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Off-Off-Broadway: Was kosten eigentlich Theaterproduktionen?

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Bei uns ist es gar nicht so leicht, das herauszufinden. Rückschlüsse lassen sich unter Umständen aus den diversen Kunstberichten ziehen, in denen die Fördersummen für die einzelnen Projekte aufgelistet sind. Oder ein Theater nennt auf die konkrete Frage hin die Summe, die für die Realisierung notwendig war. Je kleiner die Theatergruppen bzw. Theaterhäuser, desto weniger Zahlenmaterial steht zur Verfügung. Interessant wäre es ja schon zu wissen, wie hoch das Budget der einzelnen Produktionen ist, denn meistens handelt es sich gar nicht um so große Summen. Für die New Yorker Off-Off-Broadway Szene gibt es diese Zahlen nun. Zu verdanken haben wir das der „New York Innovative Theatre Foundation„, die die Produktionsbudgets der Theatergruppen analysiert und in einem Report veröffentlicht hat. Während früher der Unterschied zwischen den Broadway-, den Off-Broadway- und denn Off-Off-Broadway-Bühnen darin bestand, wie weit sie jeweils vom „Broadway“ entfernt lagen, spielen die Bezeichnungen heute auf das Fassungsvermögen der Theaterhäuser an (Broadway: mehr als 500 Zuschauerplätze; Off-Broadway: zwischen 100 und 500 Zuschauerplätzen; Off-Off-Broadway: weniger als 100 Zuschauerplätze). Der Report, der auch als PDF online abrufbar ist, liefert auf neun Seiten interessantes Zahlenmaterial. Ein paar Punkte möchte ich gerne herausgreifen:
  • Die durchschnittlichen Kosten für eine Produktion liegen bei 18.000 USD. Bei 22% der Produktionen beträgt das Budget sogar weniger als 5.000 USD. Lediglich 4% der Produktionen verbrauchen mehr als 50.000 USD (Grafik 7).
  • Mit 36% geht mehr als ein Drittel des Budgets für die Raummiete drauf.
  • Wofür wird das Geld noch ausgegeben? Construction Materials (das sind unter anderem Technik und Kostüme): 16%; PR/Marketing: 19%; Sonstige Kosten wie Transport, Versicherung: 17%
  • Fehlen noch die KünstlerInnen: Von den 73 Theatergruppen, die den Fragebogen ausgefüllt zurücksandten (entspricht einer Rücklaufquote von ca. 20%), gaben 38% an, den KünstlerInnen gar kein Geld zu zahlen. Bei den anderen machten die Gagen für die SchauspielerInnen durchschnittlich 9% des Budgets aus. Pro Produktion sind das im Schnitt 2.110 USD, bei durchschnittlich 5 SchauspielerInnen pro Produktion bedeutet das 420 USD pro Person.
  • Und das Management? Im Report finden sich die folgenden Zahlen: Stage Manager/Crew: durchschnittlich 300 USD/Produktion, was einem Anteil von 2% des Budgets entspricht; Director: 500 USD/Produktion, entspricht 3% des Budgets.
  • Pro Jahr bringen die Theatergruppen durchschnittlich 3 Produktionen im Jahr heraus. 23% schaffen nur eine pro Jahr, 33% zwei und 29% zwischen 3 und 5 Produktionen.
  • Ganz interessant ist die Zahl der Aufführungen pro Produktion. 14 sind es im Schnitt, wobei 41% der Produktionen nur auf maximal 12 Vorstellungen kommen, 44% erreichen 16 Vorstellungen, 13% bis zu 24 und 6% mehr als 24 Vorstellungen.
Fazit: Reich wird hier niemand und interessanterweise ist der größte Ausgabeposten die Raummiete. Jetzt wäre es natürlich interessant, wenn man Vergleichszahlen aus dem deutschsprachigen Raum hätte, denn ich glaube, dass der Unterschied gar nicht so groß ist. Lesetipp: Auch die New York Times berichtet darüber.

4 Comments Join the Conversation

  1. Das glaube ich auch, dass die Zahlen nicht so anders ausfallen würden. Wirklich interessant fände ich mal eine Vollkostenrechnung, die die geleistete Arbeit mit einer angemessenen Vergütung berücksichtigt. Es ist doch eigentlich absurd, dass die Künstler die Mäzene ihrer eigenen Kunst sind.

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  2. ja absurd ist es schon … leider habe ich das schon auch selber ein paar Mal erlebt – man geht manchmal schon sehr weit um seine eigene Kunst zeigen zu können.

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