Monthly Archives of: Mai 2011

Post

Social Media als Herausforderung für Unternehmen und MitarbeiterInnen

22 comments


© Stephanie Hofschlaeger ; Pixelio

Daimler lässt kritische Facebook-Gruppe abschalten„, so lautete nur eine der Überschriften über ein typisches Social-Media-Ereignis, wie wir es in nächster Zeit wohl noch des öfteren erleben werden. Was war passiert? Fünf MitarbeiterInnen des Konzerns hatten in der Facebook-Gruppe „Daimler-Kollegen gegen Stuttgart 21“, so die Meldung, unter einen Beitrag, in dem auch ihr Chef als „Spitze des Lügenpacks“ bezeichnet wurde, den Like-it-Button angeklickt und wurden darauf zu einem Gespräch mit der Personlabteilung gebeten. Außerdem machte Daimler laut eigenen Angaben Facebook auf die „bedenklichen“ Inhalte aufmerksam, was zum Verschwinden der Gruppe führte.

Ob es wirklich nötig gewesen wäre, diese Gruppe zu löschen, sei mal dahingestellt. Ich kann und will das nicht wirklich beurteilen. Wenn aber am Ende der oben verlinkten Meldung Facebook Deutschland auf die Frage nach der Löschung der Gruppe mit den Worten

„Wir können das weder bestätigen noch verneinen“

zitiert wird, dann sollte das ein Alarmzeichen sein für alle, die bei ihren Social-Media-Aktivitäten fast ausschließlich auf Facebook setzen. Es gibt anscheinend keine transparenten Prozesse, wenn es um Beleidigungen etc. geht, d.h. es kann morgen aus welchen Gründen auch immer meine Gruppe oder Seite treffen.

Zurück zu den in die Personalabteilung zitierten MitarbeiterInnen. Dass man seinen Chef nicht in der Öffentlichkeit beleidigen sollte, gilt nicht erst seitdem es das Social Web gibt. Geschimpft und beleidigt wurde schon immer, nur bekam der Chef das meist nicht mit. Durch das Social Web entstehen ganz andere Formen von Öffentlichkeit, d.h. die Worte über den Chef können sich recht schnell viral verbreiten, ob gewollt oder ungewollt.

In meinen Augen ist das Verhalten von Daimler angemessen, man hat mit den MitarbeiterInnen ein Gespräch geführt, Sanktionen hat es anscheinend keine gegeben. Uwe Knaus, im Konzern für Social Media zuständig, hat sich in einem Blogbeitrag mit dem, was da in den letzten Tagen passiert ist, beschäftigt und seinen Beitrag nicht ohne Grund mit „Es hat was mit Anstand und Haltung zu tun…“ überschrieben.

Sein Fazit:

„Wenn wir mit Anstand und Respekt durch das Leben gehen, entwickelt sich im Laufe der Zeit eine innere Haltung, die uns helfen wird Konfliktsituationen zu vermeiden – ohne den Wortlaut von Verhaltensrichtlinie oder Social Media Guidelines im Detail zu kennen.“

Ich teile diese Ansicht, denn eigentlich geht es doch – und damit möchte ich den Daimler-Konzern verlassen – um etwas ganz Grundsätzliches, nämlich um die Frage, wie ein Unternehmen mit seinen MitarbeiterInnen umgeht? Betrachtet ein Unternehmen seine MitarbeiterInnen nur als Manövriermasse, kann es von ihnen nur schwerlich Anstand und Respekt erwarten, d.h. die Außenwirkung eines Unternehmens (nicht nur) im Social Web hängt unter anderem davon ab, wie es mit seinen MitarbeiterInnen umgeht. Diese sind letzten Endes das Sprachrohr des Unternehmens, auch ein Ergebnis des Zusammenwachsens der öffentlichen und privaten Bereiche.

Facebook hat mit seinen in der letzten Zeit vorgenommenen Änderungen die Rolle des persönlichen Profils gestärkt und die der „Facebook-Seite“ geschwächt, unter anderem durch die fehlende Möglichkeit, als Seite UserInnen einzuladen. Das bedeutet, die Rolle der MitarbeiterInnen, die für die Social-Media-Aktivitäten verantwortlich bzw. generell im Social Web aktiv sind, wird immer wichtiger, denn letzten Endes müssen sie sich auch persönlich einbringen, um die Social-Media-Aktivitäten des Unternehmens sichtbar zu machen.

Das ist dann ein Problem, wenn Anstand und Respekt im gegenseitigen Umgang fehlen. Warum sollte ich als Mitarbeiter eines Unternehmens zum Beispiel mein persönliches Profil dafür verwenden, Werbung für die Unternehmensseite zu machen, wenn das Unternehmensklima rauh ist und ich nicht die Wertschätzung erfahre, die ich mir eigentlich wünsche?

In der Konsequenz bedeutet das: es ist nicht damit getan, ein paar Accounts einzurichten und dann fröhlich drauflos zu kommunizieren. Werden Anstand und Respekt nicht gelebt, dann wird das früher oder später Auswirkungen auf die Social-Media-Aktivitäten haben. Das macht das Thema Social Media nicht gerade leichter, aber dafür umso wichtiger. Sind Anstand, Respekt und Wertschätzung vorhanden, braucht es, so behaupte ich, überhaupt keine Social-Media-Richtlinien. In dieser Hinsicht ist die New York Times schon recht weit:

„We don’t really have any social media guidelines“,

wird Liz Heron, Social Media Editor der New York Times in einem Artikel auf Business Insider zitiert. Statt einer Vielzahl von Verhaltensregeln gilt dort einfach nur: „don’t be stupid“.

Post

„Cultural statistics“: Brüssel veröffentlicht interessantes Zahlenmaterial rund um den Kunst- und Kulturbereich

1 comment

Jede Menge Zahlenmaterial bietet die „2011 edition“ des im Auftrag der Europäischen Kommission erstellten Pocketbooks „Cultural Statistics„. Das in englischer Sprache verfügbare PDF liefert Informationen und Zahlenmaterial zu verschiedenen Bereichen, z.B. Beschäftigung im Kunst- und Kulturbereich und private Ausgaben für Kunst und Kultur. Ein deutschsprachiges Inhaltsverzeichnis hilft einem, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen und dann gezielt nach Informationen zu suchen, denn zum Durchlesen ist das PDF wohl eher nicht geeignet. ;-)

Post

Storytelling und Marketing: die Straße wird zur (literarischen) Bühne

Leave a reply

Einen Literaturwettbewerb zu promoten, ist gar nicht so einfach. Meistens sind es textlastige Inserate oder redaktionelle Beiträge, die darauf aufmerksam machen. Einen ganz anderen Weg hat die Bank of New Zealand gewählt. Für ihre BNZ Literary Awards hat sie eine sehr schöne Kampagnenform gewählt, die auch Storytellingelemente enthält und das „Publikum“ direkt und unmittelbar einbindet.

via neatorama

Post

Die Rahmenbedingungen für die Online-Zusammenarbeit

5 comments


© Gerd Altmann ; Pixelio

In der Vorbereitung auf den heutigen Treffpunkt KulturManagement, bei dem es um das Thema Online-Collaboration geht, habe ich diese sehr interessante Präsentation gefunden:

Sie ist zwar schon drei Jahre alt, zeigt aber recht schön, dass es nicht damit getan ist, reale Treffen gegen ein paar Online-Tools auszutauschen. Um diese Tools auch wirklich nutzen zu können, müssen wir teilweise unsere in Jahren bzw. Jahrzehnten erlernten Verhaltensweisen ändern. In einer Zeit, wo Wissen macht bedeutet, ist klar, dass man dieses Wissen strategisch einsetzt.

In der Zusammenarbeit heißt das aber: dieses Wissen steht nicht allen zur Verfügung und wenn es abgerufen wird, geschieht dies ad hoc, was meist mit einem ziemlich Aufwand verbunden ist (Folie 41).

Die Präsentation zeigt auch, dass – zumindest vor drei Jahren – die Web 2.0-Tools vor allem für die interne Zusammenarbeit eingesetzt wurden (Folie 47). Ich denke, darin liegt auch der Schlüssel zum Erfolg für Aktivitäten, die sich dann nach außen richten.

Wenn ein Unternehmen diese Tools ganz selbstverständlich in der internen Zusammenarbeit einsetzt und diese dadurch in den Alltag integriert sind, dann ist die Herausforderung, sie auch in der externen Kommunikation einzusetzen, eine wesentlich geringere als für Neueinsteiger. So könnte zum Beispiel das Argument fehlender Zeit wegfallen, weil die MitarbeiterInnen die Tools schon lange nutzen und gemerkt haben, dass sich damit effizienter und somit auch zeitsparender arbeiten lässt. Daraus lässt sich der Schluss ziehen: der Schlüssel zum Erfolg im Hinblick auf die Social-Media-Aktivitäten liegt zu einem großen Teil in der internen Zusammenarbeit.

Post

Online-Marketing: eine starke Marke als Erfolgsfaktor

2 comments


© Stephanie Hofschlaeger ; Pixelio

Eine starke Marke ist heute für den Erfolg eines Unternehmens unverzichtbar, auch im Kunst- und Kulturbereich. Das ist keine neue Erkenntnis, neu sind lediglich die Rahmenbedingungen, die sich mit dem Aufkommen des Social Web geändert haben.

„No longer companies, organizations and institutions have a monopoly on brand-related information,“

schreibt Tatiana Tugbaeva in dem Beitrag „Active Brand Participation as the Driving Factor Behind Online Marketing“ auf ihrem Social Media Marketing Blog, sondern es sind die KundInnen, die in dieser Hinsicht als die vertrauenswürdigste Informationsquelle angesehen werden. Daher reicht es nicht mehr, dass ein Betrieb einfach Nachrichten streut, sondern es geht darum, sich an Gesprächen zu beteiligen und Teil von Communities zu werden.

In dieser für sie neuen Marketing-Umgebung stehen die Unternehmen, so schreibt Tatiana Tugbaeva, vor drei Herausforderungen:

1. „Lack of Control“: Wir können das, was andere über uns schreiben, schlussendlich nicht mehr kontrollieren. Es sind die UserInnen, die durch ihre Beiträge, Kommentare und Bewertungen ein Bild von uns entstehen lassen. Wir können ihre Meinung über uns durch unsere Inhalte und unser Kommunikationsverhalten beeinflussen, aber es gibt Grenzen. Das heißt, es geht nicht darum, eventuell auftauchende Kritik zu verhindern, sondern zu lernen, mit ihr umzugehen.

„Consumer feedback provides the retailer with invaluable information about what their consumers like or dislike about their products, as well as what improvements can be made to increase sales,“

zitiert sie aus dem von Rachel S. Demerling verfassten Artikel „‚Twitter Me This, Twitter Me That.‘
The Marketization of Brands Through Social Networking Sites
“ und verweist darauf, dass Kritik ja eigentlich etwas durchaus Positives ist (siehe dazu mein Blogpost Social Media: die Angst vor negativen Kommentaren).

2. „Considerable investment“: Tugbaeva spielt dabei gar nicht so sehr auf das Thema Geld an, sondern sieht die Herausforderung vor allem darin, sich im Social Web zu engagieren und an den Gesprächen teilzunehmen. In meinen Augen ist das im Kunst- und Kulturbereich die derzeit (noch) größte Herausforderung. Meist gelingt es den Kultureinrichtungen schon sehr gut, die passenden Informationen bereitzustellen. Aber der nächste Schritt fehlt. Anstatt sich in Gespräche einzumischen oder sie zu initiieren, warten die meisten lieber ab, ob was passiert.

Solche Gespräche zu führen, ist kein Job, den man an irgendjemanden vergibt:

„Marketers should stop treating social media like a second class citizen assigning responsibility for social media efforts to interns and least experienced staff members,“

rät die Autorin und glaubt, dass das die Aufgabe von ExpertInnen ist, die sowohl die Social-Media-Tools beherrschen, als auch die Zielgruppe sehr gut kennen.

3. „Human interaction“: Unternehmen können keine Gespräche führen, es sind immer die MitarbeiterInnen, die auf den Plattformen präsent sind oder mit den Worten Tugbaevas:

„(P)eople don’t want to connect with brands, they want to connect with other people.“

Social-Media-Marketing heißt, so die Autorin, eine Community um die Marke herum aufzubauen. Diese Aufgabe übernehmen sogenannte „brand advocates“, bei denen es sich entweder um MitarbeiterInnen oder um engagierte KundInnen oder Fans handelt, die es mit den entsprechenden Tools auszustatten gilt, damit sie sich für die Marke engagieren können.

Während es also früher darum ging, mit gezielten Informationen den Wert einer Marke zu stärken, steht heute nicht mehr die Information, sondern das direkte Gespräch mit den Zielgruppen im Vordergrund.

Post

25. Mai: Online-Collaboration als Thema des nächsten Treffpunkt KulturManagement

2 comments

Die Entwicklung des Internet und vor allem des Social Web hat in den letzten Jahren völlig neue Formen der Zusammenarbeit entstehen lassen. Projektteams mussten sich regelmäßig treffen, um sich über den aktuellen Stand des Vorhabens zu informieren, die weiteren Schritte zu besprechen und die nächsten Aufgaben zu verteilen. Heute ist die Zusammenarbeit nicht mehr auf einen Ort oder eine Region beschränkt, die neuen Technologien haben das Entstehen virtueller Projektteams ermöglicht.

Als wir im Herbst 2008 mit den Vorbereitungen für die erste stARTconference begannen, wussten wir nicht, dass wir uns im Laufe der einjährigen Vorbereitungszeit nur einmal „real“ treffen würden. Aber Blogs, Wikis und viele andere Tools erlaubten es uns, die Konferenz virtuell zu organisieren, ohne die fehlenden Treffen als Manko zu empfinden.

Eigentlich lässt sich fast jedes Projektvorhaben auf diese Weise organisieren. Diese ressourcenschonende Form der Zusammenarbeit bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich. So gilt es, mit Hilfe fixer Regeln die Zusammenarbeit zu strukturieren, einen umfassenden Informationsfluss zu gewährleisten und die Verantwortlichkeiten festzulegen.

Im Laufe der letzten Jahre sind zahlreiche Plattformen entstanden, die für genau diese Aufgaben die geeigneten Werkzeuge zur Verfügung stellen. Tasklisten, Dokumente, an denen man gemeinsam arbeiten kann und ein gemeinsamer Kalender, die Liste der Tools wird immer länger.

Einer dieser Anbieter ist das Berliner Startup tasqade. Das vor zwei Jahren gegründet Unternehmen stellt mit der gleichnamigen Plattform eine intuitive Softwarelösung für Projektmanagement und Teamarbeit zur Verfügung.

