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Social Value: auch wer nicht kauft, kann wertvoll sein

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Wer die Postings von Kultureinrichtungen in den sozialen Netzwerken analysiert, wird schnell  merken, dass sie sich fast ausschließlich an potenzielle BesucherInnen oder KäuferInnen richten, je nachdem, um welches Angebot es sich handelt. Dementsprechend lautet die Handlungsaufforderung meist „komm“ oder „kauf mich“. Vergessen wird dabei die Bedeutung von Influencern und Markenbotschaftern. In ihrem Beitrag „The Powerful Reach of a Happy Customer“ behauptet Laura Montini, dass

„the average customer will influence a whopping 42 other people for every positive experience he or she has with your company“.

In 56% der Fälle handelt es sich dabei um Männer, die einflussreichste Altersgruppe ist die der 18 bis 34-jährigen, zeigt die von Montini verwendete Infografik. Während früher die besten KundIn die war, die im Laufe ihres Lebens am meisten Geld bei der Firma ausgibt, können die einflussreichen KundInnen durch ihre Empfehlungen für das jeweilige Unternehmen einen viel höheren Wert erzeugen.

Ich denke, die Zahlenbeispiele in der unten gezeigten Infografik von Ninja Metrics lassen sich nicht 1:1 auf den Kunst- und Kulturbereich übertragen. Aber sie zeigen, dass diese Influencer vielleicht nicht am meisten Geld ausgeben, aber dafür sorgen, dass andere dies tun. Wer den „social value“ nicht außer Acht lassen möchte, muss sich auf die Suche nach den einflussreichen Influencern machen. Oft sind das zum Beispiel BloggerInnen, die über eine entsprechende Sichtbarkeit verfügen und als Influencer besonders interessant sind. Eine Möglichkeit, sie zu zufriedenen BesucherInnen und MultiplikatorInnen zu machen, ist das Angebot einer Bloggerreise, wie sie zum Beispiel die Stadt Basel anlässlich der Sonderausstellung „Paul Gauguin“ in der Fondation Beyeler kürzlich organisiert hat. Die Reise kam gut an, dementsprechende viele Blogposts wurden daher anschließend verfasst.

Interessant wäre es jetzt herauszufinden, wie groß der Einfluss dieser Influencer war und ob sich die Durchführung der Bloggerreise auch finanziell für das Museum gelohnt hat? Aber hier steht der Kunst- und Kulturbereich mit seinen Datenanalysen wohl noch ganz am Anfang. Die folgende Infografik sollte aber dazu motivieren, sich mit dem Thema zu befassen, damit sicher ist, dass sich dieser Ansatz auch im Kunst- und Kulturbereich bezahlt macht.

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Vier Fragen – Influencer Marketing im Kunst- und Kulturbereich

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Wenn ein Theater ein neues Stück inszeniert oder die Werke einer KünstlerIn demnächst in einer Galerie zu sehen sind, dann werden sowohl die Inszenierung als auch die Ausstellung beworben und all die Menschen, mit denen man irgendwie in Kontakt steht, darüber informiert und eingeladen, sich Stück oder Ausstellung anzusehen. Allerdings ist der Kreis derer, die man dabei erreicht, beschränkt, egal, ob über die Website, die Facebookpräsenz oder den Newsletter. Aber es gibt natürlich auch Kanäle, über die ich Menschen erreiche, mit denen ich bis jetzt nicht in Verbindung stand, die gar nicht wissen, dass es mich und meine Arbeit gibt. Redaktionelle Beiträge sind da eine hervorragende Möglichkeit, oder auch Werbung.

Aber ich kann meine Zielgruppen natürlich auch über Dritte ansprechen. Es ist nicht wirklich neu, dass jemand anderen etwas empfiehlt, ob es sich dabei um ein Waschmittel oder eben auch um ein Kulturangebot handelt. Empfehlungen gab es schon immer, aber mit dem Aufkommen des Social Web wuchs das Interesse an denen, die einen hohen Bekanntheitsgrad genießen und denen viele Menschen vertrauen. Die Influencer haben sich zu einem wichtigen Marketinginstrument entwickelt, über das es mittlerweile auch unterschiedliche Theorien gibt.

Geoff Livingston: „The State of Influencer Theory“ auf Flickr http://bit.ly/1pfXXId (CC BY-SA 2.0)

Geoff Livingston hat diese Theorien schon vor drei Jahren zusammengefasst, herausgekommen ist nicht nur diese Grafik, sondern auch der Blogbeitrag „The state of influencer theory on the social Web„, in dem er die verschiedenen Modelle der letzten Jahre kurz auflistet. Er unterscheidet dabei zwischen zwei verschiedenen Ansätzen. Da sind auf der einen Seite

„a select few types of people who can move networks and organizations toward action“.

Also Menschen, die Malcom Gladwell in seinem 2000 erschienen Buch Tipping Point (Affiliate Link) den drei Typen Experte, Vermittler und Verkäufer zuordnet. Das andere Modell, für das vor allem Duncan Watts steht, behauptet,

„that viral events are the result of individuals within a community, those who rise up at the right moment or on the right topic“,

wie Livingston schreibt. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass Tools wie Klout oder Kred zwar eine Hilfe sein können, aber es nicht damit getan ist, lediglich die UserInnen mit einem hohen Faktor herauszufiltern. Die Frage, welcher der beiden Theorieansätze der richtige ist, lässt sich nicht so leicht beantworten, denn für alle diese Ansätze gibt es empirisches Datenmaterial, die die Richtigkeit des jeweiligen Modells untermauern.

Vier Fragen, bevor Sie mit dem Influencer Marketing beginnen

An so einem Punkt geben viele wahrscheinlich auf und verlassen sich dann eben doch auf die oben genannten Tools. Aber es macht schon Sinn, dass sich Kultureinrichtungen und auch KünstlerInnen darüber Gedanken machen, wer für sie als Influencer in Frage kommt. Sie sind es, die mir dabei helfen, das Potenzial des Social Web voll auszuschöpfen. Daher macht es Sinn, sich irgendwann einmal die Zeit zu nehmen und mit dem Thema Influencer (Marketing) zu beschäftigen. Oft fehlen die Ressourcen, weshalb viele dann die Kurzform wählen. Man bittet die, die in den verschiedenen Netzwerken Sichtbarkeit haben darum, den Hinweis auf die Veranstaltung zu posten. Dass dabei nicht besonders viel herauskommt, wissen wir vermutlich alle oder ahnen es zumindest.

Wie kann ich das Thema aber sinnvoll angehen? Folgende Fragen sollten Sie beantworten, bevor Sie mit dem Influencer Marketing beginnen:

  1. Legen Sie fest, was Sie von „Ihren“ Influencern eigentlich erwarten, welche Ziele erreicht werden sollen? Lebt jemand am anderen Ende der Welt, ist er eher keine große Hilfe, um den Ticketverkauf für die morgige Veranstaltung anzukurbeln. Aber vielleicht können Sie mit ihm oder mit ihr ein Interview führen, um überhaupt auf das Thema aufmerksam zu machen? Oder Sie schaffen es, jemanden für einen Gastbeitrag zu gewinnen, um die Zahl der Abonnenten des gewählten Formats zu erhöhen (z.B. Newsletter oder Blog). Vielleicht streben Sie aber auch eine Zusammenarbeit an, die dann schon in der Konzeptionsphase beginnen muss und so eng ist, dass der Influencer sehr wohl die Veranstaltung bewerben kann, weil es ja auch seine eigene ist.
  2. Influencer ist nicht gleich Influencer: Sie ahnen es schon, dass Sie nicht alle Influencer gleich behandeln können, da es gewaltige Unterschiede gibt. Wir können etwa zwischen Prominenten, Publishern, Fans und Freunden unterscheiden. Je prominenter jemand ist, desto größer ist seine/ihre Reichweite. Ob die breite Streuung Ihnen aber hilft und Sie damit Ihr Ziel erreichen, müssen Sie erst einmal herausfinden. Das ist bei den Fans und Freunden sicher anders. Sie verfügen meist nicht über eine große Reichweite, aber sie identifizieren sich mit Ihrem Angebot und wirken deshalb oft sehr viel überzeugender als irgendeine prominente Persönlichkeit.
    Für die PR und das Marketing am interessantesten sind die Publisher, bei denen es sich im Kunst- und Kulturbereich meist um BloggerInnen handelt, oder auch um Personen, die erfolgreich einen YouTube-Channel betreiben.
  3. Welche Inhalte bieten Sie Ihren Influencern an? Wer einfach nur einen Pressetext verschickt, hat ziemlich sicher schlechte Karten. Schicken Sie spezielles Infomaterial, laden Sie zu einem Google-Hangout ein, nutzen Sie Twitter für den Erstkontakt beziehungsweise später für ein Twitter-Interview oder laden Sie die Influencer zu einer Präsentation (oder, um bei unseren beiden Beispielen zu bleiben, in eine Probe oder zu einer eigenen Führung) ein.
  4. Oft steht dann am Ende die Suche nach den Influencern, denn nun haben Sie bereits die wichtigsten Fragen beantwortet, nämlich was Sie überhaupt erreichen möchten, wen Sie dafür ansprechen wollen und welche Inhalte und Formate Ihnen dafür zur Verfügung stehen? Nun beginnt die schwierige Suche nach den „Richtigen“. Sie können mit Schlagworten arbeiten, auf Twitter nach Empfehlungen fragen und vieles mehr. Aber eine Liste für den Branchenüberblick gibt es leider nicht. Sehen Sie es als Vorteil: Gäbe es eine Liste, würden sie alle nutzen. So sind Sie (fast) alleine.
    Vielleicht kennen Sie aber Ihre Influencer schon, dann bleibt Ihnen mühsame Suche erspart. Aber vielleicht werfen Sie trotzdem einen Blick ins Social Web und schauen, ob es nicht weitere beziehungsweise neue Influencer gibt, die Sie kontaktieren können. Auch hier gilt: Die Arbeit ist nie zu Ende, hier schließt sich nur der Kreis, bevor es weiter geht.

Sie sehen schon, der Aufwand ist beträchtlich. Aber wenn Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben, stehen die Chancen gut, dass Sie das Interesse der Influencer wecken können und sich daraus eine nachhaltige Zusammenarbeit entwickelt.

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NPO-Blogparade: Influencer als Bestandteil der Social-Media-Strategie

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Während früher vor allem die Printmedien  als Multiplikatoren für Kulturbetriebe interessant waren, sind mit der wachsenden Bedeutung von Social Media ganz neue wichtige Player ins Spiel gekommen, häufig als Influencer bezeichnet.

„Ich bekomme des Öfteren von Kultureinrichtungen Pressemeldungen zugeschickt um über neue Ausstellungen zu berichten oder auf Veranstaltungen hinzuweisen“,

schreibt Ulrike Schmid und stellt sich die Frage, ob Influencer im Kunst- und Kulturbereich Teil der Kommunikationsstrategie seien?

„Wie sinnvoll ist die frühzeitige Einbindung der für NPOs und Kultureinrichtungen wichtigen Influencer in die Kommunikationsstrategie?

So lautet die von Ulrike Schmid formulierte Frage im Rahmen der aktuellen Runde der NPO-Blogparade. In ihrem Beitrag „Vertane Chance? Influencer als fester Bestandteil der Social-Media-Strategie“ vertritt sie den Standpunkt, dass vor allem die „Kleinen“ davon profitieren, wenn sie auf die sogenannten Influencer setzen und sie frühzeitig in ihre Kommunikation einbinden.

„Je früher, desto besser“ lautet meine Antwort auf Ulrike Schmids Frage, denn sie sind diejenigen, die die Meinung von Netzwerken und Communitys beeinflussen (siehe dazu mein Blogpost: „Finding Influencers„). Die Social-Media-Expertin Rachel Happe sieht das noch etwas differenzierter. In ihrem Blogbeitrag „It’s Not About Finding the Influencers, It’s About Creating a Flow of Influence“ vertritt sie den Standpunkt, dass das Entscheidende nicht die Influencer sind, sondern der „flow of influence“, wie sie es nennt, denn

„When making a judgement about something – at least for anything more complex than following and opening a shared link – people rarely hear about it from one person and then go buy or consume it“,

schreibt sie. Stattdessen ist es ein ganzes Mosaik von Informationen, das uns am Ende dazu bringt, ein Konzert zu besuchen, ein Produkt zu erwerben oder etwas zu spenden. Happe geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet, dass es kontraproduktiv sei, wenn man zu sehr auf einzelne Influencer setze, denn

„the more one individual influencer pushes something, the more their recommendation gets called in to question because it often looks (and is) biased in some way“.

Die Konsequenz daraus:

„So pushing individual influencers to talk about your thing more is actually counterproductive.“

Eine interessante Sichtweise, die mich an eine Studie erinnert, die an der Keck School of Medicine der University of Southern California durchgeführt wurde. Wer möchte, dass seine Informationen über möglichst zahlreiche Netzwerke gestreut werden, sollte nicht auf die Opinion Leader setzen, sondern auf die „critical connectors“, die für den Informationsfluss zwischen verschiedenen Netzwerken sorgen, heißt es darin.

Ich habe im letzten Jahr über diese Studie einen Beitrag geschrieben und darin aus einem Artikel auf Futurity.org zitiert:

„While central individuals or opinion leaders in the group are more inclined to maintain the status quo, bridging individuals may be more open to new ideas and practices.“

Diese Studie kommt also zu einem ähnlichen Ergebnis wie Happe, die am Ende ihres Beitrags empfiehlt:

„We should be thinking about creating networks and flows of influence, not piling on to already overwhelmed ‚influncers.“

Allerdings unterscheidet die Studie zwischen lokalen und globalen Netzwerken, denn die „critical connectors“ sind diejenigen, die die Informationen von Netzwerk zu Netzwerk weitergeben, ein Ansatz, der bei einem lokal begrenzten Netzwerk nicht unbedingt nötig ist. Das heißt, Kulturbetriebe sollten auf alle Fälle Netzwerke dazu nutzen, um auf sich und die eigenen Angebote aufmerksam zu machen. Dazu gibt es zwei Wege: in lokalen Netzwerken sind es deren Opinion Leader, die Influencer, während auf globaler Ebene die „critical connectors“ entscheidend sind. Egal, welcher Weg der richtige ist, in jedem Fall reicht es nicht aus, eine einzige Person mit Informationen zu versorgen. Notwendig ist es, für den entsprechenden „flow of influence“ zu sorgen, wie Happe es fordert. Je unbekannter ich bin, desto früher muss ich damit beginnen, konstatiert Ulrike Schmid und spielt damit auf die Reputation von Kultureinrichtungen an.

„(Die) Arbeit mit Influentials und Meinungsführern ist ein mühsamer Prozess“,

schreibt Martin Oetting in einem Blogpost, in dem er festhält:

„Die professionelle Arbeit mit Mundpropaganda ist kein Quick Fix, den man mal so eben in der Marketingabteilung entscheidet.“

Ein weiterer Grund, möglichst frühzeitig damit zu beginnen. Wie das geht, hat Connie Bensen in ihrem Blogpost „Enabling your Influencers“ beschrieben:

  • „Identify your influencers
  • Make contact
  • Engage and enable them.“

Das klingt alles nach viel Arbeit und das ist es auch. Aber sie ist nötig, um überhaupt wahrgenommen zu werden, offline und online.

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„Wien denkt weiter“: ein paar Anmerkungen

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Wenn heute Abend die Veranstaltung „Wien denkt weiter“ über die Bühne gegangen ist, dann werden die Veranstalter sich angesichts der, ich vermute, vielen TeilnehmerInnen wahrscheinlich zufrieden zurücklehnen. Die Plattform „Wien denkt weiter“ hätte ihren Auftrag erfüllt, auf diese Veranstaltung aufmerksam zu machen und die Diskussionen, die online geführt wurden, in den realen Raum über- bzw. inhaltlich im Rahmen einer Open Space-Diskussion weiterzuführen.

Ausgangspunkt war eine von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny vor gut zwei Jahren ins Leben gerufene Gesprächsrunde, die sich Gedanken über die Zukunft Wiens als Kulturstadt machen sollte. Mit der Plattform bzw. dem Blog sollte diese Diskussion in die Öffentlichkeit getragen werden und „die Themen und Ideen unserer Runde weiterentwickelt und ergänzt werden“, wie Mailath-Pokorny schreibt. Endergebnis ist dann ein „Leitkatalog für die zukünftige Kulturpolitik in Wien“.

Den Leitkatalog wird es zwar am Ende geben, auf der Plattform ist aber viel Potenzial verschenkt worden, behaupte ich. Was hätte man anders machen können? Die Idee, ein Blog einzusetzen, um inhaltliche Diskussionen zu führen, ist hier sicher sinnvoll, die Mischung von Textbeiträgen und Videointerviews wäre in einem Forum so gar nicht möglich gewesen. Warum aber gibt es jetzt dieses Blog und warum soll ich mich daran beteiligen, ob in Form eines Gastbeitrags oder in Form von Kommentaren? Gut, Diskussionen sollen online geführt werden, aber was hat das für Konsequenzen? Dienen meine Beiträge der „Behübschung“ oder werden sie wirklich ernst genommen? Wenn sie ernst genommen werden, hätten die Verantwortlichen vorab kommunizieren müssen, was mit den Inhalten passiert. Ich spreche von Verantwortlichen, denn ich weiß zwar dank des Impressums, dass die Stadt Wien für die Seite verantwortlich ist, aber wer ist nun mein Ansprechpartner? Leider wurde es verabsäumt, eine Community-ManagerIn mit der Betreuung der Plattform zu beauftragen.

Connie Benson hat deren Aufgaben in einer Keynote auf der Community 2.0 sehr schön erläutert:

  • „Humanize the Company (give it personality)
  • Represent the Brand in conversations
  • Build relationships and increase loyality“

Das fehlt auf „Wien denkt weiter“ leider völlig. Zwar wurde auf organisatorischer und technischer Ebene sehr schnell reagiert, etwa auf die Frage, ob bei der Veranstaltung ein WLAN zur Verfügung stehe. Inhaltlich wurde aber eigentlich nie auf Kommentare reagiert. So nehmen sich die 60 Kommentare bei 27 Blogbeiträgen eher bescheiden aus, denn die Themen, die in den Beiträgen angeschnitten wurden, wären durchaus diskutabel gewesen.

Auch hier zeigt sich also wieder mal, dass es nicht reicht, einen Rahmen zu schaffen, ein paar Inhalte zur Verfügung zu stellen und dann darauf zu warten, dass etwas passiert. Ich möchte, wenn ich mich bei solchen Diskussionen einbringe ernst genommen werden, sprich, ich erwarte mir zumindest eine Antwort. Die sollte dann nach Möglichkeit auch von den VerfasserInnen der Beiträge stammen. Diese Diskussion hätte, ich spekuliere hier, wahrscheinlich auch bei einer größeren Zahl von Kommentaren nie stattfinden können, denn ich gehe davon aus, dass die großteils „prominenten“ AutorInnen ihre Beiträge wahrscheinlich nur abgeliefert haben und wohl kaum die Zeit für Diskussionen hätten.

Prominente AutorInnen sind zwar nicht schlecht, aber um eine Diskussion in Gang zu bringen, sind sie nur bedingt geeignet. Wichtiger in einem solchen Zusammenhang sind eigentlich die sogenannten „Influencer“, die großen Anteil am Erfolg solcher Communitys haben. Nur sind sie leider gar nicht so leicht zu finden und für die eigene Sache zu gewinnen. Um Influencer zu finden, muss ich mir aber auch erst einmal überlegen, an wen ich mich überhaupt mit meinem Anliegen wende. Wer soll denn überhaupt dazu beitragen an der Entstehung dieses Leitkataloges? Die Interessensvertretungen, die Online-UserInnen, KünstlerInnen? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Bedauerlich, aber es ist ja nicht verboten, es beim nächsten Mal besser zu machen. Denn auf solche Weise Kulturpolitik zu machen, das hätte durchaus was.

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„Finding Influencers“

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Wenn ich beispielsweise eine Lesung organisiere, dann wünsche ich mir natürlich eine möglichst große Resonanz, sprich, möglichst viele BesucherInnen. Ich kann versuchen, diese Menschen auf klassischem Weg zu erreichen, also über Einladungen, über Newsletter oder auch über eine Ankündigung in den Printmedien oder im TV. Ich kann aber auch versuchen, sie über die diversen Social Media Kanäle anzusprechen.

Wenn ich nun also eine „Social Media-Kampagne“ starte, dann muss ich eigentlich zwei verschiedene Zielgruppen erreichen, meint Dan Zarella in einem Gastbeitrag für das PR 2.0-Blog von Brian Solis: „influencers and audience.“

„Your audience is the people you’re trying to sell to, this is a wide swath of potential users, clients or customers. They may or may not be heavily involved in social media and they may or may not have large followings“,

schreibt er weiter. Diese Feststellung lässt sich wohl auch auf meine Lesung übertragen. Es gibt sie ganz sicher auf Facebook, Twitter oder sonstwo, die Literaturinteressierten. Aber wenn sie von meiner Lesung erfahren, dann werden sie nicht sofort damit beginnen, über ihre Kanäle auf die Veranstaltung hinzuweisen. Wahrscheinlich können sie das auch gar nicht, weil ihr Netzwerk nicht besonders groß ist.

Deshalb sind die Influencer so wichtig, erläutert Zarella, denn

„(y)our influencers are the people your audience listens to. They are actively engaged in the social web and can communicate with lots of people.“

Sie sind es, die die Informationen verbreiten und auf meine Lesung hinweisen. Im Endeffekt ist es also viel effektiver, die Influencer anzusprechen als meine potenziellen BesucherInnen. Effektiver heißt nun natürlich nicht, dass ich nur noch die Influencer anspreche, aber ich muss wissen, dass es eben zwei Zielgruppen gibt, die ich ansprechen sollte.

Wer die Kommunikation von Kulturbetrieben im Social Web beobachtet und analysiert, kommt sehr schnell zu dem Ergebnis, dass hier nur in Richtung Publikum kommuniziert wird. Selbst wenn man Influencer „erwischt“, dann kommuniziert man mit ihnen wie mit potenziellen BesucherInnen.

Die Influencer spreche ich aber salopp formuliert gar nicht an, damit sie zu meiner Lesung kommen, sondern um die Information über meine Lesung bzw. die Einladung dazu weiterzuleiten und sie dank ihrer Reputation aufzuwerten. Das heißt, ich muss anders mit ihnen kommunizieren als mit meinen potenziellen BesucherInnen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind so ein Influencer und bekommen eine Einladung zu einer Lesung, die ungefähr 800 Kilometer von Ihnen entfernt stattfinden soll. Was werden Sie tun? Wahrscheinlich nichts, denn die Entfernung ist zu groß und ansonsten enthält die Nachricht ja nichts, was Ihnen so relevant erscheint, dass Sie es weiterleiten würden.

Wenn ich so mit einem der Influencer kommuniziere, verschenke ich als VeranstalterIn der Lesung enorm viel Potenzial, denn weder ich selbst noch mein Publikum sind in der Lage, die Information darüber entsprechend weit zu streuen. Das kann dann bedeuten, dass der Saal nur halbvoll ist.

Wenn Sie also Ihre nächste Ausstellung oder Ihr nächstes Konzert über die verschiedenen Social Media-Kanäle kommunizieren möchten, denken Sie daran, dass Sie nicht nur Ihr Publikum ansprechen, sondern eben auch die Influencer. Wie aber finden Sie die?

„There are two ways of targeting influencers, you can either find the social media sites they frequent the most and attempt to reach them en masse, or you can identify especially influential individuals and engage them one by one. Both methods work well in concert“,

meint Dan Zarella. Grundsätzlich ist das richtig, nur müssen wir uns vor Augen halten, dass der Kunst- und Kulturbereich noch nicht so präsent im Social Web ist, dass man die Influencer „en masse“ ansprechen kann. So viele gibt es einfach noch nicht. Das was Zarella als „fishing where the fish are“ bezeichnet, ist also gar nicht so einfach. Zentrale Anlaufstellen in Sachen Kunst und Kultur sind im Social Web kaum zu finden, bleibt also vor allem der zweite Weg, die Influencer zu entdecken. Zarella schlägt verschiedene Tools vor, um die Influencer zum Beispiel auf Twitter zu finden. Ein Gradmesser ist für mich etwa die Zahl der Listen, in denen jemand angeführt wird (natürlich hängt es auch davon ab, in welchen Listen). Die Quantität ist zwar sicher nicht das einzige Kriterium, spielt aber eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, dass Influencer als Multiplikatoren wirken sollen.

Bevor sie das tun, muss ich aber erst eine Beziehung zu ihnen aufbauen (siehe dazu: „Wie gewinne ich ‚Influencers‘ für mich?“ ), wobei es dann vor allem um die Qualität geht. Influencer einfach nur als Sprachrohr verwenden zu wollen, sollten Sie vermeiden. Das wird nicht gerne gesehen und funktioniert ganz sicher nicht. Wenn Sie also das nächste Mal eine Veranstaltung bewerben, denken Sie auch an die Influencer. Wobei: eigentlich müssen Sie das jetzt schon tun, denn Beziehungen kosten Zeit.

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Die Wegweiser in der Online- und der Offline(?)-Welt

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© Twingu; Pixelio
Darek Kłeczeks Blog Leadership in Social Networks ist immer wieder lesenswert. Vor einigen Tagen hat er sich daran versucht, die Begriffe Leader, Influencer und Manager zu beschreiben. Seine „Definitionen“ sind sehr hilfreich und kommen zur rechten Zeit, weil ich mich gerade mit dem Thema Führung beschäftige. Hier sein Versuch, die drei Begriffe voneinander abzugrenzen:

  • Influencers – People that change mindsets of their followers. (…)“
  • Leaders – Influencers that also make a call for action. Leaders aren’t satisfied when you change your opinion about a product, they want you to buy it. They’re not satisfied with your interest in the lifehack, they want you to implement it. They want you to get in touch with their other friends and start a business together. And if they are true leaders, you do what they want, as it’s the best thing for you to do.“
  • Managers – People that organize online collaboration. They may not be as visible and popular as leaders or influencers, but without them no complex effort can be undertaken online. (…)“

Mit der Beschreibung des Leaders habe ich etwas Schwierigkeiten. Der kommt hier etwas ich-bezogen rüber, finde ich. Den Leader als sozialen Architekten zu sehen, gefällt mir da besser.

Darek Kłeczek spricht in seinem Beitrag nur von der Online-Welt. Trifft die Beschreibung nicht eigentlich auch auf die reale (soziale) Welt zu? Schon, oder?