Content Strategy Camp Graz 2019
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Über das #coscamp, eine Blogparade und ein Häferl

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Vorgestern war ich in Graz beim Content Strategy Camp dabei und ich weiß, wenn man nicht sofort darüber schreibt, schreibt man gar nicht. Deshalb habe ich mich gestern schon hingesetzt und zusammengeschrieben, was bei mir vom #coscamp hängengeblieben ist. Wie das bei Barcamps so ist, muss man sich immer zwischen verschiedenen Sessions entscheiden, in diesem Fall waren es immer fünf, die zeitgleich stattfanden. Deshalb ist das hier kein Bericht über das #coscamp, sondern eine höchst subjektive Zusammenfassung der Sessions, die ich erleben durfte.

Wer sich einen Überblick über das #coscamp verschaffen will, sei auf die Dokumentation verwiesen, die das Organisationsteam in einer vermutlich kurzen Nacht erstellt hat (Tausend Dank dafür!!). Und Bilder vom Barcamp gibt es auch, dafür ebenso vielen Dank! Was es mit der Blogparade und dem Häferl auf sich hat, dazu später mehr.

Was ist eine Content Strategy?

Die Frage ist deshalb wichtig, weil sehr viele Menschen die Begriffe Content Strategy und Content Marketing entweder synonym nutzen oder glauben, mit Hilfe der Content Strategy legt man den Ablauf einer Content Marketing-Kampagne fest. Heinz Wittenbrink, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass es in Graz einen der wenigen europäischen Studiengänge gibt, die sich mit Content Strategy beschäftigen, hat auf Twitter zwar die Frage nach einer Definition von Content Strategy gestellt. Eine Antwort hat er aber nicht wirklich bekommen.

Ich habe dann zwar zu früher Stunde per Tweet eine weitere Definition eingebracht, nämlich die von Kevin P. Nichols: „… getting the right content to the right user at the right time“. Aber Sascha Stoltenow meinte, das wäre nur „content logistics“. Gut, den Satz kann man so interpretieren, muss man aber nicht.

Darüber hinaus gibt es aber natürlich noch die Definition von Kristina Halvorson:

Content strategy guides your plans for the creation, delivery and governance oft content.“

Auch ganz hilfreich ist in meinen Augen die Formulierung in dem von Klaus Eck und Doris Eichmeier herausgebrachten Buch „Die Content-Revolution im Unternehmen“ (Affiliate Link). Dort heißt es auf Seite 39:

„Mit einer Content-Strategie wird (.) der Workflow aller Unternehmensinhalte abteilungsübergreifend und dauerhaft gemeistert. Sie ist die Basis der Content-Marketingaktivität.“

Soviel zur Frage, welche Bedeutung der Begriff Content Strategy eigentlich hat…

Zurück zum #coscamp

Los ging es, wie bei Barcamps so üblich, mit einer Vorstellungsrunde. Vorname, 3 Hashtags, das ist alles. Da sich alle an diese Regel hielten und auch niemand von akutem Gedächtnisverlust befallen wurde, war dieser Punkt in kurzer Zeit erledigt. Und das bei gut 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Ebenso schnell wurde dann der Sessionplan erstellt, hier ist er:

cof

Das war dann meine erste Session, an der ich teilnehmen durfte:

Ausgangspunkt ist bei diesem Projekt eine Website, die einen Relaunch benötigt. Die Idee, hier nicht nur einfach die Seite zu erneuern, sondern sich mit Hilfe einer Content Strategy mit der Rolle des Bildungsnetzwerks Steiermark auseinanderzusetzen, ist in meinen Augen sehr klug.

Für mich stellte sich die Frage, ob eine Content Strategy der Komplexität dieser Aufgabe, nämlich als Bildungsnetzwerk Angebot und Nachfrage von Weiterbildung zu matchen, gerecht werden kann. Ich beschäftige mich zur Zeit sehr intensiv mit der Plattformökonomie und den verschiedenen dahinter stehenden Modellen. Wenn ich jetzt also den Relaunch angehe und dafür eine Content Strategy entwickle, muss ich irgendwann auch überlegen, ob ich einfach nur der Mittler bin oder noch andere Aufgaben damit verbinde? Ich kann als Bildungsnetzwerk vor der Aufgabe stehen, den Weiterbildungsanbietern dabei zu helfen, im Rahmen einer Content Strategy die richtigen Inhalte zu entwickeln, um eine größere Nachfrage zu erreichen. Ich kann aber als Bildungswerk auch vor der Aufgabe stehen, den Stellenwert von Weiterbildung insgesamt zu erhöhen. Vielleicht müssen auch alle Aufgaben gleichzeitig erledigt werden? Die Frage ist aber, ob ich darauf Antworten im Rahmen einer Content Strategy finde und wenn ja, wie?

Suchmaschinenoptimierung wird immer wichtiger

SEO war ein großes Thema beim #coscamp, ich fand die Sessions für mich sehr hilfreich. Schwierig ist es, dass viele Expertinnen und Experten unterschiedliche Standpunkte vertreten und sich dadurch Probleme nicht lösen lassen.

Los ging es mit Martin Höllinger und David Reisner:

Konkret stehe ich bei meinem Blog mit seinen mehr als 1.800 Beiträgen vor der Frage, ob ich alte und teilweise überflüssige Beiträge löschen oder aus dem Index herausnehmen soll. Lösche ich den Beitrag, möchte ich verhindern, dass jemand eine 404-Fehlermeldung erhält. Ich kann bewusst eine 410-Fehlermeldung setzen, ich kann aber auch auf einen anderen Beitrag umleiten. Muss man für jeden Beitrag einzeln entscheiden (ich fürchte, darauf läuft es hinaus), gibt es bestimmte Tendenzen oder gibt es einen Punkt, den ich bis jetzt noch gar nicht beachtet habe? An diesem Punkt zum Beispiel bin ich nicht weitergekommen. Aber es gab auch jede Menge guter Tipps, etwa den Hinweis auf die Bedeutung der Google Search Console.

Ja die Kunden…

Melanie Kröpfl zeigte dann in der nächsten Sessionrunde, wie man mit Hilfe von Facebook-Ads Leads gewinnen kann. Ich fand das sehr spannend, weil das Potenzial von Anzeigen auf Facebook sehr groß ist. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich viele Unternehmen, Kultureinrichtungen, etc. schwer tun, organisch die gewünschte Reichweite zu erzielen. Der Vortrag machte aber auch deutlich, dass man, so man auf diese Weise weiterkommen will, schon eher klotzen als kleckern sollte. Sonst lohnt sich der Aufwand nicht.

Danach ging es dann gruppentherapeutisch weiter. Ok, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber in der Session „Pimp your (Online) Marketing“ begannen plötzlich alle darüber zu klagen, dass Kunden nicht verstehen, wie wichtig die diversen Onlinemarketing-Aktivitäten sind und dass Agenturen oft falsche Versprechungen machen.

Irgendwann ging es dann um die Frage, was man denn dagegen machen könne und da wurde es wieder interessant. Der wohl wichtigste Punkt ist Bildung (inklusive Weiterbildung)! Das Rad dreht sich, was die technologischen Entwicklungen angeht, immer schneller. Aber viele Universitäten sind jetzt gerade soweit, dass sie Social Media in die Lehrpläne aufnehmen. Meine Meinung dazu: Entweder ändert sich das recht bald oder die Unis werden den Aufstieg von Onlinekursanbietern wie Udemy, Coursera, etc. erleben und darunter ziemlich leiden.

Und jetzt komme ich zur Blogparade

Aber es macht keinen Sinn, sich nur über die anderen aufzuregen. Ich habe gestern nach Webseiten gesucht, die sich mit dem Thema Content Strategy beschäftigen. Ich habe auch nach Blogs gesucht. Gut, im englischsprachigen Raum findet man da etliche interessante und lesenswerte Blogs. Aber im deutschsprachigen Raum schaut es traurig aus.

Warum gibt es so wenige Blogs, die sich mit Content Strategy beschäftigen? Es wäre so leicht, dieses Thema zu besetzen. Wäre das nicht eine Möglichkeit, Kunden und alle anderen, die sich dafür interessieren, davon zu überzeugen, wie wichtig eine Content Strategy ist?

Katrin Hilger hat vor ein paar Tagen zu einer Blogparade aufgerufen, bei der es um Wertschätzung für Blogs geht. Sie schreibt:

„(.) Blogs sind nachhaltig. auch nach Jahren sind gut verschlagwortete Artikel auffindbar und bleiben relevant. Sie sind nicht so schnell konsumierbar wie ein Foto, das gesehen wird, Like drunter, fertig. Blogs müssen gelesen werden. Aber ihr Angebot, ihre Tipps bleiben auch nachhaltig im Netz.“

Ich glaube, das Thema Content Strategy braucht Blogs und zwar jede Menge Blogs. Wenn ich mir anschaue, wieviele Blogs sich aktuell mit dem Thema SEO beschäftigen, frage ich mich, warum es nicht wenigstens halb so viel Blogs gibt, die sich auf das Thema Content Strategy konzentrieren und es weiter entwickeln. Die darüber schreiben, was das ist, warum es so wichtig ist und wie man das Thema angeht. Vermutlich würde man, wenn man konsequent bloggen würde, ziemlich bald die entsprechende Wertschätzung erfahren und den Aufwand, den man betreibt, direkt oder indirekt monetarisieren können (wohl eher indirekt, vermute ich).

Wertschätzung erhält man, wenn man selbst wertschätzt, was man macht

Ich habe vor 11 Jahren einen Blogbeitrag geschrieben, indem ich der Frage nachgegangen bin, wann man mit einem Blog erfolgreich ist und ob es sich lohnt zu bloggen? Darin habe ich ziemlich genau durchgerechnet, wie groß der finanzielle Aufwand (aus damaliger Sicht) ist und wie sich das rechnen kann. Lohnt es sich finanziell, erfahre ich die entsprechende Wertschätzung, das Problem ist gelöst.

Wie komme ich aber an diesen Punkt, dass ich die (finanzielle) Wertschätzung erfahre? Ich denke, man muss zuerst selbst die eigene Arbeit wertschätzen und entsprechend konsequent am Ball bleiben.

Blogs sind aber auch, und damit komme ich wieder zum #coscamp zurück, wichtig, wenn es darum geht, Barcamps zu dokumentieren. Bei 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern müssten sich nur 10 bis 20% von ihnen an die Barcampregel Nummer zwei halten, die lautet: „You do blog about Barcamp“. So könnte man noch lange und ausgiebig im Netz die Inhalte dieses Barcamps nachlesen und sie auch diskutieren, so die Kommentarfunktion freigeschaltet ist. Kommt es im Kommentarbereich zu Diskussionen, ist das auch eine Art von Wertschätzung, die früher selbstverständlich war, über die sich aber auch heute jede Bloggerin und jeder Blogger freuen werden.

Dann war da noch das Häferl

Ein Häferl ist, für alle, die es nicht wissen, eine Kaffeeschale oder auch einfach nur eine größere Tasse, ein Becher. So ein Häferl wurde von Stefan Evertz als Preis ausgeschrieben. Gewinnen sollte ihn, wer am fleißigsten über das #coscamp twittert. Der glückliche Gewinner war ich, hier ist das gute Stück zu bewundern.

Die Idee mit dem Preis finde ich witzig und ich sage danke dafür! Ich muss aber zugeben, ich hatte einen Startvorteil. Ich habe schon im Zug begonnen zu twittern und der fuhr bereits um 7 Uhr los. Das sind ca. drei Stunden Vorsprung. ;-)

Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, ein eigenes Blog zu starten, fangen Sie einfach damit an. Ein Blog ist schnell eingerichtet und wenn Sie Angst davor haben, bei den ersten Beiträgen Unsinn zu schreiben, stellen Sie die Seite einfach erst mal auf privat. Dann sehen nur Sie, was Sie verfasst haben. Das schreibe ich jetzt aber nicht für all die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lehrgangs in Graz, die wissen sehr genau, was und wie sie über Content Strategy schreiben können. Ich würde es toll finden, wenn da in den nächsten Wochen und Monaten das eine oder andere Blog online geht.

Am Ende dieses Beitrags sage ich danke an all diejenigen, die das Barcamp in Graz organisiert haben. Ich sage danke an Katrin Hilger für die Organisation der Blogparade. Und bei Stefan Evertz habe ich mich schon bedankt. Bleibt nur noch ein allerletzter Punkt: Falls Sie jetzt Lust auf ein Barcamp bekommen haben. Am 2. Juli findet in Wien im Volkskundemuseum das stARTcamp statt.

