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Die Sache mit der Creative Commons-Lizenz

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Ich freue mich, wenn anderen meine Blogbeiträge so gut gefallen, dass sie sie gleich übernehmen wollen. Um es ihnen so leicht wie möglich zu machen, habe ich mein Blog mit einer Creative Commons-Lizenz versehen, unter der jede/r die Blogposts kostenlos nutzen darf, auch zu kommerziellen Zwecken. Ich muss also noch nicht mal gefragt werden, auch wenn der Text bearbeitet und damit verändert wird. Allerdings gibt es da zwei Einschränkungen, bei denen ich mich schon fast nicht traue, von Einschränkungen zu sprechen. Denn eigentlich ist es ja selbstverständlich, dass man den Namen des Autors erwähnt. Aber ehrlich gesagt, halten sich da auch die meisten daran. Sehr viel schwieriger ist der zweite Punkt. Die Creative Commons-Lizenz, die ich ausgewählt habe – CC BY-SA 3.0 – verlangt nämlich nicht nur, den Namen zu nennen, sondern das Werk unter den gleichen Bedingungen weiter zu geben. Konkret heißt das: Sie müssen den Text dann auch mit einer CC-Lizenz versehen. Ich habe gerade wieder mal einen Text von mir auf einem fremden Blog entdeckt. Der Name passt, aber im Impressum heißt es dann:
„Alle Rechte vorbe­hal­ten. Ins­be­sonde­re dürfen Nachdru­ck, Aufn­a­h­me in Online-Die­n­ste und In­te­r­net und Ver­vie­lfält­igung auf Da­ten­träger wie CD-ROM, DVD-ROM etc. nur nach vorhe­riger schrift­lic­her Zu­st­immu­ng der Rechtei­nha­ber erfo­lgen.“
Sorry, das hat mit der Creative Commons-Lizenz relativ wenig zu tun. Es geht mich nichts an, welches Recht auf anderen Blogs gilt. Aber die von mir übernommenen oder bearbeiteten Beiträge fallen nun mal nicht unter das „normale“ Urheberrecht und müssen deshalb entsprechend gekennzeichnet sein. Im Idealfall sieht das dann so aus: Autor: Christian Henner-Fehr ǀ Kulturmanagement Blog (CC-Lizenz BY-SA 3.0) Eigentlich ist das ganz einfach, aber um es Ihnen noch einfacher zu machen, habe ich gerade eine eigene Seite eingerichtet, auf der ich noch mal genau erkläre, was Sie beachten müssen. Und was Sie damit tun dürfen. Direkt unter Kulturmanagement Blog finden Sie meine Seiten aufgelistet, z.B. Über mich, Impressum, etc.. Eine dieser Seiten ist mit „Meine Beiträge nutzen“ überschrieben. Sie finden sie also leicht wieder. Wenn Ihnen die verschiedenen Kürzel, z.B. BY, wenig bzw. nichts sagen, dann empfehle ich Ihnen außerdem den Beitrag „Creative Commons: Wer kennt die Icons und Abkürzungen [Infografik]?„. Er enthält eine von Martin Mißfeldt erstellte Grafik, in der alle Abkürzungen und Icons erklärt werden. Falls Sie dazu Fragen haben, freue ich mich über Ihren Kommentar oder eine Mail.
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Eine Infografik zeigt, was Sie bei der Nutzung von Bildern beachten müssen

