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Oper live im Kino erleben

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In den USA werden Opernübertragungen in ausgewählten Kinos schon seit einiger Zeit vom Publikum angenommen. Mittlerweile scheint das Geschäft auch in Europa anzulaufen. Im Dezember des letzten Jahres hieß es in einer Pressetext-Meldung, dass die Kinos damit zwar keine großen Gewinne erwirtschaften würden, aber damit ihr Image aufpolieren könnten. Ob es da aber wirklich nur um das Image geht, kann ich nicht nachprüfen, aber zumindest für die Metropolitan Opera, die hier sehr früh die Initiative egriffen hat, scheint sich das Geschäft bereits zu lohnen. Auf der Website von Variety habe ich einen Bericht entdeckt, der erstmals Zahlen nennt. In 440 amerikanische Kinos (inkl. sonstiger Aufführungsorte) werden in der kommenden Spielzeit 11 Opern live übertragen. Dazu kommt jeweils noch ein Wiederholungstermin. Die Met und Partner National CIneMedia, die das Produkt „Live in HD“ gemeinsam anbieten, schätzen, dass sie in der letzten Spielzeit weltweit ca. 920.000 Menschen für ihre Opernübertragungen begeistern konnten. Mit den acht Opernübertragungen der letzten Spielzeit spielten sie weltweit 18,8 Mio. USD ein, der Löwenanteil entfiel dabei mit 13,3 Mio. auf den nordamerikanischen Markt. Die Met informiert auf ihrer Webpräsenz recht ausführlich über das Angebot, Tickets können online erworben werden. Außer in den USA werden Liveübertragungen aktuell in 18 weiteren Ländern angeboten, darunter auch Deutschland und Österreich. In Österreich werden die Liveübertragungen in acht Städten, bzw. Orten angeboten. Sieben dieser Angebote stammen von der Cineplexx-Kette. Was zahlen Sie dafür, um sich eine der Inszenierungen der Met (neben einigen anderen Angeboten) im Kino anschauen zu können? 30 Euro für die Einzelvorstellung, 140 Euro für ein Paket, das aus sieben Übertragungen besteht, wenn ich das richtig verstanden habe. In Deutschland werden die Übertragungen etwas günstiger angeboten. In Nürnberg ist man etwa schon mit 21,50 Euro dabei. Dafür gibt es allerdings auch keinen Vorverkauf. Was mir besonders gut gefällt: Die Metropolitan Opera bietet diese Liveübertragungen nicht nur weltweit in Kinos an, sondern geht damit auch in (amerikanische) Schulen, um ihre zukünftige BesucherInnen bereits in jungen Jahren zu erreichen. Etwa 2.000 SchülerInnen konnten im letzten Dezember kostenlos die Aufführung von „Roméo et Juliette“ mit Anna Netrebko live verfolgen. Zum Jahreswechsel gab es dann die Möglichkeit, per Satellitenschaltung hinter die Kulissen von „Hänsel und Gretel“ zu blicken. Für mich ist es beeindruckend zu sehen, wie die Met die verschiedenen Medien und Technologien dazu nützt, sich neue Zielgruppen zu erschließen. Aber ihre Innovationskraft ist wahrscheinlich auch mit ein Grund für den Erfolg dieses Opernhauses.

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  1. Interessantes Angebot. Ich frage mich ja, ob das in Deutschland mit seiner Theaterdichte auch so funktioniert. Das Livestreaming der Bayreuther Festspiele ist allerdings gefloppt: 49 Euro für Katharina Wagners Meistersinger-Interpretation wollte irgendwie keiner ausgeben. Es heißt, es seien nur 10% des verfügbaren Kontingents verkauft worden. Aber an der Met sind die Inszenierungen natürlich auch viel schöner. :-) In Deutschland ist die Idee Oper im Kino aber auch nicht neu. 2006 wurde der Chereau-Ring zu seinem 30-jährigen Geburtstag in einer ganzen Reihe von Programmkinos gezeigt. Wie das angenommen wurde, weiß ich allerdings nicht.

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  2. Meinst Du, es liegt an den unterschiedlichen Preisen? 49 vs. 21,50 Euro? Oder an den Opern, also am Angebot?

    Aber Deine Begründung, dass das Angebot wesentlich größer sei und man nicht ins Kino ausweichen müsse, weil das nächste Theater oder die Oper nicht weit entfernt ist, ist natürlich auch nicht von der Hand zu weisen. Schwierig…

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  3. Also ich würde davon ausgehen, dass Regietheater-Inszenierungen im Kino nicht ziehen. Netrebko und Villazon dagegen sicherlich, die gibt es schließlich auch nicht im nächsten Stadttheater zu sehen und zu hören. Insofern ist es eher das Angebot, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, wobei ich auch nicht ganz nachzuvollziehen finde, warum Oper im Kino mehr als doppelt so teuer ist wie ein normaler Film. Kostenrechnerisch lässt sich das sicher plausibel begründen, aber aus Kinogängersicht finde ich das abschreckend.

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  4. Zu den Kosten: das hängt wahrscheinlich auch davon ab, was die Kinos an die Opernhäuser zahlen müssen. Im Fall der Met sind das die knapp 20 Mio. USD, die das Opernhaus mit den acht Übertragungen in der letzten Spieleit eingenommen hat.

    Das Programm habe ich mir mal angeschaut. Natürlich sind da bekannte Namen dabei, aber nicht nur. Vielleicht liegt aber auch die Hürde, sich eine Oper anzuschauen, in einem Kino niedriger als in einem Opernhaus selbst?

    Es wäre mal interessant, die Beweggründe für einen Kino-Opernbesuch zu erfahren. Ich kann da leider nicht mitreden. Aber vielleicht probier ich das einfach mal aus und frage dann ein bisschen herum. Schließlich gibt es auch hier in Wien Kinos, die das anbieten.

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