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Content Strategy Camp Graz 2019
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Über das #coscamp, eine Blogparade und ein Häferl

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Vorgestern war ich in Graz beim Content Strategy Camp dabei und ich weiß, wenn man nicht sofort darüber schreibt, schreibt man gar nicht. Deshalb habe ich mich gestern schon hingesetzt und zusammengeschrieben, was bei mir vom #coscamp hängengeblieben ist. Wie das bei Barcamps so ist, muss man sich immer zwischen verschiedenen Sessions entscheiden, in diesem Fall waren es immer fünf, die zeitgleich stattfanden. Deshalb ist das hier kein Bericht über das #coscamp, sondern eine höchst subjektive Zusammenfassung der Sessions, die ich erleben durfte.

Wer sich einen Überblick über das #coscamp verschaffen will, sei auf die Dokumentation verwiesen, die das Organisationsteam in einer vermutlich kurzen Nacht erstellt hat (Tausend Dank dafür!!). Und Bilder vom Barcamp gibt es auch, dafür ebenso vielen Dank! Was es mit der Blogparade und dem Häferl auf sich hat, dazu später mehr.

Was ist eine Content Strategy?

Die Frage ist deshalb wichtig, weil sehr viele Menschen die Begriffe Content Strategy und Content Marketing entweder synonym nutzen oder glauben, mit Hilfe der Content Strategy legt man den Ablauf einer Content Marketing-Kampagne fest. Heinz Wittenbrink, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass es in Graz einen der wenigen europäischen Studiengänge gibt, die sich mit Content Strategy beschäftigen, hat auf Twitter zwar die Frage nach einer Definition von Content Strategy gestellt. Eine Antwort hat er aber nicht wirklich bekommen.

Ich habe dann zwar zu früher Stunde per Tweet eine weitere Definition eingebracht, nämlich die von Kevin P. Nichols: „… getting the right content to the right user at the right time“. Aber Sascha Stoltenow meinte, das wäre nur „content logistics“. Gut, den Satz kann man so interpretieren, muss man aber nicht.

Darüber hinaus gibt es aber natürlich noch die Definition von Kristina Halvorson:

Content strategy guides your plans for the creation, delivery and governance oft content.“

Auch ganz hilfreich ist in meinen Augen die Formulierung in dem von Klaus Eck und Doris Eichmeier herausgebrachten Buch „Die Content-Revolution im Unternehmen“ (Affiliate Link). Dort heißt es auf Seite 39:

„Mit einer Content-Strategie wird (.) der Workflow aller Unternehmensinhalte abteilungsübergreifend und dauerhaft gemeistert. Sie ist die Basis der Content-Marketingaktivität.“

Soviel zur Frage, welche Bedeutung der Begriff Content Strategy eigentlich hat…

Zurück zum #coscamp

Los ging es, wie bei Barcamps so üblich, mit einer Vorstellungsrunde. Vorname, 3 Hashtags, das ist alles. Da sich alle an diese Regel hielten und auch niemand von akutem Gedächtnisverlust befallen wurde, war dieser Punkt in kurzer Zeit erledigt. Und das bei gut 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Ebenso schnell wurde dann der Sessionplan erstellt, hier ist er:

cof

Das war dann meine erste Session, an der ich teilnehmen durfte:

Ausgangspunkt ist bei diesem Projekt eine Website, die einen Relaunch benötigt. Die Idee, hier nicht nur einfach die Seite zu erneuern, sondern sich mit Hilfe einer Content Strategy mit der Rolle des Bildungsnetzwerks Steiermark auseinanderzusetzen, ist in meinen Augen sehr klug.

Für mich stellte sich die Frage, ob eine Content Strategy der Komplexität dieser Aufgabe, nämlich als Bildungsnetzwerk Angebot und Nachfrage von Weiterbildung zu matchen, gerecht werden kann. Ich beschäftige mich zur Zeit sehr intensiv mit der Plattformökonomie und den verschiedenen dahinter stehenden Modellen. Wenn ich jetzt also den Relaunch angehe und dafür eine Content Strategy entwickle, muss ich irgendwann auch überlegen, ob ich einfach nur der Mittler bin oder noch andere Aufgaben damit verbinde? Ich kann als Bildungsnetzwerk vor der Aufgabe stehen, den Weiterbildungsanbietern dabei zu helfen, im Rahmen einer Content Strategy die richtigen Inhalte zu entwickeln, um eine größere Nachfrage zu erreichen. Ich kann aber als Bildungswerk auch vor der Aufgabe stehen, den Stellenwert von Weiterbildung insgesamt zu erhöhen. Vielleicht müssen auch alle Aufgaben gleichzeitig erledigt werden? Die Frage ist aber, ob ich darauf Antworten im Rahmen einer Content Strategy finde und wenn ja, wie?