Stephan Eyl, einer von zwei Geschäftsführern, wird sich beim nächsten Treffpunkt KulturManagement am 25. Mai (Beginn: 9 Uhr) mit dem Thema Online-Collaboration beschäftigen und auf die speziellen Herausforderungen bei dieser Form der Zusammenarbeit eingehen. Worauf sollten virtuelle Projektteams achten und wie lassen sich Softwarelösungen wie tasqade nutzen? Wenn Sie mehr zum Thema Online-Collaboration und zu tasqade wissen wollen, sind Sie herzlich eingeladen.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software ist nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie mehr zur Plattform wissen wollen, David Röthler hat auf Slideshare eine Kurzanleitung für Adobe Connect zur Verfügung gestellt.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 25.05.2011 von 9:00 bis 10:00
Thema: Online-Collaboration
Impulsvortrag: Stephan Eyl (tasqade GmbH)

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement/

PS: den Treffpunkt KulturManagement gibt es auch auf Facebook.

Update: Hier gibt es die Aufzeichnung des Treffpunkt KulturManagement.

Post

Meine neue Facebookseite: Plattform Kulturfinanzierung

1 comment

Eigentlich fühle ich mich mit meinem Facebookprofil ganz wohl. Aber streng genommen dürfte ich es für meine berufliche Tätigkeit gar nicht verwenden, denn dafür gibt es mittlerweile die Facebook-Seite. So sinnvoll  diese Unterscheidung bei „richtigen“ Unternehmen sein mag, für mich als Einzelunternehmer macht es wenig Sinn, zumal ich Facebook nicht privat nutze.

Aber mich den Möglichkeiten einer Facebookseite verschließen möchte ich mich auch nicht. Daher habe ich mich dazu entschlossen, nicht einfach eine Firmenseite einzurichten, sondern mich auf ein konkretes Themenfeld zu konzentrieren, in dem ich dann, so hoffe ich, für die BesucherInnen relevante und hilfreiche Informationen zusammentragen kann. Das kann ich zwar mit der klassischen Unternehmensseite auch, allerdings erlaubt der thematische Ansatz einen weit fokussierteren Zugang, denke ich.

Seit heute gibt es auf Facebook die Plattform Kulturfinanzierung. In meinen Augen ist die Finanzierung von Kunst und Kultur ein für viele existenzielles Thema, schließlich sind die öffentlichen Kassen leer und bis jetzt ist noch keine Lösung in Sicht, die die für manche teils herben Rückgänge der Förderungen wettmachen können. Wo gibt es noch Förderungen, welche Alternativen stehen KünstlerInnen und Kulturbetrieben offen? Solche Fragen werden natürlich auch hier im Blog weiterhin ein Thema sein, aber ich versuche mit der Plattform Kulturfinanzierung, Informationen zu bündeln und trage damit auch einer Entwicklung Rechnung, die für viele Facebook und Twitter zu Suchmaschinen hat werden lassen.

Wenn Sie Informationen und Fragen zum Thema Kulturfinanzierung haben, freue ich mich über Ihre Beiträge auf der Plattform Kulturfinanzierung, die allen offen steht und vermutlich dann ihre volle Wirkung entfalten kann, wenn viele sie mit Informationen füttern und ebenso viele diese Informationen auch nutzen.

Post

Crowdfunding: sollten die Plattformbetreiber keine Gebühren verlangen?

8 comments


© Klaus-Uwe Gerhardt ; Pixelio

Über die Crowdfunding-Gruppe auf Facebook bin ich auf ein Blogpost von Dorothée Hahne gestoßen, in dem sie sich mit dem derzeit herrschenden Crowdfunding-Boom beschäftigt.

„Die Idee des Crowdfunding ist, daß gute Ideen freiwillige Unterstützer finden und sich so marktunabhängig und ohne öffentliche Kulturtöpfe finanzieren lassen,“

schreibt Hahne und sieht vor allem für die „vor sich hin darbende freie Kulturszene aus Genies und Wahnsinnigen“ eine Möglichkeit, die eigenen Vorhaben zu finanzieren. Dass das Crowdfunding gerade jetzt bei uns in Mode kommt, erstaunt nicht, schließlich sind die öffentlichen Kassen leer und wirkliche Alternativen fehlen, vor allem für die freie Szene.

Aber nicht nur der Kunst- und Kulturbereich springt auf diesen Zug auf, auch die Anbieter von Crowdfunding-Plattformen haben sich in der letzten Zeit vermehrt. Wer auf solchen Plattformen sein Projekt vorfinanzieren möchte, geht eigentlich kein finanzielles Risiko ein, denn erst wenn es gelingt, die angestrebte Summe zusammen zu bekommen, wird eine Provision fällig. Wie hoch die jeweils ist, hat Dorothée Hahne recherchiert und die Ergebnisse dankenswerterweise in ihrem Blogpost zusammengefasst.

Diese Provisionen stören sie allerdings und so schließt sie ihren Beitrag mit folgendem Statement:

„Die Ware Kultur ist nicht die wahre Kultur und wo mit Kultur Geld gemacht wird, sollte genau hingesehen werden, wer wie mit wessen Geld umgeht. Ein gesundes Kulturfördersystem wird sich auch finanziell ins Gleichgewicht bringen, aber Kultur die primär als Wirtschaftsfaktor und Geschäftsidee behandelt wird, wird unserer Gesellschaft genau das nehmen, was sie am nötigsten braucht: unabhängige freie Kultur und Bildung als Basis einer freien und mündigen Gesellschaft!“

Ich kann das eigentlich alles unterschreiben, nur würde ich die auf den Plattformen im Erfolgsfall fälligen Provisionen nicht unbedingt als Geschäftemacherei bezeichnen negativ sehen. Bis jetzt macht da niemand wirklich mit der Ware Kunst Geld, warum sonst ist Sellaband vor einiger Zeit nur knapp der Pleite entgangen?

Aber abgesehen von der Tatsache, dass man mit so einer Plattform nicht reich wird: ich halte es für durchaus legitim, dass die Plattformen eine Provision erhalten, schließlich geht es einerseits darum, die entsprechende Infrastruktur zu schaffen, damit die Plattform technisch funktioniert und z.B. auch der Geldtransfer problemlos möglich ist. Andererseits müssen sie aber auch dafür sorgen, dass die Plattform entsprechend bekannt wird, da ich sonst mit meinem Projekt alleine auf der Plattform sitze und vergeblich auf Unterstützung warten werde.

Hahne kritisiert in ihrem Blogpost die TAZ, die in einem Artikel über Crowdfunding die einzige Plattform ohne Provisionsgebühren unerwähnt gelassen hat. Aber auch sie muss sich natürlich finanzieren und erbittet deshalb Spenden und profitiert von einer Art Quersubventionierung, in dem die Einnahmen aus Beratungsleistungen in den Erhalt der Plattform fließen. Auch diesen Ansatz kann man theoretisch kritisieren und als reine Marketingmaßnahme abtun.

Ich persönlich habe mit keinem der beiden Ansätze ein Problem, sondern betrachte solche Plattformen als ein interessantes Finanzierungsinstrument für Projekte im Kunst- und Kulturbereich. Allerdings weiß ich nicht, ob ich dort die Spendenschiene fahren würde. Die in dem TAZ-Artikel angesprochene Musikgruppe Marillion hat ja keine Spenden eingesammelt, sondern sich das Album vorab finanzieren lassen, d.h. die KäuferInnen haben die Kosten für LP/CD noch vor der Produktion gezahlt und nicht erst an der Ladentheke.

Und genau so würde ich es auch sehen. Crowdfunding heißt, die InteressentInnen schon sehr frühzeitig zu identifizieren, um Planungssicherheit und die notwendigen finanziellen Mittel zu erhalten. Crowdfunding ist kein einfacher Ersatz für fehlende öffentliche Mittel, sondern ein Erlösmodell, das völlig anders funktioniert und ganz andere Anforderungen an die KünstlerInnen stellt. Vereinfacht gesagt geht es in diesem Fall nicht mehr darum, Förderformulare auszufüllen, sondern sich mit seinen (potenziellen) Zielgruppen zu beschäftigen und sie von der eigenen Arbeit zu überzeugen.

Wer glaubt, dass das viel einfacher ist, der irrt. Die Herausforderungen sind vermutlich viel größer, denn die öffentlichen Stellen befassen sich nur selten mit der Qualität der künstlerischen Arbeit. Fans wollen überzeugt werden, bevor sie Geld locker machen.

Post

„Social Media im Kulturmanagement“ [Rezension]

8 comments

Auch das muss mal gesagt werden: mit knapp 600 Gramm Gewicht, 450 Seiten Umfang und einem gefälligen Cover beweist der unter dem Titel Social Media im Kulturmanagement: Grundlagen, Fallbeispiele, Geschäftsmodelle, Studien erschienene Tagungsband der letztjährigen stARTconference, warum alle Prognosen, die das Ende des Buchs kommen sehen, falsch liegen. Er liegt gut in der Hand und da sich die insgesamt 24 Beiträge nicht aufeinander beziehen, lädt er zum Blättern ein.

Man kann den von Chistian Holst, Karin Janner und Axel Kopp herausgegebenen Band natürlich auch von vorne bis hinten durchlesen und sich, so man AnfängerIn ist, erst einmal mit den Werkzeugen des Social Webs vertraut machen. Karin Janner schafft es auf 30 Seiten, viele Themen anzuschneiden, angefangen mit der Frage, was ein Blog ist bis hin zu Überlegungen, wie man denn all diese Tools kombinieren kann?

„Ihr Ziel ist es nicht zu bloggen oder zu twittern, sondern Sie wollen mit Hilfe von Social Media bestimmte Ziele erreichen,“

mahnt Janner am Ende ihres Beitrags und macht damit deutlich, dass das Befüllen der verschiedenen Kanäle mit Inhalten kein Selbstzweck ist. Oft ist bei Kultureinrichtungen die Rede davon, eine Community aufbauen zu wollen. Auf einer einzelnen Plattform ist das nicht zu schaffen und macht auch wenig Sinn, schließlich gibt es ja mittlerweile jede Menge Vernetzungsangebote, die es zu nutzen gilt. Neben Facebook sind das zum Beispiel auch Bewertungsplattformen oder ortsbasierte Netzwerke wie Foursquare oder Gowalla. Dass auch solchen Tools eigene Kapitel gewidmet werden, macht das Buch in meinen Augen interessant. Vielleicht motiviert es den einen oder anderen Kulturbetrieb, sich auch mit solchen Angeboten zu beschäftigen?

Aber zurück zum Thema Community. Da es mit den Community-Strukturen im Kunst- und Kulturbereich noch hapert, haben Tobias Kopka und Anna-Carolin Weber in ihrem Beitrag den Blick über den Tellerrrand gewagt und sich mit den Communities im Bereich der Computerspiele beschäftigt.

„Gaming-Communities stellen angesichts der Frequenz und Permanenz der Aktivitäten ihrer Nutzer die aktivsten Communities überhaupt dar,“

konstatieren die beiden AutorInnen und versuchen aber gleichzeitig auch herauszufinden, warum es im Kunst- und Kulturbereich (noch) nicht so läuft. Mit zwei in den Beitrag eingebauten Interviews zeigen Kopka und Weber, wie sehr sich das Gesprächsformat für den Wissenstransfer eignet. Wer sich für den Aufbau von Communities interessiert, wird auf das hier Gesagte und Geschriebene wahrscheinlich mehr als einmal zurückkommen.

Wer nun schon so in der Praxis angekommen ist, wird vielleicht irgendwann einmal nach der dahinter stehenden (Kommunikations)-Theorie verlangen. Die liefern Autoren wie Carsten Winter, Stephan Sonnenburg, Christof Breidenich und Helge David im zweiten, dem Theorieteil dieses Buches.

Warum es sich beim Social Web nicht um einen Hype handelt, sondern eher um einen Paradigmenwechsel, wird einem spätestens nach der Lektüre von Carsten Winters Beitrag „Von der Push- zur Pull-Kultur (-innovation)“ klar. Wenn Winter schreibt, dass

„die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für das kulturelle Leben im 21. jahrhundert die Qualität unseres Wissens darüber (sei), wie konkrete Leute neu mit Bedeutung umgehen können, sich unterscheiden, orientieren und kulturell zugehörig machen können,“

dann wird deutlich, dass das Überleben von Kunst und Kultur auch vom Verständnis dieser Entwicklungen abhängt. Denn, so Stephan Sonnenburg in seinem Beitrag „Brauchen Kulturmarken Markenkultur?“,

„(w)ie das Buch oder das Fernsehen verändert Social Media die Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation grundlegend und läutet somit auch einen Paradigmenwechsel im Marketing und Branding ein.“

Was der daraus resultierende Verlust der Markenhoheit für Kultureinrichtungen – oder besser Kulturmarken – bedeutet, erläutert der Autor nicht nur, sondern liefert darüber hinaus die wichtigsten Grundlagen für die Markenkommunikation mit den „Kunden“. Wer dafür das Internet und speziell das Social Web verwendet, sollte wissen, dass er es mit dynamischen Medien zu tun hat, die durch die Möglichkeit, Inhalte zu kombinieren und zu erweitern, zu dem führen, was viele als Informationsflut empfinden, der sie als UserInnen hilflos ausgeliefert sind.

„Die kulturelle Herausforderung, trotz unendlicher Möglichkeiten Angebote und Variationen zu selektieren, kann nur über funktionale Gestaltung erreicht werden,“

schreibt Christof Breidenich in seinem Beitrag „Arkadien oder Arbeitslager? – Design und Kommunikation im Social Web“ und sieht genau das als Aufgabe des Kommunikationsdesigns an.

„Design wird (.) zum maßgeblichen Instrument zur Differenzierung von Bedeutung,“

so seine Behauptung, die in der These mündet: „wir können nicht nicht designen.“ Wie das dann in der Praxis aussieht, zeigen die vielen Beispiele aus der Praxis, die im dritten Teil des Buches zu finden sind. Ob Musikfimfestival, Museum, Oper, kleines Kulturzentrum oder kulturtouristisches Netzwerk, überall stehen die Verantwortlichen vor der Herausforderung, über die Kommunikation im Social Web die entsprechende Aufmerksamkeit zu generieren, um so das (finanzielle) Überleben zu sichern.

Ob sich neben den kommunikativen Aspekten auch neue Finanzierungs- oder Geschäftsmodelle entwickeln lassen, dieser Frage geht der vierte Teil des Buches nach. David Röthler und Karsten Wenzlaff gehen in ihrem Beitrag „Neue Finanzierungsmodelle für Online-Content und Kulturprojekte“ vor allem auf das Thema Social Payment ein und stellen die im deutschsprachigen Raum führenden Tools Kachingle und Flattr vor.

„Social Payment ist eine besonders qualifizierte Form der Aufmerksamkeit durch die freiwillige Mikro-Bezahlung bestehender Netzinhalte,“

erklären sie den Begriff in der Abgrenzung zum Crowdfunding, worunter sie das „Online-Fundraising für in Planung befindliche Projekte“ verstehen. Dieses Online-Fundraising findet auf Plattformen statt, von denen Sellaband und Kickstarter international wohl am bekanntesten sind. Aber auch in Deutschland wird diese Form der Projektfinanzierung immer populärer und so gibt es mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum solche Plattformen. Mit der Entwicklung des Crowdfunding beschäftigt sich Tino Kreßner in seinem Beitrag. Der Mitbegründer der Plattform startnext.de ist davon überzeugt, dass Crowdfunding-Plattformen auch für Unternehmen interessant sein können, die sich als Sponsoringgeber profilieren wollen und auf der Suche nach den passenden Projekten sind. Wie das dann in Praxis aussieht, schildert Wolfgang Gumpelmaier in seinem Beitrag, in dem er sich mit den „Voraussetzungen für gelungenes Online-Fundraising“ beschäftigt.

Ob Social Payment oder Crowdfunding, wer sich mit der Frage beschäftigt, wie man als Kulturbetrieb das Web für bestehende oder neue Geschäftsmodelle nutzen kann, kommt am Beitrag von Gregor Hopf, „>>Voll Free Digger!<< – Kellys Mehrwerte als zentraler Bestandteil eines Online-Geschäftsmodells im Kultursektor“, nicht vorbei. Wer online Geld verdienen will, muss nach Ansicht Hopfs das folgende Paradoxon lösen:

„(W)ie kann ein gewinnbringender Preis erzielt werden in einem Markt, in dem sich die freien Marktkräfte aufgrund der vorherrschenden Grenzkosten auf einen Preis von Null einigen?“

Neben dem von Chris Anderson entwickelten Konzept des „Long Tail“ sieht Hopf vor allem in dem von Kevin Kelly vorgeschlagenen Ansatz Chancen für den Kunst- und Kulturbereich, der über Mehrwerte versucht, das frei kopierbare, digitale Gut wieder zu verknappen. Kelly habe, so schreibt Hopf, acht generative Werte definiert,

„die keiner kostenlosen Reproduzierbarkeit unterliegen und damit knappe Güter für den Konsumenten sind.“

Hopf empfiehlt Kultureinrichtungen, sich auf diese Mehrwerte zu konzentrieren, wobei er aber auch klarmacht, dass an den traditionellen Einnahmequellen derzeit noch kein Weg vorbeiführe. Zu große Hoffnungen sollte man sich also nicht machen.

Dass Social Media kein Wundermittel ist, zeigen auch die vier im fünften und letzten Teil des Tagungsbandes vorstellten Studien. Zum einen wird Social Media von vielen Kultureinrichtungen noch nicht richtig verstanden und angewendet, konstatiert Ulrike Schmid in ihrer Studie, in der sie das Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester untersucht hat. Zum anderen bringen die Aktivitäten nicht viel, wenn sie nicht in einen größeren Zusammenhang eingebunden sind, sprich, wenn keine übergreifende Strategie existiert, so das Ergebnis der von Helge Kaul vorgestellten Studie „Social Media im Kulturmarketing“.

„Social Media im Kulturmanagement“ ist kein Lehr- oder Handbuch im klassischen Sinn, sondern bildet die Vielfalt der Vorträge der stART10 ab. Die Mischung aus Theorie und Praxis zeigt, dass auch im Social-Media-Bereich nicht alls Gold ist, was glänzt. Trotzdem macht das Buch Lust auf mehr Social Media und insofern sind die 30 Euro ein wie ich finde lohnendes Investment, wobei ich als Mitorganisator der stARTconference, was das angeht, natürlich nicht wirklich objektiv bin. :-)

Post

Schwierige Situation im Museumsbereich: 4 Minuten pro Kunstwerk oder zusperren?

9 comments


8592 – St Petersburg – Hermitage„; By thisisbossi (CC-Lizenz)

Solche Warteschlangen vor den meist großen Museen trifft man leider immer häufiger an, wobei sich das „leider“ vor allem auf die bezieht, die auf diese Weise wertvolle Zeit verlieren. Für die Museen ist es eher eine Bestätigung der eigenen Arbeit und der Hinweis darauf, dass die Ausstellung den Geschmack des Publikums getroffen hat. So schön das große Interesse auch sein mag, ganz so toll ist eine lange Schlange vor den Kassenhäuschen aber auch für das Museum nicht, denn vermutlich schreckt die Aussicht auf eine längere Wartezeit viele potenzielle BesucherInnen ab.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Konzepten, die solche Situationen zu vermeiden helfen sollen. So bieten etwa viele Museen die Möglichkeit an, die Tickets online zu kaufen und damit nicht alle zur selben Zeit vor den Ausstellungsobjekten stehen, gelten die Tickets nur für einen bestimmten Zeitraum. Was eine ganz plausible Lösung zu sein scheint, um den Ansturm der Massen etwas zu entzerren, kann auch schnell ins Gegenteil umschlagen und dann eher abschreckend wirken.

So wird den BesucherInnen der National Gallery bei der am 9. November beginnenden Leonardo da Vinci Ausstellung nur noch ein arg kleines Zeitfenster zugestanden.

30 Minuten für insgesamt sieben Gemälde, da bleiben den BesucherInnen nur noch genau 4 Minuten und 17 Sekunden, so Julia Voss in ihrem Artikel „Stress im Museum“ in der FAZ. Und das bei einem Ticketpreis von 16 Pfund. Für Nicholas Penny, den Direktor der National Gallery, ist das kein Problem:

„Es ist ausgesprochen wichtig, unsere Website gründlich zu lesen und sich vor dem Besuch zu informieren,“

zitiert ihn Julia Voss in ihrem Artikel. Ein Ratschlag, den man von Museumsseite eher selten hört, schließlich ist dort die Angst groß, dass der Besuch der Website für immer mehr Menschen als Ersatz für den Museumsbesuch angesehen wird und die Besucherzahlen deshalb sinken.

In die gleiche Kerbe schlägt die Autorin, wenn sie schreibt, dass es

„eindeutig besser (sei), ein Gemälde nie im Original gesehen zu haben – als 4 Minuten, 17 Sekunden davor in einer Blockbusterschau zu stehen.“

Während also auf der einen Seite die Museen mit allen Tricks arbeiten, um das Publikum möglichst rasch durchzuschleusen, haben die meisten Museen das gegenteilige Problem: zu wenig BesucherInnen.

Unter der Überschrift „Sind Museen nur noch reine Unterhalter?“ hält Claudia Hangen in „The European Circle“ fest, dass die kleinen Museen, die keine großen Attraktionen bieten, da nicht mehr mithalten können und um ihr Überleben kämpfen müssen. „Ihr Manko“, so die Autorin,

„sie bieten Schätze aus Sammlungen, die zeitlos sind, keiner Mode unterstehen und durch keinen PR-Manager für die Masse attraktiv angepriesen werden.“

Während sich also die einen mit allen Mitteln der Massen zu erwehren versuchen, fehlen den anderen die so dringend benötigten BesucherInnen. Die Großen werden immer größer und den Kleinen geht es an den Kragen, eine Entwicklung, die wir  nicht nur im Museumsbereich erleben.

Markbereinigung nennt man das dann, wenn etwa im Handel die kleinen Geschäfte nach und nach verschwinden und sich am Ende ein paar große Ketten durchsetzen. Spricht man jemanden auf diese Entwicklung an, hört man von ihm meist ein paar Worte des Bedauerns, bevor er in den nächsten Supermarkt verschwindet. So ähnlich ist das im Museumsbereich wohl auch. Wir finden es zwar traurig, wenn immer mehr kleine Museen dicht machen müssen. Aber wer besucht schon ein Bezirksmuseum, wenn er doch beim nächsten Großstadtbesuch eine Blockbusterausstellung zu sehen bekommt. Zwar vielleicht  nur 4 Minuten und 17 Sekunden für jedes Ausstellungsstück. Aber um zu Hause erzählen zu können, dass man natürlich dort die vielgerühmte Ausstellung gesehen habe, reicht das allemal.

Wer ist Schuld an dieser Entwicklung? Eigentlich alle. Die Kulturpolitik, weil sie es nicht schafft, Konzepte zu entwickeln (und umzusetzen), die den großen und kleinen Häusern das Überleben ermöglichen. Die auf den ersten Blick unspektakuläre Arbeit der kleinen Museen ist die Grundlage für die Publikumserfolge der großen Häuser. Die Blockbuster mag man kritisieren, aber sie sind auf der anderen Seite auch eine Art Werbeträger. Es kommt auf die Mischung an, auf das richtige Verhältnis und genau das scheint gerade verloren zu gehen, wenn die Kleinen mangels Geld zusperren müssen, während die Großen sich gegenseitig toppen müssen, um genügend Aufmerksamkeit zu erregen.

Schuld an dieser Entwicklung sind aber auch die Museen selbst, die es verabsäumt haben, sich so zu vernetzen, dass alle von der Zusammenarbeit profitieren. Warum kooperiert immer nur Groß mit Groß und Klein mit Klein? Gibt es da irgendeine mir nicht bekannte Gesetzmäßigkeit? Warum gelingt es Museen erst dann, die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen, wenn die Schließung unmittelbar bevorsteht?

Und warum nehmen wir das „Museum um die Ecke“ erst dann wahr, wenn es zugesperrt werden soll, während wir ansonsten bei jeder sich bietenden Gelegenheit von unserem Besuch der Tate, des Guggenheim-Museums, etc. berichten? Es macht also keinen Sinn, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Noch geht es uns und unserer Museumslandschaft so gut, dass sie erhalten werden kann. Dazu können die Kulturpolitik, die Museen und wir als BesucherInnen beitragen. Übrigens: heute ist internationaler Museumstag. ;-)

Update: Um das Missverständnis auszuräumen: im FAZ-Artikel ist davon die Rede, dass nach 30 Minuten die nächsten 180 BesucherInnen in die Ausstellung eingelassen werden. D.h. nicht, dass man als BesucherIn nach 30 Minuten rausgeworfen wird. Jeder kann selbstverständlich  so lange bleiben, bis das Museum schließt.