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Der Fachverband für Kulturmanagement: Fünf Fragen an Prof. Steffen Höhne

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Als ich vor mehr als zehn Jahren mein Kulturmanagement-Studium begann, waren die Anbieter der damals noch ausschließlich postgradualen Lehrgänge an einer Hand abzuzählen. Mittlerweile ist die Ausbildungslandschaft ziemlich unüberschaubar geworden. Kulturmanagement kann an Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen studiert werden und auch private Anbieter haben sich längst auf dem Markt etabliert. Nun scheint eine kritische Masse erreicht worden zu sein, denn Ende April wurde in Weimar der Fachverband für Kulturmanagement gegründet. Aus dem Kreis der neunzehn Gründungsmitglieder wählte man einen siebenköpfigen Vorstand, dessen Vorsitz nach dem Rotationssystem jedes Jahr wechselt. Erster Vorsitzender ist Steffen Höhne, der als Professor an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar den Studiengang Kulturmanagement leitet. Nachdem die Informationen über den Fachverband noch dünn gesät sind und die Website sich in der Entstehungsphase befindet, habe ich Prof. Höhne um ein Email-Interview gebeten. Kulturmanagement Blog: Herr Prof. Höhne, welche Erwartungen verbinden Sie mit der Gründung des Fachverbandes? Welche Ziele stehen für Sie im Vordergrund und was werden die ersten Aktivitäten des Verbandes sein, dem Sie die nächsten Monate vorstehen? Prof. Höhne: Zunächst einmal vielen Dank für die Gelegenheit, den neuen Fachverband hier zu präsentieren. Die Homepage mit weiteren Informationen befindet sich in Arbeit und wird in Kürze frei geschaltet. Der Fachverband versteht sich zunächst als eine Organisation zur Förderung des Kulturmanagements in Forschung und Lehre sowie als Vertretung für Kulturmanager/-innen aus dem deutschsprachigen Raum. Der Fachverband möchte u.a. hierzu jährliche Fachkonferenzen durchführen sowie Hilfen bei der Herausbildung von überregionalen Schwerpunkten in der Lehre (z. B. Graduiertenkollegs) geben. Darüber hinaus möchte der Fachverband die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verwandten Verbänden und Institutionen (KuPoGe, ENCATC) fördern sowie die internationale Zusammenarbeit und die Vertretung der Interessen des Faches Kulturmanagement in internationalen kulturpolitischen und kulturökonomischen Organisationen und Kontexten stärken. Der Fachverband betrachtet sich ebenfalls als Interessensvertretung (z.B. im Hochschulverband, in der Wissenschaftspolitik, im Kulturrat etc.) mit dem Ziel einer Profilierung des Berufsbildes. Kulturmanagement Blog: Wer kann denn Mitglied des Fachverbandes werden? Prof. Höhne: Der Fachverband spricht die in Lehre und Forschung tätigen Fachvertreter an staatlichen und privaten Universitäten und Hochschulen an, d.h. akademische Institutionen mit regelmäßigen Ausbildungsangeboten. Kulturmanagement Blog: Wenn ich als Kulturmanager danach gefragt werde, worin meine Tätigkeit besteht, dann verwende ich in der Regel Begriffe wie Management, Marketing oder Kommunikation für meine Erklärungen. Ist das Fehlen einer Definition, wie wir sie zum Beispiel für den Begriff Projektmanagement kennen, ein Problem oder eine Chance für das Kulturmanagement? Prof. Höhne: Ich denke nicht, dass ein Mangel an Definitionen besteht, allerdings setzt sich das Fach – als akademische Disziplin – aus höchst heterogenen Anteilen zusammen. Der idealtypische Kulturmanagement-Student benötigt kulturökonomische, -juristische und -wissenschaftliche Kenntnisse und darüber hinaus personale Kompetenzen wie Ambivalenz- und Frustrationstoleranz, hohe Empathiefähigkeit, intellektuelle Phantasie etc., d.h. neben der Fachkompetenz auch individuelle, soziale und strategische Kompetenzen. Diese Heterogenität betrachte ich allerdings als eine Chance für das Fach! Kulturmanagement Blog: Auf Grund des steigenden Ausbildungsangebotes gibt es immer mehr fertig ausgebildete KulturmanagerInnen. Nun mag es zwar sein, dass der Bedarf an qualifizierten ManagerInnen durchaus vorhanden ist. Häufig fehlt aber das Geld, um solche Leute auch adäquat bezahlen zu können. Das heißt, viele KulturmanagerInnen finden keinen Job, weil der Markt nicht richtig funktioniert. Wie kann der Kunst- und Kulturbereich dieses Problem lösen? Zum Beispiel, in dem die Zahl der Ausbildungsplätze nicht mehr weiter gesteigert oder sogar verringert wird? Prof. Höhne: Ich kann natürlich nur für die Weimarer Absolventen sprechen, von denen bisher (praktisch?) jeder unmittelbar nach Abschluss des Studiums eine Stelle, wenngleich nicht immer adäquat vergütet, bekommen hat. Meines Wissens sieht es bei den anderen Studiengängen noch ähnlich gut aus. Dennoch muss man schauen, dass kein Überangebot an akademisch ausgebildeten Kulturmanagern/innen entsteht und langfristig Probleme entstehen wie sie bspw. bei den Geisteswissenschaften bekannt sind. Gerade deshalb möchte sich der Fachverband um Qualitätsstandards bemühen, auch um einem Überangebot bei gleichzeitiger Verwässerung des Ausbildungsniveaus entgegen zu wirken. Kulturmanagement Blog: Als Blogger möchte ich am Ende noch eine Frage zum Thema Web2.0 loswerden. In den angelsächsischen Ländern gibt es Theater, Museen und KulturmanagerInnen, die Web2.0-Applikationen wie Blogs, Wikis oder auch Videoplattformen einsetzen. Im deutschsprachigen Raum sind wir da noch nicht so weit, daher hätte ich gerne gewusst, ob Web2.0 bei Ihnen am Institut ein Thema ist und ob Sie selbst solche Tools verwenden? Prof. Höhne: In der Lehre finden derartige Entwicklungen natürlich Berücksichtigung. In den Seminaren zu Kulturmarketing ist Web2.0 neben vielen anderen Phänomenen wie etwa Virales Marketing Unterrichtsgegenstand. Als Studiengang ist das Web2.0 allerdings noch nicht von Interesse. Zwar unterhalten wir ein Forum für unsere Studierenden, jedoch könnten wir derzeit mit Applikationen wie Blogs und Wikis noch keinen Mehrwert für unsere Studenten erzielen und könnten daher nicht den Aufwand rechtfertigen den wir zur Erstellung (und wichtiger: Unterhalt) dieser aufbringen müssten. Kulturmanagement Blog: Herzlichen Dank für Ihre Antworten!

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