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Welchen Nutzen haben Kunst und Kultur?

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Hanspeter Gautschin hat den Begriff „Herzensbusiness“ kreiert. „Den beruflichen Heimathafen finden“ ist sein Beitrag überschrieben, in dem er erklärt, was er damit meint:

„Ich glaube daran, dass wir zur Ausübung unseres Herzensbusiness einen uns entsprechenden Heimathafen brauchen, wo wir mit allen Sinnen, mit all‘ unserem Denken und Fühlen dabei sein können (Hingeben).“

Aus diesen inneren Werten heraus schaffen wir einen Wert bzw. Nutzen, der mit ihnen korreliert.

„Diese Werte (Nützlichkeit) gilt es also zu kommunizieren“,

schreibt Hanspeter Gautschin weiter. Welche Nutzen bzw. Wert haben eigentlich Kunst und Kultur? Wie gestern möchte ich auch heute dazu Armin Klein aus seinem Buch „Der exzellente Kulturbetrieb“ zitieren. Klein spricht darin von mindestens „vier verschiedenen Nutzen-Dimensionen“ kultureller Produkte (S.108ff). Es geht für ihn um den

  1. Kernnutzen, sprich die Qualität des Konzerts, der Austellung oder des Buches;
  2. sozialen Nutzen (das geht in Richtung Adam Thurman, der Kunst als eine Art Hub bezeichnet; mehr dazu hier);
  3. symbolischen Wert, was heißt, meine Entscheidung ins Theater zu gehen, hängt auch davon ab, wer den Faust inszeniert;
  4. Servicenutzen, das „Drumherum“, wie es Klein nennt.

Um ihrem Publikum einen Kernnutzen bieten zu können, verfügen Kunst- und Kultureinrichtungen häufig über entsprechende Konzepte. Auch in Sachen Service passiert mittlerweile sehr viel. Die Punkte 2 und 3 haben aber meist noch nicht den Stellenwert, den sie haben sollten oder könnten. Dabei werden viele unserer Kaufentscheidungen ganz maßgeblich vom symbolischen Nutzen beeinflusst. Welches Image hat Ihre Kultureinrichtung? Möchten Sie auf dieser Ebene etwas ändern, dann werden Sie sich mit Themen wie Image und Reputation auseinandersetzen müssen, denn, wie Klein richtig schreibt,

„(d)er ständige Verweis der Kultureinrichtung darauf, wie gut man doch ‚eigentlich‘ sei, wird da nicht viel weiterhelfen (…).“

Das heißt, wir müssen eigentlich vier Marketingkonzepte – denn darum geht es letzten Endes – entwickeln und nicht nur eines. Um die zu erarbeiten, gilt es aber erst einmal zu überlegen, was wir in den einzelnen Bereichen zu bieten haben. Welches Bild geben wir dabei ab? Stimmen Selbst- und Fremdbild überein? Womit wir wieder bei Hanspeter Gautschin und seinem Herzensbusiness wären. Kommt das, was wir tun, nicht aus uns selbst heraus und wirken wir dabei nicht authentisch, helfen uns die besten Konzepte nichts.

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  1. Ist es sinnvoll bei Kunst von einem Nutzen zu sprechen? Wäre es nicht treffender, von verschiedenen Erlebnisebenen zu sprechen, die bei dem Besuch einer Kultureinrichtung bedient werden können und sollten? Mir scheint, als habe Herr Klein recht unreflektiert BWL-Begrifflichkeiten auf den Kulturbereich übertragen.

    Mir ist zudem der Unterschied zwischen dem Kernnutzen und dem symbolischen Nutzen nicht ganz klar. Deckt der sich nicht in der Kunst häufig? Bei Apple ist mir das klar: das Gerät kann etwas (Kernnutzen) und wegen des Apfels drauf, möchte ich es noch ein bisschen lieber haben (symbolischer Nutzen). Aber wie ist das beim Konzert oder einer Inszenierung? Ist da Beethovens 5. der Kernnutzen und die Tatsache, dass Simon Rattle anstatt Provinzorchesterchef Meier dirigiert, der symbolische Nutzen? Aber das, was Rattle macht ist doch auch eine eigene künstlerische Leistung und damit wiederum Kernnutzen? Fragen über Fragen… :-)

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  2. Was die Verwendung des Begriffs angeht, bin ich flexibel. Ich denke, es ist klar, worum es geht. Soll jeder das Kind nennen, wie er möchte.

    Zum Unterschied zwischen Kernnutzen und symbolischem Nutzen: Das Produkt bleibt dasselbe, die Frage ist doch, welchen Nutzen (ich bleibe mal bei diesem Begriff) sich die ZuschauerInnen erwarten? Dein Beispiel mit Apple bringt es eigentlich recht schön auf den Punkt. Den Apfel ohne Gerät würde ja wohl keiner kaufen, insofern ist der symbolische Nutzen meist an den Kernnutzen gekoppelt. Das heißt, ich muss im Hinblick auf das Gerät für Qualität sorgen. Ich muss aber genauso darauf achten, dass das Image von Apple erhalten bleibt. Sonst kaufen die Kunden das Gerät einer anderen Firma.

    Bei Rattle funktioniert das ähnlich: Natürlich ist es möglich, dass Leute ein Konzert von Rattle nur wegen des sozialen Nutzens besuchen. Ich kenne das aus dem Theater, wo Leute ihr Abo behalten haben, weil es wichtig war, dass sie im Theater gesehen wurden.

    Lassen wir diesen Fall mal draußen und gehen davon aus, dass ich Beethovens 5. hören möchte. Angenommen, am 10.10.08 habe ich nun die Möglichkeit, ein Konzert mit Herrn Meier oder mit Herrn Rattle zu hören. Nun kann ich mir hinsichtlich der Qualität (Kernnutzen) Gedanken darüber machen, in welches Konzert ich gehe. Die Entscheidung fällt unter Umständen schon hinsichtlich des Kernnutzens zugunsten von Rattle aus, das muss aber nicht sein.

    Dazu kommt, dass der Name Rattle bei mir hohes Ansehen genießt. Dieser Aspekt würde also auch in meine Entscheidung einfließen.

    Eventuell ist es aber der bekannte Name, der mich überhaupt erst auf die Idee bringt, Beethovens 5. anzuhören. Dann wäre der symbolische Wert der Auslöser für meine Entscheidung. Das heißt, ohne den bekannten Namen hätte ich das Konzert nicht besucht. Wenn dann der Kernnutzen passt, werde ich unter Umständen wieder in ein Konzert gehen, vielleicht sogar mit einem anderen Dirigenten.

    Wichtig ist daher, denke ich, dass wir uns vor Augen halten, dass der Impuls für einen Konzertbesuch auf verschiedenen Ebenen liegen kann. Und nachdem wir nicht wissen, welche Ebene für andere von Bedeutung sind, müssen wir auf allen Ebenen gut sein.

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