bei einer Ausstellung oder einem Atelierbesuch, das ist das Ziel für das Agieren der Künstler.

Es gibt einige gute Beispiele für eine solche Vorgehensweise. Bildende Kunst  produziert in der Regel keine Gegenstände, die Menschen täglich nutzen und die sich bei der Nutzung verbrauchen, wie z.B. ein Stück Seife. Der Genuss von Bildender Kunst ist auch nicht vergleichbar mit „anderen“ Genussmitteln. Ein wunderbares Glas Rotwein, das wir genießen, ist irgendwann leer. An einem Abend mit Freunden auch schon mal die eine oder andere Flasche. Bildende Kunst verbraucht sich bei Genuss nicht. Also benötigen Künstler immer neue Interessenten, Fans, Freunde, Follower, Kontakte und letztendlich Käufer, wenn sie nicht von den großen Galerien und Sammlern belagert werden.

Diese Marketingaufgabe haben Susanne Haun und ich in den vergangenen Wochen diskutiert. Die Aufgabe hieß „neue“ Interessenten im Web zu finden und für unsere Kunst zu begeistern. Uns war schnell klar, dass jeder von uns sein Netzwerk pflegt, es aber kaum zu einem Austausch zwischen diesen Netzwerken kommt. Am besten wäre es, unsere Netzwerke mit anderen Künstlern zusammen zu bringen und davon  gemeinsam zu partizipieren.

Blogparaden im Kunst- und Kulturbereich gibt es noch nicht

Eine der Überlegungen war die  alte, klassische Blogparade.  In dem Artikel Kennen Sie noch die gute „alte“ Blogparade?  habe ich einige aktuelle Beispiele von Blogparaden aufgelistet. Wenn man sich diese Beispiele anschaut, kommt man schnell zum Schluss, dass Blogparaden keine typischen Instrumente im Bereich von Kunst und Kultur sind, denn wir haben kein aktuelles Beispiel aus dem Bereich der Kunst gefunden.

Blogparaden werden oft im Bereich netzaffiner Themen eingesetzt, Themen wie Suchmaschinenoptimierung (SEO), Social Networking aber auch jede Menge lustiger Themen findet man in diesen Netzaktionen. Was sollte einen Künstler daran hindern, eine Blogparade zu starten? Eine mögliche Antwort ist die schnell abnehmende Affinität für die Themen der Künstler. Einige Gedanken dieser Diskussion finden Sie  unter der Überschrift  Hängt der Erfolg einer Blogparade von der Affinität zu dem Thema ab? auf meinem Blog.

Das Ergebnis unserer Überlegungen war folgende Vision:

Über eine konzertierte Aktion von Blogparaden mehrerer Künstler können mehr interessierte Menschen für die beteiligten Blogs und die gezeigte Kunst gewonnen werden.


Warum eine Blogparade?

Es ist einfacher, Leser eines Kunstblogs auf einen anderen Blog zu den Themen Malerei, Zeichnungen, Grafiken, Fotografie aufmerksam zu machen, als zu versuchen über die eigenen Kontakte meiner Kontakte zu agieren, wenn diese nur eine geringe Affinität zum Thema Kunst haben. Ein Mensch, der sich für einen Kunstblog interessiert, egal ob er regelmäßiger Besucher dieses Blogs ist oder ob er den Blog über eine Suchmaschine gefunden hat, besitzt sicher eine wesentlich höhere Affinität zum Thema Kunst. Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, die bestehenden Mechanismen einer Blogparade im Bereich SEO zu nutzen und durch die konzertierte Aktion mit einem wesentlich größeren Grad an Vernetzung  wirksamer neue Leser, Kontakte und interessierte Menschen mit einem hohen Interesse an Kunst zu gewinnen.

Eine klassische WIN WIN Situation die beteiligten Künstler – hier das Ergebnis der Überlegungen:

Über einen Zeitraum von 12 Wochen realisieren 10 unterschiedliche Künstler jeweils montags 10 Blogparaden, unter der Überschrift:  10 Fragen zur Kunst. Begleitet werden diese Blogparaden durch die Kommunikation auf anderen Blogs, in Facebook, Twitter, Xing…. und der Fa. Hahnemühle als Sponsor der Aktion.

