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Reputation: Wo kommt sie eigentlich her?

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'Maske an der Wand' von hennerfehr © Klausi; Pixelio Hanspeter Gautschin hat in seinem Kommentar zum gestrigen Beitrag „Reputation als Inszenierung?“ einen ganz wichtigen Begriff eingeführt, wenn er schreibt:
„Ich glaube, jeder Mensch hat sein individuelles Wertesystem und jede Inszenierung, die diesem Wertesystem widerspricht, macht auf die Dauer krank. (…) Das Gegenstück wäre dann wohl die Authentizität.“
Danke, Hanspeter, dass Du das Thema Werte ansprichst. In ihrem Buch Reputationsmanagement. Erfolgreich, weil Ihr persönliches Image stimmt macht sich die Beraterin und Autorin Susanna Wieseneder auf die Suche nach den Wurzeln der Reputation und beginnt auch bei den Werten. Ich finde ihre Herleitung ganz interessant und möchte sie deshalb hier kurz zusammenfassen. Werte, so schreibt sie, hätten eine sinnstiftende Bedeutung für die Gesellschaft und seien so etwas wie unsere „gesellschaftlichen Leitplanken“. Die vorherrschenden Wertvorstellungen werden von Generation zu Generation weitergegeben und erfahren im Laufe der Zeit eine Neuinterpretation. Das kann auch dazu führen, so Wieseneder, dass Werte praktisch verschwinden. So sei zum Beispiel die Ehre als ein alter Wert aus dem modernen Sprachgebrauch praktisch verschwunden. Interessant ist, dass ihrer Meinung nach die Reputation genau auf diesen Wert aufbaut. Wieseneders Begründung: Uns alle treibt die Suche nach Anerkennung an und über die Ehrerbietung lässt sie sich ausdrücken.
„Formen der Ehrbezeugung sind beispielsweise Ehrendoktorate, Ehrentitel, das Ehrenzeichen der Stadt oder Ernennungen von Beamten bzw. Ehrungen anlässlich der Pensionierung. Diese Formen bezeugen alle die äußere Ehre, also einen gesellschaftlichen Stand, das Ansehen einer Person aufgrund ihrer Leistung“,
schreibt sie. Aus der gesellschaftlichen Weiterentwicklung des Wertes Ehre sei die Reputation entstanden, schlussfolgert die Autorin, für die Reputation „die moderne Anerkennungsform in unserer Gesellschaft ist“. Die Unterschiede zwischen den beiden Werten beschreibt sie folgendermaßen:
  • Während die Ehre aufgrund der Herkunft verliehen wird, muss Reputation erarbeitet werden.
  • Die Ehre basiert auf einem „kollektiven Konzept“ (die Gruppe verteidigt die Ehre seiner Mitglieder), die Reputation eher einem individuellen.
  • Während die Verletzung der Ehre „Zerstörung“ bedeutet, kann eine beschädigte Reputation korrigiert werden.
  • Die Ehre wird durch das Duell gerettet, die Reputation durch Kommunikation.
Wenn ich diese Entwicklung richtig interpretiere, ist die heutige Bedeutung der Reputation das Ergebnis einer fortschreitenden Individualisierung unserer Gesellschaft und einer damit einhergehenden „Abstrahierung“ des Wertes. Statt der Waffe wird das Wort eingesetzt, um das Ansehen wiederherzustellen. Noch einmal zurück zu den Begrifflichkeiten. Wieseneder konstatiert, dass die Begriffe Image, Status, Ruf und Reputation oft synonym und damit unsauber verwendet werden. Sie definiert sie wie folgt:
  • Image: „es bezeichnet die Vorstellung, die wir von einer Person, einem Unternehmen oder einem Produkt haben und kann sowohl auf Menschen bezogen werden als auch auf Dinge.“ Wichtig: Image ist ein kurzfristiger Eindruck
  • Status: er „bezeichnet im weiteren Sinn den Wert und die Bedeutung einer Person in der Öffentlichkeit (und) kann zugeschrieben (ererbt), übertragen (durch Heirat) oder erworben (durch Leistung) werden.“
  • Ruf: er „hat drei Bedeutungen. Laute Töne von Mensch oder Tier, um ein Signal zu geben. Der Wunsch oder Drang, etwas zu tun, im Sinne von: der Ruf des Gewissens. Und Reputation – einen guten oder schlechten Ruf haben.“
  • Reputation: Sie „bezieht sich ausschließlich auf Menschen oder Organisationen und zeigt deren öffentliches Ansehen, das sich aus verschiedenen Einzelimages zu einem langfristigen Gesamtbild zusammensetzt.“
Für mich ist erstens die Herleitung sehr interessant, weil man Reputation leichter „verstehen“ kann und sind zweitens die Definitionen der Begrifflichkeiten hilfreich, erleichtern sie doch deren Verwendung. Bleibt noch die Frage, wie sich die eigene Reputation „managen“ lässt. Dazu mehr in einem eigenen Beitrag.

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  1. Und das Reputationfiasko??? Einerseits wird der Begriff des Reputationfiaskos in seiner positiven Seite definiert, andererseits kann das Reputationsfiasko auch als Chance verstanden werden. Ohne Fehler bei der Durchführung oder dem Betreiben eines Geschäfts kann neben dem materiellen Schaden auch das öffentliche Ansehen derjenigen Unternehmen geschädigt werden, die in solche Fälle verwickelt sind. Die Deutsche Bank definiert im Geschäftsbericht als Reputationsfiasko: „… als die Gefahr, dass durch die öffentliche Berichterstattung über eine Transaktion, einen Geschäftspartner oder eine Geschäftspraxis, an der kein Kunde beteiligt ist, das öffentliche Vertrauen in unsere Organisation positiv beeinflusst wird“
    Edvard Kunzt

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  2. Die „positive Seite“ des Reputationsfiaskos könnte frei nach Wilhelm Busch lauten: Ist der Ruf (Reputation) erst ruiniert, lebt sich dann ganz ungeniert“. Ob das die „Deutsche Bank“ jedoch auch so sieht?

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  3. Sehr interessanter Beitrag. Danke für den Hinweis auf Wieseneder und für die prägnante Begriffsklärung. Klare Begriffe helfen ja immer beim klaren Denken.
    Gautschins Anmerkung wird auch von anderen geteilt und spiegelt offensichtlich eine praktische Erkenntnis zur „Authentizität“. Ein Autor der sich beruflich auch mit diesem Thema befasst ist Christián Gálvez (Du bist was Du zeigst – Erfolg durch Selbstinszenierung). Er schreibt sehr kurzweilig und aus der Perspektive des Medienmannes (der „Hollywood-Brille“) wie das Gestalten der eigenen Reputation funktioniert und wie man es steuert. Das Thema Wertesystem nimmt auch darin eine grundlegende Rolle ein, ohne das es keine überzeugende „Selbstinszenierung“ und damit auch keine Reputation geben kann.

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  5. Pingback: myONID Blog » Begriffsdefiniton: Image, Status, Ruf und Reputation

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  7. Pingback: “Reputation ist etwas Soziales” « Das Kulturmanagement Blog

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