Monthly Archives of: April 2013

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Eine Studie beschäftigt sich mit Crowdfunding im Musikgeschäft

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crowdfundingstudie

Vier StudentInnen des Studiengangs Music & Creative Industries der Popakademie Baden Württemberg sind im Rahmen ihrer Projektarbeit der Frage nachgegangen, welche Rolle Crowdfunding derzeit im Musikgeschäft spielt.

Es ist noch Luft nach oben, so könnte das Fazit dieser Studie lauten, die jede Menge Zahlenmaterial liefert und zeigt, welche rasante Entwicklung das Crowdfunding in den letzten Jahren genommen hat. In einem ziemlichen Kontrast zu den Vorwürfen, viele Musikfans würden sich ihre Musik illegal downloaden, steht die Tatsache, dass die UnterstützerInnen von Crowdfundingkampagnen im Musikbereich durchschnittlich knapp 45 Euro in ein Projekt stecken. Von der den UserInnen so oft vorgeworfenen Gratismentalität bleibt also gar nicht so viel.

Es lohnt sich, die Arbeit von Sebastian Fruner, Maria Pentschev, Ziwen Zhang und Marlene Speck zu lesen, die kostenlos als PDF zum Download zur Verfügung steht.

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Warum ich Facebook brauche

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© Gerd Altmann ; Pixelio

Irgendwie ist es schon witzig. Da wird ein Netzwerk hochgejubelt und zum Synonym für Social Media und dann ist die Überraschung groß, wenn der Hype nachlässt. „Die Jugend verlässt Facebook wieder“ titelte Focus vor ein paar Wochen, eine Social Media-Managerin schreibt einen Brief an Facebook, in dem sie das Ende ihrer Beziehung zu Facebook begründet und im Blog Karrierebibel fragt Christian Mueller: „Facebook ade: Brauchen KMUs das Netzwerk überhaupt?

Wer den Zyklus eines Hypes kennt, musste damit rechnen, dass es irgendwann einmal abwärts geht. Aber nachdem wir das Netzwerk auf den höchsten Punkt der Hype-Kurve geschrieben haben, schreiben wir nun halt die Abwärtsbewegung herbei. Vermutlich werden wir, wie im Fall von Diaspora (erinnert sich noch jemand daran?) demnächst den Aufgang einer neuen Plattform erleben und auch entsprechend euphorisch begleiten. Und man muss kein großer Prophet sein, um schon jetzt zu wissen, dass auch hier irgendwann mal eine Abwärtsbewegung einsetzen wird.

Wäre ich bei Facebook in verantwortlicher Position, würden mir die Zahlen, die der Focus-Artikel zusammengetragen hat, zu denken geben. Ob ich als Kultureinrichtung in Panik verfallen muss, bezweifle ich aber, denn den wenigsten von ihnen ist es bis jetzt gelungen, die Zielgruppe der unter Zwanzigjährigen zu erreichen. Ob Museum, Theater oder Oper, der Blick in die Statistik der jeweiligen Facebookseite zeigt vermutlich, dass die Gruppe der 18 bis 24-Jährigen eine kleine Minderheit darstellt. Das heißt, sie wurden bis jetzt nicht erreicht und wenn sie irgendwann nicht mehr auf Facebook sein sollten, hat sich für die meisten Kulturbetriebe nichts geändert. :-) Sind Ihnen die jungen Menschen wichtig, wäre das jetzt ein Grund, es mal auf Twitter zu versuchen, nur dort sinkt das Medianalter der NutzerInnen nämlich. Eine andere Möglichkeit wäre es, den eigenen Ansatz zu hinterfragen.

Viele Kultureinrichtungen sind mit Facebook nie so richtig warm geworden, weil diese Plattform ursprünglich dazu diente, StudentInnen miteinander zu vernetzen. Diese Ursprungsidee merkt man ihr auch heute noch an, Facebook unterstützt uns wie keine andere Plattform dabei, unsere „realen“ Netzwerke abzubilden. Nirgendwo stehen die persönlichen Beziehungen so im Vordergrund wie hier. Twitter, Google+, Quora, etc. bilden nicht so sehr den social graph, sondern eher den interest graph ab, was in meinen Augen erklärt, warum vielen von uns die Kommunikation auf Facebook so leicht und in anderen Netzwerken so schwer fällt.