Die konkrete Ankündigung der konzertierten Aktion von 10 Blogparaden finden Sie auf den beteiligten Blogs. Stöbern Sie ruhig einmal in den Blogs der beteiligten Künstler. Wenn Ihnen die Aktion der Künstler und die Blogs gefallen, beteiligen Sie sich an der Diskussion zu Fragen der Kunst und erzählen Sie es weiter ;-). Es lohnt sich, denn es werden  jede Woche Kunstwerke der beteiligten Künstler und ein Preis der Hahnemühle FineArt GmbH

Hier finden Sie die Ankündigung auf den Blogs von

Was diese Gruppe von Künstlern in der Aktion zusammen geführt hat, ist das Interesse, ihre Kunst im Bereich Social Media besser zu promoten. Die meisten der Künstler kennen sich nur aus dem Web und haben ganz unterschiedliche Vorstellungen von Kunst und verschiedene Erfahrungen zum Agieren im Netz.
Ich bin gespannt auf das Gesamtergebnis, denn ich bin davon überzeugt, dass solche Initiativen und konzertierte Aktionen im Bereich von regionalen Marketing oder dem Marketing von Wertschöpfungsketten oder Erzeugergruppen einsetzbar sind. Ich werde nach Abschluss der gesamten Aktion über die Ergebnisse berichten. Für uns ein spannendes Vorhaben, wenn Sie Interesse an ähnlichen Projekten haben, profitieren Sie von unseren Erfahrungen und sprechen uns an. Zum Ende der Aktion planen wir eine Analyse, was uns die Aktion gebracht hat.

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Frank Koebsch: Kultureinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und das Web2.0 (Gastbeitrag)

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Vor einiger Zeit hat mir Frank Koebsch einen Text zugeschickt, in dem er der Frage nachgegangen ist, ob und in welcher Form Kultureinrichtungen in Rostock und Mecklenbeurg-Vorpommern das Social Web für ihre Zwecke einsetzen. Da der Artikel jede Menge Infos enthält, die vermutlich nicht nur mich interessieren werden, habe ich ihn gefragt, ob ich ihn hier veröffentlichen darf.

Viele von Ihnen werden Frank Koebsch bereits kennen, nicht nur weil viele Kommentare hier in diesem Blog von ihm stammen, sondern weil er darüber künstlerisch tätig ist und außerdem ein eigenes Blog betreibt. In letzterem beschäftigt er sich immer wieder mit der Frage, welchen Nutzen das Social Web einzelnen Künstlern wie zum Beispiel ihm bringt? Aber es geht ihm nicht nur um sich, sondern um die Positionierung von Kunst und Kultur im Social Web. Und um Mecklenburg-Vorpommern, die Gegend, in der lebt und arbeitet. Kunst, Kultur, das Social Web und Mecklenburg-Vorpommern, in seinem Gastbeitrag ist es Frank Koebsch gelungen, die einzenen Punkte zu verbinden. Herausgekommen ist eine Bestandsaufnahme der Social-Media-Aktivitäten der in dieser Region ansässigen Kultureinrichtungen, aber auch der Versuch, Schlussfolgerungen aus seiner Analyse zu ziehen. Dafür und für die Mühe, die Aktivitäten der Kulturbetriebe tabellarisch zu erfassen, bedanke ich mich bei Dir, Frank!

Wie kann man die Region Rostock ganz leicht aufwerten? ;-)

In den vergangenen Tagen habe ich mir das Ranking der Blogs in Mecklenburg Vorpommern auf dem  Barnim-Blog Eberswalde und Bernau angeschaut. Mein Fazit war: Mecklenburg Vorpommern scheint kein Land der Blogger zu sein, oder ? Gerade für mein Bundesland, das versucht die  Touristen auch außerhalb der Sommerzeit an die Ostsee und die Mecklenburger Seenplatte zu locken, hatte ich erwartet, dass die Präsenz der Regionen, Städte, Museen, Veranstaltungsorte und Einrichtung im Bereich der Kultur im Social Net wesentlich größer ausfällt.

Mich interessieren die Themen Kunst und Kultur im Netz, denn wenn wir ausstellen, sehe ich hier Möglichkeiten, mit Hilfe des Social Networkings im WEB Ausstellungen zu organisieren, zu promoten und mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Ob diese Möglichkeiten genutzt werden, hängt immer mindestens von zwei Faktoren ab:

  • Gibt es ein entsprechendes Angebot?

und

  • Sind die Menschen bereit so ein Angebot anzunehmen?

Um die erste Frage zu beantworten, habe ich mir mal das Angebot der Ausstellungsorte meiner Geburtsstadt Rostock und den Theatern aus Mecklenburg Vorpommern im WEB angeschaut. Die entstandene Tabelle ist eine einfache Aufstellung als Momentaufnahme – ohne inhaltliche Bewertung, ohne auf die Vernetzung von Homepages zum Social Networking einzugehen, ohne auf die Zeit zu schauen, wie lange es die Angebote schon gibt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit u.a.

Name WEB Seite Youtube Twitter Blog Facebook *1)
Galerie Klosterformat http://www.klosterformat.de/ nein nein nein nein
Galerie 

artFUHRMANN

http://www.artfuhrmann.de/ nein nein nein nein
Galerie Möller http://www.galerie-moeller.de/ nein nein nein nein
wolkenbank
kunst+räume
http://wolkenbank-galerie.de nein nein nein ja 

31 Fans

artquarium http://www.artquarium-rostock.de/ nein nein nein ja 

14 Fans

Galerie Alter Markt http://www.kunstverein-rostock.de/ nein nein nein nein
Kunsthalle Rostock http://www.kunsthallerostock.de/ Keine eigenen nein nein nein 

und ja *2)

Literaturhaus Rostock http://www.literaturhaus-rostock.de/ Keine eigenen nein nein ja und ja 

*3)

Hochschule für Musik und Theater http://www.hmt-rostock.de/ Keine eigenen nein nein ja 

90 Fans

Volkstheater Rostock http://www.volkstheater-rostock.de/ Keine eigenen nein nein ja 

292 Fans

Bühne 602 – compagnie de comedie http://www.compagnie-de-comedie.de/ nein nein nein ja 

28 Mitglieder

Theater Vorpommern http://www.theater-vorpommern.de/ ja 

3 Videos *4)

nein nein 4 ungepflegte Accounts
Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg und Neustrelitz http://www.theater-und-orchester.de/ ja 

31 Videos

ja 

160 Followers

244 Tweets

ja ja 

488 Freunde

Mecklenburgisches Landestheater Parchim http://www.mlt-parchim.de/ nein nein nein ja 

213 Freunde

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin 

 

http://www.theater-schwerin.de/ keine eigenen ja 

382 Followers

544 Tweets

nein ja 

4 Accounts ;-)

744 Freude

*1) ein Teil der Einrichtungen hat einen Eintrag in Facebook, ohne dass dieser Eintrag durch die Einrichtung selbst angelegt und gepflegt wird. Dann habe ich als Eintrag ein „nein“ gewählt.

*2) Freunde der Kunsthalle Rostock e.V haben einen eigenen Account auf Facebook mit 45 Fans

*3) Der Verein des Peter Weiß Hauses betreibt einen eignen Facebook Auftritt mit 443 Fans neben dem Auftritt des Literaturhauses mit 73 Fans

*4) Der TheaterFanclub hat drei Videos veröffentlicht.

Das Ergebnis ist recht ernüchternd, denn viele der genannten Einrichtungen haben für sich das Feld des Social Networking noch gar nicht entdeckt oder nutzen es nur unzureichend.

Eine besondere Bedeutung bekommt diese Aussage im Vergleich zu der Präsenz der deutschen Museen und Orchester in der Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester ist online von Ulrike Schmid.

Auszug aus der Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester von Ulrike Schmid

Hier geht es nicht nur um das Marketing der Kultureinrichtungen alleine, denn Mecklenburg Vorpommern sucht händeringend nach Möglichkeiten, die Saison für die Touristen zu verlängern. Gleichzeitig ist der Bereich Kultur ein wesentlicher Faktor bei der Standortwahl von Unternehmen. Es muss ja vielleicht nicht unbedingt mehr gemacht werden, aber wenn man sich auf das Motto besinnen würde, „Tue Gutes und rede darüber“, kann man schon sehr viel erreichen. Dieses gilt insbesondere wenn man beachtet, dass sich viele Besucher der Region vor dem Besuch über das Internet informieren.

Interessant ist die Entwicklung, dass ein Teil der Kommunikation nicht durch die Kultureinrichtungen alleine betrieben wird. sondern immer mehr Vereine oder Fanclubs übernehmen einen wesentlichen Teil der Kommunikation. Beispiele hierfür sind die Kunsthalle Rostock, das Literaturhaus Rostock, das Theater Vorpommern.

Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg und Neustrelitz, denn der Auftritt und die Vernetzung sind klasse. Es bleibt die Frage: Warum gelingt es den Neubrandenburgern und Neustrelitzern einen solchen guten und vernetzen Auftrag zu realisieren. Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin nutzt wunderbar Twitter und Facebook, muss nur mal die alten FacebookAccounts einfangen. Aber warum ergreifen die anderen Einrichtungen nicht die Chance, sich besser zu präsentieren?

Besonders unzufrieden bin ich mit dem Auftritt der Rostocker Kultureinrichtungen im WEB, aber vielleicht …. ;-) Ich kann die Studie und insbesondere die Interviews in der Studie von Ulrike Schmid nur als Anregung empfehlen.

Nun zu der zweiten Frage:

Sind die Menschen bereit, Angebote über das Social Networking anzunehmen?

Rostock hat ein regionales Einzugsgebiet mit einem Radius von 50 km und mit ca. rund 500.000 Einwohnern. Von denen am 31.12.2006 ca. 454.000 über 14 Jahre alt waren, wenn man die gleiche Altersstruktur für die Region wie für die Stadt Rostock ansetzt. Rostock ist Universitätsstadt und so nutzen z.Z. ca. 16.000 Studenten das Angebot der Universität Rostock, der Hochschule für Musik und Theater u.a. Wenn man unterstellt, dass die meisten Studenten nicht Ihren Hauptwohnsitz in Rostock haben, ergeben sich 470.000 Menschen mit einem Alter über 14 Jahren, die für die Themen der Kultur in der Region  ansprechbar sind. Dieses sind doch erst einmal sehr gute Voraussetzungen. Lassen wir uns ruhig noch ein wenig auf das Zahlenspiel ein:

69,4 % der Bevölkerung ab einem Alter von 14 Jahren nutzen das Internet, das sind 326.200 69,4% von 470.000 Menschen
66,3 % der Internetnutzer sind Mitglied in einem Sozialen Netzwerk, das sind 216.300 46,0% von 470.000 Menschen
32 % der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied in zwei Netzwerken, das sind 69.600 14,7% von 470.000 Menschen
18% der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied in drei Netzwerken, das sind 38.900 8,3% von 470.000 Menschen
39,4% der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied bei Facebook mit durchschnittlich 130 Kontakten das sind 85.200 18,1% von 470.000 Menschen
8,7% der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied bei Twitter das sind 18.800 4% von 470.000 Menschen

Dieses ist ein riesiges Potential, welches erschlossen werden kann. Bleibt die Frage, wie viele Besucher von Kulturveranstaltungen sind bereit sich im Internet zu informieren. Im Jahr 2009 informierten sich fast genauso viele Österreicher im WEB (29%), wie in allen Tageszeitungen (29,4%) zusammen. Vgl. Sie  Welche Bedeutung haben die Tagezeitungen?

Auch wenn die Mentalität der Kaffeehausbesucher und die Gewohnheiten eines wortkargen Norddeutschen nicht eins zu eins gleich zu setzen sind, bietet diese Studie zu mindestens Anhaltspunkte. D.h. bedeutet 136.300 Menschen im Alter über 14 Jahren aus der Region Rostock informieren sich im WEB über Kulturveranstaltungen, die sie besuchen, zzgl. der vielen Urlaubern, Tagesgästen und und ….

Ich würde mir wünschen, dass die Ausstellungsstätten Rostocks und die Theater Mecklenburg Vorpommerns diese Möglichkeiten für sich erschließen würden. Warum?

P.S. Wenn Sie für Rostock ein gutes Kulturangebot suchen, kann ich Ihnen immer nur wieder den Blog Rostock – heute empfehlen. Leider erfährt man dort oft erst nach dem Event, wie gut er war, da es keinen guten Kulturkalender für die Region im Netz gibt ;-)

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Axel Kopp: Nicht einfach anfangen! (Gastbeitrag)

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Ich bin mir ziemlich sicher, dass in den diversen Kulturmanagement-Lehrgängen tolle Arbeiten geschrieben werden, bei denen es schade ist, wenn sie nach ihrer Bewertung in der Schublade verschwinden. Deshalb freue ich mich, dass zumindest Axel Kopp die Möglichkeit nutzt, aus den eigenen Arbeiten einen Blogbeitrag zu machen und diesen dann hier zu veröffentlichen.

