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Wie wir die digitalen Medien nutzen können

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Kultureinrichtungen produzieren jede Menge Content. Ob Konzert, Inszenierung oder Ausstellung, immer geht es darum, diese Inhalte auch zu kommunizieren. Die Frage ist nur, wie man das am geschicktesten macht? Martin Oetting hat auf seinem Blog ConnectedMarketing.de sehr schön herausgearbeitet, welche Ansätze uns im Bereich der digitalen Medien eigentlich zur Verfügung stehen.

Die von Martin Oetting stammende Grafik (zur Vergrößerung bitte hier klicken) zeigt, dass es im Bereich der digitalen Medien insgesamt vier unterschiedliche Ansätze gibt, um die eigenen Angebote zu kommunizieren.

Paid Media ist, wie es Oetting formuliert, der uns allen bekannte

„klassische Ansatz – ich gebe Geld dafür aus, dass meine Botschaften auf den Kanälen anderer Medienbetreiber gezeigt werden.“

Zwar funktioniert Werbung, das klassische Beispiel für diesen Ansatz, nicht mehr so wie früher, allerdings folgt sie noch dem alten Prinzip, das Leistung und  Gegenleistung konkret benennt und daher auf dieser Ebene wenig Risiko beinhaltet.

Owned Media bedeutet, dass ich meine Nachricht nicht auf anderen Kanälen platziere, sondern über einen eigenen verfüge, der mir dazu dient, meine Botschaften zu kommunizieren. Oetting zählt sowohl die firmeneigene Website als auch das Corporate Blog zu dieser Kategorie, in der die Herausforderung seiner Meinung nach darin besteht, die Kommunikation den eigenen Bedürfnissen entsprechend zu managen.

Verlassen meine Botschaften meine eigenen Medienkanäle und werden von anderen aufgegriffen, bewertet und weitergegeben, sind sie in dem Bereich angekommen, den Oetting Earned Media nennt. Es ist der Bereich des Social Web, der nicht mir gehört, also z.B. das eigene Blog. Für Unternehmen gehe es, so Oetting, darum, andere zu dieser Art der Kommunikation zu „inspirieren“. Ansonsten verpuffen die Aktivitäten, die Botschaft führt zu keinen Reaktionen.

Bleibt die Kategorie Curated Media, worunter Oetting Ansätze versteht,

„bei denen Unternehmen sich darum bemühen, beim Filterproblem zu helfen“,

wie er es formuliert. Weiter unten in einem Kommentar ergänzt er noch:

„Bei ‚curated‘ geht’s mehr darum, die Inhalte, die sonstwo im Netz zu finden sind, zu ordnen und zu sichten. Natürlich hat das ganz viel mit Glaubwürdigkeit zu tun – darin liegt die Herausforderung aber auch die Chance.“

Ich würde in der Beschreibung dieser Kategorie gerne noch einen Schritt weiter gehen. Im New Curator-Blog ist vor einigen Tagen der Beitrag „You Are Not a Curator“ erschienen, in dem die These vertreten wird, dass „curating“ mehr ist als Filtern. Der Autor verweist in diesem Zusammenhang auf Nina Simon, die in ihrem Buch „The Participatory Museum“ Kuratoren eher als „facilitator, designer and collaborator“ bezeichnet, wie es im Blogbeitrag heißt.

Filtern bedeutet für mich, dass ich mir bestimmte Kriterien überlege, nach denen dann die Inhalte des – in diesem Fall – Web durchsucht werden. Was im Unterschied zum Kurator fehlt, ist die Kreativität, die Fähigkeit, neue, überraschende Querverbindungen herzustellen. Jeff Jarvis hat das in seinem Beitrag „Death of the curator. Long live the curator.“ auf den Punkt gebracht:

„“We have many automated means to aggregate news (…). Curation is a step above that, human selection. It’s a way to add value.“ (siehe dazu meinen Beitrag „‚Structural Holes‘ oder: warum Kuratoren so wichtig sind„)

Oder mit den Worten von Dave Troy :

„A curator establishes relationships between objects and ideas. A curator puts things into a cultural context. A curator expresses their own cultural background.“

Jeff Jarvis gesteht den Kuratoren in dieser Hinsicht eine Vorbildfunktion zu, das heißt, wer auf diese Weise kommunizieren möchte, übt mehr aus als eine Filterfunktion. Ein Kurator ist Ideengeber, Innovator, womit klar ist, vor welcher Herausforderung derjenige steht, der auf diese Weise kommunizieren möchte.

Die digitalen Medien für die eigene Kommunikation zu nutzen heißt, den richtigen Mix zu finden. Darauf läuft Martin Oettings Beitrag für mich hinaus. Die größte Herausforderung besteht für mich in der Kategorie Curated Media. Das ist der Bereich, in dem Kulturbetriebe dem Unternehmensbereich eigentlich viel voraus haben. So sie „kuratieren“ nicht mittlerweile auch nur als „filtern“ verstehen.

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„Structural Holes“ oder: warum Kuratoren so wichtig sind

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Jeff Jarvis hat auf BuzzMachine das Thema Kuratoren aufgegriffen und dort einige, ich denke, sehr wichtige Gedanken formuliert. Er sieht die Kuratoren eher in einer Vorreiterrolle, daher der Titel „Death of the curator. Long live the curator„.

Befürchtungen, dass den Kuratoren ein ähnliches Schicksal wie den Journalisten droht, hat er nicht, ganz im Gegenteil: er schreibt ihnen eine Vorbildfunktion zu. Ihre Aufgabe sei es, die gewaltige Menge an Informationen zu bändigen:

„…collecting it, selecting it, giving it context in their stories“,

formuliert es Jeff Jarvis, der auch begründet, warum sie so wichtig sind:

„We have many automated means to aggregate news (…). Curation is a step above that, human selection. It’s a way to add value.“

Das ist genau der Punkt. All die Tools, die uns das Social Web zur Verfügung stellt, haben nur einen begrenzten Nutzen. Es gibt noch eine Ebene darüber, auf der uns all die Tools, die uns dabei unterstützen, die Informationen zu aggregieren, nicht weiterhelfen.

Gut gefällt mir auch seine Idee, die er daraus entwickelt:

„I think that curators have things to teach journalists and that’s why I’m planning a symposium on curation at CUNY, bringing together museum curators, event curators, possibly even sommeliers to share their views of the value they add to collections of things, people, information – or wine.“

Da sind sie wieder, die „Structural Holes„, unter denen Ronald S. Burt die Leere zwischen sozialen Gruppen versteht (siehe dazu: „Kulturmanagement und Innovation: Gehört das zusammen?„). Genau so entsteht Innovation. Indem wir Experten aus völlig unterschiedlichen Bereichen zusammen bringen und nach den dahinter liegenden Mustern suchen, um daraus zu lernen und sie für die eigenen Bedürfnisse zu adaptieren. Die Kombination Journalisten, Kuratoren und Sommeliers klingt spannend. Eigentlich sollte es so ein Syposium auch bei uns geben, oder?

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Das Ende der Kuratoren?

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Zustimmung - gegen den Strom
© Gerd Altmann; Pixelio

Manchmal geht es mir wie mit meiner Diplom- bzw. Magisterarbeit. Man fängt ein Thema an und je mehr man liest und recherchiert, desto mehr neue Erkenntnisse ergeben sich, die es wiederum notwendig machen, mehr zu lesen und zu recherchieren.

Um es kurz zu machen: ich bin an einem Beitrag mit dem Titel „The Death of the Curator“ hängengeblieben, den Pete (sorry, ich war zu blöd, den Nachnamen irgendwo im Blog zu finden) vor ein paar Tagen auf seinem New Curator Blog veröffentlicht hat. Er fragt sich darin, ob die Idee einer von ZeitungsleserInnen kuratierten Ausstellung zeitgenössischer Kunst, wie sie The Guardian und die Saatchi Gallery gerade realisieren, das Ende der Kuratorentätigkeit einläutet?

„Crowdsourcing the curatorial decisions of an exhibition. The process of museums has been brought to the lowest common denominator, pitched somewhere between reality TV and youtube’s most-viewed list“,

heißt es in seinem Artikel. Museen bezeichnet der Autor als „old media“, genauso wie Print oder TV. Der Unterschied: den Museen geht es noch nicht so schlecht wie vor allem den Printmedien. Beide kommunzieren aber nach dem „individuals-to-individuals“-Prinzip:

„Old media does this with celebrity and personality as intermediates that we consume“,

wie Pete schreibt. Im Internet erleben wir hingegen den „individuals-as-social“-Ansatz und die „alten“ Medien haben bis jetzt darauf keine Antwort gefunden. Opfer dieser Entwicklung sind vor allem die Journalisten, für deren Bezahlung keine funktionierenden Geschäftsmodelle mehr existieren. Zwar ist es bei den Kuratoren noch nicht so weit, aber, so die Schlussfolgerung des Blogposts, sie sollten wachsam sein, damit ihnen nicht das gleiche Schicksal wie den Journalisten droht, denn

„Suddenly, your art history or archaeology degree isn’t looking so important, your museum post-grad may not be enough and your years of experience don’t mean much in the world of facemuseumtube when your job can be done by a thousand unpaid contributors.“

Ich sehe das nicht so pessimistisch, weder bei den Journalisten noch bei den Kuratoren. Ganz im Gegenteil: ich habe schon vor längerer Zeit einen Beitrag („Was das Internet von der Kunst lernen kann„) geschrieben, in dem ich die Meinung vertreten habe, dass die Kuratoren eher an Bedeutung gewinnen werden. Das gilt übrigens auch für die Journalisten, obwohl sich die Rahmenbedingungen für die meisten von ihnen tagtäglich verschlechtern.

Warum? Das Geschäftsmodell der Printmedien funktioniert nicht mehr, daher werden auch hier die Rufe nach staatlicher Unterstützung immer lauter. Dass die Printmedien diese nicht verdient haben und es keinen Sinn macht, eine sterbende Branche mittels öffentlicher Gelder noch länger am Leben zu erhalten, davon ist Jeff Jarvis überzeugt. In seiner fiktiven Rede an Senator Kerry weist er darauf hin, dass die Printmedien genug Zeit zur Verfügung hatten, um sich auf die veränderten Gegebenheiten einzustellen.

„I suppose, they did not want to disrupt their comfortable, powerful, and profitable monopolies. But that responsibility was theirs. Is it not ours, as taxpayers, to make up for their lost time“,

lautet sein Resumee.

Die Situation hat sich aber auch deshalb verändert, weil wir als LeserInnen uns oftmals nicht ernst genommen fühlen. Wir mussten dankbar sein, dass wir etwas zu lesen bekamen und erkannten, dass wir vor allem dann wertgeschätzt wurden, wenn wir die Werbung neben dem Text beachteten. Im Social Web ist niemand mehr auf solche Strukturen und Modelle angewiesen und dank der Tools, die uns zur Verfügung stehen, brauchen wir keine Journalisten mehr, die uns informieren, sondern wir übernehmen das selbst. Wie das dann aussieht, beschreibt Matthias Schwenk in seinem Beitrag über Robert Basic neueste Idee Buzzriders, in der dieser partizipative Ansatz konsequent verfolgt wird.

Ich denke, viele solcher Projekte (z.B. auch spot.us) entstehen aus einer Unzufriedenheit heraus. Aber irgendwann wird das Pendel wieder umschlagen, vermute ich. Steve Rubel spricht vom digitalen Kurator, der uns dabei unterstützt, uns in der Menge an Informationen zurechtzufinden und bezieht sich dabei auf den Ausstellungskurator, der die gleiche Aufgabe im Kunst- und Kulturbereich übernimmt.

„The call of the curator requires people who are selfless and willing to act as sherpas and guides. They’re identifiable subject matter experts who dive through mountains of (digital ) information and distill it down to its most relevant, essential parts.“

Mag sein, dass die Kuratoren zurückgedrängt werden, weil man auch hier auf  Crowdsourcing setzt und obendrein noch Kosten sparen kann. Und es wird uns wie eine Befreiung vorkommen, wenn wir endlich „selbst“ entscheiden können, was wir sehen dürfen. Aber auch hier, so meine Vermutung, werden wir irgendwann froh sein, wenn uns jemand an die Hand nimmt und uns aufregende und neue Dinge zeigt.

Es ist eine Frage des Vertrauens. Die Printmedien haben unser Vertrauen größtenteils verloren. Bleibt die Frage, ob die Museen den gleichen Weg zu Ende gehen müssen oder ob sie aus den Fehlern anderer lernen können?

Am Ende wird es Journalisten geben, denen wir vertrauen. Und Kuratoren. Allerdings werden die Strukturen um sie herum ganz anders aussehen (müssen).

Update: Ein interessantes Blogpost zu diesem Thema hat Jeff Jarvis auf seinem Blog BuzzMachine geschrieben. Titel: „Death of the curator. Long live the curator

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Kunst entdecken im Internet

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In einem Kommentar zu meinem Beitrag „Warum Künstlerplattformen nicht funktionieren“ spricht „michael“ einen interessanten Aspekt an, nämlich den Umgang mit all den Kunstwerken und all den KünstlerInnen, die im Internet zu finden sind. Derzeit wuchert das Internet so vor sich hin und an jeder sprichwörtlichen Ecke tauchen neue Inseln auf, auf denen Kunst gezeigt wird und sich KünstlerInnen präsentieren.

Wie damit umgehen? Wenn ich Michael richtig verstanden habe, dann geht es ihm vereinfacht gesagt darum, das, was an Kunst im Internet zu finden ist, in eine Datenbank einzugeben und den UserInnen semantische Suchinstrumente in die Hand zu geben, mit deren Hilfe sie finden können, was sie finden wollen.

„komplexe systeme de-komplexieren, das heisst fragmentieren. und die überlappungen (semantisch) einbeziehen“,

erklärt Michael seine Sichtweise. Häufig unbefriedigende Suchergebnisse bei Google sind ein Hinweis darauf, dass wir hier wirklich anstehen. Google weiß nicht, ob ich mit dem Suchwort „Apache“ den Hubschrauber, die Indianer oder einen Server meine. Die Zahl der Unternehmen, die sich mit semantischen Lösungen beschäftigen, steigt seit Jahren kontinuierlich an und im kleinen Rahmen funktioniert das auch schon recht gut.

Aber: abgesehen davon, dass alle Informationen, so sie semantisch aufbereitet werden sollen, in eine eigene maschinenlesbare Sprache übersetzt werden müssen, bedarf es auch einer logischen Verknüpfung all dieser Informationen. Am Ende steht nichts anderes als die Klassifizierung und Verschlagwortung unseres gesamten Wissens. Unabhängig von der Frage, ob wir das wollen oder nicht, müssen wir akzeptieren, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis wir soweit sind. So wir das überhaupt jemals schaffen.

Ich kenne ein Unternehmen, das sich damit beschäftigt, die zahllosen Patente, die es mittlerweile gibt, suchbar zu machen. Das Unternehmen hat seine Arbeit nicht erst gestern aufgenommen und trotzdem ist man von einer Systematik noch ziemlich weit entfernt.

Das heißt, es wird also noch etwas dauern, bis es soweit ist, dass wir Kunst im Internet semantisch suchen können. Ich bevorzuge nicht nur aus diesem Grund so eine Art digitalen Kurators und habe das schon in mehreren Beiträgen (hier und hier) zu begründen versucht. Auch Steve Rubel hat auf seinem Blog Micro Persuasion schon einmal beschrieben, wie er sich die Zukunft des Internets vorstellt und dabei dem digitalen Kurator eine wichtige Funktion zugedacht.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch Aleida und Jan Assmann, die sich mit den verschiedenen Formen von Gedächtnis (sozial, kollektiv und kulturell) befassen und im Endeffekt ist das Internet ja nichts anderes als eine Art digitales Gedächtnis.

In der Theorie von Aleida und Jan Assmann kommen Dinge vor, die wir vergessen, alte Schriften, Opern von Komponisten, die heute niemand mehr kennt. Das ist in meinen Augen der entscheidende Punkt: der Umgang mit dieser Vielzahl an Informationseinheiten ist nur möglich, wenn wir auch weiterhin vergessen können. Bestimmte Dinge, die für uns wichtig sind oder uns berühren, werden bleiben, andere werden verschwinden. Insofern stellt sich die Frage, ob es für unsere kulturelle Identität „hilfreich“ ist, wenn wir im Internet nicht auch die Möglichkeit haben zu vergessen.

Ich persönlich tendiere dazu zu sagen: ich will gar nicht alles finden können. Und noch etwas spricht meiner Meinung nach gegen den Ansatz, Kunst nach allen möglichen Kriterien suchbar zu machen. Das spannende an der Kunst ist doch, dass ich immer wieder etwas Neues, mir Unbekanntes entdecken kann. Dafür brauche ich eine Art Kurator, jemanden, der das für mich entdeckt hat. Ich selbst kann das Neue in einer Datenbank, mag sie auch noch so ausgeklügelt funktionieren, nicht finden, denn ich kenne es ja noch nicht und weiß daher gar nicht, wonach ich suchen sollte.

Wünschenswert ist wahrscheinlich eine Art Mischung aus beidem: ich möchte die Datenbank für die Suche und den Kurator fürs Entdecken.

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Was das Internet von der Kunst lernen kann

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Erst vor ein paar Tagen wurde angekündigt, dass das Brockhaus-Lexikon zukünftig nur noch online erscheinen werde. Auch ich stellte in einem Blogeintrag die Frage nach der Zukunft der Bücher und sah diese darin gar nicht so negativ. Denn, und das ist auch heute noch meine Meinung, der große alte Brockhaus genießt hinsichtlich seiner Qualität großes Vertrauen und das könnte zum Beispiel gegenüber Wikipedia ein nicht zu unterschätzender Vorteil sein.

Und auf dieses Vertrauen müssen wir setzen, wenn wir die Informationsflut im Internet bewältigen wollen. Alleine werden wir es wohl nicht schaffen, schließlich geht es ja nicht nur darum; Informationen zu sammeln, sondern Wissen daraus zu konstruieren. Robert Freund hat das vor längerer Zeit in einem Blogeintrag recht schön erklärt:

„Wissen wird konstruiert und setzt sich aus Informationen zusammen, die mit den eigenen Erfahrungen (individuelles Wissen) oder den organisationalen Erfahrungen (organisationales Wissen) verknüpft (konstruiert) werden.“

Welche Informationen sind es aber, aus denen wir Wissen konstruieren können? Wie wissen wir, welche Informationen die richtigen sind? Wer unterstützt uns dabei?

Steve Rubel hat sich mit dieser Frage beschäftigt. In einem Beitrag auf seinem Blog Micro Persuasion schlägt er in Anlehnung an den Kunst- und Kulturbereich den digitalen Kurator vor, denn:

„Museum curators, like web users, are faced with choices. They can’t put every work of art in a museum. They acquire pieces that fit within the tone, direction and – above all – the purpose of the institution. They travel the corners of the world looking for „finds.“ Then, once located, clean them up and make sure they are presentable and offer the patron a high quality experience.“

Rubel weiter:

„Much the same, the digital realm too needs curators. Information overload makes it difficult to separate junk from art. It requires a certain finesse and expertise – a fine tuned, perhaps trained eye.“

Google oder Angebote wie digg können diese Aufgabe nicht erfüllen, für Rubel handelt es sich lediglich um Aggregatoren, nicht um Kuratoren.

Der Vergleich mit dem Ausstellungsbereich gefällt mir recht gut, zeigt er doch, dass das Problem der Informationsmenge nicht ganz so neu ist wie wir heute glauben. Natürlich ist die Menge rein rechnerisch größer als das, was wir in der Vorzeit des Internets zu bewältigen hatten. Aber das Problem war das gleiche: Wir mussten eine Auswahl treffen und dafür bedienten wir uns im Fall von Ausstellungen der KuratorInnen, die uns beispielsweise den Blick auf einen Ausschnitt der Kunst einer bestimmten Epoche eröffneten.

Mich erinnert dieser Ansatz an ein Grundprinzip des NLP, nach dem wir zwischen der Landkarte und dem Gebiet unterscheiden müssen. Es war Alfred Korzybski, der das Prinzip „Die Landkarte ist nicht das Gebiet“ formulierte. Wir sehen also immer nur einen Ausschnitt und Gatekeeper wie AusstellungskuratorInnen unterstützen uns dabei.

Mir fällt in diesem Zusammenhang der Theaterkritiker Benjamin Henrichs ein, der viele Jahre für die ZEIT schrieb und für mich so eine Art Gatekeeper war. Was er gut fand, gefiel mir in der Regel auch und so orientierte ich mich jahrelang an dem, was er an Theaterstücken aussuchte. Natürlich gewann er mich auch deshalb, weil er neben der Liebe zum Theater auch ein großer Sportfan war. Wer wissen will, was ich meine, muss nur seinen Artikel „Sport essen Seele auf“ lesen.

Der Titel, der an Fassbinder erinnert und die Schilderung des Daviscupmatches zwischen Deutschland und den USA auf dem Höhepunkt der Beckermania 1985 haben mich schon damals fasziniert, auch wenn es in diesem Fall nicht um Theater ging. Fein, dass die ZEIT die alten Jahrgänge online zugänglich gemacht hat.

Aber zurück zu den digital curators. Steve Rubel ist davon überzeugt, dass ihre Zeit kommen wird:

„As content universe expands and floods niches, there will always be a market for Digital Curators. The key for brands, individuals and media companies will be to identify those niches where they have deep expertise and to become the best in the world at serving them. I guarantee if you do this well and consistently, your long-term success is essentially guaranteed. And even if you do not have the energy to become a curator, you will certainly be influenced them.“

Es ist also nicht so, dass wir den anderen Branchen hinterherhinken, sondern es ist der Kunst- und Kulturbereich, der als Vorbild dient. Gar nicht schlecht für eine „Branche“, von der man immer verlangt, dass sie sich an die „Wirklichkeit“ anpassen müsse.