Aber Facebook ist und bleibt ein Tool und ich finde es befremdlich, wenn eine Social Media Managerin ihre „Beziehung“ zu Facebook beendet und sich unter anderem über die zunehmende Kommerzialität dieser Plattform beklagt. Wir haben es hier mit einer Infrastruktur zu tun, die uns die Möglichkeit gibt, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Im Unterschied etwa zum Telefon wird uns diese Infrastruktur unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Während ich bei meinem Telefonanbieter aber Kunde bin, kann davon auf Facebook nicht die Rede sein, dort bin ich das Produkt. Erst wenn ich mit bezahlten Postings oder Werbeeinschaltungen arbeite, werde ich zum Kunden, davor bin ich Teil eines Dreiecksgeschäftes und darf die Plattform im Tausch gegen  meine Daten benutzen.

Sich darüber aufzuregen, wenn man Facebook privat nutzt, halte ich für legitim. Auch der Abschied von der Plattform ist eine nachvollziehbare Option, schließlich gab und gibt es Alternativen, auch wenn dort die Nutzerzahlen nicht so hoch sind. Wer Facebook beruflich nutzt und der Plattform vorwirft, dass sie käuflich sei, wie Katharina Antonia Heder das in ihrem „Abschiedsbrief“ tut, blendet die Tatsache aus, dass hier jemand eine Art Marktplatz zur Verfügung stellt, ohne dafür Eintritt zu verlangen. Natürlich ist es auch in Ordnung, diesen Marktplatz, so er einem nicht gefällt, wieder zu verlassen. Aber wozu dieser Abschiedsbrief? Irgendwie erinnert er mich an das Twitter-Experiment. Mit lautem Getöse wurde damals die Verbindung gelöst, heute folgt dieser Account wieder fast der gleichen Anzahl an Twitterati.

Natürlich wurden wir nie darüber informiert, dass dieses Twitter-Experiment gescheitert ist. Ähnlich wird es wohl auch hier sein. Irgendwann ist der Facebook-Account dann wieder da und die Erde dreht sich weiter.

Ob sie sich mit oder ohne einen Facebookaccount dreht, das müssen wir letzten Endes selbst entscheiden. Die Frage von Christian Mueller, ob wir bzw. in seinem Artikel die KMU Facebook überhaupt brauchen, ist berechtigt und sollte auch beantwortet werden. Ich kann das natürlich nur für mich tun und sehe aus folgenden Gründen keinen Anlass, mich von Facebook zu verabschieden:

