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Community als Erfolgsfaktor im Crowdfunding
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Crowdfunding: die Community als Erfolgsfaktor

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Haben Sie schon mal eine Crowdfunding-Kampagne durchgeführt und können die Frage nach dem wichtigsten Erfolgsfaktor beantworten? Es ist natürlich auch nicht falsch, diese Frage zu beantworten, bevor man eine Kampagne startet. Für mich ist es das Netzwerk oder die Community, mit deren Hilfe das nötige Geld zusammenkommen soll. Deshalb ist der Aufbau einer Community der erste Schritt für eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne.

Nur wenige Angebote finden Ihre Interessent*innen von ganz alleine

Warum ist das eigene Netzwerk oder die Community so wichtig? Es ist ein Irrglaube, davon auszugehen, ein tolles Angebot finde seine Interessent*innen oder Käufer*innen immer von ganz alleine. Das kommt zwar manchmal vor, aber es ist ganz sicher nicht die Regel. Das sieht man recht gut, wenn man sich auf den Crowdfunding-Plattformen Projekte anschaut, die nicht so erfolgreich sind. Wer etwas weiter recherchiert, erkennt recht schnell, dass die Initiator*innen entweder gar nicht in den sozialen Netzwerken vertreten sind oder keine aktive Community besitzen.

Für eine Community braucht es nicht unbedingt die sozialen Netzwerke. Vor allem bekanntere Kultureinrichtungen sind auch über andere Kanäle ganz gut vernetzt. Bei der Crowdfunding-Kampagne der Wiener Philharmoniker zum Beispiel erzielten vermutlich die Presseaussendungen die größte Wirkung. Bei kleineren und eher unbekannten Kultureinrichtungen funktioniert das aber wohl nicht. Insofern ist es für die meisten schon ganz klug, auf die sozialen Netzwerke zu setzen.

Vertrauen als Voraussetzung für eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne

Netzwerk heißt in dem Fall, dass einen die Menschen kennen und einem vertrauen. Sehr schön sieht man das an einer Kampagne des Theater Sommer Klagenfurt. Das Theater versuchte vor mehr als sieben Jahren, mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne die Kostüme für ihre Theaterproduktion zu finanzieren. Dankenswerterweise haben sie die Kampagne in ihrem Blogbeitrag „Crowdfunding – Kennzahlen einer erfolgreichen Finanzierung“ ausgiebig analysiert, deshalb muss ich jetzt an dieser Stelle nicht näher auf die Kampagne eingehen.

Wie wichtig Vertrauen ist, zeigt die folgende Grafik. Im Rahmen ihres Beitrags haben sie nämlich analysiert, wer sie eigentlich bei dieser Kampagne unterstützt hat und woher das Geld kam:

Quelle: Theater Sommer Klagenfurt

Nur ein knappes Fünftel der Unterstützer*innen war dem Theater wirklich unbekannt, die restlichen 80 waren Freunde, Verwandte, Bekannte oder gehörten zum Stammpublikum. Nun können Sie einwenden, dass man da ja gleich seine Freunde direkt um Unterstützung bitten kann und die Kampagne gar nicht braucht. Ich denke, dass Crowdfunding schon etwas anderes ist als die Bitte um Unterstützung. Alleine schon die Tatsache, dass man für sein Geld eine klar definierte Gegenleistung erhält, ändert die Rahmenbedingungen.

Erfolgreiche Kampagnen haben im Schnitt 127 Unterstützer*innen

In den Projekten, die ich begleiten durfte, haben mir die beiden Grafiken immer sehr geholfen. Ich habe immer versucht herauszufinden, wie groß die jeweilige Community ist und diese dann um ein Fünftel ergänzt. Das war für mich der Ausgangspunkt, um beurteilen zu können, ob eine Zielsumme realistisch ist oder nicht.

Ohne ein paar Zahlen von den Plattformbetreibern geht das allerdings nicht. Ich habe netterweise von Startnext die folgende Aufstellung bekommen. Bei den Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte bei erfolgreichen Projekten:

Startnext20162018
Fundingsumme/Projekt 8.415 €8.600 €
Zahl der Unterstützer*innen pro Projekt105127
Betrag pro Unterstützer*in pro Projekt75 €67 €
Erfolgsquote62 %56 %

Sie sehen, die durchschnittliche Zielsumme aller erfolgreichen Projekte auf Startnext ist von 2016 auf 2018 nur geringfügig angestiegen. Dafür braucht es 2018 mehr Unterstützer*innen, die weniger Geld ausgeben als zwei Jahre davor. Die Erfolgsquote ist leicht gesunken, aber immer noch relativ hoch. Zu erklären ist das mit der ständig steigenden Zahl an Projekten, die zu einer Verwässerung der Qualität führt und die Erfolgsquote sinken lässt.

Wenn Sie nun wissen, wie groß Ihre Community ist, also die 80 % plus das Fünftel derer, die Sie ganz neu gewinnen müssen, dann können Sie abschätzen, welche Zielsumme für Ihre Kampagne realistisch ist. Bei insgesamt 127 Personen ist eine Zielsumme von 8.600 Euro realistisch, bei 1.270 Personen wären es dann 86.000 Euro.

Bitte nageln Sie mich jetzt nicht auf diese Zahlen fest. Es ist, wenn Sie so wollen, eine Zahlenspielerei, die mir aber hilft, das eigene Vorhaben einordnen zu können. Natürlich spielen da noch andere Faktoren mit hinein, die über Erfolg oder Misserfolg der Kampagne entscheiden.

Crowdfunding ist ein lokales Phänomen

Zum Beispiel hängt der Erfolg auch davon ab, wie weit Ihre Fans von Ihnen entfernt sind. Das klingt im ersten Moment etwas merkwürdig, aber zu diesem Ergebnis kommt eine 2016 von Pro Helvetia beauftragte Studie, die sich für die Schweiz mit dem „Crowdfunding im Kulturbereich“ beschäftigt und kostenlos als PDF zur Verfügung steht.

Auf Seite 30 im Fazit findet sich die durch Zahlen belegte Behauptung, Crowdfunding sei ein lokales Phänomen. Da in dieser Studie Zahlen der Crowdfundingplattform Wemakeit verwendet werden, lässt sich das zumindest für die Schweiz sagen. Dort beträgt die Entfernung zwischen Projektinitiator*innen und Unterstützer*innen z.B. im Bereich „Musik, Konzerte, Festivals“ durchschnittlich 17 Kilometer. Klar, dass diese Zahlen bei internationalen Projekten oder bei Produkten, die digital vertrieben werden können, anders aussehen. Aber ich vermute, in Deutschland und Österreich sehen die Zahlen ähnlich aus.

