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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil III)

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Bild: Crowdfunding„; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Nun hat es mit dem dritten Teil meiner kleinen Serie über Crowdfunding doch etwas länger gedauert, ich bitte um Verzeihung. Wenn Sie direkt von einer der Suchmaschinen oder einem sozialen Netzwerk hierher gesprungen sind, hier finden Sie Teil I und Teil II. Nachdem Sie Ihr Vorhaben und die Crowdfunding-Kampagne sorgfältig geplant haben und auch wissen, welche Kosten anfallen, geht es im nächsten Schritt um die Frage, für welche Plattform Sie sich entscheiden sollen beziehungsweise ob es vielleicht auch Sinn macht, die Kampagne auf der eigenen Seite durchzuführen?

Schritt 5: Wählen Sie die richtige Plattform

Die Zahl der Crowdfunding-Plattformen nimmt fast täglich zu, deshalb macht es wenig Sinn machen, hier eine Liste zu erstellen, denn es würde sich immer nur um eine Momentaufnahme handeln. Hinzu kommt, es gibt einige solcher Listen. Recht aktuell hat sich das Online-Magazin t3n mit dem Thema beschäftigt und die wichtigsten deutschsprachigen Plattformen aufgelistet und vorgestellt. Die Liste auf crowdfunding.de enthält auch regionale Plattformen, eine interessante Alternative für Projekte, die nur in einem regionalen Umfeld umgesetzt werden sollen und deshalb häufig auch nur für regionale UnterstützerInnen interessant sind. Auf Ikosom ist eine Liste zu finden, in der die europäischen Plattformen gesammelt wurden beziehungsweise werden, denn es handelt sich hier um eine gecrowdsourcte Liste. Hier lohnt es sich, einen Blick in den Kommentarbereich zu werfen, in dem viele Ergänzungen zu finden sind.

Aber natürlich gibt es auch außerhalb Europas unzählige Plattformen. Die größte von ihnen ist Kickstarter, eine Plattform, auf der im letzten Jahr  3 Mio. Menschen rund 480 Mio. USD in Projekte steckten, von denen knapp 20.000 erfolgreich finanziert werden konnten (siehe hier die Zusammenstellung für das Jahr 2013).

Plattformen setzen nicht nur auf das regionale Umfeld, sondern spezialisieren sich auch auf bestimmte Inhalte. SellaBand etwa hat sich auf die Musikbranche konzentriert, KraftCrowd versteht sich als Plattform für die Region Murtal in der Steiermark. Vor Ihrer Entscheidung müssen Sie immer abwägen, ob die Plattformen Ihren Ansprüchen und Erwartungen entsprechen. Plattformen, die sich auf eine Region konzentrieren oder einen Bereich spezialisieren, verfügen vermutlich über die entsprechenden Zielgruppen. Wer sich nicht für Filmprojekte interessiert, wird kaum auf einer Plattform zu finden sein, auf der Filmprojekte finanzielle Unterstützung suchen. Große Plattformen  verfügen natürlich über wesentlich mehr BesucherInnen, aber vielleicht interessieren die sich alle nicht für Ihr Vorhaben? Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Projekte auf den verschiedenen Plattformen erfolgreich sind und welche nicht. Auf diese Weise bekommen Sie hoffentlich ein Gefühl dafür, welche Plattform die richtige für Sie ist.

Unter Umständen haben Sie ein Produkt, das Sie international verkaufen wollen oder ein Projekt, das sich an eine internationale Zielgruppe richtet. In diesem Fall kommen natürlich auch Plattformen im Ausland für Sie in Frage. Allerdings sollten Sie in dem jeweiligen Land oder den Ländern auch über ein entsprechendes Netzwerk verfügen, ansonsten nimmt man Sie und Ihr Projekt dort einfach nicht wahr. Hilfreich sind außerdem Kontakte, die über andere Kanäle auf Ihr Vorhaben aufmerksam machen, zum Beispiel eine Fachzeitschrift. Wenn Sie auf Kickstarter etwa eine Kampagne laufen haben und am Ende konnten Sie nur UnterstützerInnen aus dem deutschsprachigen Raum gewinnen, dann ist da was falsch gelaufen.

Einige Punkte, auf die Sie bei der Auswahl der Plattform achten sollten:

  • Laufen auf der Plattform aktuell Kampagnen oder ist dort schon seit Wochen oder Monaten nichts mehr los?
  • Welche Bereiche werden auf der Plattform abgedeckt, passt Ihr Vorhaben zu der Plattform?
  • Welche Kosten/Gebühren verlangen die BetreiberInnen für die Nutzung ihrer Plattform (Vergessen Sie nicht, diese Kosten in Ihr Budget hineinzunehmen!)?
  • Welche Bezahlmethoden werden angeboten? Entsprechen die Ihrer Zielgruppe? Fallen dabei zusätzliche Gebühren an, z.B. wenn PayPal verwendet wird?
  • Müssen sich Ihre UnterstützerInnen auf der Plattform registrieren und wenn ja, wie?
  • Welche Unterstützungsleistungen bieten die PlattformbetreiberInnen an? Ist der Support (Email- oder telefonische Beratung, Workshop) kostenlos oder kostenpflichtig? Welche Kosten können entstehen (auch diese dann bitte ins Budget reinnehmen)?
  • Welche Kontaktmöglichkeiten bietet die Plattform, gibt es einen persönlichen Ansprechpartner?
  • Welche Möglichkeiten werden Ihnen geboten, Ihr Vorhaben auf der Plattform zu präsentieren? Welche Sharing-Funktionen existieren?
  • Können Sie mit Ihren UnterstützerInnen kommunizieren und wenn ja, über welche Kanäle (Blog, Newsletter, Email)?

Das sind in meinen Augen die wichtigsten Fragen, die man sich vor Beginn der Kampagne stellen sollte. Unter Umständen sind auch die Zugriffszahlen oder die Erfolgsquote für Sie von Interesse, in dem Fall versuchen Sie auch das herauszufinden oder zu erfragen.

Sie sehen, es gibt einige Punkte zu beachten, so einfach ist es also gar nicht, die für Sie passende Plattform zu finden. Eventuell wollen Sie Ihre Kampagne gar nicht auf einer Plattform ablaufen lassen, sondern spielen mit dem Gedanken, die eigene Website dafür zu verwenden. Grundsätzlich ist das kein Problem, es gibt mittlerweile eigene Plugins, mit deren Hilfe sich die eigene Website entsprechen „aufrüsten“ lässt. Vor allem bei WordPress ist die Auswahl gar nicht so klein.

Die Frage ist eher, ob es sinnvoll ist. Im Vordergrund steht meiner Ansicht nach die Frage, wer die größere Reputation hat, Sie oder die Plattform? Kennt Sie kein Mensch, würde ich eine Plattform bevorzugen, sind Sie ein Star, ziehen Sie die Kampagne auf Ihrer Seite durch. Es geht um die Frage, wie Sie das Vertrauen Ihrer potenziellen UnterstützerInnen gewinnen können? Haben Sie eine große Community, mit der Sie engem Kontakt stehen, haben Sie deren Vertrauen bereits gewonnen. Ist das Vertrauen noch nicht vorhanden, lassen Sie sich von der Plattform „helfen“.