  1. Facebook als ein Baustein meiner Social Media-Aktivitäten: Ich habe nie ausschließlich auf Facebook gesetzt und würde das auch niemandem empfehlen. Facebook gehört für mich zu den „Großen„, an denen man aus verschiedenen Gründen nicht vorbei kommt. Für mich dient es wie alle anderen Netzwerke und Plattformen dazu, meine Blogaktivitäten zu unterstützen.
  2. Facebook dient der Vernetzung, nicht der Werbung: Viele Kultureinrichtungen nutzen ihre Facebookseite vor allem, um eigene Veranstaltungen anzukündigen. Sonst nichts, leider. Für mich dient das Netzwerk dazu, mich mit anderen Menschen auszutauschen, ihnen Fragen zu stellen, Termine zu vereinbaren oder Links zu verschicken. Das funktioniert mit einer großen Zahl von Menschen und macht die  Sache recht bequem.
  3. Facebook als Wissens- und Lernplattform: Nicht missen möchte ich die vielen Gruppen, die im Laufe der Jahre auf Facebook entstanden sind. Ob es um Social Media im Museum oder im Theater geht, ob um Urheberrecht oder Crowdfunding, die Informationen und Diskussionen in den Gruppen sind von unschätzbarem Wert und kein noch so gut gefüllter RSS-Reader kann sie ersetzen. Oder anders ausgedrückt: Ich könnte mir es fachlich gar nicht leisten, auf diese Gruppen zu verzichten.
  4. Auf Facebook sind „alle“: Die ARD/ZDF Online-Studie zeigt, dass mittlerweile jeder Teil unserer Gesellschaft im Netz und ein Großteil auch auf Facebook vertreten ist. In Deutschland sind es aktuell 25 Millionen, d.h. wir haben kein anderes Medium, über das wir mit mehr Menschen auf direktem Weg kommunizieren und interagieren können.
  5. Facebook als Teeküche: Ich habe schon vor vielen Jahren, als Facebook noch unbekannt war, für Projekte, aber auch Lehrveranstaltungen, Foren eingerichtet. Das Anmelden war nicht einfach und viele Forenanbieter sind im Laufe der Jahre gekommen und wieder verschwunden. Heute nutze ich dafür geheime Facebookgruppen und reduziere so die Zahl der Emails, die normalerweise ein Projekt oder eine Lehrveranstaltung begleiten. In einer Facebookgruppe lässt sich über all die Dinge sprechen, die wichtig, aber nicht so wichtig sind.

Fazit: Für mich ist Facebook ein Tool, das mich in meiner Kommunikation unterstützt. Ich muss es weder lieben noch hassen, sondern einfach nur so gebrauchen, dass ich davon profitiere. Das tue ich, zumindest derzeit.

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Treffpunkt KulturManagement: Demokratisiert livekritik.de die Kulturberichterstattung?

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Für die meisten Kultureinrichtungen ist es immer noch von größter Bedeutung, dass die eigenen Aktivitäten in den klassischen Medien redaktionell erwähnt werden. In den Feuilletons der Zeitungen vorzukommen ist auch sicher erstrebenswert, allerdings verbessert man dadurch eher sein Image als die Besucherzahl. Schon vor einigen Jahren stellte Chad M. Baumann nämlich in seinem Blogpost „The Power of Print Media (or lack thereof)“ fest, dass wir eher durch die Empfehlung von Freunden dazu motiviert werden, eine Ausstellung oder ein Konzert zu besuchen, als durch die Berichterstattung in den Printmedien.

Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis im Internet die ersten Plattformen online gingen, die unseren Freunden, aber natürlich auch allen anderen, den entsprechenden Raum für Kritik beziehungsweise Empfehlung boten. Nachtkritik.de wurde bereits 2007 gegründet und bietet vielen Kunst- und Kulturinteressierten Orientierungshilfe in Sachen Theaterbesuch.

Seit knapp einem Jahr gibt es mit livekritik.de eine Plattform, die Besucherrezensionen über Veranstaltungen aller Kunstsparten bündeln möchte und so zu einer Demokratisierung in der Kulturberichterstattung beitragen möchte.

„Wir wollen mit unserer Seite das Forum dafür schaffen, dass zeitgemäß und wertig über Kultur kommuniziert wird und die Kulturbesucher selbst zu Wort kommen“,

sagte der Gründer Rod Schmid beim Launch der Plattform und vertrat in einer Presseaussendung die Ansicht, dass sich Kunst und Kultur  „der kritischen, direkten und offenen Diskussion des Publikums stellen“ sollten. Ohne Vorkenntnisse, Ausbildung oder Titel kann hier jeder Kulturfan seine ganz subjektiven Einschätzungen weitergeben und so einen neuen Diskurs ankurbeln, hofft Schmid.

Aber handelt es sich wirklich um eine Demokratisierung und was bedeutet das für das Feuilleton? Wird es dadurch überflüssig, bekommt es eine neue Rolle und wie sollen Kultureinrichtungen auf diese Entwicklung reagieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Rod Schmid beim nächsten Treffpunkt KulturManagement, der am 24. April 2013 von 9 bis 10 Uhr stattfinden wird. Bei der 34. Auflage dieses Online-Formats wird es aber auch um das Geschäftsmodell solcher Plattformen gehen. Während zum Beispiel theaterkritik.ch von den Theaterhäusern Geld verlangt, damit ihre Inszenierungen auf der Plattform besprochen werden, ist Schmid einen ganz anderen Weg gegangen. Im Rahmen einer Crowdfundingkampagne konnten mehr als 500 Investoren gewonnen werden, die insgesamt 80.000 Euro einbrachten.

