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Blogs und Kommentare: Pro und Contra

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Fragt man nach den Unterschieden zwischen einer klassischen Website und einem Blog, dann ist die Möglichkeit, Blogposts kommentieren zu können, sicher einer der wichtigsten. Das Angebot zum Gespräch zeichnet Blogs aus und dient dem Aufbau einer Community, so die landläufige Meinung. Aber es gibt auch gegensätzliche Ansichten. Blogger wie etwa Seth Godin bieten in ihren Blogs keine Möglichkeit an, einen Kommentar zu hinterlassen und damit ein Gespräch in Gang zu bringen. Welche Konsequenzen hat das? Ist ein Blog, in dem Kommentieren nicht möglich ist, kein Blog mehr? Wie wichtig ist die Kommentarfunktion für die BloggerInnen selbst, aber natürlich auch für die LeserInnen?

Eine spannende Diskussion zu diesem Thema habe ich auf der Seite von ThinkTraffic gefunden. In einem aktuellen Beitrag diskutieren die beiden Blogger Pat Flynn und Everett Bogue die Frage, ob man als BetreiberIn eines Blogs Kommentare zulassen sollte oder nicht? Im ersten Moment werden die meisten wahrscheinlich dahin tendieren, Kommentare als essentiellen Bestandteil eines Blogs zu sehen, genau so wie Pat Flynn auch argumentiert:

„Without comments, a blog isn’t really a blog. To me, blogging is not just about publishing content, but also the two-way communication and community building aspects behind it.“

Aber das Argument, sich mit den Kommentaren zu beschäftigen, würde viel Zeit in Anspruch nehmen und auf Kosten der eigenen Kreativität gehen, ist natürlich auch nicht von der Hand zu weisen. Everett Bogue hat vor einem Urlaub die Kommentarfunktion seines Blogs gesperrt und sie seitdem nicht mehr geöffnet. Bogue lehnt Kommentare nicht grundsätzlich ab, sondern beklagt sich eher über die Gründe, die viele UserInnen dazu bewegen, einen Kommentar abzugeben:

„Around 50% of the comments I was receiving when I turned off comments were from newer bloggers who wanted me to notice them,“

behauptet er und führt dann noch weitere 25% an, die vereinfacht gesagt nicht wissen, was es mit einem Blog auf sich hat und deshalb Fragen stellen. Diejenigen, die sich wirklich für die Inhalte interessieren, würden, so seine Überzeugung, recht schnell selbst ein Blog aufsetzen, die eigene Community aufbauen und sich bei Bedarf mit anderen Blogs verlinken.

Ich finde diese Diskussion sehr interessant, auch in den zahlreichen Kommentaren finden sich jede Menge Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt (eigentlich ein Pro-Argument!), aber ich glaube, dass die Beantwortung dieser Frage auch davon abhängt, welche Ziele man verfolgt und wie erfolgreich ein Blog ist, sprich, in welchem Entwicklungsstadium sich das Blog befindet.

Wer sein Blog dafür verwendet, eigene Gedanken zu entwickeln, braucht eigentlich die Kommentare der LeserInnen nicht wirklich. Und möchte jemand darauf reagieren, kann er das ja im eigenen Blog und dann auf den Beitrag verlinken. Wer seine Gedanken und Ideen aber zur Diskussion stellen möchte und diese aus der Diskussion heraus entwickeln möchte, wird wahrscheinlich von der Kommentarfunktion profitieren.

Und wie sieht das bei Kulturbetrieben aus, die nur über ihre Arbeit informieren? Auch hier lässt sich keine eindeutige Antwort finden: wer nur informiert, wird wenig Fragen hervorrufen, eine Kommentarfunktion ist eigentlich überflüssig. Geben Beiträge aber tiefere Einblicke in die (tägliche) Arbeit, dann können sie durchaus Fragen hervorrufen.

Nicht von der Hand zu weisen sind aber die Argumente von Everett Bogue, dass das Kommentieren Zeit kostet und die eigene Kreativität einschränkt. Allerdings wird das wohl erst dann ein Problem, wenn die Zahl der LeserInnen sehr groß ist und entsprechend viele Kommentare eingehen. Wer gerade mit dem Bloggen beginnt, wird sich wahrscheinlich über jede Rückmeldung freuen und sie (hoffentlich) als Ansporn verstehen.

Zwei weitere Aspekte gilt es zu berücksichtigen. Erstens gibt es im deutschsprachigen Raum nur wenig Blogs, die pro Beitrag um die 100 Kommentare haben. Außerdem muss man sich dann noch die Qualität der Kommentare näher ansehen, die, so vermute ich, auch mit der thematischen Ausrichtung des Blogs zu tun hat. Zweitens sind es oftmals nicht so sehr die Kommentare, sondern die Beiträge selbst, die viel Zeit kosten. Wird man zum Sklaven seines Blogs und schreibt, weil man glaubt, schreiben zu müssen und der Spaß damit verloren geht, ist das, so denke ich, viel schlimmer als die Herausforderung, viele Kommentare beantworten zu müssen.

Und noch ein Punkt: die Diskussion über Blogposts verlagert sich mehr und mehr auf andere Kanäle. da ist die Kommentarfunktion teilweise gar nicht mehr nötig.

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Eskalation im Kommentarbereich

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© dunkelklang; Pixelio

Vor wenigen Tagen erst habe ich über die Angst vor negativen Kommentaren geschrieben und gemeint, dass man sich nicht davor fürchten müsse. Klingt in der Theorie ganz gut, nur was ist, wenn es im Kommentarbereich des eigenen Blogs heftige Auseinandersetzungen gibt, die auch unter die Gürtellinie gehen?

Leider ist es ja nicht so, dass irgendwann ein rotes Licht aufleuchtet und darauf hinweist, dass jetzt Ärger drohen könnte, sondern plötzlich ist es da, das Problem. Ganz ehrlich: solche Auseinandersetzungen hat es schon immer gegeben und sie wird es immer geben. Die Frage ist aber trotzdem, wie sich solche Situationen vermeiden lassen? Dabei ist es wahrscheinlich hilfreicher, auf das eigene Kommunikationsverhalten zu achten als auf die „bösen Anderen“ zu schauen. Eingedenk des Sprichworts: „wie man in den Wald hineinruft…“.

Mir persönlich hat hier Friedemann Schulz von Thun mit seinen vier Seiten einer Nachricht sehr weitergeholfen (siehe dazu: „Die vielen Botschaften einer Nachricht„). Mit diesem Modell macht er deutlich, dass wir grundsätzlich auf mehreren Ebenen kommunizieren und eine Nachricht eben nicht nur Informationen, sondern auch Wertungen enthält, nämlich wie ich mein Gegenüber einschätze und wie ich mich sehe. Das heißt, es gibt eine Sach- und eine Beziehungsebene. Weist etwa der Beifahrer beim Autofahren auf eine rote Ampel hin, enthält dieser Satz nicht nur die Information „rote Ampel“, sondern darüber hinaus den Appell „Bleib stehen!“. Ebenso kann da die Meinung mitschwingen, dass der Fahrer ein schlechter Autofahrer sei und man selber der Experte. So verursacht der einfach formulierte Hinweis „da vorne ist eine rote Ampel“ unter Umständen enormen Ärger, egal wie er gemeint war.

Wer sich in der Kommunikation darüber klar ist, dass die eigene Nachricht auf verschiedenen Ebenen ankommen kann, wird unter Umständen bewusster und vorsichtiger kommunizieren. Allerdings gelingt das nicht immer und dann droht eben Ärger.

Ärger hat es im Anschluss an diesen Blogbeitrag gegeben. Ich nenne hier bewusst keine Namen, weil es mir nur um einen Erklärungsversuch geht und nicht darum, andere zu diskreditieren. Schauen wir uns die Kommentare einfach mal an. Die ersten Kommentare enthalten keine „Aufreger“, erst der Link, der ohne jede Erklärung in Kommentar 4 auftaucht und zum eigentlichen Kommentar führt, könnte als unhöflich angesehen werden. In meinen Augen ist es nicht ungewöhnlich, dass Kommentare an anderer Stelle platziert werden und auch der Text selbst enthält nichts, was die Adressaten als beleidigend empfinden könnten. Aber zugegeben: der Tonfall kann unter Umständen als aggressiv empfunden werden.

Die Antwort erfolgt in Kommentar 6, der sachlich gehalten ist und sich auf die Inhalte, um die es geht, konzentriert. Die Reaktion darauf stellt Kommentar 7 dar, in dem durchaus sachlich argumentiert wird. Auf der Beziehungsebene erfolgt aber ein klarer Angriff, wenn dem Gegner im letzten Halbsatz Selbstsucht und Kurzsichtigkeit vorgeworfen werden. Eigentlich in der Sache überflüssig provoziert er Reaktionen (Kommentar 8 & 9), denen man anmerkt, dass der „Angriff“ auf der Beziehungsebene erfolgt ist, denn beiden rechtfertigen ihre persönlichen Haltungen.

Die Verfasser der letzten beiden Kommentare erhalten in Kommentar 10 Unterstützung, die Frage, mit der dieser eingeleitet wird, ist wohl eher rhetorischer Natur und verfolgt, so empfinde ich es, das Ziel, auf der Beziehungsebene zu signalisieren, was man vom Gegenüber hält. Die Reaktion lässt nicht auf sich warten, auch hier geht es vor allem darum zu signalisieren, was man von den anderen Kommentatoren hält. Hinzu kommt: der Kommentar wurde nicht sofort freigeschaltet, was den Verdacht der Zensur aufkommen lässt. Anmerkung: nachdem der Kommentar zwei Links enthält, wäre er bei mir auch in der Warteschleife gelandet. Die meisten Blogsysteme sind so eingestellt.

Ansonsten ist von einem „dümmlichen Beitrag“ und „unqualifiziertem Geschwalle“ die Rede, was schade ist, denn dadurch gehen die Inhalte dieses Kommentars völlig unter. Natürlich wird man das als Betroffener als Beleidigung auffassen, die Frage ist nur, wie man darauf reagieren soll? Mein Tipp: überlegen Sie sich das, bevor Sie in eine solche Situation geraten. Sie reagieren – verständlicherweise – emotional und unter Umständen falsch. Daher: legen Sie sich gleich zu Beginn Ihrer Social Media-Aktivitäten eine Strategie zurecht, nach der Sie vorgehen, wenn Sie in eine solche Situation kommen.

Die restlichen Kommentare bedürfen keiner Kommentierung, die Kontrahenten haben gerade eine weitere Stufe auf der Eskalationstreppe erklommen. Am Ende steht dann ein via Twitter kommunizierter Kommentar, zu dem man sich eigentlich nicht hinreißen lassen sollte.

Gut, passiert ist passiert. Was aber bedeutet das nun für Ihr Blog? Hat so ein Streit Konsequenzen? Unter Umständen legen Sie sich eine Strategie für das nächste Mal zurecht. Oder Sie versuchen, solche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen, in dem Sie darauf achten, dass Sie sich auch auf der Beziehungsebene „korrekt“ verhalten. Aber sonst? Lesen Sie sich die Kommentare noch mal in aller Ruhe durch. Wer rückt sich da in ein schlechtes Licht? Eben…

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Social Media: die Angst vor negativen Kommentaren

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© aksel; Pixelio

Die Angst vor Kritik, vor bösen Kommentaren oder destruktiven „Trollen“ ist bei vielen Kultureinrichtungen so groß, dass sie lieber auf Social Media-Aktivitäten verzichten, da dort ihrer Ansicht nach die Gefahr besonders groß ist. Das ist sicher richtig, denn die Hürde, sich über etwas zu äußern, positiv oder negativ, ist sehr niedrig. In Zeiten, wo man seine Statusmeldungen und Tweets mobil loswerden kann, ist das innerhalb Sekunden geschehen.

Gut, im Social Web möchte man aus dieser Angst heraus nicht präsent sein, die JournalistInnen lädt man aber bei jedem Anlass wieder aufs Neue ein und ärgert sich, wenn der Artikel negativ ausfällt. Und was passiert nach so einem Artikel? In der Regel nicht viel. Viele Menschen schauen sich ein Theaterstück nicht an, ob wohl die Kritiken gut ausgefallen sind, genauso wie viele sich ein Stück anschauen, obwohl die Kritiken schlecht waren. Ob gut oder schlecht, ihr Einfluss hat nachgelassen.

Im Social Web gibt es nun nicht mehr nur eine KritikerIn, sondern jede Menge. Und sie tun dort ihre Meinung kund und schreiben über all die Dinge, die ihnen nicht gefallen haben. Manche nett und konstruktiv, andere eher beleidigend. Ob Sie sich nun für oder gegen Aktivitäten im Social Web entscheiden, ist dabei nicht so wichtig, denn Ihre KritikerInnen sind schon dort.

Solche Kommentare werden Sie nie verhindern können, gerade im Kunst- und Kulturbereich, wo der eigene Geschmack eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Was also tun?

„From time-to-time somebody will make a negative comment about your museum on social media websites. If this happens you shouldn’t take it personally“,

schreibt Jim Richardson in seinem Beitrag „Dealing with negative feedback„. So ein Kommentar ist schnell geschrieben, meint er, und ebenso schnell wieder vergessen. Hinzu kommt aber noch ein weiterer Punkt. Nehmen wir den obigen Kommentar, den ich – nach längerer Suche – auf einer Bewertungsplattform gefunden habe. Er ist eindeutig negativ, aber angenommen, Sie wollen sich in diesem Theater genau dieses Stück ansehen. Inwieweit beeinflusst Sie dieser Kommentar?

Mich würde er gar nicht beeinflussen, weil hier nicht von Fakten die Rede ist, sondern der Verfasser lediglich – in durchaus eloquenter Weise – beschreibt, warum er nach bereits einer halben Stunde gegangen ist. Müsste ich mir als Theater deshalb Sorgen machen? Ich denke nicht, es sei denn, die ZuschauerInnen verlassen das Stück nach dreißig Minuten in Scharen. Dann habe ich aber kein Kommentarproblem. ;-)

Ein anderes Beispiel: bevor ich ein mir unbekanntes Hotel buche, werfe ich immer einen Blick auf die diversen Hotelbewertungsplattformen. Dort finden sich sehr viele negative Kommentare, die häufig äußerst unsachlich und polemisch geschrieben worden sind. Ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht: ich kann mit solchen Kommentaren wenig anfangen und filtere sie quasi aus. Sie haben keinen Einfluss darauf, ob ich das Hotel als gut oder schlecht einstufe. Das passiert anhand der Kommentare, in denen sachliche Informationen geliefert werden. Etwa dass das Frühstück nicht ausreichend ist oder die Zimmer laut sind.

Auf den Kunst- und Kulturbereich übertragen könnte das bedeuten, dass in den Kommentaren die teuren Cafehauspreise kritisiert werden. Aber diese Kritik ist für Sie ja wertvoll, vor allem, wenn dieser Kommentar dann auch noch positiv bewertet wird oder andere Kommentare diese Kritik bestätigen. Der große Vorteil, wenn Sie selbst im Social Web vertreten sind und solche Kommentare direkt an Sie gerichtet sind: sie können darauf reagieren und solche Kommentare für sich nutzen.

„By engaging with users on social media websites you can influence the way that your institution is seen by the communities which exist on these websites. One of the ways that you will do this is by being seen to take negative comments seriously and responding to complaints“,

meint etwa Jim Richardson und sieht den großen Vorteil darin, dass eine Kultureinrichtung  von ihrem Publikum lernen könne. Wie geht man aber mit solchen Kommentaren um? Richardson empfiehlt zwei Wege. Entweder Sie laden Ihre KritikerInnen ein, sich mit Ihnen telefonisch oder per Email auszutauschen. Oder Sie reagieren offen und transparent darauf, indem Sie öffentlich auf den Kommentar antworten. Den ersten, eher konservativen Ansatz, empfiehlt Richardson all denen, die im Bereich Social Media noch nicht über viel Erfahrung verfügen.

Wer sollte antworten? Nicht einfach „das Museum“, rät Richardson, sondern der oder die verantwortliche MitarbeiterIn. Ist die Kritik konstruktiv, sollte eine Kultureinrichtung auf alle Fälle darauf reagieren, egal wo die Kritik veröffentlicht wurde. Das bedeutet, dass ich das Social Web beobachten, aktives Monitoring betreiben muss, um überhaupt mitzubekommen, wo über mich gesprochen wird.

Auf der anderen Seite gibt es aber natürlich auch die unsachliche und beleidigende Kritik. Findet die Kritik in meinem „Einflussbereich“ statt, also beispielsweise auf meinem Blog oder meiner Facebook-Fanseite, dann kann ich beleidigende Inhalte einfach löschen. Ist die Kritik zwar unsachlich, aber nicht beleidigend, lasse ich den Kommentar einfach stehen. Habe ich es geschafft, im Laufe der Zeit eine Community aufzubauen, kann es sein, dass meine Mitglieder mich zu verteidigen beginnen. Passiert so etwas, ist das eigentlich ein hohes Maß an Wertschätzung, das man auf diese Weise erfährt.

Aber auch wenn das nicht passiert (und der Kommentar nicht beleidigend ist), würde ich solche Kommentare stehen lassen. Positive Meinungen werden nämlich vor allem dann als positiv wahrgenommen, wenn es auch Kritik gibt. Niemand von uns ist vollkommen, deshalb wirkt das Fehlen von kritischen Kommentaren eher unglaubwürdig. Daher sollten Sie eigentlich für jede konstruktive Kritik dankbar sein. Angst müssen Sie davor nicht haben.

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Blogkommentare: brauchen wir die noch?

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© knipseline; Pixelio

Es ist noch gar nicht so lange her, da war ein Kommentar die einzige Möglichkeit, um auf die Inhalte des Blogbeitrags einzugehen. Je mehr Kommentare ein Blog hatte, desto angesehener war es. Heute ist das anders, denn wir haben die Möglichkeit, uns an den verschiedensten Plätzen im Social Web zu äußern. Twitter, Facebook, FriendFeed, Goggle Buzz und noch einige andere Kanäle kommen dafür in Frage. Aber man hat den Eindruck: je mehr Möglichkeiten, desto weniger wird kommentiert.

Does a blog need comments?“ Die Frage von Beth Dunn hat daher ihre Berechtigung:

„I’ve always been of the firm belief that a blog just isn’t a blog unless you’ve got comments enabled. Without comments, it’s just a website that sort of vaguely, structurally resembles a blog,“

beginnt sie ihren Beitrag, um dann die Frage zu stellen, wer denn heute überhaupt noch Blogbeiträge kommentiere? Zwar würden sich BloggerInnen noch eher bemühen, aber auch deren Engagement habe nachgelassen. So stellt sie die Frage, ob die Zahl der Kommentare heute noch ein Erfolgskriterium sei und ob ein Blog ohne Kommentare überhaupt noch ein Blog sei?

Ich denke, die Frage lässt sich nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Natürlich freut sich jede BlogbetreiberIn, wenn sie viele Kommentare als Reaktion auf ihre Beiträge erhält. Vorausgesetzt sie sind positiv. ;-) Aber notwendig sind sie nicht. Und trotzdem haben Sie mit Ihrem Blog Erfolg, weil Sie hunderte von LeserInnen haben. Nur rühren die sich halt nicht, weil sie sich nicht trauen bzw. nicht der Typ dafür sind (siehe dazu den Beitrag „Social Media im Kunst- und Kulturbereich: die Suche nach den neuen Zielgruppen„).

Aber es hängt nicht nur von Ihrer Zielgruppe ab, sondern auch von den Themen, um die es geht. Wenn Sie jeden Tag eine Kulturveranstaltung ankündigen, dann werden Sie eher wenig Kommentare erhalten. Außer einem Dankeschön für den Beitrag habe ich als Leser ja gar keine Möglichkeit, auf Ihren Beitrag zu reagieren. Das heißt, so gesehen sind Kommentare zwar ein Zeichen der Wertschätzung, sie müssen aber nicht unbedingt sein.

Ist ein Blog ohne Kommentare noch ein Blog? Theoretisch schon, denn der Kommentar ist ja nicht das einzige Merkmal eines Blogs. Auf der anderen Seite lässt sich mit Hilfe von Blogsoftware in ein paar Minuten auch eine statische Seite erstellen, die Ihnen dann zum Beispiel als Onlineprofil dient. In diesem Fall hätten wir es zwar mit einer Blogsoftware zu tun, aber nicht mit einem Blog.

Haben Sie  als BlogbetreiberIn nicht andere BloggerInnen als Zielgruppe im Visier, dann müssen Sie nicht beunruhigt sein, wenn Sie keine Kommentare auf Ihre Beiträge erhalten. Vorausgesetzt, der Dialog mit Ihren Zielgruppen ist nicht Ihr Ziel. Achten Sie aber darauf, ob Ihre Beiträge über die verschiedenen anderen Kanäle weiter empfohlen werden, denn auch das ist ein Zeichen der Anerkennung. Wie hat Patrick Breitenbach in seinem heutigen Blogbeitrag über Geschäftsmodelle im Web 2.0 so schön geschrieben:

„Der Applaus bleibt sicherlich eine der wichtigsten Währungen im Kulturbereich.“

Und das gilt, behaupte ich, nicht nur für den Kulturbereich, sondern wahrscheinlich für die meisten von uns, egal was wir tun. Auf welchem Weg wir ihn bekommen, ist egal. Hauptsache, wir bekommen ihn. Oder?

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Blogs und Kommentare: nicht mehr am selben Ort

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© Albrecht E. Arnold; Pixelio

Gute Gespräche brauchen die richtige Umgebung. Dieser „Spruch“ ist mir eingefallen, als ich Robert Lenders Frage „Warum kommentieren Menschen?“ gelesen habe. Robert Lender greift einige Aspekte auf, die das Kommentieren auf Blogs unterstützen bzw. behindern. Wie heißt es bei ihm so schön?

„Viele Kommentare muss noch nicht heißen, dass auch viele kommentieren.“

Auch wenn die Zahl der Kommentare noch immer so etwas wie einen Gradmesser für die Qualität des Weblogs darstellt. Eigentlich ist das ja Unsinn, wie z.B. das Blogpost „Homo Boulevardensis“ von Petra van Cronenburg zeigt. Ein lesenswerter Beitrag, aber Kommentare? Fehlanzeige.

Und dann ist da noch der Kommentar von Wolfgang Jö Dokulil, in dem er schreibt:

„Da können die web-publisher und blogger Partizipation einfordern so viel sie wollen, ich komme nur ausnahmsweise dazu einen Kommentar zu schreiben.“

Kann es sein, dass wir es gar nicht (mehr) schaffen, auf anderen Blogs zu kommentieren? Natürlich haben wir schon davon gehört, dass es wichtig ist, auf anderen Blogs zu kommentieren, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber wenn die Zeit doch nicht reicht? Wenn ich mein eigenes Weblog mit Beiträgen füllen, über Twitter Follower sammeln und in den Netzwerken Kontakte finden muss?

Heißt das nun, dass nicht mehr kommentiert wird? Ich denke nicht, aber in den letzten Monaten hat sich im Social Web einiges verändert, behaupte ich. Während früher die Diskussion zu einem Blogbeitrag in den Kommentaren stattfand, ist das heute anders. Die verschiedenen Tools wie Blog, Twitter, FriendFeed oder Facebook sind so zusammengewachsen, dass ich die Diskussion überall führen kann.

Die Diskussionen finden im Social Media-Raum statt. Der Ausgangspunkt kann irgendwo auf einem Blog, auf Facebook oder auch auf Twitter sein und irgendjemand greift das Thema an anderer Stelle auf. Dank Perma- und Backlinks kann man dem Gespräch folgen. Allerdings muss man, denke ich, ein Gespür für diesen Gesprächsraum entwickeln. Sonst fühlt man sich ziemlich hilflos. Die Diskussionen sind auf alle Fälle fragmentierter geworden.

Ob ihre Qualität besser oder schlechter geworden ist? Schwer zu sagen, denn wie hat Robert Lender geschrieben?

„Viele Kommentare muss noch nicht heißen, dass auch viele kommentieren.“

Die Kommunikation hat sich verändert. Hier ein kurzer Dialog, dort eine schnelle Unterhaltung. Viele werden sich zurückerinnern, wie das damals war, als man irgendwo zusammensaß und stundenlang über ein Thema diskutierte. Ob das nun besser oder schlechter war, ist schwer zu sagen. Es ist anders, weil sich unsere Kommunikation verändert hat.

Ich persönlich habe solche Gespräche oder Diskussionen immer geschätzt und schätze sie auch heute noch. darauf verzichten muss ich nicht, denn solche Gespräche lassen sich auch heute noch führen, ganz real. Die Frage ist ja nicht, ob man lieber virtuell oder real diskutiert, sondern wie man beide Bereiche kombiniert. Im Idealfall greift man im Blog ein Thema auf, spricht darüber auf Twitter oder Facebook und führt die Diskussion bei einem Bier weiter.