Monthly Archives of: März 2011

Post

Social Media: es geht darum, digitale Workflows zu entwickeln

1 comment

Wenn wir von Social Media sprechen, dann geht es meist darum, potenzielle Zielgruppen anzusprechen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie so für die angebotenen Dienstleistungen oder Produkte zu begeistern. Nur so einfach ist das nicht, vor allem lässt sich nicht so einfach messen, ob man mit den eigenen Aktivitäten erfolgreich ist oder nicht. Am Ende ist dann erfolgreich, wer möglichst viele Fans oder Follower hat.

Was aber sind die Alternativen? Gerald Lembke, promovierter Wirtschaftswissenschaftler, hat sich auf seinem Blog Medienmanagement und Unternehmenskommunikation mit dieser Thematik beschäftigt. In seinem Beitrag „Social Media in Unternehmen verwirrt mehr als es hilft“ stellt er fest, dass er schon seit Jahren von den Unternehmen immer die gleichen Fragen gestellt bekommt. Die meisten der Top-Ten-Einwände kennen wir alle, z.B. die Feststellung, dass es für Social-Media-Aktivitäten an der dafür notwendigen Zeit fehle.

Seiner Meinung nach machen die Unternehmen einen Fehler, wenn sie sich in Sachen Social Media auf Web- und Werbeagenturen verlassen,

„(d)enn zum originären Geschäft der Agenturen gehört es eben nicht, Organisations- und Prozessberatung zu leisten. Diese sind nicht nur notwendig sondern zwingend, um digitale Workflows zu entwickeln, Redundanzen zu klassischem Marketinghandeln aufzudecken, Strukturen zu schaffen und die Kultur im Unternehmen zu entwickeln“.

Für Lembke sind Facebook und Twitter nur vordergründig ein Thema, eigentlich geht es um

„Veränderungen in Prozessen und Denkweisen der Mitarbeiter und Führungskräfte“.

Deshalb sind in seinen Augen auch die zahlreich veröffentlichten Social-Media-Beispiele wenig zielführend, denn es gilt vor allem einen Weg zu finden, der dem Unternehmen nachhaltigen Erfolg verspricht. Der hat mit Fans und Followern nur indirekt etwas zu tun.

Post

Transmedia Storytelling hilft, Grenzen zu verschieben

2 comments

In Theateraufführungen oder in Austellungen, aber natürlich auch in Büchern und vielen anderen Formen von Kunst werden Themen aufgegriffen, die eine gesellschaftliche Relevanz besitzen. Diese Themen werden oftmals aus einer Perspektive betrachtet, die überraschende und damit wertvolle Einsichten vermittelt, der Wert einer solchen Herangehensweise ist unbestritten.

Was ich oft vermisse, ist der nächste Schritt, den ein Theater, ein Museum bzw. eine einzelne KünstlerIn logischerweise nicht schaffen kann, dazu sind Kunst und Kultur auch gar nicht da. Möglich ist aber, so denke ich, das Nachdenken über Kooperationen, über die Zusammenarbeit mit Playern in einem Kontext, aus der heraus genau dieser nächste Schritt erfolgen kann. „From systems to ecosystems“ ist ein Blogpost von Esko Kilpi überschrieben, in dem es darum geht, unser Managementdenken zu verändern und Abstand zu nehmen von einem Denken, das alle externen Einflüsse kaum oder gar nicht berücksichtigt.

Ein Ökosystem zeichnet sich laut Wikipedia durch drei Merkmale aus:

  • es handelt sich um ein offenes System
  • es finden dynamische Entwicklungen statt
  • durch die Vielzahl von Wechselwirkungen handelt es sich um ein komplexes System

Genau so funktioniert oder besser gesagt, kann Transmedia Storytelling funktionieren. Es werden über verschiedene Formate hinweg unterschiedliche Handlungsstränge entwickelt, in die sich entsprechend dem Konzept auch „das Publikum“ einbeziehen lässt. Einen solchen, in meinen Augen sehr spannenden Ansatz verfolgt Conspiracy for Good, ein Alternate Reality Game (ARG), in dem es, wie Sarah Vianney in einem Artikel für „Die Presse“ schreibt, um den monumentale Kampf Gut gegen Böse geht. Die Handlung zu beschreiben ist, wie sie richtig schreibt, eigentlich kaum möglich, aber das folgende Video lässt einen ahnen, was da alles auf einen zukommt, wenn man sich auf dieses „Spiel“ einlässt, bei dem es am Ende dann doch sehr konkret wird, wenn es um den Bau einer Schule in Zimbabwe geht:

Sarah Vianney fasst am Ende ihres Artikels zusammen:

„Die Idee von kleineren ARGs für Lernprojekte und größere zur Anregung des globalen Bewusstseins ist verführerisch. Der Zugang zu ARGs, die tatsächlich die Welt – die reale Welt – verändern können, ist eine reizvolle Idee, die sogar schon vom Roten Kreuz und der Europäischen Union aufgegriffen wurde. Das Besondere hier ist die Integration von Menschen, die nicht als klassische „Gamer“ gelten (…).“

Kunst und Kultur als Teil eines Ökosystems, in dem bestimmte Themen bzw. Fragen aufgegriffen und weiterentwickelt werden, kann das nicht ein interessanter Anknüpfungspunkt sein für die künstlerische Arbeit sein, die diesen Systemen so oft wertvolle Impulse liefert? Transmedia Storytelling ist dann die inhaltliche Klammer, das „Drehbuch“ für die geplanten Aktivitäten, aus denen heraus neue Partnerschaften entstehen, Partnerschaften, an die wir heute noch gar nicht denken.

Post

Kunst, Kultur und niedrige Honorare

10 comments

Die Tatsache, dass die Einkommensverhältnisse von KünstlerInnen meist wenig rosig aussehen, ist zwar schon länger bekannt (z.B. beschäftigt sich diese Studie mit der sozialen Lage der KünstlerInnen in Österreich), aber geändert hat sich daran bis heute recht wenig. Das gilt nicht nur für den deutschsprachigen Raum, auch in den USA garantiert das Künstlerdasein nicht das finanzielle Überleben.

Nachdem von öffentlicher Seite wenig Unterstützung zu erwarten ist, stellt sich die Frage, wie man dieser Herausforderung als KünstlerIn begegnen kann, was man konkret unternehmen kann, um mehr Lohn oder Honorar für seine künstlerische Arbeit zu erhalten? Ganz interessant in diesem Zusammenhang ist ein Blogpost von Adam Thurman. In seinem Beitrag „Leverage, Picking Yourself and The Art of Getting Paid“ versucht er herauszuarbeiten, was KünstlerInnen tun sollten, um im Konkurrenzkampf mit anderen KünstlerInnen die besseren Karten zu haben.

Seine These lautet:

„An artist can create assets and leverage those assets to create a higher wage.“

Was er damit meint, veranschaulicht er am Beispiel zweier TheaterautorInnen, die beide über die gleichen Fähigkeiten verfügen. AutorIn A entscheidet sich für den traditionellen Weg, verschickt Ihre Manuskripte und baut sich im Laufe von drei Jahren ein Netzwerk auf.

AutorIn B wählt einen anderen Weg:

„Playwright B self produces.  She works two jobs and uses the money from her second gig to put up her plays.  She pays everyone involved what she can.  Over the course of three years she puts up five of her plays.  None of them are a huge success but she has gathered the names/emails/address of 1,500 audience members who have an interest in her work.“

Thurman nimmt nun an, dass beide nach diesen drei Jahren ein und dasselbe Stück schreiben, Wort für Wort und beide versuchen, es einem großen Theater anzubieten. Bei seiner ersten Frage, wer von den beiden den härteren Weg hinter sich hat, werden die meisten B nennen, schließlich ist es nicht so leicht, fünf Stücke zu schreiben und zu produzieren. Seine zweite Frage, für wen von den beiden sich das Theater entscheiden wird, ist nicht so ganz einfach zu beantworten, wie Thurman schreibt, schließlich hat AutorIn A drei Jahre in ihr Netzwerk investiert und wenn Kontakte zu diesem Haus bestehen, hat sie gute Karten, den Zuschlag zu erhalten.

Nun aber zur dritten und entscheidenden Frage:

„Which playwright is more likely to get paid more?“

Thurman sieht AutorIn B hier klar im Vorteil:

„This is where all the efforts from Playwright B pays off.  When she sits down with that theatre she has an asset.  No, not the play.  Everybody’s got a play.  She has the name of 1,500 people who respect her and want to see her work.  Those names belong to her.  She earned them.  She earned the right to talk to them.“

Warum sollte sie für diese Adressliste nicht 1.000 USD mehr verlangen als AutorIn A, fragt sich Thurman, schließlich habe so eine Liste ja einen Wert? Und wenn das Theater nicht bereit sei, dafür zu zahlen, dann könne sie, so Thurman, ihren Weg weiter verfolgen, bis sie den passenden (Theater)-Partner finde.

Was ist nun der Unterschied zwischen AutorIn A und B? Während AutorIn A darauf wartet, von einem „Gatekeeper“, wie Thurman schreibt, auserwählt oder entdeckt zu werden, entdeckt AutorIn B sich selbst, sie nimmt die Sache selbst in Hand.

„It’s a cultural instinct to wait to get picked“,

schreibt Seth Godin in seinem Blogpost Reject the tyranny of being picked: pick yourself, das Thurman vermutlich zu seinem Blogpost inspiriert hat. Ihrer beider Botschaft lautet: „Pick yourself“.

Die Dinge selbst in die Hand nehmen und sich nicht in die Abhängigkeit der Gatekeeper zu begeben, das ist Thurmans Empfehlung , denn

„when you spend your time waiting to be picked . . . . if you ever do get picked . . . it will be on the gatekeepers terms.“

Angesichts der Entwicklungen, wie sie aus diesem Konferenzbericht herauszulesen sind, scheint mir Thumans Ansatz bedenkenswert zu sein. Es müssen ja nicht immer Adresslisten sein.

Post

Externe Social-Media-Dienstleister: worauf muss ich achten? [Video]

4 comments

Wenn ich selbst von etwas keine Ahnung habe, werde ich einen Dienstleister beauftragen, diese Aufgabe für mich zu übernehmen. Nicht ganz überraschend ist das auch in Sachen Social Media so. Was aber sind die Kriterien, nach denen man sich für oder gegen einen Dienstleister entscheidet? Das folgende Video, das ich gerade auf Facebook entdeckt habe, nennt zehn Kriterien, um Ihnen Ihre Entscheidung zu erleichtern.

Post

Eine Online-Plattform bietet Projektmanagement-Tools zum kostenlosen Download an

4 comments

Die meisten Informationen finde ich zwar online, aber manchmal werde ich auch in Zeitungen und Zeitschriften fündig, so in der Wochenendausgabe des Standard. Darin wird auf die von Patrick Fritz und Petra Geist entwickelte Plattform www.hochleistungsorganisation.com verwiesen, auf der jede Menge kostenlose Projekt- und Prozessmanagement-Vorlagen zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen.

Solche Mustervorlagen sind vor allem dann besonders hilfreich, wenn man auf die Schnelle einen Plan erstellen muss und jetzt mit dem „Basteln“ beginnen müsste. Ob Projektstruktur-, Meilenstein- oder Kommunikationsplan, ich bin mir sicher, Sie werden auf der Seite fündig. Toller Service, danke an Petra Geist und Patrick Fritz.

Post

Workshopreihe zum Thema EU-Förderungen in Wien

Leave a reply

Schon seit letztem Jahr bietet der österreichische Cultural Contact Point eine kostenlose Workshopreihe an, in der es um die Planung und Umsetzung von EU-geförderten Projekten geht. Am 12. April findet in Wien der sechste Workshop statt, der den schönen Titel „Navigating through Chaos“ trägt.

In dem Workshop lernen die TeilnehmerInnen die Besonderheiten der EU-Projektplanung kennen, heißt es in der Ankündigung:

„Wann müssen welche Aktivitäten geplant werden? Welche Vorgaben werden vonseiten der EU gesetzt? Welche Instrumente und Hilfsmittel können die Projektplanung unterstützen?“

Das sind einige der Fragen, die am 12. April zwischen 9:30 und 14 Uhr beantwortet werden. Wenn Sie bei Ihrem nächsten EU-Projekt Chaos vermeiden wollen, können sie sich hier bis 5.4. anmelden.

Post

Was erwarten sich die UserInnen von Social Media?

14 comments

Auf mein gestriges Blogpost habe ich jede Menge Rückmeldungen erhalten, für die ich mich erst einmal bedanken möchte. Inhaltlich ging es um die Frage, ob es legitim und sinnvoll sei, sich seine Fans zu kaufen? In den meisten Kommentaren wurde das verneint. Viele wiesen darauf hin, dass diese gekauften Fans nichts bringen würden und das Geld damit verloren sei. Aber auch auf der Werteebene wurde dieser Ansatz abgelehnt. Seine Fans kauft man sich nicht, man muss sie sich verdienen, so klang das immer wieder durch.

Verdienen heißt, man muss mit ihnen kommunizieren und interagieren, damit sie an dem, was man ihnen anzubieten hat, Gefallen finden. Das aber tun die gekauften Fans nicht, denn die interessieren sich höchstens für die Incentives, also die Werbegeschenke, aber nicht für die (Werbe)-Botschaft, so war in einem Kommentar  auf Facebook zu lesen. Eine Argumentation, die mir einleuchtet, schließlich lautet ja das Motto im Social Web: vom Monolog zum Dialog. Und wer auf Facebook sichtbar sein möchte, muss mit seinen Freunden und Fans kommunizieren und interagieren.

Glaubt man einer von IBM herausgegebenen Studie, dann liegen wir damit ziemlich verkehrt:

„The study (…) found that a majority of consumers say the top reasons they interact with companies via social sites are to receive discounts and make purchases, but companies rank those as the least likely reasons customers will follow them,“

heißt es in einem Artikel, in dem die Studie vorgestellt wird. Eine völlig falsche Einschätzung:

„Instead, businesses overestimate consumers‘ desire to interact with the companies, believing consumers hope to feel connected or be part of a community.“

Ich habe die Studie leider nicht entdecken können und muss mich mit der Pressemeldung zufrieden geben. Dort ist unter anderem zu lesen:

„The customer wants something tangible, you dopes, not to be pummeled on Facebook and Twitter by a marketing barrage thinly disguised as social media chit-chat.“

Jetzt würde mich interessieren, was da sonst noch so in der Studie steht.

Post

1.000 Facebook-Fans für 40 Euro

72 comments

Würden Sie sich, so Sie auf Facebook aktiv sind, Ihre Fans kaufen und knapp 40 Euro für 1.000 neue Facebook-Fans ausgeben? Das ist, wie man in einem Artikel auf DerWesten nachlesen kann, auf Ebay der aktuelle Durchschnittspreis für ein solches Angebot. Wahrscheinlich werden Sie das entrüstet von sich weisen und es ähnlich unethisch finden wie die in diesem Beitrag zitierte Facebook-Beraterin Annette Schwindt.

Mir geht es übrigens nicht anders, auch ich würde so ein Ansinnen wohl entrüstet ablehnen. Warum? Weil wir ja immer behaupten, Social Media funktioniere ganz anders als das klassische Marketing. So wird Annette Schwindt in dem oben verlinkten Artikel mit der folgenden Aussage zitiert:

„Man kann das alte Marketingdenken nicht einfach auf Social Media übertragen (…). Nicht die Anzahl der Fans ist wichtig, sondern der Grad an Interaktion mit ihnen.“

Und die finde man bei Ebay noch nicht im 1000er-Pack, so die Schlussfolgerung in dem Artikel. Aber ist das wirklich so? Ich muss gestehen, ich weiß nicht, wie man sich als Fan kaufen lassen kann, aber ich vermute, gegen meinen Willen kann man mich nicht dazu zwingen, Fan von z.B. einem Unternehmen zu werden. Ich weiß auch nicht, ob ich mich dafür bezahlen lassen kann, Fan eines Unternehmens zu werden, von Gewinnspielen und ähnlich Goodies mal abgesehen. Wenn aber 1.000 Fans 40 Euro Wert sind, dann kostet der einzelne Fan 4 Cent, d.h. reich werde ich als solcher sicher nicht.

Die Firma Digital Online Media hat sich auf das Experiment eingelassen und bei premiumfbfans.com Fans geordert. Bis jetzt hat sich aber noch nichts getan, d.h. es stellt sich die Frage, ob man sich seine Fans wirklich kaufen kann oder ob das nicht eine Betrügermasche ist, auf die man nicht hereinfallen sollte?

Aber nehmen wir mal an, ich kann mir meine Fans kaufen. Ist das nun wirklich ein Unterschied zu denen, die ich mit Hilfe von GoogleAds, der Facebook-Werbung oder auch dem klassischen Inserat auf meine, in diesem Fall Facebookseite locke? Und vor allem: ist es nicht eine Illusion zu glauben, wer meine Seite „liked“ ist automatisch ein Fan von mir und kauft meine Produkte oder besucht meine Veranstaltungen?

Eigentlich ist das Anklicken des „like-it“-Buttons doch nur der Hinweis darauf, dass mich die UserIn wahrgenommen hat und mir nicht grundsätzlich ablehnend gegenübersteht. Von einer Fanbeziehung sind wir, so würde ich behaupten, noch weit entfernt, allerdings sollten wir an dieser Stelle die Frage klären, wer oder was sich hinter einem Facebook-Fan verbirgt? Eigentlich ist das doch nur jemand, der durch das Anklicken signalisiert, dass ein grundsätzliches Interesse besteht. Allerdings wissen wir nicht, wie dieses Interesse aussieht? Handelt es sich z.B. um ein weltbekanntes Museum, dann möchte ich durch diese Verbindung vielleicht nur meinen „Freunden“ signalisieren, dass ich kunstaffin bin. So wie manche ganz bestimmte Bücher auf dem Tisch platzieren, bevor Besuch kommt. D.h. ich schmücke mich mit der Reputation dieses Museums und werte mich selbst dadurch auf.

Vielleicht erwarte ich mir aber auch einen finanziellen Vorteil davon, Fan einer Seite zu werden. Nehmen wir das Beispiel der Deutschen Bahn, die im letzten Herbst ihr Chefticket via Facebook verkauft hat. Wer hier Fan der Deutschen Bahn wurde, tat das nicht aus Liebe und Zuneigung zum Unternehmen, sondern um an ein billiges Ticket zu kommen. Auch die Idee, Filme über die Fanseite anschauen zu können, geht in eine in meinen Augen monetäre Richtung (siehe dazu auch : Cinema goes Facebook)

Ich darf an dieser Stelle noch einmal das Zitat von Annette Schwindt wiederholen:

„Man kann das alte Marketingdenken nicht einfach auf Social Media übertragen (…). Nicht die Anzahl der Fans ist wichtig, sondern der Grad an Interaktion mit ihnen.“

Sie sehen schon: bis jetzt stimmt das so nicht. Ein Grund dafür könnte sein, dass viele Seitenbetreiber Facebook (noch) nicht verstehen. Das ist der Tenor eines Interviews mit Annette Schwindt, nachzulesen im Blog von Matthias Schwenk. Schwindt spricht in diesem Zusammenhang von einer „neuen Art der Alphabetisierung“ und fordert, dass man erst die Grundprinzipien von Social Media begreifen müsse, um die Möglichkeiten von Facebook & Co. sinnvoll nutzen zu können. Aber der oft geforderte Dialog findet nicht statt, schreibt Uwe Knaus in einem Kommentar zu diesem Interview und findet dafür mehrere Gründe. Neben der fehlenden Kompetenz ist auch Facebook selbst daran Schuld, denn sollte sich mal so etwas wie ein Dialog entwickeln, verschwindet der recht schnell wieder von der Bildfläche und lässt sich nur mühsam wieder aufspüren.

Wenn aber Facebook gar nicht unbedingt der richtige Ort für Interaktion und Dialog ist, dann stellt sich die Frage, ob es nicht doch Sinn macht, Fans zu kaufen und sie via Facebook dorthin zu „locken“, wo ich mit ihnen wirklich interagieren oder Gespräche führen kann? Das entspricht dann nicht unbedingt dem Grundverständnis des Social Web, aber Uwe Knaus hat schon Recht, wenn er fragt, wo diese Gespräche auf Facebook denn stattfinden? Tun sie das nicht und wird die eigene Pinnwand eher wie ein Lautsprecher verwendet, dann geht es doch nur darum, dass meine Nachrichten gehört werden und manche sie für interessant halten und darauf reagieren. Dann wären wir wieder bei den alten Prinzipien und könnten auch die alten Regeln anwenden.

Natürlich geht es auch anders, gar keine Frage. Dan Robles hat das in seinem Beitrag „The 3 Steps To Social Profits“ recht anschaulich beschrieben (siehe dazu auch mein Blogpost Social Media oder Geld ist nicht alles) und hält darin fest, dass sich gekaufte Fans auf der monetären Ebene durchaus rechnen können. Das Ziel, „social capital“ zu generieren, lässt sich so allerdings nicht erreichen. Aber darum geht es ja gar nicht immer, wie das Beispiel Deutsche Bahn zeigt.

Update: Rechtsanwalt Thomas Schwenke beschäftigt sich in einem Blogbeitrag mit der Frage, ob der Kauf von Fans eigentlich erlaubt ist? Sein Urteil fällt eigentlich recht eindeutig aus, was heißt: Finger davon lassen!

Post

Am 26. März findet in Dresden das stARTcamp statt

1 comment

Genau in zehn Tagen, am 26. März 2011, findet in Dresden das nun zweite stARTcamp statt. Organisiert wird es von der Projektschmiede und Steffen Peschel, die in den letzten Wochen und Monaten viel Arbeit in diese Veranstaltung investiert haben. Ähnlich wie bei der stARTconference geht es um die Frage, in welcher Form der Kunst- und Kulturbereich das Social Web für seine Zwecke nutzen kann. Als Mischung zwischen Konferenz und Barcamp haben die Organisatoren versucht, einerseits schon SprecherInnen für die Veranstaltung zu gewinnen, andererseits gibt es auch viel Raum für spontane Themenvorschläge bzw. Vorträge. Festgelegt wird das endgültige Programm dann zu Beginn der Veranstaltung.

Ich freue mich, das übernächste Wochenende in Dresden dabei sein zu dürfen, erstens weil ich das erste Mal in Dresden sein kann und zweitens, weil das Programm sehr interessant zu werden verspricht. Auf der Website des stARTcamps sind bereits einige Sprecher vorgestellt worden, unter anderem wird Wolfgang Schweiger, stellvertretender Direktor des Instituts für Medien und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau etwas über Web Monitoring erzählen. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, was ich im Internet tun darf und was nicht. Die rechtliche Unsicherheit ist nach wie vor groß, Bernhard Kelz, der sich in Dresden als Rechtsanwalt auf das Thema Medienrecht spezialisiert hat, wird deshalb versuchen, in seinem Vortrag „Legal Media ./. Social Media – Wann ist sozial auch rechtmäßig?“ die wichtigsten Fragen zu beantworten.

Außerdem dabei ist fast das ganz Team der stARTconference, Karin Janner wird einen Einführungsworkshop halten, Frankt Tentler wird erklären, was sich hinter dem Begriff Transmedia Storytelling verbirgt und ich selbst werde mich mit dem Thema Social Media Marketing beschäftigen.

Alle Informationen rund um das stARTcamp finden Sie auf der Website oder auch auf Facebook, wichtig zu wissen sind vor allem diese Punkte:

Noch ein Wort zu den 20 Euro. Normalerweise sind Barcamps kostenlos, aber leider ist es in Dresden nicht gelungen, Unternehmen oder auch öffentliche Stellen dazu zu bewegen, das stARTcamp zu unterstützen. So sind Frank Tentler und ich eingesprungen und übernehmen einen Großteil der Kosten. Mit den 20 Euro werden die restlichen Ausgaben gedeckt, unter anderem Essen und Trinken. Falls Sie Fragen zum stARTcamp haben oder selbst einen Vortrag halten wollen, finden Sie hier Ihre Ansprechpartner. Ich freue mich, wenn wir uns in Dresden sehen.

Post

Warum der Social-Media-Mix nicht nur aus Facebook und Twitter besteht

25 comments

Als ich vor gut 5 Jahren damit begann, Blogs zu lesen, tat ich das vor allem wegen ihrer Inhalte. Die Beiträge enthielten Inhalte, die für mich in vielerlei Hinsicht wertvoll waren. Daraus ist dann letzten Endes auch die Idee entstanden, selbst mit dem Bloggen zu beginnen. Die Frage, ob ein Blog anderen Kanälen vorzuziehen sei oder nicht, stellte sich nicht, denn außer Xing, damals noch OpenBC, und den Social Bookmarking-Plattformen gab es nicht viel.

Heute ist das anders. Die große Mehrheit derer, die sich mit dem Thema Social Media beschäftigen, beginnt mit ihren Aktivitäten auf Facebook und entscheidet sich dann häufig noch für einen Twitteraccount. Auch im Kunst- und Kulturbereich ist das so, die meisten Kultureinrichtungen sind auf Facebook aktiv und viele von ihnen haben darüber hinaus noch einen Twitteraccount und sind auf Flickr und YouTube zu finden. Das ist es dann aber auch schon.

