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Kunstvermittlung: Fehler im System?

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Bild: The Irish Museum of Modern Art„; von William Murphy (CC BY-SA 2.0) auf Flickr Am stARTcamp in Münster kam der Vorwurf auf, die Kunstvermittlung sei oft banal und als dann ein paar Tage später Wolfgang Ullrich, Professor für Kunstgeschichte, in der ZEIT „Stoppt die Banalisierung!“ forderte, begann eine ganz interessante Diskussion. Tanja Praske hat die Links dankenswerterweise gesammelt, und stellt gleich eingangs in ihrem Blogbeitrag die Frage, ob die Kunstvermittlung die Schuld an der Banalisierung der Kunst trage? Im Wikipedia-Eintrag kann man nachlesen, dass etwas dann banal ist, wenn es einen durchschnittlichen Ideengehalt aufweist. Wenn ich Kunst banalisiere, dann kann das bedeuten, dass ich mit meiner Vermittlungsarbeit der hohen Qualität der Kunst nicht gerecht werde. Es kann aber auch andersherum sein und eine eher banale Kunst erfährt durch die Vermittlungsarbeit eine Aufwertung. Außerdem besteht noch die Möglichkeit der bewusst inszenierten Banalität, um meine Zielgruppe nicht zu überfordern. Ach ja, es kann ja auch sein, dass die Kunst eine ganz tolle ist und die Vermittlungsarbeit ebenso. Theoretisch kann, aber muss Kulturvermittlung also nicht banal sein und wenn sie banal ist, gibt es dafür verschiedene mögliche Ursachen. Und wie sieht die Praxis aus? Daniel Tyradellis hat vor einem Jahr das Buch „Müde Museen“ (Affiliate Link) veröffentlicht, in dem er den Museen Ideenmangel und fehlenden gedanklichen Tiefgang vorwirft. Für ihn erstarren die Museen in Routine und kümmern sich zuwenig um die Inhalte. Inhalte, auf die die Kunstvermittlung gar keinen Zugriff hat:
„Mangels Zugriff auf den Inhalt wird eine Qualität und Attraktivität auf der Oberfläche angestrebt; hier erst etabliert sich das Verständnis von ‚Vermittlung‘  als methodische und vom konkreten Inhalt weitgehend unabhängige Disziplin“ (Position 653),
schreibt Tyradellis und ist davon überzeugt, dass diese Expertise durchaus Anerkennung in den Museen findet, weil sie das „Terrain der anderen“ nicht bedroht. Dieser Punkt kommt mir bekannt vor. Frank Tentler erklärt den Kultureinrichtungen schon seit Jahren, dass sie im Bereich Social Media gegenüber allen anderen einen großen Vorteil hätten, weil sie über unendlich viele Inhalte verfügen würden. Das sehe ich auch so, allerdings hat die Sache einen Haken: Die Inhalte bleiben bei denen hängen, die für die inhaltliche Konzeption zuständig sind, alle anderen bekommen die Inhalte entweder gar nicht oder viel zu spät. Ob Kunstvermittlung oder Marketing, was in einer Ausstellung zu sehen ist und welche Konzeption dahinter steckt, das bleibt lange ein Geheimnis. Zu lange, genau aus diesem Grund bleibt die Kunstvermittlung an der Oberfläche und ergeht sich in der Verwendung neuer Technologien. Auch ein vernünftiges Contentmarketing bleibt so auf der Strecke. Beide Bereiche sollten eigentlich den Entstehungsprozess begleiten und entsprechend kommunizieren. Derzeit liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf dem fertigen „Produkt“, der Ausstellung. Dabei sind es vor allem die Inhalte, die mich dazu bringen, eine Ausstellung zu besuchen. Inhalte gibt es aber anfangs noch keine, stattdessen wird lieber auf Namen und die große Anzahl an ausgestellten Werken verwiesen. Mich lockt man damit nicht an und vermutlich geht es nicht nur mir so. Wenn wir mal davon ausgehen, dass die Konzeption einer Ausstellung qualitativ hochwertig ist, dann müssen die Inhalte einfach viel früher kommuniziert werden, um neugierig zu machen, um Menschen für das Thema zu gewinnen und vielleicht sogar deren Expertise nutzen zu können. Natürlich sind die Strukturen in den Museen über Jahrzehnte beziehungsweise Jahrhunderte gewachsen. Aber ich denke, es wäre an der Zeit, über ihre Veränderung nachzudenken. Nötig ist es in meinen Augen, das gesamte Haus und darüber hinaus alle, die mit der jeweiligen Ausstellung zu tun haben, am Entstehungsprozess zu beteiligen. Sonst wird der Vorwurf der Banalität nicht zum letzten Mal zu hören gewesen sein.  
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stARTcamp Münster: Sind die Social Media-Aktivitäten im Kunst- und Kulturbereich banal?