Diese lokale Nähe der Unterstützer*innen passt übrigens sehr gut zur Analyse des Theater Sommer Klagenfurt. Vermutlich war es auch hier großteils ein lokales Umfeld, das das Vorhaben durch die finanzielle Unterstützung ermöglichte.

Sie sehen, schon im Vorfeld können Sie recht gut den Rahmen für Ihre Crowdfunding-Kampagne abstecken und einschätzen, ob Ihre Vorstellungen halbwegs realistisch sind. Versuchen Sie es doch mal mit Ihrer nächsten Kampagne. Oder Sie analysieren Ihre bereits durchgeführten Kampagnen und versuchen herauszufinden, ob Sie zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Vielleicht haben Sie Lust, Ihre Ergebnisse kurz als Kommentar zu posten (Gerne natürlich auch als Mail). Mich würde es nämlich interessieren, ob ich mit meinen Behauptungen richtig oder falsch liege.

Tipp: Falls Sie eine eigene Crowdfunding-Kampagne planen und sich unsicher sind, ob das alles so klappt, wie Sie sich das vorstellen: Am 19. September, also schon recht bald, halte ich in Wien am Institut für Kulturkonzepte ein eintägiges Crowdfunding-Seminar. Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, klicken Sie auf den Button oder kontaktieren Sie mich.

Foto von William White auf Unsplash

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Die EU fördert Kultur und Digitalisierung

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Kurz vor dem Ende einer Förderperiode experimentiert die EU ganz gerne, um neue Programm- bzw. Förderideen zu testen. Im Rahmen von Creative Europe veröffentlichte die EU vor kurzem der Call „Bridging culture and audiovisual content through digital„. Mit ihm möchte sie den Boden für ein „Creative Innovation Lab“ bereiten. Gefördert werden Projekte an der Schnittstelle von Kultur und Digitalisierung

Die wichtigsten Informationen finden sich in der vierseitigen Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen (EACEA/06/2019) und im zur Verfügung gestellten Leitfaden. Die wichtigsten Punkte möchte ich in den folgenden Absätzen kurz zusammenfassen.

Was wird gefördert?

Das Ziel dieses Calls ist es, neue sektorübergreifende Ideen für die Finanzierung, den Vertrieb und die Monetarisierung von Werken zu erproben. Unterstützung finden Projekte, die sparten- bzw. branchenübergreifend (der audiovisuelle Sektor, der sonst ausgeschlossen ist, darf hier dabei sein) angelegt sind und auf technologische Innovation, zum Beispiel im Bereich von Virtual Reality setzen.

Als auch Projekte, die

„der Förderung innovativer sektorübergreifender Konzepte und Instrumente zur Erleichterung des Zugangs, der Verbreitung, der Bekanntmachung und der Monetarisierung von Kultur und Kreativität, einschließlich des kulturellen Erbes, dienen“.

Um es kurz zu machen: Es geht um Ideen, wie sich mit Hilfe digitaler Technologien Kunst und Kultur besser verkaufen lassen. Verkaufen bedeutet hier, den Zugang dazu erleichtern, das Angebot zu vermarkten sowie neue Geldquellen zu erschließen.

Wer darf einen Antrag stellen?

Anträge können von folgenden Institutionen eingereicht werden:

  • Nonprofit-Organisationen (privat/öffentlich)
  • Universitäten, Bildungs- und Forschungseinrichtungen
  • Behörden (lokal, regional, national)
  • Internationale Organisationen
  • Unternehmen

Wenn ich es richtig verstanden habe, dürfen sich auch Selbständige und EinzelunternehmerInnen, „bei denen das Unternehmen keine von der natürlichen Person unabhängige Rechtspersönlichkeit besitzt“, an der Ausschreibung beteiligen.

Kommen müssen die Antragsteller aus den

  • EU-Mitgliedsstaaten
  • Beitritts-, Kandidaten- und potenziellen Kandidatenländern
  • EFTA-Staaten (bei der Schweiz ist das von einem noch abzuschließenden bilateralen Abkommen abhängig)
  • Länder, die sich an der Europäischen Nachbarschaftspolitik beteiligen.

Worauf muss geachtet werden?

Chancen auf eine Förderung haben Projekte,

  • die eine neue digitale (oder audiovisuelle) Technologie beinhalten, die im Museum, bei Liveveranstaltungen oder im Bereich Kulturelles Erbe zum Einsatz kommt;
  • an dem mindestens drei Partner aus drei verschiedenen Ländern beteiligt sind;
  • die mindestens 150.000 Euro beantragen (darf nicht unterschritten werden!), wobei diese Summe maximal 60% des Projektbudgets ausmachen darf. Bei einer Punktlandung würde das Budget dann 250.000 Euro betragen;
  • die zwischen dem 1.1.2020 und dem 30.6.2021 stattfinden, also max. 18 Monate dauern.

Wie werden die Projekte bewertet?

Hier gelten die üblichen Vergabekriterien, die auch bei den vorhergehenden Ausschreibungen im Rahmen von Creative Europe zur Anwendung gekommen sind:

  • Relevanz und europ. Mehrwert (35 Punkte)
  • Qualität der Inhalte und Aktivitäten (25 Punkte)
  • Auswirkungen und Verbreitung der Projektergebnisse (20 Punkte)
  • Organisation des Projektteams und des Zusammenschlusses (20 Punkte)

Wann endet die Einreichfrist?

Die Einreichfrist endet am 20. Juni 2019 um 12 Uhr, die Anträge müssen online eingereicht werden. Falls Sie Unterstützung bei der Antragstellung brauchen, nutzen Sie entweder den recht ausführlichen Leitfaden oder Sie wenden sich an den Creative Europe Desk in Deutschland, Österreich oder dem Land, in dem Sie zu Hause sind bzw. Ihr Projekt realisieren wollen. Gerne stehe aber auch ich Ihnen dafür zur Verfügung.

Nutzen Sie die Chance, es ist ein durchaus interessanter Call, mit dem die EU die Digitalisierung in Kunst und Kultur fördert. Wenn Sie mehr über die Überlegungen erfahren wollen, die sich hinter diesem Call verbergen, dann empfehle ich Ihnen einen Blick in die Zusammenfassung eines Workshops, der im Februar diesen Jahres stattfand.