Suchmaschinenoptimierung wird immer wichtiger

SEO war ein großes Thema beim #coscamp, ich fand die Sessions für mich sehr hilfreich. Schwierig ist es, dass viele Expertinnen und Experten unterschiedliche Standpunkte vertreten und sich dadurch Probleme nicht lösen lassen.

Los ging es mit Martin Höllinger und David Reisner:

Konkret stehe ich bei meinem Blog mit seinen mehr als 1.800 Beiträgen vor der Frage, ob ich alte und teilweise überflüssige Beiträge löschen oder aus dem Index herausnehmen soll. Lösche ich den Beitrag, möchte ich verhindern, dass jemand eine 404-Fehlermeldung erhält. Ich kann bewusst eine 410-Fehlermeldung setzen, ich kann aber auch auf einen anderen Beitrag umleiten. Muss man für jeden Beitrag einzeln entscheiden (ich fürchte, darauf läuft es hinaus), gibt es bestimmte Tendenzen oder gibt es einen Punkt, den ich bis jetzt noch gar nicht beachtet habe? An diesem Punkt zum Beispiel bin ich nicht weitergekommen. Aber es gab auch jede Menge guter Tipps, etwa den Hinweis auf die Bedeutung der Google Search Console.

Ja die Kunden…

Melanie Kröpfl zeigte dann in der nächsten Sessionrunde, wie man mit Hilfe von Facebook-Ads Leads gewinnen kann. Ich fand das sehr spannend, weil das Potenzial von Anzeigen auf Facebook sehr groß ist. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich viele Unternehmen, Kultureinrichtungen, etc. schwer tun, organisch die gewünschte Reichweite zu erzielen. Der Vortrag machte aber auch deutlich, dass man, so man auf diese Weise weiterkommen will, schon eher klotzen als kleckern sollte. Sonst lohnt sich der Aufwand nicht.

Danach ging es dann gruppentherapeutisch weiter. Ok, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber in der Session „Pimp your (Online) Marketing“ begannen plötzlich alle darüber zu klagen, dass Kunden nicht verstehen, wie wichtig die diversen Onlinemarketing-Aktivitäten sind und dass Agenturen oft falsche Versprechungen machen.

Irgendwann ging es dann um die Frage, was man denn dagegen machen könne und da wurde es wieder interessant. Der wohl wichtigste Punkt ist Bildung (inklusive Weiterbildung)! Das Rad dreht sich, was die technologischen Entwicklungen angeht, immer schneller. Aber viele Universitäten sind jetzt gerade soweit, dass sie Social Media in die Lehrpläne aufnehmen. Meine Meinung dazu: Entweder ändert sich das recht bald oder die Unis werden den Aufstieg von Onlinekursanbietern wie Udemy, Coursera, etc. erleben und darunter ziemlich leiden.

Und jetzt komme ich zur Blogparade

Aber es macht keinen Sinn, sich nur über die anderen aufzuregen. Ich habe gestern nach Webseiten gesucht, die sich mit dem Thema Content Strategy beschäftigen. Ich habe auch nach Blogs gesucht. Gut, im englischsprachigen Raum findet man da etliche interessante und lesenswerte Blogs. Aber im deutschsprachigen Raum schaut es traurig aus.

Warum gibt es so wenige Blogs, die sich mit Content Strategy beschäftigen? Es wäre so leicht, dieses Thema zu besetzen. Wäre das nicht eine Möglichkeit, Kunden und alle anderen, die sich dafür interessieren, davon zu überzeugen, wie wichtig eine Content Strategy ist?

Katrin Hilger hat vor ein paar Tagen zu einer Blogparade aufgerufen, bei der es um Wertschätzung für Blogs geht. Sie schreibt:

„(.) Blogs sind nachhaltig. auch nach Jahren sind gut verschlagwortete Artikel auffindbar und bleiben relevant. Sie sind nicht so schnell konsumierbar wie ein Foto, das gesehen wird, Like drunter, fertig. Blogs müssen gelesen werden. Aber ihr Angebot, ihre Tipps bleiben auch nachhaltig im Netz.“

Ich glaube, das Thema Content Strategy braucht Blogs und zwar jede Menge Blogs. Wenn ich mir anschaue, wieviele Blogs sich aktuell mit dem Thema SEO beschäftigen, frage ich mich, warum es nicht wenigstens halb so viel Blogs gibt, die sich auf das Thema Content Strategy konzentrieren und es weiter entwickeln. Die darüber schreiben, was das ist, warum es so wichtig ist und wie man das Thema angeht. Vermutlich würde man, wenn man konsequent bloggen würde, ziemlich bald die entsprechende Wertschätzung erfahren und den Aufwand, den man betreibt, direkt oder indirekt monetarisieren können (wohl eher indirekt, vermute ich).

Wertschätzung erhält man, wenn man selbst wertschätzt, was man macht

Ich habe vor 11 Jahren einen Blogbeitrag geschrieben, indem ich der Frage nachgegangen bin, wann man mit einem Blog erfolgreich ist und ob es sich lohnt zu bloggen? Darin habe ich ziemlich genau durchgerechnet, wie groß der finanzielle Aufwand (aus damaliger Sicht) ist und wie sich das rechnen kann. Lohnt es sich finanziell, erfahre ich die entsprechende Wertschätzung, das Problem ist gelöst.

Wie komme ich aber an diesen Punkt, dass ich die (finanzielle) Wertschätzung erfahre? Ich denke, man muss zuerst selbst die eigene Arbeit wertschätzen und entsprechend konsequent am Ball bleiben.

Blogs sind aber auch, und damit komme ich wieder zum #coscamp zurück, wichtig, wenn es darum geht, Barcamps zu dokumentieren. Bei 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern müssten sich nur 10 bis 20% von ihnen an die Barcampregel Nummer zwei halten, die lautet: „You do blog about Barcamp“. So könnte man noch lange und ausgiebig im Netz die Inhalte dieses Barcamps nachlesen und sie auch diskutieren, so die Kommentarfunktion freigeschaltet ist. Kommt es im Kommentarbereich zu Diskussionen, ist das auch eine Art von Wertschätzung, die früher selbstverständlich war, über die sich aber auch heute jede Bloggerin und jeder Blogger freuen werden.

Dann war da noch das Häferl

Ein Häferl ist, für alle, die es nicht wissen, eine Kaffeeschale oder auch einfach nur eine größere Tasse, ein Becher. So ein Häferl wurde von Stefan Evertz als Preis ausgeschrieben. Gewinnen sollte ihn, wer am fleißigsten über das #coscamp twittert. Der glückliche Gewinner war ich, hier ist das gute Stück zu bewundern.

Die Idee mit dem Preis finde ich witzig und ich sage danke dafür! Ich muss aber zugeben, ich hatte einen Startvorteil. Ich habe schon im Zug begonnen zu twittern und der fuhr bereits um 7 Uhr los. Das sind ca. drei Stunden Vorsprung. ;-)

Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, ein eigenes Blog zu starten, fangen Sie einfach damit an. Ein Blog ist schnell eingerichtet und wenn Sie Angst davor haben, bei den ersten Beiträgen Unsinn zu schreiben, stellen Sie die Seite einfach erst mal auf privat. Dann sehen nur Sie, was Sie verfasst haben. Das schreibe ich jetzt aber nicht für all die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lehrgangs in Graz, die wissen sehr genau, was und wie sie über Content Strategy schreiben können. Ich würde es toll finden, wenn da in den nächsten Wochen und Monaten das eine oder andere Blog online geht.

Am Ende dieses Beitrags sage ich danke an all diejenigen, die das Barcamp in Graz organisiert haben. Ich sage danke an Katrin Hilger für die Organisation der Blogparade. Und bei Stefan Evertz habe ich mich schon bedankt. Bleibt nur noch ein allerletzter Punkt: Falls Sie jetzt Lust auf ein Barcamp bekommen haben. Am 2. Juli findet in Wien im Volkskundemuseum das stARTcamp statt.

