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3Com US Robotics 56K Modem
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Über die Anfänge meiner Netzbiografie

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Zwei Wochen vor dem stARTcamp hier in Wien haben die Kulturfritzen zur Blogparade „Wie wir das Analoge und das Digitale verknüpfen können“ aufgerufen, die nach unserem Weg ins Netz fragt. Unter dem Hashtag #MeinWeginsNetz stellt Anne Aschenbrenner in der Zeit bis zum #scvie19 sieben Fragen über unser Leben im Netz. Wer sie alle beantwortet, blickt am Ende auf so etwas wie eine Netzbiografie.

Begonnen hat es mit MS-DOS und GW-BASIC

Mein Weg ins Netz hat eigentlich recht lange gedauert, wobei ich mich leider an viele Dinge nicht mehr so wirklich erinnern kann. Mitte der 1980er Jahre schaffte ich mir während des Studiums meinen ersten Computer an. Es war ein Windows-Rechner und so begann ich mich mit MS-DOS und GW-BASIC zu beschäftigen. Ich glaube, ich hätte das gar nicht tun müssen, aber da ich des öfteren mit dem Kasten kämpfen musste, glaubte ich irgendwann, diese Probleme durch Programmierung lösen zu können.

Von HombreDHojalata – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es

Das Internet war damals für mich noch gar kein Thema, ich war schon froh, dass ich nun meine Arbeiten an der Uni nicht mehr mit der Schreibmaschine tippen musste. Der Zeitgewinn war enorm, ich war begeistert. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich mein erstes Referat mit Hilfe von, ich glaube, Word 2 fertig geschrieben hatte. Ich ahnte aber noch nicht, dass mir die größte Prüfung noch bevorstand.

Der Kampf mit dem Nadeldrucker

Nun musste ich die Arbeit natürlich noch ausdrucken. Ausgestattet mit einem 9 Nadeldrucker und Endlospapier machte ich mich an die Arbeit. Das typische Geräusch des Druckers habe ich heute noch im Ohr. Wer es nicht kennt, kann sich dieses Video „anhören“. ;-) Ich brauchte fast die ganze Nacht dafür, weil der Drucker das Papier so bedruckte, wie er es wollte. Mal begann er erst irgendwo im ersten Drittel der Seite oder er hörte in der Mitte der Seite auf. Irgendwann gegen 3 oder 4 Uhr war ich dann fertig.

Meine Magisterarbeit habe ich übrigens auch mit dem Computer geschrieben. Abgespeichert habe ich sie auf Diskette, die auch noch irgendwo in einer Schachtel liegt. Aber die heutigen Programme können die Umlaute nicht entschlüsseln, weshalb ich froh bin, auch noch ein gebundenes Exemplar zu besitzen.

Die typischen Geräusche eines Modems

Erst Mitte der 1990er Jahre begann ich mich für das Internet zu interessieren. Wobei es anfangs eigentlich nur die Email war. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass ich Kunde des 1994 von Klaus Matzka gegründeten Internet-Providers magnet wurde. Eigentlich war es nur ein Mailboxsystem, das mit Hilfe einer grafischen Oberfläche als magnet city verkauft wurde. Ich musste natürlich in kurzen Abständen meine Mailbox checken, was nicht so einfach war, denn man musste sich mit Hilfe eines Modems, das mit der Telefonleitung verbunden war, einwählen. An mein erstes Modem kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber später war es das Gerät, das Sie oben auf dem Titelbild sehen können. Und so klang es, wenn man sich einwählte:

Dank der Blackbox-Community fand ich den Weg aus der Mailbox heraus. Blackbox war Mitte der 1990er Jahre die wohl größte Online-Community für Politik und Jugendkultur. Im Wikipedia-Artikel heißt es:

Am Höhepunkt ihres Erfolgs gegen Ende 1997 hatte die Blackbox um die viertausend aktive User und galt als wesentlicher Baustein der österreichischen Zivilgesellschaft.

Viertausend Nutzer galten damals noch als das Nonplusultra, wie haben sich die Zeiten doch geändert. Mit der Zeit wurde dann natürlich auch das WWW interessant, spannend war für mich vor allem das Videoformat. Aber man musste sich die Videos noch richtig verdienen. Viele werden wissen, was ich meine: Das Video war ungefähr so groß wie eine Briefmarke und nach ungefähr einer Minute Ladezeit bekam man dann gefühlte zehn Sekunden Video zu sehen.

Von den nächsten Jahren ist mir nur sehr wenig in Erinnerung geblieben. Ich war froh, dass nach der Jahrtausendwende immer mehr Unternehmen eine Homepage hatten, denn für die Suche nach Sponsoren machten sie das Telefonbuch überflüssig. Das von Wien hatte ich zu Hause, klar. Aber an die anderen kam man nur heran, indem man zu einer Postfiliale ging und dort hoffentlich das richtige Telefonbuch fand. Wie leicht war das im Internet!

Ein Blog muss her!

Mit dem Anwachsen des Internets wuchs natürlich auch die Chance, interessante Inhalte im Netz zu finden. Um das Jahr 2005 herum entdeckte ich Blogs zum Thema Kulturmanagement, allerdings waren sie alle im amerikanischen Raum angesiedelt. Ich war von der Idee, das eigene Wissen online mit anderen Menschen zu teilen total fasziniert und wusste: Das will ich auch!

So beschloss ich, es auch mit einem Blog zu versuchen. Natürlich musste mein Blog unbedingt das Wort „Kulturmanagement“ in der Domain haben. Nur war da leider gar nichts mehr frei. Zum Glück startete damals die Forma Automattic ihren Bloghosting-Dienst WordPress.com. Hier ein Blog anzulegen kostete erstens nichts und zweitens war auch noch die Subdomain kulturmanagement.wordpress.com frei.

Der Plattform WordPress.com bin ich bis heute treu geblieben. Ich habe zwar mittlerweile eine eigene Domain, aber das Blog liegt immer noch auf den WordPress.com-Servern. Den Rest der Geschichte können Sie dann hier auf diesem Blog nachlesen, das ich seit Ende 2006 betreibe. Aus SEO-Gründen sollte ich eigentlich ein ganz neues Blog beginnen. Aber dieses Blog ist vermutlich das wichtigste Teil meiner Netzbiografie. Deshalb mag ich es nicht aufgeben.

Ein Video als Zeitdokument

Zum Schluss möchte ich noch einmal in die 1990er Jahre zurückspringen und auf ein Video verlinken (einbetten lässt es sich leider nicht), mit dem 1997 Josef Broukal das Internet erklärte. In meinen Augen ist es ein großartiges Zeitdokument, das zeigt, was in den letzten 20 bis 25 Jahren eigentlich alles passiert ist.

Titelbild: Frédéric Bisson, Flickr (CC BY 2.0)

Content Strategy Camp Graz 2019
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Über das #coscamp, eine Blogparade und ein Häferl

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Vorgestern war ich in Graz beim Content Strategy Camp dabei und ich weiß, wenn man nicht sofort darüber schreibt, schreibt man gar nicht. Deshalb habe ich mich gestern schon hingesetzt und zusammengeschrieben, was bei mir vom #coscamp hängengeblieben ist. Wie das bei Barcamps so ist, muss man sich immer zwischen verschiedenen Sessions entscheiden, in diesem Fall waren es immer fünf, die zeitgleich stattfanden. Deshalb ist das hier kein Bericht über das #coscamp, sondern eine höchst subjektive Zusammenfassung der Sessions, die ich erleben durfte.

Wer sich einen Überblick über das #coscamp verschaffen will, sei auf die Dokumentation verwiesen, die das Organisationsteam in einer vermutlich kurzen Nacht erstellt hat (Tausend Dank dafür!!). Und Bilder vom Barcamp gibt es auch, dafür ebenso vielen Dank! Was es mit der Blogparade und dem Häferl auf sich hat, dazu später mehr.

Was ist eine Content Strategy?

Die Frage ist deshalb wichtig, weil sehr viele Menschen die Begriffe Content Strategy und Content Marketing entweder synonym nutzen oder glauben, mit Hilfe der Content Strategy legt man den Ablauf einer Content Marketing-Kampagne fest. Heinz Wittenbrink, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass es in Graz einen der wenigen europäischen Studiengänge gibt, die sich mit Content Strategy beschäftigen, hat auf Twitter zwar die Frage nach einer Definition von Content Strategy gestellt. Eine Antwort hat er aber nicht wirklich bekommen.

Ich habe dann zwar zu früher Stunde per Tweet eine weitere Definition eingebracht, nämlich die von Kevin P. Nichols: „… getting the right content to the right user at the right time“. Aber Sascha Stoltenow meinte, das wäre nur „content logistics“. Gut, den Satz kann man so interpretieren, muss man aber nicht.

Darüber hinaus gibt es aber natürlich noch die Definition von Kristina Halvorson:

Content strategy guides your plans for the creation, delivery and governance oft content.“

Auch ganz hilfreich ist in meinen Augen die Formulierung in dem von Klaus Eck und Doris Eichmeier herausgebrachten Buch „Die Content-Revolution im Unternehmen“ (Affiliate Link). Dort heißt es auf Seite 39:

„Mit einer Content-Strategie wird (.) der Workflow aller Unternehmensinhalte abteilungsübergreifend und dauerhaft gemeistert. Sie ist die Basis der Content-Marketingaktivität.“

Soviel zur Frage, welche Bedeutung der Begriff Content Strategy eigentlich hat…

Zurück zum #coscamp

Los ging es, wie bei Barcamps so üblich, mit einer Vorstellungsrunde. Vorname, 3 Hashtags, das ist alles. Da sich alle an diese Regel hielten und auch niemand von akutem Gedächtnisverlust befallen wurde, war dieser Punkt in kurzer Zeit erledigt. Und das bei gut 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Ebenso schnell wurde dann der Sessionplan erstellt, hier ist er:

cof

Das war dann meine erste Session, an der ich teilnehmen durfte:

Ausgangspunkt ist bei diesem Projekt eine Website, die einen Relaunch benötigt. Die Idee, hier nicht nur einfach die Seite zu erneuern, sondern sich mit Hilfe einer Content Strategy mit der Rolle des Bildungsnetzwerks Steiermark auseinanderzusetzen, ist in meinen Augen sehr klug.

Für mich stellte sich die Frage, ob eine Content Strategy der Komplexität dieser Aufgabe, nämlich als Bildungsnetzwerk Angebot und Nachfrage von Weiterbildung zu matchen, gerecht werden kann. Ich beschäftige mich zur Zeit sehr intensiv mit der Plattformökonomie und den verschiedenen dahinter stehenden Modellen. Wenn ich jetzt also den Relaunch angehe und dafür eine Content Strategy entwickle, muss ich irgendwann auch überlegen, ob ich einfach nur der Mittler bin oder noch andere Aufgaben damit verbinde? Ich kann als Bildungsnetzwerk vor der Aufgabe stehen, den Weiterbildungsanbietern dabei zu helfen, im Rahmen einer Content Strategy die richtigen Inhalte zu entwickeln, um eine größere Nachfrage zu erreichen. Ich kann aber als Bildungswerk auch vor der Aufgabe stehen, den Stellenwert von Weiterbildung insgesamt zu erhöhen. Vielleicht müssen auch alle Aufgaben gleichzeitig erledigt werden? Die Frage ist aber, ob ich darauf Antworten im Rahmen einer Content Strategy finde und wenn ja, wie?

Suchmaschinenoptimierung wird immer wichtiger

SEO war ein großes Thema beim #coscamp, ich fand die Sessions für mich sehr hilfreich. Schwierig ist es, dass viele Expertinnen und Experten unterschiedliche Standpunkte vertreten und sich dadurch Probleme nicht lösen lassen.

Los ging es mit Martin Höllinger und David Reisner:

Konkret stehe ich bei meinem Blog mit seinen mehr als 1.800 Beiträgen vor der Frage, ob ich alte und teilweise überflüssige Beiträge löschen oder aus dem Index herausnehmen soll. Lösche ich den Beitrag, möchte ich verhindern, dass jemand eine 404-Fehlermeldung erhält. Ich kann bewusst eine 410-Fehlermeldung setzen, ich kann aber auch auf einen anderen Beitrag umleiten. Muss man für jeden Beitrag einzeln entscheiden (ich fürchte, darauf läuft es hinaus), gibt es bestimmte Tendenzen oder gibt es einen Punkt, den ich bis jetzt noch gar nicht beachtet habe? An diesem Punkt zum Beispiel bin ich nicht weitergekommen. Aber es gab auch jede Menge guter Tipps, etwa den Hinweis auf die Bedeutung der Google Search Console.

Ja die Kunden…

Melanie Kröpfl zeigte dann in der nächsten Sessionrunde, wie man mit Hilfe von Facebook-Ads Leads gewinnen kann. Ich fand das sehr spannend, weil das Potenzial von Anzeigen auf Facebook sehr groß ist. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich viele Unternehmen, Kultureinrichtungen, etc. schwer tun, organisch die gewünschte Reichweite zu erzielen. Der Vortrag machte aber auch deutlich, dass man, so man auf diese Weise weiterkommen will, schon eher klotzen als kleckern sollte. Sonst lohnt sich der Aufwand nicht.

Danach ging es dann gruppentherapeutisch weiter. Ok, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber in der Session „Pimp your (Online) Marketing“ begannen plötzlich alle darüber zu klagen, dass Kunden nicht verstehen, wie wichtig die diversen Onlinemarketing-Aktivitäten sind und dass Agenturen oft falsche Versprechungen machen.

Irgendwann ging es dann um die Frage, was man denn dagegen machen könne und da wurde es wieder interessant. Der wohl wichtigste Punkt ist Bildung (inklusive Weiterbildung)! Das Rad dreht sich, was die technologischen Entwicklungen angeht, immer schneller. Aber viele Universitäten sind jetzt gerade soweit, dass sie Social Media in die Lehrpläne aufnehmen. Meine Meinung dazu: Entweder ändert sich das recht bald oder die Unis werden den Aufstieg von Onlinekursanbietern wie Udemy, Coursera, etc. erleben und darunter ziemlich leiden.

Und jetzt komme ich zur Blogparade

Aber es macht keinen Sinn, sich nur über die anderen aufzuregen. Ich habe gestern nach Webseiten gesucht, die sich mit dem Thema Content Strategy beschäftigen. Ich habe auch nach Blogs gesucht. Gut, im englischsprachigen Raum findet man da etliche interessante und lesenswerte Blogs. Aber im deutschsprachigen Raum schaut es traurig aus.

Warum gibt es so wenige Blogs, die sich mit Content Strategy beschäftigen? Es wäre so leicht, dieses Thema zu besetzen. Wäre das nicht eine Möglichkeit, Kunden und alle anderen, die sich dafür interessieren, davon zu überzeugen, wie wichtig eine Content Strategy ist?

Katrin Hilger hat vor ein paar Tagen zu einer Blogparade aufgerufen, bei der es um Wertschätzung für Blogs geht. Sie schreibt:

„(.) Blogs sind nachhaltig. auch nach Jahren sind gut verschlagwortete Artikel auffindbar und bleiben relevant. Sie sind nicht so schnell konsumierbar wie ein Foto, das gesehen wird, Like drunter, fertig. Blogs müssen gelesen werden. Aber ihr Angebot, ihre Tipps bleiben auch nachhaltig im Netz.“

Ich glaube, das Thema Content Strategy braucht Blogs und zwar jede Menge Blogs. Wenn ich mir anschaue, wieviele Blogs sich aktuell mit dem Thema SEO beschäftigen, frage ich mich, warum es nicht wenigstens halb so viel Blogs gibt, die sich auf das Thema Content Strategy konzentrieren und es weiter entwickeln. Die darüber schreiben, was das ist, warum es so wichtig ist und wie man das Thema angeht. Vermutlich würde man, wenn man konsequent bloggen würde, ziemlich bald die entsprechende Wertschätzung erfahren und den Aufwand, den man betreibt, direkt oder indirekt monetarisieren können (wohl eher indirekt, vermute ich).

Wertschätzung erhält man, wenn man selbst wertschätzt, was man macht

Ich habe vor 11 Jahren einen Blogbeitrag geschrieben, indem ich der Frage nachgegangen bin, wann man mit einem Blog erfolgreich ist und ob es sich lohnt zu bloggen? Darin habe ich ziemlich genau durchgerechnet, wie groß der finanzielle Aufwand (aus damaliger Sicht) ist und wie sich das rechnen kann. Lohnt es sich finanziell, erfahre ich die entsprechende Wertschätzung, das Problem ist gelöst.

Wie komme ich aber an diesen Punkt, dass ich die (finanzielle) Wertschätzung erfahre? Ich denke, man muss zuerst selbst die eigene Arbeit wertschätzen und entsprechend konsequent am Ball bleiben.

Blogs sind aber auch, und damit komme ich wieder zum #coscamp zurück, wichtig, wenn es darum geht, Barcamps zu dokumentieren. Bei 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern müssten sich nur 10 bis 20% von ihnen an die Barcampregel Nummer zwei halten, die lautet: „You do blog about Barcamp“. So könnte man noch lange und ausgiebig im Netz die Inhalte dieses Barcamps nachlesen und sie auch diskutieren, so die Kommentarfunktion freigeschaltet ist. Kommt es im Kommentarbereich zu Diskussionen, ist das auch eine Art von Wertschätzung, die früher selbstverständlich war, über die sich aber auch heute jede Bloggerin und jeder Blogger freuen werden.

Dann war da noch das Häferl

Ein Häferl ist, für alle, die es nicht wissen, eine Kaffeeschale oder auch einfach nur eine größere Tasse, ein Becher. So ein Häferl wurde von Stefan Evertz als Preis ausgeschrieben. Gewinnen sollte ihn, wer am fleißigsten über das #coscamp twittert. Der glückliche Gewinner war ich, hier ist das gute Stück zu bewundern.

Die Idee mit dem Preis finde ich witzig und ich sage danke dafür! Ich muss aber zugeben, ich hatte einen Startvorteil. Ich habe schon im Zug begonnen zu twittern und der fuhr bereits um 7 Uhr los. Das sind ca. drei Stunden Vorsprung. ;-)

Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, ein eigenes Blog zu starten, fangen Sie einfach damit an. Ein Blog ist schnell eingerichtet und wenn Sie Angst davor haben, bei den ersten Beiträgen Unsinn zu schreiben, stellen Sie die Seite einfach erst mal auf privat. Dann sehen nur Sie, was Sie verfasst haben. Das schreibe ich jetzt aber nicht für all die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lehrgangs in Graz, die wissen sehr genau, was und wie sie über Content Strategy schreiben können. Ich würde es toll finden, wenn da in den nächsten Wochen und Monaten das eine oder andere Blog online geht.

Am Ende dieses Beitrags sage ich danke an all diejenigen, die das Barcamp in Graz organisiert haben. Ich sage danke an Katrin Hilger für die Organisation der Blogparade. Und bei Stefan Evertz habe ich mich schon bedankt. Bleibt nur noch ein allerletzter Punkt: Falls Sie jetzt Lust auf ein Barcamp bekommen haben. Am 2. Juli findet in Wien im Volkskundemuseum das stARTcamp statt.

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Wenn die Reichweite auf Facebook über die Höhe der Förderung entscheidet

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Foto von Jad Limcaco auf Unsplash Um es kurz zu machen: Es gibt verschiedene Kriterien für die Vergabe von Fördergeldern im Kunst- und Kulturbereich. Oft werden Innovation und die Qualität der Arbeit genannt. Das Problem: Es handelt sich um zwei sehr dehnbare Begriffe. Sehr viel leichter ist es, Auslastungsgrad und/oder Besucherzahlen als Kriterien heranzuziehen. Was aber ist, wenn Kultureinrichtungen nun auch im virtuellen Raum aktiv werden? Da gab es zum Beispiel vor fast 6 Jahren das Maxim Gorki Theater mit seiner Live-Aufführung der Effi Briest auf Facebook.
Oder das Rijksmuseum, das seine Werke online zur Verfügung stellt und sie darüber hinaus auch zum Download beziehungsweise zur Bearbeitung anbietet. Das heeresgeschichtliche Museum in Wien geht noch einen Schritt weiter und lädt zu eine virtuellen Rundgang durch seine Ausstellungsräume ein. Ist es da nicht an der Zeit, nicht nur die BesucherInnen vor Ort zu zählen, sondern auch die, die die Online-Angebote nutzen? Gut, nur die Reichweite der Facebook-Seite als ein Kriterium für eine Förderung heranzuziehen, ist vielleicht nicht ganz fair. Eigentlich müsste es die organische Reichweite sein, schließlich habe sonst die großen Kultureinrichtungen einen Wettbewerbsvorteil. Sie können mit bezahlten Postings und Werbeanzeigen arbeiten. Wobei es natürlich auch nicht sinnvoll ist, sich nur auf Facebook zu beschränken. Vielleicht sollten wir besser den Klout-Wert als Maßstab verwenden? Er umfasst die Aktivitäten der diversen sozialen Netzwerke. Und später, wenn wir dann an dem Punkt angekommen sind, an dem auch die Aktivitäten vor Ort in diesen Wert einfließen, können wir dann wirklich einen auf der Basis von Algorithmen erstellten Wert als Gradmesser für die Vergabe von Fördermitteln verwenden, oder? Wenn Ihr Pulsschlag sich gerade ein wenig erhöht hat und Sie schon überlegen, was für böse Worte Ihr Kommentar enthalten wird, kann ich Sie beruhigen. Ob Facebook-Reichweite oder Klout-Wert, bis jetzt ist das nur eine Fiktion, eine von „95 Thesen zu #theaterimnetz“. Sie kommen von den Kulturfritzen und entstanden während der letzten „Theater & Netz“-Konferenz, organisiert von der Heinrich Böll Stiftung und nachtkritik.de. Aber: Ist der Gedanke, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Facebookaktivitäten von Kultureinrichtungen sich auf die Fördervergabe auswirken und sich die Höhe der Fördergelder an deren organischer Reichweite auf Facebook orientiert (These 48), so abwegig? Ich denke nicht. Auch der 50. These kann ich viel abgewinnen:
„Das Programmheft steht nach dem Theaterbesuch als eBook kostenlos zur Verfügung.“
Gut, über das kostenlos lässt sich streiten, denn warum soll ein inhaltlich und auch optisch qualitativ hochwertiges Digitorial kostenlos sein, während wir für die Printversion ohne mit der Wimper zu zucken, das Portemonnaie öffnen? Während wir alte Ausstellungskataloge schon seit längerer Zeit kostenlos downloaden können, zum Beispiel die der Kunsthalle Wien oder des Metropolitan Museum of Art, gibt es das im Theaterbereich anscheinend noch nicht. Zumindest bin ich nicht fündig geworden. Was schade ist, denn ich habe in den letzten Jahrzehnten nicht nur tolle Ausstellungskataloge gesehen, sondern auch wunderbare Programmhefte in den verschiedenen Theaterhäusern. Was passiert mit all diesen alten „Büchern“, in denen das dramaturgische Grundkonzept der jeweiligen Produktion zu finden ist? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, mir gefallen die 95 Thesen. Etliche sollten oder könnten heute eigentlich schon umgesetzt sein, zum Beispiel These 31: „Ein WhatsApp-Service informiert über Restkarten.“ Dieses Angebot kommt mir so selbstverständlich (und auch nützlich) vor, dass ich vermute, dass irgendein Theater diesen Service schon heute anbietet und ich ihn nur nicht entdecken konnte. Oder These 35: „Die Theater-App ersetzt das Ticket-Büro.“ Schon klar, nicht alle kaufen ihre Tickets online, aber die Theater-Apps gibt es ja heute schon. Ich denke, es ist eine Frage der Zeit, wann die ersten Kartenvorverkaufsstellen geschlossen werden, weil sie kaum oder nicht mehr genutzt werden. Diese hier könnte auch sofort umgesetzt werden (These 40): „Pausengetränke-Vorbestellung jetzt auch als In-App-Kauf möglich.“ Oder diese (These 77): „Blogger gestalten zusammen mit der Dramaturgie das Programmheft als Online-Magazin.“ Natürlich gibt es auch ein paar völlig abwegige Thesen, etwa „Alle Theater entwickeln Social-Media-Guidelines für ihre Mitarbeiter“ (These 66) oder „Jedes Theater hat eine Social-Media-Strategie“ (These 25). 😉 Aber wäre ich ein Theater, dann würde ich mir diese 95 Thesen ganz genau ansehen und überlegen, welche ich umsetzen kann. Womit wir wieder beim Thema Innovation angekommen wären. Eine These liegt mir aber besonders am Herzen: „Theater als Diskursort erlebt seine Renaissance.“ Sie steht an dritter Stelle dieses Thesenpapiers und das nicht ganz zufällig. Schließlich ging es ja auch bei der Konferenz „Theater & Netz“ Anfang Mai 2017 in Berlin um Filterblasen, Echokammern, Fake News und die Tatsache, dass wir gar nicht mehr miteinander reden können. Wir verlernen es, weil wir alle in unseren Filterblasen leben, in denen Andersdenkende gar nicht vorkommen. Hier kann Theater eine wichtige Rolle übernehmen, nämlich der Ort zu werden, an dem der Diskurs noch möglich ist und gepflegt wird. Mit diesem Blogbeitrag nehme ich an der Blogparade der Kulturfritzen teil, die dazu aufgerufen hatten, diese Thesen zu diskutieren. Mein Beitrag kommt leider einen Tag zu spät, ich hoffe, Anne und Marc sehen es mir nach. Aber so sehe ich, wer sich daran beteiligt hat und wer nicht. Unter den zehn sehr lesenswerten Beiträgen ist leider keiner von einem Theater dabei. Schade. Aber wir können ja ausmachen, dass jedes Theater eine der Thesen aufgreift und umsetzt. Deal? ;-)
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#scvie: In zwei Wochen ist es soweit

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Foto von Finn Hackshaw auf Unsplash Noch zwei Wochen sind es bis zum stARTcamp hier in Wien und nachdem ich nun schon ein paar Mal gefragt wurde, was da denn genau passiert, möchte ich gerne noch mal erklären, worum es in diesem Jahr gehen und wie das @scvie ablaufen wird. Die wohl drängendste Frage ist die nach dem Thema. Anne Aschenbrenner, Barbara Royc, Michael Wuerges und ich haben uns darauf geeinigt, dass wir dem stARTcamp das Motto „(z)wischen Inhalten und Technologien“ voranstellen. Auf der einen Seite haben wir die Inhalte, den „Content“ und die Frage, wie wir damit das Interesse unserer Zielgruppen wecken können. Eine Methode, um bestimmte Inhalte zu transportieren, ist das Storytelling (siehe dazu mein Blogpost: „Storytelling: Es geht um das Wie, nicht um das Was„). Mit diesem Themenbereich beschäftigt sich das stARTcamp Bern, das ebenfalls am 21. November stattfinden wird. Auf der anderen Seite haben wir die Entwicklungen im digitalen Bereich. die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Immer neue technologische Möglichkeiten tun sich auf, unseren Content zu verbreiten und sichtbar zu machen. Die Technologie ist ein unerbittlicher Treiber, wer von uns hatte zum Beispiel vor ein paar Monaten Chatbots auf dem Radar? Heute gibt es dazu bereits einen eigenen Wikipediaeintrag und in Bälde werden bei uns vermutlich die ersten Kultureinrichtungen damit zu experimentieren beginnen. Um diese Technologien geht es – auch am 21. November – beim stARTcamp in Essen. Kultureinrichtungen können nicht einfach so damit beginnen, Inhalte mit Hilfe neuer Technologien zu kommunizieren, wenn sie auch wirklich davon profitieren wollen. Sie müssen sich verändern, weiterentwickeln und einen Veränderungsprozess einleiten, der zur Zeit mit dem Schlagwort „digitale Transformation“ etikettiert wird. In meinem letzten Blogbeitrag über den „digitalen Kulturbetrieb“ habe ich versucht zu zeigen, dass es dabei etliche Stellschrauben gibt, an denen wir drehen müssen. Martina Bär-Sieber, Rainer Krumm und Hartmut Wiehle haben in ihrem Buch „Unternehmen verstehen, gestalten, verändern“ (Affiliate-Link) ein Modell entwickelt, das die folgende Grafik abbildet: 7S Modell Diese Grafik zeigt den Bereich, der „zwischen“ den Inhalten und den (neuen) Technologien liegt, mit dem wir uns beim stARTcamp Wien beschäftigen werden, das am 21. November im Volkstheater Wien stattfinden wird. Da wir leider nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben, beschränken wir uns auf die obere Hälfte der Grafik, nämlich die Bereiche System/Prozesse, Struktur und Strategie. Im Unterschied zu den klassischen Barcamps werden wir dieses Mal nicht mit den sonst üblichen Sessions beginnen, sondern ein anderes Format versuchen: das World-Café. Nachdem beim letzten stARTcamp im MAK der Wunsch aufkam, sich etwas länger mit einem Thema zu beschäftigen, probieren wir dieses für uns neue Format einmal aus. Für mich besteht der Vorteil darin, dass wir hier alle miteinander – ausgehend von unseren eigenen Erfahrungen und Vorstellungen – ins Gespräch kommen und gemeinsam überlegen können, wie diese Veränderungsprozesse idealerweise aussehen. Wir haben dafür drei Fragerunden a 30 Minuten zur Verfügung und das in einer Location, die dafür besser nicht sein könnte, die Rote Bar im Volkstheater. Am Ende fassen wir die Ergebnisse aller Tische zusammen, diskutieren sie und überlegen, welche Konsequenzen sie für unsere Arbeit haben. Dafür steht dann am Nachmittag noch das Session-Format zur Verfügung, das wir alle von Bar-und stARTcamps her kennen. Hier haben wir die Möglichkeit, Inhalte zu vertiefen, Fragen zu beantworten oder einfach weiter zu diskutieren. Und da wir als stARTconference glauben, dass wir es hier mit einem für den Kulturbereich wichtigen Thema zu tun haben, gibt es seit heute auch eine Blogparade dazu. Unter der Überschrift „Kultur an der real-digitalen Schnittstelle“ laden wir alle Interessierten dazu ein, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und dazu eigene Blogbeiträge zu verfassen. Die besten Blogbeiträge  und die Ergebnisse der stARTcamps fassen wir dann in einem eBook zusammen, das wir kostenlos zur Verfügung stellen. Wie das genau aussehen wird, können wir im Moment noch nicht sagen, weil das natürlich ein Stück weit davon abhängt, zu welchen Ergebnissen wir bei den stARTcamps kommen und welche Beiträge im Rahmen der Blogparade veröffentlicht werden. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und beim stARTcamp dabei sein möchte: hier gibt es die Tickets, die wie im letzten Jahr wieder 30 Euro kosten. Außerdem informieren drei Blogbeiträge über das stARTcamp, das auch dieses Jahr wieder den Hashtag #scvie haben wird:
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Blogparade: #TheaterimNetz

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Foto von Anna Dziubinska auf Unsplash. Marc Lippuner hat sich auf dem Kulturfritzen-Blog die Frage gestellt, warum sich die Theater mit dem Social Web so schwer tun? Die Frage taucht immer wieder auf, Devon Smith hat sich beispielsweise 2010 das Social Media-Verhalten von Theatern angeschaut (siehe mein Blogpost „So nutzen Theater Social Media„) und dabei festgestellt, dass das Potenzial bei weitem nicht genutzt wird. Vermutlich käme man, so man diese Untersuchung wiederholen würde, zu einem ähnlichen Ergebnis. Was aber sind die Gründe dafür? Eindeutige Antworten gibt es darauf bis heute nicht und so gefällt mir die Idee von Marc, zu einer Blogparade aufzurufen:
„Warum findet Theater im Netz nicht wirklich statt, aber auch: Warum findet das Netz im Theater nicht statt?“
Stimmt ja gar nicht, könnte ich entgegnen und Beispiele wie dieses Video auflisten. Irgendwie erinnert es mich an „Beam me up Scotty„, aber ob die Bewerbung als SchauspielerIn in ein paar Jahren in Form eines Videospiels über die Bühne geht, wage ich doch zu bezweifeln (siehe dazu auch den Beitrag von Joe Patti: „Theatre of the Future Gives Me Ulcers„). Gut, Internet und Theater, das gibt es schon, aber es sind meist einzelne Aktionen, wie Christian Holst in seinem Beitrag zu dieser Blogparade feststellt. Für ihn geht es aber nicht darum, mit großem Aufwand für eine begrenzte Zeit maximale Aufmerksamkeit zu erzielen, sondern alltagstaugliche Konzepte zu entwickeln. Seiner Meinung nach gelingt das am besten
„mit schnell und meist sogar zufällig erstelltem ‚Cat content‘, also Content mit überschaubarem inhaltlichen Niveau aber hohem Emotionalisierungs-potential, und durch Werbeanzeigen vergrösserter Reichweite“.
Die sozialen Netzwerke sind für ihn also eher digitale Pausenfoyers, in denen nicht tiefschürfende Gespräche stattfinden, sondern Small Talk im Vordergrund steht. Es mag ernüchternd klingen, aber so abwegig ist dieser Gedanke nicht. Jeremy Rifkins hat in seinem Buch „Access“ vor der drohenden Kommerzialisierung unserer Gesellschaft gewarnt. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel, der vor wenigen Tagen in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen ist. In „Shop till you drop“ vertritt Autor Robert Kaltenbrunner die These,
„dass das Shopping in unserer Gesellschaft die letzte verbliebene ‚öffentliche Handlungsweise‘ darstelle“
und das urbane Leben vom System des Kaufens und Verkaufens bestimmt werde. Dabei steht nicht mehr die Bedürfnisbefriedigung im Vordergrund, sondern das Erlebnis. So ist auch zu erklären, warum der Begriff der Customer Experience so eine große Bedeutung hat. Kaltenbrunner beschreibt in seinem Artikel, wie der Vorgang des Kaufens und Verkaufens in den Städten immer wieder neu inszeniert wurde, nur so konnten die sogenannten Konsumtempel entstehen. Diese Entwicklung sieht er aber nun durch die wachsende Bedeutung des Internets und den stark zunehmenden Onlinehandel gefährdet. Es gilt daher Konzepte zu entwickeln, die unserem veränderten Kaufverhalten gerecht werden und den Orten des Kaufens und Verkaufens neue Attraktivität verleihen. Meine Idee des „digitalen Erlebnisraums“ geht in diese Richtung, bei der der reale Ort beziehungsweise Raum eine digitale Erweiterung erfährt. Was das für unsere Städte bedeutet, hat Frank Tentler in seinem Blogbeitrag „Nächste Haltestelle: City 4.0“ sehr schön beschrieben. Wenn wir die sozialen Netzwerke vor allem für Unterhaltungszwecke nutzen, dann hat das natürlich auch Auswirkungen auf den Kunst- und Kulturbereich. Natürlich lassen sich an geeigneter Stelle inhaltliche Diskussionen führen, es gibt zum Beispiel zahlreiche Facebookgruppen, wo das wunderbar funktioniert. Aber um im Newsfeed der Mehrzahl der UserInnen zu bestehen, ist das vermutlich nicht der richtige Ansatz. Verlangt wir die (digitale) Inszenierung und das hat für die verschiedenen Kunstsparten unterschiedliche Konsequenzen. Der Museumsbereich tut sich in meinen Augen mit dieser Entwicklung leichter als etwa das Theater. Objekte zu inszenieren und das nach Möglichkeit auch im digitalen Raum, das ist etwas, das den Museen in Ansätzen schon recht gut gelingt. Das Projekt „Rembrandt digital„, das mit dem Hashtag #myrembrandt für Aufsehen gesorgt hat, steht stellvertretend für etliche Ideen, die in den letzten Jahren umgesetzt werden konnten. Die Theater tun sich an dieser Stelle sehr viel schwerer. Dort haben wir es nicht mit Objekten zu tun, die man jederzeit zur Verfügung hat und digital auf Reisen schicken kann, sondern mit Inszenierungen. Gesucht sind in meinen Augen Ideen zur digitalen Erweiterung von auf der Bühne stattfindenden Inszenierungen. Ich weiß nicht, ob man hier vom Spiel im Spiel sprechen kann, aber in eine solche Richtung weiterzudenken macht unter Umständen Sinn. Die „Inszenierungen“ von machina eX fallen mir in diesem Zusammenhang ein. Ob Pausenfoyer oder „Computerspieltheater“, das ist für mich der Rahmen, der den Theatern zur Verfügung steht, wenn sie den digitalen Raum für ihre Zwecke nutzen wollen. Die Verwendung der Netzwerke als Pausenfoyer verstößt vermutlich gegen das Selbstverständnis vieler Menschen, die in den Theatern arbeiten und das, was machina eX „auf die Bühne“ bringt, entspricht wohl auch nicht unbedingt dem, was die meisten sich von einer Bühneninszenierung erwarten. Ob ich mit meinen Gedanken richtig liege, weiß ich nicht, aber ich würde dieses Thema gerne auf dem stARTcamp am 10. Dezember hier in Wien diskutieren. Einige Tickets gibt es noch, vielleicht haben Sie ja Lust und Interesse, sich über dieses und etliche andere Themen auszutauschen. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zum #scvie.
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Blogparade von Stefan Evertz: Mein erstes Barcamp

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stARTcamp Essen © Frank Tentler „Unverhofft kommt oft“, dieses Sprichwort gilt auch für das stARTcamp in Essen. Was hier auf dem Bild so nett und gemütlich aussieht, ist nichts anderes als die Sessionplanung. Obwohl wir ungewöhnlich früh beginnen wollten, war einfach noch niemand da, der uns das Unperfekthaus aufsperren konnte. Und so begannen wir einfach mitten in der Fußgängerzone, das Programm für diesen Tag zu gestalten. Dieser Tag ist übrigens leicht zu merken, FussballkennerInnen verbinden mit dem 3. Juli 2010 das Spiel der Fussballweltmeisterschaft Argentinien gegen Deutschland, das wir uns am Ende gemeinsam anschauten. Warum ich das erzähle? Stefan Evertz hat zu einer Blogparade aufgerufen, in dem er nach dem ersten Barcamp fragt. Zwei Gründe sind es, die mich dazu motiviert haben, mich daran zu beteiligen. Der erste  hat mit dieser terminlichen Überschneidung von Fussball und stARTcamp zu tun. Fussballweltmeisterschaft, das ist ein Ereignis, das zwar nicht gestern stattgefunden hat, aber es liegt noch nicht sooo lange zurück, zumindest für mich. Schließlich hat es seitdem keine weitere Fussballweltmeisterschaft mehr gegeben, die Qualifikation für die nächste wird gerade abgeschlossen. Denke ich aber an das stARTcamp, das ebenfalls an diesem Tag stattgefunden hat, so kommt mir das schon fast wie ein anderes Zeitalter vor. Und ich bin ja eher ein Späteinsteiger, die ersten Barcamps im deutschsprachigen Raum gingen schon vier Jahre früher über die Bühne. Für mich zeigt diese unterschiedliche Wahrnehmung, wie rasch sich das Social Web weiterentwickelt. Der Begriff „über die Bühne gehen“ führt mich zu meinem zweiten Punkt führt. Ein Session in Essen ist mir besonders in Erinnerung geblieben und witzigerweise hat sie Stefan Evertz damals moderiert. Eine der BesucherInnen, ich weiß leider nicht mehr, wer es war, machte genau das, was ein Barcamp gegenüber der klassischen Konferenz auszeichnet. Sie wollte nichts vortragen, sondern hatte eine Frage, die damals wohl viel beschäftigte: Wie schaffe ich es, meinen Chef von Social Media zu überzeugen? Die Frage ist heute noch so aktuell wie damals, aber während es heute mehr darum geht, ob sich Social Media überhaupt lohnt, beschäftigten wir uns damals mehr mit den Ängsten und Befürchtungen. Für mich war diese Session eine Art Initialzündung, denn sie zeigte mir, welches Potenzial im Barcamp-Format steckt. Während ich bei der klassischen Konferenz darauf hoffen muss, dass meine Bedürfnisse abgedeckt werden, habe ich es bei einem Barcamp in der eigenen Hand. Ich kann meine eigene Session vorschlagen und mich mit denen austauschen, die sich mit genau dieser Frage beschäftigen wollen. Die Möglichkeit, sich inhaltlich auszutauschen und gleichzeitig interessante Menschen (wieder) zu treffen, hat mich mittlerweile mehr als zehn Barcamps besuchen lassen. Und ich habe vor knapp zwei Monaten zusammen mit der Kunsthalle Wien erstmals selbst ein Barcamp organisiert. Stefan Evertz hat uns aber nicht nur aufgefordert, über unser erste Barcamp zu berichten, sondern auch die Frage zu beantworten, ob wir anderen den Besuch eines Barcamps empfehlen würden und wenn ja, warum. Mit dieser Frage müssen sich vor allem die beschäftigen, die ein Barcamp planen, denn vielen ist das Format einfach noch nicht bekannt und so kommen schon Zweifel auf, was man denn dort solle, wo es doch noch nicht einmal ein festes Programm gebe. So fand ich unter einem Facebookposting, in dem ich auf das stARTcamp hinwies, diesen Kommentar:
„Zum besseren Verständnis: Man hat keine Ahnung, worum es gehen wird und meldet sich ‚auf Verdacht‘ an, dass schon irgendetwas Interessantes herauskommen wird?“
Ich bin darauf schon in einem eigenen Beitrag auf dem stARTconference-Blog ausführlich eingegangen, deshalb möchte ich nur den wichtigsten Punkt herausgreifen. Der Erfolg eines Barcamps hängt – im Unterschied zu vielen anderen Formaten – vor allem von mir selbst, meinen Erwartungen und meinem Engagement ab. Wer an einem Barcamp teilnimmt, ist nicht Konsument, sondern ein wichtiger Baustein im Gesamtgefüge. Das geht schon bei der Vorstellungsrunde los und endet oft erst dann, wenn man in einem Blogbeitrag die Veranstaltung Revue passieren lässt. Wenn alle nur darauf warten, dass etwas passiert, dann wird das Barcamp ein Misserfolg. Wenn sich aber alle darauf einlassen, dann ist so ein Barcamp eine irrsinnig motivierende Geschichte, an deren Ende viele zwar erschöpft, aber auch zum Teil euphorisiert sind. Das ist nämlich ein weiterer Pluspunkt dieses Formats: Viele sind anfangs sehr zurückhaltend, merken aber recht schnell, dass es nicht weh tut, sich einzubringen. Ganz im Gegenteil: Es macht Spaß und bringt einem enorm viel. Neues Wissen, neue Freunde. Mein Wunsch ist es deshalb, Barcamps auch in Bereichen auszuprobieren, in denen es sie bis jetzt noch nicht gibt. Warum kann nicht ein Kulturbetrieb dieses Format wählen, um mit seinen BesucherInnen ins Gespräch zu kommen? Ein Architekturmuseum kann sich mit der regionalen Architektur beschäftigen, die Oper mit Wagner, das Theater mit zeitgenössischen TheaterautorInnen. Für mich ist das eine spannende Frage, ob es gelingt, das „Publikum“ auf diese Weise aktiv einzubinden und ich bin gespannt, wer sich zuerst auf dieses Experiment einlässt.
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Facebook: Warum ich auf eine Unternehmensseite verzichte

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Brauche ich denn wirklich eine Unternehmensseite? Oder reicht nicht auch ein Profil? Was für ein Unternehmen oder eine Organisation spätestens dann peinlich wird, wenn ihr „Geburtstag“ in der Timeline der „Freunde“ auftaucht und außerdem laut den Geschäftsbedingungen von Facebook verboten ist, lässt sich für EinzelunternehmerInnen nicht so einfach beantworten. „Profil oder Seite – oder beides?„, mit dieser Frage startete Annette Schwindt vor knapp zwei Wochen eine „Blogparade für Einzelkämpfer“, wie sie es genannt hat. Nachdem ich in diese Kategorie gehöre, nutze ich die Gelegenheit, mich mit dieser Frage zu beschäftigen.

Facebook: CHF Kulturmanagement

Annettes Frage kann ich recht einfach beantworten: Ich nutze für mich und mein Unternehmen nur das persönliche Profil. Zwar habe ich vor einiger Zeit mal eine Seite eingerichtet (siehe Screenshot), bin damit aber nie online gegangen und heute recht froh über diese Entscheidung. Als ich im Juli 2007 bei Facebook ein Profil angelegt habe, war für mich klar, dieses Netzwerk nicht für private Zwecke zu nutzen. Insofern stand ich auch nie vor der Herausforderung, Inhalte vor anderen UserInnen verbergen zu müssen. Warum ich dieses Netzwerk nie privat genutzt habe, kann ich so gar nicht beantworten, es war aber auf alle Fälle zu Beginn keine strategische Entscheidung. Aber als es zum Thema wurde, war ich froh, auf den Status Quo aufbauen zu können. Das Thema Unternehmensseite kam natürlich immer wieder auf, mit der stARTconference sind wir ja dann auch diesen Weg gegangen und haben recht schnell gemerkt, dass diese Mischung aus persönlichem Profil und Unternehmensseite viele Vorteile hat. Zumal wir alle unsere eigenen Chefs waren und niemandem Rechenschaft schuldig waren. Allerdings war und ist die stARTconference auch nur ein Teil von mir und so sehe ich keine Gefahr, dass es zu großen Überschneidungen kommt. Natürlich vermisse ich manchmal die Statistiken auf meinem Profil, aber auf der anderen Seite kann ich an mir selbst beobachten, dass ich die Zahlen, die mir auf einer Unternehmensseite zur Verfügung gestellt werden, auch nicht besonders exzessiv nutze. Das hat aber vermutlich damit zu tun, dass Facebook für mich nur ein Teil des Social Media-Mix ist und daher nicht so eine große Rolle spielt. Dass die Netzwerkbetreiber in den letzten Monaten die Sichtbarkeit der Postings von Unternehmensseiten reduziert haben, bestärkt mich in meiner Ansicht, war aber nicht der ausschlaggebende Grund. Hellseher bin ich nämlich keiner. ;-) Ich habe auch immer wieder gerne mit Facebookseiten experimentiert, um herauszufinden, was sich damit machen lässt. So habe ich vor knapp zwei Jahren mit der Plattform Kulturfinanzierung begonnen, weil ich herausfinden wollte, ob eine themenorientierte Seite nicht viel sinnvoller ist als eine reine Unternehmensseite.  Nun reicht mir leider die Zeit nicht dafür, dort tagtäglich neue Inhalte zu posten. Aber so langsam wächst die Seite und ich muss gestehen, es macht mir Spaß, diese Seite zu betreiben. Es gibt auch einen klaren inhaltlichen Fokus, wodurch ich eigentlich nie Gefahr laufe, Inhalte sowohl dort als auch auf meinem Profil zu posten. Und wenn, geschieht es so selten, dass es auch nicht wirklich schlimm ist. Insofern kann ich diese Variante durchaus empfehlen. Die Seite ist dann aber eher Beiwerk, kann aber im Laufe der Zeit durchaus an Dynamik gewinnen. Ich hatte mir auch mal überlegt, für mein Blog eine eigene Seite einzurichten. Davon bin ich allerdings wieder abgekommen, denn ich hätte damit die gleiche fehlende Perspektive wie mit meiner Unternehmensseite, die nun schon seit Juni 2009 ein trauriges Offline-Dasein führt. Insofern werde ich wohl in der nächsten Zeit nichts an diesem mittlerweile bewährten Konzept ändern. Aber bei Facebook weiß man ja nie, vielleicht sieht die (Facebook)-Welt morgen schon wieder ganz anders aus. ;-)
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Das Konzert der Zukunft (Blogparade)

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Wie sieht das Konzert der Zukunft aus? Zu dieser Frage haben die Duisburger Philharmoniker auf ihrem Dacapo-Blog eine Blogparade gestartet. Die Berliner Philharmoniker haben mit ihrer Digital Concert Hall vermutlich schon ein Stück dieser Zukunft vorweggenommen. Auch in der Met hat die Zukunft bereits begonnen, seitdem die Opernaufführungen live in die verschiedenen Kinos übertragen werden. Und das weltweit. Auffällig an diesen Beispielen ist, dass sich die Orte verändern, an denen wir ein Konzert (oder im Fall der Met eine Oper) erleben dürfen. Mal ist es der Platz vor dem Computer, mal der Kinosessel. Beide Kultureinrichtungen folgen damit der Aufforderung des Kulturwissenschaftlers Martin Tröndle, der im letzten Jahr zu dem Ergebnis kam:
„Wir müssen das Konzert verändern, wenn wir es erhalten wollen.“
Stimmt alles gar nicht, schreibt Gerald Mertens in der aktuellen Ausgabe der Kulturpolitischen Mitteilungen und verweist nicht ganz zu Unrecht darauf, dass Konzerte schon lange nicht mehr ausschließlich in Konzertsälen stattfinden. Er meint damit eher Kirchen- oder Hochschulkonzerte und ahnt vermutlich nicht, dass es in Deutschland auch „Konspirative Küchenkonzerte“ gibt. Wenn man den Konzertsaal auf der einen und die Küche auf der anderen Seite als Aufführungsort von Konzerten betrachtet, kommt man recht schnell zu dem Ergebnis, dass die Bandbreite möglicher Aufführungsorte doch schon recht groß ist und die Idee, mit Musik den Konzertsaal zu verlassen, nicht mehr unbedingt als innovativ bezeichnet werden kann. Wenn wir dann noch berücksichtigen, dass Konzerte natürlich auch online stattfinden können und das sogar auf Second Life, dann lässt sich sagen: hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, erlaubt ist, was gefällt. Bleibt die Frage, was gefällt? Ich fürchte, hier wird die Sache nicht leichter. Nicht nur die Geschmäcker sind verschieden, selbst ein und dieselbe Person nimmt sich manchmal die Freiheit heraus und hört ganz unterschiedliche Musik. Da gibt es auf der einen Seite den Musik-Mainstream, egal welches Genre man sich anschaut und dann haben wir da die Nischen, in denen die Zahl der begeisterten ZuhörerInnen etwas kleiner ausfällt. Auch hier gilt aus der Sicht des Publikums: erlaubt ist, was gefällt, insofern ist eine Prognose, wie das Konzert der Zukunft aussieht, eigentlich unmöglich. Es wird weiter Bruckner-Symphonien in Konzertsälen geben und auch Hansi Hinterseer wird weiterhin seine Fans in die Berge Österreichs schleppen (kleine Randbemerkung: achten Sie mal auf die Zugriffszahlen beider Videos). Und was sagen die Musikkritiker bzw. die Leute vom Fach? Alex Ross hat im letzten Jahr in seinem Blogpost „Art must die“ aus einem Brief Richard Wagners an Franz Liszt zitiert und konstatiert am Ende seines Beitrags:
„If you really wanted to be true to the spirit of Wagner, you would stop playing him and focus on new work instead.“
Das bedeutet: weg mit den alten Zöpfen und Mut zu Neuem. In fünf Jahren hören wir dann Musik, die es heute noch gar nicht gibt. Auf meinem Weg in die Zukunft bleibe ich also immer wieder in der Gegenwart stecken und halte fest: DAS Konzert der Zukunft wird es nicht geben. Es wird ganz viele Konzerte der Zukunft geben. Große und kleine Formate, gewöhnliche und ungewöhnliche Orte, Musik zum Wohlfühlen und Musik, die nachdenklich macht oder sogar verstört. Was wir wollen, hängt von vielen Faktoren ab, was aber kein Problem ist, denn das Angebot ist praktisch unüberschaubar. Anders ist die Situation derjenigen, die diese Konzerte organisieren und dort spielen. Ein ständig wachsendes Angebot und sinkende Budgets machen es immer schwerer, den Status Quo zu halten bzw. sich als Newcomer zu etablieren. Konzerthäuser, Orchester, aber auch einzelne KünstlerInnen werden sich mehr und mehr darum bemühen, ihr Publikum an sich zu binden. Christoph Deeg hat in seinem Beitrag zu dieser Blogparade geschrieben:
„Das Konzert der Zukunft beginnt schon vor der Aufführung und endet nicht mit dieser.“
Da ist er wieder, der Community-Ansatz. Ob im realen Leben oder in der Online-Welt, Orchester, MusikerInnen, aber auch die VeranstalterInnen werden sich zukünftig immer stärker um uns bemühen und uns teilhaben lassen an künstlerischen Prozessen, die uns eine ganz neue Art des Musikerlebens möglich machen werden. Aber das wird nur ein Angebot sein, keine Verpflichtung für uns als Publikum, denn eines ist klar: das Konzert der Zukunft ist ein bunter Strauss verschiedener Angebote und das in jeder Hinsicht. Wahrscheinlich wird das Publikum dann auch (noch) bunter.
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Wie sieht das Kulturangebot der Zukunft aus?

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© Gerd Altmann ; Pixelio Nicht nur in diesem Blog geht es immer wieder um die Frage, wie sich Kunst und Kultur zukünftig finanzieren lassen. Auch auf der letzten stARTconference war das ein Thema, schon im Vorfeld erschien das gemeinsam mit Kulturmanagement Network produzierte eBook „Geschäftsmodelle im Web2.0“ und auch auf der Konferenz selbst drehten sich viele Vorträge um dieses Thema. Wie aber sieht die Kunst der Zukunft eigentlich aus? Die Duisburger Philharmoniker interessiert diese Frage natürlich vor allem im Hinblick auf den Konzertbereich und so haben sie Mitte Juni eine Blogparade gestartet, die nach dem „Konzert der Zukunft“ fragt:
„Niemand hätte vor 2008 gedacht, dass es einmal eine Zeit geben würde, in der man Konzerte online gestreamt am Recher anschauen können würde. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals noch Zukunftsmusik: Always on, permanenter Zugriff auf das Internet mit dem Smartphone. Innerhalb kurzer Zeit hat sich viel verändert im klassischen Bereich. Deswegen möchten wir mit der Blogparade “Das Konzert der Zukunft” wissen, wie sich unsere Webfreunde einen Konzertbesuch in 5 Jahren vorstellen,“
schreibt Christian Spließ auf dem Dacapo-Blog. Bis Ende Juli besteht noch die Möglichkeit, sich mit eigenen Ideen daran zu beteiligen. Gemessen an der Zahl der Beiträge ist es um die Vorstellungskraft schlecht bestellt. Oder es sind alle mit dem jetzigen Status Quo zufrieden und möchten, dass er erhalten bleibt. ;-) Einem ähnlichen Thema wird sich die 6. Jahrestagung des Fachverbands für Kulturmanagement widmen. Unter der Überschrift „Zukunft Publikum: Neue Beteiligungsformen und interaktive Kulturwahrnehmung“ geht es vom 12. bis 14. Januar 2012 in Lüneburg um die Erforschung kultureller Beteiligungsstrategien. Auch hier wird im Rahmen des Call for Papers danach gefragt, wie die Kulturangebote der Zukunft aussehen könnten und darauf hingewiesen, dass das Publikum eine aktivere Rolle spielen könnte als heute. So geht es unter anderem bei dieser Tagung um die Entwicklung neuer Strategien kultureller Beteiligung:
„Neue Anforderungen des Kulturpublikums und Transformationsprozesse im Kultursektor verlangen nach neuen Konzepten für die Beziehung zwischen KulturproduzentInnen und Publikum. Denn häufig wird dem Publikum eine interaktive Rolle zugeschrieben. Welche Zielgedanken verbergen sich dahinter? Wie bilden sich daraus Marketingstrategien und wie wird das kulturelle Angebot davon beeinflusst? Wie nehmen Kulturschaffende diese Prozesse wahr und wie reagieren sie darauf? Welche neuen Akteure entwickeln sich auf dem Kulturmarkt mit welchen Angeboten?“
lauten die Fragen, auf die in Lüneburg Antworten gefunden werden sollen. Ich bin gespannt auf die Antworten beziehungsweise Konzepte. Als wir im Vorfeld der stART09 gemeinsam mit der Karlshochschule nach der Vision Kulturmanagement 2020 fragten, konnte der erste Preis in Form eines Vollstipendiums für den Studiengang in Karlsruhe nicht vergeben werden. Mangels Visionen. Es muss also nicht unbedingt das fehlende Geld sein, das zum Niedergang von Kunst und Kultur führt. Auch fehlende Visionen können die Ursache dafür sein. Die Blogparade und die Jahrestagung sind zwei Möglichkeiten, zumindest dieser Gefahr entgegen zu wirken.
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Blogparade: „Blog’n Roll – Rettet die Blogroll“

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© Rainer Sturm ; Pixelio Wenn in der Überschrift dreimal das Wort „Blog“ vorkommt, ist klar, dass Blogs in diesem Beitrag eine Rolle spielen. Und genau um diese „Blogrolle“ geht es. Eine Blogroll, das ist die Liste der Blogs, die der Betreiber eines Blogs aus irgendwelchen Gründen gerne liest und den BesucherInnen seines Blogs weiterempfiehlt. Bei mir finden Sie die – ziemlich lange – Blogroll in der rechten Spalte. Leider gibt es immer mehr Blogs, die diese Blogroll nicht mehr haben, was Tim Krischak dazu bewogen hat, sich für ihren Erhalt einzusetzen. Nach dem Motto „spread the word“ hat er eine Blogparade initiiert, die den schönen Titel „Blog’n Roll – Rettet die Blogroll“ trägt. Warum sollen wir die Blogroll retten? Brauchen wir sie überhaupt? Schließlich ist es viel leichter, via Facebook oder Twitter einen Link zu verschicken und so auf einen interessanten Beitrag aufmerksam zu machen. Robert Basic hat vor einiger Zeit in einem Blogpost über die fehlenden Blogdebatten geschrieben und stellt an anderer Stelle fest, dass die Blogosphäre eben nur ein Abbild der Gesellschaft sei:
„Zuerst Ich, dann vielleicht die anderen.“
In der Realität heißt das: die Zahl der Blogs steigt, aber wir erfahren immer häufiger gar nicht von ihnen. Eben auch deshalb, weil sich BloggerInnen auf sich selbst konzentrieren und das eigene Blog mit Inhalten füllen. Auf anderen Blogs präsent zu sein, macht auch heute noch Sinn, wo wir uns größtenteils über Facebook und Twitter vernetzen. Blogs funktionieren ganz anders, sie wirken nachhaltiger, denn ihre Inhalte können auch noch nach Jahren via Google gefunden werden. Bei einzelnen Tweets oder Facebook-Postings ist das unwahrscheinlich (siehe dazu mein Blogpost Warum der Social-Media-Mix nicht nur aus Facebook und Twitter besteht), sie sind innerhalb kürzester Zeit verschwunden. Gerhard Schröder macht daher auch Facebook und Twitter für diese Entwicklung (mit)-verantwortlich. In seinem Beitrag Soziale Netze, zum ZERREIßEN gespannt? stellt er aber auch fest, dass sich unsere Lesegewohnheiten verändert haben. Viele Tools bringen es mit sich, so konstatiert er, dass wir gar keine Möglichkeit haben, Blogposts zu kommentieren. Wenn wir davon ausgehen, dass BlogbetreiberInnen auch BlogleserInnen sind, dann heißt das, dass sie sich immer mehr einigeln, also genau das tun, was Robert Basic ihnen mit dem Schlagwort „Blog alone“ vorwirft. Warum dann noch eine Blogroll haben, wo die anderen ja auch nicht mehr auf einen hinweisen oder gar kommentieren? In meinen Augen ist die Blogroll eines der nachhaltigsten Instrumente, um das eigene Netzwerk am Leben zu erhalten. Nicht nur die LeserInnen stoßen auf diese Weise auf interessante Blogs, auch die BloggerIn selbst wird immer wieder an Blogs erinnert, die sie vor längerer Zeit für gut befunden hat und in der letzten Zeit gar nicht mehr besucht hat. Insofern kann es zwar egoistisch sein, wenn man ohne Blogroll vor sich hinbloggt. Es kann aber auch egoistische Gründe geben, die einen dazu antreiben, eine Blogroll zu haben: sie ist ein Erinnerungszeichen für die vielen guten Inhalte, die man im Laufe der Jahre entdeckt und unter Umständen wieder vergessen hat. Grund genug, eine Blogroll zu haben.