Axel Kopp, der in Ludwigsburg an der Pädagogischen Hochschule am Institut für Kulturmanagement studiert, hat bereits im letzten Herbst hier einen Beitrag veröffentlicht. Damals ging es darum, wie Theater das Web 2.0 nutzen. Diesmal beschäftigt sich Axel Kopp, der mittlerweile ein eigenes Weblog betreibt, mit dem Thema Online-Kommunikation. Kulturbetriebe sind zwar mittlerweile recht häufig im Web 2.0 anzutreffen, aber oft wirkt die ganze Sache recht planlos. Meistens ist sie das auch und genau für solche Fälle hat Axel Kopp ein eigenes Modell entwickelt, das er in den folgenden Zeilen vorstellt.

Nicht einfach anfangen!

Seit einem Monat hat das Badische Staatstheater keinen neuen Blogpost mehr veröffentlicht und die Staatsgalerie Stuttgart dümpelt mit circa 230 Fans auf Facebook herum. In beiden Fällen wird Web 2.0 nur alibimäßig betrieben: Ab und zu schreibt man halt irgendwas und wer Lust hat, kann das gerne kommentieren. Ein strategisches Vorgehen mit Zielsetzungen und Überlegungen, wer wann was veröffentlichen soll, gibt es nicht.

Was fehlt ist also ein Online-Kommunikationskonzept. Abhilfe soll ein Modell schaffen, das ich im Rahmen meines Kulturmanagement-Studiums an der PH Ludwigsburg entwickelt habe und das Kultureinrichtungen helfen soll, Internet-Marketing erfolgreich und nachhaltig zu betreiben. Es basiert auf bereits bestehenden Konzeptionsmodellen und lässt sich grob in die drei Phasen Analyse, strategische Planung und operative Umsetzung unterteilen.

Hier eine kurze Beschreibung des Modells: Am Anfang des Prozesses steht die Analyse der Ausgangs- und Ist-Situation. Zum einen wird hierbei nach dem Grund und dem Anlass für ein Online-Kommunikationskonzepts gefragt, zum anderen wird die Ist-Situation, also die bisherige (Online-) Kommunikation, analysiert.

In der darauf folgenden Ziel- und Zielgruppenanalyse geht es um die Frage „Was wollen wir bei wem erreichen?“. An dieser Stelle setzt bereits das Controlling ein, das den Prozess permanent begleitet. Zentrale Fragen sind dabei: „Passen Ziele und Zielgruppen, Strategie, Taktik und Maßnahmen zu unseren Corporate Communications und unserer Corporate Identity? Sind die einzelnen Schritte zielgerichtet und konsistent? Ist das Konzept so realisierbar?“ Diese Fragen sollten in jeder Phase mit einem klaren „ja“ zu beantworten sein. Sind sie es nicht, muss nachgebessert werden.

Sind die Ziele und die Zielgruppen geklärt, setzt ein Analyseprozess auf mehreren Ebenen ein. Bezieht sich die Ressourcenanalyse in erster Linie auf interne Faktoren, verweisen die drei anderen Analysen auf externe Faktoren. Bei der Ressourcenanalyse wird gefragt, welche finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung stehen, welches Know-how bei den Mitarbeitern vorhanden ist und wer Interesse hat, sich an etwaigen Web 2.0-Maßnahmen zu beteiligen. Eine Technikanalyse, also die Frage, welche relevanten technischen Entwicklungen es gibt, ist insbesondere bei größeren Projekten wichtig (z.B. bei der Erstellung einer neuen Website). Technik- und Nutzeranalyse können eng miteinander verbunden sein – beispielsweise gäbe es ohne Smartphones keine mobile Internetnutzung.

Im Idealfall findet die Nutzeranalyse im Rahmen einer Befragung der Zielgruppe statt, denn letztlich weiß nur sie selbst (und Google ;-)), wie sie das Internet nutzt, nach welchen Angeboten und Informationen sie sucht, und welche Online-Aktivitäten und -Inhalte sie von der jeweiligen Kultureinrichtung erwartet. In der Benchmarkanalyse geht es zunächst um die Identifizierung von Best Practices und die Überlegung, welche Maßnahmen sich auf die eigene Online-Kommunikation übertragen lassen.

Ist die Analysephase abgeschlossen, wird nun in wenigen Sätzen eine Strategie formuliert, die einfach, eindeutig und plausibel sein sollte. Ebenfalls zur Strategieplanung gehört das Festlegen der Tonalität (z.B. lässig, seriös, unterhaltsam) und der Anrede („Wird die Zielgruppe gesiezt oder geduzt?“).

