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„Reputation ist etwas Soziales“

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Hauswand
© Martin Schemm; Pixelio

Wenn Sie sich mit dem Internet beschäftigen und sich in den diversen Netzwerken bewegen oder dies vorhaben, dann werden Sie früher oder später auf den Begriff der Reputation stoßen. Woher der Begriff kommt, habe ich in einem früheren Blogpost bereits beschrieben. Mittlerweile gibt es im Internet jede Menge Seiten, die Ihnen Hilfestellung leisten, damit es mit Ihrer Reputation auf- und nicht abwärts geht.

Reputation ist aber nichts Statisches, was sich als Attribut eines Akteurs betrachten lässt, stellt Tina Guenther auf ihrem Blog Sozlog fest. In ihrem Beitrag “‚Karrierefalle Internet‘ – ein alternativer Vorschlag zum Thema Reputation im Netz“ beschreibt sie Reputation aus soziologischer Sicht und liefert damit einige wertvolle Einsichten.

Ausgangspunkt ihrer Betrachtung ist das Buch Karrierefalle Internet, in dem Autor Klaus Eck die Reputation einer Person oder Organisation dann in Gefahr sieht, wenn diese nicht weiß, was man über sie im Internet schreibt. Entgegentreten könne man dem, so Eck, durch eine aktive Nutzung des Internets.

Das ist leichter gesagt als getan, denn Reputation sei ein „symbolisch generalisiertes Interaktionsmedium“, meint Tina Guenther. Das bedeute,

„Reputation zirkuliert – analog zum Geld – in Sozialsystemen, und kann zwischen dem Netz und dem “echten” Leben in beiden Richtungen übertragen werden. Ein Akteur mit viel Reputation kann sowohl online als auch offline Gebrauch davon machen.“

Das heißt, ich kann meinen guten (oder schlechten) Ruf aus der einen „Welt“ in die andere übertragen. Als Wertmaßstab für Reputation dient Guenther die Fähigkeit des jeweiligen Akteurs, im Hinblick auf seine Themen und Anliegen Konsens herzustellen. Konkret heißt das:

„Verfügt man selbst nur über wenig Reputation, muss man enormen Aufwand betreiben, und es kommt doch wenig dabei heraus. Wer viel Reputation akkumuliert hat, kann mit geringem Aufwand ein hohes Maß an Konsens erzielen.“

Verfügen Sie nur über eine geringe Reputation, können Sie sich Reputation leihen, das heißt, Sie verbünden sich mit jemandem, der eine hohe Reputation aufweist. Verläuft die Kooperation erfolgreich, realisieren beide einen Reputationsgewinn, läuft es schlecht, erleiden beide einen Reputationsverlust.

Das bedeute, so die Autorin, dass Reputation nicht nur etwas Soziales ist, sondern auch dynamisch. Damit sei auch klar, dass sich Reputation weder kontrollieren noch steuern lasse,

„denn dies würde ja voraussetzen, dass die Reputation dem Akteur gehört bzw. dass er sie beherrschen kann. Vielmehr tauschen sich Akteure über Dritte aus. Das heißt, sie erzählen einander Geschichten (wahr oder falsch) über Dritte (positiv oder negativ)“,

so Guenther weiter. Man könne sich zwar ein großes Netzwerk aufbauen, in dem möglichst viele positive und wenig negative Geschichten über einen zirkulieren. Doch eine Garantie gebe es dafür nicht. Guenther stellt sich die Frage, was man denn für die eigene Reputation tun könne, wenn ein solches Netzwerk keine Garantie für eine positive Reputation sei?

„Man offeriert eine positive Selbst-Definition für andere“,

lautet ihr Vorschlag. In der Praxis heißt das:

„Man baut eine Homepage bzw. ein erweitertes Interaktionsangebot auf, das sich explizit als Einladung versteht, als “Tür” zur eigenen Wohnung versteht. Man bemüht sich, positive Beziehungen zu etablieren: Freundschaft oder Bekanntschaften, Kooperation, wechselseitige Unterstützung, und man erhofft und erwartet, dass dieses Interaktionsangebot angenommen und erwidert wird.“

Mit diesem Verständnis von Reputation lässt sich auch erklären, warum es vor allem für junge und neue KünstlerInnen bzw. für neu gegründete Kulturbetriebe nicht reicht, gute Projekte zu konzipieren und durchzuführen. Ich habe vor längerer Zeit von drei Erfolgsfaktoren gesprochen, der Qualität, der Reputation und dem Netzwerk.

Ob es nun um die Umsetzung eines künstlerischen Projektes geht oder eine Fundraisingkampagne, Sie müssen einen Konsens mit denen zustande bringen, die Sie ansprechen: Fördergeber, Sponsoren, Spender, etc. und je geringer Ihre Reputation, desto größer ist Ihr Aufwand. Es sei denn, Sie finden Fürsprecher, die Ihnen ihre Reputation leihen.

Wenn Sie sich also gerade in der Startphase befinden, dann reicht es nicht, die gesamte Energie auf die künstlerische Arbeit zu konzentrieren. Genau so viel Energie müssen Sie in Ihre Reputation und damit den Aufbau Ihres Netzwerks stecken. Tun Sie das nicht, heißt das, dass Sie entweder einen unendlich hohen  Aufwand in künstlerischer Hinsicht leisten müssen oder Sie scheitern. Das aber nicht, weil Ihre künstlerischen Ideen nicht gut genug sind, sondern weil Sie es nicht geschafft haben, Konsens, zum Beispiel mit den Geldgebern, herzustellen.

Je erfolgreicher Sie also in Sachen Reputation sind, desto leichter werden Sie sich bei der Realisierung Ihrer künstlerischen Ideen tun.

5 Comments Join the Conversation

  1. Schön, vielen Dank für’s Aufgreifen. Reputation ist etwas Soziales, ‚gehört‘ nicht dem einzelnen Akteur, er kann sie nicht ‚beherrscvhen‘ oder ‚managen‘, aber natürlich kann er sehr viel Gutes tun, um die Voraussetzung zu schaffen, dass er Einfluss bekommt und damit Leute für seine Vorhaben begeistert und mobilisiert werden können. Klaus Eck hat mit beeindruckendem Internet-Wissen viele Ratschläge unter #handwerklichen# Gesichtspunkten zusammengestellt. Als Sozialwissenschaftler sortiert man die Informationen, aber mein Eindruck ist, dass Klaus Eck und viele andere hier über ein sehr umfangreiches Nutzungs- und Erfahrungswissen zu Online-Reputation verfügen, von dem umgekehrt mancher Sozialwissenschaftler viel lernen kann.

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  2. Danke für die Rückmeldung! Wenn verschiedene „Disziplinen“ die Erfahrungen der anderen in ihr Tun und Denken miteinbeziehen, dann ist das optimal. Mehr können wir uns gar nicht wünschen…

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