All Posts Tagged ‘musikindustrie

Post

Musik aus dem Internet: Stream statt Download

10 comments


© Rainer Sturm; Pixelio

Während die Musikindustrie noch ihren verzweifelten Kampf gegen das illegale Filesharing führt, droht ihr schon wieder neues Ungemach. Stefan Pletzer hat via Twitter auf eine Kolumne in der New York Times hingewiesen, in der Charles M. Blow mutmaßt, dass deren Niedergang schneller voranschreiten könne, als es sich die Branche vorstellt.

Gut, dass die Verkaufszahlen dramatisch zurückgehen ist bekannt. Interessant ist aber, dass die Zahl der Jugendlichen, die sich illegal Musik aus dem Internet laden, ebenfalls stark zurückgeht. Laut einer Umfrage liegt stattdessen der Anteil der Jugendlichen (im Alter von 14 bis 18 Jahren), die jeden Tag gestreamte Musik hören, bereits bei 31 Prozent.

Die Schlussfolgerung von Charles M. Blow:

„This is part of a much broader shift in media consumption by young people. They’re moving from an acquisition model to an access model. „

Damit erinnert er mich an Jeremy Rifkin, der vor bereits neun Jahren sein Buch Access veröffentlicht hat, in dem er den Wandel vom industriellen in einen kulturellen Kapitalismus prognostiziert:

„Hergebrachte Institutionen, die auf Eigentum, Austausch, Markt und materieller Akkumulation basieren, werden allmählich ausgehöhlt. So bricht sich ein Zeitalter Bahn, in dem Kultur die wichtigste kommerzielle Ressource, Zeit und Aufmerksamkeit der wertvollste Besitz und das Leben eines jeden Menschen zum ultimativen Markt werden.“ (S.19)

In seinem Entwurf einer Zukunft, in der Netzwerke von entscheidender Bedeutung sind, müsse man, so Rifkin, auch davon ausgehen, dass sich unsere Beziehung zu Eigentum verändere. Dabei beruft er sich auf den Politikwissenschaftler Crawford MacPherson, der als Professor an der Universität Toronto lehrte, bevor er 1987 starb.

MacPherson stellt fest, dass unser gegenwärtiger Begriff des Eigentums aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammt und sich durch das Recht auszeichnet, andere davon auszuschließen. Doch historisch gesehen kann Eigentum auch als das Recht definiert werden, „vom Gebrauch oder dem Genuss von bestimmten Dingen nicht ausgeschlossen werden zu können“, wie es Rifkin formuliert, der diese zweite Art von Eigentum als öffentliches oder Gemeindeeigentum bezeichnet. Während das private Eigentum dem Besitzer das Recht gibt, andere von der Nutzung auszuschließen, garantiert das öffentliche Eigentum allen das Recht, nicht von der Nutzung ausgeschlossen zu werden.

Dieser zweite Eigentumsbegriff ist in der Neuzeit, so MacPherson, in Vergessenheit geraten. Da aber das individuelle Recht unserem heutigen System nicht mehr gerecht werde, sollte man, so MacPhersons Forderung, den Begriff des Eigentums wieder um das Recht, nicht vom Zugang ausgeschlossen zu werden, erweitern.

Denkt man das weiter, dann kann man der Feststellung von Charles M. Blow, dass die Anstrengungen der Labels, Menschen zum Kauf einer CD zu verführen, zu spät kommen, nur zustimmen. In immer mehr Bereichen wird es nicht mehr um den Besitz gehen, sondern um die Zugänge zu den Dingen, die uns wichtig sind.