Ist das ein eher symbolisches Investment oder können die Investoren in ein paar Jahren wirklich Gewinne erwarten? Wenn Sie mehr zu diesem Thema wissen wollen oder Fragen haben, lade ich Sie ganz herzlich zum nächsten Treffpunkt KulturManagement ein, die Teilnahme an dieser einstündigen Veranstaltung ist wie immer kostenlos.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 24. April, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 24. April dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 24.04.2013 von 09:00 bis 10:00
Thema: livekritik.de und die Demokratisierung der Kulturberichterstattung
Gast: Rod Schmid

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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Die Ergebnisse Ihrer Social Media-Aktivitäten als Vorboten des ROI

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© Gerd Altmann ; Pixelio

Ende dieser Woche, genauer gesagt am 18. und 19. April findet in Bad Honnef das erste Seminar der Pausanio Akademie statt, in dem es vereinfacht gesagt um digitale Strategien und die Frage nach den dazu passenden Finanzierungs- und Geschäftsmodellen für Kulturbetriebe geht (einige freie Plätze gibt es noch). Ich finde es gut, dass hier das Thema Geld eine wichtige Rolle spielt und freue mich, dass ich mich im Rahmen dieser zweitägigen Veranstaltung – wieder mal – mit dem Return on Investment (ROI) von Social Media beschäftigen darf.

Eine Vielzahl von Kultureinrichtungen ist mittlerweile im Social Web aktiv, die einen mit größeren Erfolgen, die anderen mit eher kleineren und wieder andere haben damit gar keinen Erfolg. Die gerade abgeschlossene Crowdfunding-Kampagne „Strawinsky:animated“ des Podium Festivals Esslingen kann als solch ein großer Erfolg bezeichnet werden. Ohne die vielen Aktivitäten im Social Web und die gute Vernetzung des Teams wäre es vermutlich nicht gelungen, 10.000 Euro für dieses Vorhaben einzusammeln. In diesem Fall können die Verantwortlichen mit gutem Recht sagen: unsere Social Media-Aktivitäten haben sich ausgezahlt.

Aber haben sie sich auch gerechnet? Das Ziel, die angestrebte Summe, wurde erreicht. Aber wie groß war der Aufwand? Würde man die ganze Arbeit dieser Kampagne kostenmäßig erfassen, käme vielleicht am Ende heraus, dass der Aufwand höher gewesen ist als das, was am Ende hereingekommen ist. Ein gewinnorientiertes Unternehmen kann sich so etwas vermutlich nicht leisten, bei einer von der öffentlichen Hand geförderten Kultureinrichtung sieht das etwas anders aus. Bei einer solchen Kampagne muss nicht unbedingt ein dickes Plus stehen, die Ziele einer öffentlich geförderten Kultureinrichtung bestehen nicht darin,      Gewinne zu erzielen.

Aber natürlich, und damit möchte ich jetzt gerne die Crowdfundingkampagne des Podium Festivals verlassen, müssen Kultureinrichtungen sich sehr genau überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Vor diesem Hintergrund erzählen wir nun, wie wichtig Social Media sei. Können wir es da jemandem verdenken, der für den Betrieb verantwortlich ist, wenn er fragt, was ihm Social Media denn bringe? Es geht darum, die begrenzte Ressource Geld möglichst effizient zu nutzen und das heißt: wenn für Social Media-Aktivitäten Geld zur Verfügung gestellt werden soll, muss es an anderer Stelle weggenommen werden. Das heißt zum Beispiel, die Zahl der Plakate wird reduziert, dafür wird ein Twitter-Account eingerichtet und betrieben.

