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Das Volkskundemuseum als Veranstaltungsort des stARTcamp 2019
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Das Internet als ein demokratischer Diskursort

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Im Vorfeld des stARTcamps habe ich Dr. Matthias Beitl, dem Direktor des Volkskundemuseum Wien, per Email einige Fragen gestellt.

Kulturmanagement Blog: Zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen für die Gastfreundschaft bedanken. Wir freuen uns, heute bei Ihnen mit dem stARTcamp zu Gast sein zu dürfen. Das Volkskundemuseum ist ein sehr geschichtsträchtiges Museum, es wurde bereits 1895 gegründet. Ich habe in den Jahren, in denen wir mit dem stARTcamp in einer Kultureinrichtung zu Gast waren, fast immer im Vorfeld ein Interview geführt, in dem es um den digitalen Wandel ging. Das empfinde ich bei einem Haus mit so einer langen Geschichte als besonders interessant.

Im Mission Statement kann man nachlesen, dass sich das Haus in der Auseinandersetzung mit seinen Sammlungen mit der Kultur und ihren materiellen Äußerungen beschäftigt. Dabei geht es um Selbst- und Fremdbilder, um Identitäten und Vorstellungswelten sowie um soziale Räume und gesellschaftliche Prozesse. Welche Rolle spielt denn in all diesen Entwicklungen, die Sie beobachten der digitale Raum, der ja vor allem ein sozialer Raum ist, weil er letzten Endes von der Dynamik, der Interaktion lebt?

Der digitale Raum als ein Ort der Versammlung und Auseinandersetzung

Matthias Beitl: Als Museum nützen wir den digitalen Raum, um unsere Inhalte und Haltung zu kommunizieren. Da Museen keine neutralen Orte, sondern Dealer von Wissen und Werten sind, ist der digitale Raum ein wesentlicher Teil der Vermittlungsarbeit. Konkret auf unsere Inhalte bezogen sehen wir den digitalen Raum als einen politischen Raum im Sinne der Agora, als einen Ort der Versammlung und Auseinandersetzung. Das steht jedoch im Gegensatz zu dem „Hassraum“, den bestimmte politische Haltungen durch ihre ideologischen Funken zünden.

Abgesehen davon ist der digitale Raum für uns auch das „Feld“ und somit Teil der Empirie. Dort bilden sich ja gesellschaftliche Prozesse ab, deren spezifische Phänomene sich dann entweder gesamtheitlich oder auch nur zeichenhaft niederschlagen.

Kulturmanagement Blog: Sie verstehen das Museum als einen Ort, an dem gesellschaftliche Diskurse geführt werden. Ich habe den Eindruck, dass wir unsere Diskursfähigkeit mehr und mehr verlieren, obwohl wir immer mehr Kanäle dafür zur Verfügung haben. Wie sehen und erleben Sie die Entwicklung? Hat das Internet neue Diskursräume eröffnet? Oder sind die für den gesellschaftlichen Diskurs gar nicht (mehr) geeignet, Stichwort Filterblase?

Matthias Beitl: Ich glaube an Diskursräume im Internet, aber es ist halt ein emotionales Schreimedium. Im Grunde ist es ein sehr demokratischer Diskursort, in dem sich jede und jeder betätigen kann. Dabei schält sich natürlich die Realität von Charakter, Bildung, sozialer Bedingung heraus. Wir lernen direkter über Wertegefüge von Menschen, zumindest von jenen, die sich äußern.

Allerdings weiß man auch nicht mehr genau, wer dann die maschinengesteuerten Trolle sind und wer noch echt ist, in diesem Raum. Das ruiniert natürlich den Möglichkeitsraum, und wenn Behauptungen mittels Big Data individuell portioniert verabreicht werden, dann sperren wir uns selber ein.

Kulturmanagement Blog: Eva Menasse hat in einem Artikel in der NZZ den Standpunkt vertreten, dass die Digitalisierung unsere Kommunikation zerstört hat und wir nur noch eine personalisierte Öffentlichkeit haben, in der es keinen Streit und keinen Kompromiss gibt. Mark Zuckerberg propagiert gerade den Rückzug ins Private. Wo können wir denn den gesellschaftlichen Diskurs noch führen, wo führen Sie ihn als Museum?

Mitmachen im digitalen Raum ist schon fast demokratische Pflicht

Matthias Beitl: Ohne zu wissen, wie Zuckerberg seinen Rückzug ins Private sieht – und es ist auch egal – macht es schon Sinn, sich genau zu überlegen, wie sehr man „sich interagieren lassen will“. Bezogen auf Diskurse und Haltung meine ich, dass es Zeiten gibt, in denen ein Mitmachen im digitalen Raum fast schon demokratische Pflicht ist. Wenn wir mit Haltung und Körper auf die Demo gehen, sollten wir auch mit Haltung im virtuellen Raum unterwegs sein.

Matthias Beitl, Direktor des Volkskundemuseum Wien
Foto: Inge Prader

Ich finde, unsere Kommunikation ist nicht zerstört. Ich denke an die vielen Interessensgruppen, denen es um Austausch und gemeinsame Interessen geht. Jede und jeder hat mehr Wahlfreiheit, alle sind Autorinnen und Autoren – wir sollten darauf Bedacht nehmen, was das bildungspolitisch heißt. Selbst wenn die medialen Inhalte immer kürzer und bildhafter werden, müssen wir uns zu jeder Zeit über die Auswirkung unseres Beitrags auf das Gesamtsystem im Klaren sein – das ist eine Verantwortung.

Kulturmanagement Blog: Wenn die sozialen Netzwerke angeblich out sind, nutzen Sie Facebook & Co überhaupt (noch)?

Facebook und Instagram als kommunikative Primärflächen

Matthias Beitl: Für uns sind Facebook und Instagram kommunikative Primärflächen, da wir kein Geld für klassische Werbeflächen haben. Da wir aber an so etwas wie einer polyphonen Institution arbeiten, wollen wir uns bemühen, weitere Kanäle – wie zum Beispiel Twitter – zu erschließen und laden auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, als Botschafterin und Botschafter des Museums im digitalen Raum unterwegs zu sein. Hier geht es um Fragen der gemeinsamen Haltung und des individuellen Sprechens darüber.

Kulturmanagement Blog: Sie sind ein Museum jenseits des Spektakulären. Wie schafft man es in einer Zeit, wo nur Superlativen zu zählen scheinen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und sie nicht sofort wieder zu verlieren?

Matthias Beitl: Wir machen Projekte, weil sie uns wichtig erscheinen. Wir arbeiten im Sinne einer Plattform mit vielen externen Initiativen zusammen, weil wir meinen, dass sie notwendig sind. Jenseits der Superlative lebt es sich interessanter, freier, herausfordernder, und die Effekte der eigenen Arbeit sind direkter ablesbar. Es ist ein persönlicheres Erlebnis, jenseits der Spektakulären, und ich glaube, dass Menschen solche kleinen übersichtlichen Räume mögen und brauchen.

Kulturmanagement Blog: Welche Kanäle nutzen Sie für Ihr Marketing und wieviel Zeit planen Sie für Ihre Onlineaktivitäten ein?

Matthias Beitl: Zurzeit nutzen wir Facebook und Instagram als Museum und durch ein paar von uns, die persönlich rund herum aktiv sind. Mit Newsletter arbeiten wir natürlich auch, außerdem legen wir großen Wert auf die Aktualität und Qualität unserer Homepage. Die Frage nach der Zeit ist schwierig, das hängt sehr von der Dichte des Programms ab. 10-20 Stunden pro Woche werden es wohl sein.

Kulturmanagement Blog: Und zum Schluss noch eine Frage, die ich anderen Kultureinrichtungen auch schon gestellt habe: Verändern sich durch die Digitalisierung Prozesse und Strukturen in Ihrem Museum?

Matthias Beitl: Ja sicher, beispielweise die Archivarbeit. Bei einer Sortierung und Aufarbeitung des Archivs werden viele interessante Inhalte zu Tage gefördert. Für ein Storytelling aus diesem Fundus sind digitale Kanäle bestens geeignet. Und dann ist da noch der ganze Sammlungsdigitalisierungsbereich, die Online Sammlungen, das Online Repositorium unseres Verlags, etc. Im Rahmen unserer Möglichkeiten sind wir schon mitten in der Digitalisierung.

Kulturmanagement Blog: Danke für Ihre Antworten!



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Theater und Social Media: Fragen an Lena Fuchs (Volkstheater Wien)

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Foto von Gilles Lambert auf Unsplash

Nachdem wir die letzten Jahre mit dem stARTcamp immer in Museen zu Gast waren, geht die diesjährige Ausgabe zum ersten Mal in einem Theater über die Bühne. Danke an das Volkstheater Wien für die Einladung! Ich möchte wenige Tage vor dem stARTcamp die Chance nutzen und der Frage nachgehen, wie Theater den digitalen Wandel bewältigen und deshalb habe ich Lena Fuchs, die den Bereich Kommunikation am Volkstheater leitet, per Mail ein paar Fragen gestellt.

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© www.lupispuma.com / Volkstheater

Kulturmanagement Blog: Zuallererst möchte ich mich noch einmal direkt bei Dir bedanken, dass wir mit dem stARTcamp dieses Jahr bei Euch zu Gast sein dürfen. Du hast spontan zugesagt, als ich Dich gefragt habe. Dabei sind, so hat es den Anschein, Theater eher zurückhaltend, wenn es um den digitalen Raum geht. Ist es für Theater schwieriger, digital präsent zu sein und zu kommunizieren als zum Beispiel für Museen?

Lena Fuchs: Theater ist immer live – dieses Alleinstellungsmerkmal ist Fluch und Segen zugleich. Ein Theaterstück lässt sich weniger leicht abbilden als ein Kunstwerk. Teilweise spielen, gerade auch bei Filmaufnahmen (die ja dem Erlebnis am nächsten kommen), technische Kapazitäten und Urheberrechte eine Rolle: Mit der Digitalisierung betreten wir hier Neuland. Aber wir holen auf!

Kulturmanagement Blog: Esther Slevogt hat gerade in einer Kolumne auf nachtkritik.de die Theater dazu aufgefordert, „mächtige soziale Plattformen im Netz zu schaffen“. Kannst Du Dir vorstellen, dass die Theater solche digitalen Räume schaffen und inhaltlich bespielen?

Lena Fuchs: Soll ich idealistisch oder pragmatisch antworten? Frau Slevogts „Kolumnist*innentraum“ ist nachvollziehbar argumentiert und ein plausibler Lösungsvorschlag für das dem Theater immer wieder vorgeworfene Reichweitenproblem. Aber – pragmatisch gesehen: Wie soll eine per se defizitäre und subventionierte Unternehmung wie ein Theater so etwas zusätzlich umsetzen? Sobald die Theater anfangen, wirkliche Gewinne zu machen – was bei der jetzigen Kostenstruktur unmöglich ist –, können wir darüber reden … aber dann unterliegen wir programmatisch wohl auch wieder dem in der Kolumne vorgeworfenen „marktorientieren Denken“.

Kulturmanagement Blog: Viele lehnen so eine Idee unter Umständen ab, weil sie Angst haben, das Theater könnte vollends ins Digitale abgedrängt werden und aufhören, als physischer Ort zu existieren. Siehst Du diese Gefahr auch?

Lena Fuchs: Ich finde nichts langweiliger als abgefilmte Theaterstücke. Und für mich ist Theater ohne das reale Zusammenkommen und gemeinsam in Echtzeit „im-Dunklen-ins-Helle-Schauen“, ohne Hustenzuckerl-Rascheln und den wunderbaren Geruch von Bühnennebel, der sich langsam im Zuschauerraum ausbreitet, nicht denkbar. Und noch bin ich nicht allein – bis also Virtual Reality solche Erlebnisse hervorbringt, sehe ich keinen Grund zur Sorge.

Kulturmanagement Blog: Neben der Chance, sich im digitalen Raum inhaltlich mit wichtigen Themen zu beschäftigen, ist das Internet natürlich auch für das Marketing wichtig geworden. Was für Möglichkeiten siehst Du dort für Theater?

Lena Fuchs: Neben klassischer Online-Werbung, die ja letztlich Print sehr ähnlich sieht, spielen natürlich die Medien mit Rückkanal eine große Rolle, Diskussionsforen und Gästebücher, aber natürlich insbesondere die sozialen Netzwerke.

Kulturmanagement Blog: In den letzten Jahren war es vor allem wichtig, in den sozialen Netzwerken präsent zu sein, die Marke zu stärken und auf sich aufmerksam zu machen. Auch das Volkstheater ist schon lange im Social Web aktiv. Welche Veränderungen nimmst Du dort wahr? Wird Facebook weiter das wichtigste Netzwerk bleiben und weiter an Bedeutung gewinnen oder hat es seine besten Tage bereits hinter sich?

Lena Fuchs: Derzeit hat Facebook, das am längsten bespielt wird, die meisten Nutzer/innen und auch bezogen auf das Involvement die größte Reichweite, bei kontinuierlichem Wachstum. Die nach wie vor steigenden Fan-Zahlen beobachte ich übrigens auch bei den Facebook-Auftritten der anderen Theaterhäuser in Wien. Die vielen Funktionalitäten von Facebook sind aus meiner Perspektive als Absender außerdem unschlagbar, das Publikum interagiert recht engagiert. Von daher ist es sicher das wichtigste Netzwerk, wobei im Falle des Volkstheaters Twitter und besonders Instagram als zuletzt hinzugekommener Kanal verhältnismäßig schneller zulegen.

Kulturmanagement Blog: Digitales Marketing bedeutet auch, sich mit anderen Themen zu beschäftigen. Inbound Marketing, Content Strategien oder auch Suchmaschinenoptimierung: Müssen sich Theater mit solchen Dingen heute beschäftigen?

Lena Fuchs: Die Kommunikations- und Marketingverantwortlichen unbedingt, ja! Diese Tools bieten ja auch die Möglichkeit, vergleichbare Reichweiten bei geringerem finanziellen Kostenaufwand zu erzielen. Für viele Häuser heißt das, dass sie überhaupt erst im öffentlichen Raum (wenn auch digital/virtuell) präsent sind, weil sie sich aufwändige Werbemaßnahmen sonst nicht leisten könnten.

Kulturmanagement Blog: Verändern sich durch die zunehmende Digitalisierung auch die Strukturen und Prozesse in einem Theater?

Lena Fuchs: Teilweise, aber man muss wissen: Im Volkstheater etwa arbeiten ca. 250 Personen in den unterschiedlichsten Jobs: Vom Maskenbildner/in über die Buchhaltung bis zur Direktion, vom Schlosser über den Regieassistenten bis zum Schauspieler. Da kommt man um Aushänge am Schwarzen Brett wie vor 125 Jahren nicht vorbei – und für ein digitales System für alle fehlen die Ressourcen. Was die Verwaltung angeht, stecken wir mittlerweile mitten im E-Mail-Zeitalter – auch nicht gerade fortschrittlich. Tatsächlich prüfen wir derzeit die Möglichkeiten, die uns ein Intranet bieten könnte, das steckt aber noch in den Kinderschuhen.

Kulturmanagement Blog: Und noch eine letzte persönliche Frage: welche Netzwerke oder Messenger bevorzugst Du selbst?

Lena Fuchs: Je mehr ich beruflich digital unterwegs bin, desto mehr schätze ich privat das persönliche Treffen – oder ein langes Telefonat. Wenn nichts anderes geht: Facebook: nicht sehr originell!

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten!

PS: Informationen zum stARTcamp gibt es hier und hier, Tickets können Sie direkt im Onlineshop kaufen.

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wemakeit startet in Österreich: ist Crowdfunding das neue Marketing?

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Für die meisten geht es beim Thema Crowdfunding nur um die Frage, wie sie das Geld zusammen bekommen, das sie für ihr nächstes Projekt benötigen. Aber ist das wirklich schon alles? Eröffnen sich hier nicht ganz neue Möglichkeiten, die Finanzierung eines Vorhabens im Kunst- und Kulturbereich mit dessen Bewerbung zu verknüpfen, so wie ich das vor ein paar Tagen schon in einem Blogbeitrag zu skizzieren versucht habe?

Wie sehen das die Crowdfundingplattformen? Verändert sich das Crowdfunding und wenn ja, was bedeutet das für die InitiatorInnen von Crowdfundingkampagnen und natürlich auch für die Plattformen selbst? Den gerade erfolgten Österreich-Start der in der Schweiz gegründeten Plattform wemakeit habe ich zum Anlass genommen, der Österreich-Chefin Simone Mathys-Parnreiter ein paar Fragen zu stellen.

Simone Mathys-Parnreiter

© Miguel Dieterich

Kulturmanagement Blog: Ihr seid gerade in Österreich an den Start, lohnt sich das in so einem kleinen Land wie Österreich überhaupt?

Simone Mathys-Parnreiter: Natürlich. Es hat sich für uns auch in der Schweiz gelohnt und die ist ja bekanntlich deutlich kleiner. Österreich ist für uns sehr spannend: Es gibt viele sehr aktive Szenen, in denen es brodelt und zugleich ist Crowdfunding erst im Kommen. Ausserdem gibt es generell noch Entwicklungspotential in die thematische Tiefe, abgesehen von der geografischen Breite: Wie, wofür und von wem Crowdfunding genutzt werden kann. Zum Beispiel für Regionalentwicklung, am Land, als Markttest für etablierte Player, als Teil von Social-Business-Strategien etc.

Kulturmanagement Blog: Für viele ist Crowdfunding einfach eine neue Möglichkeit, die eigenen Projekte im Kunst- und Kulturbereich zu finanzieren. Statistisch gesehen ist die Aussicht auf Erfolg auch gar nicht so schlecht. Wie siehst Du die weitere Entwicklung? Wird es zukünftig schwerer werden, auf diesem Weg Projekte zu finanzieren oder können wir weiterhin davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der Vorhaben das finanzielle Ziel erreicht?

Simone Mathys-Parnreiter: Was sich ändern wird, ist der Neuigkeitswert von Crowdfunding an sich. Derzeit hat man je nach Bereich, in dem man tätig ist, schon nur mal deswegen Aufmerksamkeit für eine Kampagne, weil Crowdfunding noch relativ neu ist. Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem Crowdfunding eine gewissen Selbstverständlichkeit haben wird, für die Projekte wie für die Crowds – als Finanzierungsmöglichkeit, Vorverkauf, Markttest oder Partizipationsmodell. Daran werden sich die Projekte in Sachen Storytelling und Kommunikation anpassen müssen. Für stark auf Breitenwirksamkeit ausgelegte Projekte mag es enger werden, dafür werden sich die Crowds stärker daran gewöhnt haben, auf diesem Weg an Kulturprojekten zu partizipieren. Und direkte Kommunikation mit der eigenen Zielgruppe wird sich stärker als Must Do etablieren. Ich denke, dass sich dies unterm Strich nicht groß auf die Erfolgsquoten auswirken wird. Übrigens: Bei uns auf wemakeit erreichen im Schnitt 70% der Projekte ihr Ziel.

Kulturmanagement Blog: Vor allem kleinere Kulturbetriebe tun sich schwer Sponsoren zu gewinnen. Ist das Crowdfunding für diese eine lohnende Alternative oder lassen sich vielleicht sogar beide Instrumente verbinden? Ich denke dabei an Eure Kooperation mit dem Schweizer Unternehmen Swisscom.

Simone Mathys-Parnreiter: Beides – und es gibt auch noch ein drittes Szenario: Dass man Sponsoren leichter bekommt, wenn man mit einer erfolgreichen Crowdfunding-Kamapgne bewiesen hat, dass man ein interessiertes Publikum hat und vermag, dieses zu aktivieren. Das ist das, was Sponsoren interessiert – ihr „Reward“ ist schließlich meist Werbepräsenz.

Verbindungen von Crowdfunding und Sponsoring sind auf verschiedene Arten interessant. Zum Beispiel für Sachsponsoring von Rewards für Kampagnen, gerade derzeit, wo Sachunterstützung leichter zu bekommen ist als Geld. Dann gibt das Modell, Sponsoring und über Crowdfunding erwirtschaftete Gelder zusammenspielen zu lassen – wie bei unserer Kooperation mit der Swisscom in der Schweiz, dem Swisscom Music Booster: Die Swisscom hat einen Fördertopf für junge Schweizer Bands zur Verfügung gestellt und vergeben werden die Gelder über Kampagnen auf wemakeit. Sobald diese Kampagnen 30% ihres Finanzierungszieles erreicht haben, legt die Swisscom die nächsten 30% drauf (wenn der Betrag auch nach oben gedeckelt ist). Die letzten 40% müssen die Bands wieder selbst erfunden. So ist für die Swisscom sichergestellt, dass sie nur Bands unterstützen, die tatsächlich „dahinter“ sind und Publikum haben und dass sie als Sponsoren werbewirksam präsent sind. Letzteres können wir auf wemakeit mit einem eigenen Channel für den Music Booster sicherstellen.

Kulturmanagement Blog: Wer beim Crowdfunding erfolgreich sein möchte, darf mit der Bewerbung nicht warten, bis das Projekt fertig ist, sondern muss schon frühzeitig auf sich aufmerksam machen. Welche Auswirkungen hat das auf das Marketing von Kulturbetrieben?

Simone Mathys-Parnreiter: Positive. Bei Crowdfunding reicht es nicht, nach Fertigstellung eines wie auch immer gelagerten Projektes die breite Kommunikationskanone anzuwerfen (Pressemitteilungen, Flyer, Plakate etc.). Die Crowd – das Zielpublikum, die Menschen, für welche diese Kulturangebote da sein sollen – müssen früher in konzeptuelle Überlegungen und in die Kommunikation einbezogen werden. Das heisst, dass man nicht im Elfenbeinturm dahinwerkeln kann, sondern sich für seine Zielgruppe interessieren muss: sie wahrnehmen, ernst nehmen und einladen. Für mich heisst das zum Beispiel – was manche Institutionen machen, andere aber nicht – Vermittlung nicht als nachgelagertes To Do zu sehen, sondern konzeptuell von Anfang an mitzudenken. Wenn Crowdfunding ein Incentive für all das ist, ist das grossartig.

Kulturmanagement Blog: Was bedeutet das für die Plattformen? Müssen die den Schritt hin zum Marketing auch mitgehen und was könnte das im Hinblick auf deren Angebote bedeuten? Werden aus Anbietern wie wemakeit oder all den anderen Anbietern Marketingplattformen?

Simone Mathys-Parnreiter: Ja und nein. Marketing durch die Plattformen selbst halte ich nur für bedingt sinnvoll. Mit generischer Massenkommunikation ist es im Crowdfunding nicht getan. Jedes Projekt hat eine andere Crowd, die eine andere Sprache spricht und so persönlich wie möglich erreicht werden soll.

Ich kann mir vorstellen, dass Plattformen beginnen werden, Kommunikationsunterstützung als Zusatzleistungen anzubieten. Es gibt einen hohen Bedarf bei den Projekten und viel Know-How bei den Plattformen, das ist sozusagen aufgelegt. Wir unterstützen bei wemakeit ja persönlich bei der Planung der Kampagne, können aber dennoch nicht so weit gehen, wie etwa eine Agentur, die faktisch die Kampagne mit den Leuten gemeinsam macht. Hier wird sicherlich auch in Österreich ein Sekundärmarkt für Dienstleistungen rund um Crowdfunding heranwachsen und bestehende Kommunikationsagenturen werden das verstärkt in ihre Portfolios aufnehmen.

Kulturmanagement Blog: Hast Du für all diejenigen, die gerade ihre erste Kampagne planen, einen Tipp, was sie unbedingt vermeiden sollten?

Simone Mathys-Parnreiter: Nabelschau und glauben, dass Kommunikation ein Selbstläufer ist. Und als positiven Tipp: Love your crowd!

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten! ;-)

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Das Essl Museum als Gastgeber des stARTcamp Wien: Immer offen für Experimente

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Ich habe lange überlegt, ob diese Überschrift auch wirklich für dieses Blogpost geeignet ist, denn sie könnte ja auch suggerieren, dass das stARTcamp ein Experiment ist. Im ersten Moment habe ich das verneint, aber es ist noch lange nicht selbstverständlich, dass Kultureinrichtungen Gastgeber eines stARTcamps sind und deshalb lasse ich erstens die Überschrift so stehen und bedanke mich zweitens noch einmal beim Essl Museum für die Einladung.

Auf die Überschrift bin ich aber eigentlich durch die Idee des Museums gekommen, eine Ausstellung mit Hilfe ihrer Facebookfans zu gestalten. Ein spannender Ansatz und deshalb freue ich mich natürlich besonders, dass das stARTcamp Wien dieses Jahr im Essl Museum vor den Toren Wiens stattfindet. Warum das Haus dieses Jahr Gastgeber des stARTcamps ist und welche Erwartungen damit verbunden sind, das habe ich Barbara Royc, die Marketingleiterin gefragt.

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Christian Henner-Fehr: Morgen ist es soweit, wir sprechen einen ganzen Tag lang über Social Media im Kunst- und Kulturbereich. Nutzt Du selbst eigentlich auch Facebook, Twitter und all die anderen Netzwerke und Plattformen? Oder reicht es Dir, Dich beruflich damit zu beschäftigen?

Barbara Royc: Ich nutze eigentlich seit Jahren verschiedenste Social Media-Kanäle und Blogs, interessanterweise bin ich aber gerade auf Facebook und Twitter vorwiegend beruflich unterwegs, obwohl ich dort private Accounts habe. Man darf nur leider nicht erwarten, dass ich dort viel von mir preisgebe, das erlaubt meine Zeit einfach nicht. Privat nutze ich derzeit eigentlich vorwiegend Social Bookmarking Tools, ich mag auch zum Beispiel Pinterest ganz gerne, um dort Ideen zu sammeln und zu verwalten. Ich probiere ständig verschiedenste Plattformen aus, weil mich interessiert wie sie funktionieren und was sie bieten können, aber bleibe privat selten wo hängen.

Christian Henner-Fehr: Sehr häufig wird im Zusammenhang mit Social Media vom Wunsch nach Vernetzung gesprochen. Ihr seid noch einen Schritt weiter gegangen und habt Eure Facebook-Fans eine ganze Ausstellung mitkuratieren lassen. Ist das die Richtung, die Kultureinrichtungen gehen müssen, wenn sie Erfolg haben möchten?

Barbara Royc: Ich denke, dass es zukünftig für Kultureinrichtungen noch wichtiger sein wird, ihre Besucher bzw. ihr Publikum zur Partizipation einzuladen. Ob dies nun über Social Media oder auf anderen Wegen passiert, ist glaube ich nicht so relevant. Tatsache ist, dass man über Social Media unkompliziert und rasch eine bestimme Zielgruppe erreicht. Social Media ist hier ein Kanal unter vielen, als Kultureinrichtungen gilt es den richtigen Kanal zu wählen. Am wichtigsten wird wohl aber sein, sich als Kultureinrichtung zu überlegen, auf welche Inhalte die Besucher einwirken können.

Christian Henner-Fehr: Beim stARTcamp werden Apps ein Thema sein. Welche Bedeutung misst Du ihnen im Kulturbereich bei? Brauchen wir sie wirklich oder kommen wir auch ohne sie aus?

Barbara Royc: Ich habe mich sehr lange mit dem Thema Apps für Museen beschäftigt, es war auch immer wieder im Gespräch für das Essl Museum. Schlußendlich haben wir uns aus mehreren Gründen dagegen entschieden. Ich denke aber, dass Apps im Kulturbereich schon wieder von interessanteren Möglichkeiten abgelöst werden – für den Nutzer hat eine App wesentlich mehr Hürden, als wenn die Kulturbetriebe den Nutzer gleich dort abholen, wo er sich aufhält.

Christian Henner-Fehr: Ein stARTcamp lebt von den Ideen und dem Input der TeilnehmerInnen. Welche Session wünschst Du Dir morgen?

Barbara Royc: Ein spannendes, praxisnahes Thema für mich ist, wie man in einem Kulturbetrieb eine Art „Content-Kultur“ etablieren kann. Nur wenn man aus den einzelnen Abteilungen auch die relevanten Inhalte bekommt, kann man als Social Media Redaktion gut agieren. In vielen Unternehmen muß erstmal ein Bewusstsein dafür geschaffen werden. Wir haben zum Beispiel bereits 2 Mal ein offenes Social Media Workshop für Mitarbeiter durchgeführt, bei dem wir unsere Aktivitäten vorgestellt haben. Oft muß man hier Basisarbeit leisten, also „Was ist Twitter überhaupt?“ Mich würde interessieren, wie es anderen Kultureinrichtungen damit geht und was sie so aus der Praxis erzählen können.

Christian Henner-Fehr: Diese Frage habe ich auch schon Michael Wuerges im letzten Jahr gestellt: Morgen geht es um das Thema Social Media. Angesprochen haben wir vor allem die Menschen, die sich damit im Bereich von Kunst und Kultur beschäftigen. Kannst Du Dir vorstellen, dieses Format auch auf Eure inhaltliche Arbeit zu übertragen und auf diese Weise Euer Publikum anzusprechen? Das könnte beispielsweise bei Eurer aktuellen Ausstellung über die Zukunft der Malerei eine ganz spannende Sache werden?

Alfons Pressnitz, Stranded, 2014, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 150 x 140 cm, Foto & © Alfons Pressnitz

Alfons Pressnitz, Stranded, 2014, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 150 x 140 cm, Foto & © Alfons Pressnitz

Barbara Royc: Ein Barcamp für eine Ausstellung? Ich habe ehrlich gesagt noch nie darüber nachgedacht, aber ich könnte mir das durchaus als Alternative zu einem Symposium bei einem sehr offenen Thema (wie es die Ausstellung Die Zukunft der Malerei aufwirft) vorstellen. Ich werde unserem Kurator Andreas Hoffer von dieser Idee erzählen…

Christian Henner-Fehr: Danke, dass wir dieses Jahr bei Euch zu Gast sein dürfen und danke natürlich auch für Deine Antworten. Ich freue mich auf ein stARTcamp mit vielen spannenden Themen an einem tollen Ort und wünsche Dir morgen viel Spaß.

Barbara Royc: Danke, Christian. Wir freuen uns sehr, Gastgeber des stARTcamps zu sein und ich hoffe natürlich, dass die Teilnehmer mit vielen neuen Ideen wieder nach Hause gehen.

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Ein Symposium über die Zukunft von Musikfestivals: Julia Strysio im Interview

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Rockkonzert
© bluefeeling ; Pixelio

In seiner Diplomarbeit „Acknowledging the experience factor for music festivals with an attempt of a new visitor typology: Fans, conditional adventurers and adventurers.” (Downloadmöglichkeit auf dieser Seite) beschäftigt sich Maël Roth mit der Zukunft des Musikgeschäftes und entwickelt im Rahmen seiner Arbeit eine neue Besuchertypologie von Musikfestivals.

„Wir gehen nicht auf Festivals, nur weil die Musik uns gefällt“, schreibt er in einem Gastbeitrag für das Kulturmarketingblog und stellt fest, dass es oft eher die Erlebnisfaktoren sind, die uns dazu bewegen, ein Festival zu besuchen und weniger die Musik selbst.

Wie sieht also die Zukunft der Musikfestivals aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich nicht nur Maël Roth, sondern auch ein europäisches Symposium für europäische KulturmanagerInnen, das vom 24. bis 26. Oktober in Heidelberg und Mannheim im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals stattfinden wird. Konkret geht es beim „European Symposium for Young Professionals in the Music Business“ um neue und innovative Festivalformen und die Frage, wie sich solche Formate kuratieren lassen? Besonders spannend in meinen Augen ist ein eintägiger Design Thinking Workshop, bei dem diese Fragestellung in einer sehr team-orientierten und kreativen Art und Weise bearbeitet werden wird.

Was sich hinter diesem Workshop verbirgt und welche Ziele das Symposium verfolgt, habe ich Julia Strysio, die für das Programm verantwortlich ist, gefragt.

Kulturmanagement Blog: Warum brauchen wir neue Festivalformate? Funktionieren die alten nicht mehr?

Julia Strysio: (lacht) Das wäre eine Frage, die wir in unserem Design Thinking Workshop tatsächlich erst einmal stellen müssten, bevor wir weiter denken können.

JuliaStrysio

Das Herz eines Festivals oder einer Kulturinstitution ist das Programm. Daher übernimmt der Kurator eine zentrale Aufgabe: Er oder sie ist der „Master der Matrix“ des Festivals und drückt durch die Auswahl der Künstler dem Festival den Stempel auf und entscheidet über die Relevanz der Kunst. Ich glaube nicht, dass daran etwas geändert werden sollte. Ich glaube auch nicht, dass man  Festivals unbedingt „verjüngen“ muss, damit sie funktionieren. Ich glaube an die Kunst, an Künstler, und ich glaube an Kuratoren, die entscheiden können, ob die Musik, das Buch oder der Film Relevanz hat.  Das Format ist also die Qualität und das sollte sich nie ändern.

Natürlich gibt es neue Formen des Marketings, des Sponsorings und neue Medien, die man für Festivals oder Kulturinstitutionen nutzen sollte und darüber werden wir in dem Symposium auch sprechen. Ich bin aber dagegen, alle älteren Damen und Herren Festivaldirektoren aus dem Boot zu schmeißen. Wer sollte denn zum Beispiel besser wissen wie man das London Jazz Festival führt als John Cummings? In dem Symposium geht es nicht um neu oder alt, sondern um einen Austausch.

Wir möchten außerdem, dass niemand in das Symposium rein oder rausgeht und sich über sinkende Zuschauerzahlen beschwert. Ich würde mir wünschen, dass wir alle mit Freude, Enthusiasmus, Kreativität, vor allem aber mit jeder Menge Spaß daran arbeiten, auch in Zukunft Kultur zu machen.

Kulturmanagement Blog: Ihr sprecht KulturmanagerInnen aus ganz Europa an. Hat die Musikbranche in allen europäischen Ländern ähnliche Probleme oder geht es Euch eher um den Austausch und die Möglichkeit, voneinander zu lernen?

Julia Strysio: Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich mit internationalen Gleichgesinnten auszutauschen, wenn man Student ist oder wenn man Direktor eines Festivals / einer Kulturinstitution ist. Es gibt aber sehr wenige, finanzierbare Austauschmöglichkeiten für junge Nachwuchskulturmanager in Europa. Es ist unser Ziel, das mit unserem Symposium zu ändern. Wir würden gerne eine Plattform für junge Kulturmanager aus ganz Europa aufbauen, die bereits erste Berufserfahrungen gesammelt haben und die die Festivals oder Kulturinstitutionen der Zukunft leiten möchten.

Eine Altersgrenze wollen wir aber bewusst nicht festlegen, denn es geht ja darum, sich gegenseitig auszutauschen.

Kulturmanagement Blog: Und was erwartet die TeilnehmerInnen bei Euch beziehungsweise warum sollten diese Nachwuchskräfte das Symposium auf keinen Fall verpassen? Die Teilnahmekosten sind mit 50 Euro ja sehr günstig.

Julia Strysio: Wir bieten einen interaktiven Design Thinking Workshop, Sprecher der EU und der UNESCO werden darüber reden, welche Fähigkeiten junge Kulturmanager mitbringen sollten, unterschiedliche Kuratoren verraten, wie sie ihr Festival / Kulturinstitution programmieren und natürlich werden wir alle genügend Zeit haben, um uns kennen zu lernen, auf Konzerte zu gehen und hoffentlich eine Menge Spaß haben.

Kulturmanagement Blog: Neugierig bin ich vor allem auf den von Dir angesprochenen Workshop, bei dem mit der Design Thinking-Methode gearbeitet wird. Kannst Du verraten, wie diese Methode funktioniert und was die TeilnehmerInnen an diesem Tag erwartet?

Julia Strysio: Ich war in diesem Jahr auf vielen Symposien, auf denen über die sinkenden Besucherzahlen lamentiert wurde, und ich fand das wenig hilfreich. Unsere Intention war deswegen, dass wir einen Workshop anbieten wollten, bei dem es nicht darum geht, zu zeigen, dass 50% der Besucher über 60 sind, sondern wir wollen ein Symposium machen, wo wir mit viel Kreativität, Freude und Leidenschaft überlegen, wie wir in Zukunft Festivals  und Programm machen wollen.

Das Finden von neuen innovativen Lösungen ist natürlich nicht nur für Kulturmanager interessant, sondern wird gerade in fast allen Branchen diskutiert. Die Frage ist dann immer, wie komme ich zu diesen innovativen Lösungen? Design Thinking beschreibt hier eine Herangehensweise, die sehr vielversprechend ist und die beispielsweise auch sehr intensiv von der SAP AG genutzt wird, um neue, innovative und vor allem nutzer-zentrierte Lösungen zu bauen.

Flexible und  inspirierende Räumlichkeiten sind ein Bestandteil im Design Thinking und daher richtet die SAP AG auch gerade in Heidelberg solche Räumlichkeiten ein, die die Teilnehmer unseres Symposiums als erste Firmenexterne während des  Workshops nutzen dürfen.

Design Thinking kommt ursprünglich aus dem Bereich Design und ist eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen. Die Methode kann helfen, Fragen anders zu stellen und dadurch kreative und innovative Lösungen zu finden wobei der potentielle Nutzer einer Lösung dabei von Anfang an im Zentrum steht.

Sie basiert zunächst auf der Annahme, dass Probleme u.a. dann besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammen daran arbeiten. Deswegen haben wir an diesem Tag auch Experten aus dem Bereich Wirtschaft, Technologie, Sponsoring, Besucher des Enjoy Jazz Festivals, Labels, Musiker etc. zusätzlich zu den  Teilnehmern und Sprechern eingeladen. Unser Workshop heißt „Redesign the Festival Experience“ – wobei wir gleich zu Beginn prüfen müssen, welches unsere Fragestellung und damit das Problem oder die Herausforderung ist, der wir uns stellen wollen. Je nachdem,  welchen Bereich wir uns im Einzelnen anschauen wollen, ob Marketing, Sponsoring, Journalismus, Programm oder Personalführung. Wir werden in unterschiedlichen Gruppen mit insgesamt acht Coaches arbeiten und am Ende erste „Prototypen“ der gefundenen Lösungen vorstellen. Diese Prototypen sind dann keine Powerpoint-Folien sondern anfassbar und testbar und aus Papier. Kleber, Lego oder Bauklötzen gemacht.

Ein sehr netter Nebeneffekt wird natürlich sein, dass sich alle Teilnehmer mit den Sprechern und untereinander besser kennenlernen werden und sich auch informell austauschen können.

Kulturmanagement Blog: Und noch eine letzte Frage: Wo kann man sich ein Ticket kaufen?

Julia Strysio: Es gibt kein Ticket zu kaufen – die Teilnehmer können sich auf unserer Website über einen Bewerberbogen anmelden. Wir melden uns dann sofort und stehen auch sehr gerne bei Anreise / Hotel etc. beratend zur Seite.

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten und viel Spaß beim Symposium!

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Die Kunsthalle Wien und das stARTcamp: keine Angst vor Social Media

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Wenn morgen hier in Wien das erste stARTcamp über die Bühne geht, dann ist das zu einem ganz großen Teil der Verdienst von Michael Wuerges, der in der Kunsthalle Wien für Marketing und Strategie verantwortlich ist. Als er mich im März fragte, ob ich nicht Lust auf ein stARTcamp in Wien hätte, war ich natürlich sofort dabei. Gewollt hatte ich ja schon länger, aber wie das so ist. Die Zeit ist knapp und so verschiebt man die Sache Monat um Monat, Jahr um Jahr.

Deshalb bin ich ihm sehr dankbar, dass er mich im Frühjahr angesprochen hat. Erstens glaube ich, gibt es für solche Veranstaltungen keinen besseren Orte als die, an denen Kunst stattfindet. Und in diesem speziellen Fall haben wir zweitens das Glück, inmitten einer noch nicht fertig aufgebauten Ausstellung sein zu dürfen. Der Werkstattcharakter, den so ein stARTcamp hat, setzt sich also räumlich fort.

Was aber veranlasst einen Kulturbetrieb, ein stARTcamp zu organisieren? Diese und ein paar andere habe ich Michael Wuerges gestellt.

Christian Henner-Fehr: Morgen geht es los, wir sprechen einen ganzen Tag lang über Social Media im Kunst- und Kulturbereich. Nutzt Du selbst eigentlich auch Facebook, Twitter und all die anderen Netzwerke und Plattformen? Oder reicht es Dir, Dich beruflich damit zu beschäftigen?

Michael Wuerges: Natürlich bin ich selbst auf Facebook. Twitter nutze ich aber nur für die Kunsthalle Wien.  Wenn ich aber so nachdenke hast du recht: Seit dem ich viel für die Kunsthalle mache, das machen wir im Team, bin ich sehr viel weniger privat in den sozialen Netzwerken unterwegs. Als Deutscher in Wien hatte ich früher einen Blog mit typisch österreichischen k. u k. Rezepten. Dazu komme ich leider nun zeitlich nicht mehr.

Christian Henner-Fehr: Sehr häufig wird im Zusammenhang mit Social Media vom Wunsch nach Vernetzung gesprochen. Ist das einer der Gründe, warum morgen bei Euch das stARTcamp stattfindet und wenn ja, mit wem wäre es für die Kunsthalle Wien interessant, sich zu vernetzen?

Michael Wuerges: Ja, du hast Recht, Vernetzung ist nicht unwichtig. In der Kunsthalle Wien geht es uns nicht nur um Vernetzung, sondern um Service für unsere Besucher. Deshalb fragen wir sie auch ganz aktiv nach Ihren Erwartungen. So schreiben wir zum Beispiel auf jedes Plakat gleich den jeweiligen Hashtag der Ausstellung oder Veranstaltung. Das war ein Wunsch unserer Besucher dem wir nachgekommen sind. Das macht keine Kultureinrichtung im deutschsprachigen Raum.  Wir versuchen uns also, mit unseren Besuchern enger zu vernetzen.

Plakat Salon der Angst

Christian Henner-Fehr: Ab 6. September wird bei Euch die Ausstellung „Salon der Angst“ zu sehen sein, in der es um die „künstlerische Auseinandersetzung mit den Ängsten unserer Zeit“ geht, wie es auf Eurer Webseite heißt. Künstlerisch werden wir uns zwar morgen nicht damit auseinandersetzen, aber Angst und Unsicherheit begegnen einem oft, wenn von Social Media die Rede ist. Ist es in Deinen Augen sinnvoll, wenn Kultureinrichtungen sich aktiv darum bemühen, zum Beispiel durch solche Veranstaltungen, diesen Ängsten zu begegnen. Und zwar nach Innen und nach Außen?

Michael Wuerges: Absolut. Das ist mit einer der Gründe denke ich, warum wir zusammen dieses stARTcamp machen. Meiner Meinung nach muss man vor Social Media überhaupt keine Angst haben. Im Zusammenhang mit Social Media höre ich ganz oft Schlagworte wie Datensicherheit, Kontrollverlust, Shitstorm usw. Natürlich kann gerade durch eine Öffnung einer Institution nach außen etwas Unvorhergesehenes passieren, dennoch plädiere ich immer wieder zu mehr Mut im Umgang mit unseren Zielgruppen, die die Sozialen Kanäle benutzen. Wir alle machen unsere Jobs gut und haben nichts zu verbergen. Wieso sollen wir unsere Besucher nicht schon ganz früh in unsere Projekte involvieren? Wieso sollen sie nicht Teil unserer Projekte sein? Zu „Salon der Angst“ werden wir versuchen einen sehr ungewöhnlichen Weg in Sachen Social Media zu gehen. Verraten kann ich leider noch nichts, es wird dir aber sicher auffallen.

Christian Henner-Fehr: Ein stARTcamp lebt von den Ideen und dem Input der TeilnehmerInnen. Welche Session wünschst Du Dir morgen?

Michael Wuerges: Vielleicht ist es tatsächlich die: „Wie verliert man die Angst vor Social Media!“

Christian Henner-Fehr: Morgen geht es um das Thema Social Media. Angesprochen haben wir vor allem die Menschen, die sich damit im Bereich von Kunst und Kultur beschäftigen. Kannst Du Dir vorstellen, dieses Format auch auf Eure inhaltliche Arbeit zu übertragen und auf diese Weise Euer Publikum anzusprechen? Also zum Beispiel im Zusammenhang mit Eurer kommenden Ausstellung ein Barcamp, bei dem es um die „kulturelle Prägung individueller wie kollektiver Angsterlebnisse und –ereignisse“ geht, ein Zitat, das ich Eurem Ankündigungstext entnommen habe.

Michael Wuerges: Gute Frage. Natürlich kann ich mir das vorstellen. Die Kunsthalle Wien ist ja das Haus der Stadt Wien für internationale zeitgenössische Kunst und Diskurs. Da würde ein Barcamp zu Thema Angst tatsächlich sehr gut passen. Ich werde mit unserem Direktor und der Dramaturgin des Hauses darüber sprechen. Beiden ist Social Media nämlich sehr wichtig.

Christian Henner-Fehr: Danke für Deine Antworten und viel Spaß morgen beim stARTcamp!

Michael Wuerges: Danke dir, dass wir zusammen das erste stARTcamp Österreichs bei uns in der Kunsthalle Wien machen. Ich freu mich riesig auf das stARTcamp morgen und auf alle Kollegen/innen die mit dabei sein werden. Ich bin echt gespannt auf die Themen die wir zusammen besprechen werden.

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Karsten Wenzlaff im Gespräch: Die Crowdinvesting-Conference beschäftigt sich mit der Zukunft des Crowdfunding

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The Future of Crowdfunding

Crowdfunding hat in den letzten zwei Jahren einen enormen Aufschwung erlebt, viele Kulturbetriebe und KünstlerInnen haben damit erste Erfahrungen sammeln können, nicht wenige konnten auf diese Weise ihre Vorhaben (teil)finanzieren. Wenn wir die Entwicklungen in den USA und bei uns vergleichen, erkennen wir recht schnell, dass hier gewaltige Unterschiede bestehen. Vor allem die Zahlen der weltweit größten Crowdfunding-Plattform Kickstarter zeigen, welches Potenzial im Crowdfunding steckt.

Aber natürlich stellt sich die Frage, ob wir Amerika so einfach nacheifern können und wollen, zu unterschiedlich sind die Systeme, was etwa die Finanzierung von Kunst und Kultur betrifft. Aber wir können viel voneinander lernen und müssen dabei gar nicht immer nach Amerika schauen. Oft ist auch schon der Blick in andere europäische Länder sehr interessant. Diesen Blick über die Grenzen ermöglicht die Crowdinvesting-Conference, die am 17. April in Berlin stattfinden wird. Veranstalter ist ikosom, das Institut für Kommunikation in sozialen Medien, das für diese Veranstaltung ein sehr spannendes Programm zusammengestellt hat. Es geht nicht nur um Crowdfunding im Kunst- und Kulturbereich, aber der Blick über den Tellerrrand hat noch nie geschadet. ;-)

Um Ihnen das Thema Crowdfunding und die Konferenz etwas schmackhafter zu machen, habe ich ikosom-Geschäftsführer Karsten Wenzlaff gebeten, mir ein paar Fragen per Email zu beantworten.

Karsten Wenzlaff

Kulturmanagement Blog: Warum die Crowdfunding-Konferenz und was ist das Ziel?

Karsten Wenzlaff: Crowdfunding in der Kreativ- und Kulturwirtschaft sowie als Finanzierungsinstrument für Start-Ups ist in aller Munde. Die Referenten werden aber über den Status Quo hinausschauen und diskutieren, wie in 3-5 Jahren Crowdfunding aussehen wird, welche gesetzlichen Regelungen dafür geschaffen und abgeschafft werden müssen. Wir wollen auf der Konferenz Handlungsempfehlungen diskutieren, damit einerseits über Crowdfunding größere Summen zustande kommen können, andererseits Crowdfunding für die Infrastruktur des Landes genutzt werden kann. Im Bereich der Kultur bedeutet das die Finanzierung von Kulturinstitutionen wie Museen, Opern, Galerien, Konzerthäusern, Theatern.

Kulturmanagement Blog: Du hast es in Deiner Antwort gerade angedeutet. Ein Themenschwerpunkt wird die Frage sein, ob mit Hilfe von Crowdfunding öffentliche Infrastruktur, z.B. im Kunst- und Kulturbereich finanziert werden kann? Hälst Du eine solche Entwicklung für möglich und glaubst Du, dass damit nicht unser jetziges Verständnis von Kulturförderung eine gewaltige Veränderung erfährt?

Karsten Wenzlaff: In Deutschland ist die etablierte Kulturszene noch etwas scheu, Crowdfunding selber einzusetzen, aber zumindest neugierig. Wenn man in anderen Ländern Europas schaut, gibt es da schon wesentlich mehr Beispiele für Crowdfunding von Kulturinfrastruktur. In Frankreich hat beispielsweise der Louvre schon mehrmals Ausstellungsexponate über Crowdfunding finanziert.

Natürlich ist das nach wie vor noch sehr stark projektbasiert. Aber bevor es staatliche Kulturförderung gab, wurden diese Institutionen einerseits durch private Mäzenaten, andererseits durch Genossenschaften gefördert. Die vielen „Volkstheater“ sind ein lebendiges Beispiel dafür. Historisch ist also Crowdfunding für Institutionen der Kulturwirtschaft überhaupt nichts Neues.

Der Wandel von institutionalisierter Kulturförderung und Finanzierung via Crowd wird bei den Kulturinstitutionen zu einem Wandel führen, wenn sie erkennen, dass die Crowd mehr ist als Steuerzahler oder Ticketkäufer. Die Crowd möchte mitreden, mitbestimmen, ausprobieren, vernetzen – und damit tun sich manche Kulturinstitutionen schwer. Die Crowd ist mehr als eine Besuchergruppe oder ein gut gefüllter Zuschauersaal.

Kulturmanagement Blog: Immer wieder taucht die Frage auf, ob sich Crowdfunding und öffentliche Förderungen kombinieren lassen. Wie stehst Du dazu und was muss getan werden, um so eine Kombination von öffentlicher und privater Förderung auch bei uns möglich zu machen?

Karsten Wenzlaff: Crowdculture in Schweden ist ein gutes Beispiel, wie sich hier etwas entwickeln kann. Max Valentin, der Betreiber der Plattform, sagt, dass seine Form des Crowdfundings eigentlich eine Art Crowdsourcing ist, also das Einholen von Wissen. Er wird auch im Rahmen der Konferenz einen Impulsvortrag halten. Bei Crowdculture wird ein staatliches Budget an kulturelle Projekte verteilt und die Teilnehmer entscheiden nicht über ihr eigenes Geld, sondern über das Geld der Steuerzahler. Eine Art Bürgerhaushalt für die Kultur.

Das ersetzt nicht die klassische Kulturförderung, aber ermöglicht direkte Teilhabe. Und dafür müssen bei der Kulturförderung in Deutschland Spielräume geschaffen werden – sowohl finanzielle als auch organisatorische Freiräume. Wenn die Crowd erst die Stimme abgibt und eine Jury das widerrufen kann, macht Crowdfunding keinen Sinn.

Ein wichtiger Punkt ist aber auch, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für Crowdfunding eindeutiger werden müssen. Wie müssen die Einnahmen versteuert werden, welche Einnahmen sind für die KSK relevant, wie kann ich die Crowdfunding-Einnahmen als Eigenkapital oder Eigenmittel in einen Förderungsantrag einbringen? Der Vorteil der Konferenz ist, dass wir Plattformen aus zehn europäischen Ländern haben, die ihre Erfahrungen hinsichtlich der rechtlichen Regelungen teilen werden. Daraus können wir hoffentlich für Deutschland viel lernen.

Kulturmanagement Blog: Crowdfunding ist nicht nur im Hinblick auf die Finanzierung eines Vorhabens interessant, sondern wird häufig auch als Marketinginstrument gesehen. Gilt das nicht nur für die eher bekannten Projektinitiatoren oder haben auch die „Kleinen“ eine Chance, Crowdfunding auf diese Weise zu nutzen?

Karsten Wenzlaff: Für alle Künstler und Kulturschaffende ist Crowdfunding in erster Linie Marktforschung, denn sie können sehen, wie ein Projekt ankommt, ob Ticketpreise angemessen sind, ob die Kommunikation funktioniert, ob die Verteiler funktionieren. Crowdfunding ist unglaublich disziplinierend, um zum Beispiel Emailverteiler anzulegen und zu pflegen und so den Grundstein für den Aufbau und die Pflege einer Community zu legen.

Für Künstler, die schon bekannte Marken haben, ist Crowdfunding natürlich besonders toll, weil sie sich direkt an die Fans wenden können, obwohl sie ihre Projekte wahrscheinlich auch auf klassische Weise finanzieren könnten. Deswegen erreichen Sie Crowdfunding-Summen, von denen die „Kleinen“ nur träumen können.

Aber auch darum wird es bei der Konferenz gehen: welcher gesellschaftliche Wandel ist notwendig, damit die „Kleinen“ auch von „großem“ Crowdfunding realistisch ausgehen können? Michael Bogatzki von Sellaband wird genau zu dieser Frage auf der Konferenz referieren.

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten!

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Google und seine neue Bildersuche: Keine Links mehr auf die Bildquelle? Martin Mißfeldt im Interview

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© Gerd Altmann ; Pixelio

Wenn Sie Bilder online stellen, kann Google die finden. Je weiter oben sie in der Google-Suche stehen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass UserInnen darauf aufmerksam werden und das Bild anklicken. Wer das Bild anklickt, landet auf Ihrer Seite und Sie freuen sich über steigende Zugriffszahlen, vielleicht auch über mehr Links oder neue Aufträge.

Mit der neuen Bildersuche könnte sich das ändern und zwar nicht zum Vorteil der FotografInnen. Google möchte vereinfacht gesagt den UserInnen einen besseren Service anbieten, indem es ihnen die Möglichkeit bietet, sich schneller von Bild zu Bild zu bewegen. Der Klick auf die Seiten der UrheberInnen bleibt dadurch aber aus, fürchten diese.

Einer von ihnen ist Martin Mißfeldt, der als Künstler eine Vielzahl von Bildern online gestellt hat und nun die Befürchtung hegt, dass seine Bilder nicht mehr angeklickt werden. Mit „Verteidige Dein Bild“ hat er eine Protestseite eingerichtet und zu einer Unterschriftenaktion aufgerufen. Was verbirgt sich hinter den Änderungen, welche Konsequenzen bringt der Relaunch mit sich und wie können sich KünstlerInnen dagegen wehren? Martin Mißfeldt, der zugleich als SEO-Experte das tagSeoBlog betreibt, beantwortet meine Fragen:

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Kulturmanagement Blog: Google plant ein Redesign seiner Bildersuche und verspricht den UserInnen Erleichterungen bei der Suche nach Bildern. Was genau plant Google?

Martin Mißfeldt: Man kann nicht mehr sagen, dass Google es plant, denn es ist bereits fast in allen Ländern weltweit eingeführt. Lediglich in Deutschland und Frankreich ist die neue Bildersuche noch nicht zu sehen. Der Unterschied zur vorherigen Version ist einfach: wenn man eines der Thumbnails in der Google Ergebnisliste anklickt, öffnet sich nun ein Layer auf der Google-Seite, in dem das Bild in großer Auflösung zu sehen ist. Die Seite, von der das Bild stammt, wird nicht mehr geladen.

Ob es nun die maximale Größe oder eine „Zwischengröße“ ist, spielt keine Rolle. Fakt ist, dass es sich nicht mehr um eine Thumbnail- oder Preview-Version des Bildes handelt. Es ist im Grunde das Bild, dass der Benutzer erwartet.  Damit zeigt Google in seiner Anwendung Bilder an, ohne dass die entsprechenden Nutzungsrechte hierfür vorliegen. Für den User ist es in vielen Fällen nicht mehr erforderlich, auf die Seite des Bildinhabers zu wechseln.

Diese neue Version der Google Bildersuche ist auch im Deutsch-sprachigen Raum bereits online: denn man kann auch mit der Spracheinstellung „deutsch“ bei Google.com suchen.

Entgegen der Google Vorankündigung, dass der Website-Betreiber dadurch eine „höhere Klickrate“ bekämen, zeigt sich bei vielen Webmastern bereits jetzt ein dramatischer Rückgangs der Besucherzahlen und Seitenaufrufe. Google klaut durch die neue Suche den Traffic, der bisher auf die Webseiten von Künstlern oder Bloggern führte. Googles Ziel ist natürlich, mehr Besuchern für längere Zeit auf der eigenen Seite zu halten.

Kulturmanagement Blog: Welche Konsequenzen hat das für Dich und Deine Bilder, die Du online gestellt hast?

Martin Mißfeldt: Ich warte erst einmal ab, um zu schauen, wie sich die Zahlen tatsächlich entwickeln. Und natürlich schaue ich, ob oder wann die neue Bildersuche in Deutschland eingeführt wird. Es scheint mir zur Zeit etwas aussichtslos, gegen google.com zu Felde zu ziehen. Ich bin kein Jurist, und kann das im Einzelnen nicht abschätzen. Für mich sieht es allerdings so aus, als würde Google bei Google.com bereits jetzt Millionenfach Urheberrechtsverletzungen begehen.

In jedem Fall bin ich von Google’s Vorgehen sehr enttäuscht, und ich werde mich, solange es geht, dagegen wehren.

Kulturmanagement Blog: Du hast mit „Verteidige Dein Bild“ eine Protestaktion gestartet. Welche Ziele verfolgst Du damit?

Martin Mißfeldt: Es gibt mehrere Aktionen. Ich habe seinerzeit sehr Zeitnah einen „Protestartikel im tagSeoBlog“ geschrieben. Und auf der Basis eine Protestseite auf der Domain „Bildersuche.org“ ins Leben gerufen (http://www.bildersuche.org/verteidige-deine-bilder.php). Da Google derzeit versucht, mit einer ähnlichen Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht Massen zu mobilisieren, habe ich das Design und Wording an der Google-Kampagne „Verteidige Dein Netz“ angelehnt. Diese Seite besteht nur aus drei Social-Media-Buttons, die zeigen sollen, dass man sich einmischen möchte.

Mich haben dann einige Leute angesprochen, ob man nicht eine eigene Domain inkl. Unterschriften-Aktion daraus machen kann. Ich fand die Idee sehr gut, wollte aber nicht mit meinem Namen dahinter stehen.

Kulturmanagement-Blog: Warum nicht?

Martin Mißfeldt: Ich habe einfach befürchtet, dass die Seite durch die Nähe zu meiner Person angreifbar würde. Ich bin zwar in erster Linie Künstler und Kreativer, aber in der Online-Welt nehmen mich doch viele als „Seo“ wahr, da ich mich mit dem Thema „Optimieren von Bildern für Suchmaschinen“ beschäftige.

Daher hat der Düsseldorfer Fotograf Michael Schilling die Seite „verteidige-dein-bild.de“ in Leben gerufen. Vielen Dank an ihn für das Engagement. Über die Unterschriften dort ist es nun natürlich viel  leichter, Kontakt zu Gleichgesinnten herzustellen. Sollte es zu einer (oder mehreren) Klagen kommen, wird es sicherlich ein guter Weg sein, das finanzielle Risiko über Micro-Spenden auf vielen Schultern zu verteilen.

In erster Linie sehe ich jedoch bei allen Aktionen und kritischen Beiträgen vor allem ein Ziel: Schau her, Google, wir sehen genau hin, was da passiert. Und wir sind bereit, für unsere Interessen bzw. Bilder zu kämpfen.

Kulturmanagement Blog: Ist der Protest gegen die neue Bildersuche mit dem gegen das Leistungsschutzrecht vergleichbar?

Martin Mißfeldt: Nein. Beim Leistungsschutzrecht fordern die Verlage, dass sie für das Anzeigen von Snippets bezahlt werden. So ein Snippet ist ein kleiner Ausschnitt aus einem Artikel, es wäre am ehesten noch mit einem Thumbnail vergleichbar. Wir fordern jedoch nicht Geld dafür, dass Google ein Thumbnail anzeigt. Wir fordern, dass Google nicht das gesamte Bild in Vollgröße anzeigt. Das wäre etwas so, als wenn Google einen kompletten Artikel in der Ergebnisseite einbettet. Der Protest gegen die neue Bildersuche bedeutet nicht, dass man damit automatisch das Leistungsschutzrecht unterstützt.

Kulturmanagement Blog: Gibt es eine Möglichkeit, sich gegen die neue Bildersuche zu wehren?

Martin Mißfeldt: Google (und einige Schlaumeier) sagen, man könne die eigenen Bilder doch einfach via robots.txt aus der Googlesuche herausnehmen. Das stimmt, aber: Da Google ein Monopol bei der Suche im Internet hat, bedeutet das für viele Künstler-Homepages ein faktisches Versinken in der Bedeutungslosigkeit. Es ist ein echter Wettbewerbsnachteil, wenn man bei Google nicht gelistet ist. Abgesehen davon kann es doch nicht sein, dass Google von heute auf morgen plötzlich das System ändert, und alle sich überlegen müssen, ob sie nun mitmachen wollen oder nicht. Wenn Google seine Bildersuche komplett neu gestartet hätte, quasi mit einem leeren Bilderindex, dann wäre es OK gewesen, jeden vor die Wahl zu stellen. Aber es galten ja bislang komplett andere Spielregeln.

Zur Zeit sind eine Menge Leute dabei, Wege herauszutüfteln, wie man die neue Bildersuche austricksen kann. Ich sehe einige vielversprechende Ansätze. Zur Zeit teste ich einen, will aber erst mal ein paar Tage abwarten, bevor ich das in meinem tagSeoBlog vorstelle.

Auf jeden Fall ist das Thema noch nicht durch.

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten.

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Nicht der Verkauf steht im Vordergrund, sondern das Mitmachen

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Erst gestern habe ich via Facebook auf einen Artikel in der NZZ hingewiesen, der den Titel „Künstler in Panik“ trägt und sich mit den angekündigten Kürzungen der neuen englischen Regierung im Kunst- und Kulturbereich beschäftigt. Guido Froese, der Geschäftsführer des Nordkolleg, der Akademie für kulturelle Bildung in Rendsburg, schrieb dazu in einem Kommentar, dass auch dem Kunst- und Kulturbereich Deutschlands eine ähnliche Zukunft drohe, da etwa in Schleswig-Holstein viele Kultureinrichtungen bis 2012 mit 30% weniger Landesförderung auskommen müssen oder gleich ganz geschlossen werden. Was heute noch für Aufregung sorgt, siehe Hamburg, wird also schon bald der Normalzustand sein.

Als die Wirtschafts- und Finanzkrise so richtig bedrohlich wurde, meldeten sich viele (Kultur)-PolitikerInnen zu Wort und beruhigten, dass Kunst und Kultur bei uns sicher sei, weil ja die öffentliche Hand für deren Finanzierung sorge. Noch heute weisen die Damen und Herren gerne darauf hin, wie wichtig es sei, dass der Staat die Verantwortung für Kunst und Kultur trage. Die aktuelle Situation lässt mich an solchen Zusicherungen zweifeln. Es mag durchaus der Wunsch der Kulturpolitik sein, über entsprechende Budgets zu verfügen, keine Frage. Wenn dann aber plötzlich Museen und Theater geschlossen werden, dann heißt das für mich: ich glaube der Politik in dieser Hinsicht nicht mehr. Natürlich wird es weiterhin geförderte Kunst und Kultur geben, aber halt weniger, z.B. 30%, wie es bei Guido Froese anklingt. Wenn aber am Ende jedes zweite Museum, jedes zweite Theater geschlossen und eine Vielzahl von Initiativen oder Projekten mangels Geld beendet werden müssen, dann sind solche „Versprechungen“ zynisch und es ist unverantwortlich, sich nicht um Alternativen zu kümmern.

Wie dieser Prozess ablaufen wird, kann man sehr schön anhand des Pensionssystems nachvollziehen. Es hieß immer, die Pensionen seien sicher, was auch immer stimmte und wahrscheinlich auch heute noch stimmt. Nur wird das, was wir bekommen immer weniger, was dazu geführt hat, dass wir selbst die Initiative ergreifen müssen, um unser Leben im Rentenalter finanzieren zu können.

Die Wege, die man dabei einschlägt, können sehr unterschiedlich sein, denn bis jetzt weiß noch niemand, welcher Weg für den Kunst- und Kulturbereich der richtige ist. Ob ich mich  an den Rat eines internationalen Beratungsunternehmens halte und den Besucher wie darin gefordert mehr als Konsumenten sehe oder ob ich ihn eher als Prosumenten betrachte und die Modelle, die im Social Web entstehen, nutze, muss ich letzten Endes selbst entscheiden.

Wer mein Blog liest, weiß, dass ich ganz klar für den zweiten Weg plädiere und ich die Hoffnung habe, dass Kultureinrichtungen verstärkt auf den Community-Ansatz setzen und so überleben können. Das sage ich, weil ich in diesem einen Punkt der Prognose der Studie von AT Kearney glaube bzw. die Vorhersage noch eher für untertrieben halte, wenn es dort heißt, dass in Österreich jede zehnte Kultureinrichtung von der Schließung bedroht ist.

Was also tun? Patentrezepte gibt es leider noch nicht, aber jede Menge Ideen und Anregungen liefert zum Beispiel das folgende Interview, das Christoph Müller-Girod mit Gerd Leonhard im Rahmen von stARTmuseum10 geführt hat:

Leonhard rät darin Kultureinrichtungen, eine Marke aufzubauen.

„Es ist wichtig, eine Marke zu schaffen, die magnetisch ist,“

sagt er darin und weist darauf hin, dass man eine Marke nicht dadurch schafft, indem man ständig auf sich hinweist, sondern andere involviert, die dann von sich aus auf einen verweisen.

Dafür müsse man, so Leonhard, in Vorleistung gehen. Nicht der Verkauf von Produkten steht im Vordergrund, sondern das Mitmachen, wie Christoph Müller-Girod das im Interview sehr schön formuliert. Damit schafft man dann eine Marke, die man – Leonhard erwähnt das Beispiel Apple – früher oder später in Geld umwandeln kann.

Während Apple hier schon sehr weit ist, stehen Kultureinrichtungen erst am Anfang. Manche haben die ersten Schritte schon gesetzt, etwa die Met mit ihren Opernliveübertragungen oder die Berliner Philharmoniker mit der Digital Concert Hall. Aber auch kleine Kultureinrichtungen können und müssen zur Marke werden und versuchen, auf diesem Weg zu Geld zu kommen. Und das, bevor es zu spät ist.

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stART10: Frank Tentler im Interview

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Schon länger habe ich hier nicht mehr über die stART10 berichtet, die am 9. und 10. September in der Duisburger Mercatorhalle zum zweiten Mal über die Bühne gehen wird. Wir haben viele interessante SprecherInnen mit vielen spannenden Themen, aber warum das alles schreiben, Frank Tentler hat Frank M. Fischer vor einigen Tagen ein Interview gegeben und mit ihm über die stARTconference gesprochen.

Falls Sie Lust auf mehr bekommen haben, hier ist das Programm und der Weg zum Ticketshop ist auch nicht weit. ;-)