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Fundraising: was zählt ist Vertrauen

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Dass nicht nur die Banken und Fonds an der jetzigen Finanzkrise die Schuld tragen, sondern eigentlich wir alle, zeigt ein Artikel in der New York Times, der erzählt, wie eine Schulbehörde viel Geld mit Spekulationen verloren hat. Irgendwie ist es halt so „passiert“. Das Geld sollte angelegt werden, natürlich möglichst ertragreich und plötzlich war man im Besitz von hochspekulativen Papieren, die, Sie ahnen es schon, am Ende nichts mehr Wert waren.

Warum konnte das passieren? Für Sasha Dichter, der für den Nonprofit Venture Fonds Acumen Fund arbeitet, ist die Sache klar: unsere Welt sei, so schreibt er in einem Beitrag auf seinem Blog, mittlerweile so komplex, dass wir in unseren Entscheidungen auf ExpertInnen angewiesen seien. Die Annahme ihrer Empfehlungen basiere auf Vertrauen. Im Fall der oben erwähnten Schulbehörde hat das Vertrauen in den Finanzexperten allerdings fatale Auswirkungen.

Um Vertrauen geht es aber auch, wenn Kunst- und Kultureinrichtungen Fundraising betreiben und Sponsoren bzw. SpenderInnen suchen. Gelegentlich bekomme ich Sponsoringmappen und werde gefragt, ob die so „in Ordnung“ seien. Das sind sie in der Regel auch, nämlich wenn diese Mappen die wichtigsten Informationen über die Kultureinrichtung oder das Projekt, um das es geht, enthalten. Nur sollten wir uns vor Augen halten, dass die Entscheidungen der Geldgeber meist auf etwas ganz Anderem aufbauen:

„…most philanthropic decisions are made based on relationships and trust“,

schreibt Dicher und verweist auf den ganz interessanten Artikel „Why Measure“ von Katie Cunningham & Marc Ricks, aus dem hervorgeht, dass es vor allem persönliche Beziehungen sind, die die Entscheidung der Geldgeber beeinflussen. In Sasha Dichters Worten:

„Building anything big (…) happens because one person trusts another, listens to their story, and puts their money behind that story. Without trust, you have nothing.

Insofern geht es, wenn Sie sich auf die Suche nach Geldgebern machen, primär nicht um Fakten, Daten oder Zahlen, sondern um den Aufbau persönlicher Beziehungen.

„So whether you’re raising money or selling books or cars or (gulp) financing, recognize that the real currency you’re trading in is trust, and that earning, nurturing, and maintaining trust is really the only thing that matters“,

heißt es im Blogpost von Sasha Dichter weiter. Ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Geldgeber und Geldnehmer vorhanden, lässt sich auch eine Finanzkrise leichter überstehen, selbst wenn es den Firmen nicht so gut geht wie in der Vergangenheit.

„And, by the way, if this is right, who do you want on the front lines talking to potential supporters – a ‚fundraiser‘ whose only job is to raise money, separate and insulated from “the work,” or someone who embodies the spirit, capability, execution, drive, motivation, and passion of your organization?“

fragt Sasha Dichter. Nicht die Sponsorenmappe oder der Spendenbrief sind entscheidend. Entscheidend ist, was davor passiert ist. Da steckt die meiste Arbeit drinnen und die nimmt Ihnen niemand ab.

3 Comments Join the Conversation

  1. Vielen Dank für den interessanten Beitrag.
    Ja, Vertrauen ist die Basis für das Spenden, für die Unterstützung von Projekten. Umso aufschlussreicher fand ich die Bemerkung von Prof. Dr. Thomas Druyen auf dem Vision Summit 08 in Berlin. Er berichtete von seinen Erfahrungen bei zahlreichen „Fundraising – Kongressen“. Ihn hatte gestört, welch ein negatives Verhältnis die Spendensammler den „reichen Spendern“ gegenüber hätten. Die Fundraiser wollen deren Geld, lehnen sie selber aber ab. Fast wie zur Bestätigung meldete sich dann eine Person aus dem Publikum und meinte sinngemäß, dass die Reichen ihr Geld und damit ihre Macht abgeben müssten, damit andere Sinnvolles damit machen könnten. Über soviel Ignoranz kann man nur den Kopf schütteln. Wir denken, dass gerade die digitale Technik die Chance eröffnet, dass Spender – so sie wollen – und Nutznießer über das Netz direkt in Kontakt treten können. Das jedenfalls ist unsere Hoffnung, weswegen wir die Plattform up4change.tv geschaffen haben. Vielleicht könnten dann einige Organisationen, die mental als Robin Hoods unterwegs sind, überflüssig werden, weil die Spender direkt mit den Nutznießern kommunizieren können.
    Viele Grüße
    Uli

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  2. Stimmt, das Bild, das manche von ihren Geldgebern haben, ist wirklich kurios. Ich frage mich, woran das liegen kann? Wahrscheinlich hat es was mit dem Verhältnis Individuum – Gesellschaft zu tun. Bei uns nimmt der Staat die Funktion des Aufpassers ein und da hat sich jede/r danach zu richten. Viel Geld zu haben bedeutet dann so quasi, sich über Staat und Gesellschaft zu erheben. Das wird nicht gerne gesehen.

    Das Internet ist ganz sicher ein Medium, das hervorragend für das Fundraising geeignet ist. Während man da in den USA bereits ziemlich weit ist, steckt das Online-Fundraising bei uns noch in den Kinderschuhen. Aber das wird schon noch. ;-)

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