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Remixing Gustav Mahler

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Skulptur von Gustav Mahler durch Auguste Rodin im Avery Fisher Hall (Konzertsaal) in Lincoln Center (NYC, USA) (Public Domain)

In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Gustav Mahler zum 100. Mal, was viele Kultureinrichtungen zum Anlass nehmen, sich mit Leben und Werk des 1860 im böhmischen Kaliště u Humpolce geborenen Künstlers zu beschäftigen. Besonders gut gefällt mir die Idee der Berliner Philharmoniker, die gerade einen Mahler Remix Contest gestartet haben. Sich mit der Musik Mahlers auseinanderzusetzen und neue Kunstwerke zu kreieren, ist keine ganz neue Idee, wer etwa auf YouTube sucht, wird dort recht schnell fündig und kann sich dann dort unter anderem diesen Remix anhören:

Im Rahmen des lied lab 2011 setzte sich Christian Fennesz in einer sehr ähnlichen Weise mi dem Werk Mahlers auseinander. Darüber hinuas unternahm man dort aber auch den Versuch, die Lieder Mahlers nicht nur live auf der Bühne aufzuführen, sondern sie darüber hinaus noch visuell zu interpretieren (siehe dazu auch „thegap“: Mahlers Liedschaffen in neuem Gewand).

Während es hier ausschließlich KünstlerInnen sind, die Mahler interpretieren oder remixen, erweitern die Berliner Philharmoniker diesen Kreis. Mitmachen kann, wer will.

„Die Berliner Philharmoniker laden Euch ein, am Mahler Remix Contest teilzunehmen. Komponiert Euer eigenes Musikstück, basierend auf der Musik des berühmten Komponisten Gustav Mahler,“

heißt es in der Ankündigung. Als Vorlage dienen Klangbeispiele des ersten Satzes seiner Symphonie Nr. 1, die die Berliner Philharmoniker zur Verfügung stellen. Genutzt wird für diesen Contest Soundcloud, eine Musikplattform, die sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt hat und mittlerweile, der Contest beweist es, nicht mehr nur eine Seite für diverse Musiknischen ist. Die Berliner Philharmoniker haben dort eine eigene Seite eingerichtet und dort auch ihre Klangbeispiele in einer CC-Lizenz zur Verfügung gestellt. Noch besser wäre es natürlich gewesen, ich könnte die Musik hier einbetten, aber das ist leider nicht möglich.

Das geht aber dafür mit einem der ersten Remixes, die mittlerweile eingelangt sind. ;-)

Ich bin gespannt, wie diese Idee ankommt und angenommen wird. Der Wettbewerb läuft noch bis Ende September, es ist also noch genügend Zeit, einen eigenen Remix zu kreieren. Wer sich mit einem eigenen Werk beteiligt, erhält auf alle Fälle ein 24-Stunden-Ticket für die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker. Und was bekommt der Gewinner?

  1. Er erhält ein Jahres-Abonnement für die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker und einen Pro Account bei SoundCloud für ein Jahr,
  2. er wird wird außerdem in der Presse und über die Website der Berliner Philharmoniker öffentlich bekanntgegeben und
  3. der Gewinner-Beitrag wird auf der Website der Berliner Philharmoniker veröffentlicht.

In meinen Augen ist es ein geschickter Schachzug, den Wettbewerb über die Plattform Soundcloud abzuwickeln, denn viele Anhänger der elektronischen Musik sind dort aktiv und verfügen mittlerweile auch über eine entsprechend große Zahl an Fans. Die Berliner Philharmoniker erreichen auf diese Weise eine für sie vermutlich neue Zielegruppe und da sich die auf Soundcloud hochgeladenen Tracks sehr leicht in andere Plattformen einbetten lassen (so man das möchte), ist vermutlich auch der Multiplikatoreffekt entsprechend groß. Ich freue mich auf hoffentlich viele gut gemachte Beiträge.

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Innovation = Copy, Transform, Combine

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Good Copy Bad Copy„; By creative commons polska (CC-Lizenz)

Von Kulturkampf war auf dem Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft die Rede, der Begriff „Kulturkampf“ betitelt auch die auf 2010lab.tv erschienene Videozusammenfassung. Eines der strittigsten Themen war dabei das Urheberecht und die damit verbundene Frage, wem eigentlich die Inhalte gehören?

Inhalte, für die es einen Urheber gibt, der daher über gewisse Rechte verfügt. Nur: wer ist der Urheber von was? Gibt es wirklich so viele Originale, wie wir glauben? Und macht es Sinn, dass die Urheber verhindern, dass das, was sie entwickelt, erfunden oder kreiert haben, von anderen nur gegen Bares verwendet werden darf?

Fragt man Kirby Ferguson, lautet die Antwort vermutlich nein. Er hat innerhalb des letzten Jahres eine dreiteilige Videodokumentation produziert (der vierte und letzte Teil erscheint im Herbst), die den Titel „Everything is a Remix“ trägt. Darin zeigt er, dass Innovation nicht etwas ist, was aus einer Art Urknall heraus entsteht, sondern das Resultat einer schlichten Aneinanderrreihung verschiedener Tätigkeiten  ist, die Ferguson im dritten Teil seiner Videoserie so zusammenfasst: „copy, transform, combine.“

Henry Ford, oft als Erfinder der modernen Automobilproduktion bezeichnet, wird darin mit den Worten zitiert:

„I invented nothing new. I simply assembled the discoveries of other men behind whom were centuries of work. Had I worked fifty or ten or even five years before, I would have failed.“

Und wenn man sich dann noch die beiden ersten Folgen der Videoserie anschaut, in denen es um das „Kopieren“ von Musik (Everything is a Remix Part 1) und Filmen (Everything is a Remix Part 2) geht, dann stellt sich die Frage, ob es im Sinne von Innovation – auch im Bereich der Kunst – wirklich sinnvoll ist, vor allem auf Verbote zu setzen?

via Frank Patrick

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„Rip! A Remix Manifesto“

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Im Rahmen der Viennale läuft derzeit ein ganz interessanter Dokumentarfilm.

RIP: A Remix Manifesto beschäftigt sich mit den Auswirkungen der digitalen Evolution auf die Urheberschaft: Über mehrere Jahre hat der kanadische Regisseur Brett Gaylor Interviews, Filme und Found-Footage gesammelt, um die aktuelle Debatte um Copyright-Fragen in der Musik-Kultur zu untersuchen. Gaylor geht dabei vor allem der Frage nach dem Urheberrecht nach, der Definition des Autors im Internet, dem Gedanken des Remixes als eigenständiges, künstlerisches Handwerk, und natürlich den Versuchen der Urheberrechtsinhaber, diese Nutzungsformen zu verhindern“,

heißt es in der Programm-Ankündigung. Hier ein Ausschnitt aus dem Film

Ich denke, dieses Projekt setzt bis heute den Remix-Gedanken im Filmbereich am konsequentesten um. User-generated Content und das klassische Urheberrecht, der Film zeigt, dass das nicht mehr so ganz zusammenpasst.

Update:

Leider gibt es die Website zum Film nicht mehr, geblieben ist der Wikipedia-Eintrag und die Möglichkeit, sich den Film in ganzer Länge auf YouTube anzuschauen: https://www.youtube.com/watch?v=quO_Dzm4rnk