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Nach dem stARTcamp ist vor dem stARTcamp: In Linz geht es am 7. Mai um Kulturfinanzierung

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Bild: Linzer Pflasterspektakel 2008 – Rumpel„; von Chrissy W (CC BY- SA 2.0) auf FlickrFack ju Subvention!“ ist ein Artikel in der WELT überschrieben, in dem der Autor die Meinung vertritt, die durchsubventionierte deutsche Kulturlandschaft produziere nur gremienverhunzte Konsensbrühe und die Künstler müssten sich endlich entscheiden,
„ob sie Staatsflittchen sein oder Kunst hervorbringen wollen“.
Wurde im „Kulturinfarkt“ die Forderung nach einer möglichen Kürzung der Subventionen noch argumentiert, schwadroniert hier jemand vor sich hin, ohne groß eine Ahnung zu haben, schafft es aber, den Begriff des Bildungsbürgers endgültig zu diskreditieren. Gut, inhaltlich gibt der Artikel also nicht viel her, aber die Überschrift passt gut zum stARTcamp in Linz, das am 7. Mai stattfindet und zwar im Wissensturm, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. „Fack ju Subvention!“ Obwohl, ich würde das Ausrufezeichen noch durch ein Fragezeichen ersetzen, also: „Fack ju Subvention?“ Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Es geht um die Frage, wie sich Kunst und Kultur finanzieren lassen. Auch wenn das den einzelnen KünstlerInnen und Kultureinrichtungen nicht so vorkommen mag, aber es fließt noch ziemlich viel Geld in den Kunst- und Kulturbereich. Aber vielleicht ließe sich in Linz die Frage diskutieren, ob das Geld richtig fließt und vor allem: erreicht es auch die Richtigen? Das Hauptaugenmerk wird nächste Woche aber sicher bei den Alternativen zur öffentlichen Förderung liegen. Die aktuelle Ausgabe des KM-Magazins hat dazu eine Steilvorlage geliefert und behandelt unter der Überschrift „Kulturfinanzierung“ Themen wie Sponsoring, Corporate Cultural Responsibility, Online-Fundraising oder Crowdfunding. Aber mir reicht das noch nicht. Gilt diese Einteilung überhaupt noch? Lohnt es sich, weiter auf das klassische Kultursponsoring zu setzen, obwohl es vermutlich vielen so geht wie Christoph Grunenberg, dem Direktor der Kunsthalle Bremen, der im KM-Magazin konstatiert,
„dass der Anteil des Sponsorings an der Gesamtfinanzierung geringer geworden ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren, mit abnehmender Tendenz“.
Und was ist mit denen, die bis jetzt noch gar keine Sponsoren hatten? Ist für die Crowdfunding eine Alternative? Ich denke schon, aber nicht nur für die, denn Crowdfunding ist mehr als nur ein (neues) Finanzierungsinstrument. Vielleicht stimmen all die Kategorien nicht  mehr? Ich habe gerade einen sehr guten Artikel von Dion Hinchcliffe gelesen. In „How much can technology actually improve collaboration?“ zeigt er, welche Vorteile sich daraus ergeben, wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Aber mir reicht es nicht, wenn wir nur darüber nachdenken, wie Theater kooperieren. Oder Museen. Und wenn wir innovativ sind, Theater mit Museen. Nein, denken wir mal weiter und orientieren wir uns an dem, was die BesucherInnen eines Konzerts oder einer Ausstellung davor und danach erleben beziehungsweise, was sie sich davor und danach wünschen? Mit dem Modell des digitalen Erlebnisraums geht es uns darum, Kooperationen entlang einer Wertschöpfungskette zu entwickeln. Einen Schritt zurück: Immer wieder weisen wir darauf hin, dass das Wertvolle der künstlerischen Arbeit nicht nur das künstlerische Objekt ist, sondern der Prozess, der dazu geführt hat. Wir verkaufen aber nur Tickets, um das Ergebnis dieser Arbeit bestaunen zu können. Der Prozess bleibt unter Verschluss. Das ist übrigens auch ein Problem, wenn es darum geht, die künstlerische Arbeit zu bewerben und zu vermitteln. Hier stoßen wir ganz schnell an Grenzen, die es zu überwinden geht. Tom Goodwin formuliert das recht schön in seinem Artikel „Why You Don’t Need A Digital Strategy„:
„You Don’t Need A Digital Strategy, You Need A Digitally Transformed Company.“
Anders gesagt: Erst wenn es Kultureinrichtungen gelingt, sich neu zu organisieren,  besteht die Möglichkeit, die Finanzierungsprobleme zu lösen. Wer jetzt Lust verspürt mitzudiskutieren, der sollte zum stARTcamp nach Linz kommen, denn es gibt kein besseres Format als ein Barcamp, um solche Themen zu diskutieren. Apropos Format: Wer nicht weiß, was ein Barcamp ist, hier die schnelle Antwort: Das Programm wird in der Eingangssession gemeinsam festgelegt, alle können etwas vortragen, diskutieren oder auch einfach eine Frage stellen (mehr dazu: „Was ist eigentlich ein stARTcamp?„). Der Erfolg des stARTcamps hängt also von den TeilnehmerInnen ab. Wenn sich alle aktiv beteiligen, diskutieren oder fragen, dann wird das stARTcamp eine tolle Sache, warten alle nur darauf, dass etwas passiert, wird es eher eine langweilige Veranstaltung. Aber keine Sorge, bis jetzt war die Begeisterung immer groß (man kann das zum Beispiel aus den Blogbeiträgen über das stARTcamp in München herauslesen). Fehlen nur noch die Informationen…

Wo, wann und wie?

Das stARTcamp Linz findet am 7. Mai im Wissensturm in Linz (Kärtnerstraße 26, 4020 Linz) statt, los geht es um 10 Uhr. Wer dabei sein möchte, muss sich nur über diese Liste anmelden. Der Eintritt ist kostenlos, aber für Essen und Getränke wird vor Ort ein Unkostenbeitrag von 10 Euro eingesammelt. Wer schon Themenvorschläge, Fragen oder Diskussionspunkte hat, kann diese in die Liste der Sessionvorschläge eintragen. Ach ja, und etwas Werbung wäre natürlich auch nett. Blogbeiträge oder ein paar Postings auf Facebook und Twitter (hashtag #sclinz) helfen Wolfgang Gumpelmaier und allen, die ihn dabei unterstützen, weiter. Wir sehen uns. ;-)
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„Kultur macht stark“