An den Schalthebeln der Macht werden andere sitzen, was die Sache für die User aber nicht leichter macht. Schon heute bekommen wir fast tagtäglich demonstriert, wie verführerisch die Aussicht ist, das Internet zu kontrollieren. Zwar wird ein Frank A. Mayer den Untergang einer ganzen Branche nicht verhindern können, wenn er über das Internet als rechtsfreien Raum schwadroniert. Aber er beschleunigt eine Entwicklung, die uns entweder wirklich neue Perspektiven eröffnet, weil die gemeinsame Teilhabe an etwas im Vordergrund steht. Oder wir begeben uns in die Hände derer, die dann entscheiden, wer rein darf und wer nicht. Wer dazu gehört und wer nicht. Diese Entwicklung schreitet immer weiter fort, denn Rifkin stellt fest:

„Der Graben zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden ist tief, der zwischen den Vernetzten und den Nichtvernetzten ist allerdings noch tiefer.“

Umgemünzt auf das Musikverhalten der oben erwähnten Jugendlichen stellt sich dann die Frage: geht es wirklich darum, ob jemand Musik kauft oder nicht? Oder geht es nicht eher um die Frage, was wir tun müssen, dass jeder Zugang zu gestreamter Musik hat? Das würde bedeuten, dass wir uns Gedanken über einen“neuen“ Begriff von Eigentum machen müssen, denn wo steht geschrieben, dass der derzeitige Status Quo auf immer erhalten bleiben muss?

Post

„Pay it Forward“: ein neues Geschäftsmodell?

7 comments

Kunst und Kultur muss ja nicht immer nur von Fördergebern oder Sponsoren finanziert werden, mittlerweile gibt es ja einige Ansätze, die darüber hinaus gehen. Meist sind es der Film- und der Musikbereich, die da eine Vorreiterrolle übernehmen (mehr dazu hier, hier oder hier). Auf der Suche nach neuen Finanzierungsformen für das heute beginnende Seminar in Leoben zum Thema Kulturfinanzierung bin ich auf einen neuen Ansatz gestoßen, das Beispiel kommt wie so oft aus der Musikbranche.

newsday.com hat vor wenigen Tagen über Coldplay und ihr neues Album berichtet, der Artikel beginnt mit der Feststellung:

„Forget ‚pay what you want.‘ The new model for the music industry may be ‚pay it forward.'“

Ersteres kennen wir ja noch von Radiohead, die uns entscheiden ließen, was wir für die Musik zu zahlen bereit sind. Coldplay hingegen wählt einen anderen Weg. Die Gruppe stellte ihre Hitsingle über einen begrenzten Zeitraum zum kostenlosen Download zur Verfügung und hoffte, damit eine entsprechend große Publicity zu erreichen, um langfristig mehr CD verkaufen zu können als auf traditionellem Weg.

Dass mit der Publicity hat auf alle Fälle geklappt, denn 600.000 Downloads am ersten Tag sind schon mal nicht schlecht. Die Zugriffe auf die Coldplay-Website waren an diesem Tag um 1.800 Prozent höher als zwei Tage zuvor. Und auf Last.fm wurde der Song am ersten Tag rund 33.000 Mal gespielt, heißt es in dem Artikel weiter. Zwei Vorteile resultieren daraus: die Marketingkosten für die Bewerbung von Single und CD sind so wesentlich niedriger als beim klassischen Modell und die Aufmerksamkeit in den Medien war sehr viel größer. Das heißt:

„“While publishers become increasingly concerned about the cannibalization of their revenue stream, experiments by Coldplay and Radiohead, at a minimum, prove that free music downloads provide added publicity to increase awareness for album releases,“

zitiert der Artikel einen Experten. Damit wird eine interessante Entwicklung eingeleitet. Die KünstlerInnen setzen nicht mehr auf den schnellen und möglichst erfolgreichen Verkauf ihrer Single oder CD, sondern beginnen langfristig zu denken. Im Gegensatz zu den Plattenfirmen, die am kurzfristigen Erfolg interessiert sind. Warum das so ist, erklärt Autor Glenn Gamboa:

„Record companies mainly concern themselves with making as much money as they can in the short-term, since the profit splits on the contracts are more favorable for them at that point. Artists, on the other hand, generally don’t start making serious money until after they have fulfilled their first contract and sign another where they get a higher percentage of the profits and get more control over their careers.“

Seine Schlussfolgerung:

„That means record companies have less financial incentive to support a veteran band on its fourth album than a brand-new act and its debut, so they haven’t been very interested in strategies that help bands develop long-term relationships.“