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© iwona golczyk ; Pixelio Wir alle wissen mittlerweile, dass es sinnvoll ist, Textbeiträge mit dazu passenden Bildern oder Grafiken zu ergänzen. Die Frage ist nur: woher nehme ich diese Bilder, vor allem dann, wenn ich über nur ein geringes Budget verfüge oder gar kein Geld ausgeben möchte? Ich zähle mich nicht unbedingt zu der Riege der Fotokünstler, die die passenden Bilder selbst produzieren. Und mir ist klar, dass das copy & paste-Verfahren, das sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, nicht der geeignete Weg ist, um an gute Bilder zu kommen. Ich selbst nutze in der Regel Pixelio oder Flickr und bin damit bis jetzt recht gut gefahren. Diese Fotoplattformen haben den Vorteil, dass ich dort neben der großen Auswahl auch klare Regeln vorfinde und so die Gefahr eines Rechtsbruches relativ gering ist. Aber nicht jeder ist mit einer Plattform zufrieden und so sind viele ständig auf der Suche nach gutem Fotomaterial. Es geht also erstens darum, die passenden Plattformen zu finden und dann darauf zu achten, nicht gegen die dortigen Regeln zu verstoßen. Martin Mißfeld hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, in einer Infografik die wichtigsten Plattformen für lizenzfreie Bilder aufzulisten und außerdem aufzuzeigen, welche Regeln dort jeweils zu beachten sind. Außerdem erklärt er darin noch einmal den wichtigen Unterschied zwischen Urheber- und Nutzungsrecht. Wenn Sie also demnächst wieder mal auf der Suche nach dem passenden Bild sind und nicht wissen, wo Sie suchen sollen, finden Sie die wichtigsten Plattformen für lizenzfreie Bilder in Martin Mißfelds Beitrag aufgelistet und können sich einen schnellen Überblick darüber verschaffen, welche Regeln einzuhalten sind.
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Videoeinsatz im Social Web: welche rechtlichen Gefahren drohen? (Treffpunkt KulturManagement)

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Dass Videos sich hervorragend für den Marketingeinsatz eignen, ist nicht wirklich neu. Die von Thomas Urban, Professor für Wirtschaftsinformatik an der FH Schmalkalden, vor knapp zwei Jahren durchgeführte Studie „Videomarketing, eine empirische Studie zur Nutzung und Akzeptanz von Videomarketing aus Unternehmenssicht“ zeigt, dass vor allem die Auffindbarkeit in den Suchmaschinen und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten im Social Web das Video so attraktiv machen. Wer sich die ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 anschaut, versteht, warum das so ist. Knapp ein Drittel der deutschen Onlinenutzer ab 14 Jahren nutzt regelmäßig Videoportale wie YouTube oder Vimeo, Tendenz steigend. Auch Kultureinrichtungen haben erkannt, dass sich Videos viel leichter verbreiten lassen als ein Text. Ein eigener YouTube-Kanal gehört heute schon zum guten Ton, immer häufiger werden Ausstellungen, Theaterinszenierungen, aber auch Bücher per Video angekündigt. Interessant dabei: ein aufwendig produziertes Video ist dabei nicht immer erfolgreich. Häufig sind es Schnappschüsse oder „lustige“ Amateurvideos, die zum großen Renner werden und sich viral verbreiten. Was so einfach klingt, hat aber einen Haken: ein Video ist zwar leicht und billig zu produzieren, aber die rechtlichen Rahmenbedingungen bleiben kompliziert. Beim nächsten Treffpunkt KulturManagement, der am 18. April um 9 Uhr stattfindet, informiert Rechtsanwalt Bernhard Kelz über die möglichen Gefahren, die beim Videoeinsatz im Social Web drohen. Er wird sich dabei vor allem den beiden folgenden Fragen widmen:
  1. Welche juristischen Weichen muss man stellen, um eine legale Verbreitung des eigenen Videomaterials zu ermöglichen?
  2. Welche Lizenzmodelle eignen sich um fremdes Videomaterial für die eigenen Marketingaktivitäten zu nutzen?
Am Beispiel YouTube und Creative Commons Lizenzen zeigt Bernhard Kelz, welche Grenzen aktuell Lizenzmodelle haben und worauf es bei der Lizenzierung eigenen Materials als auch beim „Einkauf“ fremden Materials ankommt. Kelz ist Rechtsanwalt bei der Anwaltskanzlei Arnold (Dresden – Berlin) und leitet dort das Referat IT- & Medienrecht. In diesem Bereich berät er Unternehmen unter anderem zu den rechtlichen Herausforderungen des Online- und insbesondere des Social Media Marketing. Wenn Sie wissen wollen, worauf es beim Einsatz von Videos auf Facebook, Twitter & Co. ankommt, dann sind Sie wie immer herzlich eingeladen. Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 18. April, einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren. Hier noch einmal die wichtigsten Infos: Treffpunkt KulturManagement Termin: 18.04.2012 von 9:00 bis 10:00 Thema: Videoeinsatz im Social Web: welche rechtlichen Gefahren drohen? Impulsvortrag: Bernhard Kelz Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement
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„Kunst hat Recht“: nach vorne schauen ist besser als zurück

