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Zwei Dissertationen zum Thema Urheberrecht

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© Stephanie Hofschlaeger; Pixelio Wie kompliziert die Sache mit dem Urheberrecht ist und um wie viele unterschiedliche Interessen es bei diesem Thema geht, habe ich gerade mal wieder erfahren, als ich mit diesem Blogbeitrag beginnen wollte und einen Aufhänger gesucht habe. Innerhalb kürzester Zeit habe ich es auf 14 offene Fenster in meinen Browser gebracht und in jedem Fenster befand sich ein interessanter Beitrag, eine interessante Position. Da gibt es zum einen den Heidelberger Appell, in dem sich KünstlerInnen und vor allem Verlage für „Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte“ einsetzen. Dazu gehören dann auch Verlage, die sich aber nicht scheuen, das geistige Eigentum anderer zu verwenden, ohne darauf hinzuweisen. Ja und das „Basta“ von Frank A. Meyer darf natürlich auch nicht fehlen. Kurz gesagt: das derzeit geltende Urheberrecht scheint nicht mehr ganz zeitgemäß und deshalb ist es wichtig, dass man sich auch jenseits der Stammtische und der Politik Gedanken dazu macht. Deshalb möchte ich auf zwei Dissertationen hinweisen, die, wenn man sich die Rezensionen durchliest, sehr interessante Ansätze enthalten. Da ist zum einen die von Till Kreutzer verfasste Arbeit Das Modell des deutschen Urheberrechts und Regelungsalternativen, die hier rezensiert worden ist. Und dann gibt es da noch die Dissertation von Gerd Hansen, die den Titel Warum Urheberrecht?: Die Rechtfertigung des Urheberrechts unter besonderer Berücksichtigung des Nutzerschutzes.trägt. Auch diese Arbeit ist mittlerweile rezensiert worden. Interessant finde ich hier, dass auf die neue Form des Nutzers eingegangen wird, „der sich oft auf der Grenze zwischen Nutzung und eigener Schöpfung bewegt“, wie es in der Rezension heißt. Da sind wir ja genau bei der Frage, was ich als Nutzer mit dem auf YouTube hochgeladenen Videomaterial machen darf und was nicht? Auch die Frage, ob ich Wahlplakate remixen darf oder nicht, steht in diesem Kontext. Hansen schwebe eine grundlegende Neuausrichtung des Urheberrechts vor, konstatiert Christoph Endell, Verfasser der Rezension, womit er ein sehr hochgestecktes Ziel verfolgt:
„Brennpunkt dieser Überlegungen ist für Hansen das Ideal einer partizipativen und offenen Kultur, barriere- und erlaubnisfrei, aber nicht unbedingt kostenlos“,
so Endell weiter. Ob solche Überlegungen eine Utopie bleiben oder doch irgendwann Eingang in Gesetzestexte finden, wird die Zukunft weisen.  Jetzt geht es darum, die Arbeiten bekannt zu machen und eine Diskussion darüber zu beginnen, was hinsichtlich der Kosten und des Umfangs eine Herausforderung ist. Via Arbeit 2.0
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Das Urheberrrecht oder „Wie spielt die Musik?“

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Matthias Spielkamp hat auf dem Blog Arbeit2.0 eine Präsentation zum Thema Urheberrecht online gestellt, die sehr präzise herausarbeitet, dass die Bemühungen der Musikindustrie, die Situation wieder in den Griff zu bekommen, gescheitert sind.
Besonders wichtig ist für mich Folie 24, auf der Spielkamp feststellt:
„das Einkommen von Kreativen hängt nicht in erster Linie vom Schutz ab, den das Urheberrecht gewährt, sondern von den Verträgen mit Verwertern.“
Da macht es wenig Sinn, das Urheberrecht zu verteidigen, wie es im Heidelberger Appell gefordert wird (siehe dazu auf KoopTech den Beitrag von Armin Medosch: „“Die Zeit” und die “intellektuelle Finsternis”„). Als ich vor einigen Jahren von einem Verlag um einen Artikel gebeten wurde, bekam ich einen Vertragsentwurf zugeschickt, in dem ich unterschrieben hätte, dem Verlag alle Rechte für die Online-Nutzung kostenlos zur Verfügung zu stellen. Und heute sind das diejenigen, die um die Rechte der Kreativen kämpfen? Nein, in diesem wie in vielen anderen Fällen geht es darum, dass die Verwerter, wie Spielkamp ja auch feststellt, sich auf Kosten der Kreativen bereichern. Nicht um das Urheberrecht. Womit ich jetzt nicht behaupten möchte, das Urheberrecht solle so bleiben, ganz im Gegenteil. Mein Blog ist mit einer Creative Commons Lizenz versehen, denn ich glaube, dass die Entwicklung in diese Richtung gehen muss. Wenn Roland Reuß als Initiator des Heidelberger Appells in der FAZ vom „Respekt vor der unverwechselbaren Arbeit des Einzelnen (spricht), die durch geltendes Recht geschützt (werden müsse)„, dann stimme ich ihm da durchaus zu. Nur: sein Weg ist für mich der falsche. Respekt ist nicht das Ergebnis von Gesetzen, Respekt hat was mit Wertschätzung zu tun und die fließt nicht aus Paragraphen.
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Darf ich Videos von Plattformen in meine Website einbinden?

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Erst vor ein paar Tagen habe ich das Video von Barack Obama in einen Blogeintrag eingebunden. Und damit das getan, was viele BesitzerInnen von Blogs oder Websites immer häufiger machen: Sie nutzen eine Funktion der verschiedenen Videoplattformen und binden die dort veröffentlichten Videos in die eigene Seite ein. Das ist für die Plattformbetreiber eine feine Sache, werden doch so ihre Videos verbreitet. Aber natürlich ist das auch für mich als Websitebesitzer fein, denn ein Video macht sich immer gut und bringt Abwechslung. Die Frage ist aber: darf ich das überhaupt? Oder ist das verboten? Rechtsanwalt Carsten Ulbricht hat sich auf seinem Blog Web 2.0 & Recht mit dieser Thematik beschäftigt und einen sehr wichtigen Beitrag dazu geschrieben. Mit dem Video von Barack Obama werde ich wohl keine Probleme bekommen, denn es wurde ja für das Internet produziert, um dort durch eine möglichst große Verbreitung für den Präsidentschaftskandidaten Werbung zu machen. Anders schaut die Sache aber aus, wenn ich hier urheberrechtswidrig Musikvideos einbinde. Nur ist das nicht so ganz einfach abzuschätzen. Wer eine Website sein eigen nennt, der sollte Ulbrichts Beitrag gelesen haben. Sein Fazit:
„(…) im Zusammenhang mit der Einbettung von urheberrechtswidrigen Videos liegt das Risiko Anspruch genommen zu werden zunächst einmal bei der jeweiligen Videoplattform, da die Videos auf deren Servern gespeichert sind. Eine Unterlassung könnte aber auch gegenüber dem Homepagebetreiber geltend gemacht werden, welcher die Videos einbettet (auch wenn diese Unterlassung dann nicht die Quelle der Verletzung beseitigen würde). Wichtig ist – wie immer bei User Generated Content – , dass die Kenntnis von rechtlich problematischen Inhalten zum Handeln verpflichtet. Es empfiehlt sich also nicht wahllos Videos einzubetten.“
Mein Fazit: im Zweifelsfall verzichte ich lieber auf das Video.