Dieses „Pay it Forward“-Modell funktioniert aber nur dann,

„if artists commit to strengthening their relationship to fans with free music and fans commit to supporting their favorite artists financially by buying their albums, going to their shows and buying their T-shirts and other merchandise.“

Was hat es nun mit diesem Pay it Forward-Ansatz auf sich? Wenn man im Internet recherchiert, stößt man auf einen Film, der diesen Titel trägt und im deutschsprachigen Raum unter dem Titel „Das Glücksprinzip“ gelaufen ist. In einer der Besprechungen wird der Ansatz als eine Art Kettenbrief beschrieben:

„Wenn Dir einer etwas Gutes tut, dann revanchiere dich nicht bei ihm, sondern suche dir drei Personen, denen du ebenfalls etwas Gutes tust.“

Interessant auch, was in brand eins vor sieben Jahren dazu geschrieben wurde. Dort wird das Prinzip so erklärt:

„Ich tue etwas wirklich Gutes für drei Leute. Und wenn die mich fragen, wie sie es mir zurückgeben können, sage ich ihnen, sie sollen es weitergeben. An jeweils drei andere Leute, jeder von ihnen. So wird dann also neun Menschen geholfen. Und diese Leute müssen dann 27 helfen. So breitet es sich immer weiter aus. Zu 81 Leuten, dann 243, dann 729, dann 2187. Seht ihr, wie groß das wird?“

Wenn ich nicht ganz falsch liege, ist das nicht ganz der Ansatz, den Bands wie Coldplay verfolgen, denn sie möchten ja, dass die gute Tat quasi wieder auf sie zurückfällt und sie belohnt werden, indem man ihre CD kauft. Vielleicht kann man auch von der kommerziellen Variante dieses idealistischen Ansatzes sprechen? ;-)

Dieser kommerzielle Ansatz besteht darin, dass ich einen Appetizer kostenlos aus der Hand gebe und darauf vertraue, dass dieser, da reproduzierbar, weitergegeben wird und die Empfänger dazu bewegt, meine CD zu kaufen. Im Musikbereich funktioniert das, weil Musik digital zur Verfügung steht und unkompliziert weitergegeben werden kann.

Wie sieht das aber mit Kunst aus, die nicht beliebig vervielfältigt werden kann? Mit Ausstellungen, mit Lesungen und Theaterinszenierungen? Eine Theateraufführung ist eine Theateraufführung. Da kann ich nicht die erste Szene kostenlos im Theater anbieten und darauf setzen, dass die BesucherInnen das erstens weitererzählen und zweitens dann bei der Vorführung des gesamten Stücks zu zahlen bereit sind.

Die Frage ist also, ob es etwas gibt, was Kunst- und Kultureinreichtungen ähnlich der Hitsingle kostenlos aus der Hand geben können, das weitergegeben wird und die potenziellen BesucherInnen dazu bringt, die jeweilige Veranstaltung zu besuchen? Spontan fallen mir Trailer ein, die sich via YouTube verbreiten lassen. Oder eCards, die weiterverschickt werden können. Wenn die Qualität von Trailer bzw. eCard gut ist, dann lassen sich beide sicher verbreiten. Aber gelingt es auch, die Verbindung zum eigentlichen Produkt herzustellen? Da bin ich skeptisch, aber vielleicht hat ja jemand eine Idee? Dann ließe sich dieser Ansatz auch für andere Sparten nutzen.

Post

Die Musikindustrie: mit Vollgas gegen die Mauer

4 comments

Letzte Woche hat sich die Musikindustrie in einem offenen Brief an die deutsche Bundeskanzlerin gewandt und sie um Unterstützung im Kampf gegen ihren drohenden Untergang gebeten. Mal abgesehen davon, dass es in meinen Augen ziemlich peinlich ist, wenn Branchen, die sich sonst immer gegen jede gesetzliche Bevormundung aussprechen, plötzlich nach dem Staat schreien, finde ich es rührend, wenn sich diese Branche Sorgen um die Zukunft junger Nachwuchstalente macht. Ich dachte immer, die Nachwuchstalente sind nur deshalb interessant, um den Kunden wieder etliche Euros aus der Tasche ziehen zu können. Dass da wirkliche Sorge um die Kultur- und Kreativwirtschaft mitschwang, ist mir einfach entgangen.

Thomas Hoeren, Professor an der Universität in Münster und einer der bekanntesten IT-Rechtsexperten, hat die Selbstlosigkeit der Musikindustrie wohl auch nicht erkannt und diesen Brief auf dem Beck-Blog ziemlich verrissen:

„Ich habe langsam die Nase von den Frechheiten der Musikindustrie voll“,

schreibt er dort und beklagt das undifferenzierte Einschlagen auf Nutzer und die Telekommunikations-Industrie. Welche Wellen sein durchaus emotionaler Beitrag schlägt, zeigen die mittlerweile mehr als 80 Kommentare, darunter auch die Entgegnungen von Stefan Michalk, dem Geschäftsführer des Bundesverband Musikindustrie.

Um ehrlich zu sein: ich kann das Gejammer der Musikindustrie nicht mehr hören. Nachdem ich keinen MP3-Player besitze und deshalb keine Musik mit mir herumtragen muss, ist der Besitz von Musik für mich völlig überflüssig. Im Internet lässt sich jeder Musiktitel, jede Gruppe und jede MusikerIn finden, auf legale Art und Weise. Ich bin nicht darauf angewiesen, Musik illegal aus dem Netz zu laden.

Was mir aber auffällt: Die Musikindustrie scheint nur die illegalen Downloads wahrzunehmen. In den Erwiderungen auf Hoerens Beitrag geht es um nichts anderes. Was aber ist mit den vielen Musikgruppen und KünstlerInnen, die sich von den Großen der Branche abwenden und den Vertrieb selbst in die Hand nehmen? Was ist mit Plattformen wie Sellaband oder Slicethepie, die ich vor kurzem vorgestellt habe? Was ist mit Gruppen wie den Einstürzenden Neubauten, die auf ihre Fans als Investoren setzen? Was ist mit Bands wie Radiohead, deren Alben man kostenlos im Internet downloaden kann? Was ist mit Mercedes Benz und seinen Mixed Tapes? Und den Plattformen, auf denen ich Musik legal anhören und downloaden kann?

Wie weltfremd muss man eigentlich sein, um nicht zu erkennen, dass man nicht so weitermachen kann? Und Was muss passieren, damit man erkennt, dass es an einem selbst liegt und nicht an den anderen? Ich verstehe es, ehrlich gesagt, nicht. Muss ich aber auch nicht, das Thema erledigt sich eh von selbst. Lange wird es nicht mehr dauern…

Via Robert Basic

Post

R.E.M. bietet neues Album vorab gratis als Online-Stream an

2 comments

Nicht so mutig wie Radiohead ist die Band R.E.M., die ihr neues Album „Accelerate“ im Internet nicht zum Download anbietet, sondern vom 24. bis 26.3. einen kostenlosen Online-Stream zur Verfügung stellt. Danach heißt es warten, bis am 1.4. CD und DVD auf den Markt kommen.

Heute ist also der letzte Tag und wer in das neue Werk reinhören möchte, kann das auf der Social Music Plattform iLike tun. Angeblich soll es auch über Facebook möglich sein, aber da bin ich nicht fündig geworden. Anderen ist es wohl ebenso gegangen, denn die Frage, wo man den Stream finden kann, taucht in verschiedenen Facebook-Gruppen auf.

Es scheint sich also um einen eher zaghaften Versuch zu handeln, das Internet für Marketingzwecke zu nutzen. Ich hatte ja im Februar über eine amerikanische Studie berichtet, die zu dem Ergebnis gekommen ist, dass Blogposts den CD-Verkauf ankurbeln können. Aber einen wirklichen Hype hat die Band, die Anfang der neunziger Jahre den Durchbruch schaffte, nicht erzeugen können. Die Aktion wird zwar in zahlreichen Blogs erwähnt, aber für die großen Blogs hat es nicht gereicht. Irgendwie erinnert mich das an Radiosender, die eine Single vorab spielen dürfen. Nun gibt es das also auch im Internet.

Aber zumindest für die Plattform iLike ist das eine tolle Werbung, schließlich gibt es mittlerweile ziemlich viele Angebote im Netz und mit R.E.M. lässt sich sicher gut werben.

Was mir aber gut gefällt, ist die Tatsache, dass immer mehr MusikerInnen sich mit den Möglichkeiten, die das Internet ihnen bietet, beschäftigen. Was R.E.M. macht, ist nicht wirklich neu, aber es ist wieder eine Band mehr, die einfach mal ausprobiert, was geht und was nicht geht. Und das ist ja kein schlechter Ansatz.

Post

Lassen sich mit Hilfe von Blogeinträgen mehr CDs verkaufen?

4 comments

Wenn wir hier Tag für Tag oder auch nur Woche für Woche unsere Blogs und Websites füllen und uns in Social Networks tummeln, dann stellen wir uns wahrscheinlich irgendwann einmal die Frage, ob das überhaupt relevant ist, was wir da machen? Interessiert sich überhaupt wer für das, was da beispielsweise in Blogs veröffentlicht wird? Bewirken unsere Beiträge etwas?

Glaubt man einer von der New Yorker University veröffentlichten Studie, dann kann ich mich beruhigt zurücklehnen. Vorausgesetzt, ich schreibe über Musik, die als CD verkauft wird. Dann würden meine Beiträge nämlich dazu beitragen, die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben.

Vasant Dhar und Elaine Chan, die die Studie verfasst haben, kommen nämlich zu ein paar ganz interessanten Ergebnissen. Dieses hier sticht natürlich hervor:

“ When legitimate blog posts exceeded a threshold of 40 before an albums release, sales were three times the average“,

heißt es in der Presseaussendung. Untersucht wurden ingesamt 108 „Alben“, die zwischen Januar und März 07 als CD verkauft wurden. Alben, über die innerhalb eines Zeitraums von acht Wochen (vier Wochen vor und vier Wochen nach dem Erscheinen) in Blogposts berichtet wurde, konnten dabei überdurchschnittlich hohe Verkaufszahlen erzielen. Gleichzeitig stellten Dhar und Chan fest, dass sich zwar mit Hilfe von Kontakten auf MySpace die Verkaufszahlen ebenfalls steigern lassen, allerdings in geringerem Ausmaß.

Eigentlich müsste das heißen, dass die Musikindustrie zukünftig nur noch dafür sorgen muss, dass in möglichst vielen Blogs über die veröffentlichten Alben berichtet wird und schon stellt sich der Erfolg ein. Nun, ganz so einfach ist es nicht. Zu Recht wird auf Coolfer die Frage gestellt:

„Do blog posts create sales or reflect the attention an artist is getting at that point in time?“

Beides stimme wohl, beantwortet Glenn Peoples seine Frage gleich selbst, denn:

„Blogs certainly spur sales, but most of them — especially the ones that pick up on the topics of the more popular blogs — are merely a reflection of the online buzz and of the potential of the album.“

Seine Schlussfolgerung lautet:

„Bloggers carry a lot of weight. Blog buzz is a reflection of the anticipation for an album’s release, and increases in blog chatter lead to higher sales. Mainstream album reviews are almost as strong a predictor but not quite, and MySpace friends are far less a predictor of future sales.“

Für mich heißt das: Wer nur auf Blogs setzt, wird aus seiner Produktion nicht automatisch einen Verkaufsschlager machen. Erst wenn ein Album eine gewisse Aufmerksamkeit erregt hat, lässt sich der Effekt durch Social Networks wie (in diesem Fall) MySpace und durch Blogposts verstärken.

Auffällig ist, dass diese Studie in den USA zwar in einigen Blogs besprochen worden ist, im deutschsprachigen Raum aber noch nicht entdeckt worden ist. Zumindest habe ich noch keine Reaktionen entdecken können. Aber ohne Blogs kann man mit den Ergebnissen auch nicht so arg viel anfangen. Zwei Alternativen bieten sich an: entweder mit dem Bloggen beginnen oder die Studie ignorieren. Wer sie trotzdem lesen will, findet sie hier zum Download.

Post

David Byrne: Überlebensstrategien im Musikbusiness

Leave a reply

David Byrne, den ich als Musiker sehr schätze und immer wieder gerne höre, egal ob mit den Talking Heads oder in der Zusammenarbeit mit Brian Eno („My Life In The Bush Of Ghosts“), hat sich in einer der letzten Ausgaben des Wired Magazine Gedanken zum Musikgeschäft gemacht. Heraus gekommen sind dabei „David Byrne’s Survival Strategies for Emerging Artists – and Megastars„. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass sich das Musikgeschäft in den letzten Jahren grundlegend gewandelt hat. Für Byrne bestand und besteht es darin, CDs in Plastikhüllen zu verkaufen, aber, so stellt er fest:

„…that business will soon be over.“

Für Byrne, selbst Musiker und Produzent, sind das keine schlechten Nachrichten für das Musikgeschäft, ganz im Gegenteil:

“ Indeed, with all the ways to reach an audience, there have never been more opportunities for artists.“

Byrne stimmt also nicht ein in das allgemeine Wehklagen, sondern analysiert das Musikgeschäft vor allem aus der Sicht der (noch) unbekannten KünstlerInnen. Dabei spricht er einige Aspekte an, die ich für bedenkenswert halte.

Musik als soziales Ereignis

Byrne startet mit der Frage, was Musik überhaupt sei? Eine im ersten Moment etwas komisch erscheinende Frage. In der Vergangenheit, stellt Byrne fest, sei Musik etwas gewesen, was man gehört und erlebt habe. Seine Behauptung

„Before recording technology existed, you could not separate music from its social context.“

trifft einen ganz interessanten Punkt. Wenn ich mich an früher erinnere, dann kann ich das für mich bestätigen. Wir haben uns früher regelmäßig getroffen, um uns unsere neuen Platten vorzuspielen, um zusammen Mischkassetten zusammen zu stellen und wir sind natürlich gemeinsam auf Konzerte gegangen, wobei wir dafür oft Hunderte von Kilometern in Kauf genommen haben.

Und heute?

„Technology changed all that in the 20th century. Music — or its recorded artifact, at least — became a product, a thing that could be bought, sold, traded, and replayed endlessly in any context“,

stellt Byrne fest. Ist das wirklich so, dass Musik heute nur noch ein Produkt ist, dem der soziale Kontext verloren gegangen ist? Sind Konzerte heute etwas anderes als früher? Ich tue mir schwer, darauf Antworten zu finden, denn ich kann zwar feststellen, dass diese Entwicklung zumindest teilweise bei mir zutrifft. Aber ich weiß nicht, was die Ursachen dafür sind. Vielleicht ist es nur die Tatsache, dass ich zwanzig Jahre älter geworden bin und mein Leben heute anders organisiert ist.

Aber wie geht das anderen? Gibt es Musik noch als soziales Ereignis? Und wenn es das nicht mehr gibt, sondern wir Musik nur noch im MP3-Player hören, was lassen sich dann für Schlüsse daraus ziehen? Würde es Sinn machen, diesen Community-Gedanken wieder aufleben zu lassen? Klar, dass für solche Ansätze all die Anwendungen des Web2.0 interessant sind. Erfolgreich sind dann die, die es schaffen, um ihre Musik herum eine Community aufzubauen. Oder man kommt von der anderen Seite und baut eine Community auf, über die dann interessante oder neue Musik „vertrieben“ wird.

Das alte Modell funktioniert nicht mehr

Zurück zu David Byrne, der behauptet, dass das alte Modell nicht mehr funktioniert. Warum eigentlich? Byrne listet im ersten Schritt die Tätigkeiten dieser „Plattenfirmen“ auf:

  • „Fund recording sessions
  • Manufacture product
  • Distribute product
  • Market product
  • Loan and advance money for expenses (…)
  • Advise and guide artists on their careers and recordings
  • Handle the accounting.“

Aber so teuer es für die Firmen früher war, diese Services anzubieten, die Kostenstruktur hat sich verändert. Die Vertriebskosten zum Beispiel gehen, so Byrne, heute gegen Null. Er ist davon überzeugt, dass viele Labels verschwinden werden. Überleben werden die, die es schaffen, wirtschaftlich zu agieren und dadurch die Kosten zu reduzieren. Byrne zitiert in seinem Beitrag Brian Eno, der glaubt, dass die traditionellen Plattenfirmen vor allem gegenüber jungen KünstlerInnen nur noch einen Trumpf in Händen halten: Sie verfügen über Kapital. Denn auch wenn die Kosten in vielen Bereichen gesunken sind. Ohne Geld geht es auch heute nicht.

Es gibt sechs verschiedene Distributionsmodelle

Welche Möglichkeiten haben KünstlerInnen aber überhaupt noch in dieser sich rasch wandelnden Branche? Byrne identifiziert sechs verschiedene Ansätze:

  1. Equity Deal
  2. Standard Deal
  3. License Deal
  4. Profit Sharing
  5. M & D Deal
  6. Self-Distribution

1. Equity Deal: Darunter versteht Byrne das All-Inclusive oder „Sorglos“-Paket. Für ihn ist das eine Form der Zusammenarbeit,

„…where every aspect of the artist’s career is handled by producers, promoters, marketing people, and managers.“

KünstlerInnen erhalten hier oft einen Vorschuss und begeben sich in eine Abhängigkeit, die sich, so Byrne, häufig auch auf den kreativen Bereich erstreckt.

2. Standard Deal: Das für Byrne klassische Modell:

„The record company bankrolls the recording and handles the manufacturing, distribution, press, and promotion. The artist gets a royalty percentage after all those other costs are repaid. The label, in this scenario, owns the copyright to the recording. Forever.“

Kosten fallen hier vor allem für die Produktion von CDs an, behauptet Byrne. Nachdem die entweder ganz wegfallen bzw. erheblich gesunken sind, stimmen seiner Meinung nach die Preismodelle nicht mehr (siehe dazu die Grafik auf Seite 3 des Beitrags).

3. License Deal: Für Byrne ist dieses Modell dem Standard-Modell sehr ähnlich, gibt den KünstlerInnen aber die Möglichkeit, über Lienzeinnahmen höhere Einnahmen zu erzielen. Der wichtige Unterschied:

„…the artist retains the copyrights and ownership of the master recording.“

4. Profit Sharing: Byrne hat sein Album „Lead us not in temptation“ nach diesem Modell vermarktet.

„I got a minimal advance from the label, Thrill Jockey, since the recording costs were covered by a movie soundtrack budget, and we shared the profits from day one. I retained ownership of the master. Thrill Jockey does some marketing and press.“

Das Ergebnis: Zwar wurden wahrscheinlich weniger CDs verkauft als unter einem großen Label, aber der Anteil pro verkaufter CD war in diesem Fall größer.

5. Manufacturing & Distribution Deal: Wie sieht dieses Modell aus?

„the artist does everything except, well, manufacture and distribute the product“,

beschreibt es Byrne. Zwar genießen die KünstlerInnen in diesem Modell relativ große Freiheiten, sie gehen aber natürlich auch ein höheres Risiko ein.

6. Self-Distribution: Byrne beschreibt die Rahmenbedingungen recht deutlich. Für ihn ist es das Modell,

„where the music is self-produced, self-written, self-played, and self-marketed. CDs are sold at gigs and through a Web site. Promotion is a MySpace page. The band buys or leases a server to handle download sales. Within the limits of what they can afford, the artists have complete creative control. In practice, especially for emerging artists, that can mean freedom without resources — a pretty abstract sort of independence.“

Das heißt, theoretisch kann ich als unbekannte/r KünstlerIn über dieses Modell wesentlich höhere Einnahmen erzielen als bekannte KünstlerInnen, die zwar wesentlich mehr CDs verkaufen, aber eben nur einen geringen Prozentsatz pro verkaufter CD erhalten. Aber: es kann halt auch schief gehen, d.h. ich habe zwar alle Freiheiten, trage aber auch alle Risiken.

Byrne stellt am Ende seines Artikels fest, dass diese Modelle nicht als absolut anzusehen sind. Sie lassen sich kombinieren und werden sich auch weiterentwickeln, ist er überzeugt, denn nicht jedes Modell sei für jede/n geeignet.

Unabhängig von der Wahl des Modells geht es für Byrne aber immer nur um die eine Frage:

„What do we need music to do?“

Fein, dass er die Antwort, wenn auch in Frageform, gleich selbst gibt:

„How do we visit the land in our head and the place in our heart that music takes us to? Can I get a round-trip ticket? Really, isn’t that what we want to buy, sell, trade, or download?“

Eigentlich bietet dieser Artikel die perfekte Ausgangsbasis für alle, die auf der Suche nach neuen Modellen im Musikbusiness sind. Jetzt gilt es nur noch, die richtigen Inkredienzen zu finden und dann kann es losgehen. Und ich bin überzeugt davon, dass das Social Web (um nicht immer vom Web2.0 zu sprechen) dabei eine wichtige Rolle spielt.

Post

Geht es der Musikindustrie wirklich so schlecht?

3 comments

Das Jammern der Musikindustrie kennen wir ja seit längerer Zeit. Der Feind sind die diversen Online-Plattformen, über die illegal Musik geladen wird, was zu ständig sinkenden Verkaufszahlen bei CDs führt. Wie geht es der Musikindustrie aber wirklich?

Chris Anderson hat sich auf The Long Tail mit deren Zustand befasst. Der Titel seines Beitrags „Everything in the music is up! (except those plastic discs)“ nimmt das Ergebnis bereits vorweg.

Während der Verkauf von CDs um 18 Prozent zurückgegangen ist, sind in den anderen Bereichen teilweise stattliche Einnahmenzuwächse zu verzeichnen. So nahm das Geschäft mit den Klingeltönen beispielsweise um 86 Prozent zu, die Konzerteinnahmen stiegen immerhin noch um 4 Prozent.

Der Wechsel Madonnas von einem Musiklabel zu einem Konzertveranstalter ist für Anderson ein Hinweis auf Veränderungen in der Branche.

„Soon a lot of these companies won’t define themselves as record companies,“

zitiert er den früheren Chef von Columbia Records Steve Greenberg, der davon überzeugt ist, dass sich die Unternehmen bald eher als „artist development companies“ verstehen werden.

Der Verkauf einer CD ist vor diesem Hintergrund nicht mehr die einzige Einnahmequelle, ganz im Gegenteil:

„think most music will soon be free, as artists give away the product as marketing for their performances and licensing, and as a celebrity accelerant that creates more opportunities to make money than just from the sale of a record,“

ist sich Anderson sicher. Auch das Argument, dass dies nur ein möglicher Weg für die sogenannten Stars sei, lässt er nicht gelten. Für ihn ist es der einzige Weg, damit sich Newcomer etablieren können.

Eigentlich geht es also vor allen den großen Labels an den Kragen. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Beispiel aus Brasilien, auf das ich auch durch einen Kommentar aufmerksam geworden bin. Die Gruppe Calypso hat keinen Vertrag bei einem der großen Label, sondern vertreibt ihre CDs über Straßenverkäufer. Mehr dazu findet man auf iCommons.

Das Geschäft mit der Musik wird, wenn nicht alles täuscht, immer seltener über den Verkauf von CDs laufen. Interessant ist es in meinen Augen, dass es auch in diesem Fall die „Großen“ der Branche trifft. Ist es wirklich so, dass sie nicht mehr flexibel und beweglich genug sind, auf die Veränderungen im Markt zu reagieren? Und gilt das auch für andere Branchen?

Spannende Zeiten stehen uns bevor, Radiohead ist da nur ein Beispiel.