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Mein Thema für 2014: #connect

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Kurz vor dem Jahreswechsel habe ich diesem Blog ein neues Layout verpasst. Das alte gefiel mir nicht mehr wirklich. Erstens war die Schrift für mich zu klein, zweitens wirkten die Seiten überladen und drittens wollte ich gerne etwas Neues ausprobieren. Das Ergebnis sehen Sie, das Layout ist neu, die Seite nicht mehr überladen und die Schrift schön groß geworden. Möglich macht das dieser eine Button rechts oben in der Ecke, über den Sie dann in den Infobereich gelangen, wo alle Seiten, die Kategorien zum Stöbern oder die Links zu meinen Netzwerken zu finden sind. Über diesen Button gelangen Sie dann auch wieder zurück in den Blogbereich. Im Moment bin ich ganz begeistert vom neuen Layout, ob es auch praktisch ist und Ihnen gefällt (die beiden wichtigsten Punkte), das werden die nächsten Wochen weisen. In den letzten Jahren habe ich zu Beginn über die Themen geschrieben, die mich die nächsten zwölf Monate beschäftigen werden. Im vergangenen Jahr waren das, so stand in meinem Beitrag zu lesen, Gamification, Storytelling und Contentstrategien. Diese Themen sind heute immer noch wichtig und eigentlich gibt es keinen Grund, mir neue zu suchen und diese drei links liegen zu lassen. Deshalb orientiere ich mich an Chris Brogan, der sich schon seit einiger Zeit zu Jahresbeginn drei Wörter vornimmt, die ihn dann durch das Jahr begleiten. In seinem aktuellen Beitrag nennt er nicht nur seine drei Wörter (es sind, um Ihnen diese nicht vorzuenthalten: „lifestyle“, „monchu“ und „black“), sondern liefert auch gleich die Erklärung, wie seine Methode funktioniert:
„The idea is that the words you choose will go past being a simple goal and will become part of the way you identify yourself, and thus, a guiding light for your efforts.“
Mir gefällt diese Idee, deshalb versuche ich es auch mal, allerdings belasse ich es bei einem Wort. Falls ich mich in 365 Tagen nicht ausgelastet fühle, wähle ich beim nächsten Mal dann auch drei Wörter. ;-) Mein Thema für 2014 wird #connect sein. Dinge und Personen miteinander zu verbinden, ist ein zentraler Aspekt meiner Arbeit und das auf mehreren Ebenen. Schon im letzten Jahr habe ich mich – ausgehend von den drei Themen – weniger auf das Social Web selbst, sondern mehr auf die relevanten Inhalte konzentriert. Aber auch Begriffe wie Storytelling oder Gamification stehen nicht isoliert im Raum, sondern es gilt, sie zum wichtigen Baustein eines ganzen Ökosystems zu machen. Eine in meinen Augen spannende Verbindung lässt sich beispielsweise zwischen Gamification und Crowdfunding herstellen. Gleichzeitig geht es darum, Social Media mit den anderen Aktivitäten innerhalb der Kulturbetriebe zu verbinden, denken Sie an das Thema Return on Investment. Oder an die Herausforderung, private und berufliche Inhalte unterzubringen, zum Beispiel auf dem eigenen Facebookprofil. Oder ganz generell die Trennung zwischen Freizeit und Job, Stichwort Work-Life-Balance. #connect, das impliziert einen zunehmenden Grad an Komplexität, der natürlich auch im Kulturmanagement oder ganz generell im Management ein Thema ist, denken wir an das Buch „Open Leadership“ (Affiliate Link) von Charlene Li. Mit diesem Begriff öffne ich mir also ein weites Feld und werde die Inhalte, in denen das Thema #connect eine Rolle spielt, in den sozialen Netzwerken mit genau diesem Hashtag sammeln. Ich bin schon sehr gespannt, was ich da bis zum Jahresende alles zusammen tragen werde und würde mich freuen, wenn Sie mich das Jahr über begleiten. Das können Sie als LeserIn ganz ohne jede Verpflichtung, gerne aber auch in Form von Kommentaren oder persönlichen Gesprächen. Auch hier passt #connect übrigens ganz wunderbar. ;-) Ich freue mich auf ein hoffentlich spannendes Jahr mit Ihnen und wünsche Ihnen auch an dieser Stelle noch einmal alles Gute.
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Contentstrategy und Contentmarketing: Wie komme ich zu meinem Content?

