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Bloggen ist eigentlich ganz einfach, aber…

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Die Zahl an Blogs, die im weiten Feld der Kultur angesiedelt sind, hat in den letzten Monaten zugenommen. Daran besteht kein Zweifel. Vielen dieser Blogs ist aber nur eine kurze Lebensdauer vergönnt. Ein paar Einträge in den ersten Tagen, dann ist schon wieder Schluss.

Mir fällt auf, dass es vor allem Institutionen sind, die an der Herausforderung, ein Blog zu betreiben, scheitern. Da ist einmal das Blog der Dramaturgischen Gesellschaft, das im Januar begonnen wurde. Anlass war die Jahrestagung 2007, die im Februar stattfand. Darüber gab es auch ein paar Berichte und das war es dann auch schon. Schade, denn ich bin mir sicher, dass die Dramaturgische Gesellschaft durchaus etwas zu sagen hätte. Aber wenn der erste Blogbeitrag, also die Begrüßung, durch die beauftragte Agentur erfolgt, dann kann man davon ausgehen, dass dieses Experiment scheitern muss.

Ein zweites Beispiel ist das Kulturpolitik-Blog, über dessen Start ich ja berichtet habe. Auch hier das typische Muster: Ein paar Einträge zu Beginn (zwischen dem 13. und 25. Juli) und seitdem herrscht Sendepause. Die Sommerpause kann da ja Mitte September nicht mehr als Ausrede herhalten. Dabei gäbe es sehr viel zur Kulturpolitik zu sagen.

Wie das geht, zeigt ein Blog, das nun auch in der Blogroll zu finden ist. Die Initiative Erhalt Thüringer Kultur wurde von Peter Mittmann gegründet, um sich gegen die drastischen Einsparungen im Kulturhaushalt des Landes Thüringen zu wehren. Wer das Blog liest, bekommt einen sehr umfassenden Einblick in die Kulturpolitik des Bundeslandes. Das ist Kulturpolitik live. So stelle ich mir ein Blog zu diesem so wichtigen Thema vor.

Und warum funktioniert dieses Blog und die anderen nicht? Für mich gibt es dafür drei Hauptgründe:

  1. Das Blog verfolgt ein konkretes Anliegen: Die Initiative wehrt sich gegen Mittelkürzungen im Kunst- und Kulturbereich und nutzt das Blog, um zu informieren und Unterstützung zu gewinnen. Welche Anliegen die Dramaturgische Gesellschaft und der Arbeitskreis Kulturstatitsik mit ihren Blogs verfolgen, kann ich nicht beurteilen. Es steht auch nirgends, wobei ich mir die Frage stelle, ob die Ziele jemals klar definiert wurden.
  2. Nicht die Institution bloggt, sondern ein Mensch: Für die Initiative in Thüringen ist das Peter Mittmann. Je persönlicher, desto besser. Ein Blog lebt von der Authentizität des Schreibers oder der Schreiberin.
  3. Bloggen ist eine Einladung zum Gespräch: Ein Blogbeitrag ist etwas anderes als eine Presseaussendung. Er ist persönlich und damit subjektiv gehalten, und er ist eine Einladung zum Gespräch. Daher gibt es ja auch die Kommentarfunktion.

Natürlich muss ich darüber hinaus noch einiges beachten (mehr dazu unter anderem im Beitrag „Bloggen oder nicht bloggen?“), aber diese drei Punkte müssen passen. Sonst wird das nichts.

Und wenn sich beispielsweise auf dem von Pro Helvetia finanzierten Volkskultur-Blog nichts ändert, wird es nur eine Frage der Zeit sein, wann ich von dessen Ende berichten kann.

3 Comments Join the Conversation

  1. Da beschäftigen wir uns wieder mal mit einem ähnlichen Thema. Auch mich hat letzte Woche die Frage umgetrieben, wer bloggen sollte und wer nicht, bzw. bei wem es eben funktioniert und bei wem nicht. Den Punkten 2) und 3) Deiner Erkenntnis kann ich voll und ganz zustimmen; es sind genau die Schwachpunkte, an denen der Volkskultur-Blog von Pro Helvetia scheitert.
    unkultur

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  2. Besonders interessant scheint mir Punkt 2 zu sein: Mit einer konkreten Person als Bezugspunkt lässt sich vermutlich auch crossmedial mehr machen, was sich dann wiederum positiv auf das Blog auswirken sollte.

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