Am 2. Juli findet im Volkskundemuseum Wien das #scvie19 statt
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Save the Date! #scvie19 am 2. Juli im Volkskundemuseum Wien

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Im letzten Jahr haben wir das stARTcamp Wien erst sehr spät angekündigt, heuer geht das alles etwas schneller. Anne Aschenbrenner und ich freuen uns über die Einladung des Volkskundemuseums und so geht am 2. Juli dort das #scvie19 über die Bühne. Ich persönlich freue mich auf das bereits sechste stARTcamp hier in Wien und bin sehr dankbar, dass sich mit dem Volkskundemuseum wieder eine Kultureinrichtung gefunden hat, die uns dabei unterstützt, indem sie uns ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Herzlichen Dank dafür!

So wie im letzten Jahr soll es wieder ein stARTcamp im klassischen Barcamp-Format geben, allerdings mit einer Einschränkung: Wir möchten gerne ein paar Expertinnen und Experten einladen, die sich mit dem Thema „digital gap“ beschäftigen, das wir dem #scvie19 als Motto voranstellen.

Digital Gap: Eine digitale Kluft gibt es in vielen Bereichen

Laut Wikipedia beschreibt dieser Begriff

„Unterschiede im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere dem Internet“.

Anne und ich sehen diese digitale Kluft in ganz verschiedenen Bereichen. Es gibt zum Beispiel gesellschaftliche Veränderungen, die durch neue Technologien angestoßen werden. In vielen Bereichen unseres täglichen Lebens werden mehr und mehr digitale Prozesse eingeführt. Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die verschiedenen Bereiche in unserer Gesellschaft, was bedeutet das zum Beispiel für die gesellschaftliche Teilhabe (siehe dazu die Cap Gemini-Studie Gesellschaft 5.0 – Implikationen der Digitalisierung)?

Digital Gaps tauchen aber auch im Kulturbereich auf, wenn man etwa das Potenzial bestimmter technologischer Entwicklungen betrachtet und dann eine recht große Diskrepanz zwischen Wunschdenken und Wirklichkeit konstatieren muss. Eine – meist sehr große – digitale Kluft gibt es oft auch zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kultureinrichtungen. Einige kennen sich sehr gut aus, gelten aber eher als Exoten, während die Mehrheit oft froh ist, sich nicht mit digitalen Themen und Entwicklungen auseinandersetzen zu müssen.

Was bedeutet die Digitalisierung für das Verhältnis Kultureinrichtung – Publikum?

Oft ging es in der Vergangenheit bei den stARTcamps um die Frage, wie die technologischen Entwicklungen die Kommunikation zwischen Kulturbetrieb und Publikum beeinflussen. Auch beim #scvie19 werden wir natürlich dieser Frage nachgehen. Dabei sollte es aber nicht nur um Tipps und Tricks für die Nutzung sozialer Netzwerke gehen. Zu überlegen ist auch, was die Digitalisierung im Hinblick auf die Arbeitsplätze für eine Bedeutung hat. Wie groß ist die Gefahr, dass Arbeitsplätze auch im Kulturbereich verschwinden und wie gehen wir als Gesellschaft mit dem Wegfall vieler Arbeitsplätze um? Ist das bedingungslose Grundeinkommen eine Lösung, wenn nicht mehr genügend bezahlte Arbeitsplätze zur Verfügung stehen?

Kultureinrichtungen müssen sich aber auch fragen, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Kommunikation mit dem Publikum hat. Was ist mit den Menschen, die keine Emailadresse haben, nicht in sozialen Netzwerken vertreten sind, ja, nicht einmal einen Computer besitzen? Verschicken wir weiter per Post Programmhinweise und Einladungen, obwohl die Kosten dafür relativ hoch sind? Oder sind uns die „Nicht-Besucher“ wichtiger, die wir mit Hilfe digitaler Formate zu „ködern“ versuchen?

Dies sind nur ein paar Fragen, um die es beim #scvie19 im Volkskundemuseum gehen kann. „Kann“ deshalb, weil Anne und ich ja nur das Thema vorgeben können (und wollen), der Rest kommt von Ihnen. Wenn Sie sich jetzt fragen, was ich damit meine und noch nie bei einem Barcamp bzw. einem stARTcamp dabeigewesen sind, dann empfehle ich Ihnen einen Blogbeitrag aus dem letzten Jahr, in dem ich versucht habe, die Frage, was ein stARTcamp ist, zu beantworten.

Die wichtigsten Infos zum #scvie19 in aller Kürze

Hier noch einmal die wichtigsten Infos zum stARTcamp Wien

  • Wann? Am 2. Juli 2019
  • Wo? Im Volkskundemuseum Wien (Laudongasse 15–19, 1080 Wien)
  • Wie kommt man hin? Mit den Straßenbahnen 5, 43 und 44.
  • Wann geht es los? 9 Uhr
  • Wann hören wir auf? 17:30
  • Wann und wo gibt es Tickets? Der Ticketverkauf beginnt in Kürze, wir kommunizieren das dann hier im Blog und über unsere Social Media-Kanäle, insbesondere über den Twitter-Account des stARTcamp Wien. Kaufen können Sie die Tickets dann wieder über die Plattform Eventbrite. Eine Rechnung erhalten Sie wie auch in den Vorjahren automatisch beim Ticketkauf.
  • Was kostet das Ticket? Wir gehen davon aus, dass das Ticket wieder 35 Euro kostet, damit bezahlen wir das Catering an diesem Tag. Die Räumlichkeiten stellt uns netterweise das Volkskundemuseum zur Verfügung.
Die soziale Lage der Kunstschaffenden und Kunstund Kulturvermittler/innen in Österreich (2018)
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Die soziale Lage der Kunstschaffenden in Österreich (2018)

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Als 2008 der Rohbericht einer Studie veröffentlicht wurde, der die soziale Lebenssituation im österreichischen Kunst- und Kulturbereich analysierte, konstatierte ich: Die soziale Lage der KünstlerInnen in Österreich ist beschämend (Kurzfassung und Endbericht finden Sie in meinem Blogbeitrag Eine Studie beschreibt die soziale Lage der österreichischen KünstlerInnen). Zehn Jahre später ist ein Update erschienen, um die Frage zu beantworten, wie die Rahmenbedingungen im Kunst- und Kulturbereich denn heute aussehen. Endbericht und Kurzfassung der Studie über die „Soziale Lage der Kunstschaffenden und Kunst- und Kulturvermittlerinnen und -vermittler in Österreich 2018“ stehen auf der Website des Bundeskanzleramts zum Download zur Verfügung.

Die (soziale) Lage vieler Kunstschaffender ist unverändert ernst

Vorweg: Ich bin wirklich froh und dankbar, dass es diese beiden Studien aus den Jahren 2008 und 2018 gibt. Sie liefern jede Menge Datenmaterial und bringen etliche interessante Ergebnisse hervor. Man könnte jetzt etwas flapsig konstatieren: Viel geändert hat sich nicht. Statistisch gesehen geht es nämlich denen, die heute im Kunst- und Kulturbereich arbeiten, im Vergleich zu 2008 weder signifikant schlechter noch besser. Das heißt aber auch:

„Der Anteil einkommensschwacher Personen ist im Vergleich zur Gesamtbevölkerung mehr oder minder konstant geblieben und markiert damit wie bereits 2008 einen deutlich unterdurchschnittlichen Lebensstandard relativ vieler Kunstschaffender in Österreich.“

Petra Wetzel, Lisa Danzer, Veronika Ratzenböck, Anja Lungstraß, Günther Landsteiner: „Soziale Lage der Kunstschaffenden und Kunst- und Kulturvermittler/innen in Österreich 2018“ (Kurzfassung, Seite 9)

Wer arbeitet eigentlich im Kunst- und Kulturbereich?

Wer sind denn nun diese Kunst- bzw. Kulturschaffenden? Die Auswertung der insgesamt 1.757 Fragebögen zeigt ein recht interessantes Bild. Das Geschlechterverhältnis ist, wenn man den gesamten Kunst- und Kulturbereich betrachtet, fast ausgeglichen (Frauen 51%, Männer 48%, Inter/divers 1%). Allerdings gibt es zwischen den Kunstsparten recht große Unterschiede. Während Frauen die Bereiche Bildende und Darstellende Kunst mit 57,8% bzw. 58,2% dominieren, sind es in den Bereichen Film und Musik (50,8% und 67%) die Männer. Ganz eindeutig ist das Geschlechterverhältnis in der Kunst- und Kulturvermittlung: zwei Frauen stehen dort jeweils einem Mann gegenüber.

Wo finden Kunst und Kultur hauptsächlich statt? Schaut man sich an, welches die Wohnbundesländer der Antwortenden sind, dann steht da – nicht überraschend – an erster Stelle Wien (56,8%), gefolgt von Nieder- (10%) und Oberösterreich (9,5%). Zwei Drittel derer, die in Wien leben, sind nicht dort geboren. Das heißt, für viele Kunstschaffende ist Wien so attraktiv, dass sie irgendwann im Laufe der Ausbildung oder ihrer Karriere in die Bundeshauptstadt ziehen.

Insgesamt gesehen zeichnet sich der Kunst- und Kulturbereich nicht durch große Internationalität aus. 83,6% der Kunstschaffenden besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft, 14% sind EU-Bürger und nur 2,4% besitzen einen Pass aus anderen Teilen der Welt. Dass von den EU-Bürgern 54,3% Deutschland als Geburtsland angegeben haben (auf den weiteren Plätzen folgen die Schweiz (5%) und Frankreich (3,7%)), passt in dieses Bild. Nichtsdestotrotz gaben mehr als 80% der Befragten an, über internationale Erfahrungen zu verfügen.

Zwei Dinge fallen noch auf: Erstens lebt knapp die Hälfte der Kunstschaffenden und VermittlerInnen ohne Partner oder Kinder. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind sie somit häufiger alleine. Zweitens verfügen 58% der Befragten über einen akademischen Abschluss und weisen damit ein höheres Ausbildungsniveau auf als die Gesamtbevölkerung.

Die wenigsten sind nur rein künstlerisch tätig

Die wenigsten Kunstschaffenden konnten 2008 von ihrer künstlerischen Tätigkeit leben. Es überrascht wohl niemanden, dass das auch 2018 so ist. Dementsprechend haben viele noch einen anderen Job. 70% der Befragten gaben an, noch eine kunstnahe oder kunstferne Tätigkeit auszuüben. Im Musikbereich sind es meist kunstnahe Beschäftigungen, vermutlich, weil viele Musikerinnen und Musiker in Musikschulen oder privat Unterricht geben. Im Literaturbereich hingegen finden nur wenige eine kunstnahe Tätigkeit, was wohl daran liegt, dass es diese kunstnahen Jobs einfach nicht gibt.

Wer künstlerisch tätig ist, macht das meist als Selbständige oder Selbständiger. Während im Bereich der Darstellenden Kunst nur 50% angaben, ausschließlich auf selbständiger Basis künstlerisch tätig zu sein, waren es in der Literatursparte 94%. In der Kunst- und Kulturvermittlung waren nur 42% der Befragten ausschließlich selbständig. Leider fehlen hier die Vergleichszahlen von 2008, aber vermutlich nimmt die Zahl derer, die hier in einem fixen Beschäftigungsverhältnis stehen, langsam, aber sicher zu. Ein Drittel gab an, ausschließlich unselbständig tätig zu sein.

Von der künstlerischen Tätigkeit kann kaum jemand leben

Ich hatte ja schon geschrieben, dass auch aktuell (die Daten wurden 2017 erhoben) nur die wenigsten Künstlerinnen und Künstler von ihrer künstlerischen Tätigkeit leben können. Die Hälfte der Befragten gab an, dass das daraus erzielte Einkommen bei ihnen unter 5.000 Euro netto liegt. Vor allem in den Bereichen Bildende Kunst (Medianwert: 3.500 Euro) und Literatur (Medianwert: 3.700 Euro) sieht es schlecht aus, während in der Filmsparte immerhin im Mittel 10.000 Euro pro Jahr verdient werden. Auf ähnliche Beträge wie in der Filmbranche kommen die Kunstvermittler und -vermittlerinnen, zeigt die Studie.

Da viele der Kunstschaffenden neben ihrer künstlerischen auch noch kunstnahe und/oder kunstferne Tätigkeiten ausüben, ist das persönliche Einkommen entsprechend höher. Bezieht man alle Tätigkeiten ein, liegt das persönliche Netto-Jahreseinkommen im Schnitt bei 14.000 Euro. Am niedrigsten ist das Einkommen mit 11.000 Euro im Bereich der Bildenden Kunst, während die in der Filmsparte und der Kunstvermittlung Tätigen durchschnittlich 17.000 Euro erreichen.

Interessant ist es, die Einkommenssituation im Kunst- und Kulturbereich mit der Gesamteinkommenssituation in Österreich zu vergleichen. Bei denen, die nur selbständig arbeiten, zeigen sich kaum Unterschiede zwischen den Kunstschaffenden und der Gesamtheit der Selbständigen. Die Einkommen der ausschließlich unselbständig Tätigen liegen bei den Kunstschaffenden rund 10% unter den Zahlen für die unselbständig Beschäftigten in Österreich. Auffällig ist, dass es aber große Unterschiede bei denen gibt, die sowohl selbständig als auch unselbständig arbeiten.

Während diese „Mischfälle“, wie sie in der Studie genannt werden, laut Einkommensjahresbericht 2016 über ein mittleres Jahresnettoeinkommen von rund 26.000 Euro verfügen, sind es bei den Kunstschaffenden nur 17.500 Euro. Bei dieser Diskrepanz der Zahlen muss man aber berücksichtigen, dass sie aus unterschiedlichen Jahren stammen. Der Jahreseinkommensbericht weist Zahlen aus dem Jahr 2015 aus, bei den Kunstschaffenden sind das Zahlen von 2017. Nichtsdestotrotz klafft da wohl eine Lücke, deren Ursache unbekannt ist.

Was hat sich in den letzten zehn Jahren verändert?

Die Ergebnisse zeigen, so heißt es in der Studie, dass sich in den letzten zehn Jahren keine großen Veränderungen ergeben haben. Was damals wie heute auffällt: Nur eine Minderheit der Kunstschaffenden ist ausschließlich künstlerisch tätig. Aber so lautet eine der Schlussfolgerungen dieser Studie:

Markant bleibt ein Auseinanderdriften von ideellem Arbeitsschwerpunkt, welcher für die Mehrheit der Befragten in der Kunst liegt, und finanziellem Schwerpunkt, der oft in anderen kunstnahen oder kunstfernen Tätigkeitsfeldern verortet ist. Diese Kombination von unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern ist – heute wie vor zehn Jahren – die Realität im Arbeitsalltag vieler Kunstschaffender. Damit verbunden ist die Betroffenheit durch Mehrfachbeschäftigungen, im Sinne der Kombination von unselbstständigen und/oder selbstständigen Beschäftigungsverhältnissen im Verlauf eines Jahres, an welche sich eine durchaus komplexe sozialversicherungsrechtliche Situation mit häufig negativen Folgen für die soziale Absicherung anschließen kann.

Petra Wetzel, Lisa Danzer, Veronika Ratzenböck, Anja Lungstraß, Günther Landsteiner: „Soziale Lage der Kunstschaffenden und Kunst- und Kulturvermittler/innen in Österreich 2018“ (Endbericht, Seite 115)

Handlungsbedarf sehen die Autoren und Autorinnen unter anderem in folgenden Bereichen:

  • Soziale Absicherung: Hier stellt sich die Frage, so heißt es in der Studie, wo man ansetzen möchte. Entweder versucht man das bestehende System zu optimieren. Oder man ändert die „Sozialversicherungsarchitektur“.
  • Finanzielle Ressourcenausstattung: Wir können nicht davon ausgehen, so die Studie, dass öffentliche Förderungen die finanziellen Probleme der Kunstschaffenden lösen werden. Auch die private Finanzierung von Kunst und Kultur, zum Beispiel Crowdfunding oder Sponsoring, wird kaum in der Lage sein, die benötigten finanziellen Mittel bereitzustellen. Meiner Meinung nach kann einer der Lösungsansätze im Blick über den Tellerrand bestehen. Förderungen aus kunstfernen Bereichen und Kooperationen mit Unternehmen sind sicher nicht für alle, aber vielleicht für einige Kultureinrichtungen eine Lösung.
  • Arbeitsmarktpolitik: Wenn Menschen permanent zwischen selbst- und unselbständiger Tätigkeit wechseln, dann stimmt die Definition von Arbeitslosigkeit einfach nicht mehr. Interessant wäre es, die Weiterbildungsangebote nicht im Hinblick auf die Vermittlung in den Arbeitsmarkt zu sehen, sondern im Hinblick auf zukünftige Projekte. Nicht ohne Grund erkennt die Studie Handlungsbedarf in Sachen Aus- und Weiterbildung.

Fazit

Die beiden 2008 und 2018 durchgeführten Untersuchungen machen deutlich, wo die Probleme im Kunst- und Kulturbereich liegen. Sie zeigen aber auch, dass sich in diesen zehn Jahren nicht viel geändert hat, Kunstschaffende stehen immer noch vor den gleichen Herausforderungen wie vor zehn Jahren.

Und trotzdem hat sich in diesem Zeitraum viel getan, oft sind es nur Kleinigkeiten. Aber der Kunst- und Kulturbereich ist ein hochkomplexer Raum, in dem wir Zusammenhänge oft gar nicht erkennen. Deshalb sollte es eigentlich noch viel mehr Studien geben, die einerseits Datenmaterial über längere Zeiträume zur Verfügung stellen. Andererseits wären aber auch Studien hilfreich, die noch viel mehr in die Tiefe gehen und sich mit den Details beschäftigen. Ich schaue oft etwas neidisch in Richtung USA, denn dort gibt es jede Menge Studien und viel mehr Datenmaterial. Datenmaterial, das die Grundlage bildet, um – hoffentlich – prekäre Arbeitsverhältnisse im Kulturbereich zu verhindern.

Titelbild: analogicus (Pixabay)

Digitalisierung kleine museen tagung oberhausmuseum veste oberhaus
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Digitalisierung und kleine Museen: Nichts bleibt, wie es ist.

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Mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen sich Kultureinrichtungen ja eigentlich schon länger. Die Museen digitalisieren seit vielen Jahren ihre Objekte. In sämtlichen Kunstsparten nutzt man die sozialen Medien für die Kommunikation und viele Arbeitsprozesse laufen digital und automatisiert ab. So hat zum Beispiel Anita Brunner-Irujo, Digitalexpertin beim Universalmuseum Joanneum im Rahmen des Treffpunkt Kulturmanagement recht schön gezeigt, wie man mit Hilfe von Marketing-Automatisierung die Zahl der verkauften Jahreskarte um ein Vielfaches erhöhen kann (hier finden Sie die Aufzeichnung).

Digitalisierung bedeutet, dass analoge Inhalte oder Prozesse in eine digitale Form gebracht werden. Die daraus gewonnenen Daten lassen sich verarbeiten und sind häufig der Auslöser für innovative Entwicklungen. Mit den technologischen Entwicklungen ergeben sich natürlich immer wieder neue Chancen auf Veränderung und das praktisch in sämtlichen Bereichen unseres Lebens. All das mit einer Dynamik, die viele Menschen verängstigt, andere überfordert. So ist es kein Wunder, dass die Digitalisierung oft eher als Bedrohung, denn als Chance gesehen wird.

Wir sollten die Digitalisierung als Chance betrachten

Ich fürchte, das ist oft der Ausgangspunkt, wenn wir über die Digitalisierung im Kunst- und Kulturbereich sprechen. Umso wichtiger ist es, dass es solche Veranstaltungen gibt, wie sie Christian Gries von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern Mitte November organisiert hat. Gastgeber der Tagung „Kultur digital vermitteln“ waren die Stadt Passau und das Oberhausmuseum. Hoch oben thront es in der Burganlage der Veste Oberhaus über der Stadt. In einer Burganlage über Digitalisierung zu sprechen und zu diskutieren, das hat was, finde ich. Leider war die Zeit zu knapp, um mich im Museum umzuschauen.

Fangen wir mit einem schönen Beispiel an, wie sich Kultur digital vermitteln lässt. Philipp Grammes, Digitalchef des Radiosenders Bayern 2, stellte „Ich, Eisner!“ vor, ein Messengerprojekt, dem man auf WhatsApp folgen kann. Das Ergebnis ist spannend! Wer sich darauf einlässt, erhält Nachrichten von Kurt Eisner, 1918 Anführer der Revolution und Bayerns erster Ministerpräsident. Er erzählt, was er vor genau 100 Jahren erlebt hat, Storytelling par excellence! Nun könnte man den Museen zurufen: Seht her, so funktioniert das mit der Digitalisierung! Aber ein Museum lässt sich nicht mit einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt vergleichen. Bleibt die Frage: Was können die kleinen und mittelgroßen Museen, um die es in Passau ging, nun eigentlich tun? Wie sollen sie den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen?

Christian Gries, der sich seit drei Jahren für die Landesstelle der nichtstaatlichen Museen in Bayern mit digitalen Strategien für Museen beschäftigt, machte in seiner Keynote (hier finden Sie die Folien zu seinem Vortrag „Chancen und Strategien für kleine und mittelgroße Kultureinrichtungen„) deutlich, vor welchen Herausforderungen die Häuser stehen. Es gilt, sich in jenen digitalen Räumen zurechtzufinden, in denen man keine Kontrolle ausüben kann und die darüber hinaus von den UserInnen (mit)-gestaltet werden.

So überrascht es nicht, dass 2017 immerhin schon 95 Prozent der nichtstaatlichen Museen in Bayern eine Website hatten, aber nur 59 Prozent eine Facebookseite betrieben. Immerhin 7,2 Prozent hatten einen Twitteraccount und 5 Prozent waren auf Instagram aktiv. Aber immer mehr Museen merken, dass sie sich dem technologischen Wandel nicht entziehen können. Die daraus resultierenden Veränderungen haben Auswirkungen auf das Verhältnis der Kultureinrichtungen zu ihren BesucherInnen bzw. Nutzerinnen.

Digitalisierung mit Hilfe des Reifegradmodells

Christian Gries hat in seinem Vortrag sehr gut herausgearbeitet, dass es an der Zeit ist, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Mit seinem im Oberhausmuseum vorgestellten Reifegradmodell gibt er den Häusern zugleich eine Anleitung, wie sie das Thema Digitalisierung angehen können. Gut gefällt mir dabei die Unterscheidung zwischen Pflicht und Kür. 

Christian Gries: Reifegradmodell Schritt 1 und 2 (Digitale Strategien)

Bei den ersten beiden hier abgebildeten Schritten des Reifegradmodells handelt es sich nach Ansicht von Christian Gries um das Pflichtprogramm. Am Ende hat das Museum eine funktionierende Website und ist in der Lage, die Seite zu analysieren (neben Google Analytics gibt es noch etliche Alternativen). Außerdem ist es in den sozialen Netzwerken aktiv und setzt dabei nicht auf Werbung, sondern auf Austausch und Vernetzung mit interessierten NutzerInnen.

Sehr viel schwieriger ist dann das, was Gries als „individuelle Wachstumsdimensionen“ bezeichnet. Eine funktionierende Website und eine Präsenz in den zumindest wichtigsten sozialen Netzwerken sind heute Standard. Aber immer mehr Kultureinrichtungen wollen an diesem Punkt nicht stehen bleiben und sich weiterentwickeln. Für sie sind die Schritte 3 und 4 seines Reifegradmodells gedacht, die Kür, wie er in seinem Vortrag meinte:

Christian Gries: Reifegradmodell Schritt 3 und 4 (Digitale Strategien)

Die Grundidee ist es, nicht nur einfach digital präsent zu sein, sondern das digitale Angebot weiter zu entwickeln. Welche Richtung ein Museum dabei einschlägt, hängt einerseits von der Ausrichtung des Hauses ab. Andererseits aber natürlich auch von den Zielen, die man mit digitaler Hilfe zu erreichen beabsichtigt.