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Vielleicht kennen Sie die Geschichte von James Burbage, der 1576 das erste öffentliche Theater in England baute und die Theaterkasse einführte. Der Grund: Theater fand bis dahin auf öffentlichen Plätzen statt, die BesucherInnen konnten kommen und gehen. Bezahlt wurde am Ende und es geschah, was wir heute bei vielen StraßenkünstlerInnen auch erleben können. Wenn am Ende der Hut kreist, sind die Leute weg, Natürlich war das für die Theatergruppen ärgerlich, denn sie hatten nicht nur viel Zeit und Geld in die Produktion gesteckt, sondern mussten außerdem auch davon leben.

So ähnlich fühlen sich heute viele KünstlerInnen. Sie investieren Zeit und Geld in ihre Kunst und bekommen dafür höchstens etwas Anerkennung, aber kein Geld. Und weil sie das als ungerecht empfinden, – und es ist ungerecht – wurde in Österreich die Kampagne „Kunst hat Recht“ ins Leben gerufen. KünstlerInnen können von ihrer originär künstlerischen Arbeit kaum leben, hat eine 2008 veröffentlichte Studie gezeigt, dagegen gilt es etwas zu unternehmen. Aber der Ansatz der Kampagne „Kunst hat Recht“ geht in eine völlig falsche Richtung und schadet den KünstlerInnen mehr als er ihnen nützt. Der Versuch, über das Urheberrecht das finanzielle Überleben zu sichern, ist rückwärtsgewandt. Auf James Burbage gemünzt würde das bedeuten, er hätte den Vorschlag gemacht, im Umkreis von 500 Meter rund um die Theatergruppe einen Zaun zu errichten und alle, die ohne zu zahlen aus diesem Kreis herauswollen, zu bestrafen. Was das für den Theaterbereich bedeutet hätte, kann sich jede/r selbst ausmalen.

Und genau so ein Horrorszenario scheinen die Verantwortlichen von „Kunst hat Recht“ anzustreben. Mit ihrem vor ein paar Tagen veröffentlichten Video bedienen sie die unsäglichsten Klischees und verscherzen es sich mit all denen, auf deren Unterstützung sie eigentlich angewiesen sind.

Zwei Punkte möchte ich hier gerne ansprechen:

  1. Mir ist nicht klar, wer hier eigentlich kritisiert wird? Sind es die jungen KollegInnen des alternden Schriftstellers oder sind es die LeserInnen, die sich, ohne zu zahlen, an den Inhalten seiner Werke erfreuen? In diesem Video werden alle in einen Topf geworfen und als Diebe gezeichnet, die der „Lichtgestalt“ des Künstlers den letzten Schluck Kaffee nicht gönnen. Was um alles in der Welt soll damit erreicht werden? Muss ich mich jetzt schuldig fühlen? Nein, tue ich nicht und vermutlich alle anderen auch nicht. Insofern ist dieses Video sinnlos. Nein, es ist nicht sinnlos, es ist kontraproduktiv.
  2. Besonders rührend ist es, wenn „Kunst hat Recht“ genau dieses Prinzip des Teilens anwendet, gegen das man sich eigentlich zu wehren versucht. Das Video wird kostenlos produziert (klar, dass da alle umsonst mitarbeiten) und nun werden wir aufgefordert, die Inhalte via Facebook & Co. zu teilen. Sorry, merkt denn da niemand, das es spätestens an diesem Punkt völlig absurd wird? Noch nicht mal zu einer Creative Commons-Lizenz hat man sich durchringen können.

Dass man sich mit dieser Kampagne auf dünnem Eis bewegt, haben die InitiatorInnen der Kampagne vor wenigen Tagen wohl selbst erkannt und ihre Forderungen „präzisiert„, wie es auf der Website heißt. Darin spricht man sich erstens dagegen aus, die Downloads privater UserInnen rechtlich zu verfolgen und diese so zu kriminalisieren. Zweitens möchte man die Möglichkeit haben, „gegen die öffentliche Bereitstellung von urheberrechtlich geschützten Inhalten vorgehen zu können“. Und drittens möchte man „Web-Angebote mit Urheberrechtsverletzungen in gewerblichem Stil“ verhindern können.

In meinen Augen wird es damit völlig absurd, denn gegen wen richtet sich die Kampagne denn eigentlich nun? Wer sind denn eigentlich die jungen Leute aus dem Video? Die MitarbeiterInnen von Pinterest, Facebook, Google & Co.? Oder die KollegInnen? Ich fürchte, man hat mit diesem Video ein ziemliches Eigentor geschossen und sich, was noch schlimmer ist, vor den Karren der Content-Industrie spannen lassen, die nicht erst seit Internetzeiten die UrheberInnen an der kurzen Leine hält. Guy Kirsch und Volker Grossmann bezeichnen in einem Artikel in der FAZ „Künstler und Autoren als menschliche Schutzschilde“ der Unterhaltungsindustrie. Vielleicht sollten sich die vielen KünstlerInnen, die sich als UnterstützerInnen von „Kunst hat Recht“ deklariert haben, mal überlegen, ob ihnen hier gleiches wiederfährt? Immerhin tauchen im Impressum der Website nur eine PR-Agentur und die diversen Verwertungsgesellschaften auf.

Fakt ist, es gehört erstens das Urheberrecht reformiert und zweitens die Lebensgrundlagen von KünstlerInnen und Kreativen verbessert. In meinen Augen macht es Sinn, beide Themen voneinander zu trennen und sich vorrangig mit dem zweiten Thema zu beschäftigen. Dies deshalb, weil ich Pessimist bin, was ein neues Urheberrechtsgesetz betrifft. Ein solches Gesetz muss weltweit gelten, der dazu nötige Prozess dauert vermutlich Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, wie die WTO-Verhandlungen zeigen. Viel realistischer ist es vermutlich, auf technologische Lösungen zu setzen, die es einem erlauben, die Nutzung der eigenen Inhalte zu gestatten oder zu unterbinden. Hinzu kommt: wenn die KünstlerInnen sich keine Sorge mehr um ihr Einkommen machen, lässt sich das Thema Urheberrecht sehr viel entspannter angehen.

Kunst ist immer die Reaktion auf Kunst oder mit anderen Worten: Kunst ist Remix. Das folgende Video macht das deutlich. Es ist eine witzige Antwort auf das Video der Kampagne „Kunst hat Recht“ und weist in die Richtung, die auch James Burbage gegangen ist.  Denn letztes Endes können wir uns nicht gegen Weiterentwicklungen wehren und am Status Quo festhalten.

Vielleicht haben Sie sich gefragt, warum ich dieses Bild oben ausgewählt habe? Wir können zwar den Menschen verbieten, die Abkürzung über eine Wiese zu nehmen, aber sie werden trotzdem ihren Weg finden. Und so ähnlich ist es auch beim Urheberrecht. Es macht keinen Sinn, weitere Verbotstafeln aufzustellen, sondern es gilt, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Nicht nur ein neues Urheberrechtsgesetz ist gefragt, sondern auch neue Erlösmodelle. Es muss ja einen Grund haben, warum Crowdfunding derzeit so populär ist. ;-)

Titelbild: Manfred Schimmel ; Pixelio

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Innovation = Copy, Transform, Combine

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Good Copy Bad Copy„; By creative commons polska (CC-Lizenz) Von Kulturkampf war auf dem Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft die Rede, der Begriff „Kulturkampf“ betitelt auch die auf 2010lab.tv erschienene Videozusammenfassung. Eines der strittigsten Themen war dabei das Urheberecht und die damit verbundene Frage, wem eigentlich die Inhalte gehören? Inhalte, für die es einen Urheber gibt, der daher über gewisse Rechte verfügt. Nur: wer ist der Urheber von was? Gibt es wirklich so viele Originale, wie wir glauben? Und macht es Sinn, dass die Urheber verhindern, dass das, was sie entwickelt, erfunden oder kreiert haben, von anderen nur gegen Bares verwendet werden darf? Fragt man Kirby Ferguson, lautet die Antwort vermutlich nein. Er hat innerhalb des letzten Jahres eine dreiteilige Videodokumentation produziert (der vierte und letzte Teil erscheint im Herbst), die den Titel „Everything is a Remix“ trägt. Darin zeigt er, dass Innovation nicht etwas ist, was aus einer Art Urknall heraus entsteht, sondern das Resultat einer schlichten Aneinanderrreihung verschiedener Tätigkeiten  ist, die Ferguson im dritten Teil seiner Videoserie so zusammenfasst: „copy, transform, combine.“
Henry Ford, oft als Erfinder der modernen Automobilproduktion bezeichnet, wird darin mit den Worten zitiert:
„I invented nothing new. I simply assembled the discoveries of other men behind whom were centuries of work. Had I worked fifty or ten or even five years before, I would have failed.“
Und wenn man sich dann noch die beiden ersten Folgen der Videoserie anschaut, in denen es um das „Kopieren“ von Musik (Everything is a Remix Part 1) und Filmen (Everything is a Remix Part 2) geht, dann stellt sich die Frage, ob es im Sinne von Innovation – auch im Bereich der Kunst – wirklich sinnvoll ist, vor allem auf Verbote zu setzen? via Frank Patrick
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Kunst verkauft keine Produkte

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energon_006„; By iliveisl (CC-Lizenz) Wer heute einen Film oder Musik verkaufen möchte, hat es schwer, denn die oft verteufelte Gratismentalität, die im Internet Einzug gehalten hat, verhindert es, angemessene Preise durchzusetzen. Stattdessen werden Filme, Musik, aber auch ganze Bücher kostenlos von irgendwelchen Webseiten oder Servern heruntergeladen, oftmals illegal. Der Markt gehe kaputt, Kunst lasse sich nicht mehr verkaufen, KünstlerInnen können von ihrer Kunst nicht mehr leben, so das Schreckensszenario, das dabei gerne an die Wand gemalt wird. Aber was wird da eigentlich verkauft? Ein Buch? Ein Film? Musik? Ross Pruden ist da ganzer Meinung. Verkauft werden Erfahrungen, Erlebnisse, schreibt er in seinem aus dem letzten Jahr stammenden Blogpost „An Ode Before Dying„:
„You sell an experience, something communicated, something elusive and ephemeral. Something mystical and transformative and inspiring.“
Wenn sich früher Bücher, Filme, etc. (erfolgreich) verkaufen ließen, dann lag das, so Pruden, daran, dass das Erfahren von Kunst so eng an das jeweilige Produkt gekoppelt war. Das Internet hat diese Verbindung zerstört, wir können heute Musik hören, ohne die CD zu kaufen und wir können Bücher lesen, ohne das Buch zu kaufen. Wer weiter daran festhält, Produkte zu verkaufen, hat nach Pruden schon verloren. Was aber haben KünstlerInnen, was haben die Kreativen zu verkaufen? Pruden fallen dazu folgende Punkte ein:
„They sell the experience. They sell access to themselves. They sell uniqueness. They sell convenience. They sell membership. They sell customization. They sell exclusivity. They sell benefits. They sell patronage. They sell magic. They sell the experience.“
Oder anders gesagt: die Kunden kaufen etwas, was sie für kurze Zeit an einen anderen Ort „entführt“. Heute wissen wir, erklärt Pruden, dass es schon immer die „immateriellen Werte“ gewesen sind, die das Wesen der Kunst ausgemacht haben:
„The key to the Digital Age is to recognize that many existing products already embed intangibles, which is why those products are still being bought.“
Überleben werden nur die, die unterscheiden können zwischen dem Produkt und der „experience“, ist sich Pruden sicher:
„The rest will whine and commiserate as they slowly fade into obscurity.“
Denkt man das, was Pruden hier Anfang 2010 formuliert hat, weiter, dann kommt man an einen Punkt, wo man zum Beispiel das Urheberrecht eigentlich gar nicht mehr ändern muss, denn es wird, so es nicht um den Verkauf von Produkten, sondern um den Verkauf von Erfahrungen geht, einfach obsolet. Diese Erfahrungen sind immateriell und dafür sind wir zu zahlen bereit, nicht für den Produktmantel. Und all diejenigen, die sich an diesen Produkten festklammern, werden früher oder später verschwinden, weil sie niemand mehr braucht. Das bedeutet vermutlich das Aus für ganze Branchen, so sie nicht begreifen, dass ihre Produkte immer wertloser werden, je offensichtlicher die Trennung von Produkt und Erfahrung wird. Nicht ohne Grund hat Ross Pruden sein Blogpost überschrieben: „An ode before dying.“
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Bericht über die 7. Sitzung der Enquete Internet und digitale Gesellschaft zum Thema Urheberrecht

