All Posts Tagged ‘geschäftsmodell

Post

Cinema goes Facebook

4 comments

Eigentlich war es ja vorhersehbar. Facebook ersinnt immer neue Möglichkeiten, um die UserInnen möglichst lange auf seinen Seiten zu halten und sie dort dazu zu bringen, Geld auszugeben. Wohl deshalb kann man nun dank der Kooperation von Facebook und Warner Bros. seit gestern den Film Dark Knight direkt auf Facebook sehen.

„Warner Bros. Digital Distribution (WBDD), a market leader in video-on-demand and electronic sell-through, today announced it will begin testing an offering of selected movies for purchase or rental through Warner Bros. Entertainment’s Facebook movie Pages,“

heißt es in einer gestern veröffentlichten Aussendung. Zu sehen ist der Film auf der Dark Knight-Fanpage, allerdings derzeit -wie so oft – nur für die Facebook-UserInnen in den USA, die dafür 30 Facebook Credits oder umgerechnet 3USD zahlen müssen.

„Fans will have full control over the film while watching it through their Facebook account for up to 48 hours from purchase.  They can choose to watch it in full screen, pause the movie, and resume playing it when they log back into Facebook,“

wird den Fans versprochen. Das große Plus von Facebook: während Anbieter von Video-on-Demand sich darum bemühen, die Fans rund um ihr Filmangebot zu vernetzen, ist das für Facebook überhaupt kein Problem:

„Consumers will also have full Facebook functionality including the ability to post comments on the movie, interact with friends and update their status.“

Gut möglich, dass Facebook bald Anbietern wie Netflix oder Hulu ernsthaft Konkurrenz macht.

Post

Social Media oder Geld ist nicht alles

7 comments

Die Zahl der Fans oder Follower ist häufig der Gradmesser für den Erfolg der eigenen Social-Media-Aktivitäten. Wenn Sie bereit sind, etwas Geld in die Hand zu nehmen, dann können Sie sich im Fall von Facebook Ihre Fans auch kaufen, eine Social-Media-Agentur verspricht ihren Kunden kostengünstig neue Fans. 500 neue Fans gibt es schon für 60$, 10.000 Fans kosten 800$.

Was aber macht man mit diesen Fans nun? Ihnen etwas verkaufen, werden vermutlich viele darauf antworten. Irgendwelche Dienstleistungen, Produkte oder etwa im Fall von Kultureinrichtungen Tickets für das kulturelle Angebot.

Als ich den Link auf dieses Angebot auf Facebook veröffentlichte und diesen Ansatz als Unsinn bezeichnete, kam in einem der Kommentare der Einwand, dass vielleicht einer der 500 gekauften Fans bei mir etwas im Gegenwert von 100$ kaufen könnte und sich das Geschäft somit rechnen würde.

Falsch ist dieser Gedanke nicht, aber entspricht er wirklich dem Grundprinzip des Social Web? Geht es wirklich darum, möglichst viele Fans auf meine Seite zu bringen und ihnen meine Produkte zu verkaufen? Bringen viele Fans auf der Facebook-Seite mehr BesucherInnen und damit eine höhere Auslastung? Grundsätzlich ist das natürlich möglich, allerdings stellt sich die Frage, ob ich damit das Potenzial des Social Web wirklich ausschöpfe? Ist das nicht Marketing 1.0, Werbung in althergebrachter Form, nur an einem anderen Ort? Ich kaufe mir Fans in der Hoffnung, dass sich von ihnen irgendeiner für meine Angebote interessiert und sich der Deal dadurch rechnet.

Dan Robles bezeichnet diesen Ansatz in seinem Beitrag „The 3 Steps To Social Profits“ auf dem Blog „The Relationship Economy“ als altes Geschäftsmodell, in dem es nur eine einzige Währung gibt: Geld. Diesem Ansatz stellt er sein neues Geschäftsmodell gegenüber, das folgendem Prinzip gehorcht:

  • „Step one: convert financial currency into social currency
  • Step two: Create value denominated in social currency
  • Step three: Convert new social currency back into financial currency – if needed“

Den Unterschied macht er am Beispiel eines gekauften LKW fest, den man dem alten Modell folgend kauft, für sich nutzt, ihn dann wieder verkauft, um schlussendlich einen finanziellen Gewinn gemacht zu haben. Sein neues Geschäftsmodell sieht vor, dass man den LKW nicht nur für sich nutzt, sondern ihn auch anderen (unentgeltlich) zur Verfügung stellt, den Pfadfindern zum Beispiel, wie er schreibt.

„The difference is that now your community is engaged with your personal interests. You have converted financial capital into social capital and created new value denominated in social currency,“

schreibt Robles und bezeichnet den daraus resultierenden Gewinn als „social profit“, den es am Ende wieder in die Geldwährung umzutauschen gelte. Wie gelingt es, „social capital“ wieder zu Geld zu machen? Für Robles stellt der „social profit“ eine Option dar, die einen bestimmten (Nenn)-Wert besitzt, leicht eintauschbar ist („Social Profit is like a fungible option with a face value.“) und somit jederzeit eingelöst und zu Geld gemacht werden kann.

In diesem Video beschreibt Dan Robles seinen Ansatz und merkt dazu an:

„People find value in social media otherwise they would not do it. How is that value expressed as a financial instrument? If you engage your clients in the same currency that they are trading among themselves, the greater the likelihood you will realize the value of the new media phenomenon.“

Und genau das ist der Grund, warum gekaufte Fans sich zwar auf der rein monetären Ebene durchaus rechnen können. Die Wahrscheinlichkeit des „engaging“ ist aber gering, das heißt, „social capital“ kann ich so nicht anhäufen und das, was Social Media ausmacht und worin Robles den Return of Investment sieht, bleibt für mich unerreichbar.

Der eigentliche Gewinn besteht für Kultureinrichtungen also nicht darin, über die Social-Media-Kanäle Tickets zu verkaufen, sondern social capital zu generieren, was nur dann gelingen kann, wenn man den Fans über das eigentliche Produkt hinaus einen Mehrwert anbietet. Dazu muss ich erstens meine Zielgruppen genau kennen und herausfinden, welche Währungen sie untereinander tauschen, um mich mit meinem Angebot ins Spiel bringen zu können, wie Robles schreibt. Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, habe ich in dem Beitrag „Marketing für die ‚Lazy Socials‘“ beschrieben.

Post

Transmediales Erzählen in der Community

6 comments

Schon seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Storytelling. Das Internet ermöglicht es uns heute, auf sehr spannende Weise Geschichten zu entwickeln und zu erzählen. Vor einiger Zeit habe ich in meinem Blogpost über Cloud Communication auf eine Entwicklung verwiesen, in der eine Geschichte nicht mehr linear in einem Format auf einer Plattform zu finden ist, sondern einzelne Mikrotexte in der Wolke verteilt werden und sich mit anderen Mikrotexten neu verbinden können, um auf diese Weise neue Inhalte, neue Geschichten entstehen zu lassen.

Noch einen Schritt weiter geht das transmediale Erzählen, bei dem eine Geschichte transmedial, also über mehrere Medien hinweg erzählt wird. Dank Frank Tentler bin ich auf das von Emily Williams verfasste Blogpost „Collaborative Communities: Transmedia Evolved“ gestoßen, in dem sie einen noch weitergehenden Ansatz von Scott Walker und seinem Unternehmen Brian Candy beschreibt.

Dass Storytelling nichts mit der rein passiven Aufnahme einer Geschichte zu tun hat, wissen wir alle. Aber in welchem Ausmaß sich jemand einbringt, das hängt von der Konzeption des Vorhabens ab.

„But what if you gave members of your audience license to help create the story? And, what if in return, you offered to share a piece of your revenue with them?“

fragt Williams und verweist in diesem Zusammenhang auf Scott Walker, der mit Runes of Gallidon eine virtuelle Phantasiewelt geschaffen hat, „designed for creative collaboration in an online community“, wie Walker schreibt.

„You’re invited to set your stories, art, games, etc. in the world of Gallidon. This fantasy world of adventure is shared under a Creative Commons license so you’re free to invent your own characters and places or use ones that already exist. You own what you create, but we all share the world,“

heißt es in seiner Einladung, sich auf die Phantasiewelt einzulassen und zu deren Gelingen beizutragen.

Die Idee, nicht nur die Zahl der Medien auzuweiten, sondern auch die Zahl derer, die an der Entstehung dieser Geschichte beteiligt sind, klingt interessant und erinnert mich an die diesjährige stARTconference, bei der es um das Thema Geschäftsmodelle und damit einhergehend um die Ausweitung der Wertschöpfungskette ging. Collaborative Communitys als Erweiterung transmedialer Produktion, das passt ganz wunderbar zur stART11, ihrem Thema und der Idee, die Konferenz offen und geneinsam zu entwickeln:

„The common definition of transmedia does not include a canonical participation element, much less revenue sharing. So, that’s great, but collaboration to me is the ultimate goal, or the next iteration for transmedia,“

ist Walker überzeugt und vertritt die Ansicht, dass vor allem die Bereiche Buch und Videospiel von diesem Ansatz profitieren können, da hier die Fans schon seit längerer Zeit  eingebunden werden.

„The obvious candidates are books with a following of devoted fans who would be eager to try their hand at building out unelaborated facets of the story or characters,“

beschreibt Williams den Rahmen. Für Walker ist es überhaupt kein Problem, die Fans einzubinden:

„We would construct a collaborative sandbox based on the needs and limitations and desires of the property owner, combined with the unique aspects of that particular property, and open it up,“

erklärt er und weist darauf hin, dass es wichtig sei, den entsprechenden Rahmen für die Zusammenarbeit abzustecken, sowohl was die Rechte angeht als auch die Frage, wer auf welche Weise an den Einnahmen partizipiert?

Am Ende kommt etwas heraus, was über den im Rahmen des KulturInvest Kongresses 2010 vom Soziologen Kai-Uwe Hellmann beschriebenen Prosumenten hinausgeht:

„The Brain Candy model [is] finding new business models that leverage the digital world we live in, that leverage the consumer-turned-producer behavior and try to find ways to co-create value with audiences,“

so Walker, für den es wichtig ist, die Fans zum Mitmachen einzuladen:

„Then you’re able to say, we know you love the world, we can’t produce enough content for you on a regular basis, but we’re going to have some of the audience members help us do that.“

Das klingt, wie wenn er es für die stART11 geschrieben hätte. ;-)

Post

eBook: Geschäftsmodelle im Web 2.0

2 comments

Als wir vor ein paar Wochen gemeinsam mit Kultumanagement Network zur Blogparade aufriefen, waren wir uns nicht sicher, ob wir uns beim Thema Geschäftsmodelle nicht etwas zu viel zugemutet hatten. Erstens handelt es sich dabei um ein recht kontroverses Thema und zweitens wussten wir nicht, ob überhaupt Interesse daran besteht, sich über dieses Thema auszulassen.

Aber es hat sich gelohnt, dieses Thema in den Mittelpunkt einer Blogparade zu stellen. 20 lesenswerte Beiträge sind es am Ende geworden, die man auf den Blogs der AutorInnen nachlesen kann. Diese inhaltliche Vernetzung macht letzten Endes den Charme von Blogparaden aus und trägt dazu bei, dass die jeweiligen Themen zumindest in der Blogosphäre wahrgenommen werden.