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Kultur macht stark Es hat zwar etwas gedauert, aber im letzten Jahr startete das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung das schon 2009 im Koalitionsvertrag beschlossene Förderprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung„. In den nächsten fünf Jahren stehen jeweils zwischen 30 und 50 Mio. Euro zur Verfügung, die aber nicht direkt in Projekte fließen, sondern von lokalen Bündnissen für Bildung verwaltet werden. Gefördert werden damit, so heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums „außerschulische Angebote der kulturellen Bildung für benachteiligte Kinder und Jugendliche“. Die Liste der Verbände, die im Rahmen des Programms erfolgreich ein Programm eingereicht haben, ist lang, sie alle haben jeweils einen Maßnahmenplan vorgeschlagen, der nun den Rahmen für ihre eigenen Ausschreibungen bildet. Auch der deutsche Museumsbund ist mit einer eigenen Initiative vertreten. Unter dem Motto „Von uns – für uns! Die Museen unserer Stadt entdeckt.“ sollen Kinder und Jugendliche den kulturellen Raum Museum unter pädagogischer Anleitung erleben. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die sogenannten „Peer-Teamer“, die nach einer musealen und medialen Ausbildung als Museumsbotschafter fungieren, um dann gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ein Museumsportrait zu entwickeln, das dann der Öffentlichkeit präsentiert wird. Angesprochen werden besonders „bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 18 Jahren (.), die von Hause aus nur wenig oder gar nicht mit dem Thema Kultur und Museum in Berührung kommen“. Bis 19. August läuft nun die erste Ausschreibungsrunde, für die sich mindestens drei Bildungspartner zusammenschließen müssen, um eine fünfstufige Maßnahme zu konzipieren und einzureichen. Einer der drei Partner muss ein Museum sein, bei Partner Nummer zwei sollte es sich um eine Kinder-, Jugend- oder karitative Einrichtung handeln, der dritte Partner kann frei gewählt werden. Im Rahmen der aktuellen Ausschreibung werden bis zu 26 Projekte ausgewählt, die dann im Herbst mit der Arbeit beginnen können. Alle weiteren Informationen, auch die zum laufenden Bewerbungsverfahren, finden Sie auf den Seiten des Deutschen Museumsbundes. Viel Erfolg!
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Deutschland: Der Kulturfinanzbericht 2012

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Kulturfinanzbericht 2012 Während sich in den kleinen Bereichen oft wahre Tragödien abspielen, sieht es auf der aggregierten Ebene gar nicht so schlecht aus. Die Rede ist vom Kulturfinanzbericht 2012, der auf der Seite des Statistischen Bundesamtes zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. Zwar basiert er auf dem Zahlenmaterial des Jahres 2009, allerdings dokumentiert er darüber hinaus auch die auf den Haushaltsentwürfen beruhenden Zahlen bis 2012. Im Jahr 2009 gab der Staat 9,13 Milliarden Euro für die Kunst aus. Rechnet man den kunstnahen Bereich dazu, kommt die stolze Summe von 10,72 Milliarden Euro zusammen. Zählt man beide Bereiche zusammen, tragen die Länder die größte Last, bei den Kulturausgaben tragen die Gemeinden die Hauptlast (siehe Tabelle, Angaben in Mio. Euro). 20130513_kulturfinanzbericht_2012_tabelle Der Bericht zeigt einige interessante Entwicklungen auf. Während zum Beispiel in den westlichen Flächenstaaten (also ohne die Stadtstaaten) die Kulturausgaben zwischen 1995 und 2009 um 32,5 Prozent zunnahmen, stiegen die Ausgaben in den östlichen Flächenstaaten nur um 4,9 Prozent. Insgesamt stiegen die Ausgaben in diesem Zeitraum von 8,9 Milliarden auf 10,7 Milliarden Euro, ein nicht unerheblicher Zuwachs, dem aber natürlich auch steigende Kosten gegenüber stehen. Der Bericht zeigt außerdem, wie stark sich der Bund in Berlin engagiert hat. Von 1995 bis 2009 erhöhten sich  die Ausgaben dort um 26,8 Prozent. Zählt man die Ausgaben von Bund, Länder und Gemeinden zusammen und legt sie auf die EinwohnerInnen der Republik um, dann kommt man für das Jahr 2009 auf die Summe von 111,48 Euro, das sind 21,9 Prozent mehr als 1995, als der Staat noch 91,45 pro Kopf für die Kultur ausgab. Es lohnt sich, einen Blick in diesen Bericht zu werfen oder Sie lesen den in den kulturpolitischen Mitteilungen (Ausgabe 140) erschienenen Artikel (S.13ff) dazu.
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Toursupport für freie Theatergruppen [Kulturförderung]

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Im Rampenlicht © Rainer Sturm / Pixelio Das österreichische Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:ukk) unterstützt in diesem Jahr zum ersten Mal „Gastspiele professioneller freier Theatergruppen“, die über kein eigenes Haus verfügen. Das Ziel dieser Maßnahme ist, so heißt es in der Ankündigung,
„die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die künstlerische Tätigkeit von AutorInnen, KomponistInnen, ChoreographInnen und Theaterschaffender in Österreich“.
Wie viel Geld in diesem Fördertopf liegt und um welche Beträge eine freie Theatergruppe ansuchen kann, steht leider nicht in der Ankündigung. Dort heißt es lediglich, dass sich „die Höhe der Förderung (..) nach dem Produktionsumfang und der Anzahl der Aufführungen (richtet)“, auch das Antragsformular hilft da nicht weiter. Eben dieses Antragsformular muss man bis zum 8. März ausgefüllt und per Post an das bm:ukk (Abteilung V/2, Minoritenplatz 5, 1014 Wien) schicken und dann darauf hoffen, dass es eine Zusage gibt. Neben dem Formular werden noch
  • eine Projektbeschreibung (plus Angaben zu früheren Theaterproduktionen),
  • eine DVD der Produktion (so vorhanden) beziehungsweise der Link zur Website,
  • Kalkulation und Finanzplan,
  • die geplanten Termine sowie
  • die Absichtserklärungen der Veranstalter
verlangt. Wichtig ist: Die AntragstellerInnen müssen seit mindestens drei Jahren ihre künstlerische Tätigkeit professionell in Österreich ausüben und die Produktion muss nach der Premiere noch in mindestens zwei weiteren Bundesländern jeweils zweimal aufgeführt werden. Alle weiteren Infos, die Förderbedingungen sowie das Antragsformular finden Sie hier.
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Mit „STEP Beyond Travel Grant“ unterstützt die European Cultural Foundation die Mobilität im Kunst- und Kulturbereich

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European Cultural Foundation Mit Sitz in Amsterdam unterstützt die European Cultural Foundation seit 1954 Projekte im Kunst- und Kulturbereich, die eine europäische Ausrichtung haben und im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitend sind. Neben dem Förderbereich Collaboration Grants und dem Balkan Incentive Fund for Culture gibt es noch einen dritten Fördertopf, der für einzelne KünstlerInnen und KulturarbeiterInnen interessant ist:
STEP Beyond Travel Grants are awarded to up-and-coming artists and cultural workers (priority is given to individuals up to 35 years and/or in the first 10 years of their career) travelling between EU and countries directly bordering the EU,“
ist auf der Website der Stiftung zu lesen. Seit 2003 wurden 261 Förderanträge positiv beschieden, die AntragstellerInnen erhielten jeweils zwischen 250 und 700 Euro. Das mag nicht nach großem Geld klingen, aber in meinen Augen ist das eine wichtige Förderschiene vor allem für einzelne KünstlerInnen, die keine Chance haben, an die großen Summen aus dem EU-Kulturförderprogramm zu kommen oder eben nur einen kleinen Betrag benötigen.

European Cultural Foundation

Einen Zuschuss zu den Reisekosten erhält, wer
  • zum ersten Mal ein Networking-Treffen, ein Festival oder eine Konferenz besucht, um das eigene Netzwerk zu erweitern,
  • den Wunsch hat, neue Projektpartnerschaften aufzubauen,
  • die eigenen Aktivitäten von der lokalen auf die internationale Ebene heben möchte oder
  • in Ausnahmefällen an einer Weiterbildung oder einem Training
teilzunehmen beabsichtigt. Eine Unterstützung gibt es höchstens einmal pro Jahr und maximal zweimal innerhalb von fünf Jahren. Alle weiteren Informationen zu diesem Programm sind in den Leitlinien zu finden, der Antrag kann online gestellt werden.
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Fonds Soziokultur: „Wettbewerb um die besten Ideen“ [Kulturförderung]

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© Gerd Altmann ; Pixelio „Soziokultur, das ist kurz gesagt ‚Kultur von allen, für alle'“. Dieses Zitat von Hermann Glaser findet sich auf der Website der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. und lässt erahnen, wie weit das Feld der Soziokultur ist. Geld ist auch hier Mangelware, weshalb der Fonds Soziokultur eine wichtige Anlaufstelle ist, wenn es um die Finanzierung von soziokulturellen Projekten geht. Unter dem Motto „Wettbewerb um die besten Projektideen“ fördert er  seit 1988 Projekte, „die ein aktuelles gesellschaftliches Thema aufgreifen, die neue Praxis- und Aktionsformen in der Soziokultur erproben, die den Austausch und die Integration fördern oder die – mit den Mitteln der Kunst und Kultur – neue Formen der Bürgerbeteiligung in der Stadt, der Gemeinde, im Viertel umsetzen“. Insgesamt stehen dem Fonds jedes Jahr eine Million Euro zur Verfügung, über deren Vergabe ein Kuratorium entscheidet. Mit dem 1. Mai und dem 1. November gibt es jährlich zwei Einreichfristen für Projektanträge, wobei der erste Termin für Vorhaben gilt, die in der zweiten Jahreshälfte beginnen und der Novembertermin für Projekte gedacht ist, die in der ersten Hälfte des darauffolgenden Jahres beginnen. Unterstützt werden vor allem Vorhaben freier Träger im Kulturbereich, die mit Förderbeträgen zwischen 3.000 und 26.000 Euro rechnen können. In dieser Bandbreite bewegen sich die bisherigen Unterstützungszahlungen, einen fix vorgegebenen Rahmen gibt es aber nicht. Wie beim EU-Kulturförderprogramm ist auch beim Fonds Soziokultur nur eine Kofinanzierung möglich, denn er fördert ein Vorhaben mit maximal 50 Prozent der Gesamtkosten. Das heißt, bei einem Budget von 40.000 Euro gibt es höchstens 20.000 Euro, der Restbetrag muss anderweitig finanziert werden. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Vorhaben für den Fonds förderwürdig ist, werfen Sie am besten einen Blick in die Liste der in der Vergangenheit geförderten Projekte. Die wichtigsten Infos für die Antragstellung finden Sie im Bereich „Tipps für Antragsteller„. Möchten Sie gleich loslegen, dann finden Sie hier das Antragsformular.
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„Navigating through Chaos“: eine Anleitung für Ihr nächstes EU-Projekt

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Wenn die nationalen Mittel für den Kunst- und Kulturbereich knapper werden, fällt vielen ein, dass es da ja noch die EU gibt. Die Website für das „Programm Kultur 2007 – 2013“ ist schnell gefunden, aber dann. Ob Leitfaden oder Antragsformular, wer sich das erste Mal mit diesen Dokumenten  beschäftigt, hat am Ende vermutlich mehr Fragen als zu Beginn. Was also tun? Die Cultural Contact Points (CCP), die in den an diesem Programm beteiligten Ländern als Ansprechpartner dienen, stellen auf ihren Webseiten nicht nur jede Menge Informationen zur Verfügung, sondern bieten auch regelmäßig Veranstaltungen an, die den potenziellen AntragstellerInnen die wichtigsten Infos vermitteln. So hat zum Beispiel der österreichische CCP 2010 gemeinsam mit dem „europe for citizens point Austria“ eine Workshopreihe konzipiert, in der auf alle wichtigen Punkte der Projektentwicklung und des Einreichverfahrens eingegangen wurde. Der Nachteil: 2010 war schon. Der Vorteil: gemeinsam haben die beiden Infostellen eine Broschüre herausgebracht, die nun zum Download zur Verfügung steht. Wenn Sie wissen wollen, was für die EU ein Projekt ist, was unter dem „Europäischen Mehrwert“ zu verstehen ist, ohne den Sie keine Chance haben, Geld aus Brüssel zu erhalten und was sich hinter den Begriffen „Dissemination“ und „Exploitation“ versteckt, dann kann ich Ihnen dieses PDF nur ans Herz legen. 10 ExpertInnen beantworten mit ihren Beiträgen insgesamt 28 Fragenkomplexe und das unter Verzicht auf die typische EU-Sprache, die einem anfangs so viele Probleme bereitet. Abgerundet wird diese Publikation durch eine kurze Zusammenfassung der beiden Programme „Kultur“ und „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ (übrigens ein Programm, das für den Kunst- und Kulturbereich auch interessant ist). Die Programmphase endet zwar im nächsten Jahr, aber Fragen, wie man seine europäischen ProjektpartnerInnen findet und warum es so wichtig ist, die eigenen Ziel- und Anspruchsgruppen zu kennen, werden auch nach 2013 relevant bleiben. Die Broschüre bietet Ihnen eine gute Einstiegshilfe in das Thema EU-Förderungen und informiert Sie über die wichtigsten Aspekte einer Antragstellung, egal ob Sie nun in Österreich, Deutschland oder einem anderen an beiden Programmen beteiligten Land aktiv werden wollen.
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Deutschland: Kulturpolitik ohne Visionen

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Sasquatch main stage and the gorge„; By Jess Sloss (CC-Lizenz) Jimi Hendrix, Ray Charles und auch Kurt Cobain wurden in Seattle geboren, der Stadt, die am Pazifik liegt und sich selbst als Musikstadt bezeichnet. Die Bezeichnung ist berechtigt, denn die Musikindustrie spielt mit einem Umsatz von 1,2 Mrd USD und 20.000 durch sie entstandenen Arbeitsplätzen eine wichtige Rolle. Eine 2008 veröffentlichte Studie zeigt darüber hinaus, wie breit die Branche aufgestellt ist und welch interessante Kooperationen in den letzten Jahren entstanden sind. Arnaudville hingegen ist ein kleiner Ort im US-Bundesstaat Louisiana, über den es eigentlich nichts zu berichten gibt. Laut Wikipedia hatte dieser kleine Flecken vor zwölf Jahren knapp 1.400 Einwohner, heute sind es ca. 100 mehr. Dieser für den Ort beachtliche Bevölkerungszuwachs hat auch mit dem Künstler George Marks zu tun, der 2005 eine alte verlassene Autowerkstatt zum Ausgangspunkt seiner Aktivitäten machte und Arnaudville zu einem ländlichen Zentrum kultureller Aktivitäten machte. Seattle und Arnaudville ist gemeinsam, dass sie für ihre Aktivitäten Geld aus den Fördertöpfen des National Endowment  for the Arts (NEA) erhalten haben. „Our Town“ nennt sich ein Programm, hinter dem der Grundgedanke des Creative Placemaking steht. Was sich hinter diesem Begriff versteckt, erklären Ann Markusen und Anne Gadwa in ihrem gleichnamigen Whitepaper, in dem noch weitere Projektbeispiele beschrieben werden. In dem bereits 2010 erschienenen Bericht bezeichnen die beiden Autorinnen Creative Placemaking als einen Prozess, in dem
„partners from public, private, non-profit, and community sectors strategically shape the physical and social character of a neighborhood, town, city, or region around arts and cultural activities.“ (S.3)
Das Grundprinzip ist schnell erklärt:
„Creative placemaking animates public and private spaces, rejuvenates structures and streetscapes, improves local business viability and public safety, and brings diverse people together to celebrate, inspire, and be inspired.“ (S.3)
Ausgangspunkt ist die Krise und die erleben wir in Deutschland derzeit auch. Und um die zu lösen haben Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz ein Buch geschrieben, das in der nächsten Woche erscheinen und für Aufregung sorgen wird, wie der Spiegel prophezeit. In „Der Kulturinfarkt“ stellen die vier Autoren das derzeitige Fördersystem in Frage und provozieren mit der Idee, den etablierten Institutionen einen großen Teil ihrer Fördermittel wegzunehmen und für innovative Entwicklungen abseits der Hochkultur einzusetzen. Finanzierungsbedarf orten die Autoren in den Bereichen
  • der öffentlichen Kulturinfrastruktur,
  • der Laienkultur,
  • der (noch nicht existierenden) Kulturindustrie,
  • der Hochschulen für Kunst, Musik und Design und
  • der gegenwartsbezogenen kulturellen Bildung.
Das heißt, man nimmt den „Großen“ etwas weg, damit die „Kleinen“ etwas bekommen können. Eine nette, allerdings vermutlich auch unrealistische Idee: es wird nicht „die Hälfte“ der öffentlichen Förderungen eingespart, sondern lediglich umverteilt. Nach welchen Regeln dieser Verteilungswettbewerb ausgefochten werden soll, lassen die Autoren allerdings offen, schließlich verstehen sie ihr Buch (und den Spiegel-Artikel) nur als Provokation und Anlass für die Debatte über eine zukünftige Kulturpolitik. Ob wir anlässlich dieses Buches jemals über die Frage diskutieren werden, unter welchen Voraussetzungen Innovation im Kunst- und Kulturbereich entstehen kann, darf bezweifelt werden, die Kritiker haben bereits Stellung bezogen, so etwa der Deutsche Kulturrat, der sich in einer Stellungnahme „irritiert“ zeigt und die Frage stellt, von welcher Realität da die Rede sein solle. Oder Max Hollein, der den Autoren Populismus vorwirft und der Ansicht ist, dass die Thesen extrem pauschal und nicht durch Zahlen belegbar seien. Eine Diskussion wird so wohl nicht entstehen und wenn, diskutieren wir vermutlich nur die Frage, ob es wirklich sinnvoll sei, den etablierten Kultureinrichtungen die Hälfte ihrer Förderungen wegzunehmen? Aber ist das wirklich die Frage? Ich bin, ehrlich gesagt, von dem Spiegel-Artikel enttäuscht. Zwar heißt es immer wieder, es gehe gar nicht so sehr ums Geld, aber auch Stephan Opitz landet in einem Deutschlandradio-Interview recht schnell wieder bei diesem Thema. Statt nur über die verkrusteten Strukturen und den Änderungsbedarf zu schreiben, hätte ich mir ein paar Anhaltspunkte erwartet, wohin die Reise gehen kann. Ich hätte mir erwartet, dass mögliche Ziele formuliert und zur Diskussion gestellt werden. Unter diesen Voraussetzungen bin ich dann recht schnell wieder bei Ann Markusen und Anne Gadwa gelandet, die in ihrem Bericht einen in meinen Augen sinnvollen Bottom-up-Ansatz verfolgen, denn
„Instead of a single arts center or a cluster of large arts and cultural institutions, contemporary creative placemaking envisions a more decentralized portfolio of spaces acting as creative crucibles.“
Wie lässt sich dieser Ansatz umsetzen? Neil Takemoto nennt in seiner Zusammenfassung des Berichts sechs Komponenten:
  • „Creative Initiator – Finding that one person or small team that starts it all.
  • Designing Around Distinctiveness – Build on existing expertise and characteristics of place.
  • Mobilizing [Government Will] – If your city government isn’t supportive, good luck.
  • Garnering Private Sector Support – If no one’s looking to invest in it, good luck.
  • Securing Arts Community Engagement – This is more than working with arts leaders, this is about crowdsourcing the time and investment of thousands of its patrons.
  • Building Partnerships – Figuring out a way for all of the above to work together.“
Wo sind unsere InitiatorInnen? Wer kann bei uns diese Veränderung auslösen? Wo ist die Kulturpolitik, deren Aufgabe es eigentlich wäre, solche Entwicklungen zu initiieren? Peter Linett stellt in seinem Blogpost „As the arts conversation shifts to ‚creative placemaking‘, will large institutions still count?“ fest, dass in den USA in den letzten Jahren vermehrt neue Förderprogramme aufgetaucht sind, in denen Kunst nicht mehr um ihrer selbst Willen gefördert werde, sondern eher als Mittel zum Zweck diene, um zivilgesellschaftliche, ökonomische Probleme oder solche im Bildungsbereich zu lösen. Solche Ansätze wünsche ich mir auch für den deutschsprachigen Raum. Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz haben da eine große Chance vertan, denn der Ansatz des „Creative Placemaking“ verlangt gerade von den großen Kultureinrichtungen ein hohes Maß an Veränderung. Veränderung, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen ist aber, so denke ich, allemal attraktiver als der aus der (finanziellen) Not heraus entstehende Druck, sich verändern zu müssen. Neil Takemoto spricht davon, dass der Erfolg auch von der Fähigkeit abhängt, Verbündete zu gewinnen. Wenn ich mir die Scharmützel im Vorfeld der Veröffentlichung des Buches anschaue, kann ich nur schwer glauben, dass das gelingen wird. Aber ich lasse mich gerne überraschen.
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Crowdfunding, ein demokratiepolitisch bedenkliches Finanzierungsinstrument?

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Dass Crowdfunding derzeit boomt, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Die in den letzten Monaten entstandenen Plattformen lassen eine Art Goldgräberstimmung entstehen, die viele auf die Idee bringt, das für die Realisierung des eigenen Vorhabens fehlende Geld auf diese Weise zu beschaffen. Die im letzten Jahr auf Kickstarter eingesammelten 100 Mio. $, in den Medien oft und gerne erwähnte Projekte wie „Stromberg“ oder „Hotel Desire“ und eine oftmals fast euphorische Berichterstattung lassen den Eindruck entstehen, auf diesen Plattformen liege das Geld und warte nur darauf abgeholt zu werden. Da ist es hilfreich, wenn sich auch ein paar Stimmen zu Wort melden, die sich kritisch mit dem Thema Crowdfunding auseinandersetzen, so wie dies Elisabeth Mayerhofer und Monika Mokre in einem in der Tageszeitung „Der Standard“ veröffentlichten Artikel getan haben, der den schlichten Titel „Crowdfunding“ trägt. Darin hinterfragen die beiden Autorinnen das „Erfolgsmodell“ und melden vor allem demokratiepolitische Bedenken an. Aufhänger ist für die beiden Autorinnen das Pilotprojekt der Hamburg Kreativ Gesellschaft mit der Crowdfunding-Plattform Startnext. Die von beiden gemeinsam initiierte regionale Crowdfundingplattform Nordstarter funktioniert derzeit wie jede klassische Crowdfundingplattform, also ohne öffentliche Förderungen. Was aber ist, so fragen die Autorinnen, wenn öffentliche Förderungen davon abhängig gemacht werden, ob sich auch genügend private UnterstützerInnen gefunden haben? Eine solche Kombination sei aus ökonomischer Sicht zu hinterfragen, wenn die Vergabe einer Förderung nicht auf einem schlüssigen wirtschaftlichen Konzept basiere, sondern auf „emotionsgeleitete(n) Mausklicks nach Ansicht eines Werbevideos“. Auf demokratiepolitischer Ebene bemängeln Mayerhofer und Mokre,
„dass hier Steuergelder nach den Präferenzen einiger Privatpersonen vergeben werden, die zu dieser Machtstellung in keiner Weise demokratisch legitimiert sind“.
Sowohl in diesem Fall als auch bei der steuerlichen Absatzbarkeit von Spenden habe die öffentliche Verwaltung bzw. Politik keine Möglichkeit, diese Entscheidungen zu beeinflussen. Zwar seien im Unterschied zur Steuerabsetzbarkeit von Spenden, beim Crowdfunding mehrere Personen (die UnterstützerInnen) in den Prozess eingebunden, aber es sei ein Irrglaube, so schreiben Mayerhofer/Mokre, dass mehr Partizipation mehr Demokratie bedeute. Diese Sichtweise beruhe auf einer Verwechslung, denn
„Demokratie besteht nicht in der Teilnahme einiger oder sogar vieler an Entscheidungen, sondern in der – mindestens potenziellen – Beteiligung aller Betroffenen, im Konkreten also aller SteuerzahlerInnen, die zugleich diejenigen sind, denen die finanzierten Projekte in irgendeiner Form zugutekommen sollten“.
Ich gestehe, ich sehe das etwas anders. Ich halte nicht nur die Annahme, mehr Partizipation bedeute mehr Demokratie, für falsch (d.h. in diesem Punkt stimme ich mit den Autorinnen überein), sondern behaupte, dass Partizipation grundsätzlich nicht automatisch etwas mit Demokratie zu haben muss. Partizipative Beteiligungsmöglichkeiten im Rahmen eines Ausstellungsprojektes zum Beispiel sind vom Thema Demokratie recht weit entfernt, auch das Thema Mashups lässt sich nur schwer damit in Verbindung bringen. Im nächsten Schritt stellt sich die Frage, ob Crowdfunding eigentlich eine partizipative Form der Beteiligung an einem Projekt ist? Wenn die finanzielle Form der Unterstützung eines Vorhabens, verbunden mit einer Gegenleistung, bereits  ein partizipativer Akt ist, dann müsste ja auch eine Sponsoringkooperation in die Kategorie Partizipation fallen. Sollten wir uns im Fall von Crowdfunding-Projekten nicht auch darauf beschränken, vom Austausch von Leistung und Gegenleistung zu sprechen? Zumindest steuertechnisch gesehen wird das so gehandhabt, denn das, was da an Geld reinkommt, wird als Einnahme betrachtet und entsprechend versteuert. Wer aber trotzdem auf der demokratiepolitischen Ebene das Thema Crowdfunding diskutiert und behauptet, dass hier einige wenige Privatpersonen mit Hilfe ihres Geldes entscheiden, was in den gesellschaftlich relevanten Bereichen Kunst und Kultur realisiert wird, der mag diesen Ansatz als negativ empfinden, lässt aber dabei einige Punkte unberücksichtigt. Erstens sollte jemand, der aus den öffentlichen Fördertöpfen kein Geld erhält, jederzeit die Möglichkeit haben, sich auf diesem Weg Geld zu beschaffen. Es gibt genügend Kunstsparten und Projekte, die keine Chance auf öffentliche Unterstützung haben und das aus Gründen, die demokratiepolitisch vermutlich wesentlich bedenklicher sind. Zweitens resümiert Michael Wimmer in seinem Buch „Kultur und Demokratie„:
„In ihrem Kern (…) rankt sich die staatliche Kulturpolitik (Anm. in Österreich) um die Aufrechterhaltung eines ursprünglich auf imperiale Repräsentation gerichteten Kulturbetriebes im demokratisch verfassten Kleinstaat Österreich.“ (S.376)
und attestiert dem Kulturbetrieb in Österreich,
„als ein isomorphes System an den Ansprüchen demokratischer Mitentscheidung und Mitwirkung vorbei ins Leere zu laufen“. (S.391)
Von einem demokratiepolitischen Idealzustand sind wir also – zumindest in Österreich – weit entfernt, einerseits belegbar durch die ungleiche Verteilung der Fördergelder und andererseits durch die immer wieder erlebbare Möglichkeit der Beeinflussung von außen (dieses von Tanja Ostojić gestaltete Plakatmotiv gefiel der Kronenzeitung während der österreichischen EU-Präsidentschaft 2006 nicht und wurde nach entsprechenden Protesten nicht mehr gezeigt). Vor diesem Hintergrund mag jede/r selbst entscheiden, wo die größeren Bedenklichkeiten auftauchen. Eigentlich geht es aber gar nicht um die Frage, ob nun die staatliche Kunstförderung „besser“ sei als Crowdfunding oder umgekehrt. Wir haben es hier mit zwei höchst unterschiedlichen Finanzierungsinstrumenten zu tun, die sich in meinen Augen sehr gut ergänzen. Es gibt eine Vielzahl von Vorhaben, für die Crowdfunding nicht das passende Finanzierungsinstrument ist. Ebenso gibt es auch Projekte, die keine Chance auf öffentliche Gelder haben, sondern auf Crowdfunding angewiesen sind. Ihre UnterstützerInnen haben dabei sehr unterschiedliche Beweggründe. Wenn Elisabeth Mayerhofer und Monika Mokre schreiben,
„(w)enn sich kein genügend großes Publikum zur Eigenfinanzierung einer künstlerischen Produktion findet, so ist es auch unwahrscheinlich, dass sich zum gleichen Zweck genügend Kleinmäzene finden“,
dann liegen sie damit nicht unbedingt richtig. Ich selbst unterstütze via Crowdfunding Projekte, ohne sie zu besuchen oder daran teilzunehmen. Weil sie in meinen Augen wichtig sind. Oder einfach gut. ;-)
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Elisabeth von Helldorff: Kulturförderung vs. Kulturforderung (Gastbeitrag)

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© plumbe ; Pixelio

Über die Verantwortung, neue Chancen zu ergreifen

Ein Kommentar über Möglichkeiten, die sich in Umbruchsituationen eröffnen und gerade jetzt von Kulturschaffenden wahrgenommen werden sollten. Genau dann, wenn man glaubt, es geht bergab, ergeben sich oft beste Vorraussetzungen, um Neues zu entdecken und zu schaffen – in unserer momentanen Situation nicht nur für die Kulturlandschaft sondern auch für die Wirtschaft… Irgendwie ist gerade alles anders. Vieles scheint zu zerbrechen und doch haben wir gerade jetzt die Chance, uns neu aufzustellen. Je ausgefallener die Ideen, desto schwungvoller wird die Entwicklung. Aus diesem Grund fällt mir persönlich das Schreiben über traditionelle Kulturförderung im Moment etwas schwer. Darüber warum der Staat seine Mittel nicht gerechter verteilt. Dass Unternehmen (wie beispielsweise die vom Ausstieg aus dem Ausstieg des Ausstiegs gebeutelte E.ON) in Zukunft weniger für Kultursponsoring ausgeben könnten und somit ganze Institutionen um ihre Existenz bringen könnten. Betrachten wir die aktuelle Lage der Nation und auch der Welt, so müssen wir zugeben, dass unser zeitweiliges Wutbürgertum zwar durchaus berechtigt ist, die Hintergründe aber keineswegs in Relation stehen zu dem, was anderen Ortes auf dem Spiel steht: sowohl politisch als auch kulturell. Es soll keine Moralpredigt folgen an dieser Stelle. Ich möchte nicht davon erzählen, dass wir uns mit Blick auf die aktuellen Krisenherde mit anderen Dingen beschäftigen sollten als mit den Raffinessen der mitteleuropäischen Kulturförderung.

Umbruch heißt nicht immer Abbruch

Ich denke, dass wir uns im Moment in einer Art Umbruchsituation befinden. Diese Situation fordert vor allem, nicht nur Mängel zu beklagen, sondern sich seiner Chancen bewusst zu werden und diese zu gestalten. Nicht ausschließlich mit Blick auf den Kulturbetrieb, aber auch. Ich sehe es als unsere heutige Verantwortung an, diese Chancen zu nutzen und Dinge zu verändern. Der Umbruch hat mehrere Seiten. Für den Kulturbetrieb besonders interessant: die finanzielle und die inhaltliche Seite. Finanziell gesehen brechen immer mehr traditionelle Erwerbsmöglichkeiten weg, es tauchen aber gleichzeitig auch immer mehr kreative Wege auf, Geld zu verdienen. Aus inhaltlicher Perspektive ist eine allgegenwärtige Brisanz der Geschehnisse zu spüren. Mit höchster Aufmerksamkeit werden aktuelle Debatten verfolgt und kommentiert. Selten (soweit ich das sagen kann) waren Meinungen so differenziert und auch streitbar wie in diesen Wochen. Diese Aufmerksamkeit und damit auch Neugier sollte genutzt werden, um Fragen zu stellen und Antworten zu finden. Als Akteur des Kulturbetriebs frage ich mich im Moment, wo die Reise hingehen soll: Was wollen wir überhaupt und wer sind die Rezipienten? Wer soll es bezahlen und warum? Was ist heute der Wert von Kultur? Soll Kultur überhaupt bewertet werden und wenn nicht, können wir uns diese Haltung leisten? Was steht auf dem Spiel, wenn gekürzt wird und wer genau kann diese Kürzungen verkraften und verantworten? Wie soll Kultur in Zukunft aussehen und wo soll sie stattfinden?

Lösungen im Zahlendschungel?

Was Fakten angeht, so geben aktuelle Zahlen nur bedingt Antworten auf all die Fragen. Mit Blick auf Kürzungen wissen wir schlichtweg nicht, was passieren wird. Sehen wir uns bspw. Kulturförderung durch Sponsoring an: Die zu Beginn genannte E.ON mag ein Einzelfall sein, doch berichtete die Süddeutsche Zeitung am 13.08.2011 bereits darüber und zeigte die Gefahren einer Einstellung des Firmenengagements für einzelne Kulturinstitutionen deutlich auf. Gleichzeitig lesen wir in Studien und Kommentaren (wie in der Studie der Sponsoringagentur Causales), dass gerade Sponsoring für Kulturinstitutionen immer wichtiger wird und immer professioneller angegangen wird. Während hier 133 Antworten von Kulturinstitutionen über die steigende Bedeutung von Sponsoring berichten, liest man dagegen in einer Studie der Universität der Bundeswehr München die Antworten von 591 Unternehmen, die Sponsoring allgemein bewerten. Im Speziellen erläutert die Studie:
„Wie schon 2008, ist eine leicht rückläufige Tendenz bei der Verbreitung des Sponsorings zu verzeichnen. Erstmals ist auch der Anteil des Sponsorings am Kommunikationsbudget geringfügig zurückgegangen. Unverändert bleibt bei der Budgetverteilung die Spitzenposition des Sportsponsorings. Deutlich zugelegt hat wieder das Ökosponsoring. Und auch der Budgetanteil des Bildungs-/ Wissenschaftssponsorings sowie des Soziosponsorings ist erneut gestiegen. Dafür ist das Budget für Kunst-/Kultursponsoring weiter stark gesunken.“
Die aktuelle Lage der Wirtschaft könnte zu einer Prioritätenverschiebung des Engagements führen. Aber definitiv wissen wir es nicht. Besser ist es daher, sich in den Debatten auf das zu stürzen, was über die gängigen Formate hinaus passieren könnte. Darüber, welche Chancen aus der Umbruchstimmung entstehen.

Neue Formate zeigen Lösungen auf und machen Mut

Innerhalb dieses Blogs wurde in den letzten Monaten unter anderem über Crowdfunding diskutiert. Für mich zeigt diese Finanzierungsart, dass durchaus Bewegung in den Kulturbetrieb kommt. Ein Projekt vorzustellen, um es crowdfunden zu lassen, bedeutet ja, dass man davon ausgeht, dass es Menschen gibt, die es vielleicht besser wissen, als die Damen und Herren der Verwaltung, die einen Antrag abgelehnt haben oder es tun könnten. Dieses Selbstbewusstsein brauchen Kulturprojekte, und sie lernen auch zunehmend ihre Stärken zu artikulieren. Mit der Artikulation kann wiederum eines der größten Verständnisprobleme gelöst werden: Viele der oft zitierten Nicht-Kultur-Nutzer verstehen nämlich schlichtweg nicht, was das mit der Kultur soll. Unter anderem verstehen sie nicht, warum viele Kulturschaffende die Erwirtschaftung eines Gewinns gar nicht an erster Stelle sehen. Der Zusammenhang zwischen Produkt und Markt ist oft völlig schleierhaft. Mit dem Format des Crowdfundings kommt ein Handlungsprinzip ins Spiel, das vielen Menschen nahe ist und auch Freude bereiten kann. Crowdfundig hat etwas Spielerisches (ohne zynisch zu sein und für oder gegen das Rollen eines Kopfes zu stimmen), das den Förderprozess emotionalisiert, ein Mitmachgefühl evoziert, das die Beteiligten motiviert, alles zu geben, um ein Projekt umzusetzen. Wie bereits vielfach erwähnt, kann Crowdfunding nicht die staatlichen Mittel ersetzten. Genauso wenig wie Sponsoring, Spenden und andere Finanzierungsarten. Vielmehr bewahrt es den Kulturbetrieb davor, in Angst vor der großen Finanzierungslücke in Untätigkeit zu erstarren.[1] Denn es geht nicht darum, Gefälligkeitskunst für den Nutzer zu produzieren. Ich glaube nicht, dass sich Kultur verbiegen muss, um gehört und gesehen zu werden. Was das Beispiel des Crowdfundings aufzeigt und die Kultur bzw. die Kulturproduzenten vielleicht auch lehrt, ist, dass sie ohne Scheu ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickeln können und sich ihrer Fähigkeiten und Wirkungsmechanismen bewusster werden. Denn oft müssen sich nur Verpackung und Präsentation ändern, damit der Mut erwacht, sich in viele Richtungen zu öffnen. Eine viel diskutierte Richtung ist und bleibt die Kooperation mit Unternehmen. Damit zur Frage, wo Kultur in Zukunft stattfinden könnte.

Mit der Kunst ins Haus fallen

Was ist verkehrt daran, sich mit einem Unternehmen zusammenzusetzen und ein völlig neues Kulturprogramm zu schaffen? Wieder besteht die große Angst, ein Unternehmen vertrete nur eigene Interessen und missbrauche die Kunst bzw. Kultur, um sich zu profilieren. Vergessen wir doch einfach einmal für einen Moment das in diesem Zusammenhang sofort assoziierte Sponsoring. Nicht, weil ich es abschaffen möchte – in sehr vielen Fällen ist es ja eine feine Sache – eher weil ich glaube, dass man den Abstand bräuchte, um Neues zu entwickeln. Danach können wir es ja gerne wieder ausgraben.

Was Unternehmen bewegt … – und auch die Kultur?

Das berüchtigte Unternehmen aus dem Bilderbuch ist reich, skrupellos und undurchschaubar. Doch wer sich schon einmal mit einem Familienunternehmer unterhalten hat, weiß nur zu gut, dass es nicht immer so ist. Gerade in Gegenden, die stark von Abwanderung bedroht sind, in Branchen, die expandieren, wo Fachkräfte aber fehlen, in witterungsabhängigen Wirtschaftszweigen und in etablierten Betrieben, deren Führungsnachfolge ungeklärt ist, hat die Leitung eines Unternehmens viel mit der Leitung einer Kulturinstitution gemeinsam. Der gängige Vergleich ist der eines Dirigenten mit einem Unternehmer – beide Leiter einer buntgemischten Truppe von Individuen, die doch ein großes Ganzes schaffen wollen. Oft geht es aber auch um die Kunst der Improvisation. Die Organisation einer Ausstellung in Kooperation mit einer anderen Institution stellt eine logistische Meisterleistung dar, genauso wie die Herstellung einer Maschine, die von vielen Zulieferern abhängig ist. Es ist sicher fraglich, ob jedes Unternehmen in der Kooperation mit einer Kulturinstitution die perfekte Investition in die Zukunft sieht. Gleichzeitig ist es aber frappierend zu sehen, wie viele Artikel, Veranstaltungen und Anzeigen darauf hinweisen, dass die Industrie händeringend nach Lösungen für komplexe Probleme sucht. Integration und Retention, Arbeitsplatzgestaltung und Gesundheit, altersgerechte Anreizsysteme, lebenslanges Lernen, Karrieremanagement und Austrittsmodelle, Wissensmanagement und Wissensbilanzierung und schließlich Diversity Management. Um nur einige zu nennen… [2]

Kultur kann – wenn sie will

Wenn ich jetzt die Kultur als einen Lösungsvorschlag einbringe, soll das nicht heißen, dass sie sich prostituieren muss. Im Gegenteil: Hier kann sich ein weiterer Zweig auftun, in dem sie zeigen kann, was ihre Stärken sind. Und bevor hier etwas falsch verstanden wird: Ich halte Unternehmenstheater zur reinen Mitarbeiterbespaßung für eine nette Sache. Aber ich denke nicht, dass es alles ist, was Kunst und Kultur zu bieten haben. Was die Kultur kann, ist intervenieren, analysieren und umdrehen. Sie kann in Prozesse eingreifen, sie überdenken und umstrukturieren. Sie kann animieren, motivieren und begeistern. Sie kann das, was Lévi-Strauss einst „Bricolage“ nannte. Er meinte damit nicht das Basteln im wörtlichen Sinne, sondern eine Form von Wissen. Für den Bricoleur sind Objekte nur zur Hälfte zweckbestimmt, die andere Hälfte lässt er offen für zukünftige Projekte. Der Bricoleur empfindet dann ein Erfolgserlebnis, wenn er es geschafft hat, neue Zusammenhänge zu schaffen, die vorher nicht denkbar gewesen waren. Es macht ihn zu einem nachhaltigen Arbeiter, denn er bewahrt Dinge auf und denkt sie bereits in der Zukunft, ohne das genaue Ziel zu kennen. Sein Metier ist die Zweckentfremdung, da ihm meist nicht unendliche Ressourcen zur Verfügung stehen, er ist also ständig damit beschäftigt, die gewöhnliche Verwendungsweise von Material und Werkzeug auch verlassen zu können. [3] Diese Offenheit, Ressourcen anders und neu einzusetzen, drei Mal um die Ecke zu schauen statt nur ein Mal, das sind Kompetenzen, die gerade jetzt wichtig sind und immer wichtiger werden – auch in der Wirtschaft. Wenn Kunst und Kultur ihre Aufgabe darin sehen, Gesellschaft zu reflektieren, dann haben sie im Moment die Möglichkeit, sich etwas aufzubauen, mit dem sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn das Leben und Schaffen unserer Gesellschaft findet zu einem großen Teil in der Industrie und im Handel statt.

Kunst als Mitarbeiter in Unternehmen

In einem Unternehmen als Kulturproduzent aktiv zu werden (in Form von Intervention oder auch Mitarbeit), bedeutet die Möglichkeit einer enormen Lernarena für den Künstler – menschlich wie technisch. Gleichzeitig bringt der Kulturproduzent sein Wissen in das Unternehmen ein. Ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe. Ein echter Kompetenzaustausch also. Trägt eine kulturelle bzw. künstlerische Intervention wirklich den Status eines „Mitarbeiters mit besonderen Kompetenzen“ und nicht den eines anonymen „Dienstleisters“, werden firmeninterne Finanzierungsmodelle durchaus denkbar. Zum Beispiel durch die Integration in ein Schulungsprogramm oder als „Abteilung für Innovation und Entwicklung“, die wie Marketing, EDV und Personalbüro einen festen Platz im Unternehmen einnimmt. Natürlich ist die entscheidende Frage, wie eine solche Kooperation oder Mitarbeit nun aussehen soll. Wie so oft, bleibt eine Standardlösung aus. Einige Beispiele können aber genannt werden: Bereits bekanntes bietet sicherlich der dm-Drogeriemarkt mit seinem Schulungsprogramm, das vor allem nach innen und nur nebenbei auch nach außen wirkt. Unternehmenstheater wird hier nicht eingekauft, sondern von den Mitarbeitern als Fortbildungsmaßnahme wahrgenommen. Zu nennen wäre aber auch der Künstler Paul Huf, der seit längerem in einer Unternehmensberatung angestellt ist – als Künstler, wohl bemerkt, nicht als klassischer Berater. Oder aber das Projekt „Menschen – Technik – Emotionen“, in dem Mitarbeiter einer Firma gemeinsam mit den Mitgliedern eines Kulturvereins die Produktionshallen fotografisch inszenierten und eine Ausstellung für die Einwohner der Stadt konzipierten. Hier wurde der Arbeitsplatz künstlerisch und vor allem persönlich reflektiert. Einige Beispiele bietet auch die Liste der Gewinner des Wettbewerbs der Kultur- und Kreativpiloten, die mit ihren Ideen genau das schaffen, was Tania Breyer, Beraterin im Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft, „das Gegenteil von Kultursponsoring“ [4] nennt. Darunter verstehe ich persönlich, sich selbst zu helfen mit schlauen Ideen.

Zu den Voraussetzungen

Ein wesentlicher Faktor muss beiden Seiten vorher bewusst sein: sie brauchen sich gegenseitig. Nicht als Geld- bzw. Imagegeber. Sondern für eine gemeinsame Sache. Die gemeinsame Sache kann sein, einen Mikrokosmos (wie bspw. ein Unternehmen) durch eine Idee zusammen weiterzuentwickeln. Dieses „Zusammen“ kann allerdings nur erreicht werden, wenn sich die Akteure als „Partner“ bezeichnen und sich als solche auch auf Augenhöhe begegnen und anerkennen. Warum sollte das einer mitmachen, wo er sich doch auch einfach einen Unternehmensberater einstellen könnte, um profitabler zu wirtschaften. Vielleicht macht er es ja genau deshalb, weil er gemerkt hat, dass Dinge komplexer sind. Dass bei all den oben genannten Problemen eben keine anonymen Berater helfen können. Dass sie verwurzelt sind. Und dass künstlerisches Denken ein Schlüssel sein kann, der interne Abläufe überdenkt und der externe Zusammenhänge überhaupt erst gestalten kann – und genau damit vielleicht die eigene Existenz zu sichern vermag (zum Beispiel im Wirkungskreis einer Kommune).

Der Weg dort hin

Ganz bewusst schreibe ich oben „Kunst und Kultur haben die Möglichkeit, sich so etwas aufzubauen […]“. Trotz vieler Kooperationen zwischen Kulturinstitutionen und Unternehmen, ist eine solche Form des Kompetenzaustauschs nicht gang und gäbe. Aber sie bietet ungeahnte Potentiale, die mit Kreativität und Verständnis für (manchmal auch fremde) Prozesse ausgeschöpft werden können. Wichtig ist vor allem der Aspekt der Gemeinsamkeit. Es soll nicht darum gehen, voneinander zu „profitieren“, sondern zusammen etwas zu entwickeln, das auf lange Sicht für alle Akteure einen Mehrwert schafft – sowohl finanziell als auch inhaltlich.

Mit Mut ins Getümmel

Die oben genannte Artikulation ist einer der Schlüsselbegriffe: Wer sich bewusst wird, was er mit seinem Werk, mit seiner Idee oder mit seinem Produkt zu bieten hat, der findet auch diejenigen, die sich dafür interessieren. Sieht er dabei nicht nur den klassischen Markt, sondern auch einen gesellschaftlichen oder systemrelevanten Aspekt, ist er von der Industrie oft gar nicht weit entfernt. Dazu gehört die richtige Verkaufsstrategie – keine Frage. Doch wer von seinem Gegenüber erwartet, sich auf die Sprache der Kunst und Kultur einzulassen, der sollte sich auch mit dessen Welt beschäftigen. Wahrscheinlich wird er feststellen, dass die Unterschiede gar nicht so gewaltig sind. Kreativität und künstlerisches Schaffen haben als Wissens- und Produktionsform Wesentliches zu bieten.

Mit Mut das Andere wagen

Auch für Unternehmen ist eine Öffnung hin zur Kultur als „Mitarbeiter“ noch Neuland. Doch die Auseinandersetzung mit und der Einsatz von Kultur im Unternehmen stellen laut Brigitte Biehl-Missal einen der großen Trends des 21. Jahrhunderts dar. Sie nennt ästhetische Kompetenz „eine Art Navigationsfähigkeit in der Wirtschaftswelt“ und formuliert weiter
„Mit einer ästhetisch kompetenten, verständnisvollen Haltung der Menschen in und außerhalb von Unternehmen kann Einfluss auf nicht nur ein ansprechenderes, „schöneres“, sondern partizipatives und nachhaltigeres Leben genommen werden. Nun ist es an Forschung und Praxis, besondere Ansprüche an den Einsatz von Kunst zu formulieren, um das Verhältnis mit noch mehr Energie und herausfordernden Ideen aufzuladen. Es geht jetzt darum, dass die Wirtschaft die Herausforderung der Kunst wirklich annimmt.“ (in: Brigitte Biehl-Missal: „Wirtschaftsästhetik: Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“ S.178)
 

Mit Verantwortung Chancen ergreifen

Diese Art von Zusammenarbeit ist ein Ziel. Vielleicht auch eine Vision. Meiner Meinung nach ist sie aber eine absolute Notwendigkeit. Sowohl aus inhaltlicher als auch aus finanzieller Sicht. Der Appell geht an alle Akteure, die Gesellschaft formen und gestalten. Neben dem Erhalt des Kulturguts, dem Aufbau und der Unterstützung neuer Sparten, der Ermöglichung von Raum für künstlerisches Schaffen, dem Drang nach Innovation, geht es vor allen Dingen um eines: Verantwortung. Kultur sowie die weitreichenden Effekte künstlerischen Schaffens können das Bindeglied zwischen allen Akteuren der Gesellschaft sein, die sich ihrer Verantwortung für diese bewusst sind und gemeinsam daran arbeiten, etwas zu verändern, diese zu formen und gestalten. Gerade in Zeiten eines Umbruchs und wenn Debatten aktiv geführt werden, kommt es zur Hinterfragung von Systemen. Kulturschaffende sollten diese Momente daher nicht verschwenden und jammernd auf ihre Daseinsberechtigung pochen, indem sie Akteure aus Politik und Wirtschaft auffordern Engagement zu zeigen. Sie sollten viel mehr frischen Mutes neue Ideen und Lösungen entwickeln und damit sowohl die Kultur- als auch die Wirtschaftslandschaft bereichern.

Über die Autorin

Elisabeth von Helldorff (*1983) hat in Hildesheim Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis und in Växjö (S) und Mérida (Mex) Violoncello studiert. Mit ihrem Team gewann sie 2010 den Gründerwettbewerb „Herausforderung Unternehmertum“ der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung und gründete daraufhin das Büro für Kulturprojekte „Schwarz+Weiss: Kultur | Wirtschaft | Kreative Allianzen“ mit Sitz in Leipzig.

  • [4] Dierks, Birthe, Ein Interview mit zweien, für die sich die Systeme längst entgrenzt haben. Tania Breyer und Frank Lemloh im Gespräch mit Birthe Dierks. In: Breitbach, Helldorff, Mittag, Trollmann (Hrsg.) (2011): Publikation zum Symposium Kulturpolitur – Kultur und Wirtschaft neu denken. Offizielle Veröffentlichung der Publikation 09/2011.