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Geht es der Musikindustrie wirklich so schlecht?

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Das Jammern der Musikindustrie kennen wir ja seit längerer Zeit. Der Feind sind die diversen Online-Plattformen, über die illegal Musik geladen wird, was zu ständig sinkenden Verkaufszahlen bei CDs führt. Wie geht es der Musikindustrie aber wirklich?

Chris Anderson hat sich auf The Long Tail mit deren Zustand befasst. Der Titel seines Beitrags „Everything in the music is up! (except those plastic discs)“ nimmt das Ergebnis bereits vorweg.

Während der Verkauf von CDs um 18 Prozent zurückgegangen ist, sind in den anderen Bereichen teilweise stattliche Einnahmenzuwächse zu verzeichnen. So nahm das Geschäft mit den Klingeltönen beispielsweise um 86 Prozent zu, die Konzerteinnahmen stiegen immerhin noch um 4 Prozent.

Der Wechsel Madonnas von einem Musiklabel zu einem Konzertveranstalter ist für Anderson ein Hinweis auf Veränderungen in der Branche.

„Soon a lot of these companies won’t define themselves as record companies,“

zitiert er den früheren Chef von Columbia Records Steve Greenberg, der davon überzeugt ist, dass sich die Unternehmen bald eher als „artist development companies“ verstehen werden.

Der Verkauf einer CD ist vor diesem Hintergrund nicht mehr die einzige Einnahmequelle, ganz im Gegenteil:

„think most music will soon be free, as artists give away the product as marketing for their performances and licensing, and as a celebrity accelerant that creates more opportunities to make money than just from the sale of a record,“

ist sich Anderson sicher. Auch das Argument, dass dies nur ein möglicher Weg für die sogenannten Stars sei, lässt er nicht gelten. Für ihn ist es der einzige Weg, damit sich Newcomer etablieren können.

Eigentlich geht es also vor allen den großen Labels an den Kragen. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Beispiel aus Brasilien, auf das ich auch durch einen Kommentar aufmerksam geworden bin. Die Gruppe Calypso hat keinen Vertrag bei einem der großen Label, sondern vertreibt ihre CDs über Straßenverkäufer. Mehr dazu findet man auf iCommons.

Das Geschäft mit der Musik wird, wenn nicht alles täuscht, immer seltener über den Verkauf von CDs laufen. Interessant ist es in meinen Augen, dass es auch in diesem Fall die „Großen“ der Branche trifft. Ist es wirklich so, dass sie nicht mehr flexibel und beweglich genug sind, auf die Veränderungen im Markt zu reagieren? Und gilt das auch für andere Branchen?

Spannende Zeiten stehen uns bevor, Radiohead ist da nur ein Beispiel.

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  1. Pingback: Act and Artist.de » Blog Archiv » Artist Development Companies

  2. Das Problem scheint meiner Meinung nach zu sein, dass sich die Tonträgerindustrie in einen langen Abwehrkampf um die Rechteverwertung im Internet begeben hat, an dessen Ende unausweichlich Gewinne liegen werden, die es ihr nicht mehr ermöglichen werden exklusive rundum Künstlerverträge zu rechtfertigen.

    Und für den Einstieg ins Live-Geschäft ist es aus anderen Gründen schon fast zu spät – aber das will dort auch niemand wissen und man geht den Veranstaltern ganz leicht ins Netz.

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  3. Wenn sich die Tonträgerindustrie nicht grundlegend verändert und neue Geschäftsmodelle entwickelt, wird es sie mittelfristig in der Form nicht mehr geben. An ihre Stelle werden andere Industrien treten, von denen wir vielleicht heute noch gar keine Ahnung haben.

    Mit dem Live-Geschäft ist es sicher nicht ganz so einfach, wie Du richtig sagst. Auch hier wird nicht Platz für alle sein. Aber dieses „Schlaraffenland“ gibt es nirgends.

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