Auf dem Weg zum digitalen Kulturbetrieb

Unabhängig davon, auf welcher Stufe dieses Modells sich eine Kultureinrichtung gerade befindet: Es geht dabei nicht nur um die Frage, über welche Kanäle man welche Geschichten erzählt, sondern auch um Prozesse, Strukturen und Strategien. Denn nur so wird aus dem Haus ein digitaler Kulturbetrieb

In meinem Vortrag habe ich versucht, diesen Aspekt zu beleuchten. Mir ist es nicht so wichtig, Kultureinrichtungen dabei zu unterstützen, möglichst rasch eine neue Technologie einzuführen, sondern Veränderungen anzustoßen, die nachhaltig sind. „Digitales Miteinander: Über digitale Strategien und strategische Partnerschaften“ lautete der Titel, mit dessen Hilfe ich versucht habe, meine Gedanken zu strukturieren.

Warum brauchen Kultureinrichtungen überhaupt ein digitales Miteinander? Eigentlich ist die Frage falsch gestellt. Müsste es nicht eher heißen: Warum brauchen sie überhaupt ein Miteinander? Ich denke, die Frage lässt sich aus der Praxis heraus leicht erklären. Kultureinrichtungen kooperieren beispielsweise, um sich gegenseitig Arbeit abzunehmen und darüber hinaus Geld zu sparen. Oder sie kooperieren mit Unternehmen, weil sie voneinander profitieren können. Ein Miteinander kann für Kultureinrichtungen sinnvoll sein mit:

  • den MitarbeiterInnen bzw. dem Team
  • potenziellen Geldgebern wie Förderstellen oder Sponsoren
  • dem Publikum
  • der Gesellschaft
  • anderen Kultureinrichtungen, oder 
  • Organisationen oder Unternehmen aus anderen Bereichen /Branchen

Komplexität auf Problem- und Lösungsebene

Sie kennen sicherlich viele Beispiele, in denen ein Miteinander wichtig ist. Vermutlich werden Sie dabei oft digitale Tools oder soziale Netzwerke nutzen, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Oft sind es dann mehrere Partner, mit denen man kooperiert oder kommuniziert, zum Beispiel im Rahmen von EU-Projekten. Ganz gut gefällt mir in diesem Zusammenhang, was der 2015 verstorbene Professor Peter Kruse in einem Gespräch über Kreativität gesagt hat:

Komplexität und Vernetzung

Oder anders formuliert: Je komplexer die Probleme sind, desto größer muss der Grad an Komplexität auf der Lösungsebene sein. Das bedeutet, es ist unabdingbar, dass Kultureinrichtungen sich vernetzen, das (digitale) Miteinander ist da ein wichtiger Baustein, denn gerade unsere Art zu kommunizieren hat sich durch die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre gewaltig verändert.

Wie gehen Kultureinrichtungen mit all diesen neuen Technologien und Tools um? Wie sieht ihr digitaler Transformationsprozess aus? Transformation bedeutet Veränderung, das hat ja auch Christian Gries in seinem Vortrag deutlich gemacht und für diese Prozesse sein Reifegradmodell entwickelt.

Die drei Stufen der Veränderung

Zwei Punkte gilt es in diesem Zusammenhang zu beachten. Erstens stellt sich die Frage, ob so ein linear angelegtes Modell in Zeiten schneller Veränderungen funktionieren kann. Zweitens sollten wir uns genauer anschauen, wie die durch die Digitalisierung verursachten Veränderungen eigentlich aussehen. Allan Kelly beschreibt sie als iterativen Prozess, der kurz gefasst so aussieht (hier sind die Folien seines Vortrags „Agile, Digital & the New Business Paradigm“, der Vortrag selbst ist auf YouTube als Video zu finden):

  1. „Do the same things faster
  2. Adopt new processes to increase benefit
  3. Innovation from process change (and repeat)

Dieser Kreislauf kann in den verschiedensten Bereichen zur Anwendung kommen. Ob Fundraising, Marketing oder Management. Überall, wo Sie prozesshaft arbeiten, können neue technologische Entwicklungen Änderungen bewirken. Die drei Schritte habe ich für den Vortrag so beschrieben:

Intern zum Beispiel wird in vielen Kultureinrichtungen per Email kommuniziert. Dieses digitale Miteinander ließe sich beschleunigen, in dem ich das Aufgabenmanagement in die Mailbox integriere. Für mich selbst nutze ich ActiveInbox, ein kleines Programm, das noch viel mehr kann als Emails in Aufgaben umzuwandeln. In der Zusammenarbeit mit anderen verwende ich Asana, das die meisten von Ihnen vermutlich kennen.

Im nächsten Schritt führe ich ganz neue Prozesse ein. Mit Hilfe von Plattformen wie Slack oder Yammer stelle ich meine Kommunikation vom Push-Prinzip auf Pull um. Auf der dritten Stufe kommt dann zum Beispiel die Künstliche Intelligenz ins Spiel, wir lassen Avatare oder holistische Projektionen im virtuellen Raum für uns kommunizieren und arbeiten. 

Konsequent weitergedacht agieren die Programme dann irgendwann so eigenständig, dass wir überflüssig werden. Das ist für uns selbst eher nicht erstrebenswert, weil es uns den Job kostet. Für den Betrieb natürlich schon. So ließen sich Kosten sparen und die Produktivität erhöhen.

Strategisches Planen ist Zeitverschwendung

Die Frage ist, ob ich solch iterative Prozesse planen kann? Ich glaube nicht, denn zugegeben, mit meinem dritten Schritt, der Künstlichen Intelligenz habe ich schon zu spekulieren begonnen. Ob die Zukunft so oder ganz anders aussieht, kann ich heute nicht sagen.

Deshalb plädiere ich dafür, Strategie ganz anders zu verstehen wie wir das derzeit machen. Im Augenblick steht die Strategie meist für einen Plan, der über die nächsten zwei Wochen hinaus geht. Oft ist es mehrPlan als Strategie. Das ist auch völlig in Ordnung so, ein Plan kann einem eine wertvolle Hilfe sein. Aber wie sieht ein Plan aus für etwas, das ich noch nicht kenne? Wie plane ich mit Technologien, die es heute noch gar nicht gibt?

In einem Artikel für die deutsche Ausgabe der Huffington Post bezeichnet der Unternehmensberater Guido Bosbach strategische Planung als Zeitverschwendung. Seiner Ansicht nach eignet sich dieser Ansatz für lineare Entwicklungsprozesse, nicht aber den komplexen Herausforderungen, denen wir immer häufiger begegnen. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns keine Gedanken über die Zukunft machen sollen.

Lösungsräume schaffen statt Prozesse planen

Aber: Grundsätzlich gebe es keinen planbaren Weg durch die Ungewissheit, vielmehr sei es notwendig, die strategische Zielrichtung zu identifizieren, schreibt Bosbach. Die Idee, statt eines (strategischen) Plans für die nächsten Monate einen „multidimensionalen Lösungsraum“ zu schaffen, gefällt mir sehr gut. Er erinnert mich einerseits an den sozialen Raum, der sich durch die ihm innewohnende soziale Dynamik manifestiert (mehr dazu im Beitrag XPress: der digitale Erlebnisraum Rhein-Neckar).  

Andererseits habe ich schon vor zehn Jahren in meinem Beitrag „Der Leader als sozialer Architekt“ aus dem Buch „The Answer to How Is Yes“ (Affiliate Link) zitiert, in dem Peter Block schreibt:

„The social architect’s task is to create the space for people to act on what matters to them.“

Wie kann dieser Raum aussehen? In seinem Blogpost „Five spaces that the organizational leader needs to design and nurture“ beschreibt Leandro Herrero die Räume, die gestaltet werden müssen. Nötig ist zum Beispiel ein Raum, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich artikulieren, sich einbringen können. Da geht es vordergründig um Tools. Aber es braucht natürlich auch Prozesse, um deren Wissen, Meinungen aber auch Fragen wirklich nutzen zu können.

In jedem Unternehmen, jedem Kulturbetrieb gibt es so etwas wie eine informelle Organisation. Dazu gehört etwa die Teeküche, in der sich alle in der Pause treffen. Wie oft werden dort wichtige Themen angesprochen, Dinge abgeklärt und Probleme gelöst? Notwendig sind aber auch Räume, in die man sich zurückziehen kann, um nachzudenken oder sich eine Meinung zu bilden.

Ein Raum für Experimente

Wichtig ist es aber auch, Dinge auszuprobieren. Kultureinrichtungen brauchen nicht nur auf der Bühne Platz für Experimente, sondern auch dahinter. Wenn der Chef immer nur nach der perfekten Idee verlangt, wird dort selten jemand auftauchen. Wenn überhaupt! Da ist ein Raum, in dem alle experimentieren dürfen, genau das richtige. Ach ja, und einen Raum, in dem es um die persönliche Entwicklung geht, sollte es natürlich auch geben. Die Frage, welche Perspektiven ich als Mitarbeiter habe, muss viel häufiger gestellt und beantwortet werden.

Wäre es nicht schön, einen solchen Raum zu haben? Wie aber schaffen wir so einen Raum? Kehren wir wieder zurück zu Guido Bosbach. In seinem Artikel beschreibt er vier Grundfertigkeiten, derer es bedarf:

  1. Kompetenzwissen„, das heißt, „die vorhandenen Fähigkeiten, Potenziale, Erfahrungen und das vorhandene Wissen (werden) bewusst erkannt und aktiviert“.
  2. Dynamische Fähigkeiten„, die einen in die Lage versetzen, auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren und sich entsprechend darauf einzustellen.
  3. Reflexionsbereitschaft„, um „neue ’strategische‘ Optionen schnell zu erfassen, zu analysieren und zu reflektieren“.
  4. Entscheidungsbewusstheit„, was einerseits bedeutet, rasch zu entscheiden. Andererseits geht damit aber auch die Fähigkeit einher, die Entscheidungen auf der Metaebene zu reflektieren und gegebenenfalls zu hinterfragen.

Dieser multidimensionale Lösungsraum muss dann mit den entsprechenden Tools und Methoden ausgestattet werden, er muss eingerichtet werden. Hier reden wir über Agilität, Design Thinking und all die Instrumente, die uns helfen, in diesem Raum Probleme zu lösen oder Ideen zu entwickeln. Diesen Raum mit den richtigen Instrumenten auszustatten, um bereit zu sein für die Zukunft, das bedeutet für mich, eine Strategie zu entwickeln.

Der digitale Kulturbetrieb beschäftigt sich nicht nur mit der Frage, wie das Marketing der Zukunft aussieht, sondern mit dem gesamten Ökosystem, in dem die Arbeit beispielsweise eines Museums stattfindet. Es gilt, dieses Ökosystem zu entwickeln. Der Dreidimensionalität dieses Raumes kann aber ein linearer, zweidimensionaler Plan nie gerecht werden.

Es macht keinen Sinn, Kultureinrichtungen Leitfäden oder Checklisten in die Hand zu drücken und darauf zu hoffen, sie fit für die Zukunft zu machen. Ich kann ihnen aber dabei helfen, ihren Lösungsraum einzurichten, damit sie selbst ihre Zukunft gestalten können. Die ist zwar bei jeder Kultureinrichtung vermutlich digital. Aber sie sieht für jedes Museum, Theater oder Konzerthaus anders aus. Während die einen größere Lösungsräume benötigen, reicht den anderen ein kleiner Raum. So kann jeder Kulturbetrieb auch sein eigenes Tempo festlegen.

PS: Meine Folien über das digitale Miteinander finden Sie auf Slideshare.

Titelbild: ommes (Pixabay)

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Jetzt wird es eng für unsere Facebookseiten (Update 12.09.2018)

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Sicherlich erinnern Sie sich noch an das vor drei Monaten veröffentlichte Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EUGH), in dem es um die Frage ging, wer für die Datensicherheit der UserInnen verantwortlich ist, wenn sie auf Facebook eine Seite besuchen (hier können Sie das Urteil des EUGH nachlesen).

Die Richter kamen zu dem Ergebnis, dass wir als SeitenbetreiberInnen für mögliche Datenschutzverstöße von Facebook mithaften. Viele sahen – zumindest in Europa – das Ende des sozialen Netzwerks gekommen, etliche schlossen als Konsequenz auf dieses Urteil ihre Facebookseiten.

Andere hingegen riefen zur Besonnenheit auf, da sie die Ansicht vertraten, dieses Urteil richte sich vor allem gegen Facebook, das bis heute die geforderte Transparenz im Umgang mit den Daten seiner BesucherInnen vermissen lasse. Rechtsanwalt Thomas Schwenke beschäftigte sich in einem sehr ausführlichen Artikel mit der Frage: „Muss ich jetzt meine Facebookseite schließen?

Er konstatiert darin, dass wir als SeitenbetreiberInnen auf der Grundlage des Urteils zwar in Haftung genommen werden können, macht aber auch klar, dass die Vorgaben, die aus diesem Urteil resultieren, eigentlich von Facebook erfüllt werden müssen. Daher lautete sein Rat:

“ Ich persönlich empfehle abzuwarten und zu prüfen, ob sich der Betrieb von Facebook-Seiten oder die Nutzung anderer Onlinedienste trotz des Risikos nicht dennoch lohnt.“

So weit, so gut. Ich gehöre zu denen, die abgewartet haben. Das Problem: Facebook hat nicht so auf das Urteil reagiert, wie wir uns alle das wohl erhofft haben.

Die Datenschutzbehörden machen Druck auf Facebook und vor allem auf uns

Nun gibt es seit ein paar Tagen einen Beschluss der Datenschutzkonferenz (DSK), in dem die Datenschutzbeauftragen des Bundes und der Länder festhalten, dass Facebook in den letzten drei Monaten nichts unternommen habe, um den Forderungen des EUGH-Urteils zu entsprechen. Deshalb machen sie klar, dass sich die BetreiberInnen von Facebookseiten ihrer datenschutzrechtlichen Verantwortung stellen müssen. Die Konsequenz:

„Ohne Vereinbarung nach Art. 26 DSGVO ist der Betrieb einer Fanpage, wie sie derzeit von Facebook angeboten wird, rechtswidrig.“

Die Datenschutzbeauftragten fordern, dass drei Monate nach dem EUGH-Urteil „die Anforderungen des Datenschutzrechts beim Betrieb von Fanpages“ erfüllt werden müssten. Dazu gehöre, dass die gemeinsam Verantwortlichen Klarheit über die derzeitige Sachlage schaffen und die erforderlichen Informationen für die BesucherInnen der Seite bereitstellen.

In dem Beschluss werden sehr konkrete Fragen gestellt, die wir als SeitenbetreiberInnen ohne die Mitwirkung von Facebook nicht beantworten können. Zum Beispiel diese hier:

„Zu welchen Zwecken und auf welcher Rechtsgrundlage werden nach Aufruf einer Unterseite innerhalb des Fanpage-Angebots ein Session-Cookie und drei Cookies mit Lebenszeiten zwischen vier Monaten und zwei Jahren gespeichert?“

Sie sehen, wir sind da ziemlich hilflos. Rechtsanwalt Thomas Schwenke spricht in seinem gestrigen Facebook-Posting die Möglichkeit an, dass SeitenbetreiberInnen in Kürze der erwähnte Fragenkatalog (es sind acht Fragen) zugehen könnte. Da wir sie wie gesagt nicht beantworten können, könne, so Schwenke weiter, die Schließung der Seite angeordnet werden.

Ich finde das Verhalten von Facebook skandalös. Auf unserem Rücken wird hier die Auseinandersetzung zwischen Politik und dem Facebook-Imperium ausgetragen. Wenn Herrn Zuckerberg europäische UserInnen egal sind, dann soll er es einfach sagen. Dann können wir entsprechend reagieren. Ich für meinen Teil werde Inhalte, die ich in der Vergangenheit nur schnell auf Facebook gepostet habe,  wieder häufiger hier im Blog teilen. Vielleicht führe ich auch wieder einen Newsletter ein, den ich wegen der DSGVO eingestellt habe (siehe dazu meinen Blogbeitrag „Die #DSGVO und die Auswirkungen auf dieses Blog„). So baue ich etwaigen Entwicklungen vor. Denn aktuell droht, was Thomas Schwenke in seinem Posting schreibt:

„Ich wünsche mir, dass Facebook endlich handelt, ansonsten kann es sein, dass wir uns hier bald nicht mehr lesen.“

Wir alle sollten uns darüber klar sein, dass es jetzt sehr schnell gehen kann und wir plötzlich ohne einen wichtigen, wenn nicht den wichtigsten Kommunikations- und Marketingkanal dastehen. Es ist sicher nicht falsch, wenn Sie jetzt damit beginnen, sich mit einem Plan B zu beschäftigen.

Update: Facebook legt eine Vereinbarung vor

Das ging dann schnell. Gestern hat Facebook ein sogenanntes „Page Controller Addendum“ veröffentlicht, in dem die „Zusammenarbeit“ zwischen Facebook und den SeitenbetreiberInnen geregelt ist. Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke hat sich die Vereinbarung bereits angeschaut und erklärt in seinem Blogbeitrag „Wird Facebook legal? – Anleitung für Seitenbetreiber zum ‚Page Controller Addendum‘„, worauf SeitenbetreiberInnen achten müssen und welche Schritte gesetzt werden sollten, um den gesetzlichen Vorgaben Genüge leisten zu können. Schwenke konstatiert:

„Die Nutzung von Facebook wird zwar nicht vollständig sicher (…). Aber mit der neuen Vereinbarung des „Page Controller Addendums“, werden der Betrieb der Facebook-Seiten und auch generell die Nutzung von Facebook datenschutzrechtlich ein großes Stück sicherer.“

Wir können also erst einmal aufatmen und müssen nun noch abwarten, welche Entscheidungen die Gerichte in den laufenden Verfahren treffen. Ich für meinen Teil werde trotzdem überlegen, wie ich mich unabhängiger von Facebook machen kann. Ich mag solche Abhängigkeiten nicht.

Foto: succo auf Pixabay (CC0)

 

Erinnerungen europäisches Kulturerbejahr delete memory
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Delete Memory: Über das digitale Gedächtnis

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Foto von congerdesign auf Pixabay 

(Beitrag aktualisiert am 16. Juli 2018: Link zur Aufzeichnung hinzugefügt)

Vorgestern wurde es öffentlich gemacht, dass Jan und Aleida Assmann mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet werden sollen. Ich schätze das Forscherehepaar schon seit vielen Jahren, deren Werk, so heißt es in der Presseaussendung, „für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist“. Aleida Assmann ist mir im Kontext einer Podiumsdiskussion eingefallen, die heute Abend (14. Juni 2018) um 19 Uhr im Wiener Radiokulturhaus des ORF (Argentinierstraße 30a, 1040 Wien, Studio 3) stattfindet (hier finden Sie die Einladung als PDF) und den Titel „Delete Memory“ trägt. Anne Aschenbrenner, Leiter Digitales bei der Wochenzeitung „Die Furche„, Monika Sommer, die Direktorin des Haus der Geschichte Österreich, Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor des MAK und Martin Traxl, Hauptabteilungsleiter ORF-TV Kultur diskutieren die Frage, ob das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig macht?

Das kulturelle Gedächtnis schützt uns vor dem (endgültigen) Vergessen

In einem schon 2007 veröffentlichten Blogbeitrag über „die Schweiz und ihre Volkskultur“ habe ich kurz zusammengefasst, was Jan und Aleida Assmann unter dem kulturellen Gedächtnis verstehen. Im Unterschied zum individuellen und kollektiven Gedächtnis ist das kulturelle Gedächtnis nicht nur in uns selbst angesiedelt, sondern objektiviert sich in Dingen wie Texten oder Bildern. Mit der Hilfe dieser Artefakte, wie beide es nennen, schützen sich die Gesellschaften vor dem Vergessen. Die Konservierung und Pflege der kulturellen Artefakte ist daher eine wichtige Voraussetzung für die Wirkungsweise unseres kulturellen Gedächtnisses.

Aleida Assmann unterscheidet außerdem zwischen dem Speicher- und dem Funktionsgedächtnis. Die im Funktionsgedächtnis aufgehobenen Artefakte sind durch Verfahren der Auswahl und Kanonisierung hindurchgegangen, was ihnen einen Platz im aktiven kulturellen Gedächtnis einer Gesellschaft sichert. Sie finden sich unter anderem auf den Spielplänen der Theater und Opernhäuser oder in den Ausstellungsräumlichkeiten der Museen.

Das Speichergedächtnis stellt Assmann zufolge eine Art kulturelles Archiv dar, in dem die materiellen Überreste vergangener Epochen aufbewahrt werden, zu denen wir den unmittelbaren Bezug verloren haben. Aleida Assmann spricht in diesem Zusammenhang von den „stummen Zeugen der Vergangenheit“, die dem Vergessen ausgeliefert sind. Und dann sind da noch die Artefakte, die auch aus dem Speichergedächtnis verschwunden sind. Sie sind für unsere Kultur verloren, sie existieren einfach nicht mehr.

Das Europäische Kulturerbejahr und das Speichergedächtnis

Wenn wir 2018 das europäische Kulturerbejahr feiern, geht es um das Speichergedächtnis, um das Hervorholen der Artefakte, die wir vergessen haben, die aber noch nicht ganz verloren gegangen sind. In ihrem Buch „Formen des Vergessens“ (Affiliate Link) schreibt Aleida Assmann:

„Das, woran wir uns erinnern, musste zeitweilig von der Bildfläche des Bewusstseins verschwunden sein. Erinnern ist ja gerade nicht (…) mit einem direkten Zugriff auf Wissen gleichzusetzen, sondern entspricht eher der Figur einer ‚Wiederholung‘ oder ‚Wiedererkennung‘ über zeitliche Intervalle hinweg.“
(in: Assmann, Aleida. Formen des Vergessens (Historische Geisteswissenschaften. Frankfurter Vorträge 9) (German Edition) (Kindle-Positionen131-133). Wallstein Verlag. Kindle-Version.)

Wer weiß, dass Erinnern Identität schafft, weiß auch, warum das europäische Kulturerbejahr so wichtig für Europa ist. Die Schwierigkeit besteht, so denke ich, aber darin, dass es diese Identität so noch gar nicht gibt. Wenn wir uns erinnern, dann geschieht das – meist – auf nationalstaatlicher Ebene. Es gilt also, diese Grenzen zu überwinden und gemeinsame Geschichten zu erleben und dann zu erzählen. In einem Interview für die Zeitung „Der Standard“ hat Aleida Assmann gesagt:

„Damit aus dem kulturellen Archiv ein Gedächtnis wird, muss es wieder zurückgebunden werden an individuelle Bedürfnisse, Funktionen und Gruppen, die sich damit identifizieren.“

Das Zurückbinden ist Aufgabe der Gesellschaft. Sie bestimmt, welche Inhalte aus dem Archiv hervorgeholt werden und uns wieder beschäftigen. Im Kulturbereich haben wir dafür Museen, Archive und andere Einrichtungen. Wer übernimmt diese Rolle im digitalen Raum, der unser Leben immer stärker prägt und beeinflusst? Schon heute wird Kunst immer häufiger digital gezeigt und gespeichert.Was aber geschieht, wenn wir nicht mehr analog, sondern digital speichern? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf unser kulturelles Gedächtnis?

Über das digitale kulturelle Gedächtnis

„Delete Memory“ ist der Titel der heutigen Podiumsdiskussion, verbunden mit der Frage, ob das digitale Gedächtnis Erinnern überflüssig macht. „Delete Memory“, das ist die Löschtaste. Das sind die Inhalte, die vernichtet werden und aufhören zu existieren. Ob diese Inhalte analog oder digital vernichtet werden, spielt keine Rolle. Sie sind weg. Worin besteht dann aber der Unterschied? Vielleicht fällt es uns leichter, die „Delete“-Taste zu drücken als ein Bild wegzuwerfen? Aber das ist nur eine Vermutung.

Interessanter ist in meinen Augen der Unterschied, was die Aufbewahrung betrifft. Der Weg analoger Artefakte ist ein anderer. Während heute digital jeder praktisch alles abspeichern und online zur Verfügung stellen kann, sieht das im analogen Bereich anders aus. Es dauert, bis ein Artefakt auf die Bühne eines Theaters kommt, in einem Konzert gespielt wird oder in einer Ausstellung zu sehen ist. Es findet – idealerweise – eine Auseinandersetzung damit statt, bevor ein Artefakt dann in den Kanon aufgenommen wird (bei Assman ist das dann das Funktionsgedächtnis) und später in einem Archiv landet, aber im Speichergedächtnis erhalten bleibt.

KuratorInnen, DramaturgInnen, etc. spielen in diesen Prozessen eine sehr wichtige Rolle. Sie bewerten und wählen aus, sie entscheiden, welche Artefakte in das Speicher- und welche in das Funktionsgedächtnis gehören. Sie sind also mitverantwortlich dafür, was wir vergessen und woran wir uns erinnern. Wenn Erinnerung dazu führt, dass wir unsere Identität bewahren oder herausbilden können, wird auch klar, welch wichtige Rolle Kunst und Kultur eigentlich für das Funktionieren unserer Gesellschaft haben.

