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Die Orchester zieht es in die Kinos

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Für die Metropolitan Opera haben sich die Liveübertragungen von Opernaufführungen in verschiedene Kinosäle als Geschäft erwiesen (siehe dazu mein Blogpost: Oper außerhalb der Oper scheint zu boomen). Mit den Berliner Philharmonikern und dem Philadelphia Orchestra setzen nun zwei Orchester auf das gleiche Geschäftsmodell und gehen mit einigen ihrer Konzerte ins Kino.

Neunzehn Euro kosten die Tickets bei den Berliner Philharmonikern, das ebenfalls angebotene Public Viewing verspricht einen kostenlosen Hörgenuss. Letzteres ist beim Philadelphia Orchestra nicht vorgesehen. Hier werden die Konzerte in nordamerikanische Kinos übertragen, wie es in einem Artikel auf Philly.com heißt.

Außerdem kann man sich die Konzerte via SpectiCast ins eigene Heim holen, ein Angebot, dass die Berliner Philharmoniker mit ihrer Digital Concert Hall schon seit längerer Zeit zur Verfügung stellen. Während man bei den Berliner Philharmonikern recht leicht erfährt, was es kostet, ein Konzert online zu verfolgen, muss man bei SpectiCast entweder eine Telefonnummer anwählen oder sich erst einmal registrieren. Zwar richtet sich, so heißt es auf der Website, das Angebot vor allem an UserInnen in den USA, bei denen man dann wohl davon ausgeht, dass sie zum Telefonhörer greifen. Für alle anderen ist das wahrscheinlich eine Hürde, die viele nicht zu überwinden bereit sein werden. Warum sollte ich mich erst registrieren, um dann erst zu erfahren, ob mir das Angebot überhaupt zusagt?

Aber interessant sind diese Ansätze natürlich allemal, stellen sie doch den Versuch dar, neue Vermarktungsansätze auszutesten und auszuloten, ob sich auf diesem Weg nennenswerte Einnahmen erzielen lassen. Wir dürfen gespannt sein, ob sich die Kinoübertragungen bei Orchestern dieser Qualität lohnen und ob andere Orchester bzw. Kultureinrichtungen diesem Beispiel folgen werden. Die Frage ist nämlich, wie hoch die Reputation sein muss, damit sich das Kinomodell rechnet? Gleiches gilt natürlich für die Online-Übertragungen auf den eigenen PC-Bildschirm.

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„Mit Medienmusik erfolgreich in der Kreativwirtschaft“ (Rezension)

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Gleich vorweg: mit dem von Andreas Bode und Christopher Mueller verfassten Buch Mit Medienmusik erfolgreich in der Kreativwirtschaft habe ich ein Problem. Nein, das Buch ist nicht schlecht. Es ist sogar für viele äußerst hilfreich, vermute ich. Warum in diesem Buch aber das Thema Musiknutzung und Kreativwirtschaft verbunden werden, verstehe ich einfach nicht. Ich möchte auch gar nicht behaupten, dass diese Kombination nicht passt. Nein, mir ist nur die Klammer nicht klar. Warum heißt es im Untertitel: „Ein praxisorientierter Leitfaden für die professionelle Musiknutzung in der Kreativwirtschaft“ und nicht einfach „Ein praxisorierientierter Leitfaden für die professionelle Musiknutzung“?

Zweiterem wird das Buch nämlich voll gerecht. Wenn es aber in einem der Kommentare auf Amazon heißt:

„Der Existenzgründerteil ist einmalig gut und ein Muß für jeden Existenzgründer!“,

dann kann sich das ja nur auf das 15 Seiten umfassende Kapitel „Existenzgründung in der Kreativwirtschaft“ (S. 148ff) beziehen (ok, es gibt auch noch einen Serviceteil), bei insgesamt 270 Seiten aber eben nur eines von mehr als 40 Kapiteln.

Aber gut, lassen wir das. Dieses Buch ist trotzdem lesenswert und hilfreich für all diejenigen, die Musik nicht an die Konsumenten, also an die Endverbraucher verkaufen wollen, sondern Musik im B2B-Bereich einsetzen möchten. Die sogenannte Medienmusik, also die Musik, die gezielt in den Medien eingesetzt wird, wird zu ganz unterschiedlichen Zwecken eingesetzt:

  • sie weckt Emotionen (etwa im Bereich Werbung oder als Filmmusik),
  • sie transportiert in Verbindung mit einem Produkt Gefühle und Botschaften,
  • sie dient der Imagebildung und
  • sie hilft Produkte zu verkaufen.

Das heißt, dass der künstlerische Anspruch unter Umständen in den Hintergrund tritt, denn das Ziel von Medienmusik ist es ja,

„das entsprechende Medium und seine Inhalte musikalisch in ihrer Wirkung optimal zu unterstützen,“

wie Bode/Mueller schreiben. Dass man hierzu auf Hits zurückgreift beziehungsweise eine Komposition in Auftrag gibt, war mir klar. Interessant ist aber der Bereich der Produktionsmusik, den die beiden Autoren recht ausführlich darstellen. Hier steht nicht so sehr der Geschmack der Konsumenten im Vordergrund, sondern das Produkt. Komponisten haben hier eine Art kreative Spielwiese gefunden, auf der sie sich austoben können. Ob „Musikbetten“, „Soundscapes“ oder Jingles, die Autoren erklären, welch unterschiedliche Arten von Produktionsmusik es eigentlich gibt.

Das Feld, in dem Medienmusik eingesetzt wird, ist ein sehr weites. TV, Radio, Film und Internet sind uns allen klar, aber  Musik ist, so die Autoren, auch aus dem Hörbuch nicht mehr wegzudenken. Ein anderes Beispiel stellen die Computerspiele dar, die auch nicht (mehr) ohne Musik auskommen. Ein enormes Potenzial, wenn man bedenkt, dass der Markt für Onlinespiele nach Angaben der Autoren jährlich um 60 Prozent wächst.

Nach diesem Überblick über die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von Musik kommt das in meinen Augen wichtigste Kapitel, in dem die rechtlichen Rahmenbedingungen beschrieben werden, um Musik kommerziell nutzen zu können. Völlig richtig stellen Bode und Mueller fest, dass es für viele eine gewaltige Herausforderung bedeutet, sich die entsprechenden Rechte zu verschaffen, um später keine rechtlichen Probleme zu bekommen.

Welche Rechte hält die KomponistIn in Händen, welche die KünstlerIn? Und was ist der Unterschied zwischen Musikverlag und Tonträgerhersteller? Auf solche Fragen geben die Autoren eine klare Antwort und erklären, worin der Unterschied zwischen der UrheberIn und der Leistungsschutzberechtigten bestehen. Wer das dann noch nicht verstanden hat (obwohl die Autoren es uns wirklich leicht machen) oder das Gelesene wieder vergessen hat, der wird wahrscheinlich immer wieder mal das Buch in die Hand nehmen und Seite 217ff aufschlagen. Für jedes einzelne Medium, also etwa TV, Radio oder auch Podcast beschreiben die Autoren in aller Kürze den rechtlichen Rahmen und erklären, wie man vorgehen muss, um an die entsprechenden Rechte zu kommen. So muss beispielsweise bei Klingeltönen das Herstellungsrecht vom Musikverlag erworben werden, während die GEMA für die Vervielfältigungsrechte zuständig ist.

Ebenfalls zum Nachschlagen: die häufig gestellten Fragen als „Service für professionelle Musiknutzer (…), die mir noch einmal die Chance geben, den Unterschied zwischen Musikverlag und Tonträgerfirma in Kurzform nachlesen und hoffentlich dann auch verstehen zu können.

Oder wussten Sie, dass die GEMA bei gewerblich betriebenen Homepages für bis zu 5 Minuten Musik 25. Euro im Monat verlangt, so die Seite nicht mehr als 21.000 Visits hat? Wenn Sie das nicht glauben, können Sie das auf der Website der GEMA nachlesen, leicht zu finden über die Link- und Literaturliste, die das Buch abschließt.

Mein Fazit: wer sich mit der kommerziellen Nutzung von Musik beschäftigt und bis jetzt keine Ahnung hat, worauf man dabei alles achten muss oder gerne einen Ratgeber besitzt, in dem er nachschlagen kann, dem kann ich dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. Ein Ratgeber für die Kreativwirtschaft bzw. für Existenzgründer ist dieses Buch in meinen Augen nicht. Es sei denn, es geht um Musik.

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Das erste Augmented Reality Musikvideo

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„Studio B teamed with Adobe and John Mayer to create the worlds first Augmented Reality music video,“

heißt es in einem Beitrag des Augmented Reality Blogs. John Mayer, als Künstler auf allen Social Media-Kanälen vertreten, hat seinen Song „Hartbreak Warfare“ auf eine sehr spannende Art und Weise in Szene gesetzt.

Für mich stellt sich die Frage, welche Auswirkungen Augmented Reality für den Bereich der Musikvideos hat? Im Hinblick auf die Geschichten, die darin erzählt werden, Stichwort Storytelling, und im Hinblick auf das Potenzial, das diese technologische Entwicklung verspricht.

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Förderungen für den Musikbereich

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Heute werde ich am Zentrum für zeitgenössische Musik der Donau-Universität Krems im Rahmen des Studiengangs Musikmanagement zum Thema Förderungen vortragen dürfen. Nachdem die TeilnehmerInnen aus Deutschland, der Schweiz und aus Österreich kommen, habe ich mir die Förderlandschaft in allen drei Ländern angesehen. Fakt ist: es gibt eine Unzahl von Förderungen und zwar für den gesamten Musikbereich, egal ob Klassik oder Pop.

Was brauchen MusikerInnen aber eigentlich für Unterstützung? Zu dieser Frage habe ich eine ganz interessante Diplomarbeit entdeckt, die in der Schweiz entstanden und von Stava Stanisic verfasst ist. Die Arbeit befasst sich mit der „Musikförderung in der Schweiz“ und analysiert nicht nur die verschiedenen Förderinstrumente, sondern sie enthält auch eine Befragung, welche Förderinstrumente die MusikerInnen ihrer Meinung nach benötigen. Die Ergebnisse sind recht aufschlussreich und zeigen, vereinfacht gesagt, dass die Förderinstrumente in der Schweiz ingesamt gesehen recht gut auf die Bedürfnisse der Branche eingehen. Schade, dass es solche Arbeiten nicht für Deutschland und Österreich gibt. Zumindest bin ich nicht fündig geworden.

In allen drei Ländern gibt es aber Seiten, die die Informationen für den Musikbereich zu bündeln versuchen. Empfehlen kann ich für Österreich die Seite des music information center austria (mica), für die Schweiz die Seite kulturfoerderung.ch und für Deutschland die Seite des Deutschen Musikinformationszentrums (MIZ).

Wichtiger als die einzelnen Förderprogramme vorzustellen ist es meiner Meinung nach, zu zeigen, wie und wo man an die Informationen über die Förderprogramme kommt und worauf man achten sollte, wenn man irgendwo um Förderungen ansucht. Wenn es Sie interessiert, hier sind die Folien, mit denen ich mich heute beschäftigen werde:

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Sounds of Hamburg

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Auf dieser Website kann man sehr viel Zeit verbringen…

Mit Sounds of Hamburg schaffen die Philharmoniker eine spielerische Verbindung zwischen dem traditionsreichen Orchester und der Bevölkerung der Stadt Hamburg und machen den Besucher der Website zum Arrangeur und Dirigenten, ist im Pressetext zu lesen. Aber probieren Sie es doch einfach mal aus.

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Die britischen Orchester fordern staatliches Commitment ein

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„We want government to value orchestras, fund us wisely, legislate supportively and make a real commitment to maintaining music education in schools. It is crucial if we’re to give our future generations the opportunity to experience music and reap its social benefits that it must begin from a young age – and be a key part of classroom education“,

wird Tim Walker, Vorsitzender der „Association of British Orchestras“ und künstlerischer Leiter des „London Philharmonic Orchestra„, in einer Presseaussendung anlässlich der Präsentation des Manifests „A Platform for Success: A Five Year Vision for Orchestras“ zitiert.

Darin versprechen die Orchester nicht nur, mehr Menschen mit ihrem musikalischen Angebot zu erreichen, sondern auch den Nachwuchs zu fördern. Ins Auge ist mir dabei im zwölfseitigen Manifest der folgende Satz gefallen (S.9):

„We will experiment with and push the boundaries of technological and digital innovation to introduce new audiences to orchestral music.“

150 Orchester, die in der ABO zusammen geschlossen sind, erkennen in der Nutzung digitaler Medien eine Chance, ein neues Publikum für ihre Kunst zu gewinnen. Es wird spannend sein, die Orchester dabei zu beobachten, welche Maßnahmen sie in diesem Zusammenhang ergreifen werden.

Im Gegenzug fordern die Orchester die Politik auf,

  • „(to) recognise the economic impact orchestras have on their towns, cities and regions and acknowledge the extent of the return on public investment,
  • (to) continue to support commercial and public service broadcasters to enable them to provide a platform for and access to orchestral music,
  • (to) improve the tax system to enhance private giving from corporations and individuals,
  • (to) sustain public investment in local authorities to enable them to continue supporting orchestras, concert halls and local promoters and
  • (to) support the ABO’s ambition to provide a live concert experience for every child during their time at school.“

Das „Manifest“ enthält jede Menge interessante Anregungen und zeugt davon, dass man sich erstens dem Ernst der Lage bewusst ist und zweitens nicht einfach nur nach öffentlichen Geldern schreit, sondern sehr differenziert an das Thema herangeht. Bleibt abzuwarten, ob es gelingt, klassische Musik und Orchester auf diese Weise zu „retten“.

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eBook: „musician 2.0 3.0 4.0..

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Als „psycho-spiritual-musical manifesto“ bezeichnet Peter Spellman sein eBook, das man bei Gerd Leonhard downloaden kann.

Ganz am Ende seines eBooks schreibt Spellman:

„To me, a ’successful‘ music career is a conscious alchemy of creative work, compatible comrades, good information and breaks. Sometimes the stars will line up just so and you’ll suddenly leap frog several steps to greater achievement. Mostly, you’ll be working your butt off – practicing, schmoozing, failing, feeling disappointed, landing deals, negotiating schedules and washing the dishes.“

Das, was dazwischen liegt und all die Dinge, die es zu berücksichtigen gilt, beschreibt Spellman auf insgesamt 29 Seiten. Abzüglich vieler guter Fotos. Lesens- und sehenswert!