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Deutschland: Kulturpolitik ohne Visionen

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Sasquatch main stage and the gorge„; By Jess Sloss (CC-Lizenz)

Jimi Hendrix, Ray Charles und auch Kurt Cobain wurden in Seattle geboren, der Stadt, die am Pazifik liegt und sich selbst als Musikstadt bezeichnet. Die Bezeichnung ist berechtigt, denn die Musikindustrie spielt mit einem Umsatz von 1,2 Mrd USD und 20.000 durch sie entstandenen Arbeitsplätzen eine wichtige Rolle. Eine 2008 veröffentlichte Studie zeigt darüber hinaus, wie breit die Branche aufgestellt ist und welch interessante Kooperationen in den letzten Jahren entstanden sind.

Arnaudville hingegen ist ein kleiner Ort im US-Bundesstaat Louisiana, über den es eigentlich nichts zu berichten gibt. Laut Wikipedia hatte dieser kleine Flecken vor zwölf Jahren knapp 1.400 Einwohner, heute sind es ca. 100 mehr. Dieser für den Ort beachtliche Bevölkerungszuwachs hat auch mit dem Künstler George Marks zu tun, der 2005 eine alte verlassene Autowerkstatt zum Ausgangspunkt seiner Aktivitäten machte und Arnaudville zu einem ländlichen Zentrum kultureller Aktivitäten machte.

Seattle und Arnaudville ist gemeinsam, dass sie für ihre Aktivitäten Geld aus den Fördertöpfen des National Endowment  for the Arts (NEA) erhalten haben. „Our Town“ nennt sich ein Programm, hinter dem der Grundgedanke des Creative Placemaking steht. Was sich hinter diesem Begriff versteckt, erklären Ann Markusen und Anne Gadwa in ihrem gleichnamigen Whitepaper, in dem noch weitere Projektbeispiele beschrieben werden. In dem bereits 2010 erschienenen Bericht bezeichnen die beiden Autorinnen Creative Placemaking als einen Prozess, in dem

„partners from public, private, non-profit, and community sectors strategically shape the physical and social character of a neighborhood, town, city, or region around arts and cultural activities.“ (S.3)

Das Grundprinzip ist schnell erklärt:

„Creative placemaking animates public and private spaces, rejuvenates structures and streetscapes, improves local business viability and public safety, and brings diverse people together to celebrate, inspire, and be inspired.“ (S.3)

Ausgangspunkt ist die Krise und die erleben wir in Deutschland derzeit auch. Und um die zu lösen haben Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz ein Buch geschrieben, das in der nächsten Woche erscheinen und für Aufregung sorgen wird, wie der Spiegel prophezeit. In „Der Kulturinfarkt“ stellen die vier Autoren das derzeitige Fördersystem in Frage und provozieren mit der Idee, den etablierten Institutionen einen großen Teil ihrer Fördermittel wegzunehmen und für innovative Entwicklungen abseits der Hochkultur einzusetzen. Finanzierungsbedarf orten die Autoren in den Bereichen

  • der öffentlichen Kulturinfrastruktur,
  • der Laienkultur,
  • der (noch nicht existierenden) Kulturindustrie,
  • der Hochschulen für Kunst, Musik und Design und
  • der gegenwartsbezogenen kulturellen Bildung.

Das heißt, man nimmt den „Großen“ etwas weg, damit die „Kleinen“ etwas bekommen können. Eine nette, allerdings vermutlich auch unrealistische Idee: es wird nicht „die Hälfte“ der öffentlichen Förderungen eingespart, sondern lediglich umverteilt. Nach welchen Regeln dieser Verteilungswettbewerb ausgefochten werden soll, lassen die Autoren allerdings offen, schließlich verstehen sie ihr Buch (und den Spiegel-Artikel) nur als Provokation und Anlass für die Debatte über eine zukünftige Kulturpolitik. Ob wir anlässlich dieses Buches jemals über die Frage diskutieren werden, unter welchen Voraussetzungen Innovation im Kunst- und Kulturbereich entstehen kann, darf bezweifelt werden, die Kritiker haben bereits Stellung bezogen, so etwa der Deutsche Kulturrat, der sich in einer Stellungnahme „irritiert“ zeigt und die Frage stellt, von welcher Realität da die Rede sein solle. Oder Max Hollein, der den Autoren Populismus vorwirft und der Ansicht ist, dass die Thesen extrem pauschal und nicht durch Zahlen belegbar seien.

Eine Diskussion wird so wohl nicht entstehen und wenn, diskutieren wir vermutlich nur die Frage, ob es wirklich sinnvoll sei, den etablierten Kultureinrichtungen die Hälfte ihrer Förderungen wegzunehmen? Aber ist das wirklich die Frage? Ich bin, ehrlich gesagt, von dem Spiegel-Artikel enttäuscht. Zwar heißt es immer wieder, es gehe gar nicht so sehr ums Geld, aber auch Stephan Opitz landet in einem Deutschlandradio-Interview recht schnell wieder bei diesem Thema.

Statt nur über die verkrusteten Strukturen und den Änderungsbedarf zu schreiben, hätte ich mir ein paar Anhaltspunkte erwartet, wohin die Reise gehen kann. Ich hätte mir erwartet, dass mögliche Ziele formuliert und zur Diskussion gestellt werden. Unter diesen Voraussetzungen bin ich dann recht schnell wieder bei Ann Markusen und Anne Gadwa gelandet, die in ihrem Bericht einen in meinen Augen sinnvollen Bottom-up-Ansatz verfolgen, denn

„Instead of a single arts center or a cluster of large arts and cultural institutions, contemporary creative placemaking envisions a more decentralized portfolio of spaces acting as creative crucibles.“

Wie lässt sich dieser Ansatz umsetzen? Neil Takemoto nennt in seiner Zusammenfassung des Berichts sechs Komponenten:

  • „Creative Initiator – Finding that one person or small team that starts it all.
  • Designing Around Distinctiveness – Build on existing expertise and characteristics of place.
  • Mobilizing [Government Will] – If your city government isn’t supportive, good luck.
  • Garnering Private Sector Support – If no one’s looking to invest in it, good luck.
  • Securing Arts Community Engagement – This is more than working with arts leaders, this is about crowdsourcing the time and investment of thousands of its patrons.
  • Building Partnerships – Figuring out a way for all of the above to work together.“

Wo sind unsere InitiatorInnen? Wer kann bei uns diese Veränderung auslösen? Wo ist die Kulturpolitik, deren Aufgabe es eigentlich wäre, solche Entwicklungen zu initiieren?

Peter Linett stellt in seinem Blogpost „As the arts conversation shifts to ‚creative placemaking‘, will large institutions still count?“ fest, dass in den USA in den letzten Jahren vermehrt neue Förderprogramme aufgetaucht sind, in denen Kunst nicht mehr um ihrer selbst Willen gefördert werde, sondern eher als Mittel zum Zweck diene, um zivilgesellschaftliche, ökonomische Probleme oder solche im Bildungsbereich zu lösen. Solche Ansätze wünsche ich mir auch für den deutschsprachigen Raum. Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz haben da eine große Chance vertan, denn der Ansatz des „Creative Placemaking“ verlangt gerade von den großen Kultureinrichtungen ein hohes Maß an Veränderung. Veränderung, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen ist aber, so denke ich, allemal attraktiver als der aus der (finanziellen) Not heraus entstehende Druck, sich verändern zu müssen.

Neil Takemoto spricht davon, dass der Erfolg auch von der Fähigkeit abhängt, Verbündete zu gewinnen. Wenn ich mir die Scharmützel im Vorfeld der Veröffentlichung des Buches anschaue, kann ich nur schwer glauben, dass das gelingen wird. Aber ich lasse mich gerne überraschen.

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Empfehlungen: so lassen wir uns beeinflussen

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© Gerd Altmann; Photoopia

„Social Media steigert die Verkäufe“, schreibt Holger Schmidt auf seinem Netzökonom-Blog und beruft sich dabei auf den von Michael A. Stelzner verfassten „2011 Social Media  Marketing Industry Report„, der zeigt, dass sich die Verkaufserfolge aber nicht von heute auf morgen einstellen. Während nur ein knappes Viertel der befragten Social-Media-Anfänger dieser Aussage zustimmen konnte, sind es bei den Social Media Profis mit mehr als drei Jahren Erfahrung bereits 75 Prozent.

In der Studie werden einige Gründe genannt, die zu diesen Verkaufserfolgen führen. Unerwähnt bleibt aber ein Faktor, der das Verkaufsverhalten der Konsumenten  immer stärker beeinflusst, allerdings nur indirekt etwas mit den Unternehmen zu tun hat. Es geht um die soziale Interaktion, die unsere Kaufentscheidungen zwar auch schon in den Vorzeiten des Internets beeinflusst hat, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie das heute der Fall ist.

Am bekanntesten in dieser Hinsicht ist das Word-of-Mouth-Marketing, eher unbekannt das „Observational Learning“, was sich mit dem Begriff „Beobachtungslernen“ übersetzt lässt. Yubo Chen,
Qi Wang und Jinhong Xie, alle drei als Marketingexperten an amerikanischen Universitäten angestellt, haben im letzten Jahr im „Journal of Marketing Research“ die Ergebnisse der von ihnen durchgeführten Studie „Online Social Interactions: A Natural Experiment on Word of Mouth versus Observational Learning“ veröffentlicht, in der sie die beiden sozialen Interaktionsformen Word of Mouth und Observational Learning miteinander vergleichen.

Wie gesagt, diese Form der Beeinflussung ist nicht neu, aber das Social Web hat nun zu einer stark steigenden Bedeutung der sozialen Interaktion geführt. Auf der einen Seite können sich Konsumenten leichter austauschen als früher, andererseits haben Unternehmen heute ganz andere Möglichkeiten, soziale Interaktion zu initiieren. Sich hier zu engagieren, macht für Unternehmen durchaus Sinn, denn wir lassen uns immer häufiger durch soziale Interaktionen beeinflussen. Eine vom Wall Street Journal veröffentlichte und von den drei Autoren zitierte Umfrage ergab, dass sich 71 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner, die online einkaufen, erst darüber informieren, was andere User zu den jeweiligen Produkten sagen und 42 Prozent diesen „Bewertungen“ trauen.

In ihrer Studie haben die Autoren daher untersucht, welche Auswirkungen Word of Mouth (WOM) und Observational Learning auf das Konsumentenverhalten haben und sich dabei von drei Fragestellungen leiten lassen:

  1. „Whether and how WOM and observational learning create different effects,
  2. how these effects vary over product lifetime, and
  3. how WOM and observational learning interact with each other to influence sales.“ (S.3)

Was verstehen wir unter WOM und observational learning?

Während für Wikipedia

„Word of Mouth die englische Bezeichnung für Mundpropaganda (ist)“,

verstehen die Studienautoren darunter die Verbreitung von Informationen über die Kommunikationswege von Individuen. Der Erfolg von WOM lässt sich über die Wertigkeit („valence“) und die Menge („volume“) messen, das heißt:

„WOM valence can influence product sales by changing consumer valuation of the products (…), and WOM volume plays an informative role by increasing the degree of consumer awareness and the number of informed consumers in the market.“ (S. 5)

Der Ansatz des observational learning kommt aus dem Wirtschaftsbereich und besagt, dass wir uns bei unseren Entscheidungen auf das Verhalten anderer User verlassen. Allerdings erfahren wir dabei nur, wie sich jemand entschieden hat, aber nicht, warum er es getan hat. Folgen mehrere oder alle User diesem Prinzip, sprechen wir von Herdenverhalten, das heißt, je mehr sich für oder gegen ein Produkt entscheiden, desto weniger zählt unsere eigene Meinung.

Zu sehen sind beide Ansätze auf der Verkaufsplattform Amazon, deren Daten die Autoren auch für ihre Studie nutzen konnten. WOM, das sind unter anderem die Rezensionen zu den zum Verkauf angebotenen Büchern, während wir gleichzeitig unter dem Stichwort observational learning auch erfahren, dass Nutzer, die ein bestimmtes Buch x gekauft haben, auch das Buch y erworben haben. Warum sie das getan haben, erfahren wir wie gesagt nicht.

WOM und observational learning funktionieren nicht nach den gleichen Mustern

Interessant sind die Ergebnisse dieser Studie, denn die Autoren weisen nach, dass WOM und observational learning unterschiedlichen Mustern folgen. Während die Konsumenten sich bei WOM vor allem von negativen Beurteilungen in ihren Kaufentscheidungen beeinflussen lassen, ist es beim observational learning genau umgekehrt. Dort sind es die positiven Entscheidungen, die Einfluss auf unser Verhalten haben. Und das unter Umständen sogar stärker als WOM, obwohl wir bei ersterem im Unterschied zu WOM, zum Beispiel in Form einer Rezension auf Amazon, nicht die Gründe dafür erfahren. „Actions speak louder than words“ folgern die Autoren daraus und halten fest: observational learning ist glaubwürdiger als WOM.

Unser Beobachtungslernen wird durch WOM noch verstärkt, haben die Autoren in ihrer Studie herausgefunden, allerdings nur in Verbindung mit dem Kriterium Menge („volume“):

„Our study demonstrates a positive complementary interaction between observational learning and WOM volume, but does not find clear evidence of the interaction between observational learning and WOM valence.“ (S.31)

Und noch ein Ergebnis ist hochinteressant: der Zeitfaktor spielt eine wichtige Rolle. WOM und observational learning funktionieren vor allem in der frühen Phase des Produktlebenszyklus, ihre Wirkung lässt im Laufe der Zeit nach.

Francois Gossieaux, über dessen Blogpost ich auf diese Studie gestoßen bin, empfiehlt auf der Basis dieser Studienergebnisse:

„Try to encourage as much WOM as you can and if you can show potential buyers OL from others, do it in conjunction with your WOM efforts.“

In Massenmärkten mag das funktionieren, aber für Nischenmärkte, und darum handelt es sich im Kunst- und Kulturbereich häufig, ist das unter Umständen nicht das richtige Rezept. Hier sollte man vielleicht mehr auf observational learning setzen, denn erstens motivieren Taten mehr als Worte und  zweitens ist das Risiko, so das Konsumentenverhalten negativ ist, bei WOM wesentlich größer als beim observational learning.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, diese Ansätze auf nicht-digitale Bereiche zu übertragen, denn ein Theater etwa lässt sich nur bedingt mit der Verkaufsplattform Amazon vergleichen. Aber hilfreich sind die Studienergebnisse allemal.

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„Best Practices in Arts & Culture Fundraising“ (Studie)

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Nicht nur in unseren Breitengraden hatten und haben Kunst- und Kultureinrichtungen mit den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise zu kämpfen. Auch in den USA müssen die meisten Kulturbetriebe den Gürtel enger schnallen bzw. um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen. Nicht überraschend erleben sie auch im Bereich Fundraising Einbrüche, so gaben knapp 40 Prozent der im Rahmen einer Studie befragten Kultureinrichtungen an, ihre Fundraisingziele nicht erreicht zu haben.

Die vom Beratungsunternehmen WealthEngine im Oktober 2010 veröffentlichte Studie „Best Practices in Arts & Culture Fundraising“ zeigt, wie wichtig es ist, möglichst viel über seine BesucherInnen zu wissen:

  • „Capture Ticketing Data to Identify Donor Potential“ und
  • „Manage Your Data Proactively“

empfiehlt die Studie, denn

„Organizations that are employing strategies to capture, analyze and utilize ticketing data are more efficient and successful in their fundraising strategies.“

Auch wenn kein Eintritt verlangt werde, gebe es trotzdem Möglichkeiten, um an Datenmaterial heranzukommen, heißt es in der Studie. Z.B. über das Angebot, die Tickets online zu erwerben. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt WealthEngine mit der Veröffentlichung dieser Studie. Sie wird zwar kostenlos zum Download angeboten, davor müssen Sie aber erst einige Informationen von sich preisgeben.

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Fundraising: „It’s Not About You … It’s About Them“

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Warum unterstützen Menschen eigentlich Kunst- und Kulturprojekte? KünstlerInnen und Kultureinrichtungen, die sich auf die Suche nach Unterstützung machen, gehen meistens davon aus, dass andere die eigene Begeisterung über das, was sie da vorhaben teilen. Und wenn dann noch ein guter Zweck dahinter steht, dann kann doch eigentlich gar niemand Nein sagen, oder?

Leider stimmt diese Annahme aber nicht, was häufig dazu führt, dass die finanzielle Unterstützung ausbleibt. Das Problem: wir gehen von uns aus und stellen nicht die in den Mittelpunkt, um die es eigentlich geht, die UnterstützerInnen und SpenderInnen. Was aber motiviert die, Kunst und Kultur zu unterstützen?

Das amerikanische Beratungsunternehmen WolfBrown ist der Frage nachgegangen, welche Motive jemanden dazu bringen, Kunst und Kultur zu unterstützen. Herausgekommen sind drei Reports, die sich zwar auf die Situation in den USA beziehen, aber einige Punkte sind, denke ich, auch für uns recht interessant.

Ohne jetzt die ganzen Studienergebnisse wiederholen zu wollen (was ich auch nicht könnte, weil ich noch nicht alles gelesen habe) erscheinen mir die Werte und Interessen, die die Unterstützer antreiben, besonders wichtig zu sein. Die folgende Grafik stellt die fünf Wertefelder dar, die dabei besonders im Vordergrund stehen:


Quelle: Fund For Artists Donor Study; Consolidated Research Report (February 2010), Seite 5

Im Research Report heißt es auf Seite 12f zu diesen fünf Wertefeldern:

  1. Humanism – a concern for social justice and equal opportunity, appreciation for diverse viewpoints and perspectives; an interest in learning about different cultures; a gratitude for one’s good fortune and desire to “give back” to others; a commitment to alleviating others’ suffering.
  2. Distinction – an interest in ‚great works that have stood the test of time‘ and artists with national or international reputations; a concern for sustaining the long-term future of key arts institutions; a desire to see ‚world class artistic programming‘ in the Bay Area.
  3. Localism – a concern for one’s community and for artists living in the community; an interest in awakening people’s creativity and ensuring community members’ access to cultural experiences; programs that serve children.
  4. Bonding – an interest in civic affairs and community improvement; active in expanding social networks and making new friends; strong family relationships and an active spiritual life; interest in arts programs that reflect one’s heritage.
  5. Progressivism – an interest in being ‚on the leading edge of art and ideas‘; individualists with iconoclastic leanings; valuing independent thought.“

Die Frage ist, ob diese Werte auch bei uns im Vordergrund stehen, wenn es darum geht, Kunst und Kultur zu unterstützen? Ich würde die Frage bejahen. Was meinen Sie?

Via Butts in the Seats

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Das neue Marketingdreieck

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Die Marketingagentur eROI hat in den USA eine Umfrage durchgeführt, welchen Stellenwert Email, Social Networks und das mobile Web im Hinblick auf die Marketingaktivitäten der Unternehmen besitzen. Die Ergebnisse dieser Befragung, die hier auch zum Download zur Verfügung steht, hat Dan Martell auf dem Flowtown Blog grafisch aufbereitet (die Grafik steht dort in Originalgröße zur Verfügung, bitte Grafik anklicken):

Zwar handelt es sich hier um Zahlen aus den USA, wie Stefan Pfeiffer, dem ich diese Entdeckung zu verdanken habe, richtigerweise anmerkt, aber wir haben es hier in Europa wohl mit einer ähnlichen Entwicklung zu tun. Erstaunt war ich, dass bereits zwei Drittel der befragten Unternehmen eine mobile Version ihrer Website anbieten. Auf die Frage „Does your company offer mobile versions of your websites and/or landing pages?“ antworteten laut der Grafik 67,6% mit Ja. In der Studie selbst habe ich aber diese Tabelle gefunden (Seite 4):

Ich denke, hier ist bei der Erstellung der Grafik ein Fehler passiert, denn sonst wäre das ein in meinen Augen schon sehr ungewöhnliches Ergebnis und wir müssten uns im Hinblick auf die Schwerpunktthemen der stARTconference die Frage stellen, ob wir mit dem mobilen Web nicht viel zu spät dran sind. ;-)

Fragt man nach den Zielen, die mit Hilfe von Social Media erreicht werden, dann geht es in erster Linie darum, die eigene Marke bekannter zu machen. Vor diesem Hintergrund ist es dann auch nachvollziehbar, dass der Erfolg dieser Aktivitäten vor allem quantitativ gemessen wird. Primär zielen die Aktivitäten darauf ab, möglichst viele Fans bzw. Follower zu gewinnen (Facebook und Twitter sind die derzeit beliebtesten Social Networks) und die dann dazu zu bringen, die Unternehmenswebsite zu besuchen.

Social Media sind für Marketingaktivitäten ein interessantes Betätigungsfeld, denn entsprechend der Grafik sind 75% der mit einem Internetzugang versehenen Haushalte auch in den Social Networks aktiv. Zwar ist es schwierig, hier Vergleiche anzustellen, aber wie die ARD/ZDF-Onlinestudie zeigt, ist ein Großteil der deutschen Internetnutzer dort auch anzutreffen.

Auffallend ist die Verzahnung von Email- und Social Media-Marketingaktivitäten:

„Nearly two-thirds of marketers responded that they are integrating social media with their email marketing efforts and 59.1% are integrating ‚Share With Your Network‘ links. When respondents who weren’t integrating social media into their email campaigns were asked why, they cited lack of resources and knowledge ( 35.2% and 21.4%, respectively)— the same reasons given for not using mobile.“

Interessante Verbindungen, die bei (zukünftigen) Marketingaktivitäten zu berücksichtigen sind, denn nicht nur die Verknüpfung Email – Social Media ist von Bedeutung, wichtig ist auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen über ihre mobilen Devices auf ihre Social Networks zugreifen. Womit sich dann der Kreis (beziehungsweise das Dreieck) schließt.

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„Audience 2.0“: ersetzt der mediale Kunstgenuss das reale Kunsterlebnis?

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Vor nicht allzu langer Zeit hat Christian Reinboth in seinen „Sieben Thesen zum Museum 2.0“ geschrieben, dass der virtuelle Museumsbesuch eine Ergänzung und Erweiterung der realen, authentischen Museumserfahrung darstelle, keinesfalls aber als Ersatz zu verstehen sei. Damit hat er eine häufig erwähnte Sorge vieler Museen (aber auch vieler anderer Kultureinrichtungen) angesprochen, die vor der Frage stehen, ob und wenn ja, auf welche Weise sie das Internet nutzen sollen? Häufig herrscht die Angst vor, dass die virtuellen BesucherInnen bereits genug gesehen haben und dann auf den realen Besuch verzichten.

Ich halte diese Sorge auch für unbegründet (siehe dazu meinen Beitrag Web2.0: eine Herausforderung für Museen? (Teil II)), tat mir bis jetzt aber sehr schwer, entsprechend zu argumentieren. Für meinen Vortrag im Rahmen von stARTmuseum 10, in dem ich mich mit möglichen Zielen und Strategien des Social Media-Einsatzes im Museumsbereich beschäftige, habe ich recherchiert, um nicht nur mit dem Bauchgefühl „argumentieren“ zu müssen, sondern etwas „Handfestes“ zu haben, auf das ich bauen kann.

Dabei bin ich auf eine vom National Endowment for the Arts im Juni veröffentlichte Studie gestoßen, die den neugierig machenden Titel „Audience 2.0: How Technology Influences Arts Participation“ trägt und dem Thema entsprechend nicht nur als PDF, sondern auch in einer Multimedia-Fassung online zur Verfügung steht. In dieser Studie, die Joe Frandoni im Blog von Technology In The Arts besprochen hat (Teil I, Teil II), habe ich die folgende Grafik gefunden:

Diese Grafik (PDF, S.15) besagt, dass Menschen, die Kunst mit Hilfe diverser Medien (in dieser Studie sind das: „TV, radio, CDs/DVDs, computers or portable media devices) konsumieren, öfter reale Angebote nutzen als die Gruppe derer, die die medialen Kunstangebote nicht in Anspruch nehmen. Joe Frandoni zieht daraus den Schluss:

„Participation in the arts through electronic and digital media actually spurs participation in live arts performances and exhibitions.“

Die Tatsache, dass es so ist, zumindest in den USA, wäre damit evident. Offen bleibt die Frage, warum das so ist bzw. ob es hier einen kausalen Zusammenhang gibt? Darauf gibt die Studie leider auch keine Antwort, aber sie formuliert schon mal die richtigen Fragen:

  • „Does arts participation through electronic media lead to live arts attendance?
  • Is the gap between arts participation through electronic media and live attendance becoming smaller?
  • What role do arts preferences play in the relationship between arts participation through electronic media and live attendance?
  • To what degree does access to different forms of electronic media affect arts participation?“ (S.104f)

Mit den Antworten auf diese Fragen (nebenbei angemerkt: wäre das nicht ein schönes Thema für eine Diplomarbeit? ;-) ) wäre für die Kultureinrichtungen viel gewonnen, denn sie hätten damit eine Art Schlüssel, wie sie die medialen bzw. digitalen Inhalte aufbereiten müssen, um die Menschen besser ansprechen bzw. für einen Besuch motivieren können. Denn eines zeigt die Studie auch:

„Over half of all U.S. adults (53%, or 118 million) participate in the arts through electronic and digital media.“

Das ist ein enormes Potenzial.

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Ring frei zum Subventionscontest

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Derzeit kämpfen neun Kultureinrichtungen in den USA um 200.000 Dollas, die das Kreditkartenunternehmen American Express zur Verfügung stellen will. Wer die Summe erhält, wird in einer Art Online-Contest ermittelt, d.h. die UserInnen können darüber abstimmen, wer das Geld erhalten soll.

Eskaliert ist die Sache, als vor einigen Tagen das Lincoln Center for the Performing Arts per Twitter zur Stimmabgabe aufrief, berichtet die New York Times unter der Überschrift Arts Groups Use Twitter to Compete for Grant.

„I know we’ve asked before, but we really need to beat StoryCorps. We NEED your HELP. Show some love & vote for the arts,“

forderte das Lincoln Center seine Follower auf. Der Aufruf zur Stimmabgabe war der Beginn einer Diskussion über die Frage, ob solche Fördergelder in einer Art Wettbewerb vergeben  werden sollen?

Im Oktober des letzten Jahres habe ich hier im Blog einen Beitrag über die Schwerter Challenge geschrieben (auch die stARTconference hat vor einem Jahr mit stARThilfe ein ähnliches Projekt gestartet), bei der die BürgerInnen über die Vergabe der von der örtlichen Sparkasse zur Verfügung gestellten 2.000 Euro entscheiden konnten. Zur Auswahl standen zwei Kultureinrichtungen, allerdings wurde nicht nach dem Alles oder Nichts-Prinzip abgestimmt, sondern der Geldbetrag wurde entsprechend dem Stimmanteil aufgeteilt.

Die Idee, die Bevölkerung über die Vergabe dieser Spende abstimmen zu lassen, wurde schon damals kontrovers diskutiert. Den Fall American Express sehe ich etwas kritischer als die Schwerter Challenge, weil die New York Times völlig richtig schreibt:

„People who want to vote in the American Express contest have to register, thus providing American Express with their names and e-mail addresses. And the grant money is coming from American Express’s marketing budget (…).“

Und eben nicht von der American Express Foundation. Das ist, denke ich, ein entscheidender Unterschied. So wirkt das doch etwas plump und vor allem das Sammeln von Namen und Emailadressen stößt einem sauer auf.

Hier geht es nicht mehr darum, dass ein Unternehmen Kunst und Kultur unterstützt, sondern Kunst und Kultur unterstützen das Unternehmen bei seinen Marketingaktivitäten. Unter Umständen ist eine entsprechende Marketingkampagne teurer als dieser „Wettbewerb“, ein in meinen Augen zynisches Spiel mit den finanziellen Problemen von Kultureinrichtungen.

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Der demografische Wandel als Herausforderung für Kulturbetriebe

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Diese sehr spannende Grafik habe ich in dem vom „Center for the Future of Museums“ herausgegebenen Report „Demographic Transformation and the Future of Museums“ entdeckt. Sie zeigt recht anschaulich, vor welchen Problemen und Herausforderungen die amerikanischen Museen stehen, da sie derzeit eine Zielgruppe erreichen, die, gemessen an der Gesamtbevölkerung, schon in den letzten Jahren stark geschrumpft ist und diesen Entwicklungsprozess auch in der Zukunft nicht wird aufhalten können.

„Building the Future of Museums on a Better Base of Knowledge“ ist das Resümee der AutorInnen überschrieben, in dem nicht nur auf die Bedeutung des Zahlen- und Datenmaterials hingewiesen, sondern auch beklagt wird, dass dieses Material nicht ausreichend genutzt wird.

Normalerweise beklage ich an dieser Stelle, wie weit uns die USA voraus sind und wie schön es doch wäre, wenn es auch bei uns entsprechende Informationen über das jeweilige Thema geben würde. In diesem Fall ist das nicht so, denn mit interkultur.pro gibt es in Nordrhein-Westfalen eine Einrichtung, die versucht,

  • „Migrantinnen und Migranten den Zugang zu Kultureinrichtungen sowie Kunst-, Kultur- und Förderprogrammen zu erleichtern,
  • Migrantinnen und Migranten in ihren künstlerischen Leistungen zu unterstützen (und)
  • die kulturellen Szenen der Zugewanderten für die Mehrheitsgesellschaft zu öffnen.“

Und auch hier gibt es, ähnlich wie in den USA sehr detailliertes und auch aktuelles Datenmaterial (Sinus Studie 2009: Von Kult bis Kultur. Von Lebenswelt bis Lebensart.), das als Grundlage für vielfältige Aktivitäten dienen kann. Eine wesentliche Erkenntnis: DIE MigrantInnen gibt es nicht, die folgende Grafik (Seite 16)  zeigt, dass es in Nordrhein-Westfalen insgesamt acht unterschiedliche Millieus gibt.

„Die Unterschiede zwischen den am weitesten voneinander entfernten Lebenswelten sind bei den Migrantenmilieus wesentlich größer als bei der Gesamtbevölkerung. Das heißt, wir haben es bei den Einwanderern mit Milieus zu tun, die auf der einen Seite von vormodernen bäuerlichen Traditionen, auf der anderen von den soziokulturell modernsten Einstellungen geprägt sind.“ (Seite 16)

Kultureinrichtungen stehen daher vor der Herausforderung, die entsprechenden Angebote an eine „Gruppe“ zu entwickeln, die sich durch große Heterogenität auszeichnet.

Wie die Zukunft der Kultur in der Einwanderungsgesellschaft aussehen kann, dieser Frage geht der dritte Bundesfachkongress Interkultur unter der Überschrift „Offen für Vielfalt – Zukunft der Kultur“ nach, der vom 27. bis 29. Oktober 2010 in Bochum stattfinden wird.

„Ziel des alle zwei Jahre stattfindenden Kongresses ist es, mit politischen Entscheidungsträgern und Multiplikatoren auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene Leitlinien und praktische Handlungsempfehlungen zum großen Themengebiet „Interkultur“ zu entwickeln und ein Forum für den Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren der Kultur-, Jugend-, Bildungs- und Sozialarbeit sowie der Politik und Verwaltung zu bieten,“

heißt es in der Ankündigung. Bis zum 25. Juli läuft übrigens noch ein Nachwuchsförderprogramm, das 25 „engagierten und interessierten MitdenkerInnen“ bis zur Altersgrenze von 35 Jahren die kostenlose Teilnahme am Kongress ermöglicht und auch Reise- und Übernachtungskosten übernimmt. Weitere Infos finden Sie hier.

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150 Jahre amerikanische Kunst auf einer Website

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1918 gegründet war die „Phillips Collection“ bei ihrer Eröffnung im Jahr 1921 das erste amerikanische Museum für moderne Kunst.

„Duncan Phillips established the museum with his mother, Eliza Laughlin Phillips, as a memorial to two family members—his father, also named Duncan Phillips, who died in 1917, and his older brother, Jim, who died in the 1918 flu epidemic. The brothers had shared an interest in modern art, and Phillips saw the institution as a fitting tribute to his two „lost leaders.“

Wobei der Begriff Museum eigentlich in der Anfangszeit noch gar nicht wirklich zutreffend ist, denn die Kunstwerke waren in den Wohnräumen der Familienresidenz untergebracht. Erst 1930 zog die Familie in ein neues Domizil und machte aus ihrer Sammlung ein „richtiges“ Museum.

Diese und noch viele andere Informationen lassen sich auf der Website finden, die übrigens vorbildlich mit einer Vielzahl von Social Media-Kanälen verbunden ist. Sehenswert ist aber auch die von der Phillips Collection erstellte American Art Timeline, die einen Überblick über 150 Jahre amerikanische Kunst bietet.

„This program provides a view of 150 years of American art as represented in The Phillips Collection. The works illustrate Phillips’s taste and his enthusiasm for contemporary American artists, many of whom he knew personally and whose work he collected in depth“,

heißt es auf der Website. Zu allen KünstlerInnen gibt es Informationen, was auch wichtig ist, denn den meisten werden die zahlreichen Namen wenig sagen. Für Recherchezwecke also eine feine Sache, ich habe mir beim Durchklicken aber die Frage gestellt, ob die Seite nicht noch wertvoller wäre, wenn sie Social Media-Elemente enthalten und so die Kommunikation und den Austausch unter den virtuellen BesucherInnen ermöglichen würde?

Vielleicht erinnern Sie sich noch an diese Grafik von Nina Simon:

In ihrem Beitrag „A Revised Theory of Social Participation via ‘Me-to-We’ Design“ (siehe auch dazu mein Blogpost „Nina Simon: „A Revised Theory of Social Participation„) erklärt sie, wie wichtig die Interaktion zwischen den MuseumsbesucherInnen ist. Für die American Timeline ein solches Konzept zu entwickeln wäre sicher eine spannende Sache.

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So nutzen Theater Social Media

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Gestern hat mich Marc van Bree via Twitter auf einen Report aufmerksam gemacht , in dem Devon Smith untersucht, wie und auf welche Weise (amerikanische) Theater Social Media nutzen. Das Datenmaterial, das sie dabei zusammengetragen hat, ist ziemlich beeindruckend. Beeindruckend vor allem dann, wenn man bedenkt, welches Aktivitätslevel die heimischen Theater bis jetzt entwickelt haben. Netterweise hat Devon Smith ihren Report auf Slideshare zur Verfügung gestellt, so dass ich ihn direkt hier in den Beitrag einbinden kann.

Der Report bestätigt, dass die meisten Kultureinrichtungen Social Media fast ausschließlich unter Marketinggesichtspunkten betrachten und ihre Aktivitäten dort dementsprechend ausrichten. So schreibt Devon Smith:

„I’ve been most surprised that theatres haven thus far focused 99% of their attention for social media on marketing. What about the development office? What about as a way to organize a production team? What about as a way to demonstrate thought leadership to the rest of the arts administration field?“

Die Frage ist in meinen Augen berechtigt und auch sinnvoll, denn Social Media ist nicht nur Marketing oder besser gesagt: es ist mehr als Marketing. Das heißt, wer nur Marketingziele verfolgt, nutzt das Potenzial von Social Media bei weitem nicht aus.