Social Media: Am Ende geht es um Geld

Aber warum sollte jetzt das Plakat dem Twitter-Account weichen? Wer jetzt erklärt, dass Twitter den Kontakt zu anderen UserInnen und das direkte Gespräch mit ihnen ermöglicht, sagt zwar nichts falsches, aber das Argument greift zu kurz. Letzten Endes müssen Kontakte und Gespräche dazu führen, dass mehr Geld in die Kasse kommt. Nur wie lässt sich das nachweisen? Ich beantworte diese Frage immer gerne mit der Frage, wie sich das denn bei den Plakaten nachweisen lasse? Theoretisch nicht falsch, hat die Sache trotzdem einen Haken. Das Plakat ist Teil einer bestehenden Strategie, Social Media meist – noch – nicht. Plakate gab es schon immer und nachdem sich ihr Nutzen in Verbindung mit anderen Kanälen nicht konkret nachweisen lässt, die Strategie in der Vergangenheit aber aufgegangen ist, ist es wenig zielführend, etwas zu fordern, ohne den konkreten Mehrwert benennen zu können. Gute Gespräche, ein großes und funktionierendes Netzwerk sind wichtig und wertvoll, keine Frage. Aber am Ende geht es bei den Social Media-Aktivitäten auch um Geld. Chris Brogan hat das vor kurzem in seinem Rückblick auf 15 Jahre als Blogger recht schön formuliert:

„it took me 8 years to get my first 100 subscribers, and I can say without a doubt that blogging was what made me most every dollar I earned from 2006 until present, in one way or another.“

So ähnlich würde ich es auch hinsichtlich meiner eigenen Social Media-Aktivitäten formulieren. Ich habe meinem Blog sehr viel zu verdanken, aber ich habe damit auf direktem Weg noch keinen Cent verdient.

Als ich mit diesem Blog begann, habe ich mir auch überlegt, wie ich dieses Blog zu Geld machen kann. Es war die Zeit, als Robert Basic sein Blog für knapp 50.000 Euro verkaufte und alle darüber rätselten, welchen Wert so ein Blog denn haben könnte oder sollte. Für mein Blog hätte mir vermutlich niemand einen Cent gegeben und vermutlich hat sich da bis heute nicht viel daran geändert. Der Wert dieses Blogs und von Social Media-Aktivitäten allgemein liegt auf einer immateriellen Ebene, wie Olivier Blanchard in seinem Buch Social Media ROI (Affiliate Link) schreibt. Deshalb lässt sich der Return on Investment Ihrer Social Media-Aktivitäten auch nicht bestimmen. Sie können Facebook-Fans und Twitter-Follower sammeln, die Anzahl der Zugriffe und die Verweildauer auf Ihrer Website steigern, aber in Euro oder Dollar lassen sich diese Ergebnisse nicht umrechnen. Das wäre aber die Voraussetzung, um einen ROI bestimmen zu können.

Aber nicht immer stimmt das so. Unternehmen wie Dell, aber auch die Deutsche Bahn nutzen Twitter zum Beispiel nicht nur, um näher an ihren Kunden dran zu sein, sondern erwarten sich dadurch auch eine Reduktion der Kosten im Bereich Kundendienst. In so einem Fall hat der Einsatz von Social Media ganz klar materielle Auswirkungen.

Social Media: Die immateriellen Ergebnisse mit dem ROI verbinden

Statt vom ROI zu reden, geht es im Kunst- und Kulturbereich aber meist um die immateriellen Auswirkungen, zum Beispiel um die Erwähnungen im Social Web, aber auch um die Anzahl der Fans, wenn diese Kennzahl in Verbindung steht mit den materiellen Ergebnissen.

