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Eine Abschlussarbeit beschäftigt sich mit der Kunstvermittlung in Museen

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„Die Kunstvermittlung an unserem Haus soll auf ganz unterschiedliche Art Brücken bauen, vom Kunstwerk zum Betrachter. Für uns ist es ein besonderes Geschenk, wenn Besucher wieder kommen, weil sie sich dem Abenteuer Kunst aussetzen.“

Dieses Zitat stammt von Agnes und Karlheinz Essl und ist auf der Website des Essl Museums zu finden. Für Max Wintersteller ist dieses Museum etwas besonderes. Im Unterschied zu den anderen österreichischen Museen sind dort nämlich die KunstvermittlerInnen auch in die Entwicklung und Konzeption von Ausstellungen, sonst Aufgabe der KuratorInnen, eingebunden, schreibt er in seiner Arbeit „Kunstvermittlung in Museen“. Mit dieser Arbeit schließt er seine zweijährige Ausbildung am Kolleg für Kunstmanagement an der Vienna Business School ab.

Ich finde es toll, dass er mir seine Arbeit zur Verfügung gestellt hat und auch damit einverstanden war, dass ich hier im Blog auf sie eingehe. So selbstverständlich ist das nämlich nicht und daher wandern die meisten Arbeiten nach ihrer Fertigstellung in irgendwelche Schubladen und geraten dort in Vergessenheit, obwohl sie häufig sehr viele Informationen und Anregungen enthalten.

Wintersteller konstatiert, dass sich die Kunstvermittlung im Bereich der Bildenden Kunst zu einem „eigenständigen und wichtigen Aufgabenbereich“ entwickelt habe, aus dem heraus ein neues Berufsbild entstanden sei. In seiner Arbeit beschreibt er die Grundprinzipien dieser Tätigkeit und beschäftigt sich außerdem mit neuen Entwicklungen im angelsächsischen Raum, Stichwort Audience Development.

Wie sehen eigentlich die Aufgabenbereiche in der Kunstvernittlung aus? Wintersteller listet vier Hauptpunkte auf:

  • Ausstellungstätigkeit
  • Veranstaltungsprogramm
  • Begleitmaterialien
  • Serviceeinrichtungen

Einen Aspekt möchte ich hier gerne herausgreifen. Wintersteller erwähnt in der Liste der möglichen Begleitmaterialien auch Audio- und Multimedia-Guides.

„Die Audio-Guides können Kommentare von Künstlern, Kuratoren und Kritikern enthalten, oder eigens für Kinder ausgerichtet sein. Sie dienen mit Filmpräsentationen, mechanisch oder elektronisch gesteuerten „Hands-on“-Installationen (frei übersetzt: Anfassinstallationen), um Abläufe oder Zusammenhänge zu präsentieren“,

schreibt er. Für ihn ist es aber fraglich, ob diese elektronischen Vermittlungsmedien helfen, im Museum „sehen zu lernen“. Das leuchtet mir nicht ganz ein. Ist es nicht so, dass die Herausforderung darin besteht, meine Zielgruppe auf dem Kanal anzusprechen, den diese bevorzugt? Ich behaupte, dass das mit der Hilfe von Broschüren, Foldern, etc. auch nicht besser funktioniert.

Hinzu kommt: so pauschal lässt sich das wahrscheinlich gar nicht sagen, denn jedes Medium hat seine Vor- und Nachteile. Die Sache steht und fällt mit der Frage, wozu ich das jeweilige Medium einsetze. Wintersteller erwähnt selbst eine Audio-Führung von Roger M. Bruegel, in der es ihm nicht darum ging, Bilder zu erklären,

„sondern auf die Ausstellung einzustimmen, Beziehungen zwischen Werkgruppen vorzustellen und die Besucher fantasievoll anzuregen.“

Gerade in dieser Hinsicht haben Audio- und Videoelemente klare Vorteile gegenüber einem Printformat, denke ich. Die Kunst ist nur, diese Elemente so einzusetzen, dass das Kunstwerk im Vordergrund bleibt, wie Wintersteller fordert. Das ist richtig, denn natürlich besteht die Gefahr, dass plötzlich die Audio- und Videofiles im Vordergrund stehen. Hier sehe ich die Herausforderung auf der konzeptiven Ebene, denn wie heißt es an anderer Stelle so schön:

„Laut Umfragen sind Museen bei Jugendlichen annähernd so beliebt wie Zahnarztbesuche.“

Da lautet die Frage ja dann eher, ob es mir überhaupt gelingt, das Interesse zu wecken?

Dafür sind dann Kunstvermittlungsprogramme da. Mit ihrer Hilfe solle es gelingen, Menschen zum Besuch von Museen zu motivieren, so der Autor. Dazu muss man aber auch wissen, warum Menschen in Museen gehen bzw. warum sie nicht in Museen gehen. Und noch etwas ist wichtig, nämlich die Frage, wie man an die jeweiligen Zielgruppen überhaupt herankommt.

Wie das funktionieren kann, zeigt Wintersteller am Beispiel des Victoria and Albert Museum in London. Im Rahmen eines EU-Projektes wandte man die sogenannte Keyworker Methode an, um bei Jugendlichen, die nicht mehr zur Schule gehen, das Interesse an Museen zu wecken. Informationen über Projekt und Methode enthält die im Rahmen des Projekts veröffentlichte Publikation „Museen, Keyworker und Lebensbegleitendes Lernen: Gemeinsame Erfahrungen in fünf Ländern„.

Wichtig ist in meinen Augen auch der Hinweis des Autors, dass Museen für Erwachsene auch eine soziale Rolle spielen. Nur die Hälfte der Zeit verbringen BesucherInnen in den Ausstellungsräumen. Museumsshop und Cafe sind also ebenso attraktiv und wichtig, daher sollte dieser Punkt bei der Entwicklung von Kunstvermittlungsprogrammen nicht unberücksichtigt bleiben, so Wintersteller, denn

„Menschen wollen sich untereinander vernetzen,“

und die Kunst könne dabei eine wichtige Rolle spielen. Das erinnert mich an Adam Thurman, der auf seinem The Mission Paradox Blog im Beitrag „Art as the Hub“ genau die gleiche These aufstellt. Konsequent weitergedacht müsste das heißen, dass Kunstvermittlungsprogramme auch diesen Aspekt berücksichtigen müssten. Zwar sind Führungen schon jetzt in der Regel dialogisch ausgerichtet, aber dabei steht nicht die Kommunikation zwischen den BesucherInnen im Vordergrund.

Im dritten Teil seiner Arbeit wendet sich Wintersteller dem Thema Audience Development zu und beschreibt, wie unterschiedlich die Konzepte in den USA und Großbritannien sind. Vor allem in den USA spielt natürlich das Marketing eine entsprechende Rolle. Wintersteller kommt darauf unter der Überschrift „‚Autonomie der Kunst‘ versus Marketing“ zu sprechen, womit das Problem auch gleich auf den Punkt gebracht ist.

Das Grundrecht der „Autonomie der Kunst“ und die damit verbundene Zweckfreiheit stehe, so zitiert er Birgit Mandel, im deutschsprachigen Raum im Vordergrund und deswegen habe eine Besucherorientierung einen geringeren Stellenwert. Die Freiheit der Kunst solle nicht durch Publikumsbedürfnisse und -wünsche tangiert werden.

„Zugleich führt die traditionelle Angebotsorientierung der öffentlichen Hand, also die Überzeugung, dass der Staat für seine Bürger Kulturangebote, ungeachtet deren Nachfrage, vorhalten muss, zu einer Vernachlässigung der Nutzerorientierung.“

Ich habe den Eindruck, hier werden entweder-oder-Positionen aufgebaut, die es so eigentlich nicht geben müsste. Wintersteller erwähnt netterweise meine Meinung in der Arbeit, daher nur soviel: Auf die Bedürfnisse meiner BesucherInnen einzugehen heißt nicht, dass ich mich an sie verkaufe und nur das produziere, was ihnen gefällt. In wie vielen Gesprächen wollen wir andere Menschen von unserer Meinung überzeugen und bei ihnen einen guten Eindruck hinterlassen? Ist das Eingehen auf mein Gegenüber dabei mit einem Aufgeben der eigenen Positionen und „Qualitätsverlust“ verbunden? Ich denke nicht.

Ich habe vielmehr den Eindruck, dass eine solche Aussage ein Zeichen für geringe Wertschätzung ist. Wintersteller zitiert in diesem Zusammenhang Alberto Meyer, Leiter der Abteilung für Marketing und Kommunikation des Museums für Kommunikation in Bern, der dazu meint:

„Dabei versteht es sich, dass dem Einfluss auf das Kernprodukt Ausstellung Grenzen gesetzt sind. Erweiterten Spielraum kann das Marketing jedoch erhalten beim Service Design, d.h. bei der Festlegung derjenigen Dienstleistungen, die um das eher statische Kernprodukt Ausstellung herum angeboten werden sollen.

Nett, aber kann es nicht sein, dass ich als Museum von meinen BesucherInnen lernen kann, wenn ich den Dialog mit ihnen suche? Dass die mehr oder anderes wissen als ich? Oder ist es wirklich so, dass ein Museum weiß, was gut für uns ist? Was meinen Sie?

PS: Die Arbeit steht als Word-Dokument zur Verfügung. Haben Sie Interesse an der Arbeit, können Sie Max Wintersteller hier eine Mail schicken.

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