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Wenn sich die Grenzen zwischen KünstlerInnen und Publikum auflösen

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Auf die Frage nach den Chancen und Potenzialen des Web2.0 für das Marketing von Kultureinrichtungen spricht Jennifer Hoffmann in einem Interview einen sehr wichtigen Aspekt an:

„Die Zweiteilung Produzent – Konsument löst sich langsam auf. Bezogen auf Kunst und Kultur stellt sich da die Frage: Wie verhält es sich mit der Zweiteilung Künstler – Publikum?“

Während Marketing früher hieß, den Konsumenten mit einer Botschaft zu bearbeiten, bis er „verstanden“ hatte, geht unser heutiges Verständnis eher in Richtung Dialog zwischen Produzent und Konsument. Jennifer Hoffmann geht nun noch einen Schritt weiter und spricht davon, dass die Grenze zwischen Marketing und Kollaboration immer weiter verschwimmt und Konsumenten sich aktiv am künstlerischen Prozess beteiligen.

Zwar möchte sie nicht, dass alles zum Mitmach-Kunstwerk werde, aber die Möglichkeiten sind vorhanden, wie sie anhand eines Beispiels aufzeigt.

Da passt eine Aussage von Patricia Martin, Kulturmarketingberaterin in Chikago, ganz gut dazu, die feststellt, dass sich der Zugang zu Kunst und Kultur verändert habe:

„“What’s important to the younger generation is their hip-hop music, their poetry and poetry slams, the books they read. They are not only hungry to consume arts and culture, but they are producing it as well. It’s a perfect circle“,

wird sie in einem Artikel auf Chron.com zitiert. Nur müssen das die Kultureinrichtungen auch mitbekommen, sonst kann es ihnen passieren, dass es plötzlich andere sind, die Kunst und Kultur machen.

Das Interview mit Jennifer Hoffmann enthält viele Anregungen und Beispiele, wie so etwas funktionieren kann. Die Sorge, dass das Web2.0 nicht im Kunst- und Kulturbereich ankommt, ist da, denke ich, unbegründet.

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  1. Sehr interessanter Ansatz! Ich bin allerdings der Meinung, dass sich weniger die Grenzen zwischen dem Publikum und den KünstlerInnen, sondern eher die Grenzen zwischen dem Publikum und den Kommunikations- und Vermarktungsexperten auflösen. Wer also für die Kommunikation eines Kulturangebots zuständig ist, muss damit aufhören, die Kommunikation beherrschein zu wollen. Er muss damit leben, dass die vielen neuen „Experten“ das Angebot so kommunizieren, wie SIE es erleben, und damit schlussendlich auch das Gesicht und die Stossrichtung des Angebots verändern.

    Sabine, Salonpalaver

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  2. Ja, wobei der Wunsch, die Kommunikation beherrschen zu wollen, wie Du es ausdrückst, gar nicht so leicht „umzumodeln“ ist.

    Beherrschen bedeutet Sicherheit und wer verzichtet da schon gerne darauf? Ich stehe immer wieder vor der Frage, wie man das „lernen“ kann. Hast Du eine Idee?

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  3. Nicht nur im Kulturbereich hat man Probleme damit, dass durch das Internet eine neue Art der Kommunikation entstanden ist, die man als Marketingabteilung nicht komplett beherrschen und kontrollieren kann.

    Blogger werden oft mehr als Bedrohung als als Chance gesehen, vor ein paar Tagen hat Karsten Füllhaas das in einem Blogpost „Wie Blogger Marketing-Erfolge machen“ schön auf den Punkt gebracht.

    Wie lernt man, auf die Sicherheit der Kontrolle zu verzichten und die neue Art der Kommunikation als Chance zu begreifen?
    Hmmm. Indem man sich damit auseinander setzt, ausprobiert, sich darauf einläßt. Denn nur dann merkt man, was man alles gewinnt dafür, dass man etwas hergibt – die Kontrolle.
    Das tun aber die meisten der klassisch denkenden Marketingmenschen nicht.

    Aber das wird sich ändern – wenn eine neue Generation die Marketing- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen und auch von Kultureinrichtungen bevölkert, die mit dem Internet und der neuen Art der Kommunikation aufgewachsen ist.

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  4. Für öffentlich finanzierte Kultur gibt es bei der Anwendung der besagten neuen Marketingmöglichkeiten ein Problem, das ganz tiefgreifend das Selbstverständnis tangiert. Für die sog. Hochkultur gilt das von Arnold Schoenberg überlieferte Motto: „Wenn es Kunst ist, kann es nicht für alle sein und wenn es für alle ist, kann es keine Kunst sein.“ Dieser elitäre Ansatz kollidiert einerseits natürlich mit der Web 2.0-Philosophie. Andererseits liegt hierin aber die Rechtfertigung, warum Kunst/Kultur öffentlich finanziert werden sollte. Denn wenn sie für alle wäre, gäbe es keinen Grund, sie nicht einfach dem freien Markt zu überlassen. Kein Wunder also, wenn Kultureinrichtungen ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Web 2.0 haben.

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  5. Ich weiß um diesen elitären Ansatz in vielen Kultureinrichtungen, bes. der Hochkultur.
    Dass der mit der Web 2.0-Philosophie kollidiert, ist klar.

    Für mich rechtfertigt aber gerade diese Denkweise die öffentliche Förderung überhaupt nicht.
    Denn wenn von vorne herein klar ist, dass die Angebote nicht „für alle“ sondern nur für „die Elite“ gedacht sind, warum sollen sie dann alle mit ihren Steuergeldern finanzieren? Die Bildungselite gehört ohnehin üblicherweise der finanzkräftigen Schicht an, es ist für mich absolut nicht einzusehen, dass man Frau X, die im Supermarkt arbeitet, zur Kasse bittet, ihr aber gleichzeitig zu verstehen gibt: „Sie sind aber leider eh zu dumm dafür und verstehen nichts von Kunst, daher zahlen Sie bitte schön ihren Anteil, aber lassen uns sonst in Ruhe. Wir haben überhaupt nicht im Sinn, Angebote für solche Banausen wie Sie zu entwickeln…“

    Warum muss sie die Angebote dann mitfinanzieren?
    Wenn man alle zahlen lässt, dann muss man sich auch für alle etwas überlegen. Z.B. wie man den „weniger Gebildeten“ die Kunst schmackhaft machen kann, ihnen einen Zugang dazu verschaffen kann, ihnen ein Gespür dafür vermitteln kann.
    Dafür eignen sich die Möglichkeiten des Web 2.0 gut. Um wieder zum Thema zurück zu kommen.

    Wenn eine Kultureinrichtung gar nicht vor hat, auch Angebote für „weniger Gebildete“ entwickeln, verdient meiner Ansicht nach keine öffentliche Förderung und soll sich um Sponsoren aus dem Kreis ihrer Zielgruppe bemühen.
    Aber vielleicht wollen die dann auch mal mitreden? Über Web 2.0 ? (Insider-Blogs, Exclusivclubs als Internetcommunities…)

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  6. Mitfinanzieren muss die Angebote jede/r, weil sie ihm/ihr prinzipiell offen stehen und weil es einen demokratischen Konsens gibt, dass sie förderungswürdig sind. So eine unmittelbare Nutzenverrechnung in Bezug auf Steuern finde ich deswegen problematisch. Ich fahre z.B. kein Auto, kann meine Steuern deswegen aber auch nicht reduzieren, nur weil es meinetwegen keine Autobahnen und Landstraßen geben müsste. Das wäre auch sehr kurz gedacht, denn natürlich profitiere ich auch mittelbar von einer guten Infrastruktur. Das gilt auch für die kulturelle Infrastruktur.

    Trotzdem kann und sollte man natürlich im Marketing versuchen, viele Leute dafür zu begeistern, aber man sollte nicht glauben, dass der Idealzustand darin liegt, dass sich alle Menschen z.B. für abstrakte Malerei erwärmen können. Kunst ist individuell, eigensinnig, sensibel, selbstbezogen und damit von Natur aus auch tendenziell elitär und nicht jedermanns Sache. Und wie gesagt glaube ich, dass hierin die Berührungsängste mit der Vergesellschaftungsphilosophie des Web 2.0 begründet liegen. Was aber nicht heißt, dass man diese Ängste nicht überwinden sollte. Die Offenheit, die Kunst von Ihren Rezipienten einfordert, kann sie gerne auch selbst an den Tag legen.

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  7. Kleiner Einwurf: Kunst sollte nicht „tendenziell elitär“ sein. Waren nicht beispielsweise früher die Opernhäuser offen für alle und wurden auch so genutzt? Da gab es je nach gesellschaftlichem Rang einen Platz entweder im Parkett, in den Logen oder eben auch auf den einfachen Plätzen – bis hin zu Stehplätzen für Dienstboten und Mägde.

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  8. „weil es einen demokratischen Konsens gibt, dass sie förderungswürdig sind“…

    Ich muss aber trotzdem nicht der Meinung sein, dass das in Ordnung so ist. Aber das ist eine andere Diskussion und soll an anderer Stelle geführt werden, zu diesem Blogpost passt sie ja nur am Rande…

    Klar ist das vereinfacht dargestellt (ist ja eine Blogdiskussion, wo jeder nur ein paar Zeilen schreibt und keinen halbstündigen Vortrag hält…)
    – und das Museum für abstrakte Malerei zieht Touristen und als weicher Standortfaktor eine besser verdienende Schicht an, und die bringen wieder Geld in den Supermarkt, somit kann Frau X ihre 25 auf 30 Stunden aufstocken … und ist im Endeffekt doch glücklich, weil sie sich damit ihr Robbie Williams Ticket leisten kann :-)

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  9. Interessanter Gedanke, den Du da einbringst, Christian. Für mich stellt sich erstens die Frage, ob das Elitäre in der Kunst auf der Produktions- oder Rezeptionsseite zu verorten ist? Und zweitens, was wir unter dem „Elitären“ verstehen?

    Ich denke, es ist das Ziel jeder künstlerischen Tätigkeit, etwas künstlerisch Einzigartiges zu schaffen. Das heißt, das, was ich da produziere, unterscheidet sich von den Werken anderer KünstlerInnen. Darin kann ich einen elitären Grundgedanken erkennen.

    Das heißt nun aber nicht unbedingt, dass ich deshalb auch davon ausgehe, dass meine Kunst nur für bestimmte Menschen gedacht ist und von ihnen verstanden wird. Es gibt KünstlerInnen, denen ist das Publikum „egal“; wer und wie viele Menschen es sind, spielt für sie keine Rolle. Ist das dann aber auch elitär? Ich bin mir nicht sicher.

    Interessant ist der Aspekt, Matthias, den Du angesprochen hast. Das Bemühen, Kunst allen zugänglich zu machen, existiert ja heute immer noch. Den Stehplatz gibt es ja heute noch. Für mich stellt sich die Frage, wer dies fordert? Ist es die Kunst selbst oder ist es die Kulturpolitik?

    Und noch eine Frage würde ich gerne einbringen? Was verstehen wir unter partizipativer Kunst? Ist das ein Widerspruch, der eigentlich nicht aufgelöst werden kann oder gibt es doch unterschiedliche Arten von Kunst? Eine „elitäre“ und eine „demokratische“?

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  10. @ Karin: Die Frage ist, ob es diesen Konsens überhaupt noch gibt? Ich denke, dieser Konsens löst sich gerade auf und nun stellt sich die Frage, wie sich Kunst bzw. die Förderung von Kunst weiter legitimieren lässt.

    Eigentlich brauchen wir sie ja als den Stachel im Fleisch, als etwas, was in der Gesellschaft Reibung verursacht und so Innovation bewirken kann. Das ist in meinen Augen wichtiger als etwa die Umwegrentabilität. Auch wenn die immer gerne in den Vordergrund gestellt wird.

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  11. Was du sagst, Christian, macht noch einmal deutlicher, worum es mir ging. Kultur steht heute jedem prinzipiell offen und man kann auch heute für weniger als 10 EUR in die Oper gehen, wenn sie einen interessiert. Es gab sicher keine Zeit, in der so viele Menschen wie heute die Möglichkeit dazu hatten, u.a. auch wegen der Autobahnen, über die man das nächstgelegene Opernhaus recht schnell erreichen kann ;-). Dass möglichst viele Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen ist Ziel und Aufgabe des Marketing und betrifft, wie salonpalaver schreibt, das Verhältnis Vermarktungsexperten – Publikum. Web 2.0 ist hier eine Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu wecken, sich zu präsentieren und Feedback zu holen.

