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EU-Förderungen: Der erste Call for Proposals im Rahmen des Programms „Creative Europe“

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Kreatives Europa Gestern hat die Europäische Kommission den ersten Call im Rahmen des neuen Förderprogramms „Kreatives Europa“ veröffentlicht, dessen Grundstruktur ich bereits in meinem Blogbeitrag „Das neue EU-Kulturförderprogramm ‚Kreatives Europa‘ verspricht mehr Geld für Kunst und Kultur“ vorgestellt habe. In diesem Blogbeitrag möchte ich kurz die wichtigsten Informationen für die zusammenfassen, die sich an dieser Ausschreibung zu beteiligen beabsichtigen. Gut geeignet als Ausgangspunkt ist diese Seite, denn hier können Sie gut erkennen, wie das neue Programm „Kreatives Europa“ strukturiert ist. Wer sich die Einleitung zum Unterprogramm Kultur durchliest, erkennt recht schnell, dass sich nicht all zu viel bei den übergeordneten Zielen verändert hat. Nach wie vor geht es um Mobilität und transnationalen Austausch, neu hinzugekommen ist der Bereich Audience Development. Das Unterprogramm Kultur ist eingeteilt in vier Aktionsbereiche, nämlich
  • European cooperation projects
  • European Platforms
  • European Networks
  • Literary translation projects
Wer auf den Link „European cooperation projects“ klickt, findet auf der sich dahinter verbergenden Seite alle Dokumente, die für die erste Ausschreibungsrunde benötigt werden, inklusive der Formulare. Wenn Sie sich in der Vergangenheit schon mal mit EU-Förderungen beschäftigt haben, werden Ihnen einige Punkte vertraut vorkommen, es hat sich aber vieles geändert. Die wichtigsten Informationen zu den ersten Calls in allen vier Aktionsbereichen finden Sie im Dokument „Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen„. Ergänzt wird es durch den Leitfaden, der bis jetzt nur in englischer Sprache zur Verfügung steht. Da der Bereich der Kooperationsprojekte vermutlich am interessantesten ist, lasse ich die anderen Bereiche in diesem Beitrag unberücksichtigt und auch auf den Leitfaden werde ich erst später eingehen, in der Hoffnung, dass die deutschsprachige Version möglichst bald zur Verfügung steht.

Wer kann am Förderprogramm „Kreatives Europa“ teilnehmen?

Die Länder, die am Förderprogramm teilnehmen dürfen, lassen sich in vier Gruppen einteilen:
  • EU-Mitgliedstaaten
  • Beitrittsländer, Kandidatenländer und potenzielle Kandidatenländer
  • EFTA-Staaten
  • Länder, die über die Europäische Nachbarschaftspolitik mit der EU verbunden sind
Welche Länder dann wirklich dabei sind, hängt von verschiedenen vertraglichen Abmachungen ab, deshalb lohnt es sich, sowohl einen Blick auf diese Liste zu werfen als auch bei den Cultural Contacts Points in Deutschland oder Österreich nachzufragen. Außerdem ist die Schweiz vorbehaltlich eines noch abzuschließenden bilateralen Abkommens dabei. An dem Programm beteiligen können sich generell Akteure aus dem Kultur- und Kreativsektor, die ihren Sitz in den oben angeführten Ländern haben. Der Begriff „Akteur“ umfasst laut §2 der „Verordnung zur Einrichtung des Programm Kreatives Europa“ „eine Fachkraft, eine Organisation, ein Unternehmen oder eine Einrichtung“, die seit mindestens zwei Jahren eine Rechtspersönlichkeit hat und dies belegen kann. Wichtig ist auch zu wissen, was Brüssel  unter der Kultur- und Kreativbranche versteht. Laut der eben erwähnten Verordnung (ebenfalls §2) sind damit alle Sektoren gemeint, „deren Aktivitäten auf kulturellen Werten und/oder künstlerischen und kreativen Ausdrucksformen beruhen, unabhängig davon, ob diese Aktivitäten marktorientiert sind oder nicht, und unabhängig von der Art der Einrichtung, die sie durchführt. Zu diesen Aktivitäten zählen Entwurf, Produktion, Vertrieb/Verbreitung und Erhaltung von Waren und Dienstleistungen, die für kulturelle, künstlerische oder kreative Ausdrucksformen stehen, sowie damit verbundene Funktionen wie Ausbildung, Management oder Regulierung. Zur Kultur- und Kreativbranche zählen vor allem Architektur, Archive und Bibliotheken, Kunsthandwerk, der AV-Bereich (einschließlich Film, Fernsehen, Videospiele und Multimedia), das Kulturerbe, Design, Festivals, Musik, darstellende Kunst, Verlagswesen, Radio und bildende Kunst;“

Was wird gefördert?

Zwar ist in der Beschreibung der Kultur- und Kreativszene auch von marktorientierten Aktivitäten die Rede, im Call ist aber auch der Passus zu finden, dass im Unterprogramm Kultur „insbesondere gemeinnützige Projekte gefördert“ werden. Ähnlich diffus bleibt der Text bei der Beschreibung der Vorhaben, die im Rahmen der Europäischen Kooperationsprojekte gefördert werden sollen. Einerseits geht es hier um den Aufbau von Kompetenzen, um transnational arbeiten zu können. Dies soll geschehen durch die Unterstützung von:
  • Maßnahmen, die den Akteuren im Kultur- und Kreativbereich Fertigkeiten, Kompetenzen und Know-how vermitteln, um diesen Sektor zu stärken. Besonders gefragt sind hier der Einsatz digitaler Technologien, innovative Ansätze im Bereich Audience Development sowie das Erproben neuer Geschäfts- und Managementmodelle.
  • Maßnahmen, die auf der Basis langfristiger Strategien beruhen und es den Akteuren ermöglichen, international zu kooperieren und zu agieren.
  • Maßnahmen, die dazu  beitragen, den Kultur- und Kreativsektor so zu stärken, dass sich ihm durch internationale Vernetzung neue Märkte eröffnen.
Ich habe hier bewusst darauf verzichtet, einfach aus dem Call zu zitieren, da die Übersetzung relativ ungenau wiedergibt, worum es hier eigentlich geht. Hier geht es nicht darum, Kunst- und Kulturprojekte durchzuführen, sondern um die Verbesserung der Rahmenbedingungen, um – ich sag das jetzt mal so – professioneller und damit internationaler arbeiten zu können. Dabei setzt Brüssel auf digitale Technologien, Audience Development, neue Managementansätze und neue Erlösmodelle. Wenn Sie Ihre Kultureinrichtung in Richtung Social Business entwickeln wollen, dann können Sie das im Rahmen dieses Calls eigentlich machen. Andererseits geht es zweitens um den Austausch, also die Mobilität derer, die im Kulturbereich arbeiten sowie die Verbreitung von Kunst. Konkret:
  • Gefördert werden internationale kulturelle Aktivitäten, zum Beispiel Ausstellungen, Festivals und Projekte, bei denen es zu einem künstlerischen Austausch kommt.
  • Gefördert wird die Verbreitung europäischer Literatur, um eine möglichst große Verfügbarkeit sicherstellen zu können.
  • Gefördert werden Maßnahmen im Bereich Audience Development, um dem Kunst- und Kreativbereich neue Publikumsschichten zu erschließen. Dabei geht es nicht nur darum, die Beziehungen zu seinen Besuchern zu vertiefen, sondern auch die Nichtbesucher zu erreichen.
Die ersten beiden Punkte entsprechen dem, was wir vom alten Kulturförderprogramm kennen. Das Thema Audience Development ist hier neu dazu gekommen und dient  in diesem Fall dazu, konkret Besucherbeziehungen zu vertiefen beziehungsweise neue Besucherschichten zu erreichen. Während es oben eher um die Entwicklung der Modelle geht, muss man hier wohl den Weg von der Theorie in die Praxis beschreiten, um eine Förderung zu erhalten. Fazit: Viele werden von dieser Entwicklung enttäuscht sein, denn das ist nicht mehr das EU-Kulturförderprogramm, welches wir von früher kennen. Welches Projekte in den Bereichen Theater, bildende Kunst Literatur oder Musik fördert. Natürlich ist das noch immer möglich, aber dabei handelt es sich um einen eher kleinen Teilbereich. Aber das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, denn bis jetzt habe ich zwar auf nationaler Ebene meine Operninszenierung oder meine Ausstellung gefördert bekommen. Aber für die Entwicklung einer zeitgemäßen Infrastruktur war bis jetzt kein Geld da. Nun gibt es Geld für Vorhaben in Bereichen wie Social Media, Marketing, Personalentwicklung oder Management. Problematisch wird nur sein, woher die Mittel für die Kofinanzierung kommen, denn entsprechende Förderprogramme fehlen in den Ländern.

Zum Thema Geld

Unterschieden wird wie auch bei den Vorgängerprogrammen zwischen kleinen und großen Kooperationsprojekten. Während man bei den kleinen Kooperationsprojekten mindestens zu dritt sein muss, wobei die Partner alle aus verschiedenen Ländern kommen müssen, ist die Hürde bei den großen Kooperationsprojekten doppelt so hoch: Verlangt werden mindestens sechs Partner aus unterschiedlichen Ländern. Finanziell sind die Unterschiede noch größer: Während die kleinen Projekte maximal 60% des Budgets, jedoch maximal 200.000 Euro aus Brüssel erhalten, sind es bei den großen Projekten nur 50%, aber dafür bis zu 2 Mio. Euro. Gleich ist nur die maximale Projektdauer, die nicht mehr als 48 Monate, das sind vier Jahre, betragen darf. Mehr möchte ich Ihnen in diesem Blogpost gar nicht zumuten. So Sie nicht bereits eine konkrete Idee haben, sollten Sie jetzt auf der Grundlage der Maßnahmen, die im Rahmen von „Kreatives Europa“ gefördert werden, erst einmal die passende Idee finden und sich Gedanken darüber machen, wie Ihr Projekt aussehen könnte und welches vor allem Ihre Partner sein werden. An Konzepten und Budgets können Sie in der Ferienzeit arbeiten, die Partnersuche ist in dieser Zeit praktisch unmöglich. Deshalb ist es sicher klug, sich schon jetzt um passende Partner zu kümmern.
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EU-Kulturförderprogramm „Creative Europe“ steht in den Startlöchern

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Creative Europa Vor wenigen Tagen hat das europäische Parlament dem neuen EU-Kulturförderprogramm „Creative Europe“ zugestimmt, über das in den nächsten sieben Jahren knapp 1,5 Mia. Euro in den Kunst- und Kreativbereich fließen werden. Segnet auch der Rat der Europäischen Union das Programm in den nächsten Wochen ab, kann es mit dem Jahreswechsel in Kraft treten. Bis Mitte Dezember wird es aber bereits den Leitfaden und die Formulare für die erste Antragsrunde geben, die vermutlich Anfang März 2014 enden wird. Das heißt, Sie haben knapp drei Monate Zeit, um sich mit dem neuen Programm vertraut zu machen, Ihre Projektidee zu entwickeln und Partner zu finden. Der Leitfaden wird die so wichtigen Detailinformationen enthalten und damit den Rahmen abstecken für diese erste Ausschreibungsrunde. Im Falle einer Förderzusage werden Sie mit der Umsetzung Ihres Vorhabens im Herbst, also September oder Oktober beginnen können, so der Zeitplan. Ich werde mir den Leitfaden und die Antragsformulare sehr genau anschauen und Sie in den nächsten Wochen ausführlich über die Rahmenbedingungen dieses Programms informieren. Wenn Sie sich vorab schon einen groben Überblick verschaffen möchten, können Sie die wichtigsten Informationen in meinem Blogpost „Das neue EU-Kulturförderprogramm ‚Kreatives Europa‘ verspricht mehr Geld für Kunst und Kultur“ nachlesen. Ausführliche Informationen finden Sie aber in den nächsten Wochen nicht nur bei mir, sondern auch auf den Webseiten der Cultural Contact Points (Deutschland, Österreich), die darüber hinaus auch Seminare und Workshops anbieten werden. Auf alle Fälle sollten Sie sich bereits jetzt Gedanken über Ihre Inhalte machen und außerdem mit der Partnersuche beginnen. Viele Vorhaben scheitern daran, dass man dann am Ende doch keinen passenden Partner gefunden hat. Ein in meinen Augen vermeidbarer Grund.
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Internationales Projektmanagement: Das kostenlose Handbuch des CCP Austria erscheint in der zweiten Auflage

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"“Navigating through Chaos”" (Cover)

Vor einem knappen Jahr habe ich über das Handbuch „Navigating through Chaos“ berichtet, das vom Cultural Contact Point Austria zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt wird und bei der Konzeption und Planung eines EU-geförderten Projektes helfen soll.

Wenn Sie wissen wollen, was ein EU-Projekt auszeichnet und wie es geplant wird, wie das Controlling aussehen sollte und wie Sie mit europäischen Partnern zusammenarbeiten, dann sollten Sie sich das Handbuch einmal genauer ansehen. Aus den 28 Fragen, die die erste Auflage beantwortet hat, sind in der zweiten Auflage 34 Fragen geworden. Neu hinzugekommen ist das Thema Crowdfunding, zu dem ich die Inhalte beisteuern durfte. Auf folgende Fragen habe ich versucht, Antworten zu finden:

  • Wir möchten unser Projekt mit der Hilfe von Crowdfunding finanzieren. Bei welcher Art von Projekten macht es Sinn, dieses Finanzierungsmodell zu wählen?
  • Welche Crowdfunding-Plattformen stehen in Österreich und international zur Verfügung?
  • Was macht ein erfolgreiches Crowdfunding-Projekt erfolgreich?
  • Welche Chancen bietet Crowdfunding? Worin bestehen die Risiken?

Dieses Handbuch ist aber nicht nur eine Hilfe für den nächsten EU-Förderantrag, sondern darüber hinaus eine wertvolle Hilfe für alle, die ein internationales Projekt planen und realisieren möchten. Es umfasst die folgenden Kapitel:

  • EU-Projekt – was heißt das?
  • Planung und Controlling
  • Sponsoring
  • Crowdfunding
  • Die Zusammenarbeit mit europäischen Partnerorganisationen
  • Optimales Texten
  • Kenne, wen Du erreichen willst
  • Kommunikations- und Verbreitungsstrategien
  • Evaluation
  • Präsentationstechniken
  • Tipps & Tricks

Es lohnt sich also, einen Blick in das Handbuch zu werfen, hier geht es zum kostenlosen Download (PDF).

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Das neue EU-Kulturförderprogramm „Creative Europe“ verspricht mehr Geld für Kunst und Kultur

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609407_original_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de © Gerd Altmann ; Pixelio Noch in diesem ersten Halbjahr und damit unter der irischen Ratspräsidentschaft soll das neue EU-Förderprogramm „Kreatives Europa“ endgültig fixiert werden. Als die Europäische Kommission am 23. November 2011 ihre Pläne präsentierte, war klar, dass sich das neue vom alten Programm erheblich unterscheiden wird. In ihrer Presseaussendung machte die Kommission klar, dass es ihr fortan nicht mehr nur um Kunst und Kultur, sondern um den gesamten Kreativbereich gehen wird (siehe dazu auch mein Blogpost „EU: das neue Förderprogramm ‚Kreatives Europa‘„). Zwar wird das Programm weiterhin die kulturelle und sprachliche Vielfalt bewahren und fördern, wie es darin heißt. Zugleich stellt die Kultur- und Kreativbranche aber auch einen wichtiger Treiber für Wachstum und Beschäftigung dar, ökonomische Aspekte spielen also eine gewichtige Rolle und vermutlich sind sie es, die dazu geführt haben, dass das neue Rahmenprogramm für den Kultur- und Kreativsektor für die Jahre 2014 bis 2020 mit insgesamt 1,8 Mrd. Euro wesentlich üppiger dotiert ist als seine Vorgängerprogramme. Es wird dabei nicht nur die Förderprogramme Kultur, Media und Media Mundus zusammenführen, sondern darüber hinaus einen eigenen Garantiefonds auflegen, über den kleine und mittlere Unternehmen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft an rückzahlbare Darlehen kommen können. Das klingt beim ersten Hinhören so gar nicht nach einem Förderinstrument für kleine Theater oder Kammerorchester, aber wenn dadurch Zwischenfinanzierungen ermöglicht werden, wäre das schon mal recht hilfreich, schließlich stehen nicht jeder Kultureinrichtung fünf- oder sechsstellige Beträge aus dem Cash-Flow zur Verfügung. Um die beiden Ziele „Förderung der kulturellen Vielfalt“ und „Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Kreativsektors“ erreichen zu können, setzt die Kommission verschiedene Prioritäten. Im Rahmen von kreatives Europa geht es ihr um:
  • die Föderung der transnationalen Mobilität von AkteurInnen und Werken,
  • die Entwicklung von Kompetenzen für transnationale Zusammenarbeit,
  • die Erschließung neuer Publikumsschichten,
  • die Stärkung der Finanzkraft des Kultur- und Kreativsektors sowie
  • die Entwicklung einer transnationalen politischen Zusammenarbeit in diesen Bereichen.

Das Programm „Kreatives Europa“ gliedert sich in drei Aktionsbereiche

Aber schauen wir uns das Programm mal etwas genauer an. 30 Prozent des Gesamtbudgets sind für den Aktionsbereich Kultur bestimmt, das sind knapp 500 Mio. Euro, immerhin eine Steigerung gegenüber dem jetzt laufenden Kulturförderprogramm von gut 20 Prozent. Investiert wird diese Summe in grenzüberschreitende Kooperationen, den Aufbau europäischer Netzwerke, literarische Übersetzungsprojekte, den Aufbau einer Plattform, die die Mobilität von KünstlerInnen und Werken fördern soll sowie in Großprojekte wie die Kulturhauptstadt und – neu – ein Kulturerbe-Siegel. Wer sich ein klein wenig mit der Materie auskennt, stellt fest, dass sich in diesem Bereich wohl nicht sehr viel ändern wird. Die Frage ist, ob hier irgendwelche Grenzen zur Kreativwirtschaft gezogen werden? Was ist zum Beispiel mit der Architektur, bei der es natürlich Überschneidungen mit dem künstlerischen Bereich gibt. Je offener man sich hier gibt, desto mehr wird die doch immerhin gut zwanzigprozentige Erhöhung des Budgets verwässert. Den Löwenanteil, nämlich 55 Prozent oder 950 Mio. Euro erhält der Aktionsbereich Media. Wie auch schon in der Vergangenheit geht es hier um die Fördermaßnahmen in den Bereichen
  • Training und Vernetzung,
  • europäische Koproduktionen,
  • Internationalisierung,
  • Verleih- und Vertriebsförderung sowie
  • Vermarktung.
Hinzu kommt noch der Wunsch, die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle unterstützen zu wollen. Gerade im Medienbereich passiert da recht viel, denke wir nur an den Hype rund um das Thema Crowdfunding. Bleibt noch der neu geschaffene „sektorenübergreifende“ Bereich, in dem es einerseits um die Einrichtung eines Garantiefonds für KMU geht und andererseits um die transnationale politische Zusammenarbeit. Knapp 300 Mio. Euro oder 15 Prozent des Budgets sind dafür vorgesehen, mit etwas mehr als 200 Mio. Euro wird der Löwenanteil in den Garantiefonds fließen. Abgewickelt wird das Geschäft über die Banken, der European Investment Fund trägt im Falle des Scheiterns 70 Prozent des Risikos, die restlichen 30 Prozent übernehmen die Banken. Im Rahmen der transnationalen Zusammenarbeit werden Austausch und Vernetzung der Kulturakteure inklusive der Politikverantwortlichen angestrebt. Außerdem ist unter anderem die Einrichtung einer Informationsstelle in Straßburg geplant.

Von der Theorie in die Praxis

Zwar gibt es noch keine Unterschriften unter dem neuen Förderprogramm, aber der Rahmen ist abgesteckt. Und da es bereits im Sommer mit großer Wahrscheinlichkeit die nächste Ausschreibung geben wird, macht es Sinn, sich schon jetzt mit dem neuen Programm zu beschäftigen. Der deutsche Cultural Contact Point (CCP) bietet hierzu Ende März mehrere eintägige Seminare in Bonn, Berlin und Filderstadt an, in denen Sie auf die kommenden Ausschreibungen vorbereitet werden. Neben den formalen Kriterien, die es zu beachten gilt, erfahren Sie im Rahmen dieser Veranstaltungen auch, wie Sie an so eine Antragstellung herangehen. Falls Sie Interesse daran haben, hier finden Sie alle Informationen zum Seminarangebot des CCP Germany. In Österreich wird es solche Veranstaltungen vermutlich so wie in den letzten Jahren auch geben. Über die Termine werde ich Sie dann hier informieren.
Geld sammeln mit Hilfe von Crowdfunding
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Crowdfunding: Fragen und Antworten

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Crowdfunding ist derzeit en vogue und so ist es nicht verwunderlich, dass derzeit an den Universitäten unzählige Arbeiten entstehen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Bedauerlich ist, dass es hier keine Möglichkeit der Vernetzung gibt, denn so könnte man auf den Ergebnissen der anderen aufbauen und müsste nicht immer wieder bei Null anfangen. Das würde in diesen Fall auch dem Crowdfunding gut tun, wäre doch die Forschung dazu vermutlich ein ganzes Stück weiter. Ikosom, das Institut für Kommunikation in sozialen Medien, hat zwar mit der Veröffentlichung von Studien zu diesem Thema begonnen, aber das ist angesichts der großen Zahl von Arbeiten, die derzeit zum Thema Crowdfunding entstehen, nur der Tropfen auf den heißen Stein.

Nachdem ich immer wieder von StudentInnen gebeten werde, ihnen ein paar Fragen zu beantworten und diese häufig sehr ähnlich sind (was kein Vorwurf ist, denn man weiß ja nicht voneinander), fasse ich einige in diesem Blogbeitrag zusammen. Meine Antworten beziehen sich dabei auf den Kunst- und Kulturbereich, wobei es sich natürlich um meine persönliche Meinung handelt, die ich hier gerne zur Diskussion stelle. Wer die Inhalte für seine Arbeit nutzen möchte, kann das gerne tun und die passenden Passagen übernehmen. Aber bitte zitieren und nicht einfach abschreiben. ;-)

Frage: wie lässt sich Crowdfunding definieren?

Antwort: Karsten Wenzlaff hat in seinem Blogpost „Definition von Crowdfunding (beta)“ verschiedene Definitionen gesammelt, die zeigen, dass es die eine Definition nicht gibt.

Meine Arbeitsdefinition lautet: „Als Ausprägung des Crowdsourcing verfolgt das Crowdfunding das Ziel, Vorhaben zu finanzieren, bei denen es um die Durchführung von Projekten, die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen, aber auch die Gründung von Unternehmen gehen kann. Die Initiatoren setzen dabei auf das Prinzip „kleine Beträge von vielen Unterstützern“ und bieten dafür entsprechende Gegenleistungen an, die neben aus dem Vorhaben heraus generierten Produkten auch ideeller oder finanzieller Natur sein können. Eine Crowdfunding-Kampagne ist nur dann erfolgreich, wenn sie ihr Finanzierungsziel erreicht (Alles-oder-Nichts-Prinzip) und wird meist auf den im Internet entstandenen Crowdfundingplattformen durchgeführt.“

Frage: Was macht Crowdfunding so besonders im Vergleich zu anderen Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten?

Antwort: So ganz neu ist Crowdfunding eigentlich nicht, denn es enthält Elemente, die es schon länger gibt. Kleine Spenden waren schon immer möglich. Das Prinzip der Gegenleistung kennen wir vom Sponsoring und schon Mitte der 1990er Jahre haben etwa Musikgruppen wie zum Beispiel die Popband Marillion ihre Fans erfolgreich dazu aufgerufen, sie bei der Finanzierung eines neuen Albums oder einer Konzerttournee zu unterstützen. Auch die Freiheitsstatue oder der Eiffelturm konnten nur dank der finanziellen Unterstützung einer Vielzahl von Menschen erbaut werden.

Das Besondere am Crowdfunding ist wohl der direkte Kontakt zwischen ProjektinitiatorInnen und den (potenziellen) UnterstützerInnen, der vermutlich auch über die finanzielle Unterstützung hinaus zu einer engeren Bindung führt. Die „Fans“ haben es somit selbst in der Hand, durch in der Regel kleine Geldbeträge über Erfolg oder Misserfolg eines Vorhabens zu entscheiden. Waren es bis jetzt meist öffentliche Förderstellen oder private GeldgeberInnen (z.B. Sponsoren, Mäzene), die das Vorhaben mit meist größeren Beträgen ermöglicht haben, so hat der technologische Fortschritt zu einer Verringerung der Transaktionskosten geführt und erlaubt nun auch die Überweisung kleinerer Summen. Mit dem Aufkommen des Social Web existiert darüber hinaus das entsprechende Umfeld, um die Crowd auch mobilisieren zu können.

Frage: Welche Gründe gibt es für Projektinitiatoren, die Finanzierungsform des Crowdfunding zu wählen?

Antwort: Der häufigste Grund ist wohl das Fehlen finanzieller Mittel, um das eigene Vorhaben realisieren zu können. Wer keine öffentlichen Förderungen erhält oder keine Sponsoren findet, kann unter Umständen auf diese Weise sein Vorhaben ganz oder zumindest teilweise finanzieren.

Interessant ist das Crowdfunding aber auch für die, die ohne Förderungen auskommen müssen und auf den Verkauf ihres Angebots angewiesen sind. Wer ein Produkt entwickelt, zum Beispiel einen Film oder ein Buch, muss die Produktion vorfinanzieren und kann erst durch den anschließenden Verkauf seine Kosten decken beziehungsweise einen Gewinn erzielen. Damit setze ich mich einem (unternehmerischen) Risiko aus, denn ich weiß ja vor Produktionsbeginn noch nicht, ob ich auf genügend Interesse stoße. Mit Crowdfunding lässt sich dieses Risiko ausschalten, denn ich kann mit Hilfe einer Crowdfundingkampagne die Kosten schon vorab abdecken.

Nicht zu unterschätzen in einem solchen Fall ist die Bedeutung der Rückmeldungen, die ich von meinen Fans und UnterstützerInnen erhalte. Das Feedback gibt mir die Möglichkeit, das Produkt noch vor Produktionsbeginn zu verbessern und so die Erfolgsaussichten zu vergrößern.

Crowdfunding kann aber auch als Teil einer Marketingkampagne interessant sein. Unter Umständen bin ich gar nicht unbedingt auf die Einnahmen aus der Kampagne angewiesen, sondern profitiere von der Aufmerksamkeit, die meine Crowdfundingkampagne erzeugt. Das ist vor allem dann ein Thema, wenn man mit seinem Vorhaben eine Vorreiterrolle einnimmt und mit seinem Vorhaben auch in die klassischen Medien gelangt. Statt für die Medienberichterstattung zu bezahlen, erhalte ich dafür im Rahmen meiner Kampagne sogar Geld.

Und noch ein letzter Grund scheint mir wichtig zu sein und sollte nicht unterschätzt werden: der Spaßfaktor.

Frage: Wer verbirgt sich hinter der Crowd und welche Motive gibt es für die UnterstützerInnen?

Antwort: Die Crowd ist so heterogen wie es auch die Vorhaben sind, für die auf den verschiedenen Plattformen um Unterstützung geworben wird. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich ein Technologiestartup unterstütze oder ein Kunstvermittlungsprojekt. Ich denke aber, dass ein Großteil der UnterstützerInnen sehr technikaffin ist, vermutlich überdurchschnittlich viel Geld zur Verfügung hat und keine Scheu vor Kreditkarten oder PayPal kennt. Studien über die Crowd sind mir bis jetzt noch nicht bekannt, wären aber vermutlich sehr hilfreich.

Gründe, ein Vorhaben zu unterstützen, gibt es viele. Da ist zum einen das Gefühl, mit dem eigenen, meist kleinen Geldbetrag zum Gelingen des Projekts beitragen und darüber hinaus über die verschiedenen Kommunikationskanäle sehr nah an den ProjektinitiatorInnen dran sein zu können. Diese Unmittelbarkeit wirkt sich meist auch positiv aus, wenn es darum geht, die unterstützte Veranstaltung zu besuchen oder das Produkt zu erwerben. So man es mit dem Unterstützungsbeitrag nicht bereits erworben hat, denn auch das kann ein wichtiger Grund dafür sein, ein Vorhaben finanziell zu unterstützen.

Im Fall von „Stromberg“ war vermutlich auch die Aussicht auf einen finanziellen Gewinn ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor, um innerhalb einer Woche 1 Mio. Euro zusammen zu bekommen. Aber wahrscheinlich spielt da auch der Spaßfaktor eine große Rolle, denn wer reich werden möchte, wird dafür nicht unbedingt auf Crowdfunding setzen. Und noch ein Grund fällt mir ein: ich kann mich mit meiner Unterstützung als Fan outen und profitiere davon, wenn die ProjektinitiatorInnen über eine hohe Reputation verfügen. Vermutlich gibt es aber noch viele weitere Gründe, um ein Vorhaben zu unterstützen, Forschungsergebnisse gibt es bei uns bis jetzt aber dazu leider noch nicht.

Frage: Ist Crowdfunding eine Alternative zur öffentlichen Kulturförderung?

Antwort: Nein, das glaube ich nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass sich beide Finanzierungsformen ergänzen. Es gibt im Kunst- und Kulturbereich Vorhaben, die eine hohe Relevanz, aber keine große Öffentlichkeitswirksamkeit besitzen. Außerdem gibt es Kunstsparten, die von uns kaum oder nur selten wahrgenommen werden. In so einem Fall auf Crowdfunding zu setzen, macht vermutlich wenig Sinn.

Sehr wohl kann ich mir aber in bestimmten Fällen eine Kombination beider Instrumente vorstellen. Natürlich gibt es bis jetzt noch keine Erfahrungswerte, aber eigentlich müsste die finanzielle Unterstützung durch viele Investoren ein Beleg dafür sein, dass das Vorhaben attraktiv ist. Öffentliche Förderstellen könnten also spezielle Programme auflegen, die nach dem Prinzip der Matching Funds funktionieren, wie man sie etwa in den USA kennt. Auf diese Weise ließe sich mit öffentlichen Fördergeldern eine Hebelwirkung erzielen. Gleichzeitig sehe ich dabei aber auch die Gefahr, dass die öffentliche Hand auf diese Weise elegant das Problem der leeren Kassen löst. Öffentliche Stellen könnten die Fördersumme um die Hälfte reduzieren, der geförderte Bereich hätte dank Crowdfunding aber immer noch die gleiche Summe zur Verfügung.

Aber der Impuls muss nicht unbedingt von den öffentlichen Stellen ausgehen, sondern kann auch von den ProjektinitiatorInnen ausgehen. Bekomme ich von den öffentlichen Stellen nicht den Betrag, den ich für die Realisierung meines Vorhabens benötige, kann ich versuchen, die Finanzierungslücke mit Hilfe einer Crowdfundingkampagne zu schließen. Ein Risiko lässt sich dabei aber nicht verleugnen, denn was passiert, wenn die Kampagne misslingt und ich wegen des Alles-oder-Nichts-Prinzips zwar einen hohen Aufwand habe, aber am Ende kein einziger zusätzlicher Cent in die Kassen kommt?

Auf die Frage, ob Crowdfunding demokratiepolitisch bedenklich ist, bin ich in dem Blogbeitrag „Crowdfunding, ein demokratiepolitisch bedenkliches Finanzierungsinstrument?“ eingegangen.

Frage: Worin unterscheidet sich Crowdfunding vom klassischen Sponsoring?

Antwort: Teilweise gar nicht, denn für beide Finanzierungsinstrumente gilt das Prinzip Leistung – Gegenleistung. Bis vor kurzem waren die Unterschiede noch recht groß, denn die Gegenleistungen im Crowdfunding waren nicht dazu gedacht, den UnterstützerInnen einen Vorteil in geschäftlicher Hinsicht zu verschaffen, sondern zielten überspitzt formuliert nur auf die Privatperson, die Fans ab. Aber das hat sich im Laufe der letzten Monate geändert und wird sich noch weiter verändern, denn mehr und mehr Unternehmen erkennen die Vorzüge des Crowdfunding.

Die bestehen zum Beispiel darin, dass immer mehr Crowdfunder bei ihren Gegenleistungen auch an die Unternehmen denken und hier Werbemöglichkeiten anbieten und das zu einem klar kommunizierten Preis, der vermutlich meist niedriger angesetzt ist als beim klassischen Sponsoring. Hinzu kommt, dass ich es als Unterstützer mit einem Gegenüber zu tun habe, der auf Social Media setzt bzw. setzen muss, um sein finanzielles Ziel der Kampagne erreichen zu können. Die Sichtbarkeit eines solchen Projektes ist so vermutlich wesentlich größer als bei Vorhaben, die nur die klassischen Kanäle nutzen.

Frage: Ist Crowdfunding ein Instrument, das Unternehmen nutzen sollten? Was sind die Vor- und Nachteile gegenüber dem klassischen Sponsoring?

Antwort: Ja, vor allem kleine Unternehmen sollten sich Crowdfunding zumindest anschauen, wenn Sie der Meinung sind, die Unterstützung von Kunst und Kultur hilft ihrem Unternehmen weiter. Ich sehe derzeit drei Vorteile gegenüber dem klassischen Sponsoring. Erstens finden Unternehmen auf den verschiedenen Crowdfundingplattformen eine Vielzahl verschiedenster Projekte und haben so eine große Auswahl. Zweitens sind die Vorhaben ausführlich beschrieben und besonders das Video vermittelt recht gute Eindrücke von Projekt und ProjektinitiatorInnen. Egal, ob ich als Unternehmen genau weiß, welche Art von Projekten ich unterstützen möchte oder ob ich auf diese Weise den Einstieg schaffen möchte, ich kann mich ohne Druck durch die Projektbeschreibungen klicken und finde über die Links zu Facebook, Twitter oder Blogs noch weitere ergänzende Informationen, dank derer ich mir ein sehr genaues Bild machen kann. Drittens sehe ich, welche Akzeptanz ein Projekt hat und wie es bei den Zielgruppen ankommt.

Ob die für eine Crowdfunding-Kampagne wichtigen Social Media Aktivitäten dem Unternehmen auch etwas bringen, hängt vom Know-How beider Seiten ab. Theoretisch ist es aber natürlich hilfreich, wenn ein Projekt im Social Web präsent ist.

Ein Nachteil ist es, dass ich als Unternehmen keinen Anspruch auf Exklusivität habe, weil die Gegenleistungen quasi „von der Stange“ kommen und vermutlich an mehrere Unternehmen verkauft werden sollen. Natürlich gibt es hier Verhandlungsspielraum, was dann aber wieder mit Kosten verbunden sein kann. Insofern ist Crowdfunding in meinen Augen für kleine und mittlere Unternehmen eine durchaus interessante Sache, weil ich mit relativ geringen Mitteln eine durchaus große Wirkung erzielen kann. Größere Unternehmen haben meist eine eigene Sponsoringstrategie und sind auf Crowdfunding nicht angewiesen.

Crowdfunding und Sponsoring werden sich daher nicht gegenseitig weh tun und auch zukünftig nebeneinander existieren.

Frage: Wie hoch ist der momentane Anteil und Bekanntheitsgrad von Crowdfunding im kulturellen Sektor?

Antwort: Auf der Crowdfundingplattform Startnext, die im Herbst 2010 online gegangen ist, wurde im Juni diesen Jahres die 1 Mio. Euro-Grenze überschritten. Das ist zwar keine schlechte Leistung für die knapp zwei Jahre, aber dementgegen stehen für Deutschland rund 8,5 Mia. Euro Förderung pro Jahr durch die öffentliche Hand für Kunst und Kultur. Auch der Vergleich mit den USA ist interessant. Kickstarter, die größte Plattform in den USA, konnte im letzten Jahr knapp 100 Mio. Dollar einsammeln, dieses Jahr peilt man 150 Mio. an. An diesen Zahlen sieht man schon, dass der Anteil von Crowdfunding an der Finanzierung von Kunst und Kultur bei uns noch nicht wirklich groß ist, aber mit Blick auf die USA eine Steigerung wahrscheinlich ist.

Auch der Bekanntheitsgrad hält sich noch in Grenzen. Viele kennen den Begriff Crowdfunding gar nicht und können daher auch nichts mit diesem Ansatz, Kunst und Kultur zu finanzieren, anfangen. Da ich glaube, dass Crowdfunding zwar nicht die öffentlichen Förderungen und auch das Sponsoring ersetzen kann, aber vor allem für Nischen eine interessante Alternative darstellt, ist es in meinen Augen wichtig, möglichst umfassend über das Thema Crowdfunding zu informieren.

Frage: Wie sieht die Zukunft des Crowdfunding aus?

Antwort: Wer die Entwicklung des Crowdfunding beobachtet, wird in den letzten Monaten festgestellt haben, dass die Form des Crowdfunding, bei dem es um Investitionen geht, die finanziellen Gewinn versprechen, einen gewaltigen Aufschwung erlebt hat. Unzählige Plattformen, auf denen Startups sich um Investoren bemühen, sind in der letzten Zeit an den Start gegangen. Außerdem boomen in den USA Kampagnen, bei denen es um die Entwicklung von Produkten geht, für die sich viele interessieren, z.B. Apps. In meinen Augen deutet vieles auf eine Kommerzialisierung des Crowdfunding hin, das heißt, kommerzielle Anliegen werden es wesentlich leichter haben als Projekte mit einem ideellen Hintergrund.

Zu beobachten ist auch, dass bekannte Namen beim Crowdfunding Vorteile haben. Während für die Kleinen die Nischen bleiben, werden die Großen den Mainstream bedienen und damit den Löwenanteil des Geldes einstreichen.

Hinzu kommt gerade für den klassischen Kunst- und Kulturbereich: Die Finanzierung dieses Bereiches sehen wir nach wie vor als Aufgabe des Staates an. Die Bereitschaft, Kunst und Kultur als Privatperson zu unterstützen, hält sich in Grenzen. Vor diesem Hintergrund wird Crowdfunding eine interessante Finanzierungsalternative vor allem für kleinere Vorhaben sein. Auf breiter Basis wird es sich in den nächsten Jahren bei uns aber (noch) nicht durchsetzen können. Aber da dieser Bereich besonders von den Kürzungen der öffentlichen Hand betroffen ist, kann Crowdfunding sich trotzdem zum wichtigen Standbein vor allem für die freie Szene entwickeln.

Bild von Kevin Schneider auf Pixabay

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EU: das neue Förderprogramm „Creative Europe“

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© Stephanie Hofschlaeger ; Pixelio Mit dem Förderprogramm „Creative Europe“ wird die Europäische Union mehr Geld für den Kunst- und Kulturbereich zur Verfügung stellen. Der aktuelle Vorschlag sieht für den Zeitraum 2014 bis 2020 ein Budget von insgesamt 1,8 Mrd. Euro vor. Wenn es in einem Memo heißt,
„das Programm (..) soll den Kino-, Kultur- und Kreativbranchen in Europa helfen, ihren Beitrag zu Beschäftigung und Wachstum zu leisten,“
dann ist aber auch klar, dass hier auch wirtschaftliche Aspekte eine wichtige Rolle spielen werden . Mit dem Programm fasst Brüssel drei Aktionsbereiche zusammen,
  • einen horizontalen Aktionsbereich für die gesamte Kultur- und Kreativbranche;
  • einen Aktionsbereich „Kultur“ für die Kultur- und Kreativbranche und
  • einen Aktionsbereich MEDIA für den AV-Sektor.
Aufgeteilt wird das Geld nach folgendem Schlüssel, 15 % für den horizontalen Aktionsbereich, 30 % für den Aktionsbereich Kultur und 55 % für den Aktionsbereich MEDIA. Ob es wirklich sinnvoll ist, den klassischen Kunst- und Kulturbereich mit der Kreativwirtschaft in einem Programm zusammenzufassen, wird sich zeigen, wenn die genauen Inhalte und Förderkriterien bekannt sind. Unabhängig von dieser Frage wird aber, so die Zahlenangaben bestätigt werden, der Kunst- und Kulturbereich mehr Geld aus Brüssel erwarten können. Außerdem kann die EU mit dem neuen Programm die Kreativwirtschaft wesentlich gezielter fördern als bisher. Vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise ist vermutlich der Aufbau einer neuen „Finanzfazilität“, die den Zugang zu den oft dringend benötigten Geldmitteln erleichtern soll. Dabei setzt Brüssel vor allem auf Garantien und erhofft sich einen ähnlichen Multiplikatoreffekt wie bei den im Rahmen des MEDIA-Programms vergebenen Garantien. Weitere Informationen zum Förderprogramm finden Sie auf dieser Website, außerdem wird es am 30. Januar eine Informationsveranstaltung in Brüssel geben.
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Projekte per Crowdfunding finanzieren: worauf kommt es an?

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Crowdfunding boomt derzeit, nicht nur im Kunst- und Kulturbereich. Fast jede Woche geht eine neue Plattform online und nachdem die Konkurrenz immer größer wird, versuchen deren BetreiberInnen, sich auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren.

Warum dieser Boom? In Projekte zu investieren, als UnterstützerIn etwas zurückzubekommen, das klingt viel besser als Geld zu spenden, obwohl sich rein technisch gesehen für die UnterstützerIn/SpenderIn eigentlich nicht viel geändert hat. Man überweist Geld, was mittlerweile innerhalb kürzester Zeit und dank einiger weniger Mausklicks schnell erledigt ist und bekommt dafür eine Gegenleistung versprochen. Entsteht im Rahmen des Projektes ein digitales Produkt, bekommt man das als Unterstützer meist zur Verfügung gestellt (z.B. Film oder Musik). Gibt es diese digitalen Produkte nicht, sind es eher ideelle Gegenleistungen, die mir in Aussicht gestellt werden.

Mehr als 10.000 erfolgreiche Projekte auf Kickstarter

Crowdfunding ist also sexy. Hinzu kommt, dass über die klassischen Finanzierungswege immer weniger Geld fließt, d.h. Crowdfunding wird immer häufiger als Alternative zum Förderantrag gesehen. Und noch ein Aspekt darf nicht vernachlässigt werden. Die Wahrscheinlichkeit, auf diesem Weg das eigene Projekt finanziert zu bekommen, ist gar nicht so gering. Die amerikanische Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat erst gestern stolz verkündet, dass mittlerweile 10.000 Projekte über die Plattform finanziert werden konnten. Die Erfolgsrate liegt bei 44%, ein Wert, der bei der klassischen Kulturförderung vermutlich nicht erreicht wird. Dementsprechend stark ist das Interesse, was auch dieser Zahlenvergleich deutlich macht: 1.044 schafften es im ersten Jahr von Kickstarter, das benötigte Geld einzusammeln. Mittlerweile reicht ein Monat dafür, um diese Zahl an Projekten zu finanzieren, heißt es im Beitrag auf dem Kickstarterblog.

Ohne ein großer Prophet sein zu wollen: so großartig das derzeit alles aussieht. Irgendwann demnächst wird das Verhältnis von Angebot und Nachfrage etwas ungünstiger ausfallen und so lohnt es sich schon jetzt zu überlegen, was denn die Erfolgsfaktoren für Crowdfunding-Projekte sind?

Crowdfunding: Es kommt auf die Qualität an

Nicht ganz unwichtig ist vermutlich die Qualität des Vorhabens, wobei der Begriff der Qualität hier mit Vorsicht zu genießen ist. Vielleicht sagen wir besser: gut ist, was gefällt, denn das ist, so denke ich, der entscheidende Grund, wenn Sie oder ich unsere Geldbörse zücken und Geld überweisen. Nachdem das Kunstwerk ja erst entstehen soll, müssen wir denen, die sich und ihr Vorhaben auf einer der Crowdfunding-Plattformen vorstellen, auch vertrauen. Große Dinge anzukündigen ist die eine Geschichte, den daraus resultierenden Erwartungen dann auch zu entsprechen, die andere. Ob wir das jemandem zutrauen, hängt von der Reputation ab. Große Namen haben da eindeutig einen Vorteil, Beispiele wie Eminem, Marillion oder auch die Einstürzenden Neubauten haben das gezeigt.

Bekannte Namen haben in der Regel viele Fans, die sie für solche Zwecke auch mobilisieren können. So etwas wie eine Community existiert also in der Regel bereits, während die Newcomer weder über die Reputation noch über große Fanscharen verfügen. Hier kommt dann meist das Thema Social Media ins Spiel, denn dank Facebook & Co haben heute auch unbekanntere KünstlerInnen eine realistische Chance, wahrgenommen zu werden und bei Crowdfunding-Projekten entsprechend mobilisieren zu können.

Das Pitch-Video als Erfolgsfaktor

Wie schaffe ich es, meine Fans bzw. die BesucherInnen der Crowdfunding-Plattform dazu zu bringen, in mich zu investieren? Eine wichtige Rolle spielt dabei die Frage, wie ich mich und mein Projekt auf der Plattform präsentiere? Nicht nur die ExpertInnen empfehlen, auf ein sogenanntes Pitch-Video zu setzen, auch die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Anna Theil verweist in ihrem Beitrag auf dem Startnextblog „Crowdfunding-Projekte mit Pitch-Videos sind deutlich erfolgreicher“ auf Slava Rubin, Mitbegründerin der amerikanischen Crowdfunding-Plattform IndieGoGo, die herausgefunden hat:

„crowdfunding pitches with video content raise 112% more than pitches without videos.“

Ähnlich sieht es auf Startnext aus. Von den bisher 39 erfolgreich finanzierten Projekten hatten 25 ein Video auf ihrer Präsentationsseite. Bleibt die schwierige Frage, wie so ein Video denn aussehen muss? Meist wird ausführlich auf das Projekt eingegangen und erklärt, warum man das Vorhaben realisieren möchte und wie man dabei vorgeht. Aber das ist nur ein Teil des Erfolgsrezeptes. Mindestens ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, ist es, die Leidenschaft, die einen antreibt, rüberzubringen, das „ich will“. Das hat weniger mit der Qualität des Videos als vielmehr mit Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit zu tun. Dementsprechend schwer lässt sich das auch beschreiben. Am besten, Sie schauen sich das folgende Pitch-Video von Klara Harden an (noch so ein Vorteil eines Videos, es lässt sich weiterverbreiten), mit dem sie aktuell ihr Projekt „The Story of a Shipwrecked Rambler“ auf Startnext bewirbt. Mich hat sie damit auf alle Fälle überzeugt:

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EU unterstützt kulturelle Kooperationen zwischen Russland und den EU-Mitgliedstaaten

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Vor wenigen Tagen hat die EU einen Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen veröffentlicht, bei dem es um die Förderung von Initiativen im Kulturbereich geht. Die Einreichfrist endet am 26.3.2007 und zwar um 17:30 Moskauer Zeit (Ich kenne allerdings den Zeitunterschied nicht). Ausführliche Informationen finden Sie hier. Und auf dieser Seite gibt es Richtlinien und Formulare zum Download. Um einen Überblick über diesen Call zu bekommen, sollten Sie auf alle Fälle die Richtlinien lesen. Die Ausschreibung erfolgt im Rahmen des Kooperationsprogramms zwischen der EU und Russland. Ganz allgemein geht es um folgendes Ziel:
„The overall aim of the Programme is the reinforcement/capacity building of civil society organisations. This support is to be realised through organisations working in partnership to develop and implement projects with sustainable outcomes.
The programme will support cooperation at local level through partnerships among a wide range of local authorities, non-governmental organizations and/or cultural institutions from Russia and from the EU Member States with the aim to strengthen the development of the cooperation in the cultural field.“ (Seite 4 der Richtlinien)
Die Ziele dieses Calls werden so beschrieben:
  • „Promoting a structured approach to cultural cooperation between the enlarged EU and Russia, to foster the creativity and mobility of artists, public access to culture, the dissemination of art and culture, intercultural dialogue and knowledge of the history and cultural heritage of the peoples of Europe.
  • Strengthening and enhancing the European identity on the basis of common values, including freedom of expression, democratic functioning of the media, respect of human rights including the rights of persons belonging to minorities and promotion of cultural and linguistic diversity as a basis of vitality of civil society in Europe without dividing lines.
  • Developing cooperation between the cultural industries of the EU and Russia in order to increase both their cultural and economic impact.
  • Providing support and strengthen institutions that are active in the cultural field and improve the management capacity of participating organisations.“ (Seite 5)
Zur Verfügung stehen insgesamt 2 Mio. Euro, die Förderungen betragen mindestens 100.000 und höchstens 300.000 Euro, wobei der Anteil der EU-Förderung zwischen 50 und 80% der Projektkosten liegen muss. An dem Projekt müssen mindestens je ein Partner aus dem EU-Raum und einer aus Russland beteiligt sein. Die Projektlaufzeit darf 8 bis 24 Monate betragen und verschiedene einzelne Aktivitäten umfassen, die in Russland stattfinden müssen. Grundsätzlich kommen Projekte für eine Förderung in Frage, die innovativ sind und eine europäische Dimension aufweisen. Darunter werden im Leitfaden verstanden:
  • „Initiatives that promote networking, exchange and practical cooperation between cultural organizations, museums and artistic universities, both on a local level, linking Russian regions, and on an EU level with European partners (e.g. by linking existing EU-based cultural networks with networks of cultural organizations in Russia).
  • Initiatives that increase mobility and interaction between artists and cultural sector workers in Russia and the European Union; encourage innovative and result-oriented forms of cultural exchange and creativity and promote culture in and from places that are not yet part of the EU-Russia cultural discourse.
  • Initiatives capitalizing on cultural heritage, intellectual capital and culture-related knowledge assets as an innovative way to activate local economic growth and development based on culture (i.e. cultural tourism).
  • Initiatives to improve the attractiveness and public accessibility of Russia’s cultural heritage by means of innovative technologies and new methodological approaches.
  • Initiatives to promote the cultural heritage of minorities, including their contribution to cultural diversity and intercultural dialogue.
  • Initiatives to strengthen the innovation and creative management capacity of cultural organisations and the people working in them – especially in the field of international cultural cooperation with partners in the European Union.“(Seite 10)
Welche Projekte werden gefördert? Im Leitfaden heißt es:
  • „Projects should be focused and contain a mix of activities that together will have a sustainable institutional building effect. Successful projects are the result of careful preparation and sound co-operation between the Applicant and the Partner(s);
  • Projects should include networking components ideally involving all agents of local development: local authorities, civil society organisations, business community, media, etc.;
  • Preference will be given to proposals based on innovative and creative approaches and those that make use of best practices;
  • Projects targeting Russian regions, attracting new audiences to the arts and fostering the creative potential of the local communities are particularly welcomed.“ (Seite 11)
Alle weiteren Informationen, z.B. welche Kosten überhaupt gefördert werden, finden sich in den schon erwähnten Richtlinien. Zu erwähnen ist noch, dass die Verteilung der Förderungen über ein zweistufiges Verfahren erfolgt. Erst nach Überwinden der ersten Hürde geht es also ins Detail.