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Treffpunkt KulturManagement: Das Prinzip „unperfekt“ in der Kultur

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Bild: Unperfekthaus Essen„; (CC BY 3.0) auf Wikimedia Mit dem Unperfekthaus in Essen verbinde ich einen sehr aufregenden Tag. 2010 fand dort das erste stARTcamp statt und wir waren gespannt, ob alles so funktionieren würde, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es war ein tolles Erlebnis und das Premiere war für mich genauso schön wie alle anderen stARTcamps, die später folgen sollten. Im Anschluss daran sahen wir dann das Viertelfinalspiel der Fussball-WM in Südafrika Deutschland gegen Argentinien. Später am Abend wurde dann der Himmel schwarz und es folgte ein sehr heftiges Gewitter. Soweit mein Bezug zu diesem wohl einzigartigen Haus. Ob gemeinsames Barcamp oder Fussball schauen, das Unperfekthaus ist prädestiniert dafür, etwas gemeinsam zu tun. Es ist ein Ort der Kreativität, gegründet und bis heute betrieben von Reinhard Wiesemann, dem es ein Anliegen ist, die Kultur zu den Menschen zu bringen. Wiesemann ist kein ausgebildeter Kulturmanager, beruflich nie im Kulturbetrieb tätig gewesen – aber dort künstlerisch, finanziell und unternehmerisch erfolgreich. Wie er das geschafft hat, das erzählt er beim 48. Treffpunkt KulturManagement, der am kommenden Mittwoch, den 27. August um 9 Uhr stattfinden wird. Das Konzept des 2004 in Essen eröffneten Unperfekthauses basiert auf der Freiheit des Ausprobierens. Künstler bekommen dort die Möglichkeit, ihre Ideen frei umzusetzen, ohne Qualitätskriterien oder Vorgaben. Das Unperfekthaus ist aber auch ein Restaurant und Veranstaltungsort, der die Kunst und die Menschen zusammenbringen soll, damit sie sich gegenseitig inspirieren. Diese Idee funktioniert, das Haus trägt sich finanziell selbst, es wertet das Viertel und die gesamte Kreativszene Essens auf. Doch für Wiesemann ist damit nicht Schluss. Das, was er in zehn Jahren Unperfekthaus über Kultur und Werte gelernt hat, möchte er weiter geben und sucht dafür immer neue Ideen und Konzepte – sei es ein Mehrgenerationen-Kultur-Haus, ein Businesshotel oder eine Kooperation mit der Kirche. Seine Ideen entstehen nicht am unternehmerischen Reißbrett. Stattdessen überlegt Wiesemann, was die Menschen brauchen, wo die Lücken sind und wie man sie so mit Kultur füllen kann, dass sie sich rentieren. Wiesemanns Ideen sind vielfältig und ungewöhnlich, aber trotzdem auch auf andere Städte und Kreativorte übertragbar (Mehr dazu im KM Magazin August 2014). Beim Treffpunkt KulturManagement spricht Wiesemann nun über Visionen für die Kreativwirtschaft, unternehmerischen Realitätssinn und darüber, Menschen für Kultur zu begeistern.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 27. August, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 27. August dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind. Hier noch einmal die wichtigsten Infos: Treffpunkt KulturManagement Termin: 27.08.2014 von 09:00 bis 10:00 Thema: Das Unperfekthaus Essen Gast: Reinhard Wiesemann
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Das neue EU-Kulturförderprogramm „Creative Europe“ verspricht mehr Geld für Kunst und Kultur

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609407_original_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de © Gerd Altmann ; Pixelio Noch in diesem ersten Halbjahr und damit unter der irischen Ratspräsidentschaft soll das neue EU-Förderprogramm „Kreatives Europa“ endgültig fixiert werden. Als die Europäische Kommission am 23. November 2011 ihre Pläne präsentierte, war klar, dass sich das neue vom alten Programm erheblich unterscheiden wird. In ihrer Presseaussendung machte die Kommission klar, dass es ihr fortan nicht mehr nur um Kunst und Kultur, sondern um den gesamten Kreativbereich gehen wird (siehe dazu auch mein Blogpost „EU: das neue Förderprogramm ‚Kreatives Europa‘„). Zwar wird das Programm weiterhin die kulturelle und sprachliche Vielfalt bewahren und fördern, wie es darin heißt. Zugleich stellt die Kultur- und Kreativbranche aber auch einen wichtiger Treiber für Wachstum und Beschäftigung dar, ökonomische Aspekte spielen also eine gewichtige Rolle und vermutlich sind sie es, die dazu geführt haben, dass das neue Rahmenprogramm für den Kultur- und Kreativsektor für die Jahre 2014 bis 2020 mit insgesamt 1,8 Mrd. Euro wesentlich üppiger dotiert ist als seine Vorgängerprogramme. Es wird dabei nicht nur die Förderprogramme Kultur, Media und Media Mundus zusammenführen, sondern darüber hinaus einen eigenen Garantiefonds auflegen, über den kleine und mittlere Unternehmen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft an rückzahlbare Darlehen kommen können. Das klingt beim ersten Hinhören so gar nicht nach einem Förderinstrument für kleine Theater oder Kammerorchester, aber wenn dadurch Zwischenfinanzierungen ermöglicht werden, wäre das schon mal recht hilfreich, schließlich stehen nicht jeder Kultureinrichtung fünf- oder sechsstellige Beträge aus dem Cash-Flow zur Verfügung. Um die beiden Ziele „Förderung der kulturellen Vielfalt“ und „Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Kreativsektors“ erreichen zu können, setzt die Kommission verschiedene Prioritäten. Im Rahmen von kreatives Europa geht es ihr um:
  • die Föderung der transnationalen Mobilität von AkteurInnen und Werken,
  • die Entwicklung von Kompetenzen für transnationale Zusammenarbeit,
  • die Erschließung neuer Publikumsschichten,
  • die Stärkung der Finanzkraft des Kultur- und Kreativsektors sowie
  • die Entwicklung einer transnationalen politischen Zusammenarbeit in diesen Bereichen.

Das Programm „Kreatives Europa“ gliedert sich in drei Aktionsbereiche

Aber schauen wir uns das Programm mal etwas genauer an. 30 Prozent des Gesamtbudgets sind für den Aktionsbereich Kultur bestimmt, das sind knapp 500 Mio. Euro, immerhin eine Steigerung gegenüber dem jetzt laufenden Kulturförderprogramm von gut 20 Prozent. Investiert wird diese Summe in grenzüberschreitende Kooperationen, den Aufbau europäischer Netzwerke, literarische Übersetzungsprojekte, den Aufbau einer Plattform, die die Mobilität von KünstlerInnen und Werken fördern soll sowie in Großprojekte wie die Kulturhauptstadt und – neu – ein Kulturerbe-Siegel. Wer sich ein klein wenig mit der Materie auskennt, stellt fest, dass sich in diesem Bereich wohl nicht sehr viel ändern wird. Die Frage ist, ob hier irgendwelche Grenzen zur Kreativwirtschaft gezogen werden? Was ist zum Beispiel mit der Architektur, bei der es natürlich Überschneidungen mit dem künstlerischen Bereich gibt. Je offener man sich hier gibt, desto mehr wird die doch immerhin gut zwanzigprozentige Erhöhung des Budgets verwässert. Den Löwenanteil, nämlich 55 Prozent oder 950 Mio. Euro erhält der Aktionsbereich Media. Wie auch schon in der Vergangenheit geht es hier um die Fördermaßnahmen in den Bereichen
  • Training und Vernetzung,
  • europäische Koproduktionen,
  • Internationalisierung,
  • Verleih- und Vertriebsförderung sowie
  • Vermarktung.
Hinzu kommt noch der Wunsch, die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle unterstützen zu wollen. Gerade im Medienbereich passiert da recht viel, denke wir nur an den Hype rund um das Thema Crowdfunding. Bleibt noch der neu geschaffene „sektorenübergreifende“ Bereich, in dem es einerseits um die Einrichtung eines Garantiefonds für KMU geht und andererseits um die transnationale politische Zusammenarbeit. Knapp 300 Mio. Euro oder 15 Prozent des Budgets sind dafür vorgesehen, mit etwas mehr als 200 Mio. Euro wird der Löwenanteil in den Garantiefonds fließen. Abgewickelt wird das Geschäft über die Banken, der European Investment Fund trägt im Falle des Scheiterns 70 Prozent des Risikos, die restlichen 30 Prozent übernehmen die Banken. Im Rahmen der transnationalen Zusammenarbeit werden Austausch und Vernetzung der Kulturakteure inklusive der Politikverantwortlichen angestrebt. Außerdem ist unter anderem die Einrichtung einer Informationsstelle in Straßburg geplant.

Von der Theorie in die Praxis

Zwar gibt es noch keine Unterschriften unter dem neuen Förderprogramm, aber der Rahmen ist abgesteckt. Und da es bereits im Sommer mit großer Wahrscheinlichkeit die nächste Ausschreibung geben wird, macht es Sinn, sich schon jetzt mit dem neuen Programm zu beschäftigen. Der deutsche Cultural Contact Point (CCP) bietet hierzu Ende März mehrere eintägige Seminare in Bonn, Berlin und Filderstadt an, in denen Sie auf die kommenden Ausschreibungen vorbereitet werden. Neben den formalen Kriterien, die es zu beachten gilt, erfahren Sie im Rahmen dieser Veranstaltungen auch, wie Sie an so eine Antragstellung herangehen. Falls Sie Interesse daran haben, hier finden Sie alle Informationen zum Seminarangebot des CCP Germany. In Österreich wird es solche Veranstaltungen vermutlich so wie in den letzten Jahren auch geben. Über die Termine werde ich Sie dann hier informieren.
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Beim Treffpunkt KulturManagement geht es am 18. Juli um die Kreativwirtschaft

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Mit dem neuen Förderprogramm „Kreatives Europa“ versucht die EU den Spagat zwischen Kunst, Kultur und der Kreativwirtschaft zu schaffen. Dabei sollen „die Kulturschaffenden in Europa (.) das Potenzial des ‚digitalen Zeitalters‘ und der Globalisierung besser nutzen, um damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und neue Publikumsschichten zu erreichen. Dabei spielen eine verbesserte finanzielle Unterstützung für transnationale Kulturaktivitäten innerhalb und außerhalb der EU und ein vereinfachter Zugang zu Förderinstrumenten und Bankanleihen auch für kleinere Akteure eine wichtige Rolle“, heißt es auf der Website des Cultural Contact Point Germany. Globalisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Bankanleihen, das sind Begriffe, die dem klassischen Kunst- und Kulturbereich eher fremd sind. Wenn nun aber ab 2013 auf europäischer Ebene Kunst und Kreativwirtschaft näher zusammenrücken und Unterstützung aus einem gemeinsamen Förderprogramm erhalten, dann macht es Sinn, sich etwas eingehender mit der Kreativwirtschaft zu beschäftigen und zu lernen, wie sie funktioniert. Schließlich geht es für uns alle darum, ab 2013 ein möglichst großes Stück aus dem Förderkuchen zu schneiden und egal, wie man dazu steht: sich zu informieren ist sicher kein Nachteil. Deshalb haben wir zu unserem nächsten Treffpunkt KulturManagement am 18. Juli um 9 Uhr Dirk Kiefer, den Leiter der Thüringer Agentur für Kreativwirtschaft (THAK), eingeladen. Die Agentur unterstützt die Kreativwirtschaft als Innovations- und Wachstumsmotor in der mittelständisch geprägten regionalen Wirtschaft Thüringens. Die kreative Szene ist mitnichten auf die strahlkräftigen europäischen Metropolen beschränkt, sondern durch ihre mobile, flexible und netzwerkorientierte Arbeitsweise als Klammer für Wertschöpfung gerade auch zwischen den großen Städten geeignet, so die Idee. Dirk Kiefer beleuchtet in diesem Treffpunkt KulturManagement das Thema „Kultur- und Kreativwirtschaft“ aus zwei verschiedenen Blickwinkeln: einerseits beschreibt er die Erwartungen der öffentlichen Stellen, andererseits beschäftigt er sich aber auch mit der Frage, welche Form der Unterstützung die kreativen Unternehmen benötigen? Konkret werden folgende Fragen beleuchtet: Was ist die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland? Wie sieht der internationale Kontext dieser – für Deutschland – neuen Branche aus? Woraus leitet sich die Notwendigkeit einer spezifischen Wirtschaftspolitik für diese so heterogene Branche ab? Wie sehen die Potenziale der Kreativwirtschaft im Vergleich Metropolen zu Regionen aus und welche Implikationen ergeben sich für kreative UnternehmerInnen? Für mich stellt sich darüber hinaus die Frage, in welcher Form der Kunst- und Kulturbereich von dieser Entwicklung profitieren kann? Die Diskussion über das neue Förderprogramm „Kreatives Europa“ ist derzeit voll im Gange, zum Beispiel in den Kulturpolitischen Mitteilungen. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, Kreativwirtschaft und den Kunst- und Kulturbereich gegeneinander auszuspielen. In meinen Augen würde letzterem ein klein wenig mehr unternehmerisches Denken und Handeln nicht schaden, schließlich fehlt es an allen Ecken und Enden an Geld. Aber auch die meist kleinen Unternehmen der Kreativwirtschaft leiden unter Geldmangel, die Realität sieht meist etwas trister aus als es uns die Hochglanzbroschüren Glauben machen wollen. Wer kann also von wem lernen? Ich hoffe, am Ende dieses Treffpunkt KulturManagement bin ich etwas klüger. ;-)

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 18. Juli, einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren. Hier noch einmal die wichtigsten Infos: Treffpunkt KulturManagement Termin: 18.07.2012 von 09:00 bis 10:00 Thema: Kreativwirtschaft in Deutschland – Zwischen Metropolen und regionaler Industrie Gast: Dirk Kiefer (Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft) Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement
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Innovationspotenziale in der Musikwirtschaft: ein White Paper steckt den Rahmen ab

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Dass es der Musikindustrie schon mal besser ging, ist keine ganz neue Erkenntnis. Viele trauern den vergangenen Zeiten nach, in denen über den Verkauf von Schallplatten und CD enorme Umsätze erzielt werden konnten. Mit dem Aufkommen des Internets hat sich für viele Player im Musikbusiness die wirtschaftliche Lage verschlechtert, auf der anderen Seite bietet es aber auch neue Möglichkeiten für Finanzierung, Marketing und Vertrieb. Theoretisch, denn in der Praxis bauen sich jede Menge Hürden auf und so hält sich die Zahl der Erfolgsstorys bis heute in Grenzen. Die Herausforderung besteht darin, neue Geschäftsmodelle für die Musikwirtschaft zu entwickeln. Hier setzt der aktuelle Fördercall von Departure, der Kreativagentur der Stadt Wien an. Im Unterschied zu den klassischen Förderprogrammen, in denen die Produktion von Kunst gefördert wird, geht es hier um „Innovationspotenziale und neue Wertschöpfungsmöglichkeiten“. Im Vorfeld zu diesem Call entstand ein White Paper, das als Grundlage dieses Förderwettbewerbs dient und die Aufgabe hat,
„rezente Entwicklungen dar(zu)stellen, Probleme (zu) analysieren und (…) eine Reihe von Innovationspotenzialen auf(zu)zeigen“,
wie Departure-Geschäftsführer Christoph Thun-Hohenstein in seinem Vorwort schreibt. Es soll Produkte, Prozesse und Dienstleistungen identifizieren,
„die zum einen eine neuartige Verknüpfung von bereits Bestehendem darstellen und zum anderen das Potenzial haben, nachhaltig marktfähig zu sein“,
formuliert es Peter Tschmuck, unter dessen Federführung das White Paper entstanden ist. Nur auf diese Weise werden diejenigen, die sich der österreichischen Musikwirtschaft zurechnen lassen, überleben können, lautet der Grundtenor dieses Papers, das auch als PDF online zur Verfügung steht. Für den Publizisten Walter Gröbchen ist klar, dass die Innovation sich nicht von alleine einstellt, sondern die Branche ihre Hausaufgaben machen muss. Zwar sei nicht der Weg das Ziel, aber wer „unterwegs“ nicht auf Professionalisierung, Internationalisierung und Spitzenförderung setze, habe keine Chance, zur „A-Klasse der österreichischen Musikwirtschaft zu gehören. Nun ist Innovation ein großes Wort. Wie sollte eine Idee aussehen, um sich am noch bis Oktober laufenden Call beteiligen zu können? Hilfreich ist in dieser Hinsicht Kapitel 1 des White Papers, in dem KünstlerInnen wie Wilfried Brandstötter, Susanne Kirchmayr oder Eva K. Anderson erklären, wo sie eigentlich aktuell Handlungsbedarf sehen? Letztere fordert unter anderem InformationsbrokerInnen, die den KünstlerInnen als eine Art Lotse zur Seite stehen:
„Konkret braucht es Leute, die in der Lage sind, weltweit Kontakte herzustellen und zu nützen. Leute, die innovative Ideen haben, wie man heutzutage Musik aus der Informationsflut hervorhebt und bekannt macht.“ (S.20)
Peter Tschmuck kann sich vorstellen, dass diese InformationsbrokerInnen in zweierlei Hinsicht eine Selektionsfunktion übernehmen. Einerseits für die KünstlerInnen, andererseits aber auch für die KonsumentInnen, denen auch geholfen wäre,
„wenn systematisch zu ihrem Musikgeschmack neue Angebote ausfindig gemacht und kommuniziert würden“. (S.24)
Als sogenannte Intermediäre gehören sie, so Peter Tschmuck, zu jenen AkteurInnen, die durch ihre Leistungen die Anbieter und Nachfrager von Musik zusammen bringen. Tschmuck, der sich in seinem eigenen Blog schon seit längerer Zeit mit Fragen der Musikwirtschaftsforschung beschäftigt, unterscheidet zwischen den alten und den neuen Intermediären und wünscht sich dafür auch „neue Verknüpfungen außerhalb der Musikindustrie“. Das White Paper versucht, auf die vielen Bereiche, in denen Innovation stattgefunden hat oder stattfinden könnte, einzugehen und versucht, auch durch die vielen Interviews, die Vielschichtigkeit dieser Branche darzustellen. Am Ende, so fasst Tschmuck die vielen Beiträge zusammen, kristallisieren sich fünf Innovationsfelder heraus, es geht um Produkt-, Prozess, Dienstleistungs- Schnittstellen- und Netzwerkinnovationen. Hier setzt der Fördercall von Departure an, der noch bis zum 3. Oktober läuft und das Ziel hat, die Musikwirtschaft in der Stadt Wien zu stärken. Das dies nicht so einfach ist, das zeigt der Beitrag des Medien- und Musikexperten Carsten Winter, der sich in seinem Beitrag mit der Situation der Musikwirtschaft in Berlin beschäftigt und deutlich macht, dass sich Innovation nicht planen lässt. Es sind höchstens die Rahmenbedingungen, aber die Beschreibung Berlins mit „arm, aber sexy“ deutet eher darauf hin, dass hier kein politisches Konzept dahinter steht, ganz im Gegenteil. So zeugt es von einer sehr realistischen Erwartungshaltung, wenn Christoph Thun-Hohenstein in seinem Vorwort schreibt:
„Es versteht sich von selbst, dass bahnbrechende Neuerungen immer willkommen sind, doch wäre es vermessen, solche von diesem Förderwettbewerb automatisch zu erwarten.“
Der von ihm verwendete Begriff der Zwischentöne passt da ganz gut.
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Kultur- und Kreativwirtschaft: auch in Deutschland gibt es einen Leitfaden für GründerInnen und Selbständige

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Am Wochenende hatte ich in einem Beitrag auf den in Österreich veröffentlichten Leitfaden „„Die Gesellschaft der Kreativen – Wertschöpfung im Zeitalter der Kooperation“ aufmerksam gemacht. Eine ähnliche Broschüre gibt es in Deutschland auch. Auf der Website der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung findet sich der Hinweis auf die Publikation „Alles, nur kein Unternehmer?„, die als PDF kostenlos zum Download angeboten wird. Darin gibt es „Tipps für Gründerinnen, Gründer und Selbständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft“, wie es im Untertitel heißt. Themen sind unter anderem der Businessplan, Förderungen , die Frage der Rechtsform und der Umgang mit dem Finanzamt.
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Leitfaden: „Die Gesellschaft der Kreativen – Wertschöpfung im Zeitalter der Kooperation“

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„Zwei von drei der 36.000 österreichischen Kreativunternehmen arbeiten als Solo-Selbstständige ohne eigene MitarbeiterInnen“,
wird Gertraud Leimüller, Vorsitzende der creativ wirtschaft austria (cwa) in der Ankündigung des Leitfadens „Die Gesellschaft der Kreativen – Wertschöpfung im Zeitalter der Kooperation“ zitiert. Die Zusammenarbeit in Partnerschaften oder Kooperationen, das Arbeiten in Netzwerken sind oftmals die Voraussetzung für das wirtschaftliche Überleben. Worauf man dabei achten muss, zum Beispiel auch in rechtlicher Hinsicht, das versucht dieser Lietfaden zu vermitteln, den man entweder hier kostenlos als Broschüre bestellen oder sich auch als PDF downloaden kann. Die beiden Autorinnen Nina Popp und Marie-Theres Zirm erklären unter anderem, warum Netzwerke so wichtig sind, ein Serviceteil listet dann gleich die für Österreichs Kreative relevanten Netzwerke auf. Hat man jemanden gefunden, mit dem man zusammenarbeiten möchte, stellt sich die Frage, wie man die Kooperation vertraglich absichert und welchen rechtlichen Rahmen (bezieht sich ebenfalls auf Österreich) man ihr gibt? Sehr wertvoll ist vermutlich für viele die Adress- und Linkliste am Ende der Broschüre, die so umfangreich ist, dass ich sie mir in der Printausgabe bestellt habe. Insgesamt ein hilfreiches Serviceangebot, dessen einziges Manko ein zu knapp ausgefallenes Inhaltsverzeichnis ist.
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„Mit Medienmusik erfolgreich in der Kreativwirtschaft“ (Rezension)

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Gleich vorweg: mit dem von Andreas Bode und Christopher Mueller verfassten Buch Mit Medienmusik erfolgreich in der Kreativwirtschaft habe ich ein Problem. Nein, das Buch ist nicht schlecht. Es ist sogar für viele äußerst hilfreich, vermute ich. Warum in diesem Buch aber das Thema Musiknutzung und Kreativwirtschaft verbunden werden, verstehe ich einfach nicht. Ich möchte auch gar nicht behaupten, dass diese Kombination nicht passt. Nein, mir ist nur die Klammer nicht klar. Warum heißt es im Untertitel: „Ein praxisorientierter Leitfaden für die professionelle Musiknutzung in der Kreativwirtschaft“ und nicht einfach „Ein praxisorierientierter Leitfaden für die professionelle Musiknutzung“? Zweiterem wird das Buch nämlich voll gerecht. Wenn es aber in einem der Kommentare auf Amazon heißt:
„Der Existenzgründerteil ist einmalig gut und ein Muß für jeden Existenzgründer!“,
dann kann sich das ja nur auf das 15 Seiten umfassende Kapitel „Existenzgründung in der Kreativwirtschaft“ (S. 148ff) beziehen (ok, es gibt auch noch einen Serviceteil), bei insgesamt 270 Seiten aber eben nur eines von mehr als 40 Kapiteln. Aber gut, lassen wir das. Dieses Buch ist trotzdem lesenswert und hilfreich für all diejenigen, die Musik nicht an die Konsumenten, also an die Endverbraucher verkaufen wollen, sondern Musik im B2B-Bereich einsetzen möchten. Die sogenannte Medienmusik, also die Musik, die gezielt in den Medien eingesetzt wird, wird zu ganz unterschiedlichen Zwecken eingesetzt:
  • sie weckt Emotionen (etwa im Bereich Werbung oder als Filmmusik),
  • sie transportiert in Verbindung mit einem Produkt Gefühle und Botschaften,
  • sie dient der Imagebildung und
  • sie hilft Produkte zu verkaufen.
Das heißt, dass der künstlerische Anspruch unter Umständen in den Hintergrund tritt, denn das Ziel von Medienmusik ist es ja,
„das entsprechende Medium und seine Inhalte musikalisch in ihrer Wirkung optimal zu unterstützen,“
wie Bode/Mueller schreiben. Dass man hierzu auf Hits zurückgreift beziehungsweise eine Komposition in Auftrag gibt, war mir klar. Interessant ist aber der Bereich der Produktionsmusik, den die beiden Autoren recht ausführlich darstellen. Hier steht nicht so sehr der Geschmack der Konsumenten im Vordergrund, sondern das Produkt. Komponisten haben hier eine Art kreative Spielwiese gefunden, auf der sie sich austoben können. Ob „Musikbetten“, „Soundscapes“ oder Jingles, die Autoren erklären, welch unterschiedliche Arten von Produktionsmusik es eigentlich gibt. Das Feld, in dem Medienmusik eingesetzt wird, ist ein sehr weites. TV, Radio, Film und Internet sind uns allen klar, aber  Musik ist, so die Autoren, auch aus dem Hörbuch nicht mehr wegzudenken. Ein anderes Beispiel stellen die Computerspiele dar, die auch nicht (mehr) ohne Musik auskommen. Ein enormes Potenzial, wenn man bedenkt, dass der Markt für Onlinespiele nach Angaben der Autoren jährlich um 60 Prozent wächst. Nach diesem Überblick über die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von Musik kommt das in meinen Augen wichtigste Kapitel, in dem die rechtlichen Rahmenbedingungen beschrieben werden, um Musik kommerziell nutzen zu können. Völlig richtig stellen Bode und Mueller fest, dass es für viele eine gewaltige Herausforderung bedeutet, sich die entsprechenden Rechte zu verschaffen, um später keine rechtlichen Probleme zu bekommen. Welche Rechte hält die KomponistIn in Händen, welche die KünstlerIn? Und was ist der Unterschied zwischen Musikverlag und Tonträgerhersteller? Auf solche Fragen geben die Autoren eine klare Antwort und erklären, worin der Unterschied zwischen der UrheberIn und der Leistungsschutzberechtigten bestehen. Wer das dann noch nicht verstanden hat (obwohl die Autoren es uns wirklich leicht machen) oder das Gelesene wieder vergessen hat, der wird wahrscheinlich immer wieder mal das Buch in die Hand nehmen und Seite 217ff aufschlagen. Für jedes einzelne Medium, also etwa TV, Radio oder auch Podcast beschreiben die Autoren in aller Kürze den rechtlichen Rahmen und erklären, wie man vorgehen muss, um an die entsprechenden Rechte zu kommen. So muss beispielsweise bei Klingeltönen das Herstellungsrecht vom Musikverlag erworben werden, während die GEMA für die Vervielfältigungsrechte zuständig ist. Ebenfalls zum Nachschlagen: die häufig gestellten Fragen als „Service für professionelle Musiknutzer (…), die mir noch einmal die Chance geben, den Unterschied zwischen Musikverlag und Tonträgerfirma in Kurzform nachlesen und hoffentlich dann auch verstehen zu können. Oder wussten Sie, dass die GEMA bei gewerblich betriebenen Homepages für bis zu 5 Minuten Musik 25. Euro im Monat verlangt, so die Seite nicht mehr als 21.000 Visits hat? Wenn Sie das nicht glauben, können Sie das auf der Website der GEMA nachlesen, leicht zu finden über die Link- und Literaturliste, die das Buch abschließt. Mein Fazit: wer sich mit der kommerziellen Nutzung von Musik beschäftigt und bis jetzt keine Ahnung hat, worauf man dabei alles achten muss oder gerne einen Ratgeber besitzt, in dem er nachschlagen kann, dem kann ich dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. Ein Ratgeber für die Kreativwirtschaft bzw. für Existenzgründer ist dieses Buch in meinen Augen nicht. Es sei denn, es geht um Musik.
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Die „vlow!10“, eine Konferenz an der Schnittstelle von Architektur und Information

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Um die Vernetzung von Kommunikation, Design und Architektur geht es bei der vlow!10, einer Konferenz, die vom 22. bis 24. April im Bregenzer Festspielhaus stattfindet und sich dem Thema „Erzählende Räume“ widmet.
„Es geht um das Zusammenspiel von Architektur und Information, zum Beispiel bei der Gestaltung von Museen und Ausstellungen, bei der Positionierung von Marken auf Messen und im Verkauf sowie bei Orientierungs- und Leitsystemen“,
heißt es in der Presseaussendung. Vorgestellt wird unter anderem das vom Architekturlabel Graft realisierte „Pink Project“, das sich als Kommunikations- und Fundraising-Projekt versteht. In einem vom Orkan Katrina zerstörten Wohngebiet in New Orleans haben die Architekten leuchtende, pinkfarbene Zeltskulpturen aus Gerüst und Textil aufgestellt und machen so auf die Schwierigkeiten beim Wiederaufbau der Stadt aufmerksam. Aber es geht auch um Beschriftungs- und Orientierungssysteme, wie sie zum Beispiel Museen benötigen. Ein interessanter Sprecher ist in diesem Zusammenhang Edelbert Köb, scheidender MUMOK-Direktor und Gründungsdirektor des Kunsthauses Bregenz oder auch Roland Lambrette, einer der Geschäftsführer des Atelier Markgraph, das unter dem Begriff „Kunst im Raum“ Architektur und Kommunikation zu verbinden versucht und unter anderem für den Mercedes Benz-Auftritt auf der IAA2009 verantwortlich ist. Die vlow!10 beschäftigt sich mit jenen gestalterischen Aufgabenstellungen, die sich im Dialogfeld zwischen Information und Raum befinden. „Wer diese Herausforderungen auf einem zeitgenössischen Niveau meistern will“, so heißt es auf der vlow!10-Website, „muss sich zuerst um das Design des entscheidenden Zwischenraumes kümmern: um den Prozess zwischen den Disziplinen.“ Wer aber ist in diesen Zwischenräumen tätig und wen treffe ich auf der vlow!10 in Bregenz?  Ich habe Helga Ginzinger, die Organisatorin der Konferenz, gebeten, diese und ein paar Fragen zur vlow!10 zu beantworten. Kulturmanagement Blog: Auf der Konferenzwebsite ist von Vernetzung, von Zwischenräumen und Dialogfeldern die Rede. Wen werde ich auf der vlow!10 treffen und für wen lohnt es sich, bei der Konferenz dabei zu sein? Helga Ginzinger: Auf der VLOW!10 treffen sich im Festspielhaus Bregenz Architekten, Designer und Kommunikationsexperten – weiters kommen Grafik- und Industriedesigner, Ausstellungsgestalterinnen, Mediengestalter und –techniker, Auftraggeber und Studierende. Kulturmanagement Blog: Im Programm ist immer wieder der Hinweis auf Projekte aus dem Museumsbereich zu finden. So wird nicht nur Edelbert Köb als Sprecher auftreten, sondern zum Beispiel auch Barbara Holzer, die bei Daniel Libeskind mehrere Jahre Projektleiterin für den Bereich Ausstellungen und Museen war. Ist die Schnittstelle Architektur, Kommunikation und Information für den Museumsbereich besonders bedeutsam oder sind die „erzählenden Räume“ generell für Kunst und Kultur interessant? Helga Ginzinger: Natürlich ist die VLOW!10 auch für Kunst und Kultur interessant – auch hier treffen unterschiedliche Disziplinen aufeinander und arbeiten zusammen. Kulturmanagement Blog: Ist die vlow!10 eine Konferenz, auf der vor allem vorgetragen wird oder gibt es noch andere Formate? Und wie sieht es mit der Vernetzung untereinander aus? Auf Ihrer Website heißt es: „Das Beste an Kongressen ist die Pause.“ Ist die Pause in Bregenz Programm? Helga Ginzinger: Natürlich gehört die Pause zum Programm – in den Kaffee- und Mittagspausen verwöhnen wir unsere Teilnehmer mit ausgewählten Speisen aus der Region. Am Samstagvormittag gibt es den Open Space – bei diesem Kongressformat bringen die Teilnehmer Themen ein, über die sie sprechen möchten. Open Space ist eine professionell begleitete Konferenzmethode, mit dem Ziel, die Teilnehmenden mit Ihren Kompetenzen, Nachfragen und Angeboten perfekt untereinander zu vernetzen. Denn Jeder und Jede ist ein potenzieller Kooperationspartner. Unsere Teilnehmer haben in Folge die Auswahl von bis zu 20 unterschiedlichen Workshops. Kulturmanagement Blog: Kurz gefragt: gibt es noch Tickets? Was kosten die und gibt es irgendwelche Ermäßigungen? Außerdem habe ich von speziellen Flugangeboten gelesen. Sind die noch aktuell? Helga Ginzinger: Es gibt noch Tickets – der Preis pro Ticket beträgt 456 Euro. Ermäßigungen gibt es für Mitglieder des VAI, der Fachgruppe der Werber sowie design Austria. Für Teilnehmer, die mit der Intersky anreisen gibt es spezielle Flugtarife (z.B. Abflug in Wien oder Graz 45 Euro exklusive Taxen), welche auf der Homepage zu finden sind. Studierende fliegen zum Beispiel für nur einen Euro (dazu kommen noch die Taxen) nach Friedrichshafen, von wo man in 20 Minuten mit dem Shuttle-Bus nach Bregenz kommt. Kulturmanagement Blog: Ich bedanke mich für die Antworten. Alle Informationen zur vlow!10 finden Sie auf der Konferenzwebsite.
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Studie: Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland

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Studie Um die „gesamtwirtschaftlichen Perspektiven“ geht es in dieser vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Auftrag gegebenen Studie, kann man auf der Titelseite lesen. Wichtig ist in meinen Augen, dass erst einmal die Definitionen von Kultur- und Kreativwirtschaft klar sind. Unter Kultur- und Kreativwirtschaft, heißt es in der Studie,
„werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen.“
Ganz hilfreich ist es in diesem Zusammenhang, sich noch einmal die Darstellung von Andreas Wiesand in seinem in den Kulturpolitischen Mitteilungen erschienenen Beitrag „Götterdämmerung der Kulturpolitik“ anzuschauen (siehe dazu auch mein Blogpost „Kulturpolitik: wohin geht die Reise?„). Das „Wirtschaftsfeld Kultur- und Kreativwirtschaft“ umfasst, so die Annahme, insgesamt 11 Branchen bzw. Teilmärkte, darunter interessanterweise auch den „Markt für darstellende Künste“. Was das ist, dieser Markt für darstellende Künste, ist mir ehrlich gesagt, nicht ganz klar. Auch nicht, wenn man weiter liest:
„Der wirtschaftlich verbindende Kern jeder kultur- und kreativwirtschaftlichen Aktivität ist der sogenannte schöpferische Akt. Damit sind alle künstlerischen, literarischen, kulturellen, musischen, architektonischen oder kreativen Inhalte, Werke, Produkte, Produktionen oder Dienstleistungen gemeint, die als wirtschaftlich relevanter Ausgangskern den elf  Teilmärkten zugrunde liegen.“
Aber gut. Die Wertschöpfung der Kultur- und Kreativwirtschaft betrug im Jahr 2006 immerhin 61 Mrd. Euro, was 2,6% des BIP entspricht. Zum Vergleich: die Automobilindustrie (damals ging es ihr noch gut) erwirtschaftete mit 71. Mrd. Euro 3,1% des BIP. Gleichzeitig heißt es aber auch:
„Ohne die Werke und Leistungen der Schriftsteller, Komponisten, Musiker, Bühnenkünstler, Filmemacher, bildenden Künstler gäbe es keine Kultur- und Kreativwirtschaft.“
Da sind wir wieder bei einem alten Thema: diejenigen, die die Inhalte liefern haben von diesen beeindruckenden Zahlen nicht sehr viel, denn die meisten dieser KünstlerInnen verdienen mit ihrer künstlerischen Tätigkeit zu wenig, um davon leben zu können (siehe dazu den Bericht zur sozialen Lage der KünstlerInnen in Österreich). Mögliche Ursachen nennt die Studie:
„Eine ausreichende Professionalisierung erfolgt derzeit weder durch die Marktmechanismen noch durch Förderprogramme“,
wodurch ein enormes ökonomisches Potenzial nicht optimal genutzt werde, heißt es weiter. Ein weiterer Punkt, der mir sehr wichtig erscheint, ist, vor allem im Hinblick auf die Förderprogramme, ein falscher Innovationsbegriff. In der Studie heißt es völlig richtig:
„Der Anteil von ‚Hidden Innovations‘ ist in der Kreativwirtschaft, wie im Dienstleistungssektor allgemein, besonders hoch, was die Bewertung der Innovationsaktivitäten und -wirkungen von Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft per se erschwert. Vielfach entspricht die Vorstellung von Innovationen in den dargestellten Förderprogrammen nicht der Arbeits- und Produktionsweise der Kultur- und Kreativwirtschaft.“
Ich denke, bei den in meinem gestrigen Beitrag angesprochenen Innovationen ist Förderung nicht nur nicht möglich, sie ist auch gar nicht vorgesehen. Daraus ergibt sich die vielleicht wichigste Handlungsempfehlung dieser Studie, nämlich die Öffnung bestehender Förderprogramme für innovative Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft. Das ist aber nur möglich und sinnvoll, wenn man erkennt, dass es in all diesen Bereichen auch um eine entsprechende Infrastruktur geht, die KünstlerInnen eingeschlossen. Wenn Kunst nur noch in Form von Projekten gefördert wird und das Verständnis (inkl. Fördermöglichkeiten) für die dazu notwendige Infrastruktur fehlt, dann kann man sich das alles sparen. Die restlichen Handlungsempfehlungen können Sie aber trotzdem entweder in der Kurz– oder in der Langfassung nachlesen. Via Kulturwirtschaft
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357 Seiten zur Creative Economy

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Das klingt interessant, UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) und UNDP (United Nations Development Programme haben den Creative Economy Report 2008 herausgebracht. Ich habe bis jetzt nur im Inhaltsverzeichnis geblättert, aber das enthält einige Punkte, die interessant zu sein scheinen. Bis ich die 357 Seiten gelesen habe, wird es wohl noch etwas dauern, daher sei es mir gestattet, einfach auf die Veröffentlichung hinzuweisen. Der Report steht als 2,6MB großes PDF zur Verfügung und wartet nur darauf, von Ihnen gelesen zu werden. Download: Creative Economy Report 2008