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Blogs: „im Nebel herumstochern“

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Martin Mißfeldt hat unter den gestrigen Beitrag „Das Erfolgsrezept von Blogs“ einen für mich sehr hilfreichen Kommentar verfasst:
„(…) Man kann als Blogger auch die Leser „in die Arbeit mit einbeziehen“. Ich habe schon so manchen Artikel geschrieben, bei dem ich erst im nebel gestochert habe, und durch die Diskussion wurde die Sache dann erst rund und fokussiert. (…)“
Aus diesem Grund plädiert er auch dafür, Anzahl und Qualität der Kommentare als Kriterien für den Erfolg eines Blogs mit einzubeziehen. Ich sehe das auch so, allerdings denke ich, dass es Blogs gibt, wo an dieser Form der Kollaboration (noch) gar kein Interesse besteht. In ihnen dominiert eher der Wunsch, einfach nur zu informieren. Das läuft dann zwar dem Community-Gedanken zuwider, der sich hinter kollaborativen Ansätzen ja verbirgt, aber auf der anderen Seite muss ich erst einmal das Interesse an mir und meinem Blog wecken, bevor jemand bereit ist, in mich und mein Blog zu „investieren“ und mir die Aufmerksamkeit und die Zeit zu schenken, die nötig ist, um zum Beispiel einen Kommentar zu schreiben. Die Frage, die mich an dieser Stelle interessiert, und damit möchte ich wieder mal im Nebel herumstochern: warum schenken LeserInnen jemandem ihre Aufmerksamkeit und kommentieren entweder einen Blogbeitrag oder bewerten Einträge auf Facebook? Wenn es um das geht, was Martin Mißfeldt als „in die Arbeit mit einbeziehen“ bezeichnet, dann ist mir das relativ klar. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Kultureinrichtungen, deren Social Media-Aktivitäten sind vor allem informationslastig, d.h. der Dialog wird nicht ausgeschlossen, aber er muss auch nicht sein. Und trotzdem wird kommentiert und bewertet. Meine Vermutung ist, dass ich – gerade bei einer bekannten Kultureinrichtung oder einer bekannten KünstlerIn – nicht unbedingt von der Qualität der Beiträge angezogen werde, sondern von der Reputation, die ich der UrheberIn beimesse. Es geht also nicht so sehr um die Qualität der Inhalte, sondern um das Dabeisein. Wie sehen Sie das? Wenn Sie einen Beitrag bewerten, ist es dann wichtig, von wem der Beitrag stammt oder orientieren Sie sich wirklich ausschließlich an den Inhalten?
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Digital sozial und trotzdem nicht messbar

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Als ich vor fast drei Jahren mit diesem Weblog begann, war die Social Media-Welt noch überschaubar. Ich schrieb meine Beiträge und nutzte Social Bookmarking-Dienste. Gefunden wurde ich, indem ich auf andere Blogpost verlinkte, dort kommentierte und ansonsten schaute, dass mein Blog auch auf Delicious, Mister Wong, etc. zu finden war. Ach ja, und Xing gab es noch. Je mehr Blogs auf das eigene verlinkten, desto besser. Wie erfolgreich man dabei war, konnte man bei Technorati nachlesen. Mein großes Ziel war es immer, dort im Ranking besser als Position 100.000 zu sein. Rund 100 Blogs mussten innerhalb der letzten 180 Tage auf einen verlinkt haben, um diese Hürde zu schaffen. Heute bin ich ungefähr auf Platz 84.000, aber dafür sind nur mehr 40 eingehende Links nötig. Mal abgesehen von der Tatsache, dass Technorati nicht mehr sehr zuverlässig wirkt, ist aber klar, dass die Verlinkung zwischen den Blogs nachgelassen hat. Dafür gibt es zwei Gründe: auf der einen Seite existieren mittlerweile einfach viel mehr Blogs als noch vor zwei Jahren. Das heißt, man kann theoretisch auf unzählige Blogs verlinken. Da fallen für den Einzelnen einfach weniger Links ab. Und andererseits hat sich unser Linkverhalten verändert.
„Mein Blog „Sprechblase” wird mittlerweile um ein Vielfaches mehr über Twitter und ähnliche Microbloggingdienste verlinkt als über andere Blogs“,
schreibt Cem Basman in seinem Beitrag „Die Digitale Soziosphäre“ . Ich kann das bestätigen. Nicht nur die Links haben abgenommen, auch die BesucherInnen meines Blogs kommen eher selten von anderen Blogs, aber sehr häufig via Facebook, Twitter & Co. Das heißt, Rankings, die die Verlinkung zwischen Blogs messen, haben eigentlich nur noch begrenzte Aussagekraft. Interessant ist aber, dass ich neben meinem Platz im Ranking bei Technorati noch erfahre, wie hoch meine „Authority“ ist. Meine „Autorität“ ist ident mit der Zahl der eingehenden Bloglinks. Wenn Bloglinks aber gar nicht mehr die Relevanz früherer Zeiten besitzen, dann habe ich keinen Orientierungsrahmen mehr, wer in der Blogosphäre wichtig ist und wer nicht. Cem Basman weist darauf hin, dass auch die Reputation von WissenschaftlerInnen nicht mehr ausschließlich an Hand der Zahl ihrer wissenschaftlichen Publikationen ablesbar sei. Auch wenn man nun andere Kennzahlen verwendet, z.B. die Anzahl der Kommentare oder die Zahl der LeserInnen, wird man der Komplexität der Begriffe Autorität oder Reputation nicht gerecht. Basmans Vorschlag, um eine Bewertung vornehmen zu können:
„Eigentlich müsste es darum gehen, wieviele neue positive Impulse jemand in die Digitalen Soziosphäre liefert und wie diese neuen Anregungen, Ideen, Initiativen, Aktionen von den anderen angenommen werden, sich dort fortpflanzen, die Entwicklung in der Digitalen Soziosphäre befruchten und voranbringen. Das allerdings halte ich für schwer oder fast gar nicht messbar.“
Das geht ganz stark in die Richtung, die Tina Guenther in ihrem Blogpost „Karrierefalle Internet” – ein alternativer Vorschlag zum Thema Reputation im Netz“ eingeschlagen hat. Sie bezeichnet Reputation als ein „symbolisch generalisiertes Interaktionsmedium“, das analog zum Geld in unseren Sozialsystemen zirkuliere, wobei man seine Reputation online oder offline nutzen könne.
„Wer viel Reputation akkumuliert hat, kann mit geringem Aufwand ein hohes Maß an Konsens erzielen“,
schreibt Guenther weiter, was bedeutet, dass ich mir, so ich über eine geringe Reputation verfüge, die Reputation von anderen „ausleihen“ bzw. andersrum anderen meine Reputation „leihen“ kann. Wenn aber Reputation nicht nur sozial, sondern auch dynamisch ist, dann ist klar, dass sie sich weder steuern noch kontrollieren lässt,
„denn dies würde ja voraussetzen, dass die Reputation dem Akteur gehört bzw. dass er sie beherrschen kann. Vielmehr tauschen sich Akteure über Dritte aus. Das heißt, sie erzählen einander Geschichten (wahr oder falsch) über Dritte (positiv oder negativ)“,
so Guenther weiter. Wie aber soll ich etwas messen bzw. bewerten, wenn es dynamisch und weder steuer- noch kontrollierbar ist? Theoretisch bleibt, wie Cem Basman am Ende seines Beitrags schreibt, nur die „subjektive Einschätzung im Auge des Betrachters“. Trotzdem sind wir aber weiter auf der Suche nach irgendwelchen Rankings, in denen wir möglichst weit oben stehen. Das ist auch, denke ich, nicht verwerflich, so lange wir uns vor Augen halten, dass es halt nur ein Teilaspekt dessen ist, was wir als „authority“ oder „Reputation“ bezeichnen. Und wir müssen uns vergegenwärtigen, dass uns beides nicht gehört, sondern von den anderen sozialen Akteuren gegeben und genommen wird. Bleibt die Frage, wann und warum das passiert?
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Fundraising: eine Nachbetrachtung zur NPO-Blogparade

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Ich würde ganz gerne noch einmal kurz an die gestrige Zusammenfassung der NPO-Blogparade anknüpfen, da sich vielleicht einige von Ihnen die Frage stellen werden, worauf es denn nun beim Fundraising  ankomme? Schon vor längerer Zeit habe ich in einem Beitrag die drei (möglichen) Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Kulturmanagement festzumachen versucht und bin dabei auf die Punkte
  • Qualität
  • Netzwerke
  • Reputation
gestoßen. Ich denke, Fundraising basiert ebenfalls auf diesen drei Faktoren, egal ob Sie es online und/oder offline betreiben. Dass Ihr Vorhaben über die entsprechende Qualität verfügt, setze ich jetzt einfach mal voraus. Häufig gehen aber Kunst- und Kultureinrichtungen nur damit in den Fundraisingprozess. Nun kennt Sie niemand und vernetzt sind Sie auch nicht. Sollten Sie trotzdem erfolgreich sein, müssen Sie einen gewaltigen Aufwand betreiben. Der lässt sich reduzieren, wenn Sie über die entsprechende Reputation verfügen. In meinem Beitrag „Reputation ist etwas Soziales“ habe ich auf ein Blogpost von Tina Guenther verwiesen, in dem sie Reputation als ein „symbolisch generalisiertes Interaktionsmedium“ bezeichnet, das ähnlich wie Geld für die eigenen Vorhaben eingesetzt werden kann. Die wichtigste Schlussfolgerung daraus:
„Der Wertmaßstab für Reputation ist das Vermögen eines Akteurs (Person, Gruppe, Organisation, Institution, Staat etc.), für seine Themen und Anliegen Konsens zu erzielen.“
Diesen Konsens benötigen Sie, wenn jemand Ihr Vorhaben unterstützen soll (es für unterstützenswert hält) . Verfügt ein Kulturbetrieb nicht über die entsprechende Reputation, könne man sich höchstens, so Guenther, Reputation von anderen leihen. Wie schreibt Karin Janner in ihrem Beitrag „Tipps und Tricks für das Online-Fundraising„:
„Genauso wenig, wie “Offline-Fundraising” mit dem Zusenden eines Zahlscheins beginnt, beginnt “Online-Fundraising” mit dem “Spenden”-Button.  Es fängt damit an, Vertrauen aufzubauen (…).“
Die Arbeit beginnt somit schon lange bevor Sie daran denken können, Geld für Ihr Vorhaben einzusammeln. Und selbst wenn Sie über eine entsprechende Reputation verfügen, reicht das unter Umständen noch nicht aus. Sie alleine erreichen nur Ihr direktes Umfeld damit. Was Sie brauchen, ist ein Netzwerk, in dem die Netzwerkknoten als Multiplikatoren fungieren und Ihre Botschaft weitertragen. Dafür sind dann die Social Media Tools, z.B. Twitter geeignet, denn hier lassen sich Botschaften wunderbar weitertragen (siehe dazu mein Blogpost „Online-Fundraising mit Hilfe von Twitter„). Das heißt, mit Fundraising können Sie nie zu früh anfangen, aber fast immer zu spät!
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„Reputation ist etwas Soziales“

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Hauswand © Martin Schemm; Pixelio Wenn Sie sich mit dem Internet beschäftigen und sich in den diversen Netzwerken bewegen oder dies vorhaben, dann werden Sie früher oder später auf den Begriff der Reputation stoßen. Woher der Begriff kommt, habe ich in einem früheren Blogpost bereits beschrieben. Mittlerweile gibt es im Internet jede Menge Seiten, die Ihnen Hilfestellung leisten, damit es mit Ihrer Reputation auf- und nicht abwärts geht. Reputation ist aber nichts Statisches, was sich als Attribut eines Akteurs betrachten lässt, stellt Tina Guenther auf ihrem Blog Sozlog fest. In ihrem Beitrag “‚Karrierefalle Internet‘ – ein alternativer Vorschlag zum Thema Reputation im Netz“ beschreibt sie Reputation aus soziologischer Sicht und liefert damit einige wertvolle Einsichten. Ausgangspunkt ihrer Betrachtung ist das Buch Karrierefalle Internet, in dem Autor Klaus Eck die Reputation einer Person oder Organisation dann in Gefahr sieht, wenn diese nicht weiß, was man über sie im Internet schreibt. Entgegentreten könne man dem, so Eck, durch eine aktive Nutzung des Internets. Das ist leichter gesagt als getan, denn Reputation sei ein „symbolisch generalisiertes Interaktionsmedium“, meint Tina Guenther. Das bedeute,
„Reputation zirkuliert – analog zum Geld – in Sozialsystemen, und kann zwischen dem Netz und dem “echten” Leben in beiden Richtungen übertragen werden. Ein Akteur mit viel Reputation kann sowohl online als auch offline Gebrauch davon machen.“
Das heißt, ich kann meinen guten (oder schlechten) Ruf aus der einen „Welt“ in die andere übertragen. Als Wertmaßstab für Reputation dient Guenther die Fähigkeit des jeweiligen Akteurs, im Hinblick auf seine Themen und Anliegen Konsens herzustellen. Konkret heißt das:
„Verfügt man selbst nur über wenig Reputation, muss man enormen Aufwand betreiben, und es kommt doch wenig dabei heraus. Wer viel Reputation akkumuliert hat, kann mit geringem Aufwand ein hohes Maß an Konsens erzielen.“
Verfügen Sie nur über eine geringe Reputation, können Sie sich Reputation leihen, das heißt, Sie verbünden sich mit jemandem, der eine hohe Reputation aufweist. Verläuft die Kooperation erfolgreich, realisieren beide einen Reputationsgewinn, läuft es schlecht, erleiden beide einen Reputationsverlust. Das bedeute, so die Autorin, dass Reputation nicht nur etwas Soziales ist, sondern auch dynamisch. Damit sei auch klar, dass sich Reputation weder kontrollieren noch steuern lasse,
„denn dies würde ja voraussetzen, dass die Reputation dem Akteur gehört bzw. dass er sie beherrschen kann. Vielmehr tauschen sich Akteure über Dritte aus. Das heißt, sie erzählen einander Geschichten (wahr oder falsch) über Dritte (positiv oder negativ)“,
so Guenther weiter. Man könne sich zwar ein großes Netzwerk aufbauen, in dem möglichst viele positive und wenig negative Geschichten über einen zirkulieren. Doch eine Garantie gebe es dafür nicht. Guenther stellt sich die Frage, was man denn für die eigene Reputation tun könne, wenn ein solches Netzwerk keine Garantie für eine positive Reputation sei?
„Man offeriert eine positive Selbst-Definition für andere“,
lautet ihr Vorschlag. In der Praxis heißt das: „Man baut eine Homepage bzw. ein erweitertes Interaktionsangebot auf, das sich explizit als Einladung versteht, als “Tür” zur eigenen Wohnung versteht. Man bemüht sich, positive Beziehungen zu etablieren: Freundschaft oder Bekanntschaften, Kooperation, wechselseitige Unterstützung, und man erhofft und erwartet, dass dieses Interaktionsangebot angenommen und erwidert wird.“ Mit diesem Verständnis von Reputation lässt sich auch erklären, warum es vor allem für junge und neue KünstlerInnen bzw. für neu gegründete Kulturbetriebe nicht reicht, gute Projekte zu konzipieren und durchzuführen. Ich habe vor längerer Zeit von drei Erfolgsfaktoren gesprochen, der Qualität, der Reputation und dem Netzwerk. Ob es nun um die Umsetzung eines künstlerischen Projektes geht oder eine Fundraisingkampagne, Sie müssen einen Konsens mit denen zustande bringen, die Sie ansprechen: Fördergeber, Sponsoren, Spender, etc. und je geringer Ihre Reputation, desto größer ist Ihr Aufwand. Es sei denn, Sie finden Fürsprecher, die Ihnen ihre Reputation leihen. Wenn Sie sich also gerade in der Startphase befinden, dann reicht es nicht, die gesamte Energie auf die künstlerische Arbeit zu konzentrieren. Genau so viel Energie müssen Sie in Ihre Reputation und damit den Aufbau Ihres Netzwerks stecken. Tun Sie das nicht, heißt das, dass Sie entweder einen unendlich hohen  Aufwand in künstlerischer Hinsicht leisten müssen oder Sie scheitern. Das aber nicht, weil Ihre künstlerischen Ideen nicht gut genug sind, sondern weil Sie es nicht geschafft haben, Konsens, zum Beispiel mit den Geldgebern, herzustellen. Je erfolgreicher Sie also in Sachen Reputation sind, desto leichter werden Sie sich bei der Realisierung Ihrer künstlerischen Ideen tun.
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Vertrauen ist für unser Geschäft so wichtig wie das Öl für die Maschine

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Lässt sich im Internet überhaupt Geld verdienen? Glaubt man Chris Anderson, dann wohl eher nicht:
„The web has become the land of the free“,
schreibt er in seinem Artikel „Free!Why $0.00 Is the Future of Business“ in der aktuellen Ausgabe des Wired Magazine:
„The rise of „freeconomics“ is being driven by the underlying technologies that power the Web. Just as Moore’s law dictates that a unit of processing power halves in price every 18 months, the price of bandwidth and storage is dropping even faster. Which is to say, the trend lines that determine the cost of doing business online all point the same way: to zero“,
so Anderson weiter. Stattdessen geht es um Aufmerksamkeit und Reputation. Und die gilt es dann umzumünzen, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Anderson mit seiner Sichtweise in jedem Fall Recht hat, für den Kunst- und Kulturbereich gilt das aber durchaus. Wir bauen uns eine Reputation auf und versuchen die Aufmerksamkeit der BesucherInnen unserer Website zu gewinnen, die dann im Idealfall unsere Ausstellung, unser Konzert, etc. besuchen. Eine der wichtigsten Dinge ist dabei, die Überschrift deutet es ja schon an, Vertrauen. „Trust is to Business, What Oil is to an Engine“ meint Anna Farmery, von der ich mir auch den Titel „ausgeliehen“ habe, auf ihrem Blog „The Engaging Brand“. Und wie man Vertrauen aufbaut, das erklärt sie kurz und präzise anhand des Begriffes Trust.
T = Telling the truth, not spinning the story R = Realistic expectations that are stretching for people yet people trust that if they are delivered, they will bring business and personal success U = Understanding people and their emotions. People are emotional by nature. This can lead people not to give truthful feedback, however people need the truth for growth. So understanding people, showing empathy to what motivates them can really help in their growth. Confidentiality is imperative. S = Seeking the truth is important in the business. People can hide behind data, people can hide from the truth. To be successful you need to want the truth and constantly seek the truth to improve over time. When you seek the truth, people will learn to be truthful. T = Taking the rough with the smooth.“
Vor allem der letzte Punkt gefällt mir gut. „Nimm es, wie es kommt“ drückt genau die Gelassenheit aus, die wir brauchen, um nicht aus aus der Rolle zu fallen und unsere Authentizität zu verlieren. Eine hilfreiche Anleitung, thank you, Anna!
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Deutsches Historisches Museum erhält Trophäe für das unfairste Praktikum

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Das Deutsche Historische Museum in Berlin hat eine höchst zweifelhafte Auszeichnung erhalten, den „Raffzahn 2007“. Der Praktikantenschutzverein Fairwork vergibt ihn jedes Jahr für das unfairste Praktikum des vergangenen Jahres. Traurig, dass da eine Kultureinrichtung das Rennen machen muss, die sich natürlich auch über öffentliche Gelder finanziert. Was ist geschehen? In der Berliner Morgenpost schreibt Sonja Vukovic:
„Eine junge Frau mit abgeschlossenem Geschichtsstudium sollte sechs Monate lang 39 Stunden wöchentlich unentgeltlich in dem Berliner Museum beschäftigt werden. Laut Vereinbarung sollte sie auf Urlaubstage, Krankengeld und Unfallfürsorge verzichten und unterschreiben, dass die Urheberrechte auf alle während ihres Praktikums erbrachten Leistungen trotz ausbleibender Entlohnung in das „ausschließliche Nutzungsrecht“ des Museums übergehen.“
Dabei scheint das kein Einzelfall gewesen zu sein, heißt es in dem Artikel weiter. Ich will mich jetzt gar nicht darüber ereifern, wie unverschämt das alles ist und ob es wirklich im Sinne des Erfinders ist, dass öffentliche Fördergelder in Häuser fließen müssen, die den ethischen Mindeststandards nicht entsprechen. Nein, ich vertraue einfach darauf, dass es Blogbeiträge in den Rankings der Suchmaschinen in der Regel sehr weit nach oben schaffen. Wenn man dann dort nach dem Historischen Museum in Berlin sucht und unter den ersten zehn Einträgen acht auf den „Raffzahn 2007“ verweisen, dann haben wir ein schönes Beispiel dafür, wie Online-Reputation funktioniert. In dem Fall ist es halt ein negatives Beispiel. Mein Mitleid hält sich allerdings in Grenzen. Via bedarfshaltestelle
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Kultur und Marke

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Irgendwie assoziiere ich mit dem Begriff „Marke“ ja immer noch die Ariel Werbung der, ich glaube, siebziger Jahre. Erinnern Sie sich noch an Klementine? Das werde ich wohl auch nicht mehr los. Vielleicht verwende ich einfach den Begriff „brand“? Das klingt ja auch viel zeitgeistiger. Warum komme ich überhaupt auf dieses Thema? Ich beschäftige mich immer noch mit der Reputation (die ersten beiden Beiträge finden Sie hier und hier) und da kommt einem der Begriff „brand“ (ab jetzt ohne Anführungszeichen) immer wieder unter. Warum brauchen wir überhaupt so etwas im Kunst- und Kulturbereich?
„Eine starke Marke – und dazu gehört mehr als ein Logo – verschafft Ihnen einen Vorsprung, kommuniziert die Wertigkeit Ihrer Angebote und stiftet Identität“,
schreibt Anja Leidel in ihrem Beitrag „Werbung trifft Kultur. Wie Branding Designer ans Werk gehen„. Schade, der Beitrag ist mir dann etwas zuviel Werbung. Ich hätte mir etwas mehr erwartet als Infos über den Umgang mit einer Agentur. Da kann ich mit Max Kalehoffs Blogpost „10 Principles To Inspire Your Brand (And Maybe save It)“ viel mehr anfangen. Vor allem seine Definition ist interessant:
„Our brand is the aggregate of associations that people have about our product and organization. Branding is the aggregate of actions that signal these associations. The result is our reputation and equity.“
Reputation und Brand hängen also eng zusammen, wobei ich gestehen muss, dass ich mir schwer tue, beide Begriffe voneinander abzugrenzen. Kalehoffs Definition von Brand kommt Wieseneders Beschreibung von Reputation sehr nahe. Kann man vielleicht sagen, dass es sich bei Brand und Reputation um zwei Seiten einer Medaille handelt, nämlich die sichtbare (Brand) und die unsichtbare (Reputation)? Die Nähe beider Begriffe zeigt sich auch, wenn man die 10 Prinzipien der Brand-Strategie betrachtet, die Kalehoff in seinem Beitrag anführt:
  • Transparenz
  • Authentizität
  • Demut
  • Schlichtheit
  • Inspiration
  • Charakter
  • Geschichten
  • Konsistenz
  • Flexibilität
  • Offenheit
Sind das nicht auch Prinzipien für ein erfolgreiches Reputation Management?
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Reputation: Wo kommt sie eigentlich her?

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'Maske an der Wand' von hennerfehr © Klausi; Pixelio Hanspeter Gautschin hat in seinem Kommentar zum gestrigen Beitrag „Reputation als Inszenierung?“ einen ganz wichtigen Begriff eingeführt, wenn er schreibt:
„Ich glaube, jeder Mensch hat sein individuelles Wertesystem und jede Inszenierung, die diesem Wertesystem widerspricht, macht auf die Dauer krank. (…) Das Gegenstück wäre dann wohl die Authentizität.“
Danke, Hanspeter, dass Du das Thema Werte ansprichst. In ihrem Buch Reputationsmanagement. Erfolgreich, weil Ihr persönliches Image stimmt macht sich die Beraterin und Autorin Susanna Wieseneder auf die Suche nach den Wurzeln der Reputation und beginnt auch bei den Werten. Ich finde ihre Herleitung ganz interessant und möchte sie deshalb hier kurz zusammenfassen. Werte, so schreibt sie, hätten eine sinnstiftende Bedeutung für die Gesellschaft und seien so etwas wie unsere „gesellschaftlichen Leitplanken“. Die vorherrschenden Wertvorstellungen werden von Generation zu Generation weitergegeben und erfahren im Laufe der Zeit eine Neuinterpretation. Das kann auch dazu führen, so Wieseneder, dass Werte praktisch verschwinden. So sei zum Beispiel die Ehre als ein alter Wert aus dem modernen Sprachgebrauch praktisch verschwunden. Interessant ist, dass ihrer Meinung nach die Reputation genau auf diesen Wert aufbaut. Wieseneders Begründung: Uns alle treibt die Suche nach Anerkennung an und über die Ehrerbietung lässt sie sich ausdrücken.
„Formen der Ehrbezeugung sind beispielsweise Ehrendoktorate, Ehrentitel, das Ehrenzeichen der Stadt oder Ernennungen von Beamten bzw. Ehrungen anlässlich der Pensionierung. Diese Formen bezeugen alle die äußere Ehre, also einen gesellschaftlichen Stand, das Ansehen einer Person aufgrund ihrer Leistung“,
schreibt sie. Aus der gesellschaftlichen Weiterentwicklung des Wertes Ehre sei die Reputation entstanden, schlussfolgert die Autorin, für die Reputation „die moderne Anerkennungsform in unserer Gesellschaft ist“. Die Unterschiede zwischen den beiden Werten beschreibt sie folgendermaßen:
  • Während die Ehre aufgrund der Herkunft verliehen wird, muss Reputation erarbeitet werden.
  • Die Ehre basiert auf einem „kollektiven Konzept“ (die Gruppe verteidigt die Ehre seiner Mitglieder), die Reputation eher einem individuellen.
  • Während die Verletzung der Ehre „Zerstörung“ bedeutet, kann eine beschädigte Reputation korrigiert werden.
  • Die Ehre wird durch das Duell gerettet, die Reputation durch Kommunikation.
Wenn ich diese Entwicklung richtig interpretiere, ist die heutige Bedeutung der Reputation das Ergebnis einer fortschreitenden Individualisierung unserer Gesellschaft und einer damit einhergehenden „Abstrahierung“ des Wertes. Statt der Waffe wird das Wort eingesetzt, um das Ansehen wiederherzustellen. Noch einmal zurück zu den Begrifflichkeiten. Wieseneder konstatiert, dass die Begriffe Image, Status, Ruf und Reputation oft synonym und damit unsauber verwendet werden. Sie definiert sie wie folgt:
  • Image: „es bezeichnet die Vorstellung, die wir von einer Person, einem Unternehmen oder einem Produkt haben und kann sowohl auf Menschen bezogen werden als auch auf Dinge.“ Wichtig: Image ist ein kurzfristiger Eindruck
  • Status: er „bezeichnet im weiteren Sinn den Wert und die Bedeutung einer Person in der Öffentlichkeit (und) kann zugeschrieben (ererbt), übertragen (durch Heirat) oder erworben (durch Leistung) werden.“
  • Ruf: er „hat drei Bedeutungen. Laute Töne von Mensch oder Tier, um ein Signal zu geben. Der Wunsch oder Drang, etwas zu tun, im Sinne von: der Ruf des Gewissens. Und Reputation – einen guten oder schlechten Ruf haben.“
  • Reputation: Sie „bezieht sich ausschließlich auf Menschen oder Organisationen und zeigt deren öffentliches Ansehen, das sich aus verschiedenen Einzelimages zu einem langfristigen Gesamtbild zusammensetzt.“
Für mich ist erstens die Herleitung sehr interessant, weil man Reputation leichter „verstehen“ kann und sind zweitens die Definitionen der Begrifflichkeiten hilfreich, erleichtern sie doch deren Verwendung. Bleibt noch die Frage, wie sich die eigene Reputation „managen“ lässt. Dazu mehr in einem eigenen Beitrag.
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Reputation als Inszenierung?

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'Blick ins Ahrntal' von hennerfehr Als ich gestern über die Reputation als eine der Grundvoraussetzungen für den Erfolg geschrieben habe, ist mir eine Geschichte eingefallen, die schon fast dreißig Jahre zurückliegt. Meine Eltern hatten damals im Südtiroler Pustertal eine Ferienwohnung gemietet, die irgendwann mal nicht mehr groß genug war. Also schauten sie sich nach einer Alternative um und wurden in unmittelbarer Nähe fündig. Über den Preis war man sich sehr schnell einig, nur blieb für den Bauern, dem die Wohnung gehörte, die Frage offen: wer ist das eigentlich, an den ich da meine Wohnung vermieten soll? Wie löste er das Problem? Er ging zu den Nachbarn der alten Wohnung, um mehr über seinen möglichen Mieter herauszufinden. Meine Eltern hatten Glück, beim nächsten Treffen stellte der Bauer fest, dass sie einen guten Leumund hätten und der Vertrag wurde unterschrieben. Der gute Ruf, und im Endeffekt geht es beim Thema Reputation genau darum, war schon immer wichtig. Wer umgekehrt einen schlechten Ruf hatte, lief Gefahr, aus dem Wohnblock oder dem Ort vertrieben zu werden. Als ich vor längerer Zeit im Rahmen eines Seminars über Reputation und ihre heutige Bedeutung diskutierte, kam ein ganz wichtiger Einwand: Früher wären solche Situationen wie die oben beschriebene einfach passiert, heute hingegen sollen wir unser ganzes Leben inszenieren. Die Ergebnisse der daraus entstehenden Diskussion waren sehr spannend. Einerseits stellten wir fest, dass jeder Mensch als Teil einer Gruppe oder der Gesellschaft einen Ruf bekommt, zu dem er selbst beiträgt. Zumindest teilweise, denn die Gruppe oder die Gesellschaft können durch die Interpretation von Handlungen, etc. des Einzelnen den Ruf entscheidend beeinflussen. Erinnern wir uns beispielsweise an die mittelalterlichen Hexengeschichten. Das heißt, es kommt zu einer Wechselbeziehung zwischen dem Individuum und der Gruppe. Andererseits waren wir davon überzeugt, dass es nicht nur heute, sondern auch früher schon Menschen gab, die sehr aktiv an ihrem Ruf arbeiteten. Das führt zu der Frage: kann ich meinen Ruf, meine Reputation inszenieren? Die Antwort lautete damals ja und nein. Der Erfolg der Inszenierung hängt von der Authentizität ab. Es gibt Menschen, denen nimmt man ihre „Inszenierung“ ab und dann gibt es die, bei denen alles gekünstelt wirkt. Lässt sich also der eigene Ruf inszenieren oder ist er ein Produkt, das so eng mit dem Individuum verbunden ist, dass Inszenierungen mittel- und langfristig scheitern müssen? Ich vermute, dass uns Inszenierungen heute leichter fallen als früher. Warum? Ich bin bei der Recherche in der englischsprachigen Wikipedia-Version auf die Erläuterung des Begriffs Reputation management gestoßen. Dort wird zwischen den „Real world- und den Online-communities unterschieden. In der realen Welt entstehe Reputation, so heißt es dort, in kleinen Orten anders als in Großstädten. Der Unterschied: je größer bzw. anonymer die Gruppe, desto formalisierter läuft der Prozess ab, an dessen Ende dann ein guter oder schlechter Ruf steht. Nachdem wir uns heute in der Tendenz eher in großen Gruppen bewegen, die sich durch einen gewissen Grad an Unpersönlichkeit auszeichnen – und da schließe ich dann auch den Online-Bereich mit ein – können wir in diesem Umfeld sehr wohl auf die Inszenierung setzen. Je größer die Gruppe, desto weniger stark fällt die Authentizität ins Gewicht, müsste dann die Schlussfolgerung lauten. Aber vielleicht liege ich damit auch völlig falsch. Wie sehen Sie das?