Bei der Planung der Taktik wird zunächst entschieden, welche Instrumente verwendet (Blog, soziale Netzwerke etc.) und mit welchen Inhalten diese gefüllt werden (Hintergrundinformationen, Künstlervideos, Pressezitate etc.). Aus diesen Entscheidungen heraus entstehen taktische Einheiten. Ein Beispiel für eine solche Einheit wäre die Erstellung einer Facebook Fan Page, für die es nun auch gilt, die zu veröffentlichenden Inhalte grob festzulegen. Ebenfalls sollte entschieden werden, wie die jeweilige taktische Einheit bekannt gemacht wird (z.B. über Hinweise im Newsletter oder crossmedial über Postkarten). Zuletzt sollten in der Taktik auch rechtliche Fragen geklärt werden, insbesondere wenn man plant, Inhalte von Dritten (z.B. YouTube-Videos) einzubetten oder Veranstaltungsfotos online zu stellen.

Zur Vergrößerung die Grafik bitte anklicken

Ist die Taktik fixiert, steht die Planung der operativen Maßnahmen an. Am Ende dieses Schrittes steht ein Ablaufplan, aus dem hervorgeht, wer was wann zu erledigen hat. Wie locker dieser Plan zeitlich und inhaltlich gehandhabt wird, hängt auch mit den personellen Ressourcen der Organisation zusammen. Unter die Ressourcenplanung fällt auch der Finanzierungsplan, der beispielsweise wichtig ist, wenn Videos in Auftrag gegeben werden sollen.

Um den Erfolg bzw. Misserfolg messen zu können, ist eine Zielvereinbarung und Evaluation nötig. Die zu Beginn festgelegten Ziele werden nun spezifiziert und evaluierbar gemacht. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um quantitative (z.B. Erhöhung der Zugriffe auf die Website) oder qualitative Ziele (z.B. Imageaufwertung) handelt. Wichtig ist nur, dass die Ziele mit den Ressourcen, die der Organisation zur Verfügung stehen, evaluierbar sind.

Es folgt die Umsetzung des Konzepts, die streng genommen nicht mehr Teil der Konzepterstellung ist. Da davon auszugehen ist, dass sich insbesondere bei der erstmaligen Erstellung eines Konzepts in der Anlaufphase noch Änderungen ergeben, weil etwa zeitliche Ressourcen über- oder unterschätzt wurden oder es andere Fehleinschätzungen gab, muss das Konzept vermutlich jedoch in Teilen angepasst werden. Generell ist es beim Konzept weniger wichtig, dass alle operativen Maßnahmen 1:1 abgearbeitet werden, vielmehr soll das Grundgerüst den Mitarbeitern Planungssicherheit geben und ihnen die strategische Richtung aufzeigen.

Teil der Hausarbeit war es, das beschriebene Konzeptionsmodell praktisch anzuwenden. Dies geschah im Rahmen der Entwicklung eines Online-Kommunikationskonzepts für das Renitenztheater Stuttgart, das sich in wenigen Wochen in die Sphären des Web 2.0 vorwagen wird. Da das Konzept derzeit noch ein „Betriebsgeheimnis“ ist, kann dieser Teil der Arbeit leider nicht veröffentlicht werden. Die restliche Arbeit kann man sich hier als PDF herunterladen.

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Axel Kopp: Wenn’s mal wieder länger dauert… Staatstheater und Web 2.0 (Gastbeitrag)

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Bis jetzt stammen alle Beiträge hier im Blog von mir. Nachdem ich dieses Blog aber als eine  Plattform verstehe, auf der Gespräche stattfinden sollen, möchte ich hier zukünftig auch Andere zu Wort kommen lassen. Andere Menschen, andere Sichtweisen und Standpunkte. Ich denke, dass davon alle, Sie und ich profitieren können.

Los geht es mit Axel Kopp, der 27 Jahre alt ist und in Dortmund in Angewandte Literatur- und Kulturwissenschaften studiert hat. Derzeit macht er seinen Master an der PH Ludwigsburg in Kulturwissenschaft und Kulturmanagement. Axel Kopp hat sich im Rahmen einer Studienarbeit die Web 2.0-Aktivitäten der Staatstheater in Deutschland angeschaut, die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich.

Die Arbeit wurde Mitte August fertiggestellt, das heißt, mittlerweile können sich Änderungen ergeben haben. So twittert zum Beispiel das Staatstheater Wiesbaden seit Anfang Oktober (ok, bei 4 Tweets sagt man wohl besser, sie haben einen Account eröffnet ;-) ).

Wenn’s mal wieder länger dauert… Staatstheater und Web 2.0

Im Rahmen einer kleinen Studienarbeit wurde die Web 2.0-Aktivität von 17 deutschen Staatstheatern in der Sparte Schauspiel ausgewertet. Neben der obligatorischen Frage „Eigener Blog?“ wurde auch geschaut, ob die Einrichtungen twittern, Videos auf YouTube hochladen, eine Gruppe auf facebook oder wer-kennt-wen betreiben und ob sie ihren Wikipedia-Artikel pflegen. Hier die Ergebnisse im einzelnen:

Eigener Blog / Microblog: Twitter

Der einzige Blog wird vom Badischen Staatstheater betrieben, bietet einen Blick hinter die Kulissen, ist recht aktuell und gut geschrieben. Nur mangelt es anscheinend an Lesern. Zumindest hatte Blogger Donald Berkenhoff im Juni 2009 „zunehmend das Gefühl in ein schwarzes Loch zu schreiben“.
Twitter wird von keinem Staatstheater genutzt.

Soziale Netzwerke: facebook und wer-kennt-wen (wkw)

Im Bereich Social Media Marketing halten sich die Staatstheater mit Informationen großzügig zurück. Zwar gibt es auf facebook und wkw zu sieben Staatstheatern Gruppen, doch sind diese meist auf Initiative von Besuchern entstanden und werden von den Staatstheatern wenig bis gar nicht beachtet. Entsprechend dünn ist der Content. Es gibt kaum Informationen zu Aufführungen, kaum Fotos und Videos, keine speziellen Angebote etc. In beiden Netzwerken hat das Hessische Staatstheater die meisten Mitglieder: circa 60 bei facebook und 240 bei wkw.

Videoportal: YouTube

Sieben Staatstheater laden zwar entweder selbst oder über ihre Produktionsfirmen Clips und Trailer auf YouTube hoch, doch schließen sich keine Folgeaktionen oder Interaktionen mit den Nutzern an. Anreize zur kreativen Teilnahme fehlen und die Partizipationsmöglichkeit beschränkt sich folglich auf die wenig genutzten Bewertungs- und Kommentierfunktionen von YouTube. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die drei Staatstheater mit eigenem YouTube-Kanal nur fünf bis elf Abonnenten haben, selbst, wenn sie spartenübergreifend sind und regelmäßig aktualisiert werden. Die Anzahl an Aufrufen pro Video liegt oft im dreistelligen, mitunter auch im vierstelligen Bereich wie etwa beim Trailer zu „Die Räuber“ des Staatstheaters Cottbus mit über 2100 Aufrufen.

Wiki: Wikipedia

Alle Staatstheater haben einen eigenen Wikipedia-Artikel. Doch die Länge der Artikel und die Anzahl der Fotos variiert stark. Der Artikel zum Badischen Staatstheater etwa ist bildlos und umfasst weniger als 300 Wörter, wohingegen der Artikel zum Meininger Theater zwölf Fotos beinhaltet und eine Textlänge von rund 2600 Wörtern hat.
Wikipedia darf und soll natürlich kein Marketing-Instrument sein, dennoch tun die Staatstheater gut daran, Informationen über das Haus und dessen Geschichte auch auf Wikipedia bereit zu stellen. Inwiefern die Artikel von Angestellten der Staatstheater geschrieben wurden, konnte im Rahmen der Arbeit nicht untersucht werden.

Fazit:

In Sachen Web 2.0 läuft bei den 17 Staatstheatern in der Sparte Schauspiel nur wenig. Dabei haben sich auf facebook und wkw sogar schon Gruppen gebildet, die man nur noch mit Informationen und Angeboten füttern müsste. Besonders unverständlich ist das vor allem in Bezug auf die Theatertrailer, die vielerorts aufwendig produziert werden, in deren Verbreitung allerdings nur wenig investiert wird. Warum nicht auf facebook eine Gruppe gründen (sofern noch nicht vorhanden) und die Videos dort einbetten? Denn der schönste Trailer ist nur dann etwas wert, wenn ihn sich jemand anschaut. Das gilt übrigens auch für Blogs, liebes Badisches Staatstheater.

PS: Hier können Sie die ganze Arbeit downloaden.