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Netzwerk © Gerd Altmann ; Pixelio Wer im Netz nach Artikeln rund um die Themen Content strategy und Content Marketing sucht, hat die Qual der Wahl. Kein Zweifel, das Thema Content boomt derzeit und das durchaus zu Recht, denn wir alle bemerken, dass die Inhalte im Netz an Bedeutung gewinnen. Die Art und Weise, wie zum Beispiel Kultureinrichtungen mit ihren Zielgruppen kommunizieren, hat sich geändert, Von der Push- zur Pull-Kultur, so beschrieb Carsten Winter, Professor für Medien- und Musikmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hannover, in seinem Vortrag auf der stART10 eine Entwicklung, die es nicht mehr als sinnvoll erscheinen lässt, die UserInnen mit Werbung zu bombardieren. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, wenn das Inbound Marketing gegenüber dem Outbound Marketing an Bedeutung gewinnt. Gute Inhalte sind eine vielversprechende Möglichkeit, von den UserInnen entdeckt zu werden, nach Möglichkeit über die Suchmaschinen, von deren Betreibern Google als Branchenführer seit einiger Zeit gute Inhalte wesentlich höher bewertet als in der Vergangenheit. Woher kommen nun aber die guten Inhalte? Was interessiert die UserInnen? Ausgehend von dieser Frage ist vermutlich der Hype rund um das Thema Storytelling entstanden. Storytelling als ein möglicher Ansatz, gute Inhalte zu generieren und die Menschen für das, was man anzubieten hat, zu begeistern, ist in meinen Augen nicht falsch. Nicht ohne Grund habe ich Storytelling zu einem meiner Schwerpunktthemen in diesem Jahr gemacht. Aber es hat etwas nicht gepasst, als plötzlich alle begannen, Lagerfeuerromantik zu schaffen und versuchten, spannende Geschichten zu entwickeln, die dann auch noch mit einer Prise Mystik gewürzt wurden. Ich weiß nicht, wie es den anderen geht, die immer wieder die Bedeutung des Storytelling beschrieben haben, ich zumindest glaube, dass mir da einen Denkfehler unterlaufen ist. Storytelling ist ja nur das Hilfsmittel, um bestimmte Inhalte zu transportieren. Ich aber habe den Eindruck, dass die Inhalte oft gar keine Rolle mehr spielen, Hauptsache, eine Geschichte wird erzählt. Es mag in einer bestimmten Situation sinnvoll sein, wenn ich die MitarbeiterInnen einer Kultureinrichtung ihre Geschichte erzählen lasse, etwa welchen Zugang sie zu der Kunst haben, für die ihr Arbeitgeber steht und wie ihre Tätigkeiten aussehen? Die Frage ist, ob aus diesen „Berichten“ eine Faszination entsteht, die jemanden dazu bringt, ein Theater, ein Museum oder ein Konzert zu besuchen? Ich behaupte, dieser Sprung gelingt nur in den seltensten Fällen und so stellt sich mir die Frage, ob es es der richtige Ansatz ist, um Menschen für meine Kunst zu begeistern? Die Frage nach den richtigen Inhalten ist damit also noch nicht beantwortet.

Harold Jarche und das „Personal Knowledge Management“

Als ich gestern in meinem Feedreader las, stieß ich auf einen im ersten Moment unscheinbaren Beitrag über Content Curation von Beth Kanter. In ihm tauchte eine Grafik von Harold Jarche und der Link zu seinem Blog  „Life in perpetual Beta“ auf. Das dort von ihm entwickelte Modell des Personal Knowledge Management hat mich sofort fasziniert, denn es hilft uns, so glaube ich, die derzeit noch offene Frage zu beantworten, woher unsere Inhalte kommen? Jarche definiert Personal Knowledge Management (PKM) als
„a set of processes, individually constructed, to help each of us make sense of our world & work more effectively.“
Den Rahmen für diese Prozesse bildet das „Seek : Sense : Share framework“, das in der Abbildung so aussieht:
seek sense share framework

Quelle: Harold Jarche (CC BY-NC-SA)

Was sich für ihn hinter diesen Begriffen verbirgt, beschreibt er in seinem White Paper „Personal Knowledge Management“:
  1. Seeking is finding things out and keeping up to date. (…).
  2. Sensing is how we personalize information and use it (…).
  3. Sharing includes exchanging resources, ideas, and experiences (…).“ (S.3)
Vereinfacht gesagt befinden wir uns in einer sozialen Lernumgebung, in denen wir ständig darum bemüht sind, Informationen zu Wissen zu verarbeiten, sie also quasi zu veredeln und dann im nächsten Schritt mit anderen zu teilen, die ihrerseits wieder versuchen, diese Inhalte weiter zu entwickeln.
sense-making-Personal Knowledge Management

Quelle: Harold Jarche (CC BY-NC-SA)

Hier liegt meiner Ansicht nach der Schlüssel zu den Inhalten, um die es geht. Wenn Kunst – sehr vereinfacht formuliert – sich mit den wichtigen Dingen des Lebens beschäftigt, dann steht dahinter immer auch der Anspruch, sie – und auch sich selbst – durch die Auseinandersetzung damit weiter zu entwickeln. Die Unterscheidung „low value“ und „high value“ wird der Sache vermutlich nicht gerecht, denn der Ausangspunkt ist bereits ein sehr hohes Niveau. Aber entscheidend ist die Anreicherung der Inhalte, mit denen man sich beschäftigt und der Wunsch, die Ergebnisse der künstlerischen Beschäftigung mit anderen zu teilen. Das geschieht einerseits in Konzert, Ausstellung oder Aufführung. Andere Kanäle und Formate sind aber natürlich nicht verboten und genau um die geht es mir hier. So ganz neu ist dieser Ansatz natürlich nicht, es gibt schon seit langer Zeit Programmhefte und Kataloge, die genau diesen Prozess der Anreicherung „dokumentieren“. Aber sie sind – nicht überall – dünner geworden und vielleicht ist es eine Chance, diese Inhalte in neuen Formaten zur Verfügung zu stellen? Das Social Web ist der richtige Ort für diese Art des Lernens. Die Motivation, und das ist der entscheidende Punkt, besteht aber darin, selbst weiter zu lernen und nicht einfach nur Marketing für die nächste Aufführung zu betreiben. Es geht um uns, unsere Lernprozesse und nicht um irgendeine beliebige Geschichte, die mit der nächsten Ausstellung nichts oder nur am Rande zu tun hat. Zwei weitere Punkte scheinen mir dabei wesentlich: Erstens verabschieden wir uns damit von der altbekannten Form des Marketings und haben die Möglichkeit, die Menschen über unsere Inhalte zu erreichen (was dem Kunst- und Kulturbereich angesichts der Vorbehalte gegenüber dem Marketing nicht unrecht sein dürfte). Zweitens gelingt es uns auf diese Weise, Social Media in unsere tägliche Arbeit zu integrieren. Es ist nicht mehr der Bereich, der uns völlig fremd ist und über den wir versuchen, unsere Angebote zu bewerben, weil ein paar BeraterInnen uns eingeredet haben, dass das was bringen könnte. Neben dem White Paper hat Jarche noch ein Video produziert, das recht anschaulich sein Konzept des Personal Knowledge Management erklärt. Die zehn Minuten lohnen sich:
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Meine Themen für 2013: Contentstrategien, Storytelling und Gamification

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93000_original_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © S. Hofschlaeger ; Pixelio Das „Web 2.0 gibt es schon lange„, schrieb ich vor fast sechs Jahren und bezog mich dabei auf den von Wolf Lotter in brand eins veröffentlichten Artikel „Elementarteilchen„. Heute gibt es das Web 2.0 schon so lange, dass man gar nicht mehr Web 2.0 dazu sagt. Viele Kultureinrichtungen und KünstlerInnen sind mittlerweile im Social Web angekommen, wie es heute meist genannt wird. Obwohl sich das mit dem „social“ vermutlich auch bald erledigt haben wird und wir dann wie früher einfach nur noch vom Web sprechen werden. Aber irgendwie funktioniert dieses (Social) Web nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haben. Was bringt uns Social Media denn wirklich? Rechnen sich die Kosten dafür? Connie Bensen hat schon das Jahr 2010 als „The Year of Social Media ROI“ angekündigt. Zumindest bei uns ist das Thema noch nicht ganz angekommen. Hinzu kommt die steigende Zahl an Netzwerken. Facebook, Twitter, LinkedIn, Xing und nun auch Google+, wer hat genügend Ressourcen, um für alle diese Kanäle die geeigneten Informationen zu erstellen, wobei die Frage offen bleibt, wie diese Inhalte denn auszusehen haben? Auf allen Plattformen gibt es immer wieder Änderungen, die einen dazu zwingen, sich mit ihnen zu beschäftigen. Und wer dann einen klugen Rat sucht, sieht sich einer Masse an Social Media-BeraterInnen gegenüber, aus der heraus man dann den oder die Richtige finden muss, ohne genau zu wissen, nach welchen Kriterien man eigentlich aussuchen soll. Wenn dann noch Bücher auftauchen wie etwa „Social Media is Bullshit„, dann können schon Zweifel auftauchen, ob das wirklich so eine gute Idee war, auf Social Media zu  setzen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Social Media wichtig ist für den gesamten Kunst- und Kulturbereich. In den letzten Jahren ging es vor allem darum, den Weg dorthin zu finden und sich im Social Web einzurichten. Viele haben sich auf den verschiedenen Plattformen niedergelassen und zu experimentieren begonnen. Aber wie geht es jetzt weiter? Wie sieht der nächste Schritt aus? Es geht darum, so denke ich, die Aufmerksamkeit nun verstärkt auf die Inhalte zu lenken. Gelingen kann das mit Hilfe von Contentstrategien, ein Thema, mit dem sich in den USA die ExpertInnen schon eine ganze Weile beschäftigen. Kristina Halvorson, die mit „Content Strategy for the Web“ (Print, eBook; Affiliate Link) die Bibel für diesen Ansatz verfasst hat, definiert Content Strategy als „the practice of planning for the creation, delivery and governance of useful, usable content“. Das klingt sehr einfach, ist es aber nicht, denn es geht hier nicht nur um editorische und kuratorische Aufgaben, sondern auch um die Beschäftigung mit Themen wie SEO, Informationsarchitektur oder die Frage, über welche Kanäle die Inhalte verbreitet werden sollen? Contentstrategien werden für mich eines von drei Themen sein, mit denen ich mich in diesem Jahr intensiv beschäftigen möchte. Thema Nummer zwei ist und bleibt das Storytelling. Schon in den letzten beiden Jahren stand es auf meiner Agenda, ich werde weiterhin dranbleiben, denn Geschichten wie beispielsweise „Snow Fall: The Avalanche at Tunnel Creek“ zeigen, welches Potenzial in ihnen steckt. Storytelling wird nicht nur hier im Blog ein wichtiges Thema sein, sondern mich auch in anderen Formaten beschäftigen. In Kulturkonzepte 2.0 ist Storytelling das Thema des Monats Januar und auch auf der stART13 wird es eine wichtige Rolle spielen (aber dazu in den nächsten Tagen mehr). Und noch ein drittes Thema liegt mir am Herzen: Gamification. Gamification ist viel mehr als ein Spiel, habe ich vor wenigen Tagen ein Blogpost überschrieben und darauf hingewiesen, dass es gar nicht so einfach ist, die Menschen intrinsisch zu motivieren, sich mit Kunst oder Kultur zu beschäftigen. Der Einsatz spieltypischer Elemente und Prozesse kann hier eine große Hilfe sein. Wie das konkret aussehen kann, werde ich hoffentlich in den nächsten zwölf Monaten herausfinden und hier beschreiben. Für mich besteht eine sehr enge Verbindung zwischen diesen Themenbereichen, die aber alle drei nur dann eine Erfolgschance haben, wenn eines nicht fehlt: Social Media. Aber es geht nicht mehr so sehr darum, wie Social Media funktionieren, sondern mit Hilfe welcher Mechanismen sie sich erfolgreich nutzen lassen. Womit wir dann auch wieder beim Thema ROI wären. ;-)