Auch nicht ganz unwichtig ist die Frage von Funktionalität und Design. Die Plattformen haben ihre Abläufe und wissen, dass sie funktionieren. Natürlich können Sie sich mit den gängigen Bezahlmethoden vertraut machen, ein eigenes Treuhandkonto eröffnen und sich eigene AGBs für die Kampagne zulegen (meist gibt es die schon), aber das kostet Zeit, Zeit, die Sie vielleicht lieber für Ihre Kampagne beziehungsweise für das Projekt verwenden möchten.

Die richtige Entscheidung, ob Sie eine Plattform nutzen und wenn ja, welche, erleichtert Ihnen Ihre Arbeit und erhöht, so denke ich, auch die Erfolgschancen. Haben Sie eine Entscheidung getroffen, fehlen gar nicht mehr so viele Dinge, um so richtig loszulegen. Im nächsten Teil der Serie geht es um die Frage, wie lange die Kampagne laufen soll und was es mit den Gegenleistungen auf sich hat.

Gibt es Ihrer Meinung nach noch Punkte, die bei der Auswahl der Plattform wichtig sind, lassen Sie es uns doch bitte wissen. Am einfachsten geht das per Kommentar.

Bild von Tumisu auf Pixabay

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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil II)

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Im ersten Teil meiner kleinen Serie „Crowdfunding in 11 Schritten“ habe ich das Wissen darüber, was Crowdfunding ist, stillschweigend vorausgesetzt. Nachdem es aber mittlerweile ganz unterschiedliche Formen von Crowdfunding gibt und es immer wieder vorkommt, dass man bei diesem Thema aneinander vorbeiredet, möchte ich an dieser Stelle eine Definition nachreichen und kurz zeigen, welche Formen des Crowdfunding es eigentlich gibt. Definitionen existieren mittlerweile viele, das Team vom Institut für Kommunikation in den sozialen Medien (Ikosom) hat in einem Blogbeitrag einige zusammengetragen, unter anderem auch eine von mir:

„Als Ausprägung des Crowdsourcing verfolgt das Crowdfunding das Ziel, Vorhaben zu finanzieren, bei denen es um die Durchführung von Projekten, die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen, aber auch die Gründung von Unternehmen gehen kann. Die Initiatoren setzen dabei auf das Prinzip “kleine Beträge von vielen Unterstützern” und bieten dafür entsprechende Gegenleistungen an, die neben aus dem Vorhaben heraus generierten Produkten auch ideeller oder finanzieller Natur sein können. Eine Crowdfunding-Kampagne ist nur dann erfolgreich, wenn sie ihr Finanzierungsziel erreicht (Alles-oder-Nichts-Prinzip) und wird meist auf den im Internet entstandenen Crowdfundingplattformen durchgeführt.“

Aus der Definition geht hervor, dass es ganz unterschiedliche Formen von Crowdfunding gibt. Durchgesetzt hat sich das folgende Schema (siehe dazu auch: „Die vier Arten von Crowdfunding (Infografik)„)

  • Equity based: Diese Variante wird oft auch als Crowdinvesting bezeichnet, bei der die Unterstützer zum Beispiel in ein Startup investieren, um später am finanziellen Erfolg des Unternehmens teilzuhaben.
  • Lending based: Bei dieser Form des Crowdfunding geht es um die Gewährung von (Mikro)-Krediten, die vom Empfänger zuzüglich Zinsen zurückgezahlt werden müssen.
  • Reward based: Die Unterstützer erhalten eine Gegenleistung, entweder auf Produktbasis oder rein ideell. Auf diese Form der Unterstützung, die dem Sponsoring ähnelt, setzen viele Kultureinrichtungen.
  • Donation based: Entspricht der klassischen Spende, bei der es keine materielle Gegenleistung gibt.

Diese Ausdifferenzierung ist ein Beleg dafür, dass sich das Crowdfunding ständig weiter entwickelt. Eine Bestätigung findet diese Behauptung in der ständig steigenden Zahl an Crowdfundingplattformen, die sich, um im Wettbewerb mit anderen Anbietern bestehen zu können, zunehmend auf einzelne Nischen spezialisieren. So existiert seit kurzem mit Trevolta zum Beispiel eine Plattform, über die sich Reisen finanzieren lassen. Eine Anfang November 2013 veröffentlichte Liste zählt alleine in Deutschland 66 Plattformen

Schritt 3: Planen Sie Ihr Vorhaben sorgfältig

Spätestens jetzt sollte uns klar sein, dass eine Crowdfundingkampagne nicht ein kleines Anhängsel eines „richtigen“ Projektes ist, sondern als eigenständiges Vorhaben zu gelten hat.

Das bedeutet, eine solche Kampagne sollte auch entsprechend geplant werden (siehe dazu unter anderem: „Wie sieht ein richtiger Projektstrukturplan aus?„). Und budgetiert, denn beim Crowdfunding gibt es nicht nur Einnahmen, sondern es fallen auch Ausgaben an. Die sollten Sie in Ihre Kalkulation miteinbeziehen, ansonsten zahlen Sie bei Ihrer Kampagne am Ende drauf. Ob das die Kosten für die anfallende Arbeitszeit sind oder das Geld, das Sie für die Gegenleistungen in die Hand nehmen müssen, alle diese Beträge erhöhen die Kosten für das gesamte Projekt, was wiederum Auswirkungen auf die Zielsumme der Crowdfundingkampagne hat.

Vergessen Sie vor allem bei der Kalkulation die Portokosten nicht, so Sie Ihre Gegenleistungen verschicken müssen. Das kann schnell ins Geld gehen, vor allem wenn die UnterstützerInnen aus dem Ausland kommen. Nicht alle tun Ihnen den Gefallen und wohnen um die Ecke. ;-)

Am Ende ist der Aufwand vermutlich größer als gedacht, deshalb ist eine vorsichtige Planung sicher von Vorteil. Ich habe den Aufwand für die stART12-Kampagne damals auch unterschätzt und würde die Arbeitszeit heute wesentlich großzügiger kalkulieren.

Schritt 4: Setzen Sie den benötigten Betrag fest

Am Ende steht dann aber fest, wie hoch das Budget für Ihr gesamtes Vorhaben ist und was Sie Ihre Kampagne kostet. Nun geht es um die Frage, welche Summe Sie mit Hilfe Ihrer Crowdfundingkampagne hereinbekommen möchten? In meiner Definition von Crowdfunding habe ich geschrieben, dass dabei meist das Alles oder Nichts-Prinzip gilt. Nur wenige Plattformen weichen davon ab und erlauben es einem, auch mit einem geringeren Betrag das Vorhaben zu starten. Also ohne die eigentliche Zielsumme erreicht zu haben. In meinen Augen ist das ein gefährliches Modell, denn am Ende sind es wieder die Honorare, die nicht ausgezahlt werden. Insofern bin ich mit dem Modell, dass das Geld nur erhält, wer seine Zielsumme erreicht, ganz zufrieden, denn ich betrachte es als hilfreichen Ansatz im Kampf gegen Selbstausbeutung im Kunst- und Kulturbereich.

Allerdings ist bei diesem Modell die Gefahr des Scheiterns entsprechend groß. Unter Umständen investieren Sie Zeit und Geld in Ihre Crowdfundingkampagne und schaffen es am Ende nicht, Ihre angestrebte Zielsumme zu erreichen. Auf den angefallenen Kosten bleiben Sie sitzen und Ihr Projekt können Sie vergessen. Deshalb macht es Sinn, sich im Vorfeld Gedanken über das Risiko Ihres Vorhabens zu machen. Unter Umständen versuchen Sie mit Ihrer Kampagne nicht das gesamte Projekt zu finanzieren, sondern nur einen Teil. Schaffen Sie Ihre Zielsumme nicht, können Sie hoffentlich das Projekt selbst trotzdem noch durchführen, wenn auch vermutlich mit Einschränkungen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Theater Sommer Klagenfurt, dessen Kampagne ich im ersten Teil dieser Serie erwähnt habe. Um das Risiko zu minimieren, sollten mit der Kampagne nur die Kostüme finanziert werden. Wäre sie gescheitert, hätte das Stück trotzdem noch produziert werden können, wenn auch ohne oder mit billigeren Kostümen.

Lassen sich Crowdfundingkampagnen mit öffentlichen Förderungen kombinieren? Diese Frage taucht immer wieder auf, ich würde sie generell mit einem Ja beantworten. Aber Sie sollten sich immer die Konsequenzen überlegen, wenn es mit dem Crowdfunding nicht klappt. Theoretisch lassen sich etwa auch die Fördergelder aus Brüssel mit einer Crowdfundingkampagne verbinden. Das Risiko resultiert aus der Tatsache, dass Sie sich, so die Kampagne nicht klappt, sehr schnell nach Alternativen umschauen müssen, denn beim neuen EU-Förderprogramm „Creative Europe“gilt wie bei den meisten EU-Programmen das Prinzip der Kofinanzierung. Das heißt, Sie müssen die restlichen 40 oder 50 Prozent auf alle Fälle auftreiben, sonst verlieren Sie das Geld aus Brüssel auch wieder. Wenn Sie also vor allem bei großen Projektvorhaben auf Crowdfunding setzen, sollten Sie auf alle Fälle einen Plan B haben. Sonst droht das völlige Scheitern Ihres Projektes. Passiert das vor dem Start der Arbeit, mag das gerade noch in Ordnung sein. Wenn Sie aber  schon mit der Arbeit begonnen und erste Gelder ausgegeben haben, können Sie sich ein Scheitern schlichtweg nicht leisten. Insofern spricht gerade bei längeren EU-Projekten viel dafür, das Risiko zu minimieren und nur einen kleinen Teil des Budgets auf diese Weise zu finanzieren.

Wenn diese Punkte geklärt sind, gilt es die Frage nach der richtigen Plattform zu beantworten. Darum geht es dann in Teil III dieser Serie. Außerdem beschäftige ich mich mit der Frage, wie lange eine Kampagne dauern sollte? Eher lang oder eher kurz? Die Antwort auf diese Fragen gibt es nächste Woche.

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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil I)

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Für Crowdfunding interessieren sich derzeit viele, nicht nur im Kunst- und Kulturbereich. Ob Startup oder NGO, ob Produktentwicklung oder Theaterfestival, die Bandbreite der Vorhaben, die mit Hilfe der Crowd finanziert werden sollen, ist gewaltig. Kulturbetriebe und KünstlerInnen beschäftigen sich aus verständlichen Gründen mit dieser neuen Finanzierungsform, sind doch die Kassen der öffentlichen Hand leer und spendable Unternehmen rar.

Was liegt da näher als sein Glück auf einer der Plattformen zu suchen, die in den letzten Jahren online gegangen sind? Crowdfunding, das klingt so einfach. Aber wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, merkt man recht schnell, dass es gar nicht so einfach ist, an das Geld der Crowd heranzukommen. Anlässlich eines Workshops im letzten Jahr habe ich versucht, den Weg einer Crowdfundingkampagne zu skizzieren und die wichtigsten Schritte herauszuarbeiten. Elf sind es insgesamt geworden (hier die Folien der damaligen Veranstaltung), die Ihnen bei Ihrem Vorhaben helfen sollen.

Schritt 1: Bauen Sie sich ein möglichst großes Netzwerk auf

Es mag etwas merkwürdig für den ersten Schritt klingen, aber wer eine Crowdfundingkampagne plant, sollte bereits auf verschiedenen Plattformen und Kanälen vertreten sein. Je größer das Netzwerk, desto besser. Aber: Die Größe alleine ist nicht ausschlaggebend, entscheidend ist das Engagement derer, mit denen Sie verbunden sind. 5.000 Fans auf Facebook sind zwar eine tolle Sache, aber sind Sie sich sicher, dass von dieser stattlichen Zahl auch einige den Weg zur Crowdfundingplattform schaffen und Sie dort unterstützen?

Unter Umständen ist es gar nicht ungeschickt, klein anzufangen und sich auf die zu verlassen, deren Engagement man – hoffentlich – einschätzen kann. Ein schönes Beispiel ist das Team des Theater Sommers Klagenfurt, das für seine im letzten Jahr gespielte Komödie „Kannibale & Diebe“ die Kostüme mit Hilfe von Crowdfunding finanzieren wollte. Um es vorweg zu nehmen: Die Kampagne war erfolgreich. Interessant ist aber die Analyse dieser Kampagne, nachzulesen im Blogbeitrag „Crowdfunding – Kennzahlen einer erfolgreichen Finanzierung„. Schaut man sich an, wer das Projekt unterstützt hat, sieht man, es war nicht die große und unbekannte Crowd, sondern eher das nähere Umfeld. StammbesucherInnen, das Team selbst, aber vor allem Bekannte und Verwandte machten mehr als 80 Prozent der UnterstützerInnen aus. Ähnlich sieht es beim Geld aus: Knapp 70 Prozent der gesamten Summe kamen von Bekannten und Verwandten.

Macht es also überhaupt Sinn, auf einer Plattform eine Kampagne zu starten, wenn man ja eh alle persönlich kennt? Vor allem langfristig gesehen durchaus, denn das Produktionsteam hat es geschafft, das nähere Umfeld zu mobilisieren. Bei den nächsten Kampagnen werden Bekannte und Verwandte im Idealfall als MultiplikatorInnen wirken – schließlich können sie auf eine erfolgreiche Kampagne verweisen – und dazu beitragen, dass sich ihr prozentualer Anteil nach und nach reduziert und sich die (unbekannte) Crowd stärker engagiert. Im Laufe der Zeit wird es Ihnen gelingen, ein stabiles Netzwerk zu schaffen, auf das Sie in weiterer Folge setzen können. Die Herausforderung besteht darin, die Größe des Netzwerks richtig einzuschätzen und das erste Projekt nicht zu groß anzulegen. Scheitert es, ist der Frust groß und das Vertrauen verspielt.

Je weiter Sie auf diesem Weg bereits sind, desto höher können Sie einsteigen. Klar ist: Fangen Sie erst mit dem Beginn der Kampagen an zu mobilisieren oder wagen Sie sich erst dann ins Social Web, ist die Gefahr des Scheiterns groß. So gesehen beginnt Crowfunding schon lange vor dem Start der Kampagne.

Schritt 2: Finden Sie heraus, ob Ihr Projekt für Crowdfunding geeignet ist

Fast jedes Projekt, könnte ich hierauf antworten und den Punkt damit abhaken. Aber schauen wir uns die Sache mal etwas genauer an. Mit Hilfe von Crowdfunding lassen sich ganz verschiedene Vorhaben finanzieren. Da sind einerseits die Kampagnen, mit deren Hilfe das Geld für eine Veranstaltung zusammen kommen soll. Man sollte zwar darauf achten, wie groß der Einzugsbereich dieser Veranstaltung ist, aber der Theater Sommer Klagenfurt hat gezeigt, dass auch regionale Veranstaltungen auf Interesse stoßen. Unterscheiden sollte man, ob es sich um eine B2C- oder eine B2B-Veranstaltung handelt. Während es bei B2C-Veranstaltungen wohl kaum Probleme geben dürfte, ist die Sache im B2B-Bereich etwas komplizierter. Die misslungene Kampagne für die stARTconference hat gezeigt, dass der Rechnungslegungsprozess unter Umständen mit den Abläufen einer Crowdfundingkampagne nicht kompatibel ist. Ich möchte nicht behaupten, dass ein solches Vorhaben für eine Crowdfundingkampagne nicht geeignet ist, aber man sollte sich diesen Punkt genau ansehen.

Neben Veranstaltungen werden oft auch Produkte mit Hilfe von Crowdfundingkampagnen finanziert. So hat zum Beispiel das Podium Festival in Esslingen mit einer Kampagne die DVD für das Projekt „Strawinsky:animated“ finanziert. Natürlich lassen sich auf diese Weise auch andere künstlerische Produkte finanzieren, Filme, Bücher, Comics, ich denke, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Drittens können Kulturbetriebe aber natürlich auch eine Crowdfundingkampagne dazu nutzen, um Kapital für das Unternehmen selbst einzusammeln. Das Bewertungsportal livekritik.de hat auf diese Weise mehr als 80.000 Euro erhalten und bot im Gegenzug eine Unternehmensbeteiligung an.

Im Grunde genommen lässt sich also fast jedes Projekt mit Hilfe von Crowdfunding finanzieren, zumindest teilweise. Aber manche Vorhaben werden sich leichter als andere auf diese Weise finanzieren lassen. Ich würde es zwar nicht gänzlich ausschließen, aber ein Vorhaben, bei dem es lediglich um einen Kompositionsauftrag geht, hat es vermutlich schwerer als die Finanzierung der Konzerttournee einer bekannten Band. Sie sehen, Crowdfunding eignet sich für sehr viele Projekte, es macht aber Sinn, sich das eigene Vorhaben genau anzuschauen und sorgfältig zu planen. Darum geht es dann im nächsten Teil dieser kleinen Serie.

Bild von Tumisu auf Pixabay

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Martha Damus: Crowdfunding: Projektunterstützung durch die Plattformen, über die Fundingphase hinaus. Ein kurzer Einblick in meine Masterarbeit (Gastbeitrag)

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© PublicDomainPictures ; Pixabay

In meiner Arbeit „Online crowdfunding platforms: Developing concepts for supportive instruments beyond the funding phase.“ (2013) beschäftigte ich mich mit der Verbesserung von reward-based (UnterstützerInnen erhalten materielle oder ideelle, jedoch nicht monetäre Dankeschöns als Gegenleistung für ihre finanzielle Unterstützung eines Projekts.) Crowdfunding-Prozessen durch neue Funktionen auf deutschen Crowdfunding-Plattformen. Auf diese Weise möchte ich dazu beitragen, dass Crowdfunding sich auch hierzulande etabliert und in Zukunft stärker genutzt wird. Ich möchte den Betreibern von Crowdfunding-Plattformen nahe legen, auf die Wünsche und Forderungen ihrer NutzerInnen zu reagieren und die bestehende Vermittler-Rolle hin zu einer stärkeren Unterstützung der ProjektmacherInnen und ProjektunterstützerInnen auszubauen. Mithilfe der von mir ausgearbeiteten sieben Konzepte für neue Plattform-Funktionen können Nutzermotivationen gestärkt und die aktuelle Unzufriedenheit reduziert werden. Mit meinen Vorschlägen versuche ich nicht zu komplexe, zu bürokratische oder zu teure Lösungen anzubieten. Andere, durchaus effizientere Modelle, die etwa auf Strafen und Versicherungen fußen, wären möglich, würden aber auch den individuellen, oft gelobten Charme von Crowdfunding zerstören.

Immer wieder kommen Fragen auf, wie es eigentlich mit der Plattformverantwortung und dem Schutz der NutzerInnen bei gescheiterten Crowdfundingprojekten aussieht!? Was passiert, wenn Projekte ihre versprochenen Dankeschöns nicht (fristgerecht) an die UnterstützerInnen versenden? Warum erfahren die Unterstützenden so oft nichts darüber, was aus den von ihnen mit-finanzierten Projekten geworden ist? Und warum schaffen es einige Projekte – trotz erfolgreicher Finanzierung – nicht, ihre Projektidee auch wirklich zu realisieren? Und wie lässt sich das ändern?

Fragen wie diese und der Fakt, dass unzufriedene NutzerInnen nicht förderlich für die Etablierung des Modells Crowdfunding sind, waren Ausgangspunkte meiner Masterarbeit im Fach „Digitale Medien“ in Bremen und Bremerhaven. Ich habe mich daher mit Nutzermotivationen und existierenden Plattformfunktionen beschäftigt. Wo ich die Motivationen von UnterstützerInnen und ProjektstarterInnen nicht ausreichend unterstützt sah, habe ich Konzepte für neue Plattformfunktionen entwickelt. Diese habe ich mithilfe von Experteninterviews überarbeitet und prototypisch visualisiert.

Eine Annahme, die die Erstellung von Konzepten maßgeblich beeinflusste, war die Zuordnung von Crowdfunding-Plattformen zu sogenannten „Creativity Support Tools“ (nach Ben Shneiderman, 1999 und Kuo/Gerber, 2012). Solche Tools definiere ich in meiner Arbeit als interaktive Onlinesysteme zur Unterstützung kreativer Arbeit. Sie können die Zusammenarbeit mit anderen unterstützen und das Sammeln, Kombinieren und Einbinden verschiedener Ressourcen erleichtern. Somit können mehr innovative Ergebnisse erzielt und diese danach auch besser verbreitet werden. Creativity support tools greifen in verschiedenen Phasen eines kreativen Prozesses: von der anfänglichen Idee über deren Umsetzung, bis zur abschließenden Verbreitung.

In meiner Arbeit komme ich zu dem Schluss, dass auch die Plattformunterstützung sich über mehrere Phasen erstrecken sollte – über die eigentliche Fundingphase hinaus und hinein in die, für die Nutzermotivation wichtigen Phasen der vorangehenden Projektplanung und späteren Projektrealisierung. Die vorgeschlagenen neuen Plattformfunktionen stützen die von mir für diese Arbeit als relevant erachteten Startermotivationen: Lernen, Neugierde, Finanzierung der eigenen Idee, Anerkennung, Bewusstsein für die eigene Arbeit vergrößern, sich mit anderen verbinden/Networking, sowie die Unterstützermotivationen: Neugierde, Unterhaltung, Erhalt einer Gegenleistung, Anerkennung und Verantwortungsübernahme. Um diese Motivationen hinreichend fördern zu können, sollten Plattformen meines Erachtens verschiedene Vorgänge eines Projekts unterstützen, wie z.B. die Ideenfindung und Organisation des eigenen Projekts mithilfe von gut dokumentierten Beispielen vorangegangener Projekte. So können StarterInnen von der Erfahrung früherer Projekte profitieren indem sie ihre eigenen Projekte besser planen und präsentieren.

Unter meinen sieben neuen Konzepten befindet sich folglich der Vorschlag, dass alle Crowdfunding-Projekte, egal ob erfolgreich finanziert oder nicht und erfolgreich umgesetzt oder nicht, online bleiben und für alle NutzerInnen einer Plattform leicht auffindbar sein sollen. Ideal wäre es, wenn alle Projekte unbegrenzt online blieben, doch aufgrund des oft und vehement von StarterInnen geäußerten Wunsches, nicht erfolgreiche Projekte wieder löschen zu können, sollte als Kompromiss wenigstens eine Mindestverfügbarkeit (z.B. 12 Monate) festgelegt werden.

Ein weiteres Konzept sieht vor, dass die Projekte nach Funding- oder Projekt-Ende nicht einfach unverändert online bleiben, sondern die StarterInnen den Verlauf ihres Projektes reflektieren müssen. Dazu können von Plattformseite Reflektionsfragebögen angeboten werden, die dann auf der Projektseite veröffentlich werden. Eine kurze und bündige Projektreflektion schaffte mehr Transparenz und würde nicht nur zukünftigen ProjektmacherInnen den Start erleichtern, sondern beispielsweise auch UnterstützerInnen erklären, warum selbst ein erfolgreich finanziertes Projekt nicht immer wie geplant umgesetzt werden kann. Fehlt eine solche Erklärung kann dies zu Frust und Unverständnis auf Unterstützerseite führen und die Finanzierung von Folgeprojekten unterbinden.

Desweiteren empfehle ich die Einführung eines Fortschrittsbalkens für die Projektrealisierung. Ähnlich dem existierenden Fundingbalken (zu wie viel Prozent ist das Projekt bereits finanziert?) und der Zeitanzeige (wie lange noch bis Fundingende?), sollte ebenfalls auf einen Blick deutlich werden, wie weit das bereits finanzierte Projekt entwickelt ist. Zusammen mit einer aussagekräftigen Dokumentation, schaffte auch dieses Konzept mehr Transparenz für die UnterstützerInnen, die sonst oft nicht genau wissen, was mit ihrem Geld bereits erreicht wurde.

Abb.: Mögliche Darstellung von Projekt-Fortschrittsbalken im Layout der Plattform Startnext.

Detailliertere Beschreibungen, sowie die Herleitung dieser und vier weiterer Konzepte für neue Plattformfunktionen können in meiner Masterarbeit nachgelesen werden. Zudem finden sich dort grafische Visualisierungen für alle Vorschläge.
Eine Publikation der Arbeit über das ikosom (Institut für Kommunikation in sozialen Medien) ist in Planung. Bei Interesse an der Arbeit können Sie sich gerne per Email an mich wenden: m.damus[at]gmx.de

Über Martha Damus:
Sie studierte Kunst und Kommunikationswissenschaft in Greifswald und Digitale Medien in Bremen. Derzeit macht sie künstlerische Animationsfilme, gestaltet Webseiten und anderes und betreibt zusammen mit ihrem Freund Marcus Oesterreich das black egg (auch auf Facebook), ein zum mobilen Kunstraum umgebauter Wohnwagen, der nun von Ort zu Ort reist und junge, v.a. digitale Kunst präsentiert. Das Thema Crowdfunding beschäftigt sie seit einiger Zeit – aus der Perspektive der Kulturschaffenden, die selbst nach Vernetzungs- und Finanzierungsmöglichkeiten sucht, sowie aus der Perspektive der Digitale-Medien-Spezialistin, die sich für neue Phänomene interessiert.

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Crowdfunding auf Patreon: Abo statt Kampagne

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Crowdfunding hat in den letzten Monaten im Kunst- und Kulturbereich enorm an Bedeutung gewonnen. Immer häufiger starten KünstlerInnen und Kultureinrichtungen Kampagnen, um ihre Vorhaben realisieren zu können. Die Zahl derer, die damit Erfolg haben, ist gar nicht so gering, was auch damit zu tun hat, dass es oftmals um eher kleine Summen geht. Auf der anderen Seite nimmt aber auch die Zahl der Projekte zu, die es schaffen, sechsstellige Beträge einzusammeln

So positiv sich das Crowdfunding entwickelt, so bleiben doch zwei Punkte zu bedenken. Eine Crowdfunding-Kampagne kostet erstens viel Energie und Ressourcen und zweitens gibt es viele KünstlerInnen, die ihre Arbeit nicht in Projekten strukturieren und deshalb keine Möglichkeit haben, eine Kampagne zu lancieren. Nicht jede MusikerIn kann gleich ein ganzes Album herausbringen, nicht jede SchriftstellerIn verfasst gleich einen ganzen Roman, sondern vielleicht nur ab und zu eine Kurzgeschichte.

Hier greift das Prinzip der Crowdfundingkampagne nicht und daher kommt für viele KünstlerInnen Crowdfunding bis jetzt nicht in Frage. Das kann sich jetzt ändern, denn Jack Conte und Sam Yam bieten auf ihrer Plattform Patreon ein neues Modell an, das sich wohl am ehesten als Crowdfunding-Abo bezeichnen lässt. Nicht alle KünstlerInnen denken, wie gesagt, in Projekten. Wer regelmäßig Kurzfilme produziert, Lieder komponiert oder Gedichte schreibt, der sollte sich diese Plattform mal näher ansehen, denn hier haben Fans die Möglichkeit, KünstlerInnen nicht nur einmalig, sondern pro Werk zu unterstützen. Die Höhe des Betrages können sie selbst festlegen, los geht es mit einem Dollar. Das folgende Video zeigt, wie Patreon funktioniert:

Jack Conte, der selbst Künstler ist, hat mittlerweile knapp 900 UnterstützerInnen gefunden, die ihn bei jedem in nächster Zeit produzierten Video mit 6.425 USD unterstützen. Jordan Reyne schreibt Geistergeschichten und erhält derzeit von 6 UnterstützerInnen 18 USD pro Geschichte. Auch KünstlerInnen aus dem deutschsprachigen Raum haben Patreon mittlerweile entdeckt. Während die Sängerin der Gruppe Johna, Nadine Krämer immerhin schon von 14 UnterstützerInnen 93 USD pro Song erhält, wartet man bei der Wiener Filmproduktionsfirma rockvideo.at noch darauf, dass jemand ihre Idee, Filme von Livekonzerten zu produzieren, honoriert.

Mir gefällt die Idee, weil es Fans auf diese Weise möglich ist, die Arbeit von KünstlerInnen, die sie schätzen, kontinuierlich zu unterstützen. Nicht nur die Gegenleistungen, auch die Erlösmodelle können dabei sehr unterschiedlich aussehen. Während ich als Unterstützer der Gruppe Johna für 5 USD jeden Song in digitaler Form erhalte, bietet mir Jack Conte für diese Summe Tipps und Tricks für meine eigene Audioproduktion an. Seine Songs verschenkt er lieber. Auch ohne ihn zu unterstützen, kann ich mir seine neue EP von der Patreon-Seite downloaden.

KünstlerInnen, die in Prozessen und nicht in Projekten denken und arbeiten, werden von diesem Modell profitieren. Das funktioniere aber nur dann, schreibt Jan Tißler in seinem Artikel „Wie Jack Contes ‚Patreon‘ Künstler und Fans vereint“ im Upload-Magazin, wenn man über eine engagierte Fangemeinde verfügt. Hier gibt es also Gemeinsamkeiten zum „klassischen Crowdfunding“, zu den Kampagnen. Wer seiner Kunst am liebsten unter Ausschluss der Öffentlichkeit nachgehe, schreibt Tißler weiter, werde von den neuen Möglichkeiten nicht profitieren. Das heißt, an Social Media führt wohl auch hier kein Weg vorbei.

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Eine Studie beschäftigt sich mit Crowdfunding im Musikgeschäft

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Vier StudentInnen des Studiengangs Music & Creative Industries der Popakademie Baden Württemberg sind im Rahmen ihrer Projektarbeit der Frage nachgegangen, welche Rolle Crowdfunding derzeit im Musikgeschäft spielt.

Es ist noch Luft nach oben, so könnte das Fazit dieser Studie lauten, die jede Menge Zahlenmaterial liefert und zeigt, welche rasante Entwicklung das Crowdfunding in den letzten Jahren genommen hat. In einem ziemlichen Kontrast zu den Vorwürfen, viele Musikfans würden sich ihre Musik illegal downloaden, steht die Tatsache, dass die UnterstützerInnen von Crowdfundingkampagnen im Musikbereich durchschnittlich knapp 45 Euro in ein Projekt stecken. Von der den UserInnen so oft vorgeworfenen Gratismentalität bleibt also gar nicht so viel.

Es lohnt sich, die Arbeit von Sebastian Fruner, Maria Pentschev, Ziwen Zhang und Marlene Speck zu lesen, die kostenlos als PDF zum Download zur Verfügung steht.

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Karsten Wenzlaff im Gespräch: Die Crowdinvesting-Conference beschäftigt sich mit der Zukunft des Crowdfunding

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Crowdfunding hat in den letzten zwei Jahren einen enormen Aufschwung erlebt, viele Kulturbetriebe und KünstlerInnen haben damit erste Erfahrungen sammeln können, nicht wenige konnten auf diese Weise ihre Vorhaben (teil)finanzieren. Wenn wir die Entwicklungen in den USA und bei uns vergleichen, erkennen wir recht schnell, dass hier gewaltige Unterschiede bestehen. Vor allem die Zahlen der weltweit größten Crowdfunding-Plattform Kickstarter zeigen, welches Potenzial im Crowdfunding steckt.

Aber natürlich stellt sich die Frage, ob wir Amerika so einfach nacheifern können und wollen, zu unterschiedlich sind die Systeme, was etwa die Finanzierung von Kunst und Kultur betrifft. Aber wir können viel voneinander lernen und müssen dabei gar nicht immer nach Amerika schauen. Oft ist auch schon der Blick in andere europäische Länder sehr interessant. Diesen Blick über die Grenzen ermöglicht die Crowdinvesting-Conference, die am 17. April in Berlin stattfinden wird. Veranstalter ist ikosom, das Institut für Kommunikation in sozialen Medien, das für diese Veranstaltung ein sehr spannendes Programm zusammengestellt hat. Es geht nicht nur um Crowdfunding im Kunst- und Kulturbereich, aber der Blick über den Tellerrrand hat noch nie geschadet. ;-)

Um Ihnen das Thema Crowdfunding und die Konferenz etwas schmackhafter zu machen, habe ich ikosom-Geschäftsführer Karsten Wenzlaff gebeten, mir ein paar Fragen per Email zu beantworten.

Kulturmanagement Blog: Warum die Crowdfunding-Konferenz und was ist das Ziel?

Karsten Wenzlaff: Crowdfunding in der Kreativ- und Kulturwirtschaft sowie als Finanzierungsinstrument für Start-Ups ist in aller Munde. Die Referenten werden aber über den Status Quo hinausschauen und diskutieren, wie in 3-5 Jahren Crowdfunding aussehen wird, welche gesetzlichen Regelungen dafür geschaffen und abgeschafft werden müssen. Wir wollen auf der Konferenz Handlungsempfehlungen diskutieren, damit einerseits über Crowdfunding größere Summen zustande kommen können, andererseits Crowdfunding für die Infrastruktur des Landes genutzt werden kann. Im Bereich der Kultur bedeutet das die Finanzierung von Kulturinstitutionen wie Museen, Opern, Galerien, Konzerthäusern, Theatern.

Kulturmanagement Blog: Du hast es in Deiner Antwort gerade angedeutet. Ein Themenschwerpunkt wird die Frage sein, ob mit Hilfe von Crowdfunding öffentliche Infrastruktur, z.B. im Kunst- und Kulturbereich finanziert werden kann? Hälst Du eine solche Entwicklung für möglich und glaubst Du, dass damit nicht unser jetziges Verständnis von Kulturförderung eine gewaltige Veränderung erfährt?

Karsten Wenzlaff: In Deutschland ist die etablierte Kulturszene noch etwas scheu, Crowdfunding selber einzusetzen, aber zumindest neugierig. Wenn man in anderen Ländern Europas schaut, gibt es da schon wesentlich mehr Beispiele für Crowdfunding von Kulturinfrastruktur. In Frankreich hat beispielsweise der Louvre schon mehrmals Ausstellungsexponate über Crowdfunding finanziert.

Natürlich ist das nach wie vor noch sehr stark projektbasiert. Aber bevor es staatliche Kulturförderung gab, wurden diese Institutionen einerseits durch private Mäzenaten, andererseits durch Genossenschaften gefördert. Die vielen „Volkstheater“ sind ein lebendiges Beispiel dafür. Historisch ist also Crowdfunding für Institutionen der Kulturwirtschaft überhaupt nichts Neues.

Der Wandel von institutionalisierter Kulturförderung und Finanzierung via Crowd wird bei den Kulturinstitutionen zu einem Wandel führen, wenn sie erkennen, dass die Crowd mehr ist als Steuerzahler oder Ticketkäufer. Die Crowd möchte mitreden, mitbestimmen, ausprobieren, vernetzen – und damit tun sich manche Kulturinstitutionen schwer. Die Crowd ist mehr als eine Besuchergruppe oder ein gut gefüllter Zuschauersaal.

Kulturmanagement Blog: Immer wieder taucht die Frage auf, ob sich Crowdfunding und öffentliche Förderungen kombinieren lassen. Wie stehst Du dazu und was muss getan werden, um so eine Kombination von öffentlicher und privater Förderung auch bei uns möglich zu machen?

Karsten Wenzlaff: Crowdculture in Schweden ist ein gutes Beispiel, wie sich hier etwas entwickeln kann. Max Valentin, der Betreiber der Plattform, sagt, dass seine Form des Crowdfundings eigentlich eine Art Crowdsourcing ist, also das Einholen von Wissen. Er wird auch im Rahmen der Konferenz einen Impulsvortrag halten. Bei Crowdculture wird ein staatliches Budget an kulturelle Projekte verteilt und die Teilnehmer entscheiden nicht über ihr eigenes Geld, sondern über das Geld der Steuerzahler. Eine Art Bürgerhaushalt für die Kultur.

Das ersetzt nicht die klassische Kulturförderung, aber ermöglicht direkte Teilhabe. Und dafür müssen bei der Kulturförderung in Deutschland Spielräume geschaffen werden – sowohl finanzielle als auch organisatorische Freiräume. Wenn die Crowd erst die Stimme abgibt und eine Jury das widerrufen kann, macht Crowdfunding keinen Sinn.

Ein wichtiger Punkt ist aber auch, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für Crowdfunding eindeutiger werden müssen. Wie müssen die Einnahmen versteuert werden, welche Einnahmen sind für die KSK relevant, wie kann ich die Crowdfunding-Einnahmen als Eigenkapital oder Eigenmittel in einen Förderungsantrag einbringen? Der Vorteil der Konferenz ist, dass wir Plattformen aus zehn europäischen Ländern haben, die ihre Erfahrungen hinsichtlich der rechtlichen Regelungen teilen werden. Daraus können wir hoffentlich für Deutschland viel lernen.

Kulturmanagement Blog: Crowdfunding ist nicht nur im Hinblick auf die Finanzierung eines Vorhabens interessant, sondern wird häufig auch als Marketinginstrument gesehen. Gilt das nicht nur für die eher bekannten Projektinitiatoren oder haben auch die „Kleinen“ eine Chance, Crowdfunding auf diese Weise zu nutzen?

Karsten Wenzlaff: Für alle Künstler und Kulturschaffende ist Crowdfunding in erster Linie Marktforschung, denn sie können sehen, wie ein Projekt ankommt, ob Ticketpreise angemessen sind, ob die Kommunikation funktioniert, ob die Verteiler funktionieren. Crowdfunding ist unglaublich disziplinierend, um zum Beispiel Emailverteiler anzulegen und zu pflegen und so den Grundstein für den Aufbau und die Pflege einer Community zu legen.

Für Künstler, die schon bekannte Marken haben, ist Crowdfunding natürlich besonders toll, weil sie sich direkt an die Fans wenden können, obwohl sie ihre Projekte wahrscheinlich auch auf klassische Weise finanzieren könnten. Deswegen erreichen Sie Crowdfunding-Summen, von denen die „Kleinen“ nur träumen können.

Aber auch darum wird es bei der Konferenz gehen: welcher gesellschaftliche Wandel ist notwendig, damit die „Kleinen“ auch von „großem“ Crowdfunding realistisch ausgehen können? Michael Bogatzki von Sellaband wird genau zu dieser Frage auf der Konferenz referieren.

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten!

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Crowdfunding: das Tal der Enttäuschungen steht uns noch bevor

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© Petra Bork ; Pixelio

Nimmt man die Zahl der Anfragen, die mich in den letzten Wochen per Mail oder auch telefonisch zum Thema Crowdfunding erreicht haben, müsste ich eigentlich schleunigst umsatteln und mich ab sofort Crowdfundingberater nennen. Der Hype rund um dieses Thema scheint sich gerade voll zu entwickeln, das heißt aber auch: das Tal der Enttäuschungen steht uns noch bevor. Und wenn ich zusammenfasse, was ich in der letzten Zeit alles zu hören und zu lesen bekommen habe, würde ich sagen: bald ist es soweit. FinanzdienstleisterInnen nennen sich plötzlich CrowdfundigexpertInnen und Agenturen versuchen, Veranstaltungen auf diesem Weg zu finanzieren, wobei die Organisationskosten irgendwo bei 70 oder 80 Prozent liegen.

Uschi Reiter äußert – nicht ganz unberechtigt – in der Dezember-Ausgabe der „Versorgerin“ „Zweifel an der Schwarmintelligenz 2.0“ und spricht von einer Blase. Allerdings bringt es in meinen Augen wenig, auf „zertifizierte KulturmanagerInnen oder kreative Individuen“ zu schimpfen und andere durch zwanghaft kritische  Formulierungen zu bewerten. Wer dann am Ende das bedingungslose Grundeinkommen statt „endlosem und inhaltsleerem Selbstmarketing“ fordert, produziert genau das, was er den anderen vorwirft: heiße Luft. Ich bin auch ein Freund des bedingungslosen Grundeinkommens, aber die Frage Crowdfunding oder Grundeinkommen geht in meinen Augen ein klein wenig an der Realität vorbei.

Eine verpasste Chance, denn Reiter hat recht, wenn sie von dem großen Aufwand spricht, der für eine solche Crowdfunding-Kampagne notwendig ist. Und sie hat recht, wenn sie darauf hinweist, dass sich größere Projekte (noch) nicht auf diesem Weg ausfinanzieren lassen. Die Frage, welches die Erfolgskriterien einer solchen Kampagne sind, wurde mittlerweile in einigen Diplomarbeiten behandelt, eine Checkliste mit Erfolgsgarantie wird leider noch nicht angeboten. Klar ist in meinen Augen: wer nicht im Social Web verankert ist, hat meist schlechte Karten. Aber: wer dort sehr präsent ist, bekommt den Erfolg nicht garantiert.

Wer sich beim Thema Crowdfunding auf den Kunst- und Kulturbereich konzentriert, hat es – vereinfacht gesagt – mit zwei Strömungen zu tun. Auf der einen Seite sind da die kleinen, nicht gewinnorientierten Vorhaben, die meist mit viel ehrenamtlicher Mitarbeit realisiert werden können. Kostenwahrheit wird es dort nie geben, auch da stimme ich mit Reiter überein. Aber ein Projekt hat so die Chance, dringend benötigte Ausgaben finanzieren zu können. Um solche Projekte, bei denen es nicht um fünfstellige Beträge geht, mache ich mir eigentlich wenig Sorgen. Manche werden es schaffen, ihr Umfeld zu mobilisieren, manche werden scheitern, die derzeitige Erfolgsquote von etwas unter 50% zeigt das recht anschaulich.

Crowdinvesting: das Risiko wird unterschätzt

Sehr viel mehr Sorgen bereiten mir Investitionsprojekte, bei denen es um sechsstellige oder noch höhere Beträge geht und entsprechend große Versprechungen gemacht werden. „Code Hero“ ist zwar kein Projekt aus dem Kunst- und Kulturbereich, sondern ein Spiel, dessen Entwicklung mit $170.000 unterstützt wurde. Bereits im Februar wurde die Kampagne erfolgreich abgeschlossen, passiert ist bis heute aber nichts, wie dieser Artikel berichtet. Was ist denn, wenn solche Großprojekte – aus welchen Gründen auch immer – nicht realisiert werden können? Vermutlich ist das Geld schon ausgegeben, wenn die ersten die Rückgabe ihrer Unterstützungsleistungen verlangen. Und plötzlich merkt man als UnterstützerIn, dass man ein Risiko eingegangen ist.

Nach irgendwelchen Regeln muss man nicht rufen, es gibt für solche Fälle bereits die entsprechenden Gesetze. Aber man wird die Plattformbetreiber stärker in die Pflicht nehmen, so wie das heute schon bei  Banken der Fall ist, wenn sie uns ein Investment verkaufen. Je mehr wir uns von der finanziellen Unterstützung eines Projektes in Richtung Investment bewegen, desto größer wird das Risiko für die UnterstützerInnen oder besser gesagt, InvestorInnen. Ich finde es großartig, dass ich mich heute mit sehr geringen Beträgen an Startups beteiligen kann und die Chance habe, damit Geld zu verdienen. Aber ich muss mir auch darüber im Klaren sein, dass 9 von 10 Startups nicht überleben werden. Das heißt, ich muss mir die Geschäftsmodelle genauer anschauen, nicht ohne Grund wird bei größeren Investments eine Due Diligence durchgeführt, in deren Rahmen das Unternehmen und das Geschäftsmodell genau durchleuchtet werden.

Stichwort Geschäftsmodell: Livekritik, „ein überregionales Rezensions- und Bewertungsportal für Kulturveranstaltungen,“ wie es dort heißt, versucht derzeit, über Investoren auf der Plattform Companisto 100.000 Euro einzusammeln. Um es klar und deutlich zu sagen: ich finde die Plattform großartig und glaube, dass sie dem Kunst- und Kulturbereich gut tut. Ich glaube auch, dass sich Livekritik finanziell tragen kann. Aber laut Finanzplan erwirtschaftet die Seite in drei Jahren 1,5 Mio Euro Gewinn, der aus Provisionen für verkaufte Tickets, dem Verkauf von Online-Werbung sowie dem Verkauf von Premiumpaketen für Veranstalter herrührt. Ein Jahr später sind es dann bereits mehr als 3,5 Mio. Euro.

Als Plattform, die für den Kunst- und Kulturbereich wichtig ist, könnte ich mir vorstellen, sie zu unterstützen. Als Investitionsprojekt scheinen mir diese Zahlen unrealistisch. Und das gilt nicht nur für dieses eine Projekt, sondern für die meisten.

Man möge mich nicht falsch verstehen: Dieser Hype ist eine ganz logische Entwicklung, die ich auch nicht stoppen möchte. Aber man muss ja nicht blind mit der Herde mitrennen. Ich glaube an die Zukunft des Crowdfunding, aber irgendwann demnächst kommt es halt, das Tal der Enttäuschungen. ;-)

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CrowdfunderIn: Ein neuer Job?

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© Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / Pixelio

Wer in den Bereichen Kunst und Kultur tätig ist oder das beabsichtigt,  weiß, dass es gar nicht so einfach ist, einen Arbeitsplatz zu finden. In Zeiten leerer Kassen werden viele Stellen gestrichen, was vor allem für BerufseinsteigerInnen die Sache nicht einfach macht. Mit der steigenden Bedeutung von Social Media könnten sich aber neue Chancen für sie ergeben, denn in der digitalen Welt sind sie heimischer als die meisten lang gedienten MitarbeiterInnen in den Kultureinrichtungen.

Aber wie sieht das konkret aus? Entstehen hier ganz neue Jobs und lohnt es sich, sich mit Themen zu beschäftigen, die in den Universitäten teilweise noch gar nicht in den Lehrplänen zu finden sind? Ich habe Nina Riedel interviewt, die in Frankfurt (Oder) Kulturwissenschaften studiert und ihre Abschlussarbeit über die Erfolgsfaktoren von Crowdfundingkampagnen im Kunst- und Kulturbereich geschrieben hat. Den Einstieg in das Berufsleben hat sie nun in Form eines Praktikums bei einer Filmproduktionsfirma gefunden, in der sie im Bereich Social Media tätig ist und darüber hinaus die Crowdfundingkamapagnen betreut.

Frage: Du hast in Frankfurt/oder Kulturwissenschaften studiert und deine Abschlussarbeit über Crowdfunding geschrieben. Ist das ein Hinweis dafür, dass so Themen wie Social Media oder Crowdfunding mittlerweile an den Universitäten angekommen sind? Oder warst Du eher die Ausnahme?

Nina Riedel: Im Bereich Kulturmanagement stellt sich immer wieder die Frage nach neuen, innovativen Möglichkeiten. Social Media ist in diesem Bereich gerade eines der wichtigsten Forschungsthemen, vor allem weil es omnipräsent ist und einen direkten Draht zu den Fans, Unterstützern, Konsumenten und Beteiligten herstellt. Die sich dort bildende Community hat viel Potential, nicht nur in kreativer Hinsicht, sondern auch in finanzieller – für Kulturmanager eine unerschöpfliche Quelle.  Das Thema Social Media wird an den Hochschulen mittlerweile gründlich analysiert und kritisch erforscht. Crowdfunding jedoch kommt an den Hochschulen gerade erst an. In der letzten Zeit mehren sich aber die Abschlussarbeiten und Seminare zu Crowdfunding-Themen. Eine richtige Ausnahme war ich also nicht mehr, aber eine der ersten an meiner Universität.

Frage:  Du bist jetzt für Social Media und Crowdfunding verantwortlich. War das Dein Berufswunsch oder hat sich das ergeben?

Nina Riedel: Sowohl als auch. Durch diverse Projekte die ich bereits gemacht habe, spielt das Thema Kulturfinanzierung eine große Rolle in meinem Alltag und Crowdfunding ist nicht nur eines der Instrumente zur Finanzierung, sondern macht auch noch Spaß. Insofern war das schon mein Berufswunsch. Die Social Media Aktivitäten haben sich allerdings durch das Crowdfunding erheblich ausgeweitet und haