Post Format

„Brauchen wir eigentlich das Internet?“

15 comments

telefon
© Bernd Boscolo; Pixelio

Diese Frage wurde mir vor ein paar Tagen von einer Kulturmanagerin aus dem Theaterbereich gestellt. Im ersten Moment wollte ich diese Frage bejahen. Aber ist das wirklich so? Immerhin gibt es heute noch jede Menge Menschen, die, ob freiwillig oder unfreiwillig, auf die Email verzichten. Die nicht alles in Google nachschlagen, sondern in einem Lexikon. Die unter einem sozialen Netzwerk etwas anderes verstehen als das Kontakte sammeln in Xing.

Geht es denen schlechter als uns, die wir ohne das Internet gar nicht mehr auszukommen meinen? Sie leiten Firmen, arbeiten als Anwälte, Handwerker, etc. und haben keine schlechteren Umsätze als die anderen. Es ist auch nicht so, dass sie einsam und verlassen ihr Leben fristen müssen, weil man sich heute nur noch im Internet kennen lernt und trifft. Ganz im Gegenteil, Kerstin Hoffmann hat gestern festgestellt, dass das Bloggen aus ihr eine Langweilerin gemacht hat, die den Kontakt zum realen Leben verloren hat.

Also wozu braucht eine Kultureinrichtung das Internet?

Information? Welche dürfen es denn sein? Wenn es um künstlerische Inhalte geht, sind beispielsweise Ausstellungskataloge und Bücher eine ganz gute Quelle. Wer ab und zu noch Bibliotheken besucht, weiß, was sich dort für Schätze verbergen. Da findet man mindestens ebensoviel Neues wie im Netz. Und das ganze Drumherum, also etwa die Organisation der nächsten Ausstellung oder des nächsten Gastspiels? Auch da komme ich sehr gut ohne das Internet klar. Ich bin halt anders organisiert. Mit Notiz- und Adressbuch kommt man immer noch sehr weit.

Kommunikation: auch früher haben Menschen den Weg ins Museum oder Konzert gefunden. Empfehlungen lassen sich zwar online schneller und weiter verbreiten, aber wann bin ich ins Kino gegangen? Wann habe ich eine Platte gekauft? Richtig, wenn jemand gemeint hat, dass die Platte oder der Film gut sei. Und wie ist das heute? Noch immer gibt es Menschen, die ohne das Internet etwas weiterempfehlen.

Miteinander ins Gespräch zu kommen ist eine Kunst, die man beherrschen muss, egal ob online oder offline. Und auch ohne das Internet gibt es wahre Kommunikationsgenies, die es verstehen, Gespräche zu initiieren. Vielleicht sogar schriftlich. Nehmen wir die zahlreichen Briefwechsel, die KünstlerInnen miteinander geführt haben. Sie bieten eine Fülle an Informationen und Einblicken. Emails? Ich fürchte, unsere Emailkommunikation ist nicht annähernd so ergiebig wie viele dieser Briefe.

Networking: ich treffe mich heute noch gerne in Cafehäusern. Zugegeben, das geht in Wien besonders gut, aber das ist es nicht. Der Austausch funktioniert anders, ist aber unter Umständen nachhaltiger, denn schließlich trifft man sich ja nicht jeden Tag. Ist es nicht sogar ein Vorteil, wenn ich meine Stakeholder im persönlichen Gespräch erlebe? Erfahre ich da nicht unter Umständen mehr als in einer Email?

Es geht also, um die Frage aus der Überschrift zu beantworten, durchaus auch ohne das Internet. Die Frage ist, ob das Sinn macht? Verweigerungshaltung? Privat mag das gehen, aber als Kultureinrichtung? Eher nicht. Die Herausforderung besteht wohl darin, das richtige Maß zu finden. Ausschläge gibt es in beide Richtungen und als jemand, der das Internet intensiv nutzt, wäre es fatal, diejenigen, die es gar nicht oder nur selten nutzen, geringzuschätzen. Die Gefahren, die daraus resultieren, hat Kerstin Hoffmann in ihrem oben erwähnten Blogpost angesprochen. Ein Kommentar dazu hat es recht gut getroffen:

„Leider viel zu wahr, um nur lustig zu sein…“

Es gibt sie noch, die Welt da draußen. ;-)

15 Comments Join the Conversation

  1. Ich stimme dem zu. Auf Dauer kann man sich als Kultureinrichtung dem Internet nicht entziehen. Aber es hat/wird für Kontaktaufnahme, Kommunikation und Informationssuche eine ergänzende Funktion und wird die „analogen“ Aspekte keinesfalls obsolet machen.

    Reply

  2. Für mich als Privatperson/ Freiberuflerin:
    Ich habe im Internet viele interessante Leute kennen gelernt, die mir in der „Welt da draußen“ wohl nie zufällig über den Weg gelaufen wären. Wie ich mit diesen Kontakten umgehe, ist eine andere Sache. Lasse ich`s aufs Internet beschränkt oder treffe ich die in der Realität auch?

    Als Kultureinrichtung ist das ähnlich. Man erreicht Leute, die sonst nicht auf die Einrichtung gekommen wären. Und natürlich – wenn man nicht nur den Bekanntheitsgrad im Auge hat, sondern den Web 2-nulligen Partizipationsgedanken: Man kommt mit Leuten in Austausch, mit denen das sonst nicht passiert wäre. Man hört Meinungen von Leuten, die man sonst nie zu Ohren bekommen hätte. (vielleicht will man das ja gar nicht…)

    Ich bin auch dafür:
    Die Mischung machts. Weder sich den neuen Entwicklungen verschließen, weil sie pfui sind, noch das Web 2.0 als Allheilmittel sehen und darüber die Kommunikation/ Vernetzung auf „herkömmliche Art“ vergessen…

    Reply

  3. Nein, eigentlich brauchen wir das Internet nicht. Wir brauchen Luft, Wasser und Nahrung. Wir brauchen auch keine Straßen, eigentlich auch keinen Strom und Baumärkte erst recht nicht. Es ist aber schon ganz nett, das alles zu haben und es schafft neue Möglichkeiten.

    Nein, wir brauchen das Internet nicht. Ja, es schafft neue Möglichkeiten.

    Reply

  4. Ok, da kristallisieren sich dann eigentlich zwei Ebenen heraus. Eine „persönliche“, auf der es um „meinen“ Umgang mit dem Internet geht (so gesehen hast Du Recht, Michael, die Frage müsste nicht „wir“, sondern „ich“ lauten).

    Auf der anderen Seite gibt es die übergeordnete Ebene, auf der Geschäftsprozesse ablaufen, die uns als Teil eines dann nicht mehr funktionierenden Ganzen betreffen.

    Auf der persönlichen Ebene gefällt mir der Satz von Alexander sehr gut: „Nein, wir brauchen das Internet nicht. Ja, es schafft neue Möglichkeiten.“

    Reply

  5. Da bin ich ganz bei Alexander:
    Nein, wir brauchen das Internet nicht.
    Ja, es schafft neue Möglichkeiten.
    Ich würde aber ergänzen: … und neue Ausschlüsse.
    Gerade der Hinweis von Michael weist ja auch darauf hin, dass es da auch welche gibt, die nicht dabei sind.

    Aber praktisch denke ich, dass du Christian recht hast, mein Privatleben könnte ich auch gut ohne Internet leben; beruflich würden manche Dinge schon wirklich sehr kompliziert. Der wichtigste Dienst ist für mich nach wie vor arbeitsbezogen Email.

    Reply

  6. Pingback: blogring.org

  7. Ich gestehe … ich bin internet-abhängig…ich brauch es. Sowohl privat als auch geschäftlich. Mal ehrlich …wer kennt nicht die denke … hab ich neue mails … was ist mit meinem eintrag bei xing (oder anderen) und wie oft wurde er abgerufen…hat sich die welt in griechenland seit gestern verändert…was schreibt christian in seinem blog … wieviel zugriffe haben wir auf unsere website … wo sind sind sie drauf und wo sind sind sie weg… ist jemand in skype oder teamspeak …zum nächte verkürzen.. was gibt es neues in hh oder mr oder in chabarowsk… ist die software aktualisiert … gibst ein neues tool zu dem tool … scheibe keine verbindung warum …test … liegts an meinem rechner oder am provider…hab ich die neuen termine eingepflegt … wie sind die rückmeldungen per email zum termin sowieso…hab ich jetzt die rechnung per mail und mit pdf schon weg oder nicht … wie ist der kontostand … hat der schon oder nicht … und mal ehrlich … wie kann sich ein system beweisen … oder anders gesagt wie kann sich sich ein schiff beweisen … es schwimmt (und um in der dualität zu bleiben) es kann untergehen (wurde der titanic zum verhängnis…unsinkbar!) …stehen wir dazu, dass wir es brauchen und wie meinte schon dali dazu (in anderem zusammenhang … mit seiner farbenlehre) wenn alles nicht stimmt macht es auch nichts … ich steh zum internet und meiner abhängigkeit. nutzen nutzen nutzen … es ist das ding …!

    Reply

  8. hallo herr henner-fehr,
    vorab: wir brauchen das internet – ALLE
    begründungen, die ich bei ihrem beitrag noch nicht so gefunden habe:
    erfolgsmessung
    selbst wenn nur klassisch mit printmedien geworben wird, ist das internet das einzige messinstrument, mit dem ich kostengünstig über die klickraten den werbeerfolg messen kann. das heißt konkret:
    ich verteile einen flyer mit internetadresse, oder gebe einen newsletter (gedruckt) mit internetkontakten heraus. normalerweise müssten nach dem heutigen medienverhalten die klickraten hochgehen, oder sich irgendwie verändern. ist das nicht der fall – kann ich daraus ablesen, dass die printmedien nicht richtig funktionieren. ein anderes beispiel – bei einem plakat für eine ausstellung wird als response die url angegeben. finde ich auch einen monat vor eröffnung keinen ausschlag bei den klickzahlen, erkenne ich so auch, dass ich den werbedruck erhöhen muss.

    kostendruck
    das internet bietet soviel kostengünstige werkzeuge (auch vorlagen für printmedien) bis dahin, dass ich für 39 € z.b. bei books on demand ein buch verlegn kann.

    fazit: wir brauchen wirklich alle das internet, weil sich im kulturbereich keiner echte werbeerfolgskontrolle oder echte agenturerstellte medien leisten kann und will – gilt zumindest für 90 % der (kleinen) kulturbetriebe

    Reply

  9. Das ist ja nun mal so…
    Hat Sie das wirklich gefragt? Brauchen wir das Internet?
    Nein, wir brauchen nur uns. Den ganzen Tag und am besten öfter.

    Dann führen wir das Hard-Ticket wieder ein und Montags treffen sich 2000 Vorverkäufer im Büro des Intendanten zum Tee (Selbstgebackenes bringt jeder mit) und innerhalb von wenigen Tagen haben wir die Karten wieder so verteilt, das jeder eine halbe für jede Vorstellung mitnehmen kann. Bis zum nächsten Montag.

    Die Kundendaten tragen wir lieber selbst ein – dann wissen wir auch wo sie stehen. Und dann brauchen wir nur noch ein paar Praktikanten, die tragen dann die Newsletter aus (sind ja eh nur 3 – wir halten nämlich nicht so viel davon).

    Wir haben auch mal versucht dem Publikum vorher einen Eindruck von dem zu vermitteln, was es erwartet, das lassen wir jetzt aber lieber, da kamen nicht mehr so viele. (Aus einem ähnlichen Grund haben wir ja auch die Pausen in den Vorstellungen abgeschafft – da gingen die Leute nämlich.)

    Und die Staatsgelder kommen immer zum Stichtag, da brauchen wir auch kein Online-Banking.

    Wär ja auch Quatsch, sich da zu viele Gedanken zu machen, dafür werden wir ja nicht bezahlt – wir sind hier im Marketing, weils nicht zur eigenen Karriere auf der Bühne gelangt hat. (Es gibt ja auch tolle Berufe hinter der Bühne – ohne auf den Glamour verzichten zu müssen. Arbeit ist da natürlich abträglich).

    Und überhaupt – so viel Platz ist im Internet ja auch nicht, da sind schon so viele drin:

    http://www.stage-entertainment.de
    Das hab ich ja noch gar nicht verstanden. Da hat wohl ein Praktikant zu viel Zeit. Na die werden das sicher auch bald einstellen.

    Und die Bild Zeitung weist nur aus Versehen dreimal auf jeder Seite aufs Online-Angebot hin / aber Bild lesen wir ja eh nicht – die „Theater Heute“ ist uns genug. Da werben wir ja auch drin – nicht ganz billig, aber die Drei, die den Newsletter per Post bekommen lesen die auch.

    Brauchen wir das Internet? Hat Sie das wirklich gefragt?

    Reply

  10. @Christian Dingenotto: Klar können Sie genau kontrollieren, wieviele Klicks ein Flyer hervorruft. Und dann? Geht es Ihnen nur um die Klicks? Sie haben die kleinen Kulturbetriebe angesprochen. Helfen denen die Klicks? Ich denke nicht, denn am Ende geht es um die Frage, wieviele Menschen die Ausstellung, das Konzert, etc. besucht haben.

    Katie Delahaye Paine hat das in ihrem Artikel How to Measure Social Media Relations sehr schön formuliert:

    „The normal maxim for measurement is, ‚If you can’t measure it, you can’t manage it.‘ The problem with measuring blogs is not how to do it, but rather that the nature of blogs renders management impossible. You simply can’t manage what 100 million independent-minded, opinionated people are going to say.“

    Aber Sie haben Recht, das Thema Erfolgsmessung ist bis jetzt zu kurz gekommen.

    @Christoph Mathiak: Das hat sie gefragt. Und Deine Schilderungen kommen der Wirklichkeit manchmal schon sehr nahe. Aber eigentlich ist es ja unsere Aufgabe (oder unser Job), andere davon zu überzeugen, dass sie das Internet brauchen.

    Reply

  11. Pingback: Social Media: wann weiß ich, ob ich erfolgreich bin? « Das Kulturmanagement Blog

  12. Diese Fragen würde ich mit „Kommt darauf an!“ beantworten. Da das Web mittlerweile fester Bestandteil unserer Gesellschaft geworden ist, hat sich hier auch einiges an Business angesiedelt. Online-Shops, Portale etc. Diese brauchen das Internet mit Sicherheit, weil es deren geschäftliche Basis ist.

    Zum überleben braucht man das Web sicherlich nicht. Ohne wird es aber in vielen Bereichen schwieriger und langweiliger….

    Ich kann mich daher dem Kommentar von Alexander vollständig anschließen.

    Reply

  13. @webshopnews: klar, wenn das Geschäftsmodell darauf basiert, dann geht es ohne wohl nicht. :-) Ich denke, es geht gar nicht so sehr um die Frage, ob wir es brauchen oder nicht, sondern ob wir es nutzen wollen? Und das muss dann jede/r selbst entscheiden…

    Reply

  14. Ich entdecke mit der Zeit auch, dass das Internet mich nicht wirklich glücklich macht. Wenn wir annehmen, dass z.B. Der Drogenhandel im Darknet der linke Extrempol ist (Anarchie) und die Gerichtsverhandlung bzw. Die Telefonate und die belehrenden Gespräche mit einer fremden Person, die vor dem Internet warnt der rechte Extrempol sind (Faschismus), dann ist das Internet der laue Mittelweg (Kapitalismus): Man ist zwar subjektiv frei (wie beim Drogenhandel im Darknet) aber nicht objektiv (wie bei der Gerichtsverhandlung). Wenn ich mir Sharhoster, Filehoster, Filesharer und wie die alle heißen anschaue, dann merke ich, dass ich in Wirklichkeit ein Sklave bin, der in seinem wirklichen Leben nichts hinbekommt, da mein Frontalhirn beeinträchtigt ist. Solange mein Frontalhirn beeinträchtigt ist, werde ich mit der wirklichen Welt nicht viel anfangen können. Letztlich ist der goldene Mittelweg aber ein Leben ohne Internet in der Welt da draußen (Externet) unter eventueller Nutzung eines Hirnschrittmachers (Kommunismus), da ich dann zwar subjektiv unfrei bin (wie bei einer Gerichtsverhandlung, wo die Geschworenen, die Schöffen und der Richter mich korrigieren), aber objektiv frei (wie beim Drogenhandel im Darknet, da die IP-Adresse mir nicht zur Last wird). Ich kann nicht mein Leben lang ein apathisches Leben als digitaler Sklave führen, der sich von de Maizière und anderen Innenministern sagen lässt, wie er zu leben hat.

    Reply

Leave a Reply

Required fields are marked *.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.