Jeremiah Owyang hat vor einiger Zeit in seinem Blogpost „Expand Your Social Media Mix: Twitter Alone is Not Enough“ davor gewarnt, sich nur auf die Kommunikation via Twitter zu verlassen. So seien Informationen, die auf diese Weise verteilt werden, schon nach kurzer Zeit kaum noch zu finden, was ihren Wert mindere. Dieser Tatsache begegnen viele durch verstärkte Aktivitäten auf Twitter, um in diesem Strom der Informationen überhaupt wahrgenommen zu werden. Konkret bedeutet das: die Zahl der verschickten Informationen wird erhöht und zusätzlich wird jede Information nicht nur einmal, sondern mehrere Mal verschickt.

Eingedenk der Tatsache, dass die Zahl der TwitteruserInnen immer noch stark ansteigend ist und der Grad der Vernetzung sich laufend erhöht (2.000 Follower zu haben ist heute keine Besonderheit mehr), lässt sich leicht ausmalen, wohin diese Entwicklung führt. Es wird immer schwieriger, wirklich wertvolle Informationen auf Twitter zu finden. Dies vor allem deshalb, weil wir vom Ehrgeiz getrieben sind, möglichst viele Follower  oder einen hohen Wert bei Klout vorweisen zu können. Das heißt, unsere Informationskanäle schwellen nicht nur an, sondern sie werden immer uninteressanter.

Aufschlussreich ist das Verhalten vieler UserInnen. Jeden Tag kann ich ungefähr 15 neue Follower registrieren, die ich mir alle einzeln sehr genau anschaue. Ein oder zwei von ihnen folge ich im Durchschnitt zurück, alle anderen Accounts sind für mich aus unterschiedlichen Gründen uninteressant. Zwei Tage später folgen mir von den 15 neuen Followern nur noch zwei. Meist sind es die, denen ich zurückfolge, die anderen haben sich schon wieder verabschiedet, für mich ein klarer Hinweis darauf, dass es hier nicht um Inhalte geht. Logisch, dass solche Follower sich auch nicht für die Informationen interessieren, die ich mit ihnen teile. Für Jeremiah Owyang bedeutet das:

„Twitter, while low cost to the user, makes sense as a quick broadcasting tool, but those that are trying to use it as their only thought leadership mechanism are missing out.“

Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auf Facebook beobachten. Spätestens mit der Einführung des EdgeRank ist klar, dass Interaktion wichtig ist. Wer nicht mit mir kommuniziert, taucht in meinem Newsfeed gar nicht auf. Was ist die Konsequenz daraus? Es wird „geliked“ und kommentiert, um im Nachrichtenstrom der anderen nicht unterzugehen. Auch hier wird also Quantität zum bestimmenden Faktor in der Kommunikation mit meinen Zielgruppen. Hinzu kommt: auch hier verschwinden die Inhalte recht schnell aus Ihrem Blickfeld. Suchen Sie mal die Postings heraus, die Sie im Oktober auf Ihrer Facebookseite veröffentlich haben, dann wissen Sie, was ich meine.

Was ist die Konseqenz daraus? Wer nur auf Facebook und Twitter setzt, wird die Schlagzahl erhöhen müssen, sonst wird er übersehen. Die Zahl der Beiträge wird steigen, aber haben Sie auch wirklich mehr zu sagen? Die Antwort auf diese Frage überlasse ich Ihnen.  Wenn die Inhalte in Ihren Augen wertvoll sind, dann gehen Sie mit ihnen wenig wertschätzend um, denn sie sind innerhalb kürzester Zeit nur unter Mühen zu finden. In diesem Fall sollten Sie sich dann die Frage stellen, warum Sie nicht ein Blog nutzen? Jeremiah Owyang rät recht treffend:

„Your Blog is an Central Platform, Use it Judiciously. Use your blog as your master archive tool, to collect information.  Remember, while all content loses relevance over time, blog content is easier to find, and is centralized in a location closer to your own owned domain or URL, not lost into the ether.“

Fazit: es mag kurzfristig faszinierend sein, auf Facebook und Twitter viele neue Fans und Follower zu sammeln, Robert Basic prägt dafür den schönen Begriff instant gratification, aber mittel- und langfristig werden diese beiden Kanäle nicht ausreichen, denn sie werden mehr und mehr zu Broadcastingkanälen. Ihre Inhalte haben einen anderen Platz verdient, das sind Sie sich selbst und Ihrer Arbeit schuldig.