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Kunst entdecken im Internet

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In einem Kommentar zu meinem Beitrag „Warum Künstlerplattformen nicht funktionieren“ spricht „michael“ einen interessanten Aspekt an, nämlich den Umgang mit all den Kunstwerken und all den KünstlerInnen, die im Internet zu finden sind. Derzeit wuchert das Internet so vor sich hin und an jeder sprichwörtlichen Ecke tauchen neue Inseln auf, auf denen Kunst gezeigt wird und sich KünstlerInnen präsentieren. Wie damit umgehen? Wenn ich Michael richtig verstanden habe, dann geht es ihm vereinfacht gesagt darum, das, was an Kunst im Internet zu finden ist, in eine Datenbank einzugeben und den UserInnen semantische Suchinstrumente in die Hand zu geben, mit deren Hilfe sie finden können, was sie finden wollen.
„komplexe systeme de-komplexieren, das heisst fragmentieren. und die überlappungen (semantisch) einbeziehen“,
erklärt Michael seine Sichtweise. Häufig unbefriedigende Suchergebnisse bei Google sind ein Hinweis darauf, dass wir hier wirklich anstehen. Google weiß nicht, ob ich mit dem Suchwort „Apache“ den Hubschrauber, die Indianer oder einen Server meine. Die Zahl der Unternehmen, die sich mit semantischen Lösungen beschäftigen, steigt seit Jahren kontinuierlich an und im kleinen Rahmen funktioniert das auch schon recht gut. Aber: abgesehen davon, dass alle Informationen, so sie semantisch aufbereitet werden sollen, in eine eigene maschinenlesbare Sprache übersetzt werden müssen, bedarf es auch einer logischen Verknüpfung all dieser Informationen. Am Ende steht nichts anderes als die Klassifizierung und Verschlagwortung unseres gesamten Wissens. Unabhängig von der Frage, ob wir das wollen oder nicht, müssen wir akzeptieren, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis wir soweit sind. So wir das überhaupt jemals schaffen. Ich kenne ein Unternehmen, das sich damit beschäftigt, die zahllosen Patente, die es mittlerweile gibt, suchbar zu machen. Das Unternehmen hat seine Arbeit nicht erst gestern aufgenommen und trotzdem ist man von einer Systematik noch ziemlich weit entfernt. Das heißt, es wird also noch etwas dauern, bis es soweit ist, dass wir Kunst im Internet semantisch suchen können. Ich bevorzuge nicht nur aus diesem Grund so eine Art digitalen Kurators und habe das schon in mehreren Beiträgen (hier und hier) zu begründen versucht. Auch Steve Rubel hat auf seinem Blog Micro Persuasion schon einmal beschrieben, wie er sich die Zukunft des Internets vorstellt und dabei dem digitalen Kurator eine wichtige Funktion zugedacht. Interessant in diesem Zusammenhang sind auch Aleida und Jan Assmann, die sich mit den verschiedenen Formen von Gedächtnis (sozial, kollektiv und kulturell) befassen und im Endeffekt ist das Internet ja nichts anderes als eine Art digitales Gedächtnis. In der Theorie von Aleida und Jan Assmann kommen Dinge vor, die wir vergessen, alte Schriften, Opern von Komponisten, die heute niemand mehr kennt. Das ist in meinen Augen der entscheidende Punkt: der Umgang mit dieser Vielzahl an Informationseinheiten ist nur möglich, wenn wir auch weiterhin vergessen können. Bestimmte Dinge, die für uns wichtig sind oder uns berühren, werden bleiben, andere werden verschwinden. Insofern stellt sich die Frage, ob es für unsere kulturelle Identität „hilfreich“ ist, wenn wir im Internet nicht auch die Möglichkeit haben zu vergessen. Ich persönlich tendiere dazu zu sagen: ich will gar nicht alles finden können. Und noch etwas spricht meiner Meinung nach gegen den Ansatz, Kunst nach allen möglichen Kriterien suchbar zu machen. Das spannende an der Kunst ist doch, dass ich immer wieder etwas Neues, mir Unbekanntes entdecken kann. Dafür brauche ich eine Art Kurator, jemanden, der das für mich entdeckt hat. Ich selbst kann das Neue in einer Datenbank, mag sie auch noch so ausgeklügelt funktionieren, nicht finden, denn ich kenne es ja noch nicht und weiß daher gar nicht, wonach ich suchen sollte. Wünschenswert ist wahrscheinlich eine Art Mischung aus beidem: ich möchte die Datenbank für die Suche und den Kurator fürs Entdecken.

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