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Storytelling und die Deutsche Oper Berlin

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Wer eine Oper an einem der vielen Häuser genießt, ahnt meist nicht, welcher Aufwand nötig ist, um eine solche Produktion auf die Bühne zu bringen. Viele Räder müssen ineinander greifen, die Zahl der Beteiligten ist oft sehr groß und dementsprechend schwierig gestaltet sich die Koordination der verschiedenen Arbeitsprozesse. Als Zuschauer bekomme ich weder von diesen vielen Herausforderungen etwas mit, noch von der Leidenschaft, von der auch diejenigen angetrieben werden, die hinter der Bühne zum Erfolg der Produktion beitragen.

Der folgende Kurzfilm „Gerlinde“ zeigt das Zusammenspiel von Perfektionsdrang und Leidenschaft am Beispiel von Gerlinde Pelkowski, Spielleiterin an der Deutschen Oper Berlin. Für mich ist das ein schönes Beispiel, wie Storytelling fernab von Klischees funktioniert und ich als Zuschauer ein Gefühl dafür bekomme, was es alles braucht, um eine Oper auf die Bühne zu bringen.

Nur schade, dass die Deutsche Oper Berlin diesen Film gar nicht erwähnt beziehungsweise bewirbt, weder auf der Website noch in den sozialen Netzwerken. Ich selbst bin auch nur darauf aufmerksam geworden, weil mich die Agentur angeschrieben hat. Ich denke, daraus hätte man mehr machen können. Aber sehen wir es mal so: Ich freue mich, dass ich dieses Video exklusiv ankündigen darf. ;-)

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Update: Nun ist das Video auch auf der Facebookseite zu sehen…

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Der Preis des technischen Fortschritts: Fressen die großen Kulturbetriebe die kleinen Häuser?

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In meinem letzten Blogbeitrag habe ich über die Wiener Staatsoper und ihre Übertragungen per Livestream geschrieben. Mit der digitalen Premiere, der Übertragung des Rosenkavaliers, war man dort zufrieden, „ein paar hundert Streams habe man verkauft“, verkündete das Haus auf Nachfrage.

Während die Wiener Staatsoper dem Modell der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker folgt, orientiert sich die Royal Opera mehr an der Metropolitan Opera und bietet Übertragungen in ausgewählten Kinos an.

Michael Kaiser, Leiter des John F. Kennedy Center for the Performing Arts nimmt diese Entwicklung zum Anlass, um in einem Blogbeitrag nach der Zukunft von Kunst und Kultur zu fragen. Gleich seine erste Frage hat es in sich:

„Are we witnessing a major transition in the arts from regional organizations to fewer mega-organizations with the sophistication to mount large scale productions, to market them well and to raise large sums of money?“

Kaiser konstatiert, dass der technologische Fortschritt es möglich macht, Opernübertragungen in Kinos oder via Internet in hoher Qualität zu folgen. Und das zu Preisen, die weit unter denen liegen, die ein regionales Opernhaus für einen Besuch verlangt.

Wenn wir wirklich gerade den Beginn  einer solchen Übergangsphase erleben, in der ein paar Opernhäuser den Sprung auf die globale Ebene schaffen, dann könne das unter Umständen verbunden sein mit dem Ende der regionalen Einrichtungen, die nicht mehr in der Lage seien, sich finanziell über Wasser zu halten.

Ihnen drohe, so Kaiser, ein ähnliches Schicksal wie der New York City Opera, deren Website vom traurigen Ende zeugt.

Kann uns das auch passieren? Kurz- und mittelfristig vermutlich nicht, denn Kunst und Kultur funktionieren hier nach anderen Regeln. Aber langfristig kann dem Kunst- und Kulturbereich das drohen, was in anderen Bereichen schon passiert ist: Die Großen fressen die Kleinen.

Noch besteht aber keine unmittelbare Gefahr, denn erstens sieht das Finanzierungsmodell bei uns ganz anders aus und zweitens werden die Übertragungsangebote der großen Häuser noch nicht in großem Stil angenommen, wenn man von der Bayerischen Staatsoper absieht, die ihren Livestream aber kostenlos anbietet. Natürlich können wir jetzt darüber diskutieren, ob die Qualität eines Livestreams mit der vor Ort mithalten kann. Fakt ist aber, dass eine solche Argumentation schon des öfteren gescheitert ist. Auch bei der Schallplatte wurde man nicht müde, deren Qualität hervorzuheben. Trotzdem wurde sie von der CD verdrängt, die wiederum mit den Streamingangeboten nicht mehr lange wird konkurrieren können.

Interessant ist auch die Frage Kaisers, ob es zu einem Wettbewerb zwischen den Global Playern kommen kann, der dann zu sinkenden Preisen in den Kinos oder vor dem Bildschirm zu Hause führt. Und das angesichts der Tatsache, dass die Bayerische Staatsoper schon heute kostenlos streamt. Bleibt die Frage nach der Qualität. Wenn die großen Häuser auf den finanziellen Erfolg ihrer Übertragungen angewiesen sind, müsste eigentlich die Bereitschaft, ein künstlerisches Risiko einzugehen, abnehmen. Ich kenne leider keine Spielplananalysen, aber es wäre interessant herauszufinden, ob wir uns nicht bereits in einer solchen Entwicklung befinden?

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Wiener Staatsoper: per Livestream ins eigene Wohnzimmer

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© Samsung Electronics Austria

Man kann dem Kunst- und Kulturbereich ja vieles nachsagen, aber dass er sich in seiner Gesamtheit durch eine besondere Technologieaffinität auszeichnet, lässt sich wohl nicht behaupten. Das ist nicht besonders klug, denn ich denke, Seok Pil Kim, President & CEO Samsung Electronics Europe, hat recht, wenn er sagt, dass die Technologie eine der treibenden Kräfte in der Evolution von Kunst sei.

Gefallen sind diese Worte anlässlich einer Pressekonferenz, auf der die Wiener Staatsoper und der Elektronikkonzern Samsung gemeinsam die Plattform „Wiener Staatsoper livestreaming“ vorgestellt haben. Wenn sich am kommenden Sonntag im Haus am Ring der Vorhang für den Rosenkavalier hebt, dann werden erstmals auch die UserInnen vor ihren Bildschirmen die Chance haben, live dabei zu sein.

Für diese Spielzeit sind 15 Liveübertragungen geplant, für die man jeweils 14 Euro zahlen muss, Aufzeichnungen kosten jeweils 5 Euro. Ein Streamingabo ist erst für die kommende Spielzeit geplant. Wer ein neueres Samsung TV-Gerät besitzt, muss sich die Opernübertragung nicht auf einem unter Umständen kleinen Laptopbildschirm anschauen. sondern kann sie dank einer Smart TV-App am eigenen Fernsehgerät genießen. Eine zusätzliche App für Android- und iOS-Betriebssysteme erlaubt das Mitlesen von Untertiteln in deutscher, englischer und koreanischer Sprache. Noch im Laufe dieses Jahres soll es dann auch möglich sein, über diese App die Partitur mitlesen zu können.

Das erinnert mich an die (iPad)-App „Beethoven’s 9th Symphony„, auf der das auch möglich ist und die darüber hinaus auch zeigt, welche Instrumente gerade zum Einsatz kommen. Die Kombination von Fernsehgerät und App mag im ersten Moment verwirrend erscheinen, aber beide Geräte scheinen sich perfekt zu ergänzen, denn Beib Start synchronisiert sich die Smartphone-App mit der App am Smart-TV, erkennt durch Audio-Watermarking automatisch die aktuelle Stelle des Stückes und blendet entsprechend dazu die passenden Untertitel oder Partituren ein. Das heißt, das mobile Endgerät – Smartphone oder Tablet-PC – fungiert als Second Screen und erlaubt mir, die Oper ganz anders zu verfolgen als es bei einer klassischen Übertragung der Fall ist, wie wir es etwa vom Fernsehen her kennen.

Zurück zu den Worten von Seok Pil Kim: Ich sehe hier wirklich die Möglichkeit, dank der technologischen Entwicklungen Menschen das Erlebnis Oper näher zu bringen, die die Häuser sonst nie erreicht hätten. Ob das der Wiener Staatsoper gelingt, hängt meiner Meinung noch von drei Faktoren ab. Erstens sind 14 Euro pro Liveübertragung nicht gerade wenig, zumal beispielsweise die Bayerische Staatsoper schon vor einiger Zeit ein ähnliches Angebot entwickelt hat, das kostenlos genutzt werden kann und auch die Met mit ihren Kinoübertragungen durchaus als Konkurrenz gesehen werden muss.

Zweitens klingt das alles noch etwas kompliziert und verwirrend. Zwar ist der reine Bestellvorgang vorbildlich mit einem Video erklärt. Aber die Dauer von 7 Minuten lässt erahnen, dass mehr als zwei Schritte notwendig sind, um die Oper ins eigene Wohnzimmer zu holen. Wie das mit den zusätzlichen Apps ist, hat sich mir erst so allmählich erschlossen: Die Smart TV-App läuft über das Samsung TV-Gerät, die App mit Untertiteln und Partitur über die mobilen Endgeräte, wobei ich diese App zum Beispiel heute nicht bei iTunes finden konnte. Dort gibt es – zumindest für mich – derzeit nur die „normale“ App der Wiener Staatsoper, über die ich dann noch die Programmhefte für 2,69 Euro erwerben kann. Das sind ziemlich viele Hürden, aber vielleicht gelingt es ja, sie in den nächsten Monaten Schritt für Schritt abzubauen.

Und dann ist da noch der dritte Punkt, nämlich die Frage der Finanzierung. Auf der Website der Oper heißt es: „Das laufende Budget der Wiener Staatsoper wird durch die Anfangsinvestitionen und Kosten des Projekts dank der großzügigen Unterstützung der Sponsoren und Partner nicht belastet.“ D.h. die Frage, ob sich die Sache rechnet, ist derzeit noch kein Thema. Aber das kann sich ändern.

Spannend ist, dass die Staatsoper die technologische Entwicklung auch dafür nutzen möchte, um neue Angebote für Schulen oder Universitäten zu entwickeln. Angedacht sind virtuelle Backstageführungen oder Werkeinführungen, um, wie Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst auf der Website der Staatsoper zitiert wird, es möglich zu machen, „dass Schulklassen, die nicht die Gelegenheit haben nach Wien zu fahren, etwa einen Probenbesuch erleben können“.

Wenn es gelingt, die Oper dank der Technologie nicht nur in die Wohnzimmer, sondern auch in die Schulklassen zu bringen, dann wäre das eine Bestätigung der eingangs erwähnten Worte des Samsung Europa-Chefs.

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Die Deutsche Oper am Rhein: rettungslos verloren?

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Extraschicht 2011 – Duisburg„; By Jens Pletsch (CC-Lizenz)

Während das Autorenteam des Kulturinfarkt nur im Konjunktiv darüber sprach, was denn wäre, wenn man der Hälfte der Kultureinrichtungen die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand verweigern würde, sieht die Realität ganz anders aus. Der Stadt Duisburg fehlt das Geld, um die Opernehe mit Düsseldorf aufrecht zu erhalten. Zwar sind die 11 Mio. Euro, mit der Duisburg die Rheinoper unterstützt, als Schnäppchen zu bezeichnen, aber nachdem die Stadt in den nächsten zehn Jahren 80 Mio. Euro einsparen muss, wollen die Verantwortlichen auch Kunst und Kultur bei ihren Sparbemühungen nicht ausnehmen.

Grundsätzlich ist das nachvollziehbar, denn warum sollte ein Bereich gegenüber den anderen bevorzugt werden? Nur so ganz einfach ist es nicht, denn den meisten Kultureinrichtungen fehlt die finanzielle Manövriermasse. Die Personalkosten steigen regelmäßig, das Gesamtbudget muss aber gleich bleiben, da weder private Geldgeber noch die öffentliche Hand höhere Beträge bereitstellen wollen bzw. können. Das bedeutet, die Summen, mit denen „gearbeitet“ werden kann, schrumpfen und sind irgendwann ganz verschwunden. Ab diesem Zeitpunkt kann ein Kulturbetrieb zwar noch seine MitarbeiterInnen bezahlen, aber es ist kein Geld für Inszenierungen, Ausstellungen, etc. da. Das wäre dann der Moment, wo man eigentlich zusperren muss und immer häufiger geht es um genau diesen Punkt.

Um diesem Dilemma zu  entkommen, müsste man die Bedeutung von Kunst und Kultur hervorheben und herausarbeiten, warum diese bedien Bereiche von den Sparbemühungen auszunehmen sind. Wer als Fan von Kunst und Kultur gesehen hat, wie schnell öffentliches Geld in den Finanzsektor gepumpt werden kann, wird sich fragen, warum das nicht auch im Kunst- und Kulturbereich möglich ist, zumal es hier doch meist nur um ein paar Millionen geht?

Interessant ist die Begründung: Banken haben Geld bekommen, weil sie systemrelevant sind. Gleiches wird vom Kunst- und Kulturbereich behauptet, nur ist die Systemrelevanz wohl auf einer anderen Ebene angesiedelt. Wenn Kunst und Kultur gesellschaftsrelevant sind, dann muss das in der Gesellschaft auch akzeptiert werden. Das bedeutet nicht, dass diese Relevanz einmal beschlossen als unangreifbar gilt. Im Grunde genommen muss sie immer wieder neu ausverhandelt werden. Das heißt, es macht wenig Sinn, die für die Rheinoper benötigten Summen mit den Beträgen zu vergleichen, die in den Finanzsektor geflossen sind. Eigentlich geht es darum, die Relevanz von Kunst und Kultur herauszuarbeiten und einen gesellschaftlichen Konsens herbeizuführen.

Davon sind wir aber leider weit entfernt, glaube ich. Wenn ich mir in der ZEIT die Kommentare auf den Artikel „Verwahrloste Finanzen“ anschaue, dann wird da schnell deutlich, dass die Subventionierung von Kunst und Kultur von vielen vehement abgelehnt wird. Das ist das Recht von uns allen, erschreckend sind allerdings die Begründungen. Wenn es dort heißt, Oper sei „Bonzenkultur, da geht nur rein, wer einen Benz in der Garage hat“, dann stellt sich mir die Frage, ob diejenigen, die an die Systemrelevanz von Kunst und Kultur glauben, in der Vergangenheit nicht den Fehler begangen haben, die richtige Argumentation dafür zu finden.

Wenn in der Facebookgruppe „Für den Erhalt der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg“ Kritikern entgegnet wird:

„Nimm dir einfach mal ein Buch über Musikgeschichte und lies es, dann wirst du darauf kommen, dass es nicht von ungefähr kommt, dass es in Deutschland so eine vielfältige Orchesterlandschaft gibt und dass wir weltweit dafür bewundert werden und als Nation große Anerkennung bekommen“,

dann spricht daraus eine Haltung, die ich als arrogant und überheblich bezeichnen würde. Auf der Ebene könnte ich dem Verfasser obiger Zeilen raten, doch mal ein Buch über die Geschichte der Menschheit in die Hand zu nehmen, um zu erkennen, dass alles vergänglich sei, auch ein Opernhaus.

Ich finde es gut, dass es eine Online-Petition zur Rettung der Deutschen Oper gibt. Aber das ist nicht genug. Wenn es uns nicht gelingt, die KritikerInnen von Kunst und Kultur ernst zu nehmen, uns wirklich mit ihnen auseinander zu setzen und Argumente zu finden, die für den Erhalt von Theatern, Museen und Opernhäusern sprechen, dann wird es sie vermutlich bald nicht mehr geben. Und es ist unsere Schuld, denn jemand als Deppen zu bezeichnen, weil er meine Ansicht nicht teilt, war noch nie eine Strategie, die zum Erfolg geführt hat.

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„Can I be your friend?“

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„Nico Muhly’s new opera is a cautionary tale of the dark side of the internet“,

kündigt die English National Opera ihr aktuelle Produktion „Two Boys“ an und springt somit auch auf den Zug derer auf, die sich kritisch mit dem Internet auseinandersetzen. Kritik hin oder her, bei der Bewerbung vertraut man aber sehr wohl auf das virale Potenzial von Social Media. Neben dem Blog hat es mir vor allem dieses Video angetan:

Auf witzige Art und Weise wird unser Verhalten auf Twitter und Facebook in unser reales Leben übertragen. An ein Fahrrad wird ein Post-it geklebt, auf dem „like“ steht, wildfremde Menschen werden gefragt, ob man ihr Freund sein darf und das „follow“ wird sehr wörtlich verstanden.

Bei mir zumindest hat das Video seinen Zweck erfüllt, denn einerseits musste ich lachen, da manche Situationen wirklich komisch sind. Andererseits sträube ich mich aber auch dagegen, das Online- und Offline-Verhalten so direkt miteinander zu vergleichen.

Warum? Erstens entspricht die Bezeichnung „Freund“ auf Facebook nicht dem, was ich wirklich unter einem Freund verstehe. Zweitens möchte mich auch nicht mit der ganzen Person verbinden, sondern „nur“ an deren Gedanken teilhaben. Das ist in meinen Augen ein großer Unterschied, insofern denke ich, regt das Video zwar zum Nachdenken an über das, was wir da im Social Web tun. Aber der direkte Vergleich passt für mich nicht so ganz.

Wie sehen Sie das?

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Auch das ist Oper

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Das Royal Opera House ist ein geschichtsträchtiger Ort, an dem, der Name verrät es schon, (unter anderem) Opern zu sehen sind. Inszenierungen wie Aida oder die Zauberflöte, die man dort aktuell sehen kann, wird man wahrscheinlich an vielen Opernhäusern sehen können. Aber die Verantwortlichen scheuen nicht vor Experimenten zurück. So kann man zum Beispiel ab dem 5. März Carmen in 3D genießen, weltweit und in ausgewählten Kinos. Rund 15 Euro kostet ein Ticket in Österreichs Kinos, in Deutschland kann man den Film für etwas weniger Geld sehen.

Seit Mitte Februar schon läuft dort die Oper Anna Nicole,

„(a) celebrity story of our times that includes extreme language, drug abuse and sexual content“,

weshalb man auch 16 Jahre alt sein muss, um eingelassen zu werden. Interessant ist der Trailer, mit dem das Haus die Oper bewirbt. Das Video ist schräg, die Musik ein Ohrwurm. Aber, und das ist nun wirklich etwas kurios, es handelt sich dabei um einen eigenen Song und nicht um Musik aus der Oper.

Via Mind the Gap

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Social Media für Kulturbetriebe: wer vernetzt sich eigentlich mit wem?

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Das schöne an Blogkommentaren ist, dass man neben den Inhalten auch immer wieder auf bisher unbekannte Blogs stößt. Wenn der oder die BlogbetreiberIn dann nicht nur interessante Inhalte bietet, sondern auch gut schreibt, dann kommt das Blog gleich in den Feedreader und wird fortan gelesen. So mache ich das zumindest und freue mich über jede interessante Entdeckung.

So bin ich zum Beispiel auf Sarah-Maria und ihr Opernblog gestoßen. Heute morgen hat sie hier im Blog kommentiert und mir so den Aufhänger für das heutige Blogpost geliefert. Warum? In ihrem Opernblog gibt es „Opernkritiken und Wissenswertes rund um die Oper“ zu lesen, wie sie selbst im Untertitel schreibt. Das Blog existiert noch nicht einmal vier Wochen und enthält doch schon eine Menge an Beiträgen. Ich kennen Sarah-Maria nicht, würde sie aber als Opernfan bezeichnen, der seine Begeisterung mit anderen teilen will und daher einen völlig anderen (Schreib)-Stil pflegt wie die Opernhäuser selbst.

Wäre ich ein Opernhaus, das im Social Web aktiv ist, würde ich mich mit ihr vernetzen und sie mit Informationen versorgen, so gut ich kann. Ich würde ihr Blog in meine Blogroll aufnehmen (so ich ein Blog und eine Blogroll habe) und bei ihr, wann immer es geht, Kommentare verfassen, um Leben in ihr Blog zu bekommen. Je lebendiger ihr Blog ist, desto besser für die Oper.

Früher war es immer so, dass man als Fan froh sein durfte, wenn man von der jeweiligen Kultureinrichtung überhaupt wahrgenommen wurde. Heute hat sich das geändert. Sarah-Maria kann sich, so sie das will, mit allen Opernhäusern dieser Welt vernetzen und über sie schreiben. Als Opernhaus sieht die Sache etwas anders aus. Fans wie Sarah-Maria sind rar und sich mit ihnen zu vernetzen ist gar nicht so einfach.

Übrigens gibt es solche Blogs auch in anderen Kunstsparten, betrieben von genauso begeisterten KunstliebhaberInnen…

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Opera Flash Mob

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Was die anderen können, kann die Opera Company of Philadelphia auch: ein Flash Mob im Supermarkt

So nett das auch aussieht. Für mich stellt sich die Frage, ob das was bringt? Am Anfang wahrscheinlich schon. Aber wenn wir im Supermarkt täglich bespaßtunterhalten werden, dann wird es auch auf diesem Weg nicht mehr gelingen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wie sehen Sie das?

Via smArts & Culture

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Royal Opera House: Tradition und Social Media

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Zur Zeit bin ich von Twitter etwas genervt. Tagtäglich wird man von Angeboten belästigt, in denen einem hunderte neue Follower pro Tag versprochen werden oder das große Geschäft. Auf der anderen Seite ist es halt doch eine Fundgrube, die einen immer wieder tolle Entdeckungen machen lässt. Als ich heute morgen eine kurze Nachricht erhielt, dass mir Ivor Bolton, der Chefdirigent des Salzburger Mozarteum Orchesters auf Twitter folgt, schaute ich mir, wie ich das bei allen mache, die mir folgen, seine Tweets an.

Dabei entdeckte ich folgende Nachricht:

Das klang spannend und so schaute ich, was sich dahinter verbirgt. Fündig wurde ich auf dem Blog-Channel des Royal Opera House, das auf Wikipedia als das „bedeutendste britische Opernhaus“ bezeichnet wird. Unabhängig von der Frage, ob es das bedeutendste Opernhaus ist oder nicht, blickt es auf alle Fälle auf eine ziemlich lange Geschichte zurück. Dass es an einem solchen Haus mit viel Tradition nicht so ganz einfach ist, über das Social Web zu kommunizieren, kann man nur vermuten. Dass dem so istwar, erfährt man auf der Startseite des Blogs, wo man mit folgenden Sätzen begrüßt wird:

„Hello, and welcome to the Royal Opera House blog. Unfortunately, we’ve not been very good at blogging in the past, but we’ve just started a new project that we’re very excited about, and which we hope will breathe some new life into this old blog.“

In meinen Augen ein höchst sympathischer Einstieg, der bei mir das Interesse geweckt hat. Bei dem angesprochenen Projekt handelt es sich um die Idee, den Plot einer Oper per Twitter zu entwickeln:

„We’re working Twitterverse to create the storyline for a brand new opera, which will be performed throughout the weekend of Deloitte Ignite (4, 5, 6 September 2009). We’re investigating how short, 140-character contributions can build upon each other to create a non-linear narrative (…).“

Verfolgen kann man den Projektverlauf entweder auf Twitter (@youropera) oder eben im Blog. Was ich vermisse (vielleicht habe ich es auch einfach übersehen), ist ein Hashtag, das einem dabei hilft, alle Tweets zu diesem Thema auch zu finden. Das hier ist übrigens der Ausgangspunkt der zukünftigen Handlung:

@youropera ist aber nur ein Teil des Web 2.0-Auftritts des Royal Opera House. Auf dem Blog finden sich Links zur Facebook-Fanseite und zum YouTube-Videochannel. Auf der Facebook-Seite haben sich mittlerweile mehr als 17.000 Interessierte eingetragen und dass dieser Kanal auch wirklich genutzt wird, zeigen Anfragen, ob man etwa ein zweijähriges Kind in eine Ballettaufführung mitnehmen dürfe bzw. solle?

Der Videokanal auf YouTube hat aktuell knapp 2.000 Mitglieder, die zwischen mittlerweile 80 Videos auswählen können. Angeboten werden dabei (qualitativ hochwertige) Videos, die den Blick hinter die Kulissen erlauben, Einblicke in die Entstehung einer Produktion ermöglichen oder als Trailer dienen. Ich habe nicht alle Videos angeschaut, aber das hier hat mir besonders gut gefallen:

Die Website des Hauses wirkt auf den ersten Blick sehr traditionell und erst beim zweiten Hinsehen bemerkt man, dass hier nicht nur Videos integriert sind und Podcast abgerufen werden können, sondern man sich auch ein eigenes Profil erstellen kann, um dann maßgeschneiderte Informationen zu erhalten.

Für mich zeigt das Royal Opera House sehr schön, wie sich die verschiedenen Kommunikationskanäle des Web 2.0 einsetzen lassen, ohne dass es peinlich oder übertrieben wirkt. Aber wahrscheinlich hat mich dieses altehrwürdige Haus durch seine ersten Sätze im Blog gewonnen. ;-)

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Oper live im Kino erleben

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In den USA werden Opernübertragungen in ausgewählten Kinos schon seit einiger Zeit vom Publikum angenommen. Mittlerweile scheint das Geschäft auch in Europa anzulaufen. Im Dezember des letzten Jahres hieß es in einer Pressetext-Meldung, dass die Kinos damit zwar keine großen Gewinne erwirtschaften würden, aber damit ihr Image aufpolieren könnten.

Ob es da aber wirklich nur um das Image geht, kann ich nicht nachprüfen, aber zumindest für die Metropolitan Opera, die hier sehr früh die Initiative egriffen hat, scheint sich das Geschäft bereits zu lohnen. Auf der Website von Variety habe ich einen Bericht entdeckt, der erstmals Zahlen nennt.

In 440 amerikanische Kinos (inkl. sonstiger Aufführungsorte) werden in der kommenden Spielzeit 11 Opern live übertragen. Dazu kommt jeweils noch ein Wiederholungstermin. Die Met und Partner National CIneMedia, die das Produkt „Live in HD“ gemeinsam anbieten, schätzen, dass sie in der letzten Spielzeit weltweit ca. 920.000 Menschen für ihre Opernübertragungen begeistern konnten. Mit den acht Opernübertragungen der letzten Spielzeit spielten sie weltweit 18,8 Mio. USD ein, der Löwenanteil entfiel dabei mit 13,3 Mio. auf den nordamerikanischen Markt.

Die Met informiert auf ihrer Webpräsenz recht ausführlich über das Angebot, Tickets können online erworben werden. Außer in den USA werden Liveübertragungen aktuell in 18 weiteren Ländern angeboten, darunter auch Deutschland und Österreich.

In Österreich werden die Liveübertragungen in acht Städten, bzw. Orten angeboten. Sieben dieser Angebote stammen von der Cineplexx-Kette. Was zahlen Sie dafür, um sich eine der Inszenierungen der Met (neben einigen anderen Angeboten) im Kino anschauen zu können? 30 Euro für die Einzelvorstellung, 140 Euro für ein Paket, das aus sieben Übertragungen besteht, wenn ich das richtig verstanden habe.

In Deutschland werden die Übertragungen etwas günstiger angeboten. In Nürnberg ist man etwa schon mit 21,50 Euro dabei. Dafür gibt es allerdings auch keinen Vorverkauf.

Was mir besonders gut gefällt: Die Metropolitan Opera bietet diese Liveübertragungen nicht nur weltweit in Kinos an, sondern geht damit auch in (amerikanische) Schulen, um ihre zukünftige BesucherInnen bereits in jungen Jahren zu erreichen. Etwa 2.000 SchülerInnen konnten im letzten Dezember kostenlos die Aufführung von „Roméo et Juliette“ mit Anna Netrebko live verfolgen. Zum Jahreswechsel gab es dann die Möglichkeit, per Satellitenschaltung hinter die Kulissen von „Hänsel und Gretel“ zu blicken.

Für mich ist es beeindruckend zu sehen, wie die Met die verschiedenen Medien und Technologien dazu nützt, sich neue Zielgruppen zu erschließen. Aber ihre Innovationskraft ist wahrscheinlich auch mit ein Grund für den Erfolg dieses Opernhauses.