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Eine Studie bewertet den ökonomischen Nutzen der österreichischen Bundestheater

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© bigdog1; Pixelio

Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat die ökonomischen Effekte der österreichischen Bundestheater untersucht. Die Zahlen des Endberichts besagen, dass die jährlichen Subventionen in Höhe von 133,6 Mio. Euro gut investiert sind, IHS-Chef Bernhard Felderer spricht von einer „hohen Rendite“.

Der Grund:

„Der Betrieb der Einrichtungen des Bundestheater-Konzerns löste in der Spielsaison 2005/06 in Österreich 432,6 Millionen Euro an Wertschöpfung, Beschäftigung in der Höhe von 7.106 Vollzeitäquivalenten, 111,1 Millionen Euro an Nettokaufkraft und 214,3 Millionen Euro an Rückflüssen an die öffentliche Hand aus“,

heißt es in einer Presseaussendung.

Betrachtet man die Zahlen genauer, so wird schnell klar, dass vor allem die Stadt Wien von den Bundestheatern profitiert. Auf der anderen Seite ist das nicht wirklich erstaunlich, denn die Häuser stehen nun mal in der Bundeshauptstadt. Diskutieren kann man nun natürlich darüber, ob es erstens gerecht und zweitens für den Kunst- und Kulturbereich insgesamt sinnvoll ist, dass die Bundestheater vom Bund finanziert werden.

Welche Bedeutung besitzen diese „Leuchttürme“ für den gesamten Bereich, also auch für die kleinen Kulturorganisationen? Diese haben es auf verschiedenen Ebenen schwer, sich gegenüber den großen Häusern zu behaupten. Eine Staatsoper hat einen ganz anderen Bekanntheitsgrad, stellt also eine gut eingeführte „Marke“ dar, die zum Beispiel für die meisten Sponsoren attraktiver ist als eine kleine Einrichtung. Auf Grund der fehlenden finanziellen Mittel müssen kleine Organisationen fast die gleichen, manchmal sogar höhere Eintrittspreise verlangen als etwa ein Burgtheater. Maurice Lausberg bringt die verschiedenen Aspekten in einem Interview recht schön auf den Punkt.

Aber das war nicht das Thema der Studie, die übrigens als PDF online zur Verfügung steht. Es lohnt sich, einen Blick in die Studie zu werfen, denn sie zeigt, welche Argumente für die Subventionierung von Kunst und Kultur auf der wirtschaftlichen Ebene zur Verfügung stehen. Dass der ökonomische Nutzen nicht das einzige Argument sein sollte, ist hoffentlich allen klar.

Gefunden habe ich die Studie übrigens bei Brigitte Jank, die als Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer ein eigenes Weblog betreibt.

2 Comments Join the Conversation

  1. Von mir aus gesehen schaden sich Kulturinstitutionen nur, wenn sie solche Studien in Auftrag geben und publizieren. Die Kultur sollte mit allen möglichen Werten argumentieren, sicherlich aber nicht mit dem finanziellem Nutzen. Wenn sich die Kulturinstitutionen als Renditeobjekte rechtfertigen müssen, so haben sie ohnehin schon verloren. Ein ausführlicher Beitrag zu solchen Studien hier: http://www.kulturblog.ch/2008/01/22/sind-kulturinstitutionen-renditeobjekte/

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  2. Das sehe ich ähnlich, Rico. Wenn der Kunst- und Kulturbereich seine Legitimation auf der wirtschaftlichen Ebene zu erlangen versucht, kann das nur schiefgehen. Allerdings kann man niemandem verbieten, eine solche Studie in Auftrag zu geben und zu veröffentlichen. In diesem Fall war das die Wirtschaftskammer, die, so denke ich, mit dem Ergebnis zufrieden sein wird.

    Danke für den Link auf Deinen Beitrag, dessen Einschätzung ich teile.

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