Um die Aufmerksamkeit nicht auf die Blogosphäre zu beschränken, entstand die Idee, ein eBook daraus zu machen, das nun sowohl online als auch als PDF zur Verfügung steht. Online können Sie es gleich hier oder auf Scribd lesen:

Wollen Sie das eBook lieber abspeichern und am eigenen PC zur Verfügung haben, dann laden Sie sich am besten das PDF herunter (Download PDF). Am Ende des eBooks finden Sie übrigens die Links zu allen Blogbeiträgen, denn unter Umständen wollen Sie von den AutorInnen ja mehr als diesen einen Beitrag lesen.

Gut gefällt mir bei dieser Sammlung von Blogposts nicht nur die inhaltliche Bandbreite, sondern auch die Idee, die Kommentare zu den einzelnen Beiträgen in das eBook mit hinein zu nehmen. Danke sagen möchte ich dabei nicht nur den einzelnen AutorInnen, sondern auch Birgit Schmidt-Hurtienne, die sich die Mühe gemacht hat, die insgesamt 77 Seiten grafisch aufzubereiten. Viel Spaß beim Lesen. ;-)

Post

„What Is Your Business?“

6 comments

Diesen Tweet von Hugh MacLeod habe ich vor fast zwei Jahren zu meinen Bookmarks hinzugefügt und unter anderem mit dem Schlagwort <Geschäftsmodelle> versehen. Jetzt habe ich ihn wiederentdeckt, als ich für meinen Beitrag zur Blogparade der stARTconference zu recherchieren begann. „Geschäftsmodelle im Web 2.0“, während vor nicht allzu langer Zeit eine Art Goldgräberstimmung herrschte, ist die Euphorie mittlerweile der Ernüchterung gewichen. Zwar schöpfen verschiedene Branchen dank Apples iPad neue Hoffnung, aber für Jeff Jarvis bedeutet das Gerät eher einen Rück- denn einen Fortschritt:

„It tries to turn us back into an audience again. That is why media companies and advertisers are embracing it so fervently, because they think it returns us all to their good old days when we just consumed, we didn’t create, when they controlled our media experience and business models and we came to them,“

schreibt er in einem Blogbeitrag, der mit „iPad danger: app v. web, consumer v. creator“ überschrieben ist. Natürlich eignet sich das Internet durchaus als Vertriebskanal, etwa für Bücher, Filme oder Musik. Aber interessant ist es eigentlich als solcher vor allem dann, wenn der Long Tail zum Tragen kommt. Da er Angebot und Nachfrage auf einer virtuellen Ebene zusammenbringt und Nischen dadurch attraktiv macht, eignet er sich nicht für Theater, Opern- und Konzerthäuser oder Museen. Zumindest was deren Kernprodukte angeht. Wie sieht es aber hier aus mit Geschäftsmodellen im Web 2.0?

Was ist ein Geschäftsmodell überhaupt? Für Patrick Stähler beantwortet ein Geschäftsmodell die von Peter Drucker gestellte Frage: „What Is Your Business?“ Laut Wikipedia besteht ein Geschäftsmodell aus drei Hauptkomponenten:

  • Nutzenversprechen
  • Architektur der Wertschöpfung
  • Ertragsmodell

Das Nutzenversprechen wird durch die Frage , welchen Nutzen das Unternehmen stiftet, beantwortet. Die Architektur der Wertschöpfung stellt dar, in welcher Konfiguration die Leistung angeboten wird. Oder wie es in Wikipedia heißt: „Welche Leistungen werden auf welchen Märkten angeboten (Produkt / Markt Strategien)?“ Schließlich beantwortet das Ertragsmodell die Frage, wodurch das Geld verdient wird?

Gehen wir die einzelnen Punkte mal am Beispiel eines Theaters durch. Worin kann der Nutzen für das Publikum liegen? Es will vor allem unterhalten werden, zumindest in den USA, besagt eine Studie. Aber ist das der einzige Nutzen? Vor mehr als zwei Jahren hatte ich mit dem Künstler Tilmann Krumrey eine ganz interessante „Unterhaltung„, in der es um das Beuys-Zitat „Kunst=Kapital“ ging. Krumrey beschrieb in einem seiner Kommentare zum Blogpost verschiedene Nutzenfunktionen und machte sie am Beispiel Auto fest:

„Nutzt man ein Auto z.B. zum Fahren (Grundnutzen, sagt der Ökonom), zum Angeben und Status demonstrieren (Geltungsnutzen) oder um die eigenen Kräfte zu überhöhen (Magischer Nutzen), so muss sich der Unternehmer, der ein Auto herstellen und verkaufen will, genau im Klaren darüber sein, wie er diese Dimensionen in sein Produkt einbaut.“

Später schreibt Krumrey:

„Prinzipiell gilt: Hat ein Produkt/eine Dienstleistung die gleiche Höhe des Grundnutzens (um beim Autobeispiel zu bleiben: haben also alle Autos elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, Servolenkung etc.), wird dasjenige gekauft, welches die höchsten, sprich feinsten und immateriellsten Nutzenebenen anspricht. Übertragen auf die Kunst: Bieten zwei Theaterstücke gute Unterhaltung, so wird dasjenige mehr Erfolg haben, das noch höhere Ebenen im Menschen zum Klingen bringt.“

Was aber ist der Grundnutzen von Kunst bzw. in unserem Fall von Theater? Adam Thurman ist der Ansicht, dass sich die Menschen untereinander vernetzen wollen und die Kunst das Hub dazu ist, an dem sie andocken können. Soziale Kontakte sind, so Tilmann Krumrey ein wichtiges Bedürfnis, das gleich nach Essen, Trinken und Schlafen kommt:

„Und jetzt kommt der Punkt: Da Kunst vom Ursprung her dazu gemacht ist, die höheren und höchsten Nutzenkategorien anzusprechen, bietet sich auch eine Möglichkeit verschiedene soziale Ereignisse durch Kunst “zu adeln” und damit von vergleichbaren sozialen Ereignissen, denen diese Aspekte fehlen, positiv abzuheben,“

so Krumrey weiter. Als Beispiel dient ihm dabei das Fussballspiel:

„Nicht umsonst geht es auch im Fußball um einen POKAL (=Kelch =Gral = Symbol der Mater Magna). Und auf den Sieger regnet Papierkonfetti in den Vereinsfarben herab (…). Dies alles sind wichtige archetypische Elemente des sozialen Ereignisses ‚Endspiel‘, die mit künstlerischem Impuls bewußt eingesetzt werden und die das Ereignis für alle Beteiligten deswegen unvergesslich machen, weil sie die höchsten Nutzenkategorien wachrufen.“

Das bedeutet: je mehr Nutzenkategorien durch das Theaterereignis abgedeckt werden, desto interessanter wird es im Hinblick auf das Geschäftsmodell. Was hat das mit dem Web 2.0 zu tun? Wenn es das Grundbedürfnis der Menschen ist, sich untereinander zu vernetzen und wenn die Kunst einer der wichtigsten Anknüpfungspunkte ist, dann kann das Web 2.0 dazu beitragen, dass dieses Grundbedürfnis abgedeckt wird.

Ein Beispiel hierfür ist in meinen Augen das Membershipprogramm 1stfans des Brooklyn Museums:

„Socialize at exclusive meetups during the Museum’s monthly Target First Saturdays and continue connecting online with access to artist-created content on our 1stfans Twitter Art Feed. This paperless Membership is only $20 for the year and is fully tax-deductible!“

heißt es auf der Website. Der Twitter Art Feed ist öffentlich nicht zugänglich, nur wer seinen Mitgliedsbeitrag gezahlt hat, darf dem Account folgen. Derzeit würde das bedeuten, dass das Programm entsprechend der Zahl der Follower 180 Mitglieder hat.

Bezogen auf die Architektur der Wertschöpfung bedeutet das: für das Programm 1stfans spielt das Web 2.0, konkret, der Twitter-Account, eine wichtige Rolle. Ohne ihn würde einerseits die Exklusivität verloren gehen. Die monatlichen First Saturday-Veranstaltungen wären die einzige Möglichkeit, sich zu vernetzen. Zu wenig, denn wie gesagt, der soziale Kontakt ist das entscheidende Kriterium.

Ähnliches haben Jean Lave und Etienne Wenger festgestellt. Ihr Community of Practice-Konzept zeigt, dass sich die Menschen einer Gemeinschaft nicht anschließen, um etwas zu lernen, sondern sie lernen etwas, um als vollwertige Mitglieder an der Gemeinschaft teilhaben zu können (siehe dazu mein Blogpost „Warum betreiben wir Networking?„).

Wenn aber die Community, die sozialen Kontakte so eine große Bedeutung haben, dann stellt sich die Frage, warum Kulturbetriebe ihr Publikum für ein einzelnes Event und nicht für die Teilnahme an einer Community bezahlen lassen? Chris Ashworth hat so einen Ansatz entwickelt, der nicht darauf aufbaut, Tickets zu verkaufen, sondern Mitgliedschaften. Mitgliedschaften, um am künstlerischen Entstehungsprozess teilnehmen zu können und nicht nur das fertige Produkt ansehen zu dürfen. In seinem Beitrag „Toward A New Funding Model for Theater“ schreibt er:

„(…) tickets transform from an artifact of a transaction into an artifact of a relationship.“

Am Ende steht dann so etwas wie ein monatlicher Mitgliedsbeitrag und nicht mehr das Ticket für die Aufführung eines bestimmten Stückes an einem bestimmten Tag (sein Modell habe ich ausführlich beschrieben in: „Theaterfinanzierung: geht es auch ohne Förderungen?„).

Da Chris Ashworth hauptberuflich mit der Entwicklung von Softewareprodukten zu tun hat, erkennt er das Potenzial der Technologien, die uns heute bereits zur Verfügung stehen:

„Live stream your shows. Post daily rehearsal photos on Twitter. Invest in a qualified videographer, and use the hell out of them. Build a living production document of every show online. Let your audience see how a scene is evolving from rehearsal to rehearsal with a quality video record of the evolution. Annotate each clip with a description of the director’s instructions, of the actor’s new choices, of the salient theatrical choices that made this version of the scene different from the last version. Put them up in a timeline. Let us see the process unfold, even when we can’t be in the room. Let me see how a scene is taken from a written blueprint to a live performance. Edit out the boring stuff.“

An dieser Stelle kehren wir wieder zurück zum Web 2.0 und der Frage nach dem Geschäftsmodell. Es gibt für Theater, Museen, etc. kein Geschäftsmodell im Web 2.0. Aber es gibt Geschäftsmodelle, für die das Web 2.0 eine hilfreiche Ergänzung ist. All die Vorschläge von Chris Ashworth machen ohne das Web 2.0 keinen Sinn. Teilen, bewerten, einbetten, das sind die Merkmale des Web 2.0. Auf diesem Weg kann es gelingen, eine Community aufzubauen, die viel größer ist als Sitzplätze zur Verfügung stehen. Aber es wird eben nicht mehr nur der Sitzplatz für eine einzelne Vorstellung verkauft, sondern es wird Zeit verkauft. Zeit, in der man Teil einer Community ist, die bei der Entstehung eines Kunstwerks dabei ist bzw. vielleicht sogar mitwirkt.

So ganz neu ist dieser Ansatz nicht, schließlich gibt es schon lange Fördervereine, die manchmal in die Entstehung eines Kunstwerks eingebunden werden. Aber nur für einzelne Momente, nicht in den Prozess. Den (finanziellen) Vorteil dieses Community-Modells bringt ein Kommentar Chris Ashworths auf den Punkt:

„The point here is ‚how much money does my model generate from X hours of work‘, and I propose that memberships are likely to generate more money per hour than subscriptions.“

Für mich ist daher das Community-Modell ein interessanter Ansatz für Kultureinrichtungen, höhere Einnahmen zu generieren als bisher und sich vor allem unabhängiger von den öffentlichen Mitteln zu machen. Ein wichtiges Instrument, um Communitys zu bilden und am Leben zu erhalten, ist das Web 2.0 mit seinen diversen Kommunikationskanälen. Es erfordert, ich gebe es zu, ein Umdenken im Umgang mit dem Publikum und auch das Selbstverständnis der meisten Kultureinrichtungen wird davon berührt werden. Aber ich sehe angesichts der leeren öffentlichen Kassen keine Alternative. Und mit aus diesem Grund macht es Sinn, auf das Web 2.0 zu setzen.

Post

Kulturmanagement Network und stARTconference veranstalten eine Blogparade zum Thema „Geschäftsmodelle im Web 2.0“

2 comments

Eines der Ziele der stARTconference war und ist es, das Thema Web 2.0 zu pushen und aufzuzeigen, welche Potenziale, aber auch welche Risiken darin liegen, Social Media für die eigene Arbeit im Kunst- und Kulturbereich zu nutzen. Deshalb haben wir im Rahmen unserer Kooperation mit Kulturmanagement Network im Vorfeld der stART09 eine Ausgabe des KM-Magazins produziert, in der es um das Thema Web 2.0 gegangen ist.

Diese Partnerschaft setzen wir dieses Jahr fort und auch heuer wird es wieder eine Publikation geben, allerdings ist die Grundidee eine andere. Wie Karin Janner im stARTconference Blog ankündigt, gibt es dieses Jahr eine Blogparade. Das heißt, jede/r von Ihnen ist eingeladen, sich daran zu beteiligen. Entweder in Form eines Beitrags auf Ihrem eigenen Weblog. Oder, so Sie kein Weblog haben, durch einen Beitrag, den Sie per Email an Karin Janner schicken und den wir dann als Gastbeitrag auf dem Blog der stARTconference veröffentlichen (Wie so eine Blogparade genau funktioniert, beschreibt Karin Janner in ihrem Beitrag).

Wir hoffen, auf diese Weise eine Vielzahl spannender Beiträge sammeln zu können, von denen wir die besten auswählen und dann ein eBook daraus machen werden. Dieses eBook wird unter anderem an die 18.000 Abonnenten des KM-Magazins verschickt, das heißt, Ihr Beitrag wird nicht nur online, sondern auch offline gelesen.

Worum geht es inhaltlich? Wir haben uns – nicht wirklich überraschend – für eines der Schwerpunktthemen der stART10 entschieden, nämlich für  „Geschäftsmodelle im Web 2.0“. Was meinen wir damit? Karin Janner hat einige Fragestellungen gesammelt, die verdeutlichen sollen, welches Spektrum hier möglich ist:

  • „Die digitalen Medien haben alte Ertragsmechaniken zerstört oder in Frage gestellt (Zeitschriften, Zeitungen, Musikbranche usw.), aber bringen sie möglicherweise auch neue Geschäftsmodelle hervor?
  • Welche Konzepte gibt es bereits, z.B. im Bereich «Freemium», und wie und mit welchem Erfolg können diese in Kulturunternehmen und -einrichtungen zum Einsatz kommen?
  • Welche Auswirkungen haben die neuen Geschäftsmodelle auf die ökonomischen Rahmenbedingungen (Beispiel «Long Tail»)?
  • Welche neuen Formen der Kulturfinanzierung (z.B. Sellaband) und des Vertriebs (z.B. Digital Concert Hall) bieten soziale bzw. digitale Medien?
  • Der Einsatz von sozialen Medien muss sich langfristig auf die eine oder andere Weise rentieren. Anhand welcher Kennzahlen und Größen kann der Erfolg von Social Media gemessen werden?
  • Bringt Social Media auch nichtkommerzielle Erträge und wenn ja, wie können diese beziffert oder bewertet werden?“

Bis zum 30. April haben Sie Zeit, sich an der Blogparade zu beteiligen und abhängig von der Zahl der Beiträge wird das eBook dann Ende Mai bzw. Anfang Juni fertig sein und veröffentlicht werden. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge.

Post

Für Inhalte bezahlen?

5 comments

Als ich zur Schule und später zur Uni ging, kaufte ich mir Schallplatten bzw. überspielte mir mangels eines entsprechend hohen Budgets die Platten anderer auf Kassette. Danach kam die CD und anschließend die ganzen Filesharing-Geschichten. Im nun zu Ende gehenden Jahr habe ich für Musik keinen Cent ausgegeben. Dank der zahlreichen Online-Angebote ist das nicht nötig. Hinzu kommt, dass ich dank Plattformen wie Mixcloud, Soundcloud oder Jamendo ständig Neues entdecken kann.

Diese Entwicklung wird von einigen Branchen zum Anlass genommen, mir als Kunden „vorzuwerfen“, dass ich heute nicht mehr bereit sei, für Inhalte zu bezahlen. Dazu wird noch die Moralkeule geschwungen, denn, so die Argumentation, nun könne man die Produzenten dieser Inhalte nicht mehr entsprechend bezahlen.

Aber haben wir überhaupt jemals für Inhalte bezahlt? Joachim Dreykluft glaubt da nicht daran und erläutert seine Sichtweise im FTD-Artikel „Zukunft der Zeitung: Bezahlen Sie für diesen Inhalt?„. Er ist der Überzeugung, wir als in diesem Fall LeserInnen einer Zeitung bezahlen nicht für die Inhalte, sondern eher für Produktion und Distribution. Bei sinkenden Kosten heißt das, unsere Bereitschaft zu zahlen sinkt entsprechend. An dieser These ist was dran, denn warum sonst ist die Zahlungsbereitschaft beim Online-Empfang von Inhalten auf mobilen Endgeräten höher als auf unserem Desktop am Schreibtisch? Für die Möglichkeit, die Inhalte auf unserem mobilen Endgerät an jede Ort abrufen zu können, scheinen wir bereit zu sein, mehr Geld auszugeben als für die Bereitstellung am PC.

Ehrhardt F. Heinold, über dessen Blog zum Publishing-Business ich auf diesen Artikel gestoßen bin, überträgt die Forderung Dreyklufts, die Printmedien müssten wieder mehr Kontrolle über die Distributionskette bekommen, um Geld verdienen zu können, auf die Verlage. Warum überlassen sie den Markt der mobilen Lesegeräte anderen, fragt er sich.

Ich finde diesen Ansatz, wir bezahlen eher für die Distribution und nicht so sehr für die Inhalte, sehr interessant und stelle mir die Frage, ob das das auch für den Kunst- und Kulturbereich gilt? Nehmen wir als Beispiel die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker. Zahlen wir da (vor allem) für die Inhalte oder die Möglichkeit, die Konzerte live auf dem eigenen Bildschirm in der entsprechenden Qualität erleben zu können?

Ähnlich verhält es sich mit der Kombination Städtereise und Kultur, d.h. wir zahlen dafür, um z.B. an einem Wochenende nach Wien zu fahren und dort in die Oper zu gehen. Zwar ist der Opernbesuch dann der Anlass für die Reise. Der Hauptanteil der Kosten fällt aber dann für Reise und Hotel an.

Vielleicht sollten sich Kunst- und Kultureinrichtungen verstärkt darum kümmern, wie die eigenen Distributionsketten aussehen? Unter Umständen lassen sich hier neue und interessante Wertschöpfungsketten entwickeln, an deren Ende dann auch für die Kulturbetriebe neue Einnahmequellen stehen. Zumal der Druck durch die leeren Kassen der öffentlichen Hand weiter zunehmen wird.

Post

Amazon und TuneCore: eine interessante Kombination für den Musikbereich

Leave a reply

Ein gutes Produkt zu haben ist zwar eine feine Sache, aber letzten Endes ist es nur die halbe Miete, denn im nächsten Schritt muss es auch noch unter die Leute gebracht, sprich verkauft werden. Schon viele haben die tollsten Sachen produziert und sind dann trotzdem darauf sitzengeblieben. Gerade im Musikbereich ist das wahrscheinlich häufiger der Fall als wir ahnen.

Waren es früher die großen Plattenlabel, an denen man nicht vorbei kam, wenn es darum ging, eine Platte zu produzieren und zu vertreiben, so kamen mit dem Web2.0 neue Alternativen dazu. Nicht nur die kleinen Label wurden nun attraktiv, auch Plattformen wie SellaBand boten und bieten hier interessante Ansätze, die eigene Musik zu vertreiben.

So schwierig es ist, bei den großen Label unterzukommen und entsprechend promotet zu werden, so groß ist auch die Herausforderung, beispielsweise auf SellaBand die 50.000 USD für die CD-Produktion zusammen zu bekommen. Der Vertrieb hat da noch gar nicht begonnen. Viele MusikerInnen sind außerdem der Ansicht, dass die Kosten für eine CD-Produktion in diesem Fall zu hoch angesetzt seien und sie selbst kostengünstiger produzieren könnten.

Diejenigen, die ihre Songs bereits eingespielt haben, aber über keine Vertriebskanäle verfügen, sollten sich mal die Kooperation von Amazon und TuneCore genauer anschauen.

„Der weltgrößte Onlinehändler Amazon bietet unabhängigen Musikmachern die Möglichkeit, ihre eigenen CDs vertreiben zu können, ohne das finanzielle Risiko einer CD-Produktion auf sich nehmen zu müssen. Seitdem Amazon den Dienstleister TuneCore gekauft hat, können Musiker ihre Scheiben auf Anfrage brennen und auch gleich über das Amazon-Netz direkt an die Kunden versenden lassen,“

heißt es etwa auf BigTrends Die Kosten dieses Angebots sind niedrig, 31 USD werden pro Jahr und Produkt in Rechnung gestellt. Von den Einnahmen gehen 60% an Amazon/TuneCore und 40% an die KünstlerIn. Außerdem lässt sich das eigene Werk nicht nur auf CD brennen, sondern auf Wunsch auch auf die verschiedenen Downloadplattformen einstellen.

Die 31 USD Jahresgebühr hat man, denke ich, recht schnell wieder eingespielt. Bei dem im BigTrend-Artikel angenommenen Verkaufspreis von 8,98 USD bleiben 3,59 USD für die KünstlerIn. Mit zehn verkauften CDs hat sich die Sache also bereits gelohnt.

Richtig ist natürlich der auf pressetext.deutschland formulierte Einwand, dass man in diesem Fall aber auf das professionelle Marketing verzichten müsse. Diesem Manko kann man allerdings durch entsprechende Social Media Aktivitäten entgegenwirken.

Grundsätzlich ist aber die Frage zu stellen, ob wir als Kunden heute wirklich noch CDs kaufen wollen? Auch in einem Wired-Artikel wird dieser Punkt angesprochen. Die Hoffungen beruhen wohl darauf, dass der Verkaufspreis für eine CD so niedrig ist, dass die Leute (trotzdem) zugreifen. Ich bin da etwas  skeptisch. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, eine CD zu kaufen, allerdings müsste die dann mehr beinhalten als einfach nur die Musiktracks. Ein Booklet z.B. würde aber natürlich schon wieder Mehrkosten verursachen und ließe sich auch nicht, vermute ich, so einfach on-demand produzieren und verkaufen lassen. Zumindest zu diesem Preis.

Post

Die Kulturflatrate in zehn Minuten erklärt

Leave a reply


© Grace Winter; Pixelio

Der Musikindustrie bzw. denen, die jahrelang das große Geschäft gemacht haben, geht es schlecht, keine Frage. Das Internet hat deren Geschäftsmodell obsolet gemacht, die Produktion von CDs lohnt sich immer weniger, die Verkaufszahlen sinken dramatisch. Schuld daran sind die zahlreichen Filesharing-Angebote, die es den UserInnen leicht machen, an jeden gewünschten Titel zu kommen, ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

Die Strategie, all diejenigen, die Musik illegal aus dem Internet laden, zu kriminalisieren, ist gescheitert. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Prozesse, die die Musikindustrie gegen einzelne UserInnen anstrengt, der Vergangenheit angehören. Was aber sind die Alternativen?

Häufig wird die Kulturflatrate als ein möglicher Ausweg genannt. Was aber ist die Kulturflatrate überhaupt und wie funktioniert sie? Auf dem Blog Arbeit2.0 habe ich den Hinweis auf eine Sendung im Deutschlandradio Kultur entdeckt, die dort letzten Samstag ausgestrahlt wurde. In einem etwa zehnminütigen Beitrag ging es um die Frage, ob die Kulturflatrate ein letzter Ausweg für Musikindustrie und Kreativwirtschaft sei? Den Beitrag können Sie hier noch einmal anhören.

Warum eine Kulturflatrate unsinnig ist, hat Marcel Weiss nicht nur einmal auf dem netzwertig-Blog zu erklären versucht. Ich gebe ihm größtenteils Recht und behaupte, dass sich die Menschheit fundamental ändern müsste, damit so ein Modell funktionieren kann.

Einer der Kritikpunkte, die Marcel Weiss anspricht: das Modell der Kulturflatrate würde nur wieder den „Großen“ in die Hände spielen, denn pauschal ist bei diesem Modell ja nur das Einheben der Gebühr. Ausgezahlt hingegen würde nach den Download-Zahlen und damit hätten wir eigentlich wieder den früheren Status Quo hergestellt, die kleinen, unbekannten und selten gespielten Gruppen würden wieder durch die Finger schauen und die Großen könnten sich  zurücklehnen und zusehen, wie andere (z.B. die Provider) für sie das Geld einkassieren.

Marcel Weiss hat auch Recht, wenn er darauf hinweist, dass wir es schnell nicht nur mit der Musikindustrie zu tun hätten, sondern mit allen Content-Anbietern, für die es bis jetzt kein funktionierendes Geschäftsmodell gibt. Und das sind einige, da können wir sicher sein. Warum sollte nicht auch ich von irgendeiner Content-Flatrate profitieren können? Ist die Qualität meiner Beiträge schlechter als irgendein blöder Song? Um Qualität würde es da nicht gehen.

Nein, wenn wir schon an das Gute im Menschen glauben sollenwollen, dann probieren wir es doch bitte mit dem Fairness-Ansatz, den ich vor ein paar Tagen in einem Beitrag angesprochen habe. Aber eigentlich wollte ich ja nur auf die zehnminütige Sendung hinweisen.

Post

Mit Musik im Internet Geld verdienen: ein hoffnungsloses Unterfangen?

6 comments

Vor einem knappen Monat hat sich Marcel Weiss auf dem netzwertig-Blog die Frage gestellt, „Wie Musiker in Zeiten des Internets Geld verdienen (können)„. Aus ökonomischer Sicht betrachtet, und das war seine Herangehensweise, lässt sich sehr leicht erklären, warum der Preis für die digitale Kopie eines Musikstücks bei Null liegt.

Aber, so Weiss:

„Während die Erstellung einer digitalen Kopie keine Kosten verursacht, kostet die Aufnahme eines Musikstücks selbst durchaus etwas.“

Für Weiss bleiben zwei Wege, um die Produktionskosten decken zu können:

  1. eine Kulturflatrate oder
  2. „eine anderweitige Querfinanzierung“, wie er es nennt.

Von der Kulturflatrate hält Marcel Weiss nicht so viel, die Gründe dafür hat er in einem eigenen Blogpost zusammengefasst. Anders sieht das Wolfgang Michal, der auf Carta von den „(übertriebenen) Sorgen des Marcel Weiss“ spricht.

Es ist zugegeben nicht leicht, hier eine eindeutige Position zu beziehen, ich persönlich stehe einer Kulturflatrate aber eher skeptisch gegenüber. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich als Internetnutzer fürchte, im Laufe der Zeit für die diversen Contentbereiche eine Flatrate bezahlen zu müssen, egal ob ich die Angebote nutze oder nicht. Und abgesehen von der Tatsache, dass wir es bis jetzt noch immer geschafft haben, aus jeder kleiner Regelung im Laufe der Jahre ein bürokratisches Monster zu schaffen. Eine Flatrate muss auf der einen Seite eingehoben werden, das ist kein so großes Problem, wie Wolfgang Michal richtig feststellt. Es ist, technisch gesehen, auch kein Problem, diese eingenommenen Gelder an die – bleiben wir beim Beispiel Musik – MusikerInnen auszuzahlen, denn es lässt sich ja leicht messen, wessen Werke wie oft genutzt worden sind.

Das Problem liegt auf einer anderen Ebene. Es muss nämlich geklärt werden, wer eigentlich alles als MusikerIn gelten darf. Wenn man sich anschaut, nach welch unterschiedlichen Kriterien man in den verschiedenen Ländern als KünstlerIn bezeichnet wird, dann steckt da viel Arbeit darin. Nicht dass es unmöglich ist, aber die Hausaufgaben müssen erst einmal gemacht werden.

Außerdem müsste das Verhältnis zwischen geförderter und nichtgeförderter Musik geklärt werden, denn die Entwicklung von Musik findet nicht nur, um es mal vorsichtig zu formulieren, in Hitparaden statt. Müssen sich dann KünstlerInnen für die Flatrate oder für die Förderung entscheiden? Oder gibt es Mischmodelle, etwa anteilige Rückzahlung der Förderung bei kommerziellem Erfolg? Also ganz so einfach wie Wolfgang Michal das Modell der Flatrate darstellt, ist es leider nicht.

Marcel Weiss spricht außerdem aber noch von einer „anderweitigen Querfinanzierung“. Für ihn heißt das, MusikerInnen müssen Produkte entwickeln, die – im Gegensatz zur digitalen Kopie – ein wertvolles Gut darstellen, für das die Leute bereit sind, Geld zu zahlen. Weiss nennt in diesem Zusammenhang Konzerte, Merchandising und ähnliche Dinge.  Das heißt, so Weiss:

„Gekauft wird letztlich das knappe Gut (VIP-Zugang, die schöne Verpackung als Souvenir für’s Regal, das Merchandising), die Musikaufnahme ist die Zugabe. Nicht umgekehrt.“

Das mag für den populären Musikbereich funktionieren, aber nicht jede MusikerIn gibt Konzerte bzw. verkauft T-Shirts. Was ist z.B. mit den hochspezialisierten StudiomusikerInnen, die entscheidend zum Erfolg eines Albums beitragen, die aber eigentlich niemand kennt?

Wie aber können mögliche Alternativen aussehen? Beim Nachdenken über mögliche Lösungsansätze ist mir Spot.us eingefallen, ein Modell aus dem Journalismus-Bereich. Vereinfacht gesagt geht es darum, dass JournalistInnen erst dann einen Beitrag recherchieren und schreiben, wenn sich genügend Leute gefunden haben, die den Beitrag vorfinanzieren (das Prinzip habe ich in meinem Beitrag „Artikel durch Crowdfunding finanzieren“ genauer beschrieben). Im Musikbereich fällt mir dazu die Gruppe Marillion ein, die sich ihr aktuelles Album von den Fans vorfinanzieren ließ. Aber auch hier gilt natürlich die Einschränkung, dass dazu ein entsprechender Grad an Reputation vorhanden sein muss, damit die Fans ein Album kaufen, bevor es produziert worden ist.

Interessant ist dieser Ansatz aber allemal, denn er verlässt den rein ökonomischen Raum und bringt ein neues Kriterium ins Spiel, den Fairness-Gedanken. Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang ein Interview mit dem VWL-Professor Armin Falk in der ZEIT. Die Verhaltensökonomie stellt, so Falk, das Modell vom Homo oeconomicus in Frage und zeigt anhand von Beispielen, dass wir nicht immer vollkommen rational handeln, um unseren Nutzen zu mehren. Fairness bezeichnet Falk als ein Grundbedürfnis von uns, das viele unserer Entscheidungen beeinflusst.

Wie hilfreich, dass es angesichts der Finanzkrise gerade um den Fairnessgedanken geht. Vielleicht gelingt es ja, diesen Aspekt mehr in unser Bewusstsein rücken zu lassen? Dafür erhält man wohl derzeit viel Zustimmung, alleine an der Umsetzung wird es hapern, denn erwartet wird so was wie eine Systemumstellung. So quasi von oben verordnet: ab sofort sind wir alle fair. Darauf werden wir wahrscheinlich lange warten können. Aber eigentlich müssen wir darauf gar nicht warten, denn der Vorteil bei diesem Ansatz ist: man kann damit einfach beginnen, egal ob im Musikbereich oder anderswo.

Auf den Musikbereich und die digitale Kopie bezogen heißt das: ich habe die Möglichkeit,  entsprechende Beträge an die MusikerInnen zu überweisen. Ob das nun ein fix vorgegebener Betrag ist oder ob ich die Summe frei wählen kann (so wie das Radiohead versucht hat), das muss man ausprobieren. Die Voraussetzung dafür ist in meinen Augen aber auf alle Fälle ein möglichst hohes Maß an Reputation, über das die MusikerIn verfügen muss.

Und dann fehlt nur noch ein entsprechendes Tool, mit dem sich die Transaktionskosten senken lassen, denn die sind, obwohl die Transaktion digital erfolgt, immer noch erschreckend hoch.

PS: der VWL-Professor Ernst Fehr beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Fairness-Gedanken in der Ökonomie und hat jede Menge Publikationen dazu auf seiner Website veröffentlicht.