Lese- und Downloadtipp: Internationales Projektmanagement: Das kostenlose Handbuch des CCP Austria erscheint in der zweiten Auflage

Titelbild: pixel2013 (Pixabay)

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Kulturfinanzierung: Nicht nur auf dem stARTcamp Linz ein Thema

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Eigentlich wollte ich ja schon lange über das stARTcamp in Linz schreiben, aber da ich in den letzten Wochen viel unterwegs war und es auch einige Feiertage gab, hatte ich nicht die nötige Ruhe, um meine Eindrücke von der stARTcamp-Premiere in Oberösterreich wiederzugeben. Bevor ich mich mit den Inhalten beschäftige: Ein großes Dankeschön geht an Wolfgang Gumpelmaier, der für diese Veranstaltung mit dem Wissensturm nicht nur eine tolle Location gefunden, sondern auch sonst alles perfekt organisiert hat. „Kulturfinanzierung“ lautete die thematische Vorgabe für den Tag, das Ergebnis der Sessionplanung konnte sich sehen lassen: Sessionplanung stARTcamp Linz Natürlich stand die Frage nach neuen und erfolgsversprechenden Finanzierungsoptionen im Vordergrund und natürlich ging es dabei auch um Crowdfunding. Aber nicht nur. Auch EU-Förderungen waren ein Thema oder die Frage, welchen Wert Kulturarbeit hat und ob die Genossenschaft eine geeignete Rechtsform dafür ist? Natürlich muss es bei einem stARTcamp auch um Social Media gehen, passend zum Thema diskutierten wir über den Wert eines Likes und die richtigen Kennzahlen. Ob ein Like einen Wert besitzt, hängt letzten Endes von den Zielen ab, die man sich gesteckt hat. Oft ist es aber umgekehrt, die Überlegungen gehen eher in Richtung der Frage, welche Kennzahlen es gibt und ob sie sich verwenden lassen. Viele haben mittlerweile verstanden, dass es nicht reicht, nur Impressions, Likes und Kommentare zu zählen. Aber was ist die Alternative? Vielleicht die „7 Must Track Metrics for Inbound Marketing„? Natürlich klingt es vernünftig, jede Woche nachzusehen, wo man mit den gewählten Keywords im Suchmaschinenranking zu finden ist. Angenommen, wir landen damit ganz vorne im Ranking, was passiert dann und was sagt uns das? Ziele sind Mangelware und so landen wir dann doch schnell wieder bei den Fans- oder Followerzahlen. Wichtig können die sein, wenn es um das Thema Crowdfunding geht. Dass es dafür der Unterstützung durch die eigene Community bedarf, wissen wir mittlerweile. Aber was muss ich tun, damit sie sich für mich engagiert? Die Antwort fällt meist ernüchternd aus: Wir wissen es nicht, weil wir uns davor scheuen, mit Daten zu arbeiten und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Vielleicht lässt sich diese Scheu überwinden, wenn sich ein Modell durchsetzt, das Crowdfunding und Sponsoring miteinander verbindet. Die Bank Austria verteilt ihre aktuell 110.000 Euro nicht einfach nur im Rahmen des Kunstpreises an drei oder mehrere Preisträger, sondern verbindet ihn mit einem Crowdfundingprozess, an dessen Ende ausgewählte Projekte ein Drittel der Finanzierungskosten von der Bank erhalten. Aber was erkläre ich das lange. Dieses Video macht deutlich, worum es geht und wie der Prozess abläuft:
Auf diese Weise lässt sich die Summe, die den verschiedenen Projekte zugute kommt, verdreifachen, der Hebel wird durch die Kampagne vergrößert und führt dazu, dass mehr Geld in die Vorhaben fließt. Für mich führt die Kombination von Sponsoring und Crowdfunding zu einer Win-Win-Situation, denn es profitiert auf der einen Seite der Sponsor, der aber im Rahmen dieses Modells nicht nur mehrere Projekte unterstützt, sondern – zumindest derzeit – auch eine recht große Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Machen das alle, wird vermutlich kein Hahn danach krähen. Doch halt, der Kunst- und Kulturbereich, denn dank der Hebelwirkung fließt in diesem konkreten Fall die dreifache Summe in die Projekte. Aber nur, wenn es gelingt, zwei Crowdfundingkampagnen erfolgreich durchzuführen und die finanziellen Ziele zu erreichen, nämlich jeweils ein Drittel der benötigten Gesamtsumme. Der Nachteil: Die Kultureinrichtungen haben es in diesem Fall nicht mehr in der Hand, mit einzelnen Sponsoren zusammen zu arbeiten. Das Unternehmen bestimmt den Ablauf und die „Fans“ entscheiden, welche Kampagnen erfolgreich sind und das Geld des Sponsorgebers erhalten. Der Vorteil: Crowdfunding ist mehr als nur ein Finanzierungsinstrument und verbindet die Bereiche Kulturfinanzierung und Marketing miteinander. Profitieren werden die, denen es gelingt, ihre Communitys zu aktivieren und auf unternehmerisches Handeln beziehungsweise Marketing zu setzen. Und dafür braucht es auch wieder Kennzahlen, Kennzahlen, mit denen heute viele noch nicht arbeiten wollen.  
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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil IV)

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Im zweiten Teil dieser Serie hatte ich geschrieben, dass eine Crowdfunding-Kampagne nicht ein kleines Anhängsel eines „richtigen“ Projektes ist, sondern als ein eigenständiges Vorhaben zu betrachten sei. Wer schon mal eine Kampagne durchgeführt hat, weiß, wie viel Arbeit darin steckt. Die Frage ist, über welchen Zeitraum wir diese Arbeit verteilen, denn die Laufzeit unserer Kampagne bestimmen wir in der Regel selber.

Schritt 6: Setzen Sie den Termin für die Deadline fest

Gerade AnfängerInnen entscheiden sich häufig für eine längere Laufzeit, weil sie glauben, so größere Chancen zu haben, das eigene Vorhaben erfolgreich zu finanzieren. Ob das wirklich so stimmt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Ein Blogbeitrag aus dem letzten Sommer weist darauf hin, dass auf Kickstarter Kampagnen mit einer Laufzeit von 30 oder weniger Tagen eine höhere Erfolgsquote (35 Prozent) aufweisen als die mit einer Laufzeit von 60 Tagen (Erfolgsquote: 29 Prozent). Offen bleibt, ob dabei die Dauer der Kampagne eine Rolle spielt oder die Höhe der Summe, um die es geht.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die meiste Unterstützung zu Beginn und am Ende einer Kampagne gibt. Dazwischen geht es oft sehr zäh voran. Meist lässt die erste Euphorie des Projektteams nach einem – hoffentlich – erfolgreichen Auftakt etwas nach und auch die UnterstützerInnen denken sich, dass es ja noch nicht eilig sei, das Vorhaben zu unterstützen. Ich scheue mich davor, von einer Durchhängerphase zu sprechen, aber meist das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag wesentlich schlechter als in Start- und Endphase. Deshalb plädiere ich eher für kurze Laufzeiten, bei kleineren Projekten sind das zum Beispiel 30 Tage, bei größeren 60. Maria Weiss hat zum Beispiel genau 30 Tage gebraucht, um für ihr Projekt „favola in musica“ 9.200 Euro einzusammeln und damit das Brennen der CD und den Druck des Digibooks zu finanzieren.

favola in musica

Die Plattform Indiegogo testet derzeit die Möglichkeit, Kampagnen über deren eigentliches Ende hinaus weiter laufen zu lassen. In ihrem Blogpost „Continuing Your Success on Indiegogo“ wurde vor zwei Monaten das Pilotprogramm „Forever Funding“ angekündigt,

„that will let campaigners continue raising money even after their campaign deadline, providing a new way to deepen their engagement with funders“.

Mir gefällt der Ansatz, denn er fördert eine Entwicklung, in der Crowdfunding sich immer mehr in Richtung Marketing bewegt und den engen Kontakt zu den UnterstützerInnen auch über die Kampagne hinaus zu nutzen. Ob er sich bewährt, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass dieses Modell vor allem denen entgegenkommt, die mit Hilfe von Crowdfunding die Entwicklung eines Produktes finanzieren und es als Gegenleistung zum Kauf anbieten. Ein Beispiel ist die Kampagne für das Tracking-Tool TrackR bravo, die bis zum eigentlichen Kampagnenende Anfang August 1,26 Mio. USD einsammeln konnte und mittlerweile bei 1,46 Mio. angekommen ist. Ob dieses Modell auch bei einem jährlich stattfindenden Theaterfestival funktioniert, müsste man ausprobieren. Allerdings ist die Herausforderung in diesem Fall ungleich größer als bei dem erwähnten Beispiel, denke ich.

Schritt 7: Finden Sie die passenden Gegenleistungen

Die Gegenleistungen entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg einer Crowdfunding-Kampagne. Wer hier gute und kreative Ideen und das Gespür dafür hat, was der „Crowd“ gefällt, kann seine Erfolgsaussichten gewaltig steigern. Wer die Entwicklung und Produktion eines Produktes, zum Beispiel einer CD, eines Films oder Buches, finanziert, hat es relativ leicht, denn als Gegenleistung steht das Produkt selbst zur Verfügung. Bei der Kampagne von TrackR bravo kann ich lediglich das Tool erwerben und es farblich und mit einer Gravur versehen aufpeppen. Außerdem gibt es Mengenrabatt. Das ist nicht sonderlich einfallsreich, aber wenn sich die UnterstützerInnen für das Produkt interessieren, reicht das.

Maria Weiss war da etwas keativer und hat nicht nur die CD in mehreren Varianten angeboten, sondern auch an den kleinen Geldbeutel gedacht. Wer nicht bereit ist, eine CD zu erwerben und das Projekt trotzdem unterstützen möchte, kann das auch mit geringen Beträgen tun und erhält zum Beispiel einen Song zum Download oder ein Postkartenset mit Motiven aus der Produktion. Darüber hinaus kann eine UnterstützerIn aber auch eine Gesangsstunde, ein Abendessen oder eine Kutschenfahrt „erwerben“. Dabei sollten Sie beachten, dass bei den Gegenleistungen selbst auch wieder Kosten anfallen. Das heißt, mit den Beträgen, für die die Crowd eine Gegenleistung erhält, müssen sie sowohl das eigentliche Projekt, aber auch die Gegenleistungen finanzieren. Dass ein Abendessen für drei Personen etwas kostet, wissen Sie natürlich. Aber vergessen Sie nicht die Portokosten, wenn Sie Bücher oder CDs verschicken.

Wie viele verschiedene Gegenleistungen sollten Sie anbieten? Die Plattform VisionBakery schlägt in einem Blogbeitrag fünf bis zehn verschiedene Angebote vor, ansonsten droht es ihrer Ansicht nach unübersichtlich zu werden. Zehn unterschiedliche Gegenleistungen zu entwickeln, ist schon eine ziemliche Herausforderung, vor allem, wenn man keine CD und kein Buch, sondern ein Theaterstück produziert. Das Transition Theater zeigt recht schön, wie man die Sache angehen kann. Im Rahmen ihrer erfolgreichen Kampagne für die Produktion ihres Stückes Zeitwohlstand haben sie nicht nur 16 verschiedene Gegenleistungen entwickelt, sondern sich darüber hinaus inhaltlich an der Produktion orientiert. Schon für 2 Euro gibt es eine „Dankes-Zeit“, in der man nachfühlen soll, wofür man an diesem Tag dankbar sein soll. Aber man kann auch die ganze Produktion zu sich einladen, allerdings kostet das dann etwas mehr als die 2 Euro. ;-)

Vergessen Sie nicht die Unternehmen! Auch denen können Sie hier Angebote unterbreiten und darauf hoffen, dass Sie Ihren Sponsoringpartner via Crowdfunding finden. Ob das nun die Nennung des Namens im Abspann eines Films oder auf einer CD ist oder ein privates Konzert, in jedem Fall kann das Unternehmen von der Sichtbarkeit ihrer Kampagne profitieren. Je erfolgreicher Ihr Crowdfunding, desto interessanter werden Sie für Unternehmen.

Bevor Sie sich jetzt den Kopf zerbrechen, werfen Sie doch einfach einen Blick auf die vielen Projekte, die sich auf den veschiedenen Plattformen präsentieren und lassen Sie sich von deren Ideen inspirieren. Wir müssen das rad ja nicht jedes Mal neu erfinden. ;-)

In der nächsten Folge dieser kleinen Serie geht es um die Frage, wie Sie Ihr Projekt am besten präsentieren.

