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Ein weltweites Netzwerk für die Kreativen: Shapeshifters-Gründer Erich Pöttschacher im Email-Interview

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creativity always emerges from collaborations and networks.” Dieses von Keith Sawyer stammende Zitat könnte wohl auch das Motto von shapeshifters, einem von Erich Pöttschacher gegründeten Social Network für Entrepreneurs aus dem kreativen Bereich sein. shapeshifters gehe es nicht darum, wie Gerhard Pretting für brand eins schrieb, wahllos so viele Menschen wie möglich anzusprechen, sondern jeder Kontakt solle zielorientiert sein und für die anderen TeilnehmerInnen einen realen Nutzen haben. Konkret heißt das: Erich Pöttschacher begann sein Projekt mit einer Liste, die 36 Namen von Menschen aus der ganzen Welt umfasste. Die galt es von seiner Idee zu überzeugen, mit shapeshifters ein globales Experiment zu starten, um kreative Menschen weltweit zu vernetzen und sich gegenseitig bei der Realisierung eigener Ideen zu unterstützen. Seitdem er diese 36 Personen überzeugt hat, touren er und sein Team durch die verschiedenen Kontinente und werben für das Vorhaben. Vor Ort und nicht im virtuellen Raum. Im Unterschied zu anderen Netzwerken kann man nur auf Einladung Mitglied bei shapeshifters werden. Was sich Erich Pöttschacher davon erwartet, welche Erfahrungen er in den letzten zwei Jahren mit shapeshifters gesammelt hat und welches seine Ziele sind, das habe ich ihn im Email-Interview gefragt: Kulturmanagement Blog: Erich, bei shapeshifters kann nicht jeder Mitglied werden. Welche Intention steckt dahinter? Erich Pöttschacher: Richtig, wir verfolgen klare Intentionen mit der invitation-only Strategie. Wichtig ist uns, dass das Einladen von neuen Usern und damit das Wachsen des Netzwerkes als ein bewusster und wertschätzender Vorgang erlebt wird, den alle mitbestimmen. Unsere user wissen, dass sie mit jeder Einladung über die Erweiterung des Netzwerkes und die Qualität der Interaktion mitentscheiden. Ob man bewusst von einer Person oder von einem anonymen Kettenbrief eingeladen wird, macht einen Unterschied. Es ist ein gutes Zeichen, wenn uns Leute schreiben, dass sie bewusst lange überlegen wen sie wirklich einladen wollen. Jedes posting, jede kommunikative Geste entscheidet mit, ob auf shapeshifters eine Kultur des globalen Vertrauens zwischen Gleichgesinnten aufgebaut wird. Uns allen geht es um Verbindungen, die einen Unterschied im realen Leben machen. Und bei unserer World Seeding Tour haben wir immer wieder von den Kreativen gehört, dass sie es ihnen nicht um die Masse der versendeten e-mails, sondern um die Klasse der Inhalte geht. Ausserdem sind wir ja nur ein halbgeschlossenes Netzwerk. Kommentieren kann ja jeder, aber nur die registierten user (bei uns gibt es keine Mitglieder) können postings verfassen. Kulturmanagement Blog: In den verschiedenen social communities gibt es immer eine große Zahl an passiven NutzerInnen, während die Zahl der aktiven UserInnen meist unter 5 Prozent liegt. Wie sieht das bei shapeshifters aus? Erich Pöttschacher: Genauso. Deutlich unter 5%. Wir wissen aber auch, dass unglaubliche Interaktionen zwischen den einzelnen usern ablaufen, ohne dass das anhand von konkreten comments erkennbar wäre. Wie gesagt, wir messen den Erfolg nicht an der Anzahl der Kommentare, sondern an der Anzahl der Menschen, die mit shapeshifters ein reales Problem lösen konnten. Und das sind weitaus mehr als man anhand der postings nur ansatzweise erahnen kann. Ich bin immer wieder erstaunt welche Projekte und Geschäfte sich da auf globaler Ebene ergeben. Manchmal durch Leute, die ewig lange nicht aktiv waren. Zumindest nicht offensichtlich. Unser Hauptaugenmerk bei shapeshifters gilt dem Ermöglichen von „magic encounters“. Das Verhältnis von aktiven zu passiven UserInnen ist nur eine Facette von vielen, die uns interessiert. Kulturmanagement Blog: shapeshifters existiert jetzt fast zwei Jahre. In ein paar Wochen werdet Ihr Eure „shapeshifters-Welttournee“ mit der Reise nach China und Japan abgeschlossen haben. Wie sieht Dein vorläufiges Fazit aus? Was hat besonders gut funktioniert und gibt es etwas, was Du aus heutiger Sicht anders machen würdest? Erich Pöttschacher: Wir haben unsere World Seeding Tour im Februar 2006 begonnen und waren in mehreren Etappen insgesamt 6 Monate unterwegs. Jetzt fehlen uns noch China, Japan, Indien und der Mittlere Osten. Bis zum Februar 2008 wollen wir die Tour abgeschlossen haben. Dann haben wir in zwei Jahren die Nord- und die Südhalbkugel jeweils einmal umkreist. Meine vorläufige Bilanz nach 1,5 Jahren: Die lernintensivste Zeit meines Lebens, Kulturschocks am laufenden Band und unsere Handlungsmöglichkeiten als Shapeshifters GmbH haben sich vervielfacht. Weggefahren sind wir mit einer Web 2.0 Plattform (und zwei postings), heute reden wir von vier Geschäftsbereichen und einer globalen Wissensagentur für die Creative Economy. Der Online-Bereich ist nur mehr die Spitze des Eisbergs. Besonders gut hat die direkte Ansprache der Kreativen funktioniert. Bis dato haben wir rd. 700 Menschen vor Ort getroffen und ihnen dieses Kommunikationswerkzeug vorgestellt. Wir sind nach wie vor das einzige Netzwerk der Welt, dass auf diese Art und Weise sozusagen persönlich „ausgesät“ wird. Das Echo war weltweit extrem positiv. Was würde ich anders machen? Ich würde mehr Reisebudget einplanen, damit wir nach Ende der ersten Welttournee sofort eine zweite starten können. Und ich würde von Anfang an noch selbstbewusster dazu stehen, dass dieses Unternehmen keinen in Stein gemeiselten Strategieplan hat, sondern ein emergentes Business-Modell verfolgt, bei dem sich die spannendsten Produkte und Dienstleistungen aus dem Tun ergeben. Mit allen Vor- und Nachteilen. Kulturmanagement Blog: Um im Kreativbereich erfolgreich zu sein, sind eine gute Geschäftsidee und entsprechendes Know-how Grundvoraussetzung. Oft fehlt es aber auch an Geld. Plattformen wie Kiva gehen hier mit dem Ansatz des Crowdfunding neue Wege, um den oftmals nicht sehr hohen Finanzierungsbedarf abzudecken? Gibt es im Sinne von Kollaboration Überlegungen, mit solchen Plattformen zusammen zu arbeiten oder könnte das ein Tool sein, das shapeshifters irgendwann einmal selbst zur Verfügung stellt? Erich Pöttschacher: Nein, es gibt keine Überlegungen mit derartigen Plattformen zusammenzuarbeiten. Dafür gibt es ganz konkrete Pläne mit Business Angels in allen Teilen der Welt zusammenzuarbeiten, die ganz bestimmte Kreative und hochqualitative Projekte suchen und diese auf shapeshifters entdeckt haben. Daher werden wir schon im nächsten Jahr eine neue Dienstleistung anbieten, die es bis dato noch nirgends gibt – und die allen Beteiligten hilft. Kulturmanagement Blog: Erich, Du hast vor zwei Jahren einen Investor gefunden, der auch von finanziellen Erfolg Deiner Idee überzeugt ist. Du selbst hast gesagt, dass shapeshifters mit dem einzigartigen Wissen über Mikrounternehmen Geld verdienen kann. Kommt nach Crowdsourcing und Crowdfunding nun das „Crowdearning-Modell“ oder schwebt Dir etwas Anderes vor? Erich Pöttschacher: Uns schwebt etwas ganz Anderes vor. Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren unglaublich viel gelernt. Wir haben ganz neue Informationsbedürfnisse entdeckt über die heute noch gar niemand spricht. Manche dieser neuen Bedürfnisse sind überhaupt erst entstanden, weil es Social Software in dieser jetzigen Form gibt. Andere sind von Europa aus gar nicht zu erkennen. Deswegen starten wir im Jahr 2008 mit maßgeschneiderten Dienstleistungen, die sich an ganz bestimmte Personengruppen und Nischen richten und mit Web 2.0 so gut wie gar nichts zu tun haben. Wir machen uns einfach die Tatsache zunutze, dass wir als Wissensagentur für die Creative Economy einen einzigartigen globalen Überblick haben und spannende Querverbindungen sehen, die für die meisten Menschen unsichtbar bleiben. Während www.shapeshifters.net auch weiterhin kostenfrei sein wird, werden diese neuen Business-to-Business Dienste nach einem ganz anderen Prinzip funktionieren und nichts mit der Online-Kommunikation zu tun haben. Wir kooperieren mit anderen Medienformaten, starten eine ganz neue Dienstleistung im Investment-bereich und bieten einen globalen Suchdienst an, der vollkommen unerforschte Wissensgebiete abdeckt. Welche Art Wissen für die Unternehmer da draussen relevant ist – manchmal sogar lebensnotwendig – haben wir erst in vielen hunderten Gesprächen und Präsentationen gelernt. Teile dieses Wissen können wir jetzt in konkrete Formen („shapes“) bringen und dafür sorgen, dass kleine und kleinste Unternehmen im Kreativbereich davon profitieren. Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten!

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