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Hier nur ein kurzer Hinweis auf die siebte Sitzung der vom Deutschen Bundestag initiierten Enquete Internet und digitale Gesellschaft. Michaela Voigt hat über diese öffentliche Anhörung zum Thema „Entwicklung des Urheberrechts in der digitalen Gesellschaft“ einen sehr ausführlichen Bericht verfasst inkl. vieler nützlicher Links, die unter anderem auf die Vorträge der angehörten ExpertInnen verweisen. Ich muss gestehen, ich bin beeindruckt, wie umfassend solche Veranstaltungen mittlerweile dokumentiert werden. Zu dieser Sitzung existiert nicht nur eine Videoaufzeichnung, sondern es sind, wie schon erwähnt, alle Redebeiträge auch als PDF abrufbar. Die verschiedenen Expertenbeiträge zeichnen ein sehr detailliertes Bild einer Entwicklung, der unser heute geltendes Urheberrecht immer weniger gerecht wird. Hilfreich ist es auch, dass das Thema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet worden ist. Danke an Michaela Voigt, die mich mit ihrem Bericht erst auf diese Sitzung aufmerksam gemacht hat.
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„Mit Medienmusik erfolgreich in der Kreativwirtschaft“ (Rezension)

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Gleich vorweg: mit dem von Andreas Bode und Christopher Mueller verfassten Buch Mit Medienmusik erfolgreich in der Kreativwirtschaft habe ich ein Problem. Nein, das Buch ist nicht schlecht. Es ist sogar für viele äußerst hilfreich, vermute ich. Warum in diesem Buch aber das Thema Musiknutzung und Kreativwirtschaft verbunden werden, verstehe ich einfach nicht. Ich möchte auch gar nicht behaupten, dass diese Kombination nicht passt. Nein, mir ist nur die Klammer nicht klar. Warum heißt es im Untertitel: „Ein praxisorientierter Leitfaden für die professionelle Musiknutzung in der Kreativwirtschaft“ und nicht einfach „Ein praxisorierientierter Leitfaden für die professionelle Musiknutzung“? Zweiterem wird das Buch nämlich voll gerecht. Wenn es aber in einem der Kommentare auf Amazon heißt:
„Der Existenzgründerteil ist einmalig gut und ein Muß für jeden Existenzgründer!“,
dann kann sich das ja nur auf das 15 Seiten umfassende Kapitel „Existenzgründung in der Kreativwirtschaft“ (S. 148ff) beziehen (ok, es gibt auch noch einen Serviceteil), bei insgesamt 270 Seiten aber eben nur eines von mehr als 40 Kapiteln. Aber gut, lassen wir das. Dieses Buch ist trotzdem lesenswert und hilfreich für all diejenigen, die Musik nicht an die Konsumenten, also an die Endverbraucher verkaufen wollen, sondern Musik im B2B-Bereich einsetzen möchten. Die sogenannte Medienmusik, also die Musik, die gezielt in den Medien eingesetzt wird, wird zu ganz unterschiedlichen Zwecken eingesetzt:
  • sie weckt Emotionen (etwa im Bereich Werbung oder als Filmmusik),
  • sie transportiert in Verbindung mit einem Produkt Gefühle und Botschaften,
  • sie dient der Imagebildung und
  • sie hilft Produkte zu verkaufen.
Das heißt, dass der künstlerische Anspruch unter Umständen in den Hintergrund tritt, denn das Ziel von Medienmusik ist es ja,
„das entsprechende Medium und seine Inhalte musikalisch in ihrer Wirkung optimal zu unterstützen,“