Bild von Tumisu auf Pixabay

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Creative Europe: die Ergebnisse des ersten Calls

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Über das neue EU-Förderprogramm Creative Europe habe ich ja schon vor einigen Monaten ein Blogpost geschrieben und auf die neuen inhaltlichen Schwerpunkte hingewiesen. Nun sind die Ergebnisse des ersten Calls veröffentlicht worden und es ist ganz spannend zu sehen, welche Projekte angenommen worden sind. Leider gibt es keine Kurzbeschreibungen, deshalb müssen wir uns beim Durchsehen mit den Titeln begnügen. Ich hoffe, die Projektinfos folgen irgendwann noch, denn bei vielen Projekten geht aus dem Titel nicht hervor, worum es im Vorhaben geht. Bei manchen Projekten wie dem „European Opera Digital Project“ oder „Virtual Sets: Creating and promoting virtual sets for the performing arts“ kann man zumindest erahnen, worum es darin geht. Etwas mehr Informationen wären aber sehr hilfreich. Was viele sicher interessieren wird: Wie viele Projektanträge wurden gestellt und wie groß sind die Erfolgsaussichten? In der Kategorie der kleinen Kooperationsprojekte (3 Partner, max. 200.000 Euro, EU-Förderanteil max. 60%) wurden insgesamt 337 Projekte eingereicht, 37 erhielten eine Förderzusage. Damit liegt die Erfolgsquote bei 10,98%, was nicht besonders hoch ist. Bei den großen Kooperationsprojekten (6 Partner, max. 2 Mio. Euro, EU-Förderanteil max. 50%) wurden 74 Projekte eingereicht, 21 erhalten eine Förderung aus Brüssel, womit die Erfolgsquote bei 28,38% liegt. Es ist also schwer zu sagen, ob man sich eher für ein kleines oder großes Projekt entscheiden soll. Die Erfolgsaussichten sind bei den kleinen Kooperationsprojekten ziemlich gering, allerdings muss man auch berücksichtigen, dass nicht so viele Projekte eingereicht worden sind. Etwas besser waren prozentual gesehen die Chancen bei den großen Projekten, aber bei einer Quote von knapp 30 Prozent haben trotzdem nur 21 eine Förderzusage erhalten. Das ist bei der Vielzahl der Länder, die an diesem Programm teilnehmen können, keine sehr große Zahl. Wer wissen möchte, welche Netzwerke Geld aus Brüssel bekommen, seit ein paar Tagen sind auch diese Ergebnisse online.
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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil III)

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Bild: Crowdfunding„; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Nun hat es mit dem dritten Teil meiner kleinen Serie über Crowdfunding doch etwas länger gedauert, ich bitte um Verzeihung. Wenn Sie direkt von einer der Suchmaschinen oder einem sozialen Netzwerk hierher gesprungen sind, hier finden Sie Teil I und Teil II. Nachdem Sie Ihr Vorhaben und die Crowdfunding-Kampagne sorgfältig geplant haben und auch wissen, welche Kosten anfallen, geht es im nächsten Schritt um die Frage, für welche Plattform Sie sich entscheiden sollen beziehungsweise ob es vielleicht auch Sinn macht, die Kampagne auf der eigenen Seite durchzuführen?

Schritt 5: Wählen Sie die richtige Plattform

Die Zahl der Crowdfunding-Plattformen nimmt fast täglich zu, deshalb macht es wenig Sinn machen, hier eine Liste zu erstellen, denn es würde sich immer nur um eine Momentaufnahme handeln. Hinzu kommt, es gibt einige solcher Listen. Recht aktuell hat sich das Online-Magazin t3n mit dem Thema beschäftigt und die wichtigsten deutschsprachigen Plattformen aufgelistet und vorgestellt. Die Liste auf crowdfunding.de enthält auch regionale Plattformen, eine interessante Alternative für Projekte, die nur in einem regionalen Umfeld umgesetzt werden sollen und deshalb häufig auch nur für regionale UnterstützerInnen interessant sind. Auf Ikosom ist eine Liste zu finden, in der die europäischen Plattformen gesammelt wurden beziehungsweise werden, denn es handelt sich hier um eine gecrowdsourcte Liste. Hier lohnt es sich, einen Blick in den Kommentarbereich zu werfen, in dem viele Ergänzungen zu finden sind.

Aber natürlich gibt es auch außerhalb Europas unzählige Plattformen. Die größte von ihnen ist Kickstarter, eine Plattform, auf der im letzten Jahr  3 Mio. Menschen rund 480 Mio. USD in Projekte steckten, von denen knapp 20.000 erfolgreich finanziert werden konnten (siehe hier die Zusammenstellung für das Jahr 2013).

Plattformen setzen nicht nur auf das regionale Umfeld, sondern spezialisieren sich auch auf bestimmte Inhalte. SellaBand etwa hat sich auf die Musikbranche konzentriert, KraftCrowd versteht sich als Plattform für die Region Murtal in der Steiermark. Vor Ihrer Entscheidung müssen Sie immer abwägen, ob die Plattformen Ihren Ansprüchen und Erwartungen entsprechen. Plattformen, die sich auf eine Region konzentrieren oder einen Bereich spezialisieren, verfügen vermutlich über die entsprechenden Zielgruppen. Wer sich nicht für Filmprojekte interessiert, wird kaum auf einer Plattform zu finden sein, auf der Filmprojekte finanzielle Unterstützung suchen. Große Plattformen  verfügen natürlich über wesentlich mehr BesucherInnen, aber vielleicht interessieren die sich alle nicht für Ihr Vorhaben? Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Projekte auf den verschiedenen Plattformen erfolgreich sind und welche nicht. Auf diese Weise bekommen Sie hoffentlich ein Gefühl dafür, welche Plattform die richtige für Sie ist.

Unter Umständen haben Sie ein Produkt, das Sie international verkaufen wollen oder ein Projekt, das sich an eine internationale Zielgruppe richtet. In diesem Fall kommen natürlich auch Plattformen im Ausland für Sie in Frage. Allerdings sollten Sie in dem jeweiligen Land oder den Ländern auch über ein entsprechendes Netzwerk verfügen, ansonsten nimmt man Sie und Ihr Projekt dort einfach nicht wahr. Hilfreich sind außerdem Kontakte, die über andere Kanäle auf Ihr Vorhaben aufmerksam machen, zum Beispiel eine Fachzeitschrift. Wenn Sie auf Kickstarter etwa eine Kampagne laufen haben und am Ende konnten Sie nur UnterstützerInnen aus dem deutschsprachigen Raum gewinnen, dann ist da was falsch gelaufen.

Einige Punkte, auf die Sie bei der Auswahl der Plattform achten sollten:

  • Laufen auf der Plattform aktuell Kampagnen oder ist dort schon seit Wochen oder Monaten nichts mehr los?
  • Welche Bereiche werden auf der Plattform abgedeckt, passt Ihr Vorhaben zu der Plattform?
  • Welche Kosten/Gebühren verlangen die BetreiberInnen für die Nutzung ihrer Plattform (Vergessen Sie nicht, diese Kosten in Ihr Budget hineinzunehmen!)?
  • Welche Bezahlmethoden werden angeboten? Entsprechen die Ihrer Zielgruppe? Fallen dabei zusätzliche Gebühren an, z.B. wenn PayPal verwendet wird?
  • Müssen sich Ihre UnterstützerInnen auf der Plattform registrieren und wenn ja, wie?
  • Welche Unterstützungsleistungen bieten die PlattformbetreiberInnen an? Ist der Support (Email- oder telefonische Beratung, Workshop) kostenlos oder kostenpflichtig? Welche Kosten können entstehen (auch diese dann bitte ins Budget reinnehmen)?
  • Welche Kontaktmöglichkeiten bietet die Plattform, gibt es einen persönlichen Ansprechpartner?
  • Welche Möglichkeiten werden Ihnen geboten, Ihr Vorhaben auf der Plattform zu präsentieren? Welche Sharing-Funktionen existieren?
  • Können Sie mit Ihren UnterstützerInnen kommunizieren und wenn ja, über welche Kanäle (Blog, Newsletter, Email)?

Das sind in meinen Augen die wichtigsten Fragen, die man sich vor Beginn der Kampagne stellen sollte. Unter Umständen sind auch die Zugriffszahlen oder die Erfolgsquote für Sie von Interesse, in dem Fall versuchen Sie auch das herauszufinden oder zu erfragen.

Sie sehen, es gibt einige Punkte zu beachten, so einfach ist es also gar nicht, die für Sie passende Plattform zu finden. Eventuell wollen Sie Ihre Kampagne gar nicht auf einer Plattform ablaufen lassen, sondern spielen mit dem Gedanken, die eigene Website dafür zu verwenden. Grundsätzlich ist das kein Problem, es gibt mittlerweile eigene Plugins, mit deren Hilfe sich die eigene Website entsprechen „aufrüsten“ lässt. Vor allem bei WordPress ist die Auswahl gar nicht so klein.

Die Frage ist eher, ob es sinnvoll ist. Im Vordergrund steht meiner Ansicht nach die Frage, wer die größere Reputation hat, Sie oder die Plattform? Kennt Sie kein Mensch, würde ich eine Plattform bevorzugen, sind Sie ein Star, ziehen Sie die Kampagne auf Ihrer Seite durch. Es geht um die Frage, wie Sie das Vertrauen Ihrer potenziellen UnterstützerInnen gewinnen können? Haben Sie eine große Community, mit der Sie engem Kontakt stehen, haben Sie deren Vertrauen bereits gewonnen. Ist das Vertrauen noch nicht vorhanden, lassen Sie sich von der Plattform „helfen“.

Auch nicht ganz unwichtig ist die Frage von Funktionalität und Design. Die Plattformen haben ihre Abläufe und wissen, dass sie funktionieren. Natürlich können Sie sich mit den gängigen Bezahlmethoden vertraut machen, ein eigenes Treuhandkonto eröffnen und sich eigene AGBs für die Kampagne zulegen (meist gibt es die schon), aber das kostet Zeit, Zeit, die Sie vielleicht lieber für Ihre Kampagne beziehungsweise für das Projekt verwenden möchten.

Die richtige Entscheidung, ob Sie eine Plattform nutzen und wenn ja, welche, erleichtert Ihnen Ihre Arbeit und erhöht, so denke ich, auch die Erfolgschancen. Haben Sie eine Entscheidung getroffen, fehlen gar nicht mehr so viele Dinge, um so richtig loszulegen. Im nächsten Teil der Serie geht es um die Frage, wie lange die Kampagne laufen soll und was es mit den Gegenleistungen auf sich hat.

Gibt es Ihrer Meinung nach noch Punkte, die bei der Auswahl der Plattform wichtig sind, lassen Sie es uns doch bitte wissen. Am einfachsten geht das per Kommentar.

Bild von Tumisu auf Pixabay

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„Creative Europe“: Der Künstler als Entrepreneur

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Bild: Money…What Money„; von stuartpilbrow (CC BY-SA 2.0) auf Flickr Wenn in der Vergangenheit ein neues EU-Kulturförderprogramm auf den Weg gebracht wurde, änderte sich meist nur der Name. Mit dem neuen Programm „Creative Europe“ ist das anders. Ich denke, wir können durchaus von einem Paradigmenwechsel sprechen, die leeren Taschen werden unter ganz anderen Voraussetzungen gefüllt als früher. Überraschend kommt die kommerzielle Ausrichtung der Kulturförderung allerdings nicht, Jeremy Rifkin hat diese Entwicklung in seinem Buch „Access“ bereits vorweggenommen, in dem er von einer „neuen Ära des kulturellen Kapitalismus“ spricht, in der wir kulturelle Ressourcen in „Erlebnisse und Vergnügungen (verwandeln), die käuflich zu erwerben sind“.
„Stand die Kultur unserer bisherigen Erfahrung nach ‚über‘ dem Markt, (…) wird sie nun auch in die Sphäre der Ökonomie gezogen.“ (Jeremy Rifkin: Access, S.184)
In eine ähnliche Richtung geht Gernot Wolfram, der gemeinsam mit Raphaela Henze das Buch „Exporting Culture“ herausgegeben hat und in seinem darin enthaltenen Beitrag „The Weak and the Strong Term „European Arts Project‘ – Potential and Lack of Self Consciousness within Cultural Structures on the Continent“ erklärt, warum die Europäische Union nun nicht mehr nur Kunst und Kultur fördert, sondern auf die Kreativwirtschaft setzt. Kreativität ist zum Bindeglied zwischen zwei Bereichen geworden, Wirtschaft und Kultur. Dahinter steckt der Wunsch, die Kreativität der wirtschaftlich agierenden Unternehmen auf die Kunst zu übertragen und die Künstler dazu zu bringen, sich mit dem wirtschaftlichen Potenzial ihrer künstlerischen Ideen zu beschäftigen. Am Ende fließen die dann in wirtschaftliche ausgerichtete Produktionen, von den dabei entstehenden Innovationen profitiert dann wiederum die Wirtschaft. Für Wolfram, der Professor für Kultur- und Eventmanagement in Berlin ist, eine paradoxe Situation, denn auf der einen Seite nutzen Wirtschaft und Politik das Vokabular aus dem Kunst- und Kulturbereich, um neue produktive und effiziente Ansätze zu entwickeln und so die Wirtschaft anzukurbeln. Auf der anderen Seite verliert die künstlerische Tätigkeit an Relevanz, der Künstler wird zum Unternehmer. Es erscheint nachvollziehbar, dass in der Logik von „Creative Europe“ der wirtschaftliche Erfolg höher bewertet wird als künstlerische und ästhetische Aspekte. Der Begriff der Kreativität bekommt eine ganz andere, im Rahmen des Förderprogramms politische Bedeutung, dient er doch nun dazu, zwischen wirtschaftlich erfolgreichen und erfolglosen Vorhaben zu unterscheiden. Damit einher geht die von Rifkin schon angekündigte Kommerzialisierung  kultureller Bereiche, in dem nicht die klassischen Stätten der Hochkultur, sondern die Unternehmen der Kreativwirtschaft an Bedeutung gewinnen, weil sie die Events und emotionalen Erlebnisse anbieten, für die wir uns als Konsumenten mehr interessieren als für die „anstrengende“ Kunst. Die Frage ist, wie wir als Gesellschaft auf diese Entwicklung reagieren? Vertrauen wir den Kräften des Marktes und den Wünschen der Kunden, wie es in den USA Praxis ist oder soll die Kulturpolitik die „anstrengende“ Kunst unterstützen, weil wir der Überzeugung sind, dass diese einen Wert für uns hat?  Die vielen Förderprogramme beweisen, dass wir uns bis jetzt eher für die zweite Variante entschieden haben. Stiftungen und Kulturpolitik verstanden sich, so schreibt Wolfram, bis jetzt als Partner der Kunst und nicht als Mittler zwischen Kunden und marktrelevanten Produkten.

Treffpunkt KulturManagement: der Künstler als Entrepreneur

Vermutlich werden wir die Entwicklungen der Vergangenheit nicht rückgängig machen, deshalb geht es für Wolfram nicht um ein entweder oder, sondern um ein sowohl als auch. Seiner Meinung nach müssen wir vor allem zwischen der kommerziellen und der nicht-kommerziellen Kunst unterscheiden. War es bis jetzt die Kulturpolitik, die für letzteren Bereich für entsprechende Freiräume gesorgt hat, sieht Wolfram die Künstler nun selbst in der Pflicht, das neue Förderprogramm kann sie dabei unterstützen. Welche Wege Künstler dabei gehen müssen und wie ihnen „Creative Europe“ dabei hilft, das erklärt Wolfram im nächsten Treffpunkt KulturManagement, der unter der Überschrift „Der Künstler als Entrepreneur“ am 5. Februar von 9 bis 10 Uhr stattfindet. Sie sind wie immer herzlich eingeladen, die Teilnahme daran ist kostenlos. Für den Treffpunkt KulturManagement, das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference, benötigen Sie keine Software. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 5. Februar, um 9 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Hier noch einmal die wichtigsten Infos: Treffpunkt KulturManagement Termin: 05.02.2014 von 09:00 bis 10:00 Thema: Der Künstler als Entrepreneur Impulsgeber: Gernot Wolfram Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement
Europäische Union; Europa
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60 Minuten über das neue EU-Förderprogramm „Creative Europe“ [Video]

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Sylvia Amann, die mit ihrem Unternehmen inforelais unter anderem Unterstützung beim Thema EU-Förderungen anbietet, hat vor wenigen Tagen in einem Webinar das neue EU-Förderprogramm „Creative Europe“ vorgestellt und die zahlreichen Fragen der TeilnehmerInnen beantwortet. Wenn Sie fix vorhaben, einen Antrag nach Brüssel zu schicken oder mit dem Gedanken spielen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen, kann ich Ihnen diese 60 Minuten wärmstens empfehlen. Hier ist die Aufzeichnung:
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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil I)

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Für Crowdfunding interessieren sich derzeit viele, nicht nur im Kunst- und Kulturbereich. Ob Startup oder NGO, ob Produktentwicklung oder Theaterfestival, die Bandbreite der Vorhaben, die mit Hilfe der Crowd finanziert werden sollen, ist gewaltig. Kulturbetriebe und KünstlerInnen beschäftigen sich aus verständlichen Gründen mit dieser neuen Finanzierungsform, sind doch die Kassen der öffentlichen Hand leer und spendable Unternehmen rar.

Was liegt da näher als sein Glück auf einer der Plattformen zu suchen, die in den letzten Jahren online gegangen sind? Crowdfunding, das klingt so einfach. Aber wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, merkt man recht schnell, dass es gar nicht so einfach ist, an das Geld der Crowd heranzukommen. Anlässlich eines Workshops im letzten Jahr habe ich versucht, den Weg einer Crowdfundingkampagne zu skizzieren und die wichtigsten Schritte herauszuarbeiten. Elf sind es insgesamt geworden (hier die Folien der damaligen Veranstaltung), die Ihnen bei Ihrem Vorhaben helfen sollen.

Schritt 1: Bauen Sie sich ein möglichst großes Netzwerk auf

Es mag etwas merkwürdig für den ersten Schritt klingen, aber wer eine Crowdfundingkampagne plant, sollte bereits auf verschiedenen Plattformen und Kanälen vertreten sein. Je größer das Netzwerk, desto besser. Aber: Die Größe alleine ist nicht ausschlaggebend, entscheidend ist das Engagement derer, mit denen Sie verbunden sind. 5.000 Fans auf Facebook sind zwar eine tolle Sache, aber sind Sie sich sicher, dass von dieser stattlichen Zahl auch einige den Weg zur Crowdfundingplattform schaffen und Sie dort unterstützen?

Unter Umständen ist es gar nicht ungeschickt, klein anzufangen und sich auf die zu verlassen, deren Engagement man – hoffentlich – einschätzen kann. Ein schönes Beispiel ist das Team des Theater Sommers Klagenfurt, das für seine im letzten Jahr gespielte Komödie „Kannibale & Diebe“ die Kostüme mit Hilfe von Crowdfunding finanzieren wollte. Um es vorweg zu nehmen: Die Kampagne war erfolgreich. Interessant ist aber die Analyse dieser Kampagne, nachzulesen im Blogbeitrag „Crowdfunding – Kennzahlen einer erfolgreichen Finanzierung„. Schaut man sich an, wer das Projekt unterstützt hat, sieht man, es war nicht die große und unbekannte Crowd, sondern eher das nähere Umfeld. StammbesucherInnen, das Team selbst, aber vor allem Bekannte und Verwandte machten mehr als 80 Prozent der UnterstützerInnen aus. Ähnlich sieht es beim Geld aus: Knapp 70 Prozent der gesamten Summe kamen von Bekannten und Verwandten.

Macht es also überhaupt Sinn, auf einer Plattform eine Kampagne zu starten, wenn man ja eh alle persönlich kennt? Vor allem langfristig gesehen durchaus, denn das Produktionsteam hat es geschafft, das nähere Umfeld zu mobilisieren. Bei den nächsten Kampagnen werden Bekannte und Verwandte im Idealfall als MultiplikatorInnen wirken – schließlich können sie auf eine erfolgreiche Kampagne verweisen – und dazu beitragen, dass sich ihr prozentualer Anteil nach und nach reduziert und sich die (unbekannte) Crowd stärker engagiert. Im Laufe der Zeit wird es Ihnen gelingen, ein stabiles Netzwerk zu schaffen, auf das Sie in weiterer Folge setzen können. Die Herausforderung besteht darin, die Größe des Netzwerks richtig einzuschätzen und das erste Projekt nicht zu groß anzulegen. Scheitert es, ist der Frust groß und das Vertrauen verspielt.

Je weiter Sie auf diesem Weg bereits sind, desto höher können Sie einsteigen. Klar ist: Fangen Sie erst mit dem Beginn der Kampagen an zu mobilisieren oder wagen Sie sich erst dann ins Social Web, ist die Gefahr des Scheiterns groß. So gesehen beginnt Crowfunding schon lange vor dem Start der Kampagne.

Schritt 2: Finden Sie heraus, ob Ihr Projekt für Crowdfunding geeignet ist

Fast jedes Projekt, könnte ich hierauf antworten und den Punkt damit abhaken. Aber schauen wir uns die Sache mal etwas genauer an. Mit Hilfe von Crowdfunding lassen sich ganz verschiedene Vorhaben finanzieren. Da sind einerseits die Kampagnen, mit deren Hilfe das Geld für eine Veranstaltung zusammen kommen soll. Man sollte zwar darauf achten, wie groß der Einzugsbereich dieser Veranstaltung ist, aber der Theater Sommer Klagenfurt hat gezeigt, dass auch regionale Veranstaltungen auf Interesse stoßen. Unterscheiden sollte man, ob es sich um eine B2C- oder eine B2B-Veranstaltung handelt. Während es bei B2C-Veranstaltungen wohl kaum Probleme geben dürfte, ist die Sache im B2B-Bereich etwas komplizierter. Die misslungene Kampagne für die stARTconference hat gezeigt, dass der Rechnungslegungsprozess unter Umständen mit den Abläufen einer Crowdfundingkampagne nicht kompatibel ist. Ich möchte nicht behaupten, dass ein solches Vorhaben für eine Crowdfundingkampagne nicht geeignet ist, aber man sollte sich diesen Punkt genau ansehen.

Neben Veranstaltungen werden oft auch Produkte mit Hilfe von Crowdfundingkampagnen finanziert. So hat zum Beispiel das Podium Festival in Esslingen mit einer Kampagne die DVD für das Projekt „Strawinsky:animated“ finanziert. Natürlich lassen sich auf diese Weise auch andere künstlerische Produkte finanzieren, Filme, Bücher, Comics, ich denke, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Drittens können Kulturbetriebe aber natürlich auch eine Crowdfundingkampagne dazu nutzen, um Kapital für das Unternehmen selbst einzusammeln. Das Bewertungsportal livekritik.de hat auf diese Weise mehr als 80.000 Euro erhalten und bot im Gegenzug eine Unternehmensbeteiligung an.

Im Grunde genommen lässt sich also fast jedes Projekt mit Hilfe von Crowdfunding finanzieren, zumindest teilweise. Aber manche Vorhaben werden sich leichter als andere auf diese Weise finanzieren lassen. Ich würde es zwar nicht gänzlich ausschließen, aber ein Vorhaben, bei dem es lediglich um einen Kompositionsauftrag geht, hat es vermutlich schwerer als die Finanzierung der Konzerttournee einer bekannten Band. Sie sehen, Crowdfunding eignet sich für sehr viele Projekte, es macht aber Sinn, sich das eigene Vorhaben genau anzuschauen und sorgfältig zu planen. Darum geht es dann im nächsten Teil dieser kleinen Serie.

Bild von Tumisu auf Pixabay

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42. Treffpunkt KulturManagement: das neue EU-Kulturförderprogramm „Creative Europe“

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In der vergangenen Woche wurde der mit Spannung erwartete erste Call im Rahmen des neuen EU-Förderprogramms „Creative Europe“ veröffentlicht. Wer sich an dieser Ausschreibung beteiligen möchte, für den läuft jetzt die Zeit. Je nach Aktionsbereich endet die Einreichfrist zwischen dem 5. und 19. März 2014. Wenn Sie meinen letzten Beitrag über den aktuellen Call gelesen haben (EU-Förderungen: Der erste Call for Proposals im Rahmen des Programms “Kreatives Europa”), dann wissen Sie ja bereits, dass sich einiges geändert hat und sich die inhaltlichen Schwerpunkte ziemlich verschoben haben. Rein künstlerische Projekte haben es viel schwerer, im Vordergrund stehen Vorhaben, bei denen es darum geht, Know-How in den Bereichen Management und Marketing aufzubauen. Wer darauf gehofft hat, mit Hilfe von Geld aus Brüssel seine künstlerischen Aktivitäten gefördert zu bekommen, der wird mit dieser Entwicklung vermutlich nicht sehr zufrieden sein. Im Vorteil sind die, die sich zum Beispiel mit Audience Development beschäftigen und nun die Chance haben, dieses Thema gemeinsam mit europäischen Partnern weiter zu entwickeln. Aber ist es wirklich eine Chance und was wird jetzt eigentlich wirklich gefördert? Nach welchen Kriterien werden die Projekte bewertet und wie sieht das Antragsformular aus? Auf diese Fragen versucht der 42. Treffpunkt KulturManagement Antworten zu geben. Da sich David Röthler und ich ganz gut in der Materie auskennen, werden die Inputs von uns selbst kommen. Un wir werden natürlich versuchen, Ihre konkreten Fragen zu beantworten. So wir das können. Wenn Sie sich für das aktuelle Förderprogramm „Kreatives Europa“ interessieren, dann laden wir Sie ganz herzlich zum Treffpunkt KulturManagement am Mittwoch, den 18. Dezember ein. Los geht es dieses Mal eine Stunde später als sonst, nämlich um 10 Uhr. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos, eine Software muss nicht installiert werden.

Über den Treffpunkt Kulturmanagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 18. Dezember, um 10 Uhr (!!!) einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 18. Dezember dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden. Hier noch einmal die wichtigsten Infos: Treffpunkt KulturManagement Termin: 18.12.2013 von 10:00 bis 11:00 Thema: Das neue EU-Kulturförderprogramm „Kreatives Europa“ Impulsgeber: David Röthler & Christian Henner-Fehr Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement