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Wissensmanagement und Web 2.0 (Teil I)

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Vergangene Woche fand der fünfte und damit letzte Workshop im Rahmen des gemeinsam mit der Hochschule Luzern durchgeführten Projekts Audience + statt. Ausgangspunkt war die Frage, was Wissensmanagement eigentlich für ein Museum bedeutet und welche Aspekte dabei besonders interessant sind. Für mich auffallend: die TeilnehmerInnen verstanden darunter vor allem den Erhalt bzw. die Verbreitung von bereits vorhandenem Wissen. Kein Thema war das Generieren von neuem Wissen. Wenn man aber Wissensmanagement und Web 2.0 kombiniert, dann wird einem schnell klar, dass die entsprechenden Tools prädestiniert dafür sind, gemeinsam neues Wissen zu entwickeln.

Auf der einen Seite das Bewahren bzw. Multiplizieren von bereits bestehendem Wissen und auf der anderen Seite die (gemeinsame) Entwicklung von neuem Wissen. Die Unterschiede dieser beiden Ansätze stellt Dada Lin in seiner Diplomarbeit „Wissensmanagement Reloaded“ recht schön dar:

Quelle: Dada Lin: „Wissensmanagement Reloaded“, S.13

Die Arbeit, die ich bei meinen Recherchen entdeckt habe,  ist ingesamt sehr lesenswert und verschafft den Lesern einen sehr schönen Überblick über das Thema Wissensmanagement und Web 2.0. Konkret geht es dem Autor darum, die Potenziale und Grenzen des Enterprise 2.0-Konzepts für das Wissensmanagement aufzuzeigen beziehungsweise um „die Konstruktion eines Ordnungsrahmens für den systemischen Umgang mit Wissen im Enterprise 2.0“ (Extended Abstract 3).

Ausgangspunkt dafür ist der vom Autor selbst entwickelte IDEA-Ordnungsrahmen für systemisches Wissensmanagement. Unter systemischem Wissensmanagement versteht der Autor

„die bewusste und kontinuierliche Gestaltung geeigneter Rahmenbedingungen für die Multiplikation und Innovation von Wissen“ (S. 22).

Wissensmanagement dürfe dabei aber kein Selbstzweck sein, sondern ziele, so der Autor auf die Optimierung wertschöpfender Arbeitsprozesse ab. Entlang dieser Arbeitsprozesse hat Lin „vier charakteristische Momente“ identifiziert:

  • Interaktion
  • Dokumentation
  • Evolution und
  • Adoption“

Die folgende Grafik zeigt die jeweils „antreibende Kraft“ und die sich daraus ergebenden Resultate der vier Momente:

Quelle: Dada Lin: „Wissensmanagement Reloaded“, S.23

Was bedeuten diese vier Begriffe? Lin erklärt sie wie folgt:

  • Interaktion: „beschreibt den Grad der wechselseitigen Bezugnahme in Kommunikationsprozessen.“
  • Dokumentation: „umfasst die Abbildung und Aufzeichnung von Verlauf und Ergebnissen von wissensintensiven Arbeitsprozessen für eine weitere Verwendung.“
  • Evolution: „misst, inwiefern die Weiterentwicklung der organisationalen Wissensbasis organisational erlaubt und gefördert wird.“
  • Adoption: „betrifft die individuenseitige (Re-)Konstruktion von Wissen aus Daten.“

Ohne die drei ersten Aspekte vernachlässigen zu wollen, aber gerade das Moment der Adoption scheint in meinen Augen von entscheidender Bedeutung  zu sein, erklärt es doch, warum so viele Maßnahmen zum Scheitern verurteilt sind, vor allem wenn technologische Aspekte bei der Implementierung von Wissensmanagement im Vordergrund stehen. Der Versuch, Wissen in Fom von Daten abzubilden, scheitere, so der Autor, häufig an der mangelnden Berücksichtigung der menschlichen Kognitionsprozesse, was dazu führe, dass die Daten nur selten abgerufen und verwendet werden. Das Resultat seien tote Wissensdatenbanken.

Mit diesen vier Momenten schafft Lin einen „Ordnungsrahmen für Interventionen im Wissensmanagement“. Ausgangspunkt ist die Optimierung wertschöpfender Arbeitsprozesse, was durch Wissensmultiplikation und/oder Wissensinnovation geschehen kann. Treibende Kräfte sind für Lin die Momente Interaktion, Dokumentation, Evolution und Adoption, die zur Schaffung eines „wissensförderlichen Raums“ beitragen.

Damit ist der Rahmen gesteckt für gezielte Maßnahmen, die in den drei Handlungsbereichen Mensch, Organisation und Technologie anzusiedeln sind. In der von Lin erstellten Grafik sieht das dann so aus:

Quelle: Dada Lin: „Wissensmanagement Reloaded“, S.26

Welche Maßnahmen können das sein und was bedeutet das für die Praxis? Mehr dazu in Teil II oder, wenn Sie neugierig sind, in der Arbeit von Dada Lin.

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Social Media: „das ist mir alles zu viel“

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Letzte Woche kam ich bei einer Veranstaltung  mit einem Unternehmer ins Gespräch und landeten irgendwann einmal beim Thema Web 2.0. Er kannte sich gar nicht so schlecht aus, wusste von Facebook und Twitter und hatte mitbekommen, dass Authentizität wichtig ist und Kontrolle (fast) unmöglich. Nutzen würde er das alles aber nicht, meinte er, denn das sei ihm alles zu viel.

Ich denke, hier liegt ein Missverständnis vor. Das Social Web zu nutzen heißt nicht, durch sämtliche Kanäle 24 Stunden am Tag irgendwelche Botschaften oder Nachrichten zu jagen. Das mag dann funktionieren, wenn ich ein fünfköpfiges Team zur Verfügung habe, das nichts anderes zu tun hat. Aber ansonsten steht nirgends geschrieben, dass im Web 2.0 ein entweder – oder gilt.

Mir kann es passieren, dass ich tagelang Twitter, Facebook oder Xing links liegen lasse, weil ich nicht die Zeit dazu habe oder mit anderen Dingen beschäftigt bin. Oder nicht in meinen RSS-Reader hineinschaue. Wenn ich dabei ein schlechtes Gefühl habe und meine, etwas zu verpassen, dann mache ich etwas falsch. Das Internet bietet mir mittlerweile so viele Informationen an, dass der Anspruch auf Vollständigkeit völlig unsinnig ist. Im Netz finde ich eine Vielzahl von Angeboten und ich habe die Möglichkeit, sie zu nutzen. Wenn ich will.

Gleiches gilt auch, wenn ich andere Menschen über das Internet mit Informationen versorgen oder mit ihnen kommunizieren möchte. Kein Mensch wird mich oder meine Organisation vergessen, wenn ich einen Tag mal nicht online bin. Oder tagsüber nur zeitweise zu erreichen bin.

Es gab eine Zeit, da war es wichtig, dass man per Handy erreichbar war, egal aus welchen Gründen. Mittlerweile ist es eigentlich eher wichtiger, auch mal nicht erreichbar zu sein. Ist es, was das Internet angeht, nicht ähnlich? Müssen wir wirklich auf Emails oder DMs sofort reagieren? Ich glaube nicht. Wenn es Stress wird, macht es auch keinen Spaß mehr, oder?

Wie viele Auszeiten nehmen Sie sich pro Tag oder pro Woche? Und auf welche Social Media-Kanäle verzichten Sie ganz bewusst? Drehen wir das ganze doch einmal um und überlegen, welche Kanäle wir nicht brauchen. Das kann ganz interessant werden. Der Unternehmer, von dem ich eingangs erzählt habe, fand übrigens die Idee, Weblogs für Projekte zu verwenden ganz interessant. Das ist zwar nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was im Web 2.0 möglich ist. Aber für ihn reicht das. Derzeit. ;-)

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Social Web für kleine Kulturbetriebe: was kostet es, wenn Sie nicht dabei sind?

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Über das Potenzial des Social Web habe ich schon häufig geschrieben. Was kann man dort nicht alles machen? Sie können einen eigenen Kanal auf YouTube einrichten, oder einen Fotostream auf Flickr, Sie können sich ein Profil auf Facebook zulegen, ein Blog einrichten und einen Twitteraccount aufmachen. Klar, um alle diese Kanäle bespielen zu können und mit all den UserInnen da draußen zu kommunizieren, braucht man Geld. Geld, um jemanden bezahlen zu können, der der Kultureinrichtung ein Gesicht und eine  Stimme gibt.

„Aber das können sich nur die Großen leisten“, bekomme ich dann häufig zu hören. „Die Kleinen haben dafür keine Zeit, keine Ressourcen.“ Ist das Social Web also nur etwas für große Kultureinrichtungen? Um diese Frage geht es auch bei Beth Kanter. In ihrem Beitrag „Can Small Nonprofits Reap Success With Social Media?“ zitiert sie aus einer Email, die zeigt, wie auch kleine Organisationen das Social Web nutzen können. In diesem Fall ist es Twitter.

All den (kleinen) Einrichtungen, die glauben, sich Social Media nicht leisten zu können, rät sie, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Es ist sicher richtig, dass Erfolge im Social Web etwas kosten. Aber auf der anderen Seite sollten Sie sich die Frage stellen, was es Sie kostet, wenn Sie das Social Web nicht nutzen?

Während Beth Kanter davon überzeugt ist, dass Social Media auch für kleinere Organisationen sinnvoll ist, sieht das Julio Vasconcellos etwas anders. In seinem Blogpost „Why Small Nonprofits Should Tread Lightly with Social Media“ rät er zur Vorsicht, vor allem wenn sie finanzielle Ziele damit verfolgen. Seine Kernaussage:

„Given the scarcity of time, small nonprofits should primarily look at activities that provide them with the greatest leverage — those where a small time investment can generate a disproportionate level of returns.“

Zwei Anmerkungen dazu:

  1. Julio Vasconcello ist zuzustimmen, wenn er schreibt, dass es um die Relation von Nutzen und Aufwand geht. Ein zusätzlicher Aufwand ist häufig notwendig, weil es bis jetzt kaum oder gar keine Aktivitäten gegeben hat.
  2. Wer Social Media hauptsächlich als Möglichkeit betrachtet Geld zu lukrieren, der sollte sich vorweg überlegen, auf welchen Weg das passieren soll? Ein Twitteraccount und ein Spendenbutton sind nicht ausreichend.
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Die Berliner Philharmoniker im Web 2.0

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Gerade habe ich mir auf YouTube den Videokanal der Berliner Philharmoniker angeschaut. Das Videomaterial dort ist sehr beeindruckend, beste Qualität und neben vielen Ausschnitten aus dem Repertoire des Orchesters gibt es auch ein zweiteiliges Gespräch mit dem Dirigenten Simon Rattle. Nicht nur die Anzahl der Videos ist beachtlich, auch die Zahl der Zugriffe kann sich sehen lassen.

Knapp 37.000 Zugriffe verzeichnet dieser dreieinhalbminütige Ausschnitt aus Brahms erster Symphonie:

Die jeweiligen Ausschnitte verstehen sich als Appetizer für das Angebot, sich die Konzerte in der Digital Concert Hall in voller Länge anzuhören. 9.90 Euro bezahlt man für den Online-Hörgenuss. Während andere Kulturbetriebe eher auf einen Besuch von Ausstellung, Konzert, etc. abzielen, geht es den Berliner Philharmonikern anscheinend eher darum, das digitale Angebot zu promoten. Bei einem international so renommierten Orchester ist das nicht unlogisch, denn die vielen Fans aus dem Ausland bekommen so eine Möglichkeit, die Konzerte auch über die Distanz hinweg genießen zu können.

Zwar sind die Berliner Philharmoniker auch auf Twitter und Facebook vertreten, ihre Ziele scheinen dort aber andere zu sein, wird hier doch eher über das Orchester und seine Auftritte berichtet.

Schade ist, dass man nicht erfährt, wer auf Twitter und Facebook für das Orchester kommuniziert. Auch auf die Kommentare auf Facebook wird kaum eingegangen. Aber das Angebot wird angenommen, zeigen die zahlreichen Follower und Friends. Mich persönlich würde vor allem der Blick hinter die Kulissen interessieren. Da wäre ein Blog eine schöne Möglichkeit. ;-)

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Weblogs: „Kaum einer verlinkt mehr“

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© Gerd Altmann; Photoopia

Bernd Röthlingshöfer hat gestern auf Twitter geschrieben:

„Blogs als vernetzte Publikationsform sind tot, kaum einer verlinkt mehr.“

Meine erste Reaktion darauf war: nein, Bernd Röthlingshöfer täuscht sich. Aber ganz falsch ist seine Beobachtung nicht.  „Kaum einer verlinkt mehr“ lautet der Vorwurf. Wie ist es also um die Verlinkung der Blogs bestellt? Haben sie als „vernetzte Publikationsform“ wirklich schon ausgedient und ist es sinnvoller, sich auf Facebook und Twitter zu konzentrieren?

Natürlich hängt eine Antwort darauf ganz stark von den Zielen ab, die man mit seinen Social Web-Aktivitäten erreichen möchte. Fakt ist aber, dass wir im Social Web derzeit eine Entwicklung erleben, die auch Auswirkungen auf das Bloggen hat bzw. haben wird. Om Malik hat schon im August auf Gigaom einen Beitrag veröffentlicht, der den aufschlussreichen Titel „The Evolution of Blogging“ trägt.

Darin stellt Malik fest, dass sich die Form der Inhalte verändert hat, denn

„Today most of us walk around with newfangled smartphones that are nothing short of multitasking computers, essentially content creation points. And they’re networked, which means creating and sharing content is becoming absurdly simple to do. With the increased number of content creation points –- phones, camera, Flip video cameras, Twitter -– we are publishing more and more content.“

Die Inhalte, die wir so produzieren und an andere weitergeben, werden immer kleiner, Malik spricht von der „atomization of content“. Sollen diese Informationsschnipsel einen Sinn ergeben, müssen sie dem entsprechenden Kontext zugeordnet werden, sonst verlieren sie ihren Wert. Das heißt, sie müssen irgendwo wieder zusammenlaufen.

Und das möglichst zeitnah, denn was sich auch verändert hat: wir produzieren die Infos zeitnah, wir verschicken sie zeitnah und wir wollen sie auch möglichst schnell zusammenfügen können. Am Ende kommt etwas heraus, was wir als Echtzeit-Kommunikation bezeichnen. Möglich ist das derzeit am ehesten auf Facebook. Und die Weblogs?

„There was a time when casual, personal blogging was your way to communicate with your friends on the web. Via posts, commenting, and blogrolls, bloggers formed niche communities on the web to socialize with each other“,

hat Sarah Perez schon im letzten Sommer in einem Beitrag auf ReadWriteWeb geschrieben. Heute haben, so schreibt sie, Facebook, FriendFeed oder Twitter diese Rolle übernommen. Partizipation sei dort sehr viel leichter als auf einem Blog möglich. Steht am Ende dieser Entwicklung also das Ende der Blogs? Nicht unbedingt, denn, um Sarah Perez noch einmal zu zitieren,

„although the social participants on these sites are often more active in socializing than they are in blogging, there’s still that need to stake out your own piece of real estate on the web“.

Ob das dann aber unbedingt Blogs sein müssen, diese Frage lässt sie offen. Damit sie diese Rolle spielen können, müssen sie sich also verändern oder weiterentwickeln, so wie sich auch unsere Gesellschaft verändert, wie Om Malik schreibt:

„As a society, we are entering an increasingly narcissistic phase, enabled by web technologies…The evolution of blogging platforms needs to match these societal and demographic changes.“

Wenn wir mit Facebook aber schon eine Plattform haben, die diesen Veränderungen gerecht wird, warum brauchen wir dann überhaupt noch Blogs? Was für Sarah Perez das „own piece of real state on the web“ ist, ist für Malik der Vorteil, auf einem Blog über das eigene Datenmaterial verfügen zu können. Womit er nicht ganz unrecht hat, denn während Sie die gesamten Inhalte Ihres Blogs ohne große Mühe exportieren können, ist das auf Facebook ein Ding der Unmöglichkeit.

Anbieter wie Tumblr oder Posterous sind nach Maliks Überzeugung auf dem richtigen Weg, denn,

„real-time social collaboration is a powerful force, and blogging, if it wants to move further forward, needs to embrace it“.

Um am Ende auf den Tweet von Bernd Röthlingshöfer zurück zu kommen. Ich denke, Blogs haben als „vernetzte Publikationsform“ noch lange nicht ausgedient. Ganz im Gegenteil. Sie können das persönliche Hub sein, an dem die Informationsatome zusammengefügt werden, die eigenen und natürlich die der anderen, die für mich und meine Dialogpartner Relevanz besitzen.

„The best place to provide that context is now in blogs“,

ist Om Malik überzeugt. Zusammenhänge herzustellen heißt aber auch, die Verbindung zwischen den verschiedenen „Atomen“ herzustellen. Möglich ist das nur mittels Verlinkung, d.h. nicht weniger, sondern mehr Links sind nötig (allerdings sind das immer seltenerLinks auf  Blogs, denn der Content findet mittlerweile auf andere Weise den Weg ins Social Web). Nötig, damit Sie und Ihr Blog überhaupt wahrgenommen werden. Ein Blog ohne Links und damit ohne Anbindung an das, was Malik „real-time social collaboration“ nennt, ist entweder ein liebenswerter Anachronismus oder rausgeworfenes Geld.