Wenn die Herde die Flucht ergreift oder: die eigene Website wird immer wichtiger


Houserock Valley Bison Herd“; By Kaibab National Forest (CC BY-SA 2.0)

Noch lassen sich die Tiere nicht aus der Ruhe bringen, allerdings sind sie wachsam und jederzeit bereit, die Flucht zu ergreifen. So ähnlich schätzt Christian Dingler von der PR-Agentur genuin4 die derzeitige Lage auf Facebook ein. In seinem Blogbeitrag “Diese neun Trends werden 2013 in der Online PR wichtig – hoffe ich” prophezeit er, dass die Unternehmen “in Scharen” verlassen werden, weil sie nicht bereit sind, “für die Sichtbarkeit dort zu zahlen. Mit aus diesem Grund werde die eigene Website (wieder) an Bedeutung gewinnen, schreibt Dingler weiter.

Ob die Unternehmen wirklich die Flucht ergreifen, weiß ich nicht, aber eine gewisse Ernüchterung ist schon zu konstatieren. Anne Grabs zeigt in ihrer Präsentation “Everywhere Commerce” eine Folie, in der der aktuelle Status Quo von Social Media im Gartner Hypecycle-Modell abgebildet ist. Ihrer Ansicht nach befinden wir uns gerade am Einstieg in das “Tal der Enttäuschungen” (Folie 7), was die Prognose von Christian Dingler unterstützt.

Nun also wieder die eigene Website? Jeremiah Owyang hat schon vor gut zwei Jahren gemeint, dass die eigene Website wieder relevant werden würde. In seinem dort beschriebenen Modell (siehe dazu mein Blogpost “Die eigene Website und Social Media wachsen (langsam) zusammen“) spricht er vom Zusammenwachsen der eigenen Website mit den Social Networks. Das Resultat ist die “Social Corporate Website”.

Wie zutreffend seine Prognose ist, beweist die neue Website von Coca-Cola, die heute Coca-Cola Journey heißt und vermutlich genau das darstellt, was sich Jeremiah Owyang unter dem Begriff der “Social Corporate Website” vorgestellt hat. Die Seite zeigt aber auch, dass die Zeit vorbei ist, wo die Frage, wie etwas auf einer der Plattformen funktioniert, im Vordergrund steht. Gefragt sind interessante Inhalte. Die Tatsache, dass ein Unternehmen heute auf Facebook ist, lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, es sind Geschichten, nach Möglichkeit auch die der UserInnen bzw. Fans. Facebook ist dann nur noch ein Tool, was genau zu den von Anne Grabs angekündigten Enttäuschungen führen wird. “Was, jetzt bin ich auf Facebook und nun soll ich schon wieder was Neues machen?” Dieser Satz wird in den nächsten Monaten vermutlich öfters zu hören sein. Die Antwort darauf ist ein klares Ja.

Das Schöne dabei ist: wir müssen Facebook nicht verlassen, aber es ist dann einfach nicht mehr so wichtig. ;-)


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Kommentare

3 Antworten zu „Wenn die Herde die Flucht ergreift oder: die eigene Website wird immer wichtiger“

  1. Danke für die erfreuliche Nachtricht! Und gleich drauf ein Facebook-Link zum MICA-Weihnachtslabelmarkt HEUTE: https://www.facebook.com/events/376388215780609/

  2. Ich finde es ja fast witzig, dass alle Zeiten wieder jemand den Trend retour zur eigenen Website ausspricht. So wie die Tumblr, Posterous,… Blogger/innen auf einmal wieder das selbstgehostete Blog entdecken.
    Das Bild bleibt: Es ist gut aufs Meer zu fahren, neue Häfen kennenzulernen und zu handeln … aber immer die Sicherheit zu haben auf die eigene Insel zurückzukehren, dort einen fixen Stützpunkt zu haben,…. man kann das weiterspinnen, wie man möchte.
    Das eigene Blog, die eigene Website bleibt und blieb die letzten Jahre dann doch immer der Punkt von dem man seine Aktivitäten setzen kann (darf ich “sollte” schreiben?).

  3. @Robert: ich erinnere mich an eine Firma, ich glaube, es war eine Agentur, die ihre eigene Website aufgab, um nur noch auf Facebook präsent zu sein. Auf eine solche Idee würde heute niemand mehr kommen. Aber ich bin mir sicher, irgendwann demnächst werden wir einen neuen Trend erleben und plötzlich wird die eigene Website wieder in Frage gestellt.

    Ich verfolge die Diskussion jetzt schon seit Jahren und habe selbst vor fünf Jahren über das Ende der klassischen Website spekuliert. Die Entwicklung, die Jeremiah Owyang zeichnet, wenn er von der “social corporate Website” spricht, scheint plausibel. Mal sehen, wie es weiter geht. Deinen letzten Satz unterschreibe ich, wobei ich das “sollte” wählen würde. ;-)

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