wie Bode/Mueller schreiben. Dass man hierzu auf Hits zurückgreift beziehungsweise eine Komposition in Auftrag gibt, war mir klar. Interessant ist aber der Bereich der Produktionsmusik, den die beiden Autoren recht ausführlich darstellen. Hier steht nicht so sehr der Geschmack der Konsumenten im Vordergrund, sondern das Produkt. Komponisten haben hier eine Art kreative Spielwiese gefunden, auf der sie sich austoben können. Ob „Musikbetten“, „Soundscapes“ oder Jingles, die Autoren erklären, welch unterschiedliche Arten von Produktionsmusik es eigentlich gibt. Das Feld, in dem Medienmusik eingesetzt wird, ist ein sehr weites. TV, Radio, Film und Internet sind uns allen klar, aber  Musik ist, so die Autoren, auch aus dem Hörbuch nicht mehr wegzudenken. Ein anderes Beispiel stellen die Computerspiele dar, die auch nicht (mehr) ohne Musik auskommen. Ein enormes Potenzial, wenn man bedenkt, dass der Markt für Onlinespiele nach Angaben der Autoren jährlich um 60 Prozent wächst. Nach diesem Überblick über die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von Musik kommt das in meinen Augen wichtigste Kapitel, in dem die rechtlichen Rahmenbedingungen beschrieben werden, um Musik kommerziell nutzen zu können. Völlig richtig stellen Bode und Mueller fest, dass es für viele eine gewaltige Herausforderung bedeutet, sich die entsprechenden Rechte zu verschaffen, um später keine rechtlichen Probleme zu bekommen. Welche Rechte hält die KomponistIn in Händen, welche die KünstlerIn? Und was ist der Unterschied zwischen Musikverlag und Tonträgerhersteller? Auf solche Fragen geben die Autoren eine klare Antwort und erklären, worin der Unterschied zwischen der UrheberIn und der Leistungsschutzberechtigten bestehen. Wer das dann noch nicht verstanden hat (obwohl die Autoren es uns wirklich leicht machen) oder das Gelesene wieder vergessen hat, der wird wahrscheinlich immer wieder mal das Buch in die Hand nehmen und Seite 217ff aufschlagen. Für jedes einzelne Medium, also etwa TV, Radio oder auch Podcast beschreiben die Autoren in aller Kürze den rechtlichen Rahmen und erklären, wie man vorgehen muss, um an die entsprechenden Rechte zu kommen. So muss beispielsweise bei Klingeltönen das Herstellungsrecht vom Musikverlag erworben werden, während die GEMA für die Vervielfältigungsrechte zuständig ist. Ebenfalls zum Nachschlagen: die häufig gestellten Fragen als „Service für professionelle Musiknutzer (…), die mir noch einmal die Chance geben, den Unterschied zwischen Musikverlag und Tonträgerfirma in Kurzform nachlesen und hoffentlich dann auch verstehen zu können. Oder wussten Sie, dass die GEMA bei gewerblich betriebenen Homepages für bis zu 5 Minuten Musik 25. Euro im Monat verlangt, so die Seite nicht mehr als 21.000 Visits hat? Wenn Sie das nicht glauben, können Sie das auf der Website der GEMA nachlesen, leicht zu finden über die Link- und Literaturliste, die das Buch abschließt. Mein Fazit: wer sich mit der kommerziellen Nutzung von Musik beschäftigt und bis jetzt keine Ahnung hat, worauf man dabei alles achten muss oder gerne einen Ratgeber besitzt, in dem er nachschlagen kann, dem kann ich dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. Ein Ratgeber für die Kreativwirtschaft bzw. für Existenzgründer ist dieses Buch in meinen Augen nicht. Es sei denn, es geht um Musik.
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Urheberrecht im Internet: was Sie wissen sollten