    Die „tendenziell elitäre“ Haltung betrifft das Verhältnis Künstler – Publikum, von der Jennifer Hoffmann spricht. Es klingt vielleicht kaltschnäuzig, aber Kunst hat nicht die Aufgabe, soziale Integration und Teilhabe voranzubringen. Das ist vielleicht Aufgabe der Kulturpolitik, aber nicht der Kunst. Die ist nichts anderem als sich selbst verpflichtet, das garantiert ihr sogar das Grundgesetz. Diese Art von Kompromisslosigkeit meint auch das Schönberg-Zitat. Trotzdem denke ich, dass die Kunst, die ihr Publikum gerne irritiert (ein Stachel im Fleisch ist), das Web 2.0 bzw. dessen Philosophie als Irritation des eigenen, eben tendenziell elitären Selbstverständnisses auffasst und produktiv macht. Was daraus entstehen kann, ob es eine Abkehr von dem besagten elitären Moment bringt oder vielleicht dessen Bestätigung oder etwas ganz anderes, ist erstmal völlig offen. Sicher bin ich mir aber, dass die Auseinandersetzung mit und die Nutzung des Web 2.0 der Kunst und Kultur mehr erschließen kann als neue Marketingmöglichkeiten.

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  12. Auf den Punkt gebracht, Christian, wow! Sehr cool! Eigentlich ist dieser Kommentar viel zu schade, um ein Dasein als Kommentar zu fristen. :-) Magst Du nicht einen Beitrag daraus machen?

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  13. Ich würde unterscheiden zwischen Kultureinrichtungen und Kunst: erstere haben meiner Meinung nach einen kulturpolitischen Auftrag, die Kunst natürlich nicht. Das hat kulturblogger ja sehr präzise benannt: der Kunst bietet das Web2.0 eine Menge Reibungsfläche, die es produktiv machen können. Eben genau in diesem Bereich passiert gerade viel Spannendes (und auch eine Menge Banales).

    In der Hinsicht scheinen mir Jörn Borcherts Antworten im nächsten Interview auf Karins Blog auch in die gleiche Kerbe zu schlagen: In ihrer mit Verlaub eher arroganten denn elitären Haltung gegenüber dem Internet werden viele Museumsmanager (sorry, mir fällt hier gerade kein besserer Begriff ein) ihrer kulturpolitischen Aufgabe dann nicht mehr in allen Fällen gerecht.

    Deshalb muss man nicht gleich das staatliche Finanzierungssystem in Frage stellen, aber man kann durchaus fragen, ob diese Museen ihren kulturpolitischen Auftrag noch erfüllen. Doch wie hier schon von mehreren Kommentatoren erwähnt, die Ausübung jenes Auftrages muss sich natürlich nicht unbedingt in der Einbindung von Web2.0 oder dem Internet in die Kommunikation eines Museums niederschlagen, vielmehr geht es darum, sein Publikum mindestens Ernst zu nehmen…

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  14. Pingback: Web2.0 für kleinere Kulturprojekte

  15. ich hätt da einfach mal ein paar fragen…an die bisherigen kommentatorenInnen.
    1. was unterschiedet web 1.0 (Web 1.0 was all about connecting people) zu web 2.0 (I think Web 2.0 is of course a piece of jargon, nobody even knows what it means). doch eben dieses oder?
    2. es wird von kunst und kultur geschrieben… wird kunst als kultur gesehen oder nur als eine sparte der kultur (neben weiteren 213 sparten der kultur und …wir sind mit dem aufzählen der sparten noch nicht fertig in unserer Untersuchung)?
    3. steht kultur wirklich jedem offen? oder nur einem interessierten (vielleicht auch elitären) kreis?
    4. wer ist eigentlich künstler? der/die davon lebt oder der/die die sich so sehen oder sich so betiteln?
    5. wer oder was deklariert den kulturpolitischen Auftrag? ist der kulturpolitsche auftrag festgeschrieben oder nicht eher einer permanenten veränderung unterworfen?
    6. was sind kleinere kulturprojekte?
    7. wie kann man „weniger gebildeten“ „kunst“ schmackhaft machen (über web2?) das muss mal näher beantwortet werden und obiges, dann steig ich auch ein in die diskussion.

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  16. @ ernst: „einfach mal ein paar Fragen“ ist gut. :-) Ich versuch, sie „einfach mal“ zu beantworten…

    1. Im Web1.0 bist Du als UserIn passiv, im Web2.0 hast Du eine aktive Rolle, der Content kommt auch von Dir. Im Web1.0 geht es um Information, im Web2.0 um Kommunikation und Partizipation. Richtig ist, dass Web2.0 nicht dafür geeignet ist, um auf der Zeitleiste eine Entwicklung zu beschreiben, denn in Foren und Chats kann man schon länger kommunizieren. Es geht also eher um ein anderes Niveau, das vielleicht mit dem Begriff „Social Media“ besser beschrieben ist.

    2. Kultur ist der Oberbegriff, das Gefäss, in dem Kunst möglich ist bzw. stattfindet.
    3. Kultur ist ein Teil von uns; Kultur und Individuum können nur miteinander existieren; Kultur wirkt identitätsstiftend (z.B. in der Nation => Nationaltheater); interessant ist es aber, dies auch im Hinblick auf Kunst zu fragen. Künstlerisch tätig zu sein steht theoretisch jedem offen, Kunst zu konsumieren auch. Trotzdem gibt es aber Einschränkungen, z.B soziale und finanzielle Schranken.
    4. Ich denke, in diesem Zusammenhang macht es keinen Sinn, eine allgemeingültige Definition zu finden. Eine Arbeitsdefinition, auf die man sich verständigt, so das nötig ist, muss reichen. Alle drei Vorschläge von Dir sind möglich, man muss nur die Definitionen anschauen, die in den verschiedenen Ländern (z.B. Deutschland und Österreich) existieren, wenn es um die Aufnahme in die Künstlersozialversicherung geht.
    5. Wenn ich jetzt jemandem die Aufgabe übertragen müsste, einen kulturpolitischen Auftrag zu formulieren, wären die KulturpolitikerInnen meine ersten AnsprechpartnerInnen. Diese handeln aber eigentlich in unserem Auftrag und insofern lässt sich diese Aufgabe nicht so ohne weiteres delegieren. Von daher würde ich sagen, ist es die Gesellschaft, die diesen kulturpolitischen Auftrag zu formulieren hat und dabei in der Regel diese Aufgabe der Politik überträgt. Nachdem sich das Wertesystem unserer Gesellschaft permanent verändert, müsste sich das eigentlich auch auf den kulturpolitischen Auftrag auswirken. Derzeit ist es aber eher so, dass weder von Gesellschaft noch Politik Impulse ausgehen. Fairerweise muss man aber sagen: Kunst und Kultur beziehen auch nicht wirklich eigene Standpunkte, mal abgesehen davon, dass sie Lobbying in eigener Sache machen. Wobei ich Lobbying nicht als etwas Negatives ansehe.
    6. Das hängt von der Dimension ab, in der wir uns bewegen. Auf EU-Ebene ist für mich ein kleineres Projekt eines, das ein Budget von unter 100.000 Euro hat. Auf Bundesebene liegt die Grenze bei etwa 50.000 und auf der lokalen Ebene bei vielleicht 20.000. Leider ist es nicht so einfach wie etwa, wenn es darum geht, ein KMU zu definieren. Da herrscht also Verbesserungsbedarf.
    7. durch Bildung, Bildung und noch einmal Bildung.

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  17. zu Frage 5) Natürlich verändert sich so ein kulturpolitischer Auftrag, schließlich muss er ja eben auch die politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen reflektieren. Ich wollte vor alem den Unterschied hervorheben, der zwischen den Aufgaben einer Kultureinrichtung bestehen und der Absatzorientierung der Wirtschaft. Es geht nicht darum, irgendeiner Kultureinrichtung vorzuschreiben, welche Kommunikationskanäle sie nutzen soll und welche Art der Auseinandersetzung mit ihrem Publikum sie sucht. Doch hier liegt m. E. nach der Hase im Pfeffer: ich denke, Kultur im weitesten Sinne heißt auch Auseinandersetzung mit der Gesellschaft (das ist meine ganz eigene Meinung dazu) und insofern kann man eben dann auch gut Web2.0 Werkzeuge für diese Auseinandersetzung einsetzen. (Ich hoffe, ich werfe jetzt hier in meinem morgendlichen Halbschlaf nicht zu viele Argumente durcheinander….)

    zu Frage 6) Ich finde Christians grobe Einteilung nach Budgetumfang sehr praktikabel. Ich habe in meinen Antworten nicht klar genug definiert, was ich in diesem Zusammenhang mit „kleinere“ meine: nämlich gerade jene Kulturprojekte, die z.B. von Leuten ehrenamtlich gemacht werden; die keine Presse-/Marketingabteilung haben; und die ein nur kleines Budget haben. Denen bieten die social media viele kostenlose Möglichkeiten, um auf sich aufmerksam zu machen und eben jene Auseinandersetzung mit dem Publikum, von der ich die ganze Zeit fasel, zu erreichen – eine Auseinandersetzung/Einbindung, die z.B. über den einmaligen Theaterbesuch hinausgeht.