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Ich mag Barcamps, weil sie mir viel mehr bringen als klassische Konferenzen. Die Atmosphäre ist viel entspannter, das Programm ist näher am Puls der Zeit, schließlich wird es nicht Monate vorher, sondern erst vor Ort beschlossen und man trifft dort viele bekannte Gesichter. Würde man es negativ ausdrücken wollen, könnte man sagen, es treffen sich dort immer die gleichen Leute, um über die immer gleichen Themen zu sprechen. Der Vorwurf, in einer Blase zu leben, mag zutreffen, allerdings kommt er meist von den Leuten, die das Internet ablehnen, weil virtuelle Kontakte ihrer Ansicht nach nie das reale Miteinander ersetzen können. Das stimmt auch, für mich ist die Kommunikation in den sozialen Netzwerken nicht Ersatz, sondern Ausgangspunkt dafür, Menschen zu treffen, die ich entweder schon länger nicht mehr gesehen habe oder bis jetzt nur virtuell kenne und nun zum ersten Mal sehe. Deshalb mag ich die „Blase“ stARTcamp auch, egal wo es jeweils stattfindet. Am Samstag war es wieder in Münster soweit und mein Dank gilt vorab den OrganisatorInnen Sarah Gossmann, Michelle van der Veen und Jan Graefe für die wunderbare Organisation. Sie können es sich sicher auf die eigene Fahne heften, dass es schon Tage vorher keine Tickets mehr gab. Die Bandbreite der Themen war enorm, wir haben uns überlegt, wie man am besten mit dem Bloggen beginnt, wie Twitter funktioniert, wir haben uns aber auch mit dem Thema Museumsselfies, der Customer Journey oder einer vor Ort präsentierten App beschäftigt. Programm #scms15 So bunt gemischt das Programm auch war und so zufrieden am Ende alle waren, der Vorwurf der Blase ist ernst zu nehmen. Auch wenn in Münster viele zum ersten Mal bei einem stARTcamp dabei waren, dieses Format spricht vor allem die an, die sich bereits mit der Kommunikation im digitalen Raum beschäftigen oder es zumindest vor haben. Im Anschluss an den Impulsvortrag von Christian Gries meinte eine Künstlerin, die vielen über die sozialen Medien initiierten Aktionen wie myRembrandt, #MuseumsWeek oder auch die Tweetups seien banal und würden eh nur immer die gleichen Menschen erreichen. Ich habe mal nachgeschaut, was banal eigentlich bedeutet. Umgangssprachlich verwenden wir dieses Adjektiv klar abwertend und beschreiben laut Wikipedia damit etwas, das einen lediglich durchschnittlichen Ideengehalt aufweist. Weit interessanter ist aber der Satz, mit dem der Wikipedia-Eintrag beginnt:
„Banal (…) bezeichnete im Lehnrecht eine Sache, die der Lehnsherr seinen Vasallen überlässt.“
Versteht man banal so, könnte der Vorwurf gerechtfertigt sein. Die KünstlerInnen überlassen anderen ihre Kunst. Zu interpretieren wäre diese Geste als eine, die von oben herab geschieht. Die Frage ist dann aber, wer dafür verantwortlich ist, dass etwas banal ist? Sind es die, die sich solche Aktionen ausdenken und einfach nicht das entsprechende Niveau schaffen? Oder liegt die „Schuld“ eher bei den KünstlerInnen, die von oben herab werten, was andere unternehmen, um Kunst zu vermitteln? Heraus kommt am Ende eine Situation, in der eine Kunst, die ein Stück weit elitär ist, Probleme damit hat, von ihren „Vasallen“ beworben zu werden. Und das in einem Raum, der eigentlich keine Hierarchien kennt und den Vasallen eine Macht gibt, die sie früher nicht hatten. Noch interessanter wird das Thema, wenn man bedenkt, dass die BesucherInnen eines stARTcamps gar nicht die wirklichen Vasallen sind, sondern Mittler zwischen den KünstlerInnen und dem Publikum. In welche Rolle schlüpfen wir, wenn wir ein Tweetup organisieren? Wie denken eigentlich KünstlerInnen über die Menschen, die sich vor ihren Kunstobjekten in Stellung bringen, ein Selfie schießen und das dann über die sozialen Netzwerke verbreiten? Vielleicht können wir beim nächsten stARTcamp, das am 25. April in München stattfinden wird, diese Fragen noch einmal aufwerfen und versuchen, Antworten darauf zu finden? Und vielleicht fühlen sich auch KünstlerInnen motiviert, mal so ein stARTcamp zu besuchen? Ich denke, die Diskussion könnte spannend werden.
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Wo anfangen? Leadership im Kunst- und Kulturbereich

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Bild: Thought Leadership„; von Ascent Magazine (CC BY-SA 2.0) auf Flickr Wenn ich jetzt behaupte, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man sich mit Facebookaktivitäten als innovativer Vorreiter einer Branche verkaufen konnte, dann erzähle ich damit nichts Neues. Wir haben es mittlerweile mit einer hochkomplexen Materie zu tun und immer häufiger erkennen Kultureinrichtungen, dass eine halbe Praktikantenstelle nicht mehr ausreicht, um den digitalen Raum erfolgreich zu nutzen. Neue Konzepte sind gut, neue Konzepte sind wichtig, aber es braucht auch Strukturen, in denen die neuen Konzepte dann umgesetzt werden. Und es braucht die, die diese neuen Strukturen schaffen. Deshalb interessiert mich zur Zeit das Thema Leadership besonders. Das hat – zugegeben – auch damit zu tun, dass seit drei Tagen das neue Buch von Charlene Li „The Engaged Leader: A Strategy for Your Digital Transformation“ (Affiliate Link) als eBook erhältlich ist. Ich habe es noch nicht gelesen, aber ich habe mal hier im Blog recherchiert, welche Beiträge ich zum Thema Leadership im Kunst- und Kulturbereich verfasst habe. Es ist nicht wirklich viel, erwähnenswert ist eigentlich nur die Rezension von Armin Kleins „Leadership im Kulturbereich“. Darin empfiehlt Klein das „Management by Objectives“ als eine Methode, die den Kulturbetrieben am ehesten den Wandel zur „lernenden Kulturorganisation“ erlaube. Das Buch ist 2009 erschienen, es ist also an der Zeit, sich mal wieder Gedanken zum Thema Leadership zu machen, schließlich betrifft die digitale Transformation, von der Charlene Li spricht, auch den Kunst- und Kulturbereich. Auf der Suche nach einem guten Einstieg bin ich auf das TED-Video von Roselinde Torres gestoßen, in dem sie sich mit der Frage beschäftigt, „What it takes to be a great leader“? In ihrem zehnminütigen Vortrag entwickelt sie drei Fragen, mit deren Hilfe sich Leadership im 21. Jahrhundert, wie sie es nennt, erfassen lässt:
  1. „Where are you looking to anticipate the next change to your business model or your life?“
  2. „What is the diversity measure of your personal and professional stakeholder network?“
  3. „Are you courageous enough to abandon a practice that has made you successful in the past?“
In ihren Folien versucht sie darauf, wenn auch nur kurz, einzugehen:
  Vor allem die erste und die dritte Frage betrachte ich als Herausforderung, denn wo sind sie zu finden, die Innovatoren im Kunst- und Kulturbereich und welche Kulturbetriebe haben die Erfolgspfade der Vergangenheit verlassen? Wo sind sie, die Leader in Kunst und Kultur, die Torres beschreibt als die Männer und Frauen,
„who are preparing themselves not for the comfortable predictability of yesterday but also for the realities of today and all of those unknown possibilities of tomorrow“.
Wo sind sie, die Leader im Kunst- und Kulturbereich, auf die diese Beschreibung zutrifft?
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Über Facebook, die Jugend und die Frage nach der Qualität

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Für viele Kultureinrichtungen ist das Social Web ein Ort, an dem sie glauben, jüngere Menschen erreichen zu können, die Gründe dafür sind bekannt. Gut, die älteren Menschen sind vielleicht gar nicht so alt und gebrechlich, wie wir immer glauben, aber das ist ein anderes Thema. Wie aber erreiche ich Jugend, die 15, 20 oder 25 Jahre alt ist? Auf den Webseiten der Kultureinrichtungen schauen sie selten oder gar nicht vorbei, mit Twitter kennen wir uns selber nicht aus – aber diese Plattform nutzen sie auch gar nicht, wie man so hört – und auf Facebook löschen sie massenhaft ihre Accounts, um in irgendwelchen dubiosen Messengerangeboten wie Snapchat zu verschwinden. Wobei: Ein paar scheinen ja doch noch auf Facebook zu sein, aber für die Facebookseiten der Hochkultur interessieren sie sich eher weniger. Wohl mehr für so etwas:
Das ist Mohamed Sartiane, die FAZ hat ihm vor zwei Tagen unter der Überschrift „Ein Mann legt Dortmund lahm“ sogar einen ganzen Artikel gewidmet. Der junge Mann ist 18 Jahre alt und macht dieses Jahr laut Artikel sein Abitur. Wäre das jetzt nicht jemand, für den sich die Kultureinrichtungen interessieren sollten? Doch halt, nein, der macht ja so komische Videos, so etwas wollen wir nicht. Und mit wir meine ich nicht nur die Kultureinrichtungen, sondern die „Erwachsenen“, deren Kommentare unter dem FAZ-Artikel zeigen, was wir von dieser Jugend halten. Es handelt sich um einen „selbstverliebten Hansel“, dessen Postings sich durch die „Abwesenheit  von Grammatik und fehlender Zeichensetzung“ auszeichnen und der sich die Frage stellen sollte, warum er überhaupt Abitur machen will? Das Problem: Mohamed Sartiane hat das geschafft, was viele Kultureinrichtungen gerne hätten: Viele, viele Fans und jede Menge Interaktion auf seiner Facebookseite. Tritt er wie in diesem Fall in Dortmund auf, muss die Polizei einschreiten, um nicht die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren. Aber Moment, wollen wir wirklich so sein? Schließlich können wir hier schon das Ende unserer Gesellschaft beziehungsweise deren Kultur erahnen und sollten uns jetzt mit der Frage beschäftigen, wie wir sie wieder auf den richtigen Weg bringen?
„Hat die heutige Generation Jugendlicher eigentlich nichts besseres zu tun als in solch eine Einkaufsstraße zu gehen und einen neuen Facebook-Messias zu lobpreisen? Kein Wunder, dass die Generation sich selbst als ‚dumm‘ ansieht, wenn sie nicht über Kunst & Kultur Bescheid weiß“,
schreibt ein Leser, der von „spätpubertären Einfallspinseln“ spricht, die in ihrem Leben nichts schaffen werden. Solche Sätze bekamen wir als Jugendliche vor Jahrzehnten auch schon zu hören, die Welt steht immer noch, belassen wir es dabei. Was aber macht einen achtzehnjährigen Schüler zum Facebookstar, dessen Postings „atemberaubend talentfrei“ seien, wie die Autorin des FAZ-Artikels schreibt. Womit wir bei der Qualität wären, in diesem Fall verstanden als Maßstab für die Güte dessen, worüber wir sprechen. Was zeichnet ihn aus? Er selbst führt seinen Erfolg auf sein Showtalent und die Fähigkeit, die Themen anzusprechen, die seine Generation gerade bewegt, zurück:
„Ich mache immer Videos zu Themen, wo die Menschen sagen können: ‚Das kenn ich auch!'“
wird er zitiert und weist damit etwas vor, das dem Kunst- und Kulturbetrieb zu fehlen scheint: die Menschen ansprechen zu können, sie mitzunehmen. Das auch deshalb, weil es im, so die Autorin, gelänge, „Banales mit vermeintlicher Bedeutung aufzuladen“. Ich würde es nicht so abschätzig formulieren, sondern eher von einer Kunst sprechen, Bilder aus unserem alltäglichen Leben zu verwenden und sie mit einer Bedeutung aufzuladen, die sie ursprünglich gar nicht haben. Politik und Werbung machen uns das  tagtäglich vor, insofern könnte man jetzt auch sagen, Sartiane hat sich als gelehriger Schüler erwiesen. Showtalent, ein Gespür für die Themen und die (Bilder)-Sprache, das zeichnet ihn aus und macht ihn zum Star. Unterstützt wird er durch Selbstaufschaukelungsprozesse, die im digitalen Raum besonders gut funktionieren. Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder ziehen wir uns beleidigt zurück, beklagen den allgemeinen Werte- und Qualitätsverlust und erinnern uns wehmütig an längst vergangene Zeiten, in denen die Welt noch in Ordnung war. Das wirkt wenig glaubhaft, wurde nicht ähnlich argumentiert, als da plötzlich junge Menschen mit langen Haaren auf die Bühne drängten und begannen, laute Musik zu spielen. Wobei dann gleich die Frage folgte, ob das denn überhaupt Musik sei? Oder wir schauen uns mal genauer an, welche Themen Mohamed Satiane in seinen Videos anspricht und wie er es schafft, so viele Menschen damit zu erreichen. Eigentlich sind das genau die beiden Punkte, wo die meisten Kultureinrichtungen nicht weiterwissen. Wie wäre es denn, ihn mal einzuladen und mit ihm genau darüber zu sprechen? Vielleicht können Kunst und Kultur von ihm lernen? Und dann können wir immer noch darüber diskutieren, was Qualität ist und was nicht. Vielleicht ist er für die Hochkultur ja noch nicht verloren? ;-)
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2015: Alles wächst zusammen

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Bild: Anonymous„; von Thomas Leth-Olsen (CC BY-SA 2.0) auf Flickr Ich hoffe, Sie haben alle ein paar erholsame Tage genießen können und sich bereits ein wenig an das Jahr 2015 gewöhnt, für das ich Ihnen alles Gute wünsche. Wie in den letzten Jahren nutze ich auch diesen Jahresbeginn dazu, aus meiner Sicht das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und gleichzeitig einen Blick in die Zukunft zu werfen. 2014, das war bezogen auf meinen Arbeitsbereich ein Übergangsjahr. Altes funktioniert nicht mehr so recht, neue Entwicklungen kündigen sich an. Da ist zum Beispiel das Thema Crowdfunding. Von vielen Kulturbetrieben und KünstlerInnen wird es mittlerweile ganz selbstverständlich als ein Instrument genutzt, um die eigene Arbeit zu finanzieren. Wer zum Beispiel einen Blick auf die Statistiken wirft, die Kickstarter für das gerade zu Ende gegangene Jahr veröffentlicht hat, sieht, dass es hier mittlerweile um beachtliche Summen geht. Aber Crowdfunding ist nicht einfach nur ein neues Instrument, um Kunst und Kultur zu finanzieren, sondern weit mehr. Auf der Crowdfundigplattform wemakeit startet heute „Swisscom Music Booster„, eine Kampagne, die sich an Musiktalente in der Schweiz richtet und Sponsoring und Crowdfunding verbindet. Die Plattform Indiegogo hat vor kurzem das Pilotprogramm „Forever Funding“ gestartet, das ProjektinitiatorInnen die Möglichkeit gibt, Kampagnen über deren Ende hinaus weiterlaufen zu lassen (siehe dazu meinen Beitrag: „Crowdfunding in 11 Schritten (Teil IV)„). Auf diese Weise wachsen die Bereiche Finanzierung und Marketing weiter zusammen. Fundraising, Marketing und Finanzierung, eine strikte Trennung dieser – und anderer – Bereiche macht vielleicht schon bald keinen Sinn mehr? Intensiv habe ich mich im letzten Jahr auch mit den digitalen Erlebnisräumen beschäftigt. Die Entwicklung des mobilen Webs hat dazu geführt, dass Orte über den Raum „als Ausdehnung in Höhe, Länge und Breite“ (Wikipedia) hinaus eine virtuelle Erweiterung erfahren. Dieser virtuelle Raum kann von den „BesitzerInnen“ genutzt werden, um Informationen oder Unterhaltungsangebote zur Verfügung zu stellen, er lässt sich aber darüber hinaus auch in Form eines öffentlich zugänglichen WLANs den KundInnen, BesucherInnen, Gästen, etc. zur Verfügung stellen, damit sie über das vor Ort Erlebte berichten können. Ob es sich bei diesen Orten um die Präsenz einer oder mehrerer Kultureinrichtungen handelt oder auch ganz Städte, spielt grundsätzlich keine Rolle. Im Sinne der Customer Experience und aus dem Wissen heraus, dass sich Kultureinrichtungen vor allem aus finanziellen Gründen schwer tun, einen digitalen Erlebnisraum aufzubauen, plädiere ich für Kooperationen. Ob es sich um eine Kooperation von Kultureinrichtungen handelt oder eine Mischung aus Kunst, Kultur und Wirtschaft, hängt von den jeweiligen Zielen und Zielgruppen ab. Für die Stadt Bregenz habe ich zusammen mit Nadja Bauer, Frank Tentler und Martin Adam ein Konzept entwickelt, das Kunst, Kultur und Tourismus verbindet und dieses Jahr – hoffentlich – realisiert wird. #connect habe ich im letzten Jahr als Motto gewählt. Was für mich vor einem Jahr noch nicht greifbar war, gewinnt so langsam an Kontur. Klar ist, wir reden heute nicht mehr über Facebook und die Frage, ob wir zwei oder drei Postings pro Tag veröffentlichen, sondern von einem kulturellen Wandel, der durch die technologischen Entwicklungen ausgelöst oder verstärkt wird. Charlene Li und Brian Solis haben das in ihrem kleinen eBook „The Seven Success Factors of Social Business Strategy“ (Affiliate Link) recht anschaulich beschrieben (siehe dazu: „Und es geht weiter: von Social Media zum Social Business„) und darauf hingewiesen, dass es nicht um Tools, sondern um Werte, Haltungen und Weltanschauungen geht. Natürlich hat das Auswirkungen auf das Management von Kulturbetrieben. Themen wie Personalentwicklung oder Mitarbeiterführung dürfen keine Fremdworte im Kunst- und Kulturbereich bleiben, die Auswirkungen auf das Kulturmanagement liegen auf der Hand. Daraus ergeben sich für mich drei Themenschwerpunkte, mit denen ich mich 2015 beschäftigen werde:
  • Crowdfunding als Treiber für eine Annäherung der Bereiche Marketing und Fundraising,
  • Digitale Erlebnisräume als die Erweiterung von Räumen und Ausgangspunkt für Contentstrategien
  • Social Business als Motor für die Entwicklung der Unternehmenskultur in den Kulturbetrieben
Natürlich würde #connect auch dieses Jahr wieder als Motto passen. Aber ich denke, je konkreter ich bin, desto kleiner ist die Gefahr, mich irgendwo in den Themen zu verlieren. Nach und nach, so hoffe ich, werden sich diese drei Bereiche einander annähern und zu einem Strang zusammenlaufen.
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stARTcamp Wien: „Social Media and the Death of Passion?“

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Eigentlich wollte ich diesen Beitrag über das stARTcamp Wien schon vor Tagen geschrieben haben, aber ich wusste nicht so recht, was ich schreiben sollte. Was daran lag, dass ich mir schwer tat, das stARTcamp einzuschätzen. Irgendetwas hat mir gefehlt und ich wusste nicht so recht, was es eigentlich war. Monika Meurer hat in ihrem Blogbeitrag „Das stARTcamp Vienna 2014“ die Frage gestellt, ob es sich dabei überhaupt um ein Barcamp handelt? Listet man die Kriterien auf, die ein Barcamp ausmacht, dann kommt man nicht umhin, die Veranstaltung als solche zu bezeichnen, daran führt kein Weg vorbei. Aber ihre Kritikpunkte, etwa, dass es keine Tweets über die Inhalte der einzelnen Sessions gab oder statt des Austauschs von Wissen, sprich Diskussionen, vor allem Frontalvorträge angeboten wurden, sind nicht ganz unberechtigt. Auf der anderen Seite möchte ich niemandem vorschreiben, wie er oder sie die Session gestaltet, insofern tue ich mir mit der Kritik auch wieder schwer. Auch was den Kritikpunkt betrifft, Barcamps sollten grundsätzlich kostenlos sein. Natürlich ist es toll, wenn ich etwas kostenlos anbieten kann. Auf der anderen Seite ist es aber leider auch so, dass Dinge, die kostenlos abgegeben werden, nicht die Wertschätzung erfahren, die sie eigentlich verdient hätten. Aufgegangen ist mir der Knopf beim Lesen eines Artikels von Shellie Karabell. In „Big Data And The End of Passion“ beschäftigt sie sich mit der Frage, was uns in unserer Arbeit eigentlich antreibt? Immer größere werdende Datenmengen, aus denen wir dann die hoffentlich richtigen Rückschlüsse ziehen, oder die Leidenschaft, ein Ziel erreichen zu wollen? Leidenschaft? Vielleicht ist es das? Es herrschte keine Aufbruchstimmung beim stARTcamp, sondern eine eher sachlich-nüchterne Atmosphäre. Was aber auch verständlich ist. Wir müssen uns nicht mehr voller Leidenschaft in den Kampf werfen, um den Sinn und Zweck von Social Media zu erklären. Es gibt mittlerweile in (fast) allen mittleren und größeren Kulturbetrieben MitarbeiterInnen, die sich damit beschäftigen, fast alle haben zumindest eine Facebookseite. Social Media ist im Kunst- und Kulturbereich angekommen, jetzt geht es um die Frage, welche Ziele wir damit erreichen wollen und welche Wege wir dabei wählen. #scvie Aber nicht nur die Frage nach dem richtigen Weg blenden wir gerne aus, oft fehlt es auch an den Zielen. Ziele, Strategien, da geht es meist um Zahlen und um Daten, aus denen wir Rückschlüsse ziehen können, um uns dann über die passenden Instrumente zu unterhalten. Auf dem stARTcamp ging es oft um diese Instrumente, um Apps oder iBeacons, aber eben auch um die Frage, wie Kultureinrichtungen Twitter nutzen können oder um die richtige Social Media-Strategie. An dieser Stelle hätte ich jetzt gerne auf entsprechende Blogbeiträge oder Folien verlinkt, aber die gab es dieses Jahr nur ganz vereinzelt. Auch da kann ich mich an der eigenen Nase fassen, denn ich hatte keine Folien. Eigentlich, um den gefürchteten Frontalvortrag zu vermeiden, aber so ohne Folie ist es auch nicht optimal. Für das nächste Mal gelobe ich Besserung. Wäre er nicht verhindert gewesen, hätte uns Wolfgang Gumpelmaier im Essl-Museum eine schöne Geschichte erzählen können über das, was auf Barcamps alles möglich ist. Während er beim letzten stARTcamp Wien eine Session über Crowdfunding hielt, erzählte Teglasy Gergely in einer anderen Session über Zwirbler, den ersten Facebookroman der Welt.  Die beiden kamen ins Gespräch und herausgekommen ist eine gerade erfolgreich abgeschlossene Crowdfundingkampagne, um Zwirbler auch in Buchform und als Klopapier anbieten zu können. In dieser Kampagne steckte genau die Leidenschaft, die ich letzte Woche vermisst habe. Natürlich sind die Daten wichtig, um sich weiter entwickeln zu können, um feststellen zu können, ob etwas funktioniert oder nicht. Um herauszufinden, wer sich wofür interessiert und dann die passenden Angebote zu entwickeln. Social Media braucht beides, Daten und Leidenschaft. Das eine ohne das andere, das wird nicht funktionieren. Vielleicht ist uns die Leidenschaft auf dem Weg zum Erfolg im Social Web etwas abhanden gekommen? Vielleicht ging es beim stARTcamp zu sehr um Daten und nicht um die Leidenschaft? Vielleicht müssen wir die Leidenschaft wieder mehr in den Vordergrund stellen. Eine Strategie kann noch so gut und ausgetüftelt sein. Wenn es an Leidenschaft und am Spaß an der Kommunikation fehlt, dann ist der Erfolg in Gefahr. Und damit das nicht verloren geht, notiere ich mir das gleich als das Motto für das nächste stARTcamp Wien: „Social Media: mit Spaß und Leidenschaft“ ;-)  
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Von Sonne, Social Media und stARTcamps

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Eines steht fest, der Wettergott ist ein stARTcamp-Fan. Nachdem schon in Münster das Wetter super war, gab es auch gestern in München nichts zu meckern. Sonne pur, so macht es Spaß, vor allem bei solchen Dachterassen. Vielleicht hätte ich noch länger bleiben sollen, denn hier in Wien regnet es Bindfäden, während mir Twitter verrät, dass es in der bayerischen Landeshauptstadt immer noch schön ist. Wettermäßig kann es also auf alle Fälle so weiter gehen, am 14./15. Juni steht das stARTcamp RuhrYork in Dortmund auf dem Programm. Was die Inhalte betrifft, weiß ich, dass es wieder ein spannendes Programm geben wird, denn interessanterweise unterscheiden sich die Inhalte von stARTcamp zu stARTcamp gar nicht so sehr. Crowdfunding ist eines der Themen, die im Kunst- und Kulturbereich auf riesengroßes Interesse stoßen. Während in Münster Steffen Peschel erklärte, worauf es bei dieser neuen Form der Kulturfinanzierung ankommt, berichtete gestern Anke von Heyl von ihren Erfahrungen mit einem auf diesem Weg erfolgreich finanzierten Projekt. Crowdfunding, das ist für mich ohne Social Media gar nicht möglich, deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass der erste und wichtigste Schritt im Aufbau eines eigenen Netzwerks besteht. Wem erst mit dem Beginn der Crowdfundingkampagne einfällt, sich Leute zu suchen, die sich dafür interessieren könnten, ist spät dran und wird vermutlich Schwierigkeiten bekommen, die Zielsumme zu erreichen. Crowdfunding, das ist für mich auch ein Beispiel dafür, dass wir zwar jetzt fast alle im Social Web sind, zumindest auf Facebook. Aber da sein genügt nicht, jetzt geht es um die Frage, was wir dort machen, welche Ideen uns dazu einfallen, um diejenigen zu erreichen, die sich für Kunst und Kultur interessieren könnten beziehungsweise sich schon  dafür begeistern. Eröffnung #scmuc14 Das war auch der Tenor der Worte von Christian Gries, der die Kultureinrichtungen in seiner Eröffnungsrede dazu aufforderte, mehr Mut zu zeigen im Umgang mit dem Social Web. Wie so etwas aussehen kann, zeigte Vivi D’Angelo am Beispiel von „Invasioni Digitali“, einer aus Italien kommenden Idee, die einige Ähnlichkeiten mit den mittlerweile bekannten Tweetups aufweist. In einem Beitrag auf dem Blog der Kulturkonsorten hat sie nicht nur beschrieben, wie solche Aktionen ablaufen, sondern auch gleich von den eigenen Aktivitäten berichtet. Auch hier handelt es sich um den Versuch, nicht einfach nur über die verschiedenen Social Media-Kanäle auf eigene Veranstaltungen oder Angebote hinzuweisen, sondern online und offline miteinander zu verbinden, den nächsten Schritt zu tun. Aber wer sich die Sessionpläne anschaut, erkennt recht schnell, dass es trotzdem noch um die diversen Social Media-Kanäle geht. Foursquare, Twitter, Facebook oder Blogs, sie alle entwickeln sich weiter und stellen uns vor neue Herausforderungen. Für mich war besonders die gestrige Facebook-Session interessant. Wie sollen Kultureinrichtungen darauf reagieren, dass Facebook am Algorithmus „geschraubt“ hat und die Sichtbarkeit der Postings auf den seiten stark nachgelassen hat? Macht es Sinn, auf gesponserte Beiträge zu setzen und dafür zu zahlen? Oder gibt es andere Möglichkeiten, wieder präsenter zu sein? Die Fragen lassen sich gar nicht so einfach beantworten, denn nicht jede Kultureinrichtung kann so wie ich ohne große Probleme über  ein Profil kommunizieren, mit dem vieles doch viel leichter geht. Warum auch sollten die MitarbeiterInnen ihre persönlichen Profile, die sie sonst nur privat nutzen, plötzlich ihrem Arbeitgeber zur Verfügung stellen? Da ist es dann auch nicht so ganz einfach, die Fans dazu zu bewegen, über die Veranstaltungen zu sprechen und so in den Newsfeeds der Fans aufzuscheinen. Alke Müller-Wendlandt vom Literaturhaus München, die die Session auch geleitet hat, erzählte, dass sie das über die Veranstaltungseinladungen ganz gut hinbekommt. Nur müsse sie auswählen, denn das Haus habe zu viele Veranstaltungen, um alle auf diese Weise bewerben zu können, ergänzte sie. Klar war ich auch bei Tanja Praske und ihrer Session zum Thema Bloggen dabei. Wer ein Blog als zentrale Anlaufstelle hat, wird sich zwar über die Änderungen auf Facebook nicht unbedingt freuen. Aber zumindest ist er oder sie auf alle Fälle ein ganzes Stück weit unabhängig von den diversen Netzwerken. Tanja lieferte viele Argumente für ein Blog und erklärte auch kurz worauf es beim Bloggen ankommt. Damit traf sie wohl auch den Nerv der Zeit, denn immer mehr Kultureinrichtungen spielen mit dem Gedanken, ein Blog einzurichten oder haben bereits damit begonnen. Einige Argumente, die dafür sprechen, habe ich vor einiger Zeit in meinem Beitrag „Warum ein Blog so wertvoll ist“ zusammengefasst. Session Frank Tentler Und dann gab es da noch Frank Tentler, der kurzer Hand aus den SessionteilnehmerInnen sein eigenes Team für das „Projekt Wunderland“ machte. Wer ein Produkt anbietet, das alle brauchen, der hat es leicht, meinte er. Was aber ist mit den Kultureinrichtungen, die so etwas nicht anbieten können? Wie müssen die „Rabbit Holes“ aussehen, die wir aus der Geschichte von Alice im Wunderland“ kennen? Es war eine kurzweilige und lehrreiche Einführung in das Thema Gamification. Die Verwendung von Spieldesign-Elementen im nichtspielerischen Kontext, damit werden sich Kulturbetriebe demnächst noch des öfteren beschäftigen. Beschäftigen müssen, meinte Frank Tentler am Ende, denn sehr viel Alternativen gebe es nicht, so seine Überzeugung. Und dann war der Tag schon wieder fast rum. Leider. Wenn ich hier nicht minutiös über alle anderen Sessions berichtet habe, dann liegt das daran, dass ich mich mit vielen anderen TeilnehmerInnen des stARTcamps unterhalten habe. Viele kenne ich schon seit Jahren und freue mich, wenn wir uns wiedersehen. Andere habe ich zum ersten Mal kennengelernt und freue mich, sie das nächste Mal – hoffentlich – wiedersehen zu dürfen. Der Networkingaspekt ist für mich beim Barcampformat ein ganz wesentlicher (Erfolgs)-Faktor. Die Mischung macht’s könnte man auch sagen und nachdem mir die sehr gut gefällt, werde ich natürlich auch Mitte Juni beim stARTcamp RuhrYork dabei sein. Flug und Hotel sind schon gebucht. ;-)
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Virtuelle Museen: Alternative oder Ergänzung?

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Vorweg: Man möge es mir bitte nachsehen, wenn ich in den letzten zwei Monaten kaum zum Bloggen gekommen bin. Das soll sich ab sofort wieder ändern. Das Museum im Internet, es gibt wohl wenige Dinge, vor denen sich die Museumsverantwortlichen mehr gefürchtet haben. Vielleicht erinnern Sie sich noch, als die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein virtuelles Abbild ihrer Galerie in Second Life einrichteten. Aber dieses Angebot wurde kaum angenommen und so war es folgerichtig, dass 2011 das Ende der virtuellen Dependance angekündigt und die Pforten geschlossen wurden. Im gleichen Jahr ging Google Art Project an den Start, mit dem der Internetkonzern die Kunst dieser Welt in bestechender Qualität auf unsere Bildschirme brachte. Christian Gries bemängelte noch im letzten Jahr die Zurückhaltung der deutschen Museen bei diesem Vorhaben, heute sind es schon etliche mehr. Macht Google damit den Museen Konkurrenz, fragte Delia Marshall vor wenigen Tagen in einem Blogbeitrag und kommt zu dem Ergebnis, dass dieses Projekt, auch wenn die Qualität beeindruckend ist, immer nur als Ergänzung des Museumsbesuchs vor Ort angesehen werden kann. Auch in Münster geht es um Ergänzungen, allerdings auf etwas andere Weise. Da das LWL-Museum für Kunst und Kultur wegen Um- und Neubauarbeiten derzeit geschlossen ist (siehe dazu den Blogbeitrag von Claudia Wagner), hat man sich dazu entschlossen, die rund zwei Jahre Bauzeit mit einem virtuellen Museum zu überbrücken. Was macht so ein Museum, was kann so ein Museum, um diese und andere Fragen ging es bei einem Bloggertreffen, zu dem die Projektverantwortliche von Museum 24/7, Michelle van der Veen am Vortag des stARTcamps in Münster (dazu plane ich noch einen eigenen Beitrag) eingeladen hatte. Mich hat das Thema an die Veranstaltung der internationalen Jugendbibliothek in München erinnert, bei der wir einen Tag lang über “Literaturausstellungen im virtuellen Raum” diskutiert haben. Wer sich das Museum 24/7 anschauen möchte, installiert ein Plugin und schon kann es losgehen. Zwar wird im Folder darauf hingewiesen, dass es sich hier nicht um eine originalgetreue Kopie des Museums handelt, aber einige prägnante Merkmale des Neubaus wurden bewusst übernommen. Ein virtuelles Museum ist eine ziemliche Herausforderung, denn die Erwartungen der UserInnen können sehr unterschiedlich ausfallen. Ich persönlich bin im Netz eher auf der Suche nach Informationen, wenn es um KünstlerInnen oder Ausstellungen geht. Oder nach Fotos. Aber einen virtuellen Raum benötige ich dafür nicht unbedingt. Der ist in meinen Augen dann interessant, wenn es die Möglichkeit gibt, mit anderen UserInnen oder ExpertInnen zusammen zu treffen (Man kann aber auch einen Schritt weiter gehen, siehe dazu mein Blogpost „Partizipation: Wie das Publikum in das eigene Projekt einbinden?„). Genau so etwas bietet das Museum 24/7 an und zwar in Form eines Text- oder Voicechat. Eine gute Idee, allerdings hatte ich bis jetzt immer das Problem, alleine in diesem virtuellen Raum zu sein. Da macht der Chat dann nur halb so viel Spaß. ;-) Aber das Museum bietet auch virtuelle Führungen an, da ist so ein Chat dann natürlich eine feine Sache. Partizipative Ansätze sind das Um und Auf, nicht nur bei virtuellen Ausstellungen. Auch in den Ausstellungsräumen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Second Life war ich grundsätzlich alleine. Und irgendwann hat man dann aufgegeben. Die Frage ist, was man mit diesem virtuellen Raum überhaupt für Ziele erreichen möchte? Ich vermute, Google geht es mit seinem Projekt um etwas ganz anderes wie beispielsweise dem LWL-Museum. Spannend wäre jetzt die Frage, wem es dabei eher um Marketing geht: Google oder dem Museum? Ich kenne die Antwort nicht, könnte mir aber vorstellen, dass Museen, die sich virtuell präsentieren, den Marketinggedanken schon im Kopf haben. Zumindest im Hinterkopf. Aber vermutlich hat das Google auch, aber anders. Dass es dem LWL-Museum schon um Information geht, sieht man, wenn man sich durch die zehn virtuellen Ausstellungsräume bewegt, denn neben den Kunstwerken befindet sich ein Button, über den man dann an das Infomaterial kommt. Museum 24/7 Interessant wäre es herauszufinden, warum die UserInnen eigentlich so ein Museum besuchen? Ich habe im Netz nach Informationen darüber gesucht, bin aber leider nicht fündig geworden. Aber die Motive, so eine Seite zu besuchen, würden mich schon interessieren. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich hauptsächlich die Suche nach Informationen ist? Ein Ergebnis bei der Veranstaltung in München war, dass man die UserInnen vor allem emotional ansprechen muss. Wären sie nur auf Informationssuche, könnte man sich das, so denke ich, sparen. Klar ist aber auch, dass viel davon abhängt, welche Ziele mit so einem virtuellen Museum verfolgt werden. Die Diskussion beim Bloggertreffen war spannend, aber klare Antworten haben wir nicht gefunden (siehe dazu das Blogpost von Michelle van der Veen „Virtuelle Museen beim Bloggertreffen„). Nun gibt es eine zweite Gelegenheit, über das Thema virtuelle Museen zu diskutieren. Michelle van der Veen wird nämlich beim nächsten Treffpunkt KulturManagement zu Gast sein. Stattfinden wird er schon am kommenden Mittwoch, also am 23. April, wie gewohnt von 9 bis 10 Uhr und natürlich sind wieder alle herzlich dazu eingeladen.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 23. April, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 23. April dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden. Hier noch einmal die wichtigsten Infos: Treffpunkt KulturManagement Termin: 23.04.2014 von 09:00 bis 10:00 Thema: Das virtuelle Museum Gast: Michelle van der Veen (hier geht es zu ihrem neuen Blog MuseumsGlück)
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44. Treffpunkt KulturManagement: Willkommen auf dem Social Dance Floor

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Bild: LED Dance Floor„; von James Nash (CC BY-SA 2.0) auf Flickr Ich vergleiche ganz gerne das, was da im Social Web passiert, mit einer Party. Dort werden keine Produkte und Dienstleistungen verkauft, sondern im Vordergrund stehen persönliche Gespräche. Aus diesem Grund gefällt mir auch der Blogbeitrag „Welcome to the Social Dance Floor“ von Celine Schillinger, denn sie greift diese Metapher ebenfalls auf und erklärt, dass es nicht nur auf die Tanzschritte, sondern auch auf das eigene Verhalten ankommt, um auf der Tanzfläche anzukommen. Überträgt man das auf das eigene Geschäft, brauche es für erfolgreiches Social Business, so Schillinger, nicht nur Social Media Marketing und gute Kundenbeziehungen, sondern auch die entsprechende Unternehmenskultur, denn
„social success doesn’t rely as much on the mastery of specific tools or techniques, as it does with mindsets and social skills“.
Social Business ist mehr als die Facebookseite oder der Twitteraccount. Schillinger listet recht schön auf, was es braucht, um am „social dance floor“ erfolgreich zu sein. Und worauf müssen Kultureinrichtungen achten? Darum geht es im nächsten Treffpunkt KulturManagement, bei dem am 12. März 2014 von 9 bis 10 Uhr Christoph Deeg zu Gast ist. Er beschäftigt sich mit dem Wechselspiel externer Social Media-Aktivitäten und einer sich im Wandel befindenden Unternehmenskultur, die unter anderem auf die Personalführung von Kulturbetrieben Auswirkungen hat. Was das für das Kulturmanagement und die Führung von Kulturbetrieben bedeutet, wird Deeg, der als Social Media-Berater arbeitet und vor kurzem in Berlin die Social Media Academy gegründet hat, in seinem Impulsvortrag erklären.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 12. März, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 12. März dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden. Hier noch einmal die wichtigsten Infos: Treffpunkt KulturManagement Termin: 12.03.2014 von 09:00 bis 10:00 Thema: Wie Social Media als Management-Funktion das Kulturmanagement verändern kann Gast: Christoph Deeg
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„Creative Europe“: Der Künstler als Entrepreneur

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Bild: Money…What Money„; von stuartpilbrow (CC BY-SA 2.0) auf Flickr Wenn in der Vergangenheit ein neues EU-Kulturförderprogramm auf den Weg gebracht wurde, änderte sich meist nur der Name. Mit dem neuen Programm „Creative Europe“ ist das anders. Ich denke, wir können durchaus von einem Paradigmenwechsel sprechen, die leeren Taschen werden unter ganz anderen Voraussetzungen gefüllt als früher. Überraschend kommt die kommerzielle Ausrichtung der Kulturförderung allerdings nicht, Jeremy Rifkin hat diese Entwicklung in seinem Buch „Access“ bereits vorweggenommen, in dem er von einer „neuen Ära des kulturellen Kapitalismus“ spricht, in der wir kulturelle Ressourcen in „Erlebnisse und Vergnügungen (verwandeln), die käuflich zu erwerben sind“.
„Stand die Kultur unserer bisherigen Erfahrung nach ‚über‘ dem Markt, (…) wird sie nun auch in die Sphäre der Ökonomie gezogen.“ (Jeremy Rifkin: Access, S.184)
In eine ähnliche Richtung geht Gernot Wolfram, der gemeinsam mit Raphaela Henze das Buch „Exporting Culture“ herausgegeben hat und in seinem darin enthaltenen Beitrag „The Weak and the Strong Term „European Arts Project‘ – Potential and Lack of Self Consciousness within Cultural Structures on the Continent“ erklärt, warum die Europäische Union nun nicht mehr nur Kunst und Kultur fördert, sondern auf die Kreativwirtschaft setzt. Kreativität ist zum Bindeglied zwischen zwei Bereichen geworden, Wirtschaft und Kultur. Dahinter steckt der Wunsch, die Kreativität der wirtschaftlich agierenden Unternehmen auf die Kunst zu übertragen und die Künstler dazu zu bringen, sich mit dem wirtschaftlichen Potenzial ihrer künstlerischen Ideen zu beschäftigen. Am Ende fließen die dann in wirtschaftliche ausgerichtete Produktionen, von den dabei entstehenden Innovationen profitiert dann wiederum die Wirtschaft. Für Wolfram, der Professor für Kultur- und Eventmanagement in Berlin ist, eine paradoxe Situation, denn auf der einen Seite nutzen Wirtschaft und Politik das Vokabular aus dem Kunst- und Kulturbereich, um neue produktive und effiziente Ansätze zu entwickeln und so die Wirtschaft anzukurbeln. Auf der anderen Seite verliert die künstlerische Tätigkeit an Relevanz, der Künstler wird zum Unternehmer. Es erscheint nachvollziehbar, dass in der Logik von „Creative Europe“ der wirtschaftliche Erfolg höher bewertet wird als künstlerische und ästhetische Aspekte. Der Begriff der Kreativität bekommt eine ganz andere, im Rahmen des Förderprogramms politische Bedeutung, dient er doch nun dazu, zwischen wirtschaftlich erfolgreichen und erfolglosen Vorhaben zu unterscheiden. Damit einher geht die von Rifkin schon angekündigte Kommerzialisierung  kultureller Bereiche, in dem nicht die klassischen Stätten der Hochkultur, sondern die Unternehmen der Kreativwirtschaft an Bedeutung gewinnen, weil sie die Events und emotionalen Erlebnisse anbieten, für die wir uns als Konsumenten mehr interessieren als für die „anstrengende“ Kunst. Die Frage ist, wie wir als Gesellschaft auf diese Entwicklung reagieren? Vertrauen wir den Kräften des Marktes und den Wünschen der Kunden, wie es in den USA Praxis ist oder soll die Kulturpolitik die „anstrengende“ Kunst unterstützen, weil wir der Überzeugung sind, dass diese einen Wert für uns hat?  Die vielen Förderprogramme beweisen, dass wir uns bis jetzt eher für die zweite Variante entschieden haben. Stiftungen und Kulturpolitik verstanden sich, so schreibt Wolfram, bis jetzt als Partner der Kunst und nicht als Mittler zwischen Kunden und marktrelevanten Produkten.

Treffpunkt KulturManagement: der Künstler als Entrepreneur

Vermutlich werden wir die Entwicklungen der Vergangenheit nicht rückgängig machen, deshalb geht es für Wolfram nicht um ein entweder oder, sondern um ein sowohl als auch. Seiner Meinung nach müssen wir vor allem zwischen der kommerziellen und der nicht-kommerziellen Kunst unterscheiden. War es bis jetzt die Kulturpolitik, die für letzteren Bereich für entsprechende Freiräume gesorgt hat, sieht Wolfram die Künstler nun selbst in der Pflicht, das neue Förderprogramm kann sie dabei unterstützen. Welche Wege Künstler dabei gehen müssen und wie ihnen „Creative Europe“ dabei hilft, das erklärt Wolfram im nächsten Treffpunkt KulturManagement, der unter der Überschrift „Der Künstler als Entrepreneur“ am 5. Februar von 9 bis 10 Uhr stattfindet. Sie sind wie immer herzlich eingeladen, die Teilnahme daran ist kostenlos. Für den Treffpunkt KulturManagement, das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference, benötigen Sie keine Software. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 5. Februar, um 9 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Hier noch einmal die wichtigsten Infos: Treffpunkt KulturManagement Termin: 05.02.2014 von 09:00 bis 10:00 Thema: Der Künstler als Entrepreneur Impulsgeber: Gernot Wolfram Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement