Post Format

Fundraising im Kunst- und Kulturbereich: Fünf Fragen zum FachTagKultur 2007

Leave a Reply
Am 29. Oktober findet in der K20 Kunstsammlung in Düsseldorf der FachTagKultur 2007 statt. Organisiert wird die eintägige Veranstaltung von der Fachgruppe Kultur, die sich 2005 im Deutschen Fundraising Verband gegründet hat. Die Fachgruppe versteht sich als „Plattform zum Austausch von Wissen und Erfahrungen aus der Praxis für die Praxis“, wie es in der Einladung heißt und dementsprechend werden bei dieser eintägigen Veranstaltung laut Programm auch jede Menge Beispiele präsentiert. Da geht es beispielsweise um RUHR.2010, also ein eher größeres Projekt. Aber es wird auch der Bücherbus in Köln vorgestellt, der erst durch eine Spendenaktion den Betrieb aufnehmen konnte. Worum es konkret geht, das habe ich Becky Ann Gilbert, Vorstandsmitglied und Leiterin der Fachgruppe „Fundraising für Kunst und Kultur“ des Deutschen Fundraising Verbands im Email-Interview gefragt: Kulturmanagement Blog: Für wen ist diese Tagung gedacht und welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Veranstaltung? Becky Ann Gilbert: Die Tagung richtet sich in erster Linie an Mitarbeiter und Führungskräfte aus Kultureinrichtungen, an Agenturen und an Freiberufler, die mit dem Einwerben von Fördermitteln und Sponsorenleistungen befasst sind. Ziele dieser Tagung sind – neben Wissensvermittlung und der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen – die Bildung von Netzwerken und der Austausch unter Fachkolleginnen und -kollegen. Ein wichtiger Aspekt jeder Tagung der Fachgruppe Fundraising für Kunst und Kultur des Deutschen Fundraising Verbands – in der Regel veranstalten wir zwei Tagungen im Jahr – ist auch der Regionalschwerpunkt. Nach Tagungen in Hamburg, Frankfurt a. M. und Bad Boll bei Stuttgart stehen Kunst- und Kultureinrichtungen aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet im Mittelpunkt. Kulturmanagement Blog: Im deutschsprachigen Raum wird Fundraising häufig als das Sammeln von Spenden verstanden, in den angelsächsischen Ländern steht der Begriff ganz allgemein für das Akquirieren von Geldmitteln. Dazu gehört zum Beispiel auch das Sponsoring. Wie definieren Sie denn Fundraising? Becky Ann Gilbert: Ich danke für diese Frage, denn ich und meine Kolleg/innen stellen immer wieder fest, dass viele Personen sehr wenig mit Begrifflichkeiten wie „Fundraising“ oder „Sponsoring“ anfangen können. Fundraising kann man als die Beschaffung von Mitteln zur Verwirklichung von am Gemeinwohl orientierten Zwecken definieren. Unter Sponsoring verstehen wir eher die Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle sämtlicher Aktivitäten, die mit der Bereitstellung von Geld, Sachmitteln oder Dienstleistungen durch Unternehmen zur Förderung von Personen und/oder Organisationen im sportlichen, kulturellen und/oder sozialen Bereich verbunden sind. Damit sollten Ziele der Unternehmenskommunikation erreicht werden. Sponsoring ist für mich daher eher ein Fundraising-Instrument, das Kunst- und Kultureinrichtungen ermöglicht, neue Ressourcen durch zielgerichtete Unternehmenskooperationen zu erschließen. Kulturmanagement Blog: Für uns ist es – auch aus historischen Gründen – die Aufgabe des Staates, Kunst und Kultur zu ermöglichen und damit auch zu finanzieren. Heute zieht sich der Staat in dieser Hinsicht aber immer mehr zurück. Sind private Geldmittel also quasi der Ersatz für die Gelder, die bis jetzt von öffentlicher Seite kommen? Und wenn dem so ist, wäre es nicht besser, man kommuniziert das auch so? Oft hat man den Eindruck, dass es den verantwortlichen PolitikerInnen gar nicht so unangenehm ist, dass das ein schleichender Prozess ist. Becky Ann Gilbert: Für mich ist die Aufgaben- und Rollenverteilung folgende: Aus meiner Sicht sind die Ziele des Fundraising, anhand ausgewählter Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen mittelfristig potenzielle Förderer der Organisation zu identifizieren und eine Grundlage für eine Identifikation mit der Organisation und ihren Zielen zu schaffen. Dies schafft eine Basis für die Einwerbung von Geld und Sachmitteln zur Unterstützung der Aktivitäten der Organisation und ermöglicht die Erschließung einer Zusatzfinanzierung für die Organisation. Die Aufgabe des Fundraising ist, non-profit-Organisationen durch die Erhöhung der ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen zu stärken. Das Fundraising befasst sich mit den Beziehungen zwischen non-profit-Organisationen und ihren Förderern. Günstige Rahmenbedingungen für diese Beziehungen durch die Gesetzgebung zu schaffen, gehört m. E. zu den Hauptaufgaben der Träger von politischer Verantwortung. Fundraising kann keineswegs politische Entscheidungsträger von ihren Pflichten gegenüber der Gesellschaft entlasten noch kann es die öffentliche Förderung von Kunst und Kultur 1:1 ersetzen. Neue Finanzierungsquellen für Kunst und Kultur bedeuten für die Organisationen Änderungen in der Arbeitsform. Für mich ist es zu begrüßen, wenn es Kultureinrichtungen gelingt, neue Partner und Förderer von der Qualität ihrer Arbeit zu überzeugen. Das heißt aber auf keinen Fall, dass die Frage, welche Art von staatlicher Förderung für unsere Kulturlandschaft notwendig wäre, vernachlässigt werden kann. Denn die Tatsache, dass sich Kultureinrichtungen in Deutschland immer häufiger und immer intensiver mit Fundraising-Fragen beschäftigen, bedeutet m. E. keineswegs, dass die Politik von ihrer Verantwortung befreit wäre, zusammen mit anderen gesellschaftlichen Akteuren nach Antworten auf Fragen zur Rolle und Aufgaben des Staats zu suchen. Natürliche können Fundraiser – wie alle Bürger und Bürgerinnen – sehr viel zu dieser Diskussion beitragen; sie führen muss allerdings die Politik. Kulturmanagement Blog: Ist Fundraising eine Tätigkeit, die bezogen auf den Kunst- und Kulturbereich, outgesourct werden sollte? Oder ist diese Tätigkeit besser in der Struktur der Kulturunternehmung aufgehoben? Becky Ann Gilbert: Auch hiermit sprechen Sie einen wichtigen Punkt an, über den Fundraiser häufig und leidenschaftlich diskutieren. Es gibt keine richtige Antwort auf diese Frage. Für kurzfristige Vorhaben oder Projekte kann die Zusammenarbeit mit externen Fundraising-Experten sich als durchaus sinnvoll erweisen. Stehen Fragen zum strategischen und nachhaltigen Aufbau von Fundraising für eine Organisation im Mittelpunkt, so würde ich die Etablierung von Fundraising als Arbeitsgebiet sowie eine vollständige Integration von Fundraising in die Arbeit der Organisation als Modell bevorzugen. Kulturmanagement Blog: Mir ist aufgefallen, dass der Einsatz der elektronischen Medien auf der Tagung gar kein Thema ist. Warum ist unser Rückstand gegenüber dem angelsächsischen Raum in dieser Hinsicht so groß? Und welche Rolle spielt das Web 2.0 in der täglichen Arbeit von FundraiserInnen? Becky Ann Gilbert: In der Tat stehen eher herausragende Projekte und Initiativen im Mittelpunkt der Vorträge. Dass aber das Internet oder Web 2.0 für die vorgestellten Fundraising-Aktivitäten und Best-Practice-Projekte keine Rolle spielt, kann man nicht unbedingt sagen. Da würde ich dafür plädieren, auf die Beiträge am kommenden Montag zu warten. Und ich würde mich sehr freuen, von möglichst vielen Blogger/innen zu erfahren, welche Rolle das Web 2.0 für die tägliche Arbeit spielt. Darüber liegen in der Tat kaum Informationen und verlässliche Angaben vor, weshalb es sehr schön wäre, wenn wir durch solche wichtigen Foren wie Blogs unseren Wissensstand zum Thema Fundraising erweitern könnten. Kulturmanagement Blog: Vielen Dank für Ihre Antworten

Leave a Reply

Required fields are marked *.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.