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Die deutschen Museen verzeichnen 2012 mehr als 112 Millionen Museumsbesuche

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Bild: Pergamon Museum, Berlin, 2012„; By Thomas Claveirole (CC BY-SA 2.0)

Fast 113 Mio. Museumsbesuche konnten die deutschen Museen im Jahr 2012 verzeichnen, hat das Institut für Museumsforschung kurz vor den Weihnachtsfeiertagen vermeldet. Das ist gegenüber dem Jahr 2011 ein Zuwachs von 2,9 Prozent und zugleich die höchste Besuchszahl seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1981, heißt es in der Pressemitteilung.

Die in Kooperation mit dem Deutschen Museumsbund erarbeiteten Zahlen stehen unter dem Titel „Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2012“ sowohl als PDF als auch in einer Printausgabe zur Verfügung. Wer sich für die Zahlen der vergangenen Jahre interessiert, findet die Statistiken auf dieser Seite des Instituts für Museumsforschung.

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„Kultur macht stark“

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Es hat zwar etwas gedauert, aber im letzten Jahr startete das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung das schon 2009 im Koalitionsvertrag beschlossene Förderprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung„. In den nächsten fünf Jahren stehen jeweils zwischen 30 und 50 Mio. Euro zur Verfügung, die aber nicht direkt in Projekte fließen, sondern von lokalen Bündnissen für Bildung verwaltet werden. Gefördert werden damit, so heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums „außerschulische Angebote der kulturellen Bildung für benachteiligte Kinder und Jugendliche“.

Die Liste der Verbände, die im Rahmen des Programms erfolgreich ein Programm eingereicht haben, ist lang, sie alle haben jeweils einen Maßnahmenplan vorgeschlagen, der nun den Rahmen für ihre eigenen Ausschreibungen bildet.

Auch der deutsche Museumsbund ist mit einer eigenen Initiative vertreten. Unter dem Motto „Von uns – für uns! Die Museen unserer Stadt entdeckt.“ sollen Kinder und Jugendliche den kulturellen Raum Museum unter pädagogischer Anleitung erleben. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die sogenannten „Peer-Teamer“, die nach einer musealen und medialen Ausbildung als Museumsbotschafter fungieren, um dann gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ein Museumsportrait zu entwickeln, das dann der Öffentlichkeit präsentiert wird. Angesprochen werden besonders „bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 18 Jahren (.), die von Hause aus nur wenig oder gar nicht mit dem Thema Kultur und Museum in Berührung kommen“. Bis 19. August läuft nun die erste Ausschreibungsrunde, für die sich mindestens drei Bildungspartner zusammenschließen müssen, um eine fünfstufige Maßnahme zu konzipieren und einzureichen.

Einer der drei Partner muss ein Museum sein, bei Partner Nummer zwei sollte es sich um eine Kinder-, Jugend- oder karitative Einrichtung handeln, der dritte Partner kann frei gewählt werden. Im Rahmen der aktuellen Ausschreibung werden bis zu 26 Projekte ausgewählt, die dann im Herbst mit der Arbeit beginnen können.

Alle weiteren Informationen, auch die zum laufenden Bewerbungsverfahren, finden Sie auf den Seiten des Deutschen Museumsbundes. Viel Erfolg!

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Deutschland: Der Kulturfinanzbericht 2012

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Während sich in den kleinen Bereichen oft wahre Tragödien abspielen, sieht es auf der aggregierten Ebene gar nicht so schlecht aus. Die Rede ist vom Kulturfinanzbericht 2012, der auf der Seite des Statistischen Bundesamtes zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. Zwar basiert er auf dem Zahlenmaterial des Jahres 2009, allerdings dokumentiert er darüber hinaus auch die auf den Haushaltsentwürfen beruhenden Zahlen bis 2012.

Im Jahr 2009 gab der Staat 9,13 Milliarden Euro für die Kunst aus. Rechnet man den kunstnahen Bereich dazu, kommt die stolze Summe von 10,72 Milliarden Euro zusammen. Zählt man beide Bereiche zusammen, tragen die Länder die größte Last, bei den Kulturausgaben tragen die Gemeinden die Hauptlast (siehe Tabelle, Angaben in Mio. Euro).

Der Bericht zeigt einige interessante Entwicklungen auf. Während zum Beispiel in den westlichen Flächenstaaten (also ohne die Stadtstaaten) die Kulturausgaben zwischen 1995 und 2009 um 32,5 Prozent zunnahmen, stiegen die Ausgaben in den östlichen Flächenstaaten nur um 4,9 Prozent. Insgesamt stiegen die Ausgaben in diesem Zeitraum von 8,9 Milliarden auf 10,7 Milliarden Euro, ein nicht unerheblicher Zuwachs, dem aber natürlich auch steigende Kosten gegenüber stehen.

Der Bericht zeigt außerdem, wie stark sich der Bund in Berlin engagiert hat. Von 1995 bis 2009 erhöhten sich  die Ausgaben dort um 26,8 Prozent. Zählt man die Ausgaben von Bund, Länder und Gemeinden zusammen und legt sie auf die EinwohnerInnen der Republik um, dann kommt man für das Jahr 2009 auf die Summe von 111,48 Euro, das sind 21,9 Prozent mehr als 1995, als der Staat noch 91,45 pro Kopf für die Kultur ausgab.

Es lohnt sich, einen Blick in diesen Bericht zu werfen oder Sie lesen den in den kulturpolitischen Mitteilungen (Ausgabe 140) erschienenen Artikel (S.13ff) dazu.

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Fonds Soziokultur: „Wettbewerb um die besten Ideen“ [Kulturförderung]

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© Gerd Altmann ; Pixelio

„Soziokultur, das ist kurz gesagt ‚Kultur von allen, für alle'“. Dieses Zitat von Hermann Glaser findet sich auf der Website der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. und lässt erahnen, wie weit das Feld der Soziokultur ist. Geld ist auch hier Mangelware, weshalb der Fonds Soziokultur eine wichtige Anlaufstelle ist, wenn es um die Finanzierung von soziokulturellen Projekten geht.

Unter dem Motto „Wettbewerb um die besten Projektideen“ fördert er  seit 1988 Projekte, „die ein aktuelles gesellschaftliches Thema aufgreifen, die neue Praxis- und Aktionsformen in der Soziokultur erproben, die den Austausch und die Integration fördern oder die – mit den Mitteln der Kunst und Kultur – neue Formen der Bürgerbeteiligung in der Stadt, der Gemeinde, im Viertel umsetzen“.

Insgesamt stehen dem Fonds jedes Jahr eine Million Euro zur Verfügung, über deren Vergabe ein Kuratorium entscheidet. Mit dem 1. Mai und dem 1. November gibt es jährlich zwei Einreichfristen für Projektanträge, wobei der erste Termin für Vorhaben gilt, die in der zweiten Jahreshälfte beginnen und der Novembertermin für Projekte gedacht ist, die in der ersten Hälfte des darauffolgenden Jahres beginnen.

Unterstützt werden vor allem Vorhaben freier Träger im Kulturbereich, die mit Förderbeträgen zwischen 3.000 und 26.000 Euro rechnen können. In dieser Bandbreite bewegen sich die bisherigen Unterstützungszahlungen, einen fix vorgegebenen Rahmen gibt es aber nicht. Wie beim EU-Kulturförderprogramm ist auch beim Fonds Soziokultur nur eine Kofinanzierung möglich, denn er fördert ein Vorhaben mit maximal 50 Prozent der Gesamtkosten. Das heißt, bei einem Budget von 40.000 Euro gibt es höchstens 20.000 Euro, der Restbetrag muss anderweitig finanziert werden.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Vorhaben für den Fonds förderwürdig ist, werfen Sie am besten einen Blick in die Liste der in der Vergangenheit geförderten Projekte. Die wichtigsten Infos für die Antragstellung finden Sie im Bereich „Tipps für Antragsteller„. Möchten Sie gleich loslegen, dann finden Sie hier das Antragsformular.

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Die Deutsche Oper am Rhein: rettungslos verloren?

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Extraschicht 2011 – Duisburg„; By Jens Pletsch (CC-Lizenz)

Während das Autorenteam des Kulturinfarkt nur im Konjunktiv darüber sprach, was denn wäre, wenn man der Hälfte der Kultureinrichtungen die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand verweigern würde, sieht die Realität ganz anders aus. Der Stadt Duisburg fehlt das Geld, um die Opernehe mit Düsseldorf aufrecht zu erhalten. Zwar sind die 11 Mio. Euro, mit der Duisburg die Rheinoper unterstützt, als Schnäppchen zu bezeichnen, aber nachdem die Stadt in den nächsten zehn Jahren 80 Mio. Euro einsparen muss, wollen die Verantwortlichen auch Kunst und Kultur bei ihren Sparbemühungen nicht ausnehmen.

Grundsätzlich ist das nachvollziehbar, denn warum sollte ein Bereich gegenüber den anderen bevorzugt werden? Nur so ganz einfach ist es nicht, denn den meisten Kultureinrichtungen fehlt die finanzielle Manövriermasse. Die Personalkosten steigen regelmäßig, das Gesamtbudget muss aber gleich bleiben, da weder private Geldgeber noch die öffentliche Hand höhere Beträge bereitstellen wollen bzw. können. Das bedeutet, die Summen, mit denen „gearbeitet“ werden kann, schrumpfen und sind irgendwann ganz verschwunden. Ab diesem Zeitpunkt kann ein Kulturbetrieb zwar noch seine MitarbeiterInnen bezahlen, aber es ist kein Geld für Inszenierungen, Ausstellungen, etc. da. Das wäre dann der Moment, wo man eigentlich zusperren muss und immer häufiger geht es um genau diesen Punkt.

Um diesem Dilemma zu  entkommen, müsste man die Bedeutung von Kunst und Kultur hervorheben und herausarbeiten, warum diese bedien Bereiche von den Sparbemühungen auszunehmen sind. Wer als Fan von Kunst und Kultur gesehen hat, wie schnell öffentliches Geld in den Finanzsektor gepumpt werden kann, wird sich fragen, warum das nicht auch im Kunst- und Kulturbereich möglich ist, zumal es hier doch meist nur um ein paar Millionen geht?

Interessant ist die Begründung: Banken haben Geld bekommen, weil sie systemrelevant sind. Gleiches wird vom Kunst- und Kulturbereich behauptet, nur ist die Systemrelevanz wohl auf einer anderen Ebene angesiedelt. Wenn Kunst und Kultur gesellschaftsrelevant sind, dann muss das in der Gesellschaft auch akzeptiert werden. Das bedeutet nicht, dass diese Relevanz einmal beschlossen als unangreifbar gilt. Im Grunde genommen muss sie immer wieder neu ausverhandelt werden. Das heißt, es macht wenig Sinn, die für die Rheinoper benötigten Summen mit den Beträgen zu vergleichen, die in den Finanzsektor geflossen sind. Eigentlich geht es darum, die Relevanz von Kunst und Kultur herauszuarbeiten und einen gesellschaftlichen Konsens herbeizuführen.

Davon sind wir aber leider weit entfernt, glaube ich. Wenn ich mir in der ZEIT die Kommentare auf den Artikel „Verwahrloste Finanzen“ anschaue, dann wird da schnell deutlich, dass die Subventionierung von Kunst und Kultur von vielen vehement abgelehnt wird. Das ist das Recht von uns allen, erschreckend sind allerdings die Begründungen. Wenn es dort heißt, Oper sei „Bonzenkultur, da geht nur rein, wer einen Benz in der Garage hat“, dann stellt sich mir die Frage, ob diejenigen, die an die Systemrelevanz von Kunst und Kultur glauben, in der Vergangenheit nicht den Fehler begangen haben, die richtige Argumentation dafür zu finden.

Wenn in der Facebookgruppe „Für den Erhalt der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg“ Kritikern entgegnet wird:

„Nimm dir einfach mal ein Buch über Musikgeschichte und lies es, dann wirst du darauf kommen, dass es nicht von ungefähr kommt, dass es in Deutschland so eine vielfältige Orchesterlandschaft gibt und dass wir weltweit dafür bewundert werden und als Nation große Anerkennung bekommen“,

dann spricht daraus eine Haltung, die ich als arrogant und überheblich bezeichnen würde. Auf der Ebene könnte ich dem Verfasser obiger Zeilen raten, doch mal ein Buch über die Geschichte der Menschheit in die Hand zu nehmen, um zu erkennen, dass alles vergänglich sei, auch ein Opernhaus.

Ich finde es gut, dass es eine Online-Petition zur Rettung der Deutschen Oper gibt. Aber das ist nicht genug. Wenn es uns nicht gelingt, die KritikerInnen von Kunst und Kultur ernst zu nehmen, uns wirklich mit ihnen auseinander zu setzen und Argumente zu finden, die für den Erhalt von Theatern, Museen und Opernhäusern sprechen, dann wird es sie vermutlich bald nicht mehr geben. Und es ist unsere Schuld, denn jemand als Deppen zu bezeichnen, weil er meine Ansicht nicht teilt, war noch nie eine Strategie, die zum Erfolg geführt hat.

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Deutschland: Kulturpolitik ohne Visionen

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Sasquatch main stage and the gorge„; By Jess Sloss (CC-Lizenz)

Jimi Hendrix, Ray Charles und auch Kurt Cobain wurden in Seattle geboren, der Stadt, die am Pazifik liegt und sich selbst als Musikstadt bezeichnet. Die Bezeichnung ist berechtigt, denn die Musikindustrie spielt mit einem Umsatz von 1,2 Mrd USD und 20.000 durch sie entstandenen Arbeitsplätzen eine wichtige Rolle. Eine 2008 veröffentlichte Studie zeigt darüber hinaus, wie breit die Branche aufgestellt ist und welch interessante Kooperationen in den letzten Jahren entstanden sind.

Arnaudville hingegen ist ein kleiner Ort im US-Bundesstaat Louisiana, über den es eigentlich nichts zu berichten gibt. Laut Wikipedia hatte dieser kleine Flecken vor zwölf Jahren knapp 1.400 Einwohner, heute sind es ca. 100 mehr. Dieser für den Ort beachtliche Bevölkerungszuwachs hat auch mit dem Künstler George Marks zu tun, der 2005 eine alte verlassene Autowerkstatt zum Ausgangspunkt seiner Aktivitäten machte und Arnaudville zu einem ländlichen Zentrum kultureller Aktivitäten machte.

Seattle und Arnaudville ist gemeinsam, dass sie für ihre Aktivitäten Geld aus den Fördertöpfen des National Endowment  for the Arts (NEA) erhalten haben. „Our Town“ nennt sich ein Programm, hinter dem der Grundgedanke des Creative Placemaking steht. Was sich hinter diesem Begriff versteckt, erklären Ann Markusen und Anne Gadwa in ihrem gleichnamigen Whitepaper, in dem noch weitere Projektbeispiele beschrieben werden. In dem bereits 2010 erschienenen Bericht bezeichnen die beiden Autorinnen Creative Placemaking als einen Prozess, in dem

„partners from public, private, non-profit, and community sectors strategically shape the physical and social character of a neighborhood, town, city, or region around arts and cultural activities.“ (S.3)

Das Grundprinzip ist schnell erklärt:

„Creative placemaking animates public and private spaces, rejuvenates structures and streetscapes, improves local business viability and public safety, and brings diverse people together to celebrate, inspire, and be inspired.“ (S.3)

Ausgangspunkt ist die Krise und die erleben wir in Deutschland derzeit auch. Und um die zu lösen haben Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz ein Buch geschrieben, das in der nächsten Woche erscheinen und für Aufregung sorgen wird, wie der Spiegel prophezeit. In „Der Kulturinfarkt“ stellen die vier Autoren das derzeitige Fördersystem in Frage und provozieren mit der Idee, den etablierten Institutionen einen großen Teil ihrer Fördermittel wegzunehmen und für innovative Entwicklungen abseits der Hochkultur einzusetzen. Finanzierungsbedarf orten die Autoren in den Bereichen

  • der öffentlichen Kulturinfrastruktur,
  • der Laienkultur,
  • der (noch nicht existierenden) Kulturindustrie,
  • der Hochschulen für Kunst, Musik und Design und
  • der gegenwartsbezogenen kulturellen Bildung.

Das heißt, man nimmt den „Großen“ etwas weg, damit die „Kleinen“ etwas bekommen können. Eine nette, allerdings vermutlich auch unrealistische Idee: es wird nicht „die Hälfte“ der öffentlichen Förderungen eingespart, sondern lediglich umverteilt. Nach welchen Regeln dieser Verteilungswettbewerb ausgefochten werden soll, lassen die Autoren allerdings offen, schließlich verstehen sie ihr Buch (und den Spiegel-Artikel) nur als Provokation und Anlass für die Debatte über eine zukünftige Kulturpolitik. Ob wir anlässlich dieses Buches jemals über die Frage diskutieren werden, unter welchen Voraussetzungen Innovation im Kunst- und Kulturbereich entstehen kann, darf bezweifelt werden, die Kritiker haben bereits Stellung bezogen, so etwa der Deutsche Kulturrat, der sich in einer Stellungnahme „irritiert“ zeigt und die Frage stellt, von welcher Realität da die Rede sein solle. Oder Max Hollein, der den Autoren Populismus vorwirft und der Ansicht ist, dass die Thesen extrem pauschal und nicht durch Zahlen belegbar seien.

Eine Diskussion wird so wohl nicht entstehen und wenn, diskutieren wir vermutlich nur die Frage, ob es wirklich sinnvoll sei, den etablierten Kultureinrichtungen die Hälfte ihrer Förderungen wegzunehmen? Aber ist das wirklich die Frage? Ich bin, ehrlich gesagt, von dem Spiegel-Artikel enttäuscht. Zwar heißt es immer wieder, es gehe gar nicht so sehr ums Geld, aber auch Stephan Opitz landet in einem Deutschlandradio-Interview recht schnell wieder bei diesem Thema.

Statt nur über die verkrusteten Strukturen und den Änderungsbedarf zu schreiben, hätte ich mir ein paar Anhaltspunkte erwartet, wohin die Reise gehen kann. Ich hätte mir erwartet, dass mögliche Ziele formuliert und zur Diskussion gestellt werden. Unter diesen Voraussetzungen bin ich dann recht schnell wieder bei Ann Markusen und Anne Gadwa gelandet, die in ihrem Bericht einen in meinen Augen sinnvollen Bottom-up-Ansatz verfolgen, denn

„Instead of a single arts center or a cluster of large arts and cultural institutions, contemporary creative placemaking envisions a more decentralized portfolio of spaces acting as creative crucibles.“

Wie lässt sich dieser Ansatz umsetzen? Neil Takemoto nennt in seiner Zusammenfassung des Berichts sechs Komponenten:

  • „Creative Initiator – Finding that one person or small team that starts it all.
  • Designing Around Distinctiveness – Build on existing expertise and characteristics of place.
  • Mobilizing [Government Will] – If your city government isn’t supportive, good luck.
  • Garnering Private Sector Support – If no one’s looking to invest in it, good luck.
  • Securing Arts Community Engagement – This is more than working with arts leaders, this is about crowdsourcing the time and investment of thousands of its patrons.
  • Building Partnerships – Figuring out a way for all of the above to work together.“

Wo sind unsere InitiatorInnen? Wer kann bei uns diese Veränderung auslösen? Wo ist die Kulturpolitik, deren Aufgabe es eigentlich wäre, solche Entwicklungen zu initiieren?

Peter Linett stellt in seinem Blogpost „As the arts conversation shifts to ‚creative placemaking‘, will large institutions still count?“ fest, dass in den USA in den letzten Jahren vermehrt neue Förderprogramme aufgetaucht sind, in denen Kunst nicht mehr um ihrer selbst Willen gefördert werde, sondern eher als Mittel zum Zweck diene, um zivilgesellschaftliche, ökonomische Probleme oder solche im Bildungsbereich zu lösen. Solche Ansätze wünsche ich mir auch für den deutschsprachigen Raum. Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz haben da eine große Chance vertan, denn der Ansatz des „Creative Placemaking“ verlangt gerade von den großen Kultureinrichtungen ein hohes Maß an Veränderung. Veränderung, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen ist aber, so denke ich, allemal attraktiver als der aus der (finanziellen) Not heraus entstehende Druck, sich verändern zu müssen.

Neil Takemoto spricht davon, dass der Erfolg auch von der Fähigkeit abhängt, Verbündete zu gewinnen. Wenn ich mir die Scharmützel im Vorfeld der Veröffentlichung des Buches anschaue, kann ich nur schwer glauben, dass das gelingen wird. Aber ich lasse mich gerne überraschen.

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Kultursponsoringmarktstudie 2010: jetzt als kostenloser Download

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Kurz vor Weihnachten habe ich die von der Agentur Causales durchgeführte Kultursponsoringmarktstudie 2010 vorgestellt (Teil I, Teil II, Teil III). Jetzt können Sie sich die Studie als PDF downloaden.

„Die Studie macht deutlich, dass die teilnehmenden Institutionen durch professionelle Vermarktungsansätze eine gute Grundlage für professionelles Kultursponsoring schaffen und damit einen Wachstumstrend im Kultursponsoring fördern,“

heißt es in der Aussendung von Causales abschließend. Die Studie bildet eine fundierte Grundlage für Sponsoringaktivitäten von Kulturbetrieben und enthält einige bedenkenswerte Anregungen.

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Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil III)

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Immer wieder ist in Gesprächen mit Kultureinrichtungen zu hören, man verzichte auf Sponsoringaktivitäten, weil man sich in der künstlerischen Arbeit von Sponsoren dreinreden lassen wolle, Mit diesem Vorurteil räumt die von der Agentur Causales veröffentlichte Studie Kultursponsoring 2010 auf. Dementspreched groß ist auch die Zufriedenheit der Kultureinrichtungen mit ihren Partnern aus der Wirtschaft. Knapp 90 Prozent von ihnen sind überwiegend oder völlig mit der Zusammenarbeit zufrieden. Dementsprechend wird der Kontakt auch über die Sponsoringaktivität hinaus aufrecht erhalten.

Analysiert man die Zahlen, dann lässt sich die bei knapp 90 Prozent liegende Ansicht, Kultursponsoring werde an Bedeutung gewinnen, als Prognose und/oder Wunsch bezeichnen. Zwei Drittel der befragten Kultureinrichtungen sind sehr stark an einer Sponsoringpartnerschaft interessiert und wünschen sich dabei vor allem finanzielle Unterstützung, aber auch Hilfe im Media-Bereich.

Soll man sich bei der Zusammenarbeit professionelle Unterstützung von Agenturen holen? Hier gehen die Meinungen ziemlich auseinander: während die eine Hälfte der Befragten dies als notwendig ansieht, bevorzugt die andere Hälfte den Do-it-yourself-Ansatz.

Unabhängig von der Frage, ob man sich extern beraten lässt oder nicht, lohnt es sich, sich die Ergebnisse der Studie genauer anzusehen, die Sie im Causales-Shop erwerben können. Aus den Antworten der befragten Kultureinrichtungen und dem Zahlenmaterial lassen sich noch viele interessante Rückschlüsse ziehen, ich habe mich in meinen Beiträgen noch sehr an der Oberfläche bewegt. Interessant ist es einerseits, die Ergebnisse von 2010 mit denen von 2005 und 2007 zu vergleichen, aber auch der Vergleich zu anderen Studien lohnt sich, auch wenn diese nur schwer direkt miteinander zu vergleichen sind. Da ist zum Beispiel der von A.T. Kearney herausgegebene „Elchtest„, der in Österreich auf ganz andere Zahlen kommt und in den letzten sechs Jahren eine Zunahme der Sponsoringmittel um 16 Prozent verzeichnet.

Sponsoring wird weiterhin ein Thema bleiben, allerdings stellt sich die Frage,  wie sich diese Zusammenarbeit entwickeln wird. Der Verein Schwarz+Weiss formuliert diese Frage auf seiner Facebook-Seite recht schön:

„Doch wird mit Anstieg der Sponsoringmittel (…) auch der Innovationsgrad der Kooperationsmodelle steigen?“

Genau darin liegt die Herausforderung, denn dass beide Seiten von dieser Partnerschaft profitieren, das zeigt die von der Agentur Causales erstellte Studie ja ganz deutlich.

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Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil II)

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In meinem gestrigen Beitrag über die von Causales herausgebrachte Studie Kultursponsoring 2010 hat sich gezeigt, dass sich entweder nur mittlere und große Kulturbetriebe dazu entschließen konnten, den Fragebogen auszufüllen oder es wirklich so ist, dass Sponsoring nur für Kultureinrichtungen in dieser Größenordnung interessant ist. Um das herauszufinden, bräuchte es dann aber vermutlich wieder eine eigene Studie. :-)

Aber uns interessieren natürlich nicht nur die Kultureinrichtungen, sondern auch die Unternehmen. Welche Erkenntnisse liefert uns die Studie hier? Sie zeigt zum Beispiel, dass die Sponsoringgeber sich ähnlich wie das Publikum auf die Region verteilen. Nachdem die Studie ja zu dem Ergebnis kommt, dass im Sponsoringbereich wesentlich mehr Geld fließt als noch 2007, könnte das eines der Erfolgsrezepte sein: wenn ein Kulturbetrieb sich als Mittler zwischen Unternehmen und seinem Publikum anbietet, dann funktioniert das nur, wenn beide im gleichen geografischen Umfeld angesiedelt sind.

Zwar wurden die Kulturbetriebe nicht nach ihrer Unternehmensgröße gefragt, aber die Zuschauerzahlen lassen vermuten, dass es sich bei denen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, um mittelgroße Kultureinrichtungen handelt. Wie sieht es auf der Gegenseite aus? Auch hier, so zeigt die Studie, sind es vor allem mittelständische Unternehmen (52 Prozent), die Kultursponsoring betreiben. Großunternehmen (35 Prozent) und Kleinunternehmen (13 Prozent) liegen da weit zurück. Überraschend ist es dann aber, dass bei den Branchen, die Kultursponsoring betreiben, der Banken- und Versicherungsbereich mit 60 Prozent so dominiert.

Ganz am Ende liegen mit 4,5 Prozent übrigens Mobilfunkbetreiber, die ich als äußerst interessante Partner für kommende Sponsoringaktivitäten ansehe. Wenn das Social Web zunehmend an Bedeutung gewinnt und wir uns in den sozialen Netzwerken immer häufiger mit Hilfe von mobilen Endgeräten austauschen, dann sollte es hier schon Ansatzpunkte für zukunftsweisende Partnerschaften geben.

Vor diesem Hintergrund gewinnen dann die Fans, Follower oder Freunde der Kulturbetriebe an Bedeutung. Die Zusammenarbeit der Sponsoringpartner kann ja durchaus online stattfinden, warum sich also nicht hier Gedanken machen, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte?

Bis jetzt verlassen sich Kulturbetriebe und Unternehmen aber auf die klassischen Sponsoringformate. Unterstützt werden vor allem Veranstaltungen (67,7 Prozent) und konkrete Projekte (58,7 Prozent). Sehr viel seltener unterstützen die Unternehmen die Kultureinrichtung ingesamt(37,6 Prozent)  oder auch KünstlerInnen (9,8 Prozent). Die Unterstützung erfolgt größtenteils in finanzieller Form (80 Prozent), Sach- und Medienleistungen sind sehr viel seltener.

Was passiert mit diesem Geld? Meist wird es inhaltlich verwendet, nur selten hingegen für die Werbung oder die Öffentlichkeitsarbeit. Als Gegenleistung erhalten die Unternehmen das, was halt so üblich ist: die Unternehmen werden offline/online präsentiert und das in bekannter Weise. Wirklich neue und innovative Ansätze lassen sich hier nicht herauslesen, aber wenn alle damit zufrieden sind, dann gibt es ja auch keinen Grund, etwas daran zu verändern.

Und dass die meisten Kulturbetriebe und Unternehmen zufrieden sind, das zeigt die Auswertung der Fragebögen. Mehr dazu dann aber im dritten und letzten Teil dieses Beitrags.

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Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil I)

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Wenn die öffentlichen Fördergelder immer knapper werden, dann gilt es, sich nach Alternativen umzusehen. Eine von der Agentur Causales durchgeführte Studie zeigt, dass viele Kulturbetriebe dabei auf das Kultursponsoring setzen. Und das recht erfolgreich, denn während die Kultureinrichtungen 2007 erst 6,7 Prozent ihres Haushaltes über Sponsoringeinnahmen abdecken konnten, sind es dieses Jahr bereits 13 Prozent. Das bedeutet, die Einnahmen aus dem Sponsoring verdoppelten sich innerhalb von drei Jahren.

Ist das Kultursponsoring also der Rettungsanker für viele in finanziellen Nöten steckenden Kultureinrichtungen? Schauen wir uns die Studie mal genauer an. Die Agentur Causales hat sich bereits zum dritten Mal des Themas Kultursponsoring angenommen. Während sich die Untersuchung 2005 noch auf Berlin und die umliegenden Bundesländer beschränkte, wurden ab 2007 bundesweit Kultureinrichtungen eingeladen, den Fragebogen auszuschicken. 500 Kultureinrichtungen wurden kontaktiert, 133 von ihnen füllten den Fragebogen aus, was einer Rücklaufquote von 26,6 Prozent entspricht. Bei den meisten dieser Kulturbetriebe handelt es sich um Museen (19 Prozent), Musiktheater (13,7 Prozent) und Sprechtheater (11,5 Prozent). Mehr als zwei Drittel der befragten Kultureinrichtungen erreichen zwischen 10.000 und 500.000 BesucherInnen pro Jahr, gut 5 Prozent locken noch mehr Menschen an.

Anlocken lässt sich aber meist nur, wer im regionalen Umfeld wohnt. Mehr als zwei Drittel der BesucherInnen leben in einem Umfeld von 100 Kilometern, 19 Prozent in Deutschland und 11 Prozent im Ausland. Während sich die Kulturbetriebe im Social Web häufig für neue (und junge) Zielgruppen interessieren, weist deren Kernzielgruppe meist ein recht hohes Alter auf. Den vierzig- bis sechzigjährigen gilt dabei das Hauptinteresse, das heißt, ein jugendliches Publikum scheint eher als Reserve für die Zukunft gesehen zu werden. Da überrascht es dann nicht, dass der überwiegende Teil dieser Kernzielgruppe hochgebildet ist und entweder Abitur oder ein Studium vorweisen kann.
Ich hätte mir hier noch die Frage nach Herkunft und migrantischem Hintergrund gewünscht, denn diese Gruppe der Bevölkerung ist in den letzten Jahren zwar enorm gewachsen, in den entsprechenden Kulturstatistiken taucht sie aber nur selten oder wie in diesem Fall, gar nicht auf.

Fast alle Kultureinrichtungen arbeiten mit Sponsoren zusammen

Nachdem es im Interesse von Sponsoringnehmer und –geber liegt, dass möglichst viele Menschen von dieser Zusammenarbeit erfahren, hängt viel von der Frage ab, über welche Kanäle die Kulturbetriebe mit ihren Zielgruppen kommunizieren und wie viele Menschen sie auf diese Weise erreichen. Am häufigsten setzen die Kultureinrichtungen auf die Mund-zu-Mund-Propaganda, gefolgt von der klassischen PR und, für mich etwas überraschend, die Kommunikation via Internet beziehungsweise Web2.0. Dass sich damit sehr viele Menschen erreichen lassen, belegen die Zahlen. Mehr als 15 Prozent der befragten Kulturbetriebe nannte hier über eine Million Menschen, allerdings fällt auf, dass diese Zahlen nicht so sehr viel höher sind als die Besucherzahlen.

Angesichts der Bedeutung von Social Media in der Kommunikation ist das etwas erstaunlich, hier hätte ich wesentlich höhere Zahlen erwartet. Dafür hätte ich umgekehrt nicht gedacht, dass so viele der befragten Kulturbetriebe mit Sponsoren zusammen arbeitet beziehungsweise gearbeitet haben. Knapp 87 Prozent arbeiten derzeit mit Sponsoren zusammen und das zum Teil schon sehr lange. So gibt es jede Menge Partnerschaften, die schon mehr als zehn Jahre bestehen, Kontinuität wird also großgeschrieben.

Aber trotz langfristiger Kooperationen verlassen sich die wenigsten Kultureinrichtungen nur auf einen Partner aus der Wirtschaft. Die meisten Kulturbetriebe arbeiten mit 3-4 (25,8 Prozent) und 5-6 (22,7 Prozent) Partnern zusammen. Vier Prozent gaben an, mehr als 30 Sponsoringpartner zu haben.
Keine schlechte Leistung, denn seine Partner muss man sich in der Regel selbst suchen. Unternehmen, die auf Kultureinrichtungen zugehen, sind (noch) die große Ausnahme, noch seltener kommt die Zusammenarbeit durch Vermittlung zustande.

Und wer übernimmt diese Aufgabe in den Kultureinrichtungen? Meist sind es die Geschäftsführer (47 Prozent) oder die Marketing/PR-Abteilung (32 Prozent). Immerhin acht Prozent der befragten Kultureinrichtungen gaben an, über eine eigene Sponsoringabteilung zu verfügen.

Wer sind nun die Partner aus der Wirtschaft und welche Leistungen werden ausgetauscht? Die Antworten darauf gibt es im nächsten Beitrag.