Diese kuratorische Kompetenz (sagt man das so?) fehlt uns im digitalen Raum, auch heute noch („Was das Internet von der Kunst lernen kann„). Darin sehe ich die große Chance für die Kultureinrichtungen. Dafür ist es aber notwendig, dass sie sich die notwendige digitale Kompetenz aneignen und verantwortungsvoll mit den digitalen Inhalten umgehen. Einfach den gesamten Bestand zu digitalisieren und dann online zu stellen, macht wenig Sinn. So wird das Internet eher zur digitalen Müllhalde.

Digitale KuratorInnen und künstliche Intelligenz

Interessant ist in meinen Augen die Frage, ob diese Aufgabe nur die Kultureinrichtungen übernehmen können. Besteht nicht die Möglichkeit, dass wir eines vielleicht gar nicht mehr so fernen Tages nicht mehr KuratorInnen, sondern Algorithmen entscheiden lassen? Frank Tentler würde das vermutlich bejahen. In seiner Geschichte von Vincent, einer holografischen Figur, funktioniert das auf individueller Ebene schon ganz gut. Vielleicht entscheiden künstliche Intelligenzen in Zukunft darüber, wo etwas im kulturellen Gedächtnis abgelegt wird?

In diesem Zusammenhang gibt es viele Fragen, die wir noch beantworten müssen. Nur drei Beispiele:

  • Wenn Erinnern Identität stiftet, welche Identität ist das dann? Die Österr. Nationalbibliothek archiviert beispielsweise alle Webseiten mit einer at.-Domain. Ist das die formale Klammer für die österr. (digitale) Identität? Wie sieht das auf europäischer Ebene aus?
  • Wer ist dafür verantwortlich, dass analoge kulturelle und künstlerische Artefakte digitalisiert und damit für die Nachwelt erhalten werden (Bild/Ton)? Und zwar langfristig? Ist der Aufwand nicht so groß, dass die kleinen Kultureinrichtungen dabei unter den Tisch fallen und deren Arbeit dann „vergessen“ wird? Und zwar endgültig im Sinne von „Delete Memory“. Unser kulturelles – digitales – Archiv würde dann nur die Artefakte großer Kultureinrichtungen umfassen.
  • Neben dem Format ist auch die Struktur wichtig, um die digitalen Inhalte nicht nur zu erfassen, sondern sie so zu speichern, dass die Chance besteht, sich ihrer wieder zu erinnern, sprich, sie wieder zu finden. Ohne Strukturvorgaben zu speichern würde bedeuten, sie zu vergessen, weil es reiner Zufall wäre, sie wieder zu entdecken. Wobei im analogen Bereich Zufallsfunde eine durchaus wichtige Rolle hinsichtlich des kulturellen Gedächtnisses spielen.

Vielleicht lassen sich in der heutigen Podiumsdiskussion ein paar Fragen beantworten. Hier noch einmal alle Informationen:

Update:

Hier finden Sie die komplette Aufzeichnung des DialogForum „Delete Memory!“

Heidelberg, Schloss, XPress, digitaler Erlebnisraum
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XPress: der digitale Erlebnisraum Rhein-Neckar

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Stellen Sie sich vor, Sie wollen sich schon zu Hause auf Ihren morgigen Museumsbesuch vorbereiten. Sie aktivieren auf Ihrem Tablet die Virtual-Reality-Funktion und begegnen im virtuellen Raum einem digitalen Assistenten, der mit Ihnen zusammen den Ausstellungsbesuch vorbereitet und gleich auch noch eine Führung vorschlägt. Der digitale Erlebnisraum, so könnte er aussehen. Mein Beitrag „Der digitale Erlebnisraum v0.1“ ist schon mehr als drei Jahre alt, Zeit, ihn ein Stück weiter zu denken.

Die eingangs beschriebene Szene habe ich nicht zufällig gewählt. Frank Tentler hat vor kurzem in den Kulturpolitischen Mitteilungen (Heft 160 I/2018) mit seinem Artikel über Vincent genau so ein Szenario entwickelt. Er schildert darin seinen – im Jahr 2025 stattfindenden – Besuch des Amsterdamer Van-Gogh-Museums und die Rolle, die Vincent dabei spielt. Ob wir Vincent als Avatar, als digitalen Assistenten oder holografische Figur erleben, spielt dabei keine Rolle. Etwas anderes spielt aber eine – sogar ganz entscheidende – Rolle: Daten, denn nur der Zugriff auf die persönlichen Daten erlaubt es Vincent, Frank ein maßgeschneidertes Paket zusammenzustellen.

Daten als Grundlage des digitalen Erlebnisraums

Den digitalen Erlebnisraum mit Hilfe von Daten „zu bauen“, das ist die Grundidee von „XPress„. Konkret geht es dabei um die „Konzeption einer öffentlichen Point-of-Interest-Infrastruktur für multimodale Mobilitätsanwendungen“. Konzeption deshalb, weil es sich um eine Machbarkeitsstudie handelt, die im Rahmen von mFund gefördert wird. Dahinter versteckt sich eine Forschungsinitiative, in deren Rahmen das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur „Forschungs- und Entwicklungsprojekte rund um digitale datenbasierte Anwendungen für die Mobilität 4.0“ unterstützt.

Im Rahmen dieser Initiative wurden und werden 90 Projekte gefördert, deren Bandbreite ist beachtlich. Was mir auffällt: Der Kunst- und Kulturbereich kommt, abgesehen von XPress, in diesem Programm nicht vor. Ich halte es für bedenklich, wenn es uns nicht gelingt, mit eigenen Projekten in diesem oder anderen Förderprogrammen unterzukommen, die Digitalisierungsprojekte finanzieren. Natürlich schaffen wir das nicht alleine, sondern es gilt, entsprechende Projektpartner zu finden. In diesem Fall sind das federführend das Netzwerk Geoinformation der Metropolregion Rhein-Neckar, die Metropolregion Rhein-Neckar selbst und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar.

Zurück zum digitalen Erlebnisraum und XPress: Bis Ende November – und damit dann insgesamt ein Jahr – haben wir Zeit, um herauszufinden, ob das, was wir vorhaben, sich auch umsetzen lässt. Scheint uns das machbar und können wir die Fördergeber davon überzeugen, gibt es für die Entwicklungsphase hoffentlich auch noch mal finanzielle Unterstützung.

Aber was wollen wir mit XPress überhaupt erreichen? An die Geschichte von Vincent kommen wir – vorerst – nicht heran. Unsere Anwendungsfälle entstammen eher dem täglichen kulturellen Leben. Da ist zum Beispiel die vierköpfige Familie, die sich für das Thema Mittelalter interessiert und sich eine Thementour in der Region zusammenstellen möchte. Die Idee ist es, das kulturelle Angebot datenmäßig zu erfassen und mit dem Thema Mobilität zu verknüpfen. Sie erfahren also nicht nur, wo es ein bestimmtes Angebot gibt, sondern auch den Zeitpunkt beziehungsweise die Dauer sowie alle für Sie in Frage kommenden Varianten, dorthin zu kommen. Ob das dann am Ende eine App, ein Chatbot, ein digitaler Assistent oder vielleicht eine holografische Figur ist, muss uns jetzt noch nicht interessieren. In einem weiteren Schritt wollen wir aber nicht nur ein Datenmodell entwickeln, sondern es soll ein digitaler Erlebnisraum entstehen, in dem Kommunikation und Interaktion möglich sind.

Welche Daten werden für XPress benötigt?

Um diese Idee umsetzen zu können, gilt das Hauptaugenmerk der Datenstruktur. Die Herausforderung besteht erstens darin, herauszufinden, welche Daten dafür überhaupt benötigt werden und sie dann so zu strukturieren, dass man mit diesem Daten arbeiten bzw. den digitalen Raum „bauen“ kann. Möglich wäre die folgende Struktur:

  • Geodaten (z.B. verorten von Museen, Sehenswürdigkeiten, etc.)
  • Zeitdaten (z.B. Öffnungszeiten, Dauer einer Ausstellung, Beginn eines Konzerts)
  • Contentdaten (unter anderem geht es hier um die Klassifizierung des kulturellen Angebots)
  • Mobilitätsdaten (wie komme ich von Punkt A nach Punkt B?)

Da es sich beim digitalen Erlebnisraum Rhein Neckar um eine ganze Region handelt, spielt Mobilität eine wichtige Rolle. Ich hatte die Themenroute als Beispiel genannt. Das bedeutet, die NutzerInnen erhalten Informationen darüber, wie sie am besten von einem zum anderen Punkt gelangen. Ob das das eigene Auto, die Bahn, der ÖPNV, Taxi, Carsharing oder das Fahrrad sind, alle Varianten werden aufgelistet. Hinterlegt man seine persönlichen Daten, tauchen nur die Verkehrsmittel auf, die man persönlich auch nutzt beziehungsweise nutzen möchte. Idealerweise kann man dann im digitalen Erlebnisraum auch sofort loslegen, indem man sich ein Taxi bestellt oder ein Bahnticket kauft.

Der digitale Erlebnisraum als sozialer Raum

Der digitale Erlebnisraum ist dann das Ergebnis dieser vier Datendimensionen plus der soziale Raum. Auf diesen Begriff bin ich dank des Soziologen Nils Müller gestoßen. Er hielt 2015 beim stARTcamp im Dortmunder U eine Session, in der er den sozialen Raum vorstellte. Daraus wurden dann später noch zwei Blogbeiträge, in denen es um die Gestaltung analoger und digitaler Räume ging ( Teil 1: „Was ist Raum?“ & Teil 2: „Vier Dimensionen des sozialen Raums„).

Vor allem im zweiten Teil bezieht sich Müller auf den 1991 von Dieter Läpple veröffentlichten „Essay über den Raum“. Läpple versteht den Raum nicht als einen starren Container, sondern als einen sozial konstruierten Raum, in dem verschiedene Dynamiken  wirken. Er formuliert darin vier Dimensionen, die uns einen direkten Zugang zu den Prozessen seiner Entstehung und seines Wandels ermöglichen:

sozialer raum komponenten modell

Der Daten- und der soziale Raum greifen an verschiedenen Stellen ineinander, zum Beispiel wenn es um das physisch-materielle Substrat geht. Der (starre) Datenraum erfährt aber eine (dynamische) Erweiterung, in dem Handlungen und Interaktion in ihm möglich werden. Dies kann relativ simpel in Form eines Chats funktionieren. Möglich sind aber natürlich auch komplexe Anwendungen wie Augmented Reality oder Virtual Reality. Vincent, die holografische Figur aus Franks Geschichte wird Sie also vielleicht auch einmal im digitalen Erlebnisraum Rhein-Neckar begleiten.

Diese Punkte müssen noch geklärt werden

Wie geht es nun weiter? Die größten Herausforderungen sehe ich darin, zum einen die Daten zu strukturieren. Das ist vor allem im Hinblick auf den Content eine riesengroße Aufgabe mit ungewissem Ausgang. Ist dann mal klar, welche Daten benötigt werden und wie sie strukturiert werden, stellt sich die Frage, ob und wenn ja, wie zum Beispiel Kultureinrichtungen diese Daten zur Verfügung stellen können.  Die Beantwortung dieser Frage hängt wohl auch mit der Frage der Finanzierbarkeit zusammen. Diese Frage wiederum lässt sich erst dann beantworten, wenn die Größenordnung dieses digitalen Erlebnisraums klar ist. Denn was spricht dagegen, dass in diesem Raum auch touristische und gastronomische Angebote zu finden sind? Oder vielleicht sogar der Einzelhandel? Es gilt also auch, auf der Grundlage von Anwendungsfällen über Erlös- oder Finanzierungsmodelle nachzudenken.

XPress digitaler Erlebnisraum Infografik

Alle diese Fragen versuchen wir noch bis Ende November 2018 im Rahmen von Workshops zu beantworten. Die Infografik fasst noch einmal den Zeitplan und die wesentlichen Punkte dieses Projektes zusammen. Ich werde hier im Blog natürlich weiter über XPress berichten. Außerdem stelle ich das Projekt auch beim stARTcamp hier in Wien vor. Sollten Sie Fragen oder Anregungen, oder vielleicht Interesse an einem eigenen Projekt haben, dann schreiben Sie mir doch einfach. Ob als Kommentar, als Email oder auf Facebook, das überlasse ich ganz Ihnen.

Foto von herbert2512 auf Pixabay 

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Ankündigung: 4. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring

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Nächste Woche findet am 14. Juni von 9:00 bis 17:30 hier in Wien die 4. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring statt. Das Thema „Give & Take. Wie private Kulturförderung funktioniert.“ würde eigentlich auch gut zum stARTcamp passen. Es geht um „fruchtbare Kooperationen“, wie es in der Ankündigung heißt und dass dabei Crowdfunding als Thema so prominent vertreten ist, gefällt mir persönlich sehr gut.

Nachdem ich im letzten Jahr einen Vortrag halten durfte (siehe dazu mein Blogpost „Fundraising: Neue Ideen haben es schwer“), kann ich dieses Jahr leider nicht dabei sein. Die Vorbereitungen für das stARTcamp und das ORF-Dialogforum nehmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Da ich aber glaube, dass die Frage der Finanzierung von Kunst und Kultur ein eminent wichtiges Thema ist, habe ich der Organisatorin dieser Veranstaltung, Eva Estermann ein paar Fragen gestellt.

Kulturmanagement Blog: Liebe Eva, die Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring dreht sich um das Thema „Give & Tage“, um „fruchtbare Kooperationen“, wie Du in der Ankündigung schreibst. Warum sollen Kultureinrichtungen kooperieren und worin siehst Du den Mehrwert für beide Seiten?

Eva Estermann: Ob in Wissenschaft und Forschung, im Bildungsbereich, Politik oder Wirtschaft,   überall spielt das Prinzip Kooperation eine wichtige Rolle, wenn wir erfolgreich sein wollen. Die Psychologie und die Pädagogik haben sich damit eingehend befasst, auch die Philosophie, Soziologie und Politische Theorie, die Ökonomie mit der Mathematik im Rahmen der Spieltheorie und natürlich die Management-Lehre, wenn sie die Erfolgsbedingungen von Unternehmensallianzen oder Verhandlungsstrategien untersucht. Zu

© Ludwig Schedl

kooperieren bedeutet, mit dem jeweils anderen gemeinsam ein Ziel festzulegen und darauf zuzusteuern. Umso unterschiedlicher die Partner sind, desto höher ist der Nutzen dieser Partnerschaft. So entstehen neue Ideen und Perspektiven und so erwerben beide involvierte Parteien getrennt voneinander jeweils neue Erkenntnisse und Fähigkeiten, im besten Fall entstehen über die Parteieninteressen und den kleinsten gemeinsamen Nenner hinausgehende gesamtgesellschaftliche Weiterentwicklungen. Da Partner aber unterschiedlich sind und meistens unterschiedliche Erwartungen pflegen, müssen sie in aller Ehrlichkeit aufeinander zugehen und sich vorher die Zeit nehmen, sich in den jeweils anderen hineinzudenken. Nicht anders funktioniert erfolgreiche private Kulturförderung: es ist meiner Ansicht nach falsch, die Motive hierfür immer nur auf das Thema Geld zu reduzieren. Aber genauso beginnt leider noch immer fast jede Argumentation, weshalb Kultureinrichtungen heutzutage vermehrt Privatmittel einwerben sollen – „weil die öffentlichen Kassen leer sind“. Mag sein, dass  die öffentliche Kulturfinanzierung an ihre Grenzen gestoßen ist. Private Kulturförderung soll trotzdem nicht der wegen zunehmendem haushaltspolitischen Druck entstandenen Sparlogik öffentlicher Förderstellen folgen und deren Knappheiten kompensieren oder gar ersetzen, sie kann und will ergänzend auftreten. Der Mehrwert für die Kultur? Durch privates Engagement können eben Projekte realisiert werden, die sonst nie entstanden wären: das sind auf der einen Seite durchaus kommerziell gut verwertbare Projekte, auf der anderen Seite aber viele innovative, vielleicht sogar „sperrige“ (weil spartenübergreifende, künstlerisch komplizierte, oder auch nicht ein großes Publikum ansprechende) Projekte, über die sich eine öffentliche Förderstelle vielleicht nicht unbedingt rüber getraut hätte. Profitieren können davon nicht nur all die großen und damit ohnehin bereits stark subventionierten Kultureinrichtungen. Das zivilgesellschaftliche Engagement kommt bereits jetzt den vielen kleinen Kulturvereinen zu Gute, die stark auf Ehrenamtlichkeit und Freiwilligenarbeit aufbauen. Noch stärker und systematischer sollen die kleinen Non-Profit-Einrichtungen private Geldquellen, über Sponsoring, Fundraising bzw. Spenden und Mäzenen sowie Stiftungen erschließen. Zudem treten viele große Unternehmen und – leider in Österreich noch viel zu wenig –  Stiftungen als unmittelbar fördernde oder selbst Kultur produzierende Akteure auf und tragen damit zu einer vielfältigen Kulturlandschaft bei. Bei unserer Veranstaltung wollen wir immer diese kulturpolitischen Fragestellungen mitandenken. Die Teilnehmer/innen sollen sich mit einem Knowhow über aktuelle Strategien und Methoden im Fundraising und Sponsoring wappnen. Sie sollen aber auch die dahinterliegenden Paradigmen erkennen und überdenken. Damit wären sie unserer Ansicht nach die erfolgreichsten Fundraiser/innen! Deswegen freuen wir uns so sehr auf unseren Keynote-Speaker Stephan Frucht: ein Querdenker par excellence, der gleichzeitig als ausgebildeter Dirigent und Violinist, Kulturmanager, Kulturpolitikberater (und btw. ehemaliger Unfallchirurg!) uns hier bestimmt sehr wertvolle Denkanstöße geben kann.

Der Kulturbereich muss Crowdfunding noch viel mehr nutzen

Kulturmanagement Blog: Ich bin ja immer froh, wenn Kultureinrichtungen die Spendenschiene verlassen und versuchen, ihren Kooperationspartnern auf Augenhöhe zu begegnen. Deshalb bin ich ein großer Freund von Crowdfunding und finde es großartig, dass sich das Thema durch den ganzen Tag findet. Was muss getan werden, damit noch viel mehr Kultureinrichtungen auf diese Form der Finanzierung setzen?

Eva Estermann: Alles ist Definitionssache. Crowdfunding gehört zu den Instrumenten des Fundraisings, speziell des Spendenwerbens. Spendensammeln hat noch immer diesen negativen Beigeschmack, dass man Menschen das Geld aus der Tasche ziehen will. Schade, wo doch Herr und Frau Österreicher/in im internationalen Schnitt besonders  im Kleinspender-Segment sehr viel und gerne spenden (siehe Spendenbericht). Was ist negativ am Spenden? Wir müssen noch an dieser Stigmatisierung arbeiten, denn sonst wird sich das Spendenklima für Österreichs Kultur nicht bessern.

Feststeht, Crowdfunding muss noch viel mehr im Kultursektor Fuß fassen.  Was es braucht zum Durchbruch? Ich würde sagen neben dem personellen Einsatz: Mut. Unser Leitsatz: einfach ausprobieren, auch Fehler riskieren!  Auch wenn Crowdfunding-Projekte sich nicht über die Nacht realisieren lassen und sich nicht für jede Einrichtung oder jedes Projekt eignen, sondern eines strategischen Aufwands bedürfen, profitieren Organisationen – auch ohne den vielleicht höher erwarteten ROI – davon. Sie lernen ihre Spender/innen kennen, erarbeiten anfangs einen starken Case of Support, üben sich in der  Kommunikation und müssen sich ganz praktisch überlegen, was sie über das Kulturangebot hinaus ihren potentiellen Spender/innen mitgeben können. Die beste Selbstreflektion und Erfahrung, um dann auch andere weitere Instrumente für Klein- und Großspender/innen auszuprobieren. Dieses Jahr referieren in zwei Einheiten ExpertInnen zu dem Thema: Peter Nömaier und Natascha Halbauer halten einen Vortrag über ihre Erfahrungen aus der jüngst lancierten Kampagne für das Sigmund Freud Museum. Die Profis  Sunita Maldonado (wemake.it) und Tomas Mikeska (Filmarchiv) halten einen Intensiv-Workshop.

Kulturmanagement Blog: Nicole Newman wird in ihrem Impulsvortrag über die neuesten Sponsoringtrends aus Europa berichten, Dominik Winterling erzählt, wie die Elbphilharmonie ihre Sponsoren sucht, findet und bindet. Glaubst Du, kleinere Kultureinrichtungen können sich da was abschauen und bestimmte Verhaltensweisen übernehmen?

Eva Estermann: Auf alle Fälle. Man kann immer von den „Besten“ lernen. Auch wenn die Bedingungen für große, oftmals am stärksten subventionierten Kultureinrichtungen anders sind, entstehen hier Ideen und Erfahrungen, die man abgewandelt durchaus auf den eigenen, oft viel kleineren Betrieb übertragen kann. Best Practice ist inspirierend und denkanstoßend. Das gilt auch für die Betrachtung von Trends. Natürlich sind wirtschaftliche, kulturpolitische oder gesellschaftliche Voraussetzungen etwa im angelsächsischen Raum, oder auch in Deutschland und in der Schweiz, ganz anders. Aber wir sollten das nicht immer als Ausrede nehmen, nicht über die Grenzen schauen zu können. Das Prinzip gilt ja auch für andere Branchen (karitative Organisationen, Wissenschaft, Umwelt) oder  unterschiedliche Kunstsparten: jede/r  Fundraising-Beauftrage sollte neugierig bleiben und sich regelmäßig umschauen, was  man für den eignen Kulturbetrieb übernehmen könnte. Erfolgreiche Ideen entstehen selten am Reißbrett.

Auf der 4. Fachtagung für Kulturfundraising geht es auch um EU-Förderungen

Kulturmanagement Blog: Normalerweise verbinden wir mit dem Kulturfundraising das Einwerben privater Mittel. Ihr habt aber auch David Röthler eingeladen, der die aktuellen EU-Förderprogramme vorstellen wird. Worin siehst Du die größten Herausforderungen für Kultureinrichtungen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen?

Eva Estermann: Wir sehen das Thema „Fundraising“ pragmatisch. Letztlich geht es um das Einwerben aller finanziellen Mittel, ob von öffentlicher oder privater Seite. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es wichtig, sein Fundraising-Portfolio zu diversifizieren, also auf Multi-Budgeting zu setzen. Kleinere Kultureinrichtungen haben hier bereits gegenüber  größeren einen Wissensvorteil: wenn es keine jährliche Basisabgeltung gibt, müssen viele Geldtöpfe berücksichtigt bzw. geprüft werden.  Gegebenenfalls müssen Eigeneinnahmen und Preispolitik überdacht werden, aber das ist nicht unser Thema. EU-Projektförderung kommt letztlich nur ganz wenigen Institutionen/Projekten zu Gute: die Förderpraxis und speziell die Förderbedingungen sind bekanntlich komplex. Wir bieten Kultureinrichtungen mit dem Experten-Workshop von David Röthler die Möglichkeit, für sich die Sinnhaftigkeit und Machbarkeit eines EU-Förderansuchens zu überprüfen.

Kulturmanagement Blog: Fördervereine und Freundeskreise sind ebenfalls ein wichtiges Thema, wenn wir von Kulturfundraising sprechen. Wie können die kleineren und mittleren Kultureinrichtungen Menschen gewinnen, die sich für sie engagieren? Ist das ressourcenmäßig überhaupt möglich?

Eva Estermann: Fördervereine und Freundeskreise zählen zu den geschichtlich am längsten zurückreichenden „Fundraising-Instrumenten“. Oft wissen wir gar nicht, wieviele österreichische Kultureinrichtungen sich aus diesem bürgerschaftlichen Engagement (das auch mit substanzieller finanzieller Hilfe verbunden war) heraus entwickelten. Diese Zivilgesellschaft heißt es heutzutage wieder neu zu beleben. Die Mitwirkung in einem Förderverein ist eine Form der Bürgerbeteiligung, die unsere Gesellschaft und unsere Kultur viel mehr noch zusammen schweißen könnte.  Letztendlich sollen aber diese Vereine in der Lage sein, kulturelle Einrichtungen nicht nur ideell, sondern auch finanziell  zu unterstützten. Gerade kleinere Kultureinrichtungen könnten es doch viel leichter bewerkstelligen, Menschen, die ihrer Institution verbunden sind, zu identifizieren, zu binden und letztlich zur finanziellen und personellen Mitwirkung  zu motivieren. Aber eines ist klar: das ist eine auch zeitintensive Aufgabe des Intendanten, der künstlerischen/wissenschaftlichen Leitung, des Geschäftsführers, „potentielle Freunde“ im Umkreis anzusprechen.

Kulturmanagement Blog: Die Teilnahme an der Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring ist nicht ganz billig, die Tickets kosten regulär 270 Euro. Ich frage Dich jetzt nicht, ob sich diese Investition für Kultureinrichtungen lohnt, sondern würde von Dir gerne wissen, ob es für Kulturvereine, für die so ein Betrag viel Geld ist, Ermäßigungen gibt.

Eva Estermann: Wir bieten sogenannte Tagungsstipendien für Vertreter/innen von kleinen Kultureinrichtungen an (Tipp: Bis morgen, den 7.6.18, können Sie sich noch bewerben, Infos unter diesem Link), die  sich mit einem kurzen „Motivationsschreiben“ vorstellen und dann kostenlos bei der Tagung teilnehmen. Dieses Stipendienprogramm wird von BKA Sektion Kunst & Kultur, der ERSTE Stiftung sowie der Erste Bank unterstützt: darüber freuen wir uns ganz besonders, dass die Weiterbildung von Kulturfundraiser/innen öffentlichen wie privaten Trägern ein Anliegen ist! (BTW: vergleichbare Weiterbildungen setzen für halbtägige Seminare viel höhere Preise an.)

Kulturmanagement Blog: Ich danke Dir für Deine Antworten, Eva und wünsche Dir beziehungsweise Euch eine tolle Veranstaltung!

Eva Estermann: Und dir viel Glück für das stARTcamp in der Kunsthalle. Hoffentlich wird „Give & Take“ auch ein Thema….

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stARTcamp Wien
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Was ist ein stARTcamp und warum sollten Sie dabei sein?

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Jetzt sind es nur noch 11 Tage bis zum stARTcamp Wien. Nach den vielen Feiertagen möchte ich jetzt noch einmal ordentlich die Werbetrommel rühren, denn bis jetzt haben viele, so mein Eindruck, noch gar nicht mitbekommen, dass es am 15. Juni wieder soweit ist. Wie aber bewirbt man eigentlich ein stARTcamp? Was ist das überhaupt und warum sollte man dorthin gehen?

Die wichtigsten Informationen habe ich ja bereits vor einiger Zeit in einem eigenen Blogbeitrag gepostet. Ein Facebookevent ist erstellt und über die Twitterkanäle informiere ich auch immer wieder. In Rückmeldungen taucht immer wieder die Frage auf, was denn ein stARTcamp eigentlich sei. Den Namen haben wir in Anlehnung an die stARTconference gewählt, eigentlich versteckt sich hinter dem stARTcamp ein Barcamp. Während bei einer Konferenz im Vorfeld ein Programm zusammengestellt wird, mit dem die Veranstaltung beworben wird, ist das bei einem Barcamp nicht der Fall. Wikipedia beschreibt dieses Format als „eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden“.

Was ist ein stARTcamp?

Im Unterschied zu einer Konferenz steht bei einem stARTcamp, das nach dem Barcamp-Prinzipien funktioniert, das Programm also nicht von Anfang an fest. Würde ein stARTcamp nach den Regeln einer klassischen Konferenz – eine SprecherIn, viele ZuhörerInnen – funktionieren, wäre der Einwand, man kauft die Katze im Sack, zutreffend: Ich kaufe ein Ticket, weiß aber noch nicht, wer zu welchen Themen etwas erzählen wird und hoffe, dass mich das dann interessiert. So ein Wagnis gehen wohl die wenigsten von uns ein.

Aber ein stARTcamp funktioniert eben nicht wie eine Konferenz. Ich bin nicht Konsument, sondern ein ganz entscheidender Teil dieses Formats. Wenn ich nur darauf warte, was dabei herauskommt, dann bin ich davon abhängig, was andere anbieten. Das finde ich, wenn überhaupt, heraus, indem ich auf die Liste der Sessionvorschläge schaue, die meist im Vorfeld veröffentlicht werden. Ich habe die Liste für das #scvie18 heute erstellt und meinen Sessionvorschlag dort eingetragen. In dieser Liste können Sie sehen, wer welche Themenvorschläge gemacht hat und danach entscheiden, ob Sie die Veranstaltung interessiert oder nicht.

Aber so ganz optimal ist diese Idee nicht, denn dann müssten Sie warten, bis wirklich alle, die eine Session gestalten möchten, ihren Themenvorschlag auf die Liste setzen. Das passiert aber eigentlich nie. Viele Themenvorschläge erfolgen erst in der Eröffnungssession. Wenn Sie so vorgehen, werden Barcamps für Sie schnell zur Enttäuschung. Oder Sie gehen nie zu einem hin. ;-)

Warum stARTcamps auch heute noch so wichtig sind

Sie können aber auch Ihre Erwartungshaltung verändern und genau das wäre auch mein Wunsch für dieses stARTcamp. Getreu dem Motto „Engage your audience“ glaube ich, dass der Erfolg eines Barcamps davon abhängt, wie aktiv die TeilnehmerInnen sind. Es ist, wie gesagt, keine Konferenz, sondern ein partizipativeres Format. Eben weil das klassische Konferenzformat schnell ermüdend wirkt, wurden die Barcamps erfunden. Sie leben von der Bereitschaft der TeilnehmerInnen, sich auf das Thema und die anderen einzulassen. Sie müssen keine ExpertIn sein, um sich vor die anderen zu stellen und eine Session zu halten. Die umgekehrte Variante ist auch möglich: Sie wollen etwas wissen und um Sie herum sitzen Menschen, die Ihnen weiterhelfen können.

Deshalb können Sie in die Liste auch Themenvorschläge eingeben, also Themen, zu denen Sie nichts vortragen, sondern etwas darüber lernen wollen. Die Datenschutzgrundverordnung zum Beispiel ist erst wenige Tage alt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es hierzu viele Fragen gibt, die vielleicht gar nicht beantwortbar sind. Aber Sie können sich mit anderen austauschen und herausfinden, wie die mit Ihrem Problem umgehen. Oder nehmen wir Facebook, Instagram, Twitter… es gibt doch viele Dinge, die uns umtreiben.

Ich sehe im digitalen Raum eine Entwicklung, in der wieder verstärkt alle gegen alle kämpfen. Das macht in meinen Augen keinen Sinn, das sind alte Verhaltensmuster. Warum die Netzwerke nicht als das nutzen, was sie sind, Netzwerke? Und genau aus diesem Grund sind Barcamps oder stARTcamps auch heute noch so wichtig. Der Netzwerkgedanke scheint gerade etwas in den Hintergrund zu treten. Genau deshalb ist es mir auch wichtig, nach dem World-Café beim letzten stARTcamp (mehr dazu im Blogbeitrag „Rückblick auf das stARTcamp Wien„) wieder zum klassischen Barcamp-Format zurückzukehren. Es geht um die Themen, die uns, die wir beim #scvie18 dabei sind, interessieren.

Nun wird sich vielleicht jemand fragen, was denn passiert, wenn es keine Themen gibt? Ich fürchte mich vor vielen Dingen, aber vor einem ganz sicher nicht: Dass uns die Themen ausgehen. :-) Aber trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass am Ende nichts dabei herauskommt. Ich habe das zwar noch nie erlebt, aber dieses Risiko ist der Preis dafür, dass Barcamps der Versuch sind, die Wünsche und Bedürfnisse der TeilnehmerInnen in den Vordergrund zu stellen. Haben die keine beziehungsweise artikulieren sie nicht, habe ich keine Chance, ein Scheitern droht. Ich kann dieses Risiko zwar nie ganz ausschließen, aber ich kann es auch als TeilnehmerIn minimieren. Indem ich einfach das Thema vorschlage, das mich interessiert. Ich muss die Session ja nicht selbst oder alleine halten. Aber es ist ein erster Schritt, um zu verhindern, dass mir die Veranstaltung nichts bringt. Und es ist vielleicht auch die Chance, sich mit anderen zusammen zu tun, die sich mit gleichen oder ähnlichen Themen beschäftigen. Über das stARTcamp hinaus, womit wir beim Thema wären, um das sich die Veranstaltung am 15. Juni in der Kunsthalle Wien (Musuemsquartier) drehen soll.

Hier gibt es die Tickets. ;-)

 

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brutalismus-digi-walk oder ein virtueller Kunstspaziergang

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Der Brutalismus steht für einen Architekturstil, der in den 1950er Jahren aufkam und die folgenden Jahre prägte. Er zeichnete sich vor allem durch die Verwendung von „Sichtbeton, der Betonung der Konstruktion und skulpturaler Ausarbeitung und Gliederung der Gebäude“ aus, wie man im Wikipedia-Artikel nachlesen kann. Wer mehr über diese heute eher verpönte Art des Bauens wissen  möchte, kann sich  im Architekturzentrum Wien die noch bis zum 6. August laufende Ausstellung „SOS Brutalismus“ anschauen. Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit. Am Freitag, den 1. Juni, also übermorgen, laden Anne Aschenbrenner, Anke von Heyl und David Röthler zu einer Art virtueller Kunstspaziergang ein.

Dabei besuchen sie zwei Bauwerke des Brutalismus, die sich in unterschiedlichen Städten befinden. Es sind die Wotruba-Kirche in Wien und die Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde – Johannes XXIII. in Köln. Anne Aschenbrenner, Digital-Chefin der Wochenzeitung „Die Furche“ lässt sich dabei von Diakon Hubert Kaindl begleiten, die Kunsthistorikerin Anke von Heyl unterhält sich mit Hochschulpfarrer Klaus Thranberend. Im Netz können Sie gleichzeitig beide Bauwerke besichtigen und mit den ExpertInnen live vergleichen: Warum sind die beiden Kirchen so ähnlich? Wo finden sich Unterschiede? Und warum hat man in den 1960ern Kirchen so “brutal” gebaut?

Virtueller Kunstspaziergang: Wie lassen sich Kunst und Kultur im digitalen Raum vermitteln?

Im Anschluss an den Spaziergang lädt David Röthler zur Diskussion ein und beschäftigt sich unter anderem mit diesen Fragen: Wie kann Kunst und Kultur im digitalen Raum vermittelt werden? Ist Live-Vermittlung eine Option und was wollen digitale TeilnehmerInnen sehen oder erleben?

Treffpunkt ist am Freitag, 1. Juni um 15.30 Uhr im virtuellen Raum – ein Link ist Ihre Eintrittskarte! ;-)
-> https://zoom.us/j/8640451927

Über diesen können Sie ab Freitag 15.30 Uhr in die Veranstaltung einsteigen und über das Netz direkt in beide Kirchen in beiden Städten gleichzeitig sein. Alternativ wird der brutalismus-digi-walk auch live auf der Facebookseite der Furche gestreamt.

Zu guter Letzt wird diese Form der digitalen Vermittlung auch Thema beim stARTcamp Wien am 15. Juni sein. Anne Aschenbrenner und David Röthler werden über das Experiment berichten und gleichzeitig mit Ihnen diskutieren, welches Potenzial diese Form der Vermittlung für den Kunst- und Kulturbereich hat.

Update:

Wer gestern nicht dabei sein konnte, findet hier die Aufzeichnung. Oder besser gesagt, drei Versionen des gestrigen virtuellen Kunstspaziergangs. Denn es ging bei diesem Kunstspaziergang ja auch darum zu zeigen, welches Potenzial in diesem Format steckt.

Der brutalismus-digi-walk wurde gestern mit Hilfe von Zoom übertragen. Der Stream lässt sich gleichzeitig als Facebook-Livestream übertragen. Die Aufzeichnung sehen Sie aktuell zum Beispiel auf der Facebookseite der Furche. Außerdem können Sie die Aufzeichnung auch auf YouTube hochladen und das in zwei verschiedenen Versionen. In der ersten Version sieht man im Kachelformat alle Userinnen und User, die gestern live dabei und ihre Webcam eingeschaltet haben:

Und hier die zweite Version, in der man immer nur die sieht, die gerade sprechen. Für den virtuellen Kunstspaziergang ist das die interessantere Version:

Foto von rishon-lezion auf Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)