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  18. @kulturblogger:
    Es klingt vielleicht kaltschnäuzig, aber Kunst hat nicht die Aufgabe, soziale Integration und Teilhabe voranzubringen.

    Was Kunst an sich betrifft, gebe ich Dir völlig recht, aber bei „öffentlich geförderter Kunst“ sehe ich das anders.

    Es gibt ja verschiedenste Fördertöpfe… in den meisten Fällen ist die Förderung an irgendwelche Bedingungen geknüpft. Ganz gleich, ob man damit „den kulturpolitischen Auftrag“ (egal, was man nun genau darunter versteht) erfüllt, soziale Integration oder jugendliche Kreativität fördert – sie genügt dann nun mal nicht mehr sich selbst, sondern dient einem bestimmten Zweck. Und die ganze Kompromisslosigkeit ist dahin…

    Vielleicht dürfte man öffentlich geförderte Kunst gar nicht mehr als „Kunst“ bezeichnen? Bei der Förderung durch Stiftungen oder auch durch Privatpersonen verhält es sich nicht viel anders. (paar Ausnahmen wird es schon geben…)

    @Christian:
    Na, das war ja eine Fleißaufgabe, das „einfach mal beantworten“. Wo bleibt er nun, der Ernst, der in die Diskussion einsteigen wollte, wenn sie alle beantwortet sind…?

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  19. Pingback: Im Interview beim Kulturmarketingblog - Kulturblogger

  20. @christian … ja dank auch für deine mühe der fragenbeantwortung … und sei bitte versichert, ich wollte keine endgültigen definitionen oder klärung von begriffen von dir….eigentlich lag der sinn darin, dass über die verschiedenen kommentare, denen ich größtenteils zustimme oder auch ab und an eine gegenteilige meinung habe, kurze nachfragen zustellen, ob der verschiedenen begrifflichkeiten auch das gemeint ist, was ich und evtl. andere darunter verstehen.

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  21. @Ernst:
    Deine Fragen fand ich sehr gut, denn es gibt ein paar so Begriffe, die dauernd fallen, unter denen aber nicht alle dasselbe verstehen (weil es auch nicht immer verbindliche Definitionen gibt).
    Du hast also recht, wenn Du meinst, bevor diskutiert wird, sollten mal die Grundbegriffe geklärt werden, damit man von einer gemeinsamen Basis ausgehen kann und nicht alle aneinander vorbei reden.
    Ja denn – jetzt, wo alles geklärt ist – los geht`s, weiter mit der Diskussion ;-)

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  22. Noch was zu den Begriffen:

    Gerade beim Begriff „kulturpolitischer Auftrag“ merke ich, dass der immer und überall fällt, und jeder, der ihn benutzt, versteht etwas anderes darunter.
    Die meisten irgendwas Hohes, nicht Fassbares, Weltverbesserndes.

    Was versteht denn ihr, die ihr diesen Ausdruck benutzt, ganz konkret darunter?
    Wofür steht der bei euch, was sind die wichtigsten Punkte?
    Für welches Ziel oder welche Idee setzt ihr diesen Begriff ein?

    Dass Kultureinrichtungen ihr Publikum dazu anregen sollten, sich mit der Gesellschaft auseinander zu setzen? Dass sie dafür sorgen sollen, dass mehr Leute sich für Kunst und Kultur interessieren? Dass sie „Banausen“ bekehren und zu Hochkulturfans machen sollen? Dass sie ihr Publikum irritieren sollen, damit dieses kreativ wird und Innovationen hervorbringt? Oder alles auf einmal…?

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  23. @Karin Janner… im netz steht und findet man alles … meint man…
    z. B.Dirigenten und Dirigentinnen haben einen künstlerischen, pädagogischen, organisatorischen und kulturpolitischen Auftrag…Zum kulturpolitischen Auftrag: Dirigenten sind durch die Programmwahl mitverantwortlich für die Geschmacksbildung der Interpretinnen und des Publikums. Diese Aufgabe erfordert ausser einem künstlerischen Urteilsvermögen Mut für innovative Versuche, Entscheidungskraft, psychologisches Einfühlungsvermögen und taktisches Geschick. (Auszug aus Künstlerische Musikberufe)
    oder
    Bundesgesetz: Bundestheaterorganisationsgesetz – BThOG und
    Änderung des Bundesfinanzgesetzes 1998
    (NR: GP XX RV 1207 AB 1330 S. 134. BR: 5726 AB 5730 S. 643.)

    Was sagt uns das?
    usw. einfach mal weitergooglen…
    und man kommt zu dem schluss … der kulturpolitische Auftrag liegt eigentlich im eigenen Tun und Lassen (sofern er sich an die FDGO hält) man sollte ihn nur mal in KMU´s der Kultur definieren und nicht immer von irgendwelchen Theoretikern und Autoren (die meist keiner braucht…da sie oftmals nur die Basis der KulturarbeiterInnen abkupfern und auf eigenes geistiges Niveau abändern) vorgeben lassen.
    Das Tun und Lassen eines Kulturarbeiters/in (ganz bewußt gewählt der Begriff des KA…und nicht Kulturmanagers…mehr dazu in einem anderen blogartikel) ist der konkrete kulturpolitische Auftrag … vermittelnd, anstoßend, verändernd, reflektierend, kommentierend, querdenkend, lineardenkend, wertschöpfend, schaffend und zerstörend und einfach konsumierend für den Kunden.

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  24. Nachtrag… der link funktioniert so nicht …hier die Passage:Kulturpolitischer Auftrag

    § 2. (1) Der kulturpolitische Auftrag umfaßt folgende Aufgaben:
    1. Pflege der klassischen deutschsprachigen und
    internationalen Theaterkunst und Kultur.
    2. Förderung des Zeitgenössischen und innovativer
    Entwicklungen unter besonderer Berücksichtigung
    österreichischen Kunstschaffens und dessen Stärkung im
    internationalen Vergleich.
    3. Gestaltung der Spielpläne in die Richtung, daß diese ein
    innovatives und pluralistisches Angebot in Form und Inhalt
    sowie auch künstlerisch risikoreiche Produktionen beinhalten
    und den Aspekt der Kunstvermittlung besonders bei Kindern und
    Jugendlichen berücksichtigen.
    4. Schaffung von Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten für das
    gesamtösterreichische Publikum auch durch den Einsatz von
    elektronischen und anderen Massenmedien unter Berücksichtigung
    neuer medialer Entwicklungen.
    5. Internationale Repräsentation österreichischer Bühnenkunst.

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  25. @ ernst: endgültige Definitionen kann ich auch ganz sicher nicht liefern, das war auch nicht meine Absicht. Aber ich muss gestehen, es hat mir auch Spaß gemacht, Deine Fragen zu beantworten. Sie zielen nämlich genau in die Richtungen, um die es geht bzw. gehen muss. Und Begriffe zu hinterfragen, die „plötzlich“ von allen ganz selbstverständlich genutzt werden, ist allemal wichtig, will man bei seinen Inhalten weiterkommen.

    Der „kulturpolitische Auftrag“ , den Karin aufgegriffen hat, ist da ein ganz schönes Beispiel. Wenn man dann das von Dir gewählte Beispiel österreichisches Theater (Ernst, ich habe den Link in Deinem Kommentar repariert) hernimmt, dann fällt einem doch auf, dass wir hier auf hohle Phrasen stoßen.

    Und ich bin froh, dass Du darauf hinweist, dass es die Aufgabe derjenigen ist, die Kultur „arbeiten“, diesen Begriff mit Leben zu füllen. Nicht umgekehrt! Nur müssen wir unsere Vorstellungen dann aber auch kommunizieren und unsere Standpunkte nach außen vertreten. Sich beleidigt zurückzuziehen und einzureden, die Politik habe doch keine Ahnung davon, mag zwar in der Analyse der richtige Schluss sein. Ändern tut sich dadurch aber sicher nichts.

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  26. Pingback: Ein Versuch, die Zukunft des Online Kulturmarketing vorherzusagen | Kulturmarketing Blog

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