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In vielen Situationen ist die Sache klar. Sie haben ein eigenes Foto geschossen und verwenden das für Ihr Blog oder die Website. Auch das eigene Video kann man auf einer Videoplattform hochladen, so man das möchte. Wie ist es aber mit den Bildern oder Videos, die andere produziert haben? Darf ich von jeder Website einen Screen machen und verwenden?  iRights.info ist eines der Blogs, die sich dem Thema Urheberrecht in der digitalen Welt verschrieben hat und dazu beiträgt, dass wir uns die notwendige Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet aneignen und in den geschilderten Situationen wissen, was zu tun ist. In seinem aktuellen Beitrag verweist Matthias Spielkamp auf einige interessante Informationsquellen zum Thema Urheberrecht. Besonders lesenswert ist der in der Reihe ZEIT Medienkunde Beitrag „Urheberrecht„, der einen sehr hilfreichen Überblick über den Umgang mit Texten, Musik oder Film bietet. Wenn Sie dann mehr wissen wollen, finden Sie bei iRights.info noch eine Fülle weiterer Information, zum Beispiel wenn es um Fotos, Grafiken oder Illustrationen geht. Passend zu diesem Thema findet sich auf Carta ein Interview mit Clay Shirky, der das derzeitige Urheberrecht als eine Art Monopol bezeichnet, gegen das man sich wehren und es zur Not missachten müsse. Der Vergleich mit der Alkoholprohibition, den Carta-Autor Julius Endert anspricht, ist interessant.
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„Rip! A Remix Manifesto“

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Im Rahmen der Viennale läuft derzeit ein ganz interessanter Dokumentarfilm.
RIP: A Remix Manifesto beschäftigt sich mit den Auswirkungen der digitalen Evolution auf die Urheberschaft: Über mehrere Jahre hat der kanadische Regisseur Brett Gaylor Interviews, Filme und Found-Footage gesammelt, um die aktuelle Debatte um Copyright-Fragen in der Musik-Kultur zu untersuchen. Gaylor geht dabei vor allem der Frage nach dem Urheberrecht nach, der Definition des Autors im Internet, dem Gedanken des Remixes als eigenständiges, künstlerisches Handwerk, und natürlich den Versuchen der Urheberrechtsinhaber, diese Nutzungsformen zu verhindern“,
heißt es in der Programm-Ankündigung. Hier ein Ausschnitt aus dem Film
Obwohl Film ist vielleicht gar nicht der richtige Ausdruck. Eigentlich gibt es für verschiedene Anlässe immer wieder neue Remixes, an denen sich beteiligen kann, wer will. Mehr dazu auf der Seite Open Source Cinema, wo Sie sich aktuell 13 verschiedene Teile anschauen können. Ich denke, dieses Projekt setzt bis heute den Remix-Gedanken im Filmbereich am konsequentesten um. User-generated Content und das klassische Urheberrecht, der Film zeigt, dass das nicht mehr so ganz zusammenpasst. Klar, dass das Projekt auch auf Twitter und Facebook vertreten ist. Sehr spannend!