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stARTcamp Wien
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Was ist ein stARTcamp und warum sollten Sie dabei sein?

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Jetzt sind es nur noch 11 Tage bis zum stARTcamp Wien. Nach den vielen Feiertagen möchte ich jetzt noch einmal ordentlich die Werbetrommel rühren, denn bis jetzt haben viele, so mein Eindruck, noch gar nicht mitbekommen, dass es am 15. Juni wieder soweit ist. Wie aber bewirbt man eigentlich ein stARTcamp? Was ist das überhaupt und warum sollte man dorthin gehen?

Die wichtigsten Informationen habe ich ja bereits vor einiger Zeit in einem eigenen Blogbeitrag gepostet. Ein Facebookevent ist erstellt und über die Twitterkanäle informiere ich auch immer wieder. In Rückmeldungen taucht immer wieder die Frage auf, was denn ein stARTcamp eigentlich sei. Den Namen haben wir in Anlehnung an die stARTconference gewählt, eigentlich versteckt sich hinter dem stARTcamp ein Barcamp. Während bei einer Konferenz im Vorfeld ein Programm zusammengestellt wird, mit dem die Veranstaltung beworben wird, ist das bei einem Barcamp nicht der Fall. Wikipedia beschreibt dieses Format als „eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden“.

Was ist ein stARTcamp?

Im Unterschied zu einer Konferenz steht bei einem stARTcamp, das nach dem Barcamp-Prinzipien funktioniert, das Programm also nicht von Anfang an fest. Würde ein stARTcamp nach den Regeln einer klassischen Konferenz – eine SprecherIn, viele ZuhörerInnen – funktionieren, wäre der Einwand, man kauft die Katze im Sack, zutreffend: Ich kaufe ein Ticket, weiß aber noch nicht, wer zu welchen Themen etwas erzählen wird und hoffe, dass mich das dann interessiert. So ein Wagnis gehen wohl die wenigsten von uns ein.

Aber ein stARTcamp funktioniert eben nicht wie eine Konferenz. Ich bin nicht Konsument, sondern ein ganz entscheidender Teil dieses Formats. Wenn ich nur darauf warte, was dabei herauskommt, dann bin ich davon abhängig, was andere anbieten. Das finde ich, wenn überhaupt, heraus, indem ich auf die Liste der Sessionvorschläge schaue, die meist im Vorfeld veröffentlicht werden. Ich habe die Liste für das #scvie18 heute erstellt und meinen Sessionvorschlag dort eingetragen. In dieser Liste können Sie sehen, wer welche Themenvorschläge gemacht hat und danach entscheiden, ob Sie die Veranstaltung interessiert oder nicht.

Aber so ganz optimal ist diese Idee nicht, denn dann müssten Sie warten, bis wirklich alle, die eine Session gestalten möchten, ihren Themenvorschlag auf die Liste setzen. Das passiert aber eigentlich nie. Viele Themenvorschläge erfolgen erst in der Eröffnungssession. Wenn Sie so vorgehen, werden Barcamps für Sie schnell zur Enttäuschung. Oder Sie gehen nie zu einem hin. ;-)

Warum stARTcamps auch heute noch so wichtig sind

Sie können aber auch Ihre Erwartungshaltung verändern und genau das wäre auch mein Wunsch für dieses stARTcamp. Getreu dem Motto „Engage your audience“ glaube ich, dass der Erfolg eines Barcamps davon abhängt, wie aktiv die TeilnehmerInnen sind. Es ist, wie gesagt, keine Konferenz, sondern ein partizipativeres Format. Eben weil das klassische Konferenzformat schnell ermüdend wirkt, wurden die Barcamps erfunden. Sie leben von der Bereitschaft der TeilnehmerInnen, sich auf das Thema und die anderen einzulassen. Sie müssen keine ExpertIn sein, um sich vor die anderen zu stellen und eine Session zu halten. Die umgekehrte Variante ist auch möglich: Sie wollen etwas wissen und um Sie herum sitzen Menschen, die Ihnen weiterhelfen können.

Deshalb können Sie in die Liste auch Themenvorschläge eingeben, also Themen, zu denen Sie nichts vortragen, sondern etwas darüber lernen wollen. Die Datenschutzgrundverordnung zum Beispiel ist erst wenige Tage alt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es hierzu viele Fragen gibt, die vielleicht gar nicht beantwortbar sind. Aber Sie können sich mit anderen austauschen und herausfinden, wie die mit Ihrem Problem umgehen. Oder nehmen wir Facebook, Instagram, Twitter… es gibt doch viele Dinge, die uns umtreiben.

Ich sehe im digitalen Raum eine Entwicklung, in der wieder verstärkt alle gegen alle kämpfen. Das macht in meinen Augen keinen Sinn, das sind alte Verhaltensmuster. Warum die Netzwerke nicht als das nutzen, was sie sind, Netzwerke? Und genau aus diesem Grund sind Barcamps oder stARTcamps auch heute noch so wichtig. Der Netzwerkgedanke scheint gerade etwas in den Hintergrund zu treten. Genau deshalb ist es mir auch wichtig, nach dem World-Café beim letzten stARTcamp (mehr dazu im Blogbeitrag „Rückblick auf das stARTcamp Wien„) wieder zum klassischen Barcamp-Format zurückzukehren. Es geht um die Themen, die uns, die wir beim #scvie18 dabei sind, interessieren.

Nun wird sich vielleicht jemand fragen, was denn passiert, wenn es keine Themen gibt? Ich fürchte mich vor vielen Dingen, aber vor einem ganz sicher nicht: Dass uns die Themen ausgehen. :-) Aber trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass am Ende nichts dabei herauskommt. Ich habe das zwar noch nie erlebt, aber dieses Risiko ist der Preis dafür, dass Barcamps der Versuch sind, die Wünsche und Bedürfnisse der TeilnehmerInnen in den Vordergrund zu stellen. Haben die keine beziehungsweise artikulieren sie nicht, habe ich keine Chance, ein Scheitern droht. Ich kann dieses Risiko zwar nie ganz ausschließen, aber ich kann es auch als TeilnehmerIn minimieren. Indem ich einfach das Thema vorschlage, das mich interessiert. Ich muss die Session ja nicht selbst oder alleine halten. Aber es ist ein erster Schritt, um zu verhindern, dass mir die Veranstaltung nichts bringt. Und es ist vielleicht auch die Chance, sich mit anderen zusammen zu tun, die sich mit gleichen oder ähnlichen Themen beschäftigen. Über das stARTcamp hinaus, womit wir beim Thema wären, um das sich die Veranstaltung am 15. Juni in der Kunsthalle Wien (Musuemsquartier) drehen soll.

Hier gibt es die Tickets. ;-)

 

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Blogparade von Stefan Evertz: Mein erstes Barcamp

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stARTcamp Essen
© Frank Tentler

„Unverhofft kommt oft“, dieses Sprichwort gilt auch für das stARTcamp in Essen. Was hier auf dem Bild so nett und gemütlich aussieht, ist nichts anderes als die Sessionplanung. Obwohl wir ungewöhnlich früh beginnen wollten, war einfach noch niemand da, der uns das Unperfekthaus aufsperren konnte. Und so begannen wir einfach mitten in der Fußgängerzone, das Programm für diesen Tag zu gestalten.

Dieser Tag ist übrigens leicht zu merken, FussballkennerInnen verbinden mit dem 3. Juli 2010 das Spiel der Fussballweltmeisterschaft Argentinien gegen Deutschland, das wir uns am Ende gemeinsam anschauten.

Warum ich das erzähle? Stefan Evertz hat zu einer Blogparade aufgerufen, in dem er nach dem ersten Barcamp fragt. Zwei Gründe sind es, die mich dazu motiviert haben, mich daran zu beteiligen. Der erste  hat mit dieser terminlichen Überschneidung von Fussball und stARTcamp zu tun. Fussballweltmeisterschaft, das ist ein Ereignis, das zwar nicht gestern stattgefunden hat, aber es liegt noch nicht sooo lange zurück, zumindest für mich. Schließlich hat es seitdem keine weitere Fussballweltmeisterschaft mehr gegeben, die Qualifikation für die nächste wird gerade abgeschlossen. Denke ich aber an das stARTcamp, das ebenfalls an diesem Tag stattgefunden hat, so kommt mir das schon fast wie ein anderes Zeitalter vor. Und ich bin ja eher ein Späteinsteiger, die ersten Barcamps im deutschsprachigen Raum gingen schon vier Jahre früher über die Bühne. Für mich zeigt diese unterschiedliche Wahrnehmung, wie rasch sich das Social Web weiterentwickelt.

Der Begriff „über die Bühne gehen“ führt mich zu meinem zweiten Punkt führt. Ein Session in Essen ist mir besonders in Erinnerung geblieben und witzigerweise hat sie Stefan Evertz damals moderiert. Eine der BesucherInnen, ich weiß leider nicht mehr, wer es war, machte genau das, was ein Barcamp gegenüber der klassischen Konferenz auszeichnet. Sie wollte nichts vortragen, sondern hatte eine Frage, die damals wohl viel beschäftigte: Wie schaffe ich es, meinen Chef von Social Media zu überzeugen?

Die Frage ist heute noch so aktuell wie damals, aber während es heute mehr darum geht, ob sich Social Media überhaupt lohnt, beschäftigten wir uns damals mehr mit den Ängsten und Befürchtungen. Für mich war diese Session eine Art Initialzündung, denn sie zeigte mir, welches Potenzial im Barcamp-Format steckt. Während ich bei der klassischen Konferenz darauf hoffen muss, dass meine Bedürfnisse abgedeckt werden, habe ich es bei einem Barcamp in der eigenen Hand. Ich kann meine eigene Session vorschlagen und mich mit denen austauschen, die sich mit genau dieser Frage beschäftigen wollen. Die Möglichkeit, sich inhaltlich auszutauschen und gleichzeitig interessante Menschen (wieder) zu treffen, hat mich mittlerweile mehr als zehn Barcamps besuchen lassen. Und ich habe vor knapp zwei Monaten zusammen mit der Kunsthalle Wien erstmals selbst ein Barcamp organisiert.

Stefan Evertz hat uns aber nicht nur aufgefordert, über unser erste Barcamp zu berichten, sondern auch die Frage zu beantworten, ob wir anderen den Besuch eines Barcamps empfehlen würden und wenn ja, warum. Mit dieser Frage müssen sich vor allem die beschäftigen, die ein Barcamp planen, denn vielen ist das Format einfach noch nicht bekannt und so kommen schon Zweifel auf, was man denn dort solle, wo es doch noch nicht einmal ein festes Programm gebe. So fand ich unter einem Facebookposting, in dem ich auf das stARTcamp hinwies, diesen Kommentar:

„Zum besseren Verständnis: Man hat keine Ahnung, worum es gehen wird und meldet sich ‚auf Verdacht‘ an, dass schon irgendetwas Interessantes herauskommen wird?“

Ich bin darauf schon in einem eigenen Beitrag auf dem stARTconference-Blog ausführlich eingegangen, deshalb möchte ich nur den wichtigsten Punkt herausgreifen. Der Erfolg eines Barcamps hängt – im Unterschied zu vielen anderen Formaten – vor allem von mir selbst, meinen Erwartungen und meinem Engagement ab. Wer an einem Barcamp teilnimmt, ist nicht Konsument, sondern ein wichtiger Baustein im Gesamtgefüge. Das geht schon bei der Vorstellungsrunde los und endet oft erst dann, wenn man in einem Blogbeitrag die Veranstaltung Revue passieren lässt. Wenn alle nur darauf warten, dass etwas passiert, dann wird das Barcamp ein Misserfolg. Wenn sich aber alle darauf einlassen, dann ist so ein Barcamp eine irrsinnig motivierende Geschichte, an deren Ende viele zwar erschöpft, aber auch zum Teil euphorisiert sind.

Das ist nämlich ein weiterer Pluspunkt dieses Formats: Viele sind anfangs sehr zurückhaltend, merken aber recht schnell, dass es nicht weh tut, sich einzubringen. Ganz im Gegenteil: Es macht Spaß und bringt einem enorm viel. Neues Wissen, neue Freunde.

Mein Wunsch ist es deshalb, Barcamps auch in Bereichen auszuprobieren, in denen es sie bis jetzt noch nicht gibt. Warum kann nicht ein Kulturbetrieb dieses Format wählen, um mit seinen BesucherInnen ins Gespräch zu kommen? Ein Architekturmuseum kann sich mit der regionalen Architektur beschäftigen, die Oper mit Wagner, das Theater mit zeitgenössischen TheaterautorInnen. Für mich ist das eine spannende Frage, ob es gelingt, das „Publikum“ auf diese Weise aktiv einzubinden und ich bin gespannt, wer sich zuerst auf dieses Experiment einlässt.

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Unterwegs

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© Harald Wanetschka ; Pixelio

Keine acht Wochen sind es mehr, dann gehört das Jahr 2012 der Vergangenheit an und wie jedes Jahr frage ich mich, warum mit dem heranrückenden Jahresende wieder die große Hektik ausbricht. Dabei wurde der Weltuntergang doch verschoben. ;-) Aber egal, Tatsache ist, auf meinem Programm stehen noch jede Menge Veranstaltungen und weil mich immer alle bitten, dass ich diese doch bitte ankündigen möge, mache ich das jetzt in komprimierter Form.

Theater und Social Media in Hamburg

Fangen wir mit dem Theatercamp an, das am kommenden Sonntag im Hamburg stattfinden wird. Ich freue mich, dass das Thalia Theater als erste Bühne im deutschsprachigen Raum ein Barcamp organisiert, denn ich bin der festen Überzeugung, dass so ein Event eine tolle Gelegenheit ist, um sich an der Schnittstelle Kunst, Kultur und Social Media zu positionieren. Das Programm steht zum größten Teil schon fest, mal sehen, ob ich dort noch einen Platz für eine Session ergattern kann. Da es dafür schon seit einiger Zeit keine Tickets mehr gibt, möge der kurze Hinweis darauf genügen. Aber ich freue mich, wieder nach Hamburg zu kommen und jede Menge bekannter (und noch nicht bekannter Gesichter zu treffen.

Crowdfunding in Linz und Graz

Ein paar Tage später, am 15. und 16. November findet in Linz ein zweitägiges Crowdfunding-Symposium statt, das von der Creative Region Linz & Upper Austria veranstaltet und von  Wolfgang Gumpelmaier kuratiert wird. Ich moderiere am  ersten Tag eine Podiumdiskussion, empfehle aber vor allem den zweiten Tag, an dem sich im Rahmen von Workshops all diejenigen informieren können, die selbst eine Crowdfunding-Kampagne planen. Wolfgang geht in einem Blogpost wesentlich ausführlicher auf das Symposium ein, deshalb hier der Link zu den weiterführenden Informationen.

Am Montag, den 19. November geht es dann in Graz mit dem Thema Crowdfunding weiter. Im Rahmen des Förderinformationstags „Kunst & Kohle“ gehe ich in meinem Impulsvortrag der Frage nach, für wen Crowdfunding in Frage kommt, wie es funktioniert und ob es ein Ersatz für öffentliche Förderungen sein kann? Davor gibt es Input zu den Themen EU-Förderungen und Koperationen mit der Wirtschaft. Die Veranstaltung findet an der Grazer Kunstuniversität statt, der Eintritt ist frei.

Der 30. Treffpunkt KulturManagement mit Birgit Mandel

Am 21. November steht um 9 Uhr der 30. Treffpunkt KulturManagement auf dem Programm. Zum Jubiläum haben wir Birgit Mandel zu Gast, die seit 2008 Professorin für Kulturmanagement und Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim ist. In ihrem Impulsvortrag beschäftigt sie sich unter der Überschrift „von der Verwaltung in Kunstinstitutionen zur Gestaltung kultureller Kontext“ mit den veränderten Herausforderungen und Rahmenbedingungen des Kulturmanagements. Zu dieser Onlineveranstaltung gibt es dann aber noch eine eigenes Blogpost. ;-)

Alternativen zur Kulturförderung: Symposium und Workshopangebot in Graz

Am 27. und 28. November geht es im Rahmen der Denkfabrik um das Thema Kulturförderung. Das Symposium findet in Graz statt und ist eine Kooperation der Grazer Spielstätten mit dem Netzwerk Junge Ohren und dem ASSITEJ Austria, Junges Theater Österreich. Im Rahmen dieser Veranstaltung soll das Kräfteverhältnis von Kunst und Finanzen thematisiert werden und deshalb freue ich mich, einen Impulsvortrag beisteuern zu dürfen, bei dem ich diese Veränderungen an der Entwicklung des Crowdfunding festmachen darf. Alle Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf dieser Seite.

Bleiben wir beim Thema Kulturfinanzierung. Die Kultur Service Gesellschaft mbH des Landes Steiermark (KSG) startet noch vor Weihnachten mit einem ganz interessanten Weiterbildungsangebot, das neben Steuer- und Rechtsberatung auch mehrere Module in den Bereichen Professionelles Texten, Social Media und Kulturfinanzierung umfasst. Unter dem Titel Kulturfinanzierung 2.0 bin ich eingeladen worden, mich mit Alternativen zur klassischen Kulturförderung zu beschäftigen. In drei vierstündigen Workshops geht es um die Themen Sponsoring, Crowdfunding und die Frage nach neuen Geschäfts- und Erlösmodellen für den Kunst- und Kulturbereich. Hier finden Sie den Folder und den Terminplan zu diesem Angebot.

Für mich zeichnet sich eine interessante Entwicklung ab, denn das Thema Kulturfinanzierung scheint an Bedeutung zu gewinnen. Wichtig ist es dabei aufzuzeigen, wer von diesen Entwicklungen profitieren kann, denn eines möchte ich hier schon vorwegnehmen: ich halte wenig davon, dass nun all diejenigen, die keine Förderung erhalten, aus dem Stand heraus eine Crowdfundingkampagne starten oder sich mit der Thematik neuer Erlösmodelle beschäftigen. Alternative Finanzierungsformen werden, so denke ich, nur für die ein Thema sein, die über die entsprechenden Voraussetzungen und jede Menge Know-How verfügen. Aber darüber lässt sich im Rahmen der verschiedenen Veranstaltungen wunderbar diskutieren. Ich freue mich auf Sie.

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Birthe Dierks & Lena Mäusezahl: Ein Barcamp bringt Kultur und Wirtschaft miteinander ins Gespräch

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„Harmonische Systeme sind dumme Systeme“ erklärt Professor Peter Kruse in einem Gespräch und weist darauf hin, dass es vor allem die Unterschiedlichkeit ist, die Denkanstöße bewirkt und uns aus so mancher (gedanklichen) Sackgasse führen kann. Genau aus diesem Grund gefällt mir das Dialog! KulturWirtschaft-BarCamp so gut, das am 10./11. Mai als interdisziplinäre Ideenkonferenz im Nordkolleg Rendsburg stattfinden wird und versucht, zwei höchst unterschiedliche Bereiche zusammen zu bringen, nämlich Wirtschaft und Kultur.

Obwohl es mir leider nicht möglich ist, bei diesem BarCamp dabei zu sein, möchte ich trotzdem für diese Veranstaltung die Werbetrommel rühren, denn ich bin der festen Überzeugung, dass Kultur und Wirtschaft viel voneinander lernen und somit von den Ideen und Konzepten der anderen Seite profitieren können. Das BarCamp ist dafür der ideale Ort, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Da ich selbst wenig zu der Veranstaltung sagen kann, habe ich Birthe Dierks und Lena Mäusezahl als Organisatorinnen gebeten, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Kulturmanagement Blog: Vorab die Frage: was ist ein BarCamp und wer sind die Veranstalter bzw. Organisatoren des BarCamps in Rendsburg?

Birthe Dierks: BarCamps sind spontane Ideen- und Mitmachkonferenzen für Netzwerker, Kreative, Suchende und Wissende. BarCamps  funktionieren gegenläufig zu gewöhnlichen Tagungen. Das Format ist dialogisch und interaktiv. BarCamps fordern die Mitgestaltung aller und basieren auf Wissens- und Ideentransfer. Auf BarCamps geht es darum, Wissen zu teilen, Ideen zu generieren und Lösungsansätze zu entwickeln und zwar im Kollektiv. Kürzlich erzählte mir meine Schwester von einer Tagung, deren Einführungsvortrag JEDER der Zuhörer hätte selbst halten können. Natürlich hat sie sich sehr darüber geärgert. Das ist verschwendete Zeit und verschwendete Expertise. Genau das kann auf einem BarCamp nicht passieren. BarCamps machen das Wissen der Teilnehmer transparent und zugänglich und finden im Dialog statt.

Lena Mäusezahl: Dirk Mirow, Kanzler der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, hat dazu sehr treffend formuliert: „Die Zeiten langweilig-monotoner Vortragsreihen und passiver Zuhörerschaft sind vorbei. Die BarCamp-Philosophie ist simpel: Nach dem Prinzip der Wissensteilung heißt es hier ‘Bühne frei’ für die Expertise der Teilnehmerschaft. Jeder kann spontan selbst zum Akteur einer ‘Session’ werden. Was zunächst chaotisch klingt, ist interaktiv, erfrischend anders und in der Tat dialogisch. Zudem eignen sich BarCamps hervorragend zum Netzwerken und entwickeln eine tolle Eigendynamik – deshalb ist es auch schon das vierte BarCamp, das wir vom Fachbereich KulturWirtschaft am Nordkolleg Rendsburg veranstalten. Das Nordkolleg Rendsburg ist eine Akademie für kulturelle Bildung. Unser Fachbereich ist aus dem Projekt »Dialog: KulturWirtschaft« entstanden, das vom Zukunftsprogramm Wirtschaft und dem Ministerium für Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein gefördert wird.

Kulturmanagement Blog: Ihr arbeitet schon seit längerer Zeit daran, Kultur und Wirtschaft zusammen zu bringen. Was motiviert Euch und welche Ziele verfolgt Ihr mit Eurer Arbeit?

Lena Mäusezahl: Uns geht es um den Dialog der Disziplinen und darum starke Netzwerke zu schaffen, die die Region nachhaltig stärken. Als Netzwerkerin an der Schnittstelle ist es zunächst erforderlich zu dolmetschen, zu vermitteln und Vorurteile und Barrieren abzubauen. Kultur und Wirtschaft sprechen tatsächlich oft verschiedene Sprachen und reden daher manchmal aneinander vorbei, außerdem haben sie oftmals ein oberflächliches Bild von dem jeweils anderen. Hinter meiner Arbeit steht die Überzeugung, dass Kultur und Wirtschaft starke Partner sein können, wenn sie gemeinsam agieren. Zudem bin ich immer auf der Suche nach neuen Konzepten und Lösungsansätzen für den Dialog.

Birthe Dierks:
Der interdisziplinäre Wissenstransfer zwischen Kultur, Wirtschaft, Kreativwirtschaft, Wissenschaft, Politik etc., den wir auch mit dem BarCamp erzielen möchten, steht im Zentrum unserer Arbeit. Es ist wenig hilfreich, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, insbesondere dann wenn es um gemeinsame Themen wie Regionalentwicklung, Standortattraktivität und Lebensqualität geht. Kultur und Wirtschaft können viel voneinander lernen, gerade in ihrer Unterschiedlichkeit.

Herr Kruse hat Recht, wenn er sagt „harmonische Systeme sind dumme Systeme“. Innovation entsteht durch Reibung, Reflexion, Perspektivwechsel und vor allem im Dialog der Disziplinen oder wie Peter Felixberger schreibt: „Viele Perspektiven zusammen addieren sich zu einem Panoramablick, der viele Dimensionen einschließt. Sind die Blicke sehr ähnlich, ergibt die Summe nur einen Tunnelblick. Entscheidende Faktoren bleiben im Dunkeln. […] Kooperation ist der einzige Ausweg aus der individuellen Beschränktheit.“ Wir sind auf der Suche nach neuen Kooperationsformen und nach einem neuen Miteinander – im Dialog.

Kulturmanagement Blog: Kunst und Kultur treten meist als Bittsteller auf, wenn sie sich an die Wirtschaft wenden. Sind sie wirklich nicht mehr als das oder hat der Kunst- und Kulturbereich mehr zu bieten als „Unterhaltung“ durch Kunst?

Birthe Dierks: Ja, und genau das ist das Problem. Kultur braucht mehr Selbstbewusstsein, ein ausgeprägtes Selbstverständnis und eine konkretere Argumentation. Ich finde es anstrengend, dass es immer noch sehr viele Kulturschaffende gibt, die finden, dass die „böse, reiche Wirtschaft“ die „gute Sache Kultur“ finanzieren soll. Ebenfalls anstrengend ist, dass Kultur das Image eines „Blümchen-Themas“ in der Wirtschaftsszene hat, das lediglich der Unterhaltung dient. Kultur kann mehr. Aber sobald es darum geht, haben Kulturschaffende zu schnell Angst vor Instrumentalisierung.

Lena Mäusezahl: In meinen Beratungsgesprächen sind das zentrale Themen. Wirtschaft fördert Kultur ist in meinen Augen eine Einbahnstraße. Auch Kultur kann Wirtschaft fördern, zum Beispiel durch so genannte künstlerische Interventionen in Unternehmen. Kultur und Wirtschaft endet nicht bei einer gönnerhaften Spende an den lokalen Museumsverein oder bei einer – oftmals schlecht bezahlten – musikalischen Einlage als Sahnehäubchen einer Unternehmensfeier. Kultur und Wirtschaft beginnt für mich da, wo sich beide durch ihre Unterschiedlichkeit bereichern. Kultur und Wirtschaft sind starke Partner, aber dafür braucht es gute Konzepte, Offenheit und Raum zum Ausprobieren.

Kulturmanagement Blog: Was muss passieren, damit sich Kultur und Wirtschaft auf Augenhöhe begegnen und auf nachhaltige Weise voneinander profitieren?

Lena Mäusezahl: Wie gesagt: Es braucht gute Konzepte, aber auch den Willen gemeinsam neue Wege zu beschreiten. Kultur darf selbstbewusster sein und sollte in der Gestaltung der Angebote für die Wirtschaft genauso kreativ sein, wie in ihrer alltäglichen künstlerischen Arbeit. Außerdem kann Kultur von Wirtschaft im Bereich Kulturmanagement viel lernen und sich inspirieren lassen. Wirtschaft könnte noch mehr Vertrauen in den Wert kultureller Arbeit haben. Künstlerische Methoden können Ansätze für aktuelle unternehmerische „Baustellen“ liefern. Hiermit meine ich, dass im gemeinsamen Prozess beispielsweise Antworten und Methoden für unternehmerische Herausforderungen gefunden werden können: Standortattraktivität, Fachkräftemangel, Personalentwicklung und –bindung, aber auch Bereiche der Unternehmenskultur, interne und externe Unternehmenskommunikation. Ja, Vertrauen und Empathie sind gefragt und der Spaß an der Unterschiedlichkeit. Am Anfang steht dabei immer der Dialog und den kurbeln wir mit unserem BarCamp an.

Birthe Dierks: Es braucht vor allem gemeinsame Zielebenen und die Bereitschaft, etwas Neues zu wagen. Kulturschaffende und Wirtschaftsakteure sollten über den Tellerrand des eigenen Systems blicken. Die Fragestellung: „Was will ich von Dir haben?“ führt in die falsche Richtung. Die Fragen sollten lauten: „Was kann ich Dir bieten?“ und „Was können wir gemeinsam tun?“

Kulturmanagement Blog: Noch einmal zurück zum BarCamp. Wann und wo findet es genau statt, welche Inhalte sind schon bekannt und was kostet die Teilnahme?

Birthe Dierks: Das BarCamp findet am 10. & 11. Mai am Nordkolleg Rendsburg statt. Ein Ticket inklusive Vollverpflegung kostet 80 Euro, Studenten zahlen die Hälfte. Die einzelnen Sessioninhalte werden erst vor Ort, gemeinsam mit den Teilnehmern entwickelt. Aber neben der offenen BarCamp-Bühne gibt es auch ein vorab festgelegtes Abendprogramm.

Lena Mäusezahl: Ja, genau. Am Abend des 10. Mai gibt es – entgegen der BarCampmanier – nur eine offene BarCamp-Session und zwei feste Programmpunkte: Friederike von Reden vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI hält einen Vortrag zum Thema „Unternehmerische Kulturförderung zahlt sich aus“ und in einem Interview berichten der Unternehmer Clemens Kreyenberg und sein Innovationsassistent Till Kemlein unter dem Titel „Innovationskraft durch Wissenstransfer“ von ihren Erfahrungen. Ein Abendticket kostet 30 Euro. Studenten zahlen 20 Euro. Außerdem gibt es ein Konzert mit Cyrus & Jones und viel Platz zum Netzwerken.

Kulturmanagement Blog: Danke für Eure Antworten und viel Spaß beim BarCamp!

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Ein erstes Artcamp in Hamburg?

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Auf dem Kulturmarketing Blog hat Karin Janner auf das erste Artcamp hingewiesen, das voraussichtlich im September in Hamburg stattfinden wird. Den Link mit weiteren Informationen hat sie auch gleich mitgeliefert, vielen Dank.

Mich würde das unheimlich freuen, wenn in rund drei Monaten das erste Artcamp über die Bühne gehen kann. „Kunst und web2.0 – Berührungspunkte und Unpunkte der Berührung“, ist das Motto der Veranstaltung, das jede Menge inhaltlicher Freiräume bietet. Auf diese Weise erlaubt das Artcamp ein Zusammenkommen all derer, die sich im Kunst- und Kulturbereich mit dem Thema Web2.0 beschäftigen bzw. sich dafür interessieren.

Was ist ein Artcamp? Abgeleitet ist dieser Begriff vom Barcamp. Darunter versteht man laut Wikipedia offene, partizipative Veranstaltungen, „deren Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern bestimmt werden“. Wer was vorträgt wird also von den TeilnehmerInnen erst vor Ort bestimmt, was ursprünglich bedeutete, dass jede/r in der Lage sein musste, etwas zu einem Thema zu erzählen. Dieses Prinzip ist mittlerweile aufgeweicht worden, man kann auch ohne eine fertige Präsentation an einem Barcamp teilnehmen. :-) Aber es ist schon noch immer so, dass ein Barcamp von der aktiven Teilnahme aller lebt.

Jetzt hoffe ich, dass der Termin möglichst bald bekannt gegeben wird. Falls Sie nichts verpassen wollen, gehen Sie doch einfach auf die Startseite des Artcamps und melden sich dort an. Ich bin schon dabei.