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Die #DSGVO und die Auswirkungen auf dieses Blog

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Foto von skylarvision auf Pixabay

Morgen ist es also (endlich) soweit, die Datenschutzgrundverordnung, unter dem Hashtag #DSGVO wohl den meisten bekannt, entfaltet ihre volle Wirkung. In Kraft treten wäre der falsche Ausdruck, denn sie gilt ja eigentlich schon seit zwei Jahren.

Eigentlich hätten wir uns also schon längere Zeit mit der DSGVO beschäftigen sollen. Aber wie so viele andere gehöre auch ich zu denen, die erst in letzter Minuten damit begonnen haben. Wobei das bei mir nur für die praktische Umsetzung gilt. Die Workshops haben mir nicht so viel geholfen, die vielen Informationen, die sich im Netz finden, werfen oft mehr Fragen auf als sie beantworten. Trotzdem war mir von Anfang an klar, dass auch auf mich Änderungen zukommen.

Der erste Schritt: Ich habe die vertraute Umgebung von wordpress.com verlassen. Über zehn Jahre habe ich unter kulturmanagement.wordpress.com gebloggt, nun habe ich endlich eine der Domains, die ich schon seit einiger Zeit reserviert habe, aktiviert. Deshalb ist dieses Blog nun unter https://kulturmanagement.blog zu finden. Aber keine Sorge: Die alten Beiträge lassen sich immer noch leicht finden. Wer einen alten Link verwendet, ihn zum Beispiel abgespeichert hat, wird einfach umgeleitet.

Viele von Ihnen und Euch haben meine Beiträge bis heute per Mail erhalten. Für alle, die diesen Beitrag jetzt in ihrer Mailbox lesen, habe ich eine traurige Nachricht: Diese Möglichkeit fällt ab sofort weg, womit wir bei Schritt zwei sind. Dies ist der letzte Blogbeitrag, der Sie auf diesem Weg erreicht. Es gibt aktuell keine wirklich befriedigende Lösung, deshalb werde ich diesen Service einstellen (müssen). Bis jetzt gab es zwei Möglichkeiten, die Beiträge per Email zu abonnieren. Die Möglichkeit, die Beiträge direkt über WordPress zu abonnieren fällt weg, weil ich erstens nicht mehr in die wordpress.com-Umgebung eingebunden bin, zweitens dort kein Double Opt-in möglich ist und drittens die Vorgaben der DSGVO nicht eingehalten werden können. Ob das wirklich alles so stimmt, vermag ich nicht einzuschätzen, dazu fehlen mir Zeit und Expertise. Außerdem gibt es etliche, die die Blogposts über den Feedburner erhalten. Das ist die Variante, mit der ich vor vielen Jahren begonnen habe und die bis heute eigentlich perfekt funktioniert. Aber der Umgang mit den persönlichen Daten ist bei diesem RSS-basierten Newsletter, der Google gehört, ungeklärt. Und ich habe keine Ahnung, wie man die dort gespeicherten Daten exportieren beziehungsweise löschen kann. Natürlich kann man sich dort abmelden und bekommt dann keine weiteren Mails mehr. Aber was ist mit den Daten. Eine Vereinbarung kann ich diesbezüglich mit Google nicht abschließen, also war es das dann.

Was sind die Alternativen? Kristine Honig, die vor dem selben Problem steht, nennt in ihrem Blogbeitrag „Du hast meine Blogbeiträge regelmäßig per Mail erhalten? Dann bitte lesen!“ folgende Alternativen:

  • Meine Seite direkt besuchen, die URL kulturmanagement.blog kann man sich ja wirklich leicht merken, oder?
  • Die Seite per RSS abonnieren, ich selbst verwende dafür Feedly. Falls jemand den Link dafür braucht, hier ist er: https://kulturmanagement.blog/feed/
  • Das Blog in den Lesezeichen oder Favoriten abspeichern.
  • Mir auf Facebook, Twitter, Xing oder LinkedIn folgen, dort verlinke ich in der Regel auf meine Blogbeiträge.
  • Die in meinen Augen coolste Alternative ist die Verwendung von IFTTT (If this then that). Dort können Sie genau das abbilden, was ich bis jetzt angeboten haben. Wenn ich ein Blogpost veröffentliche, erhalten Sie eine Mail. Sie müssen das halt im Unterschied zur bisherigen Lösung selbst in die Hand nehmen. Aber da IFTTT ein Tool ist, das noch viel mehr kann, ist das vielleicht genau der richtige Einstieg, um sich damit intensiver zu beschäftigen.
  • Zukunftsmusik: die Benachrichtigung per Chatbot. Ob so etwas DSGVO-konform ist, weiß ich nicht. Im Zweifelsfall vermutlich nicht. :-(

Der dritte Schritt ist auch bereits getan: Alle Verbindungen zu irgendwelchen sozialen Netzwerken sind gekappt. Ich war da schon bis jetzt sehr sparsam, aber nun sollte es im Augenblick, so ich nichts übersehen haben, keine Möglichkeit für Facebook & Co geben, über dieses Blog an irgendwelche Daten heranzukommen. Ich verzichte auf Avatare und Emojis, sogar bei der Kommentarfunktion habe ich darüber nachgedacht, sie zu sperren. Aber Kommentare sind mir weiter wichtig, also gibt es weiter die Möglichkeit, es sieht halt alles etwas spartanisch aus. Aber vielleicht bringt auch da die Zukunft neue Angebote, die der DSGVO entsprechen. Ich finde es ein wenig traurig, dass so viele Dinge, die wir in den letzten Jahren genutzt haben, nun verschwinden. Aber auf der anderen Seite sollte es uns der Schutz unserer Daten schon wert sein. Und irgendwann müssen wir ja mal damit anfangen. Ich will jetzt gar nicht darüber lamentieren, dass das alles so fürchterlich und schwierig ist (ist es!), ohne die Androhung von Strafen hat es halt nicht geklappt.

Was noch fehlt sind die Schritte vier und fünf. Bis morgen werde ich noch an meiner Datenschutzerklärung basteln. Ich habe schon seit vielen Jahren eine, allerdings hat sich für die bis jetzt niemand interessiert. Mal sehen, ob das ab morgen wirklich anders ist. ;-)

Der fünfte und letzte Schritt ist dann ein neues Layout. Ich bin noch auf der Suche, eine Vorlage, die mir wirklich gefällt, habe ich aber noch nicht gefunden.

Damit erfülle ich aber immer noch nicht alle Vorgaben der DSGVO. Zum Beispiel muss ich mir noch was für die vielen YouTube-Videos einfallen lassen, die ich in dieses Blog eingebunden habe. Von den Slideshare-Präsentationen gar nicht zu reden. Für ersteres habe ich schon ein Plugin gefunden, Slideshare ist in den zahllosen Artikeln, die ich gelesen habe, gar nicht genannt worden. Deshalb bin ich da noch auf der Suche.

Fazit: Auch morgen wird sich die Erde noch drehen und mein Blog wird es auch noch geben. Und in drei, vier Wochen werden wir dann vermutlich sehen, ob und wie das mit der DSGVO funktioniert. Ich freue mich, wenn Sie weiterhin mein Blog lesen und darf Sie bitten, sich einfach bei mir zu melden, wenn Sie Fragen oder Probleme haben.

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stARTcamp Wien: Am 15. Juni sind wir in der Kunsthalle im Museumsquartier zu Gast

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Credit: Kunsthalle Wien Museumsquartier, © Kunsthalle Wien 2014, Foto: Stephan Wyckoff

Lange hat es gedauert, aber nun ist es soweit: Ich freue mich, die 5. Ausgabe des stARTcamp Wien ankündigen zu dürfen. Am 15. Juni 2018 sind wir zu Gast im Museumsquartier in der Kunsthalle Wien (Museumsplatz 1, 1070 Wien), also genau an dem Ort, wo wir am 23. August 2013 begonnen haben (siehe dazu die Ankündigung des stARTcamps hier im Blog).

Nachdem wir im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen mit dem World-Café gemacht haben und zu interessanten Ergebnissen gekommen sind (siehe dazu: „Rückblick auf das stARTcamp Wien„), konzentrieren wir uns 2018 wieder auf das gute alte Barcamp-Format mit vielen spannenden Sessions. Wir, das sind dieses Mal Anne Aschenbrenner und ich. Zusammen haben wir das #scvie18 unter das Motto „Engage your Audience“ gestellt. Wir beide sind der Ansicht, dass es für die Kultureinrichtungen nicht nur darum geht, möglichst viele Fans oder Follower zu haben, sondern um die Frage, welchen Wert ihre Beziehung mit den UserInnen bzw. BesucherInnen hat.

Die Grafik soll veranschaulichen, warum ich die Änderungen im Facebook-Newsfeed vor allem als Chance sehe. In meinem Beitrag „Social Media: Engagement statt Interaktion“ für das Kulturkonzepte-Blog habe ich beschrieben, wie der Weg zu einer qualitativ sich ständig weiter entwickelnden Beziehung aussehen kann. Mit diesem Weg wollen wir uns am 15. Juni in der Kunsthalle Wien beschäftigen. Ist der Aufbau einer Community ein sinnvoller Ansatz? Helfen mir dabei Apps und Chatbots? Um diese und noch viele anderen Fragen in diesem Kontext soll es am 15. Juni in der Kunsthalle Wien gehen. Ob wir darauf auch Antworten erhalten, hängt von Ihnen ab. Sie selbst tragen zum Erfolg des stARTcamps bei. Lehnen sich alle bequem zurück und lassen sich berieseln, dann wird es ein fader Tag. Aber keine Sorge, die vergangenen stARTcamps waren nie langweilig. Es gab interessante Sessions, genügend Freiräume, um sich kennenzulernen und auszutauschen sowie ein gutes Catering. All das wird es auch dieses Jahr wieder geben, mit 35 Euro sind Sie dabei. ;-)

Eventbrite - stARTcamp Wien

Ein weiterer Grund für dieses Thema ist für uns das Europäische Kulturerbejahr, das es dieses Jahr zu feiern gilt. Auf der Website des Bundeskanzleramts, in dem Kunst und Kultur zu Hause sind, kann man nachlesen, dass

„mit dem Themenjahr (…) das Bewusstsein für die europäische Geschichte und die europäischen Werte geschärft und das Gefühl einer europäischen Identität gestärkt werden (soll).“

Das Ziel sei es außerdem, die Rolle des Kulturerbes für die Gesellschaft und Wirtschaft aufzuzeigen und die Bedeutung von dessen Erhaltung, Schutz und Zugänglichkeit hervorzuheben, heißt es dort weiter. Mit Hilfe von partizipativen Ansätzen sollen alle Mitglieder der Gesellschaft und hier besonders junge Menschen angesprochen werden.

Auch hier heißt es: „Engage your Audience“, um gemeinsam Brücken zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu bauen. Aber wie funktioniert das im digitalen Zeitalter, in dem praktisch alles gespeichert und aufbewahrt wird? Welche Rolle spielen dabei Archive oder Museen, wenn doch alles digital verfügbar ist? Brauchen wir diese Institutionen noch oder reicht ein Supercomputer mit ausreichend Speicherplatz?

Um diesen Fragen genügend Raum zu geben, lädt das ORF-Dialogforum schon einen Tag vorher, am 14. Juni zu einer Diskussionsveranstaltung ein, die den Titel „Kulturelles Erbe: Macht das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig?“ trägt. Sie beginnt um 19 Uhr und findet im Studio 3 des Radiokulturhaus in der Argentinierstraße 30a in 1040 Wien statt. Die Teilnahme daran ist kostenlos, die Anmeldung ist ab sofort per Mail unter praesentation@orf.at möglich.

Mit dieser Veranstaltung soll der Versuch unternommen werden, einen Rahmen zu schaffen für die Abläufe, die in obiger Grafik abgebildet sind. Ich beziehe mich in diesem Zusammenhang gerne auf den von den beiden Kulturwissenschaftlern Aleida und Jan Assmann geprägten Begriff des kulturellen Gedächtnisses. Es ist nicht nur in uns Menschen angesiedelt, wie etwa das individuelle und das kollektive Gedächtnis, sondern es „objektiviert sich auch in Dingen wie Texten, Symbolen oder Bildern“, so Jan Assmann. Mit der Hilfe dieser Artefakte, wie beide es nennen, schützen sich die Gesellschaften vor dem Vergessen. Die Konservierung und Pflege der kulturellen Artefakte ist daher eine wichtige Voraussetzung für die Wirkungsweise unseres kulturellen Gedächtnisses.

Aber wie sieht Vergessen aus in einer Zeit, in der alles digital abgespeichert werden kann und wird? Können wir überhaupt noch vergessen? Und wie ist es möglich, sich an etwas zu erinnern, das ich noch nie vergessen habe? Was bedeutet das für ein Europäisches Kulturerbejahr, in dem das Bewusstsein für die europäische Geschichte und die europäischen Werte geschärft werden soll?

Den Rahmen dafür stecken wir in der ORF-Diskussionsveranstaltung „Kulturelles Erbe: Macht das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig?“ ab. Mit der Frage, wie Kultureinrichtungen und die digitalen und analogen BesucherInnen dabei miteinander vorgehen, wie sie Beziehungen aufbauen um füreinander Mehrwerte zu schaffen, beschäftigen wir uns dann am 15. Juni in der Kunsthalle Wien (im Museumsquartier) beim stARTcamp.

Ich würde mich freuen, wenn Sie bei beiden Veranstaltungen dabei sind, hier noch einmal die wichtigsten Infos:

  • ORF-Dialogforum:
    • Thema: „Kulturelles Erbe: Macht das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig?“
    • Datum: 14. Juni 2018
    • Beginn: 19 Uhr
    • Ort: Radiokulturhaus, Studio 3 (Argentinierstarße 30a, 1040 Wien)
    • Anmeldung: per Mail an praesentation@orf.at
    • Kosten: Die Teilnahme ist kostenlos

 

  • stARTcamp (#scvie18):
    • Thema: Engage your Audience“
    • Datum: 15. Juni 2018
    • Beginn: 9:30 Uhr (Einlass ab 9 Uhr)
    • Ort: Kunsthalle Wien im Museumsquartier (Museumsplatz 1, 1070 Wien)
    • Tickets: online auf der Plattform Eventbrite
    • Kosten: 35 Euro

 

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Ein neuer Master-Studiengang Internationales Kulturmanagement

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Foto von Olu Eletu auf Unsplash

Die Leuphana Universität Lüneburg und das Goethe-Institut bieten gemeinsam ab Herbst einen neuen Studiengang an. Nach drei oder vier Semestern kann man in einer Mischung aus Präsenzveranstaltung und Online-Learning einen Mastertitel in internationalem Kulturmanagement erwerben.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den von den beiden Institutionen entwickelten Mentored Open Online Course (MOOC) „Managing The Arts“, an dem sich 2015 und 2016 mehr als 24.000 TeilnehmerInnen aus 175 Ländern beteiligten, wie man auf der Seite des Goethe-Instituts nachlesen kann (dort kann man sich übrigens auch noch die Videos der Impulsvorträge anschauen).

Nun folgt also ein (englischsprachiges) Studienangebot, dass sich auch an TeilnehmerInnen aus der ganzen Welt richtet und vermutlich – zumindest teilweise – auf den Erfahrungen des MOOC aufbaut. Interessant ist sicher das erste Modul (hier die Liste sämtlicher Module), in dem es unter anderem um „methods for analysing markets & building strategies“ geht. Wem die Beschreibung des Lehrgangs im Moment noch etwas zu schwammig ist, erfährt hoffentlich mehr bei einer Online-Informationsveranstaltung am 18. April.

Die Kosten für die dreisemestrige Variante betragen 6.900 Euro, für vier Semester sind 8.900 Euro zu zahlen. Hinzu kommen noch  200 Euro Gebühren pro Semester. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Juli 2018, los geht es dann im Oktober.

Noch mehr Infos zum Kulturmanagement Masterstudium gibt es im Infofolder.

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Rainer Glaap: Ist das Abo noch zu retten? (Gastbeitrag & Veranstaltungshinweis)

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Foto von Igor Ovsyannykov auf Unsplash

Im Bereich Subscription Economy haben wir in den letzten Jahren eine interessante Entwicklung erleben können. Während auf der einen Seite die klassischen Abos im Bereich der Tageszeitungen und der kulturellen Angebote (Theater, Konzert, etc.) rückläufig sind, profitieren andere Branchen davon, dass vor allem jüngere Menschen die Flexibilität von Abos schätzen. Ob Streamingplattformen (Netflix, Spotify), Softwaretools (Office 365) oder auch Kleidung, immer mehr Unternehmen springen auf diesen Zug auf. Uns interessieren an dieser Stelle natürlich die Abonnements, die im Kunst- und Kulturbereich angeboten werden. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Es geht abwärts mit diesem über Jahrhunderte bewährten Instrument der Kultureinrichtungen, mit dem Menschen langfristig an das eigene Haus gebunden wurden.

Aber muss das so sein? Ist das Abo noch zu retten? Und warum funktioniert das Abo in manchen Bereichen immer besser, in anderen hingegen immer schlechter? Rainer Glaap führt mit diesem Beitrag in das Thema ein und wird sich am 24. Januar im Treffpunkt Kulturmanagement mit der Zukunft des Abos im Kunst- und Kulturbereich beschäftigen. Wenn Sie über diese Zeilen hinaus mehr über das Thema erfahren wollen, Fragen haben oder mitdiskutieren möchten, laden wir Sie ein, am 24.1. um 9 Uhr mit dabei zu sein. Alle nötigen Informationen finden Sie am Ende des Textes (Christian Henner-Fehr).

Nach landläufiger Meinung und gestützt durch die jährliche Statistik des Deutschen Bühnenvereins seit 1966 (s. Bild) sinken die Zahlen der Theater-Abonnenten seit Jahrzehnten kontinuierlich. In der Saison 2015/16 betrug der Anteil der Karten im Abonnement am Gesamtverkauf lediglich noch 16,8 %, seinem niedrigsten historischen Wert seit 1966:

Grafik: Rainer Glaap

Der Rückgang scheint einem Naturgesetz ähnlich. Magnus Still, ehemaliger Intendant des finnischen Rundfunkorchesters, Berater und Buchautor („Fill every seat every week“) ist vor einigen Jahren angetreten, den Gegenbeweis zu erbringen. Seine Erfolge sind beeindruckend – zuletzt verkündete der Klassik-Konzertveranstalter Frankfurter Museumsgesellschaft, dass zur neuen Saison mehr als 800 Neu-Abonnenten mit seiner Unterstützung gewonnen werden konnten.

Magnus Still‘s Motivation ist, jede Vorstellung auszuverkaufen. Das Platzabonnement ist dazu ein wichtiger Baustein, weil es durch seine Regelmäßigkeit Sicherheit gibt: sowohl finanziell (es sichert frühzeitig Liquidität) als auch künstlerisch, denn ohne Abo würden sich die Menschen nur die Highlights aus dem Spielplan suchen und es bliebe kein Platz für Experimente (von denen es wenig genug gibt, in der Regel sind unter 5 % der Werke bei Symphoniekonzerten jünger als 50 Jahre, selbst Berlioz, ein Mann des 19. Jahrhunderts, gilt vielen noch als Neutöner, der den Konzerterfolg gefährden könne).

Gestützt auf mehrere tausend Interviews mit Abonnenten in mehreren europäischen Ländern stellte Magnus Still die These auf, dass der Versuch, jüngere Menschen für Abonnements zu gewinnen, scheitern muss: Unter 25 seien die Menschen fremdbestimmt (Elternhaus, Schule, Studium) und hätten i. d. R. weder Interesse noch genügend Geld für Abonnements. Zwischen 25 und ca. 60 seien die Menschen mit ihrem beruflichen Fortkommen, Familiengründung etc. beschäftigt – und erst danach seien sie bereit, sich wieder kulturell festzulegen. Das Durchschnittsalter der befragten Abonnenten lag dann auch bei 67 Jahren, der älteste neugewonnene Abonnent war über 80 Jahre alt.

Bei seiner Methode beruft sich Magnus Still auf den Klassiker des Abo-Ratgebers, Danny Newmanns „Subscribe Now!“ von 1983, der für ihn immer noch aktuell ist. Konsequenz ist das Mantra seiner Kampagnen: mehrstufige Mailings auf Papier mit einer Postkarte als Response-Element basierend auf klaren Segmentierungen in jeder Stadt. Preis und Inhalt der Veranstaltungen spielen nach seiner Erfahrung keine so große Rolle (gestützt übrigens durch die Erkenntnisse von Aubrey Bergauer vom California Symphony Orchestra, die in ihren Studien mit jungen Leuten herausgearbeitet hat, dass der Content, also die musikalische Programmierung, nie eine Rolle als Hinderungsgrund gespielt hat). Bei seinen Bemühungen gehe es aber nicht darum, das eine zu tun und das andere zu lassen: Neue Publikumsschichten zu gewinnen, sei nach wie vor superwichtig – nur eben nicht für Abokäufer.

Im Rahmen des Vortrags für den Treffpunkt Kulturmanagement werden auch die typischen Abo-Arten vorgestellt:

  • Platzmiete (auch für gemischte Abos in unterschiedlichen Spielstätten),
  • Scheck-Abo (x aus y) und
  • Wahl-Abo inklusive Tausch- und Zusatzgutscheinen sowie
  • Theatercards

Über Rainer Glaap

Rainer Glaap ist Product Marketing Manager für die Ticketinglösung EVENTIM.Inhouse, die europaweit bei mehr als 400 Kunden im Einsatz ist. Dazu leitet er die Redaktion des neuen ONLINE-Magazins HEADLINER auf eventim.de.

In seiner Freizeit widmet er viel Zeit gleich zwei Theaterfördervereinen und unterrichtet gelegentlich Kulturmanager. Er geht rasend viel ins Theater, in die Oper und in Konzerte. Zur Zeit beschäftigt er sich mit der Aufbereitung eines Theater-Lexikons von 1841, die darin enthaltenen „Theater-Gesetze“ liegen bereits vor (bei Interesse: rainer@glaap.de).

Über den Treffpunkt Kulturmanagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos, Sie müssen keine Software installieren, um dabei sein zu können. Es reicht wenn Sie am 24. Januar 2018 um 9 Uhr über diesen Link https://zoom.us/j/651295114 den Onlineraum betreten. Der #kmtreff wird außerdem via Facebook live gestreamt, Sie finden den Link dann am kommenden Mittwoch auf der Facebookseite des Treffpunkt Kulturmanagement.

Update:

Wer am 24.1. keine Zeit hatte, kann sich hier die Aufzeichnung des Treffpunkt Kulturmanagement anschauen:

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Kultureinrichtungen und die Digitalisierung

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Photo by Drew Graham on Unsplash

Die Digitalisierung ist auch für den Kunst- und Kulturbereich ein Thema. Wie gelingt es, soziale Räume zu schaffen, Content Marketing-Strategien zu entwickeln und so die digitale Transformation voranzutreiben? Es geht dabei um Entwicklungen, die die Unternehmenskultur und -struktur nachhaltig verändern werden. Die neun Fragen am Ende des Beitrags sollen Sie beim Veränderungsprozess unterstützen.

Am Jahresbeginn beschäftige ich mich gerne mit den Themen, die meiner Meinung nach in den nächsten zwölf Monaten im Kunst- und Kulturbereich eine Rolle spielen werden. Eigentlich müsste ich dafür nur auf den letztjährigen Beitrag „2017: Herausforderungen für den Kunst- und Kulturbereich“ verweisen, denn keiner der genannten Punkte kann als erledigt betrachtet werden. Ganz im Gegenteil: Wir alle wissen, dass die technologische Entwicklung auch im letzten Jahr nicht Halt gemacht hat. Das Thema künstliche Intelligenz betrifft nicht nur die Industrie, sondern auch den Kunst- und Kulturbereich, wie die Konferenz Open!2017 in Stuttgart gezeigt hat. Chatbots beispielsweise waren vor einem Jahr noch kein großes Thema, heute stehen viele Kultureinrichtungen vor der Frage, wie sich die „textbasierten Dialogsysteme“ gewinnbringend einsetzen lassen.

Die meisten Smart City-Konzepte werden top-down geplant

Statt über soziale Räume reden wir meist über die „Smart City“ . Unter diesem Label erleben Big Data und das Internet der Dinge (IoT) gerade einen unheimlichen Aufschwung. Nutznießer sind die Anbieter der dazu passenden Hard- und Software. Infografiken wie die folgende zeichnen Bilder von der Stadt der Zukunft. Aber ich bezweifle, ob es richtig ist, Städte von oben nach unten zu planen.

Diesen Plänen fehlt das Leben und an dieser Stelle kommen Kunst und Kultur ins Spiel. Ich wünsche mir, dass wir erstens bald wieder über soziale Räume und nicht nur über Smart City-Konzepte sprechen und zweitens allen Beteiligten klar wird, welch entscheidende Rolle der Kunst- und Kulturbereich mit seinen für uns alle so wertvollen Inhalten spielt. Dazu gehört aber auch, dass wir selbst uns dieser Bedeutung bewusst werden. Nur darauf zu warten, dass andere auf uns zukommen, ist zu wenig.

Content Marketing: Managementdisziplin statt Marketingtechnik

Dass es nicht mehr nur um Social Media geht, haben mittlerweile vermutlich alle mitbekommen. Aber wie bekommen wir das Thema Online Marketing, von dem ich im letzten Jahr gesprochen habe, in den Griff? Welchen Zugang wählen wir? Ich bin in den letzten Monaten zu dem Ergebnis gekommen, dass Content Marketing für Kultureinrichtungen das größte Potenzial besitzt. Warum? Das in Verbindung mit dem von Mirko Lange entwickelten Content Marketing Tool „Scompler“ herausgebrachte Whitepaper „Content Maturity Mix“ zeigt, dass Content Marketing nicht nur eine Marketingtechnik ist, sondern, so man das Thema strategisch angeht, zur Managementdisziplin wird. Content Marketing ist ein Ansatz, der mir dabei hilft, die richtigen Inhalte für meine digitalen (Marketing-)Kanäle zu entwickeln. Content Marketing hilft mir aber auch dabei, mein Unternehmen, in dem Fall, meine Kultureinrichtung zu transformieren und den Content abteilungsübergreifend zu entwickeln und zu nutzen. Aus einer Marketingtechnik wird ein Instrument, das mich dabei unterstützt, die Organisationskultur zu verändern.

So einen „Aufhänger“ braucht es, denke ich, wenn Kultureinrichtungen sich weiter entwickeln wollen. Sowohl im Hinblick auf die Instrumente, die sie nutzen, als auch in Richtung Organisationsstruktur. Womit wir bei der dritten Herausforderung wären, die ich in meinem Beitrag vor einem Jahr genannt habe, die digitale Transformation. Die Digitalisierung hat mittlerweile auch den Kunst- und Kulturbereich erfasst. Viele Kultureinrichtungen befassen sich mit diesem Thema, aber die Frage der Umsetzung bleibt oft ungelöst.

Digitalisierung: Die Rahmenbedingungen müssen geklärt werden

Ich beschäftige mich schon recht lange mit dieser Frage, denn sie taucht immer wieder auf, zum Beispiel auch dann, wenn es um die Frage geht, wie ich Social Media- oder Content Marketing-Aktivitäten nachhaltig im Kulturbetriebe verankern kann. Ein paar Tipps und Tricks sind zu wenig, auch wenn sie am häufigsten nachgefragt werden. Der Grund: ich bleibe so auf der operativen Ebene und beschäftige mich nie mit den Strategien, die es mir erst möglich machen, das Potenzial neuer Entwicklungen auch wirklich auszuschöpfen.

Dabei bietet das Content Marketing eine sehr gute Möglichkeit für den Einstieg in das Thema Digitalisierung. Wenn wir eine Content Marketing-Strategie entwickeln und  implementieren, merken wir recht schnell, dass sie auch Auswirkungen auf die Organisation hat. Organisation, das klingt recht abstrakt, deshalb habe ich in meinem Blogbeitrag „Der digitale Kulturbetrieb“ dieses Modell vorgestellt:

Möchte ich zum Beispiel Content Marketing nur als Marketingmethode einführen, bleiben die Strukturen und Prozesse davon unberührt, denn die Veränderung passiert ja nur in der Marketingabteilung. Geht es aber darum, abteilungsübergreifende Inhalte zu produzieren, werde ich sicher ganz neue Prozesse aufsetzen müssen und später vermutlich auch die Strukturen verändern. Indem ich etwa eine Abteilung schaffe, die für die Content-Produktion des ganzen Hauses zuständig ist und allen anderen Abteilungen den Content liefert.

Nun sagt sich das natürlich sehr einfach, man müsse die Strukturen und Prozesse verändern. Manchen wird das leichter gelingen, manchen nur sehr schwer, den anderen vielleicht gar nicht. Die Frage ist, welche Voraussetzungen für solche Veränderungen nötig sind? Auf der Suche nach Antworten bin ich auf den Artikel „Nine questions to help you get your digital transformation right“ der Beraterfirma McKinsey gestoßen. In ihm wird die Frage gestellt, was es denn brauche, um aus einem Unternehmen ein digitales Unternehmen zu machen? Oder, auf den Kunst- und Kulturbereich gemünzt: Was braucht es, um aus einem Kulturbetrieb einen digitalen Kulturbetrieb zu machen? Die Antwort darauf fällt vermutlich bei jedem Unternehmen, jedem Kulturbetrieb anders aus. Es gibt zwar ein paar Punkte, die für alle gelten, zum Beispiel das Kommitment der Führungsetage oder Anreize, um die MitarbeiterInnen für die Veränderungsprozesse zu gewinnen. Aber worauf müssen wir achten, wenn wir Veränderung anstoßen und dafür sorgen wollen, dass Kultureinrichtungen von den Entwicklungen im digitalen Bereich auch profitieren? Schließlich ist Transformation ja kein Selbstzweck.

Neun Fragen haben Karel Dörner und Jürgen Meffert, die beiden Autoren dieses Artikels zusammengetragen und sie stecken damit für mich in sehr hilfreicher Weise den Rahmen ab, um Veränderung anzustoßen bzeiehungsweise möglich zu machen.

1.) Wie gut wissen Sie über die aktuellen technologischen Entwicklungen Bescheid?

Sehr viele Branchen und Bereiche sind von der Digitalisierung betroffen und können von ihr profitieren. Natürlich auch der Kulturbereich. Aber wie sollen Führungskräfte in Kultureinrichtungen sich für oder gegen eine Technologie entscheiden, wenn ihnen der Überblick fehlt und sie nicht in der Lage sind, die Entwicklungen zu bewerten? Wie können sie einschätzen, welche technologischen Entwicklungen dem eigenen Haus weiterhelfen? Führungskräfte, die sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen, wie sich die eigene Unternehmung (digital) transformieren lässt, kommen nicht umhin, sich in die Materie einzuarbeiten. Publikationen wie die Museum Edition des NMC Horizon Reports oder die von Deloitte veröffentlichten Tech Trends 2018 sind dabei eine wertvolle Hilfe.

2.) Kennen Sie die Customer Journey Ihrer Bedarfsgruppen?

Wer seine KundInnen/BesucherInnen in den Vordergrund stellt – und das sollten auch Kultureinrichtungen tun – , kommt um die Customer Journey nicht herum. Es ist hilfreich, sie für die verschiedenen Bedarfsgruppen zu erarbeiten und sie gegebenenfalls zu optimieren. Auf diese Weise dient die Customer Journey als eine Art Roadmap für die Digitalisierung der Kultureinrichtung, denn:

„After mapping the customer journey from beginning to end, companies can focus on how digital can make each touchpoint better, faster, and more efficient, as well as integrate all of them into one coherent experience.“

KundInnen und ihre Wünsche in den Mittelpunkt zu stellen, das ist für viele Unternehmen mittlerweile selbstverständlich. Wir als KundInnen sind das mittlerweile gewöhnt und fordern das ein. Niemand möchte heute noch stundenlang vor einer Kasse warten, um ein Ticket kaufen zu dürfen. Im Idealfall steht mir eine Lösung zur Verfügung, dank der ich mobil auf sämtliche Angebote in der Stadt oder der Region zugreifen kann.

3.) Arbeiten Ihre Teams funktionsübergreifend zusammen?

In vielen Kultureinrichtungen ist für die digitale Transformation die PraktikantIn zuständig, die die Social Media-Kanäle betreut. Alle anderen sind froh, dass sie sich mit der Materie nicht beschäftigen müssen. Aber es gibt viele andere Anknüpfungspunkte, zum Beispiel Mobile Payment, Augmented Reality oder der generelle Umgang mit Daten, die neue EU-Datenschutzgrundverordnung lässt grüßen.

Diese Themen zu ignorieren oder in einzelne Abteilungen zu schieben, macht wenig Sinn. Das Silodenken muss überwunden werden, denn

„We’ve seen companies succeed by building a cross-functional team that brings together key people from marketing, sales, product development, and IT for specific projects.“

Realisieren wir doch, dass sich unsere Arbeitswelt in den näheren Zukunft ganz gewaltig ändern wird und die Entwicklung neuer Arbeitsformen eine gewaltige Herausforderung vor allem für die großen Kultureinrichtungen darstellt. Das von Benedikt Hackl, Marc Wagner, Lars Attmer und Dominik Baumann herausgebrachte Buch „New Work: Auf dem Weg zur neuen Arbeitswelt“ (Affiliate Link) bietet interessante Einblicke in aktuelle Entwicklungen und zeigt, vor welchen Herausforderungen vor allem das Management steht.

4.) Nutzen Sie iterative Entwicklungsverfahren?

Ein iterativer Ansatz gibt mir ein gewisses Maß an Flexibilität, die ich sehr häufig bei Kultureinrichtungen vermisse. Nehmen wir das Beispiel Website-Relaunch: Meist wird da über Monate ein Plan entwickelt, in den mit fortlaufender Dauer immer mehr Wünsche und Ideen hineingepackt werden. Wenn dann Monate später die neue Seite online geht, hat man die UserInnen, für die die Seite eigentlich gedacht ist, weder gefragt, noch hat man getestet, ob die eigenen Vorstellungen den Bedürfnissen der UserInnen entsprechen.

„Successful companies work on a concept and keep testing it with customers. They iterate until they get it right—not only delivering what customers want but also understanding why they want it so that issues can be addressed and emerging needs factored in,“

schreiben Dörner/Meffert in ihrem Artikel. Auf die Website gemünzt würde das bedeuten, dass Sie eine Betaversion herausbringen, diese testen lassen und mit Hilfe von Feedbackschleifen die nächsten Schritte setzen. Boris Gloger und Jürgen Margetich erklären in ihrem Buch „Das Scrum-Prinzip“ (Affiliate Link), wie sich agile Organisationen aufbauen und gestalten lassen, denn agile Methoden lassen sich nicht nur beim Website-Relaunch nutzen.

5.) Sind Ihre Budgets an Fortschritte gebunden?

Oft scheitert die Transformation in Unternehmen oder Kultureinrichtungen an starren Budgetvorgaben. Die Zahlen werden in der Regel über die Jahre einfach fortgeschrieben. Dörner/Meffert verweisen in ihrem Artikel auf die Vorgehensweise von Risikokapitalgebern. Die stecken mehr Geld in ein Projekt, wenn es sich erfolgreich entwickelt. Auf der anderen Seite drehen sie den Geldhahn aber zu, wenn das Vorhaben nicht den Erwartungen entspricht und die Kennzahlen nicht erreicht werden. Mehr Flexibilität und die Arbeit mit Kennzahlen sind also gefragt.

Gut gefällt mir die Idee, zehn Prozent des Marketingbudgets für Experimente und Innovationen zu reservieren. Das Geld kann unkompliziert und schnell zur Verfügung gestellt werden, wenn der Bedarf gegeben ist.

6.) Haben Sie Räume, um Ideen zu entwickeln?

Räume oder Prozesse, die dazu dienen, gute Ideen zu entwickeln, fehlen wohl in den meisten Kultureinrichtungen. Dabei gibt es ganz interessante Ansätze. Einer meiner Favoriten, um solche Ansätze kennenzulernen und zu nutzen, ist das von der Agentur Dark Horse Innovation herausgebrachte „Digital Innovation Playbook“ (Affiliate Link). Die Templates zu diesem Buch können Sie auf der Website zum Buch kostenlos herunterladen.

Ob die von den Autoren vorgeschlagene Idee, ein externes Expertengremium als eine Art Sparringpartner einzurichten, für den Kunst- und Kulturbereich hilfreich ist, kann ich nur schwer einschätzen. Vermutlich hängt es davon ab, in welchen Bereichen die Ideen entstehen.

7.) Sind Ihre MitarbeiterInnen bereit und in der Lage zu handeln?

In großen Strukturen gibt es immer einen Grund, Neues nicht anzugehen. Ob es nun die Angst vor der Veränderung ist oder Grabenkämpfe zwischen Abteilungen und/oder MitarbeiterInnen sind, man will kein Risiko eingehen. Deshalb bleibt alles so wie es ist. Daher müssen Teams, die ein Vorhaben umsetzen sollen, auch die Möglichkeit haben, Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen außerdem die Bereitschaft aufbringen, in die Führungsrolle zu schupfen und sie sollten genug Autorität besitzen, um Silos aufzubrechen und abteilungsübergreifend zu arbeiten.

8.) Ist Ihre IT in der Lage schnell zu reagieren?

Dörner und Meffert fordern in ihrem Artikel eine IT der zwei Geschwindigkeiten. Während es auf der einen Seite notwendig ist, die Integrität von transaktionsbasierten Systemen zu gewährleisten, braucht es auch ein zusätzliches „High-Speed-System“, das agile Entwicklungen und Prototyping unterstützt, denn

„New apps and databases can then be added as needed without touching the underlying systems that run the rest of the business.“

Das setzt aber auch voraus, dass in den IT-Abteilungen ein entsprechendes Know-How vorhanden ist, um die dafür notwendigen Rahmenbedingungen in technischer Hinsicht zu schaffen.

9.) Koordinieren Sie verschiedene Digitalisierungsinitiativen?

Natürlich war und ist Social Media für viele Kultureinrichtungen der Einstieg in das digitale Zeitalter. Aber damit ist es nicht getan, es bedarf vieler (kleiner) Initiativen, um sich in Richtung digitaler Kulturbetrieb zu entwickeln. Am Ende muss aber jemand da jemand auf der Führungsetage sein, bei dem die Fäden zusammenlaufen:

„Executives need to map out each initiative, ensuring it is clearly aligned with the broad business strategy. They then must prioritize the initiatives, determine the dependencies between them, and coordinate resourcing and budgeting.“

Alle die hier genannten Punkte fügen sich nach und nach zu einem Ganzen zusammen. Gelingt es Ihnen, dieses Puzzle nicht nur zusammenzufügen, sondern auch mit der Gesamtstrategie Ihrer Kultureinrichtung zu verbinden, wird es Ihnen viel leichter fallen, die technologischen Entwicklungen zu identifizieren, die Sie wirklich weiter bringen. Und aus Ihrem Kulturbetrieb einen digitalen Kulturbetrieb zu machen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf diesem Weg und verbinde das – wenn auch etwas verspätet – mit den besten Wünschen für ein gutes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2018!

 

 

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Frohe Weihnachten

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Viele Menschen neigen dazu, das Jahr in zwei gleich große Hälften einzuteilen. Die Zeit vor dem Sommer beziehungsweise den Sommerferien und die Zeit danach. Aber dann merken sie, dass die Zeit zwischen Sommer und Weihnachten viel kürzer ist, was dann zu den Stresssituationen führt, die viele in den letzten Wochen  erlebt haben. Natürlich werden wir alle davon angesteckt und erleben so die hektischste Zeit des Jahres. Irgendwann kommt dann aber der Zeitpunkt, wo das Pendel umschlägt und wir langsam beginnen zur Ruhe zu kommen. Ich mag diese Phase, die dann am Nachmittag des Heiligens Abends endet. Wenn man in diesen Stunden durch die Stadt geht, spürt man, wie alle Haktik verschwunden ist und die Menschen in einen Ruhemodus gefunden haben. Viele Menschen fühlen sich darin sehr wohl, andere nicht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie schon in diesen Ruhemodus gefunden haben oder im Laufe des heutigen Tages dorthin gelangen und dann ein paar erholsame und besinnliche Feiertage erleben. Ich danke Ihnen, dass Sie diesem Blog auch dieses Jahr gefolgt sind und würde mich freuen, wenn Sie mich auch im nächsten Jahr begleiten. Bis dahin genießen Sie aber erst einmal den Ruhemodus. ;-)

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Museumsguide: Audiokärtchen statt App

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Nubart ist ein „Audioguide“, den die BesucherInnen über ihr eigenes Smartphone nutzen können. Der Zugang zu den Inhalten erfolgt via QR-Code, eine App-Entwicklung oder die Anschaffung von Hardware sind nicht nötig.

Eine kleine Karte als haptischer Stellvertreter für das eBook

Manche Ideen sind gut und haben es doch schwer, sich durchzusetzen. Gründe dafür gibt es viele. Unter Umständen ist die Technologie noch nicht ausgereift oder wir Menschen sind nicht bereit, uns von unseren Gewohnheiten zu trennen. Wobei eigentlich beide Punkte nicht auf das spanische Startup Digital Tangible zutreffen. 2013 von Rosa Sala, Jordi Pérez und Simon Effing gegründet, hatte das Unternehmen eine in meinen Augen sehr gute Geschäftsidee. „Wir wollten“, erinnert sich Rosa Sala, „dass man eBooks physisch verkaufen, verschenken oder auch sammeln kann“. So entstand die Idee, kleine Kärtchen zu produzieren, über die man dann das eBook erhalten konnte.

Screenshot von der Label-Seite seebook.eu

Ich selbst habe mir so etwas immer gewünscht. Ich hätte oft gerne ganz bestimmte eBooks verschenkt. Aber jemandem einen Gutschein zu schicken, auf dem nur ein Eurobetrag steht und ihm oder ihr dann auszurichten, dass sie doch bitte ein ganz bestimmtes Buch kaufen sollten, widerstrebt mir bis heute. Deshalb habe ich in meinem ganzen Leben nicht ein einziges eBook verschenkt.

„Wir haben drei Jahre lang alles nur Denkbare getan, um diese Idee, die übrigens Alle immer sehr gut fanden, erfolgreich umzusetzen“, so Sala, die damals CEO des Startups mit Sitz in Barcelona war. „Aber es hat nicht funktioniert. Die Buchhändler, die daran am meisten interessiert sein sollten, haben uns kaum unterstützt.“

Auch mit Hörbüchern funktionierte es nicht, erzählt die promovierte Germanistin von ihrem nächsten Versuch, den Buchmarkt zu erobern. „In Spanien waren Hörbücher damals noch ziemlich unbekannt und die Versuche in Deutschland, Hörbücher zu streamen, sind gescheitert, weil die Kundschaft weiter auf die CD setzte. Der Grund: ‚Die lassen sich viel besser einpacken!'“

Aber dank Simon Effing verfügte das Unternehmen zu jenem Zeitpunkt schon über eine ganz interessante Technologie. Das selbst entwickelte Light Online Content Protection-System (LOCP) erlaubte einen kontrollierten und nicht übertragbaren Zugang zu einem digitalen Inhalt, ohne die UserInnen mit lästigen Log-Ins zu nerven. So habe man eine eigene Social-DRM-Lösung entworfen, die man Kunden heute immer noch anbiete. „Darüber hinaus hatten wir“, so Sala, „ein eigenes System zur Aufnahme und Darstellung von komplexen User-Daten aufgebaut und wir verfügten über ein eigenen CMS, das sich besonders für Audiofiles eignete“.

Angesichts der Frage, wie es nun weitergehen könne, erinnerte sie sich an einen schon Jahre zurückliegenden gemeinsamen Besuch mit einem Pärchen im Picasso-Museum in Barcelona. Die meinten damals, dass sie statt eines Leihgerätes viel lieber eines der Kärtchen hätten. Diese wären nicht nur praktischer, sondern auch ein schönes Souvenir, das man später zuhause an die Kühlschranktür kleben könne.

„Ich habe diese Bemerkungen damals ad acta gelegt, aber nach dem Floppen von der eBook- und Hörbuchkarten wurde sie plötzlich wieder präsent“, erinnert sich Sala an diesen Moment.  Und so entstand die Idee, Museen diese Karten anzubieten. Unter dem neuen Label „Nubart“ bewarb das Unternehmen seinen Audioguide im Scheckkartenformat bei den Museen und konnte in Spanien gleich einige Museen als Kunden gewinnen. Dieser Erfolg motivierte das Team, auch andere Märkte in Angriff zu nehmen und so öffnete im letzten August eine Dependance in Berlin. Von hier aus sollen nun die Museen im deutschsprachigen Raum angesprochen werden.

Die Inhalte werden auf das eigene Mobilgerät gestreamt

Warum gefällt mir die Idee dieses Audio Guides so? Wir alle wissen, dass wir uns im Moment in einer Art Umbruchphase befinden. Die App in ihrer jetzigen Form wird es vermutlich nicht mehr lange geben. Wir nutzen sie zwar sehr gerne auf unseren mobilen Endgeräten, verlassen uns aber auf immer weniger Apps (siehe dazu meinen Beitrag „Apps im Kulturbereich: das sollten Kulturbetriebe wissen„). Außerdem hat Colleen Dilenschneider herausgefunden, dass die BesucherInnen kultureller Angebote nur selten vor oder während ihres Besuchs eine App nutzen. Es kommt für die Kultureinrichtungen aber noch schlimmer:

„(.) the ones who do use an organization’s app do not experience a significant increase in visitor satisfaction.“,

schreibt sie in ihrem Blogbeitrag „Are Mobile Apps Worth It For Cultural Organizations„. Das bedeutet: Wer zum Beispiel eine App in einer Ausstellung nutzt, um mehr über die ausgestellten Objekte und das Thema der Ausstellung zu erfahren, profitiert davon anscheinend gar nicht so sehr. Zumindest in den USA, wo die Befragung durchgeführt wurde.

Bleiben die Museumsguides. Sie verursachen allerdings recht hohe Kosten, denn das Museum muss sich bei dieser Variante nicht nur um die Inhalte kümmern, sondern auch um Anschaffung und Wartung der Hardware.

Der Nubart Audio-Guide braucht weder App noch Museums-Guide, sondern setzt auf die Kärtchen, die den Zugangscode für die Inhalte enthalten.

Die bekomme ich zum Beispiel an der Kasse, scanne dann mit meinem Smartphone den QR-Code ein und gelange so auf eine mobile Website, auf der die Inhalte für die Ausstellung zu finden sind. Beworben wird die Anwendung zwar als Audio-Guide, aber grundsätzlich lassen sich auch Videos, Karten oder auch PDFs in die Tour einbauen. Die Inhalte liegen auf den Servern des Unternehmens (was das Erstellen von Nutzerstatistiken ermöglicht.) und werden von dort gestreamt.

Das bedeutet, die BesucherInnen müssen auf diese Inhalte zugreifen können. Im Idealfall verfügt das Museum über ein freies WLAN. Alternativ sollte eine gute Netzabdeckung vorhanden sein. Nachdem die Roamingkosten in der EU seit ein paar Monaten der Vergangenheit angehören, ist das für EU-Bürger kein Problem mehr. Für den Fall, dass beide Varianten nicht möglich sind, bietet das Unternehmen auch eine Offline-Variante an.

Auf Augmented- oder virtual Reality-Anwendungen muss das Museum bei der Audio-Karte zwar verzichten. Aber dafür bedarf es keiner Marketingaktivitäten, um die App im App-Store zu bewerben oder den Audio- oder Multimediaguide gegen Gebühr oder eine Sicherheitsleistung zu verleihen. Die Nubart-Kärtchen können entweder kostenlos oder gegen einen frei wählbaren Betrag abgegeben werden. Vielleicht findet sich auch ein Sponsor, der die gebrandete Karte für Werbung in eigener Sache nutzt.

Ich denke, diese Lösung ist vor allem für die kleinen und mittelgroßen Museen interessant, die weder das Geld noch das Know-How für Konzeption und Entwicklung einer App haben und ihren BesucherInnen trotzdem etwas anbieten wollen. Natürlich kann ich schon heute Chatbots für die Führung durch das Museum nutzen (siehe dazu den Beitrag von Angelika Schoder: „ChatBots als interaktive Guides im Museum“). Aber erstens haben da vermutlich viele Museen selbst (noch) Vorbehalte. Zweitens gibt es vermutlich so wie mich viele Museumsbesucher, die während des Besuchs einer Ausstellung lieber zuhören als mitlesen (Dieser Einwand stimmt nur zum Teil, auch über den Messenger lassen sich Audio-Files abrufen).

Fazit: Der Audio-Guide per Karte ist eine eher niederschwellige Lösung. Museen, die sich dadurch angesprochen fühlen und es eher haptisch mögen, sollten einen Blick auf die Website des Unternehmens werfen.

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Fundraising: Neue Ideen haben es schwer

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Die U-Bahn-Station vor meiner Haustüre scheint für Fundraiser ein beliebter Ort zu sein. Oft werde ich dort von ihnen angesprochen, um mich davon zu überzeugen, sie und die Arbeit ihrer NGO finanziell zu unterstützen. Habe ich mir anfangs die Sprüche immer brav angehört, bin ich heute eher genervt und abweisend. Wer mir da was erzählen möchte, interessiert mich eigentlich gar nicht mehr.

Eigentlich ist das schade, denn die Arbeit der NGOs ist  wichtig und verdient auch Unterstützung. Nur dieser Weg ist nicht der richtige, zumindest für mich nicht. Gibt es da wirklich keine besseren Ansätze als die Phrase „Grüß Gott der Herr, haben Sie 5 Minuten Zeit für … (hier kann man wahlweise Themen wie Umwelt, Kinder, Menschenrechte, etc. einsetzen)?“

Diese Situationen fielen mir ein, als ich vom Österreichischen Fundraising Verband zu seiner 3. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring eingeladen wurde. Man bat mich, einen Vortrag darüber zu halten, wie das Neue in die Welt kommt, in diesem Fall in die Fundraising-Welt. Aber warum braucht Fundraising überhaupt etwas Neues? Bei meiner Recherche stieß ich im Critical Fundraising Blog auf den Beitrag „Share and share alike – until we’re all doing exactly the same thing“ von Joe Jenkins. Er konstatiert darin, dass im NGO-Bereich die Bereitschaft, Dinge zu teilen und mit anderen zusammen zu arbeiten, außergewöhnlich hoch sei. So toll das auch sei, dies führe dazu, so Jenkins weiter, dass alle NGOs gleich kommunizieren:

„To the rest of the world we mostly look, act, and appear to be the same.“

Eine mögliche Lösung dieses Problems besteht für ihn darin, mit Hilfe von Kreativität und Innovation Unterscheidungsmerkmale zu schaffen. Bei der Lektüre dieses Blogbeitrags fielen mir wieder die Fundraiser an der U-Bahn-Station ein. Wir beide sind der Ansicht, dass die Kommunikation immer nach dem gleichen Muster funktioniert, nur hat Jenkins das natürlich etwas profunder formuliert als ich das kann.

Auf die Frage, wie das Neue in die Welt kommt, habe ich eigentlich zwei Antworten gefunden: Auf der einen Seite gibt es da das Neue, auf das wir nur sehr wenig Einfluß haben. Auf der gesellschaftlichen Ebene sind das Treiber wie

  • der demografische Wandel,
  • die Globalisierung,
  • die Digitalisierung und
  • der Wertewandel.

Auf der organisatorischen Ebene ist die Digitalisierung ebenfalls ein ganz wichtiger Treiber. Aber auch neue Managementansätze und -modelle verändern die Welt der Unternehmen und Organisationen. Basierend auf der Arbeit des amerikanischen Psychologieprofessors Clare W. Graves entwickelten Martina Bär-Sieber, Rainer Krumm und Hartmut Wiehle in ihrem Buch „Unternehmen verstehen, verändern, gestalten“ (Affiliate Link) ihren Ansatz für Unternehmen, in dem sie deren evolutionäre Entwicklung beschreiben. In eine ähnliche Richtung geht Frederic Laloux in seinem Buch „Reinventing Organisations“ (Affiliate Link), der darin zeigt, wie sich Unternehmen vom tribal impulsiven Organisationstyp in Richtung einer integral evolutionären Organisation entwickeln.

Aber natürlich haben wir es auch selbst in der Hand, Neues zu schaffen. Mir ist in diesem Zusammenhang Professor Peter Kruse eingefallen, der sich immer wieder mit der Frage beschäftigt hat, welche Voraussetzungen es braucht, um kreativ beziehungsweise innovativ sein zu können. Zwei Dinge braucht es seiner Ansicht nach dafür:

  • Diversity, weil Unterschiedlichkeit im System zu internen Spannungen führt. Das Resultat sind instabile Phasen, in denen sich neue Muster entwickeln lassen.
  • Netzwerke, weil sie über ein hohes Maß an Komplexität und Dynamik verfügen, mit deren Hilfe wir die Herausforderungen, vor denen wir stehen, bewältigen können.

Wie aber „bauen“ wir uns ein Netzwerk? Laut Prof. Kruse braucht es dafür drei Charaktere,

  • den Creator, der ständig mit neuen Ideen kommt,
  • den Owner, der alles weiß und
  • den Broker, der jemanden kennt, der etwas weiß

Diese drei bilden seiner Ansicht nach das menschliche Gehirn ab und lassen sich als intelligentes System verstehen, dessen „Summenintelligenz“ höher ist als die Intelligenz der beteiligten Menschen (siehe dazu auch mein Blogpost „Bauen Sie Systeme, die stören„).

Wenn es darum geht, kreativ zu sein, müssen also die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Sie alle kennen vermutlich die verschiedendsten Strategien, um solche „indirekten Möglichkeitsräume“, wie Prof. Kruse sie genannt hat, zu schaffen. Jake Knapp hat in seinem Buch „Sprint“   (Affiliate Link) einen möglichen Weg aufgezeichnet, um Raum sowohl für kreative Ideen, als auch für die praktische Lösung des Problems zu finden. Fünf Tage braucht er dafür:

  • Montag: Problem analysieren und einen Aspekt auswählen, auf den man sich konzentriert.
  • Dienstag: Mögliche Lösungswege skizzieren
  • Mittwoch: Entscheidung für einen dieser Wege
  • Donnerstag: Prototyp bauen
  • Freitag: Prototyp testen

Das ist in kurzen Zügen die Zusammenfassung meines Vortrags, für den ich die folgenden Folien verwendet habe:

 

Kein Interesse an technologischen Entwicklungen

Neue Impulse zu setzen, neue Ideen ins Spiel zu bringen, das scheint, so meine Beobachtung während der Fachtagung, im Fundraising-Bereich gar nicht so einfach zu sein. Während Bernard Ross von der Arts Fundraising School in London sich in seiner Keynote unter anderem mit der Frage beschäftigte, wie wir verhaltensökonomische Modelle in das Fundraising einfließen lassen können, ging es bei den Vortragenden aus Österreich eher um ganz klassische Themen. Zwar wurde oft über die knappen Ressourcen gesprochen, aber Lösungsansätze gab es keine. Gerade hier wäre viel Platz für neue Ideen, aber es blieb bei der Feststellung, dass es sehr schwer sei, gute MitarbeiterInnen für das Fundraising zu gewinnen.

Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen. Erstens, Crowdfunding war auf dieser Tagung kein Thema. Ich finde das bedauerlich, denn diese Form der Finanzierung wird von vielen (noch) völlig unterschätzt. Beim Crowdfunding geht es nicht nur einfach darum, eine bestimmte Geldsumme einzusammeln, nein! Ich kann rund um die Kampagne mein Marketing aufbauen und erfahre sehr viel über meine Zielgruppe(n).

Außerdem kann sich das Crowdfunding zu einem wichtigen Bestandteil meiner Fundraisingaktivitäten entwickeln. Hier sehen Sie etwas vereinfacht die Fundraisingpyramide:

Die Grafik zeigt, dass wir uns eine Basis schaffen müssen, um nach einiger Zeit strategische Partner gewinnen können, die uns unterstützen. Viele Kultureinrichtungen haben deshalb Freundes- oder Fördervereine eingerichtet. Ihr Ziel ist eher der Aufbau einer Beziehung, denn der Aufwand ist meist recht groß, der Ertrag (noch) gering. Crowdfunding kann hier eine Alternative sein. Oder eine Ergänzung, denn natürlich ist auch in diesem Fall der Aufwand groß. Den Vorteil sehe ich in der engen Verschränkung mit dem Marketing und der Tatsache, dass eine Crowdfundingkampagne meist eine größere Sichtbarkeit aufweist als etwa ein Förderverein.

Aufschlussreich war für mich zweitens, dass die technologischen Entwicklungen gar kein Thema waren. Eine der größten Herausforderungen besteht für mich darin, den Kontakt zu Menschen aufzubauen, sie für meine Arbeit zu interessieren und eine Beziehung aufzubauen. Vielleicht haben Sie schon von Chatbots gehört, die in den verschiedenen Messengern eingesetzt werden können. Wofür lassen sich diese „textbasierten Dialogsysteme“ nutzen? Jörg Reschke beschäftigt sich in einem Blogpost mit dem „Potenzial von Chatbots für Nonprofits“ und listet darin einige Möglichkeiten auf:

  • Ein Chatbot lässt sich abonnieren, um über ein bestimmtes Thema informiert zu werden.
  • Der Facebook Messenger bietet in den USA schon heute die Möglichkeit des Bezahlens via Chatbot an. Die Spende über ein Chatbot wird also vermutlich in nicht allzu ferner Zeit möglich sein.
  • Viele UserInnen werden über eingehende Nachrichten im Messenger ihrer Wahl per Push-Meldung benachrichtigt. Dazu gehören natürlich auch die mit einem Chatbot verschickten Nachrichten.
  • Chatbots ermöglichen ohne große Hürden den direkten persönlichen Kontakt. Wenn die Kommunikation einmal aufgebaut ist, kommen Sie zukünftig direkt zu ihrem Gegenüber.
  • Im Unterschied zum Email-Newsletter haben Messenger-Bots viel höhere Öffnungsraten.

Attraktiv sind Chatbots vermutlich so lange, bis jeder einen hat. Kreative Ideen sind also gefragt, womit wir wieder beim Anfangsthema gelandet sind. ;-) Eines der wohl gelungensten Beispiele war im letzten Jahr Walk with Yeshi: „Built for Facebook Messenger, Walk With Yeshi takes individuals on a 2.5 hour journey, matching the length of the average walk for water.“ Jetzt sagen Sie sich vielleicht, dass Kunst und Kultur als Thema viel schwieriger zu kommunizieren sind. Ich bin mir da nicht sicher, sondern denke, dass hier Kreativität gefragt ist. ;-)

Veranstaltungshinweis

Wenn Sie sich für das Thema Fundraising interessieren, dann habe ich noch einen Tipp für Sie. Am kommenden Mittwoch, den 22. November 2017 findet um 9 Uhr der nächste Treffpunkt Kulturmanagement statt. Zu Gast ist Eva Estermann vom Österreichischen Fundraising Verband, die sich mit der Frage beschäftigt, was kleine Kultureinrichtungen tun können, um geeignete Strukturen für erfolgreiches Fundraising zu schaffen.

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos, Sie müssen keine Software installieren, um dabei sein zu können. Es reicht wenn Sie am 22. November 2017 um 9 Uhr über diesen Link https://zoom.us/j/651295114 den Onlineraum betreten. Der #kmtreff wird außerdem via Facebook live gestreamt, Sie finden den Link dann am kommenden Mittwoch auf der Facebookseite des Treffpunkt Kulturmanagement.

Update: Aufzeichnung des Treffpunkt Kulturmanagement

Wer beim Webinar nicht dabei sein konnte, findet hier die Aufzeichnung. Bitte nicht von den technischen Problemen am Anfang irritieren lassen, wir haben das dann ganz gut hinbekommen. ;-)

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Wenn die Reichweite auf Facebook über die Höhe der Förderung entscheidet

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Foto von Jad Limcaco auf Unsplash

Um es kurz zu machen: Es gibt verschiedene Kriterien für die Vergabe von Fördergeldern im Kunst- und Kulturbereich. Oft werden Innovation und die Qualität der Arbeit genannt. Das Problem: Es handelt sich um zwei sehr dehnbare Begriffe. Sehr viel leichter ist es, Auslastungsgrad und/oder Besucherzahlen als Kriterien heranzuziehen.

Was aber ist, wenn Kultureinrichtungen nun auch im virtuellen Raum aktiv werden? Da gab es zum Beispiel vor fast 6 Jahren das Maxim Gorki Theater mit seiner Live-Aufführung der Effi Briest auf Facebook.

Oder das Rijksmuseum, das seine Werke online zur Verfügung stellt und sie darüber hinaus auch zum Download beziehungsweise zur Bearbeitung anbietet. Das heeresgeschichtliche Museum in Wien geht noch einen Schritt weiter und lädt zu eine virtuellen Rundgang durch seine Ausstellungsräume ein.

Ist es da nicht an der Zeit, nicht nur die BesucherInnen vor Ort zu zählen, sondern auch die, die die Online-Angebote nutzen? Gut, nur die Reichweite der Facebook-Seite als ein Kriterium für eine Förderung heranzuziehen, ist vielleicht nicht ganz fair. Eigentlich müsste es die organische Reichweite sein, schließlich habe sonst die großen Kultureinrichtungen einen Wettbewerbsvorteil. Sie können mit bezahlten Postings und Werbeanzeigen arbeiten. Wobei es natürlich auch nicht sinnvoll ist, sich nur auf Facebook zu beschränken. Vielleicht sollten wir besser den Klout-Wert als Maßstab verwenden? Er umfasst die Aktivitäten der diversen sozialen Netzwerke. Und später, wenn wir dann an dem Punkt angekommen sind, an dem auch die Aktivitäten vor Ort in diesen Wert einfließen, können wir dann wirklich einen auf der Basis von Algorithmen erstellten Wert als Gradmesser für die Vergabe von Fördermitteln verwenden, oder?

Wenn Ihr Pulsschlag sich gerade ein wenig erhöht hat und Sie schon überlegen, was für böse Worte Ihr Kommentar enthalten wird, kann ich Sie beruhigen. Ob Facebook-Reichweite oder Klout-Wert, bis jetzt ist das nur eine Fiktion, eine von „95 Thesen zu #theaterimnetz“. Sie kommen von den Kulturfritzen und entstanden während der letzten „Theater & Netz“-Konferenz, organisiert von der Heinrich Böll Stiftung und nachtkritik.de.

Aber: Ist der Gedanke, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Facebookaktivitäten von Kultureinrichtungen sich auf die Fördervergabe auswirken und sich die Höhe der Fördergelder an deren organischer Reichweite auf Facebook orientiert (These 48), so abwegig? Ich denke nicht.

Auch der 50. These kann ich viel abgewinnen:

„Das Programmheft steht nach dem Theaterbesuch als eBook kostenlos zur Verfügung.“

Gut, über das kostenlos lässt sich streiten, denn warum soll ein inhaltlich und auch optisch qualitativ hochwertiges Digitorial kostenlos sein, während wir für die Printversion ohne mit der Wimper zu zucken, das Portemonnaie öffnen? Während wir alte Ausstellungskataloge schon seit längerer Zeit kostenlos downloaden können, zum Beispiel die der Kunsthalle Wien oder des Metropolitan Museum of Art, gibt es das im Theaterbereich anscheinend noch nicht. Zumindest bin ich nicht fündig geworden. Was schade ist, denn ich habe in den letzten Jahrzehnten nicht nur tolle Ausstellungskataloge gesehen, sondern auch wunderbare Programmhefte in den verschiedenen Theaterhäusern. Was passiert mit all diesen alten „Büchern“, in denen das dramaturgische Grundkonzept der jeweiligen Produktion zu finden ist?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, mir gefallen die 95 Thesen. Etliche sollten oder könnten heute eigentlich schon umgesetzt sein, zum Beispiel These 31: „Ein WhatsApp-Service informiert über Restkarten.“ Dieses Angebot kommt mir so selbstverständlich (und auch nützlich) vor, dass ich vermute, dass irgendein Theater diesen Service schon heute anbietet und ich ihn nur nicht entdecken konnte. Oder These 35: „Die Theater-App ersetzt das Ticket-Büro.“ Schon klar, nicht alle kaufen ihre Tickets online, aber die Theater-Apps gibt es ja heute schon. Ich denke, es ist eine Frage der Zeit, wann die ersten Kartenvorverkaufsstellen geschlossen werden, weil sie kaum oder nicht mehr genutzt werden.

Diese hier könnte auch sofort umgesetzt werden (These 40): „Pausengetränke-Vorbestellung jetzt auch als In-App-Kauf möglich.“ Oder diese (These 77): „Blogger gestalten zusammen mit der Dramaturgie das Programmheft als Online-Magazin.“

Natürlich gibt es auch ein paar völlig abwegige Thesen, etwa „Alle Theater entwickeln Social-Media-Guidelines für ihre Mitarbeiter“ (These 66) oder „Jedes Theater hat eine Social-Media-Strategie“ (These 25). 😉 Aber wäre ich ein Theater, dann würde ich mir diese 95 Thesen ganz genau ansehen und überlegen, welche ich umsetzen kann. Womit wir wieder beim Thema Innovation angekommen wären.

Eine These liegt mir aber besonders am Herzen: „Theater als Diskursort erlebt seine Renaissance.“ Sie steht an dritter Stelle dieses Thesenpapiers und das nicht ganz zufällig. Schließlich ging es ja auch bei der Konferenz „Theater & Netz“ Anfang Mai 2017 in Berlin um Filterblasen, Echokammern, Fake News und die Tatsache, dass wir gar nicht mehr miteinander reden können. Wir verlernen es, weil wir alle in unseren Filterblasen leben, in denen Andersdenkende gar nicht vorkommen. Hier kann Theater eine wichtige Rolle übernehmen, nämlich der Ort zu werden, an dem der Diskurs noch möglich ist und gepflegt wird.

Mit diesem Blogbeitrag nehme ich an der Blogparade der Kulturfritzen teil, die dazu aufgerufen hatten, diese Thesen zu diskutieren. Mein Beitrag kommt leider einen Tag zu spät, ich hoffe, Anne und Marc sehen es mir nach. Aber so sehe ich, wer sich daran beteiligt hat und wer nicht. Unter den zehn sehr lesenswerten Beiträgen ist leider keiner von einem Theater dabei. Schade. Aber wir können ja ausmachen, dass jedes Theater eine der Thesen aufgreift und umsetzt. Deal? ;-)

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Facebook macht Gruppen für Facebookseiten möglich

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Foto von geralt auf Pixabay (CC0 Public Domain)

Wir alle wissen, wie schwer es ist, unsere Facebookseite mit Leben zu füllen. Wir bemühen uns Tag für Tag, um mit Hilfe spannender Postings die Fans unserer Seite zu erreichen und sie dazu zu bringen, mit uns zu interagieren. Denn nur so landen wir im Newsfeed unserer Fans. Wer das so nicht schafft, kann sich die Sichtbarkeit erkaufen und mit bezahlten Postings arbeiten.

Oder man arbeitet mit Gruppen. Ich bin schon lange davon überzeugt, dass die Stärke von Facebook vor allem in den Gruppen liegt. Wer mit Communitys arbeiten möchte, findet mit Facebookgruppen ein mittlerweile brauchbares Instrument vor. Erstens lassen sich die Gruppenmitglieder über neue Postings oder neue Kommentare informieren, was bei Seiten nicht der Fall ist. Und zweitens bietet Facebook seit einiger Zeit auch Statistiken und ein paar praktische Tools an (siehe dazu: Thomas Hutter: „Facebook: Neue Tools für Gruppenadministratoren„), mit denen sich gut arbeiten lässt.

Allerdings konnte man diese Gruppen bis jetzt nur mit einem persönlichen Profil nutzen. Wer für ein Unternehmen oder eine Kultureinrichtung so eine Gruppe einrichten wollte, musste dafür das persönliche Profil verwenden. Viele haben das – aus nachvollziehbaren Gründen – nicht getan, weil sie nicht in ihrem Namen eine Gruppe für ihren Arbeitgeber führen wollten.

Seit ein paar Tagen lassen sich nun auch Gruppen über Facebookseiten erstellen oder schon bestehende Gruppen verknüpfen. Ich habe zum Beispiel eine Gruppe mit der stARTconference-Seite verknüpft. Gruppen sind viel dialogorientierter angelegt als die Seiten und lassen sich dementsprechend viel gezielter einsetzen. Ob das nun Freundeskreise sind oder UserInnen, die sich für Hintergrundgeschichten interessieren, der eigenen Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Bands können zum Beispiel Gruppen für ihre verschiedenen Fanclubs einrichten oder ein Theater bietet eine eigene Gruppe für Sponsoren oder UnterstützerInnen des Hauses an, über die sie die für sie interessanten Informationen erhalten. Jetzt heißt es also nachdenken, ich bin gespannt, welche Ideen Kultureinrichtungen haben.