Die immateriellen Ergebnisse sind also die „Vorboten“ des ROI, wie Blanchard es so schön in seinem Buch formuliert. Allerdings müssen sie erst als solche identifiziert werden und das ist nicht so einfach. Eine einfache Kausalkette lässt sich leider nicht konstruieren, zu komplex sind in der Regel die Zusammenhänge. Aber es lassen sich vielleicht Muster erkennen und Beziehungen herstellen, nur so finden Sie heraus, ob Ihr Blog oder Ihre Facebookaktivitäten dazu beitragen, dass Ihr Konzept aufgeht. Leider lässt sich das alles nicht einfach so planen, sondern lediglich beobachten, was bedeutet: Sie erfahren erst im Nachhinein, ob Ihre Social Media-Aktivitäten dazu beigetragen haben, Ihr unternehmerisches Ziel zu erreichen. Es macht also Sinn, kleinere Versuchsballons zu starten und basierend auf diesen Ergebnissen die nächsten Schritte setzen.

Das funktioniert aber nur, wenn Sie auf der übergeordneten Ebene, also zum Beispiel im Bereich Marketing ihre Ziele klar formuliert haben und über entsprechende Kennzahlen oder eben den ROI verfügen. Alles, was dazwischen liegt, und dazu gehört auch das weite Feld der Social Media, sollte dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen. Ob sie auf dem richtigen Weg sind, verraten Ihnen die Kennzahlen. Ihre Aufgabe ist es, die richtigen Kennzahlen zu finden. In meinem Beitrag „Social Media und der ROI: von Immobilienmaklern und Trivialitäten“ habe ich von einem Puzzle, einem Gesamtgebilde gesprochen, das sich einem erst nach und nach erschließt. Wenn ich mir meinen bisherigen Weg anschaue, dann würde ich von trial and error sprechen.  Chris Brogan hat es in seinem oben erwähnten Artikel etwas netter ausgedrückt: „15 Years Blogging And Still Learning.“ ;-)

Weitere Artikel zu diesem Thema:
Von Zielen, Strategien und dem ROI
Treffpunkt KulturManagement: Social Media und der ROI: Passt das zusammen?
Kulturmarketing: “Take the Fear Out of ROI” (eBook)

 

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Internationales Projektmanagement: Das kostenlose Handbuch des CCP Austria erscheint in der zweiten Auflage

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Vor einem knappen Jahr habe ich über das Handbuch „Navigating through Chaos“ berichtet, das vom Cultural Contact Point Austria zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt wird und bei der Konzeption und Planung eines EU-geförderten Projektes helfen soll.

Wenn Sie wissen wollen, was ein EU-Projekt auszeichnet und wie es geplant wird, wie das Controlling aussehen sollte und wie Sie mit europäischen Partnern zusammenarbeiten, dann sollten Sie sich das Handbuch einmal genauer ansehen. Aus den 28 Fragen, die die erste Auflage beantwortet hat, sind in der zweiten Auflage 34 Fragen geworden. Neu hinzugekommen ist das Thema Crowdfunding, zu dem ich die Inhalte beisteuern durfte. Auf folgende Fragen habe ich versucht, Antworten zu finden:

  • Wir möchten unser Projekt mit der Hilfe von Crowdfunding finanzieren. Bei welcher Art von Projekten macht es Sinn, dieses Finanzierungsmodell zu wählen?
  • Welche Crowdfunding-Plattformen stehen in Österreich und international zur Verfügung?
  • Was macht ein erfolgreiches Crowdfunding-Projekt erfolgreich?
  • Welche Chancen bietet Crowdfunding? Worin bestehen die Risiken?

Dieses Handbuch ist aber nicht nur eine Hilfe für den nächsten EU-Förderantrag, sondern darüber hinaus eine wertvolle Hilfe für alle, die ein internationales Projekt planen und realisieren möchten. Es umfasst die folgenden Kapitel:

  • EU-Projekt – was heißt das?
  • Planung und Controlling
  • Sponsoring
  • Crowdfunding
  • Die Zusammenarbeit mit europäischen Partnerorganisationen
  • Optimales Texten
  • Kenne, wen Du erreichen willst
  • Kommunikations- und Verbreitungsstrategien
  • Evaluation
  • Präsentationstechniken
  • Tipps & Tricks

Es lohnt sich also, einen Blick in das Handbuch zu werfen, hier geht es zum kostenlosen Download (PDF).

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Karsten Wenzlaff im Gespräch: Die Crowdinvesting-Conference beschäftigt sich mit der Zukunft des Crowdfunding

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Crowdfunding hat in den letzten zwei Jahren einen enormen Aufschwung erlebt, viele Kulturbetriebe und KünstlerInnen haben damit erste Erfahrungen sammeln können, nicht wenige konnten auf diese Weise ihre Vorhaben (teil)finanzieren. Wenn wir die Entwicklungen in den USA und bei uns vergleichen, erkennen wir recht schnell, dass hier gewaltige Unterschiede bestehen. Vor allem die Zahlen der weltweit größten Crowdfunding-Plattform Kickstarter zeigen, welches Potenzial im Crowdfunding steckt.

Aber natürlich stellt sich die Frage, ob wir Amerika so einfach nacheifern können und wollen, zu unterschiedlich sind die Systeme, was etwa die Finanzierung von Kunst und Kultur betrifft. Aber wir können viel voneinander lernen und müssen dabei gar nicht immer nach Amerika schauen. Oft ist auch schon der Blick in andere europäische Länder sehr interessant. Diesen Blick über die Grenzen ermöglicht die Crowdinvesting-Conference, die am 17. April in Berlin stattfinden wird. Veranstalter ist ikosom, das Institut für Kommunikation in sozialen Medien, das für diese Veranstaltung ein sehr spannendes Programm zusammengestellt hat. Es geht nicht nur um Crowdfunding im Kunst- und Kulturbereich, aber der Blick über den Tellerrrand hat noch nie geschadet. ;-)

Um Ihnen das Thema Crowdfunding und die Konferenz etwas schmackhafter zu machen, habe ich ikosom-Geschäftsführer Karsten Wenzlaff gebeten, mir ein paar Fragen per Email zu beantworten.

Kulturmanagement Blog: Warum die Crowdfunding-Konferenz und was ist das Ziel?

Karsten Wenzlaff: Crowdfunding in der Kreativ- und Kulturwirtschaft sowie als Finanzierungsinstrument für Start-Ups ist in aller Munde. Die Referenten werden aber über den Status Quo hinausschauen und diskutieren, wie in 3-5 Jahren Crowdfunding aussehen wird, welche gesetzlichen Regelungen dafür geschaffen und abgeschafft werden müssen. Wir wollen auf der Konferenz Handlungsempfehlungen diskutieren, damit einerseits über Crowdfunding größere Summen zustande kommen können, andererseits Crowdfunding für die Infrastruktur des Landes genutzt werden kann. Im Bereich der Kultur bedeutet das die Finanzierung von Kulturinstitutionen wie Museen, Opern, Galerien, Konzerthäusern, Theatern.

Kulturmanagement Blog: Du hast es in Deiner Antwort gerade angedeutet. Ein Themenschwerpunkt wird die Frage sein, ob mit Hilfe von Crowdfunding öffentliche Infrastruktur, z.B. im Kunst- und Kulturbereich finanziert werden kann? Hälst Du eine solche Entwicklung für möglich und glaubst Du, dass damit nicht unser jetziges Verständnis von Kulturförderung eine gewaltige Veränderung erfährt?

Karsten Wenzlaff: In Deutschland ist die etablierte Kulturszene noch etwas scheu, Crowdfunding selber einzusetzen, aber zumindest neugierig. Wenn man in anderen Ländern Europas schaut, gibt es da schon wesentlich mehr Beispiele für Crowdfunding von Kulturinfrastruktur. In Frankreich hat beispielsweise der Louvre schon mehrmals Ausstellungsexponate über Crowdfunding finanziert.

Natürlich ist das nach wie vor noch sehr stark projektbasiert. Aber bevor es staatliche Kulturförderung gab, wurden diese Institutionen einerseits durch private Mäzenaten, andererseits durch Genossenschaften gefördert. Die vielen „Volkstheater“ sind ein lebendiges Beispiel dafür. Historisch ist also Crowdfunding für Institutionen der Kulturwirtschaft überhaupt nichts Neues.

Der Wandel von institutionalisierter Kulturförderung und Finanzierung via Crowd wird bei den Kulturinstitutionen zu einem Wandel führen, wenn sie erkennen, dass die Crowd mehr ist als Steuerzahler oder Ticketkäufer. Die Crowd möchte mitreden, mitbestimmen, ausprobieren, vernetzen – und damit tun sich manche Kulturinstitutionen schwer. Die Crowd ist mehr als eine Besuchergruppe oder ein gut gefüllter Zuschauersaal.

Kulturmanagement Blog: Immer wieder taucht die Frage auf, ob sich Crowdfunding und öffentliche Förderungen kombinieren lassen. Wie stehst Du dazu und was muss getan werden, um so eine Kombination von öffentlicher und privater Förderung auch bei uns möglich zu machen?

Karsten Wenzlaff: Crowdculture in Schweden ist ein gutes Beispiel, wie sich hier etwas entwickeln kann. Max Valentin, der Betreiber der Plattform, sagt, dass seine Form des Crowdfundings eigentlich eine Art Crowdsourcing ist, also das Einholen von Wissen. Er wird auch im Rahmen der Konferenz einen Impulsvortrag halten. Bei Crowdculture wird ein staatliches Budget an kulturelle Projekte verteilt und die Teilnehmer entscheiden nicht über ihr eigenes Geld, sondern über das Geld der Steuerzahler. Eine Art Bürgerhaushalt für die Kultur.

Das ersetzt nicht die klassische Kulturförderung, aber ermöglicht direkte Teilhabe. Und dafür müssen bei der Kulturförderung in Deutschland Spielräume geschaffen werden – sowohl finanzielle als auch organisatorische Freiräume. Wenn die Crowd erst die Stimme abgibt und eine Jury das widerrufen kann, macht Crowdfunding keinen Sinn.

Ein wichtiger Punkt ist aber auch, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für Crowdfunding eindeutiger werden müssen. Wie müssen die Einnahmen versteuert werden, welche Einnahmen sind für die KSK relevant, wie kann ich die Crowdfunding-Einnahmen als Eigenkapital oder Eigenmittel in einen Förderungsantrag einbringen? Der Vorteil der Konferenz ist, dass wir Plattformen aus zehn europäischen Ländern haben, die ihre Erfahrungen hinsichtlich der rechtlichen Regelungen teilen werden. Daraus können wir hoffentlich für Deutschland viel lernen.

Kulturmanagement Blog: Crowdfunding ist nicht nur im Hinblick auf die Finanzierung eines Vorhabens interessant, sondern wird häufig auch als Marketinginstrument gesehen. Gilt das nicht nur für die eher bekannten Projektinitiatoren oder haben auch die „Kleinen“ eine Chance, Crowdfunding auf diese Weise zu nutzen?

Karsten Wenzlaff: Für alle Künstler und Kulturschaffende ist Crowdfunding in erster Linie Marktforschung, denn sie können sehen, wie ein Projekt ankommt, ob Ticketpreise angemessen sind, ob die Kommunikation funktioniert, ob die Verteiler funktionieren. Crowdfunding ist unglaublich disziplinierend, um zum Beispiel Emailverteiler anzulegen und zu pflegen und so den Grundstein für den Aufbau und die Pflege einer Community zu legen.

Für Künstler, die schon bekannte Marken haben, ist Crowdfunding natürlich besonders toll, weil sie sich direkt an die Fans wenden können, obwohl sie ihre Projekte wahrscheinlich auch auf klassische Weise finanzieren könnten. Deswegen erreichen Sie Crowdfunding-Summen, von denen die „Kleinen“ nur träumen können.

Aber auch darum wird es bei der Konferenz gehen: welcher gesellschaftliche Wandel ist notwendig, damit die „Kleinen“ auch von „großem“ Crowdfunding realistisch ausgehen können? Michael Bogatzki von Sellaband wird genau zu dieser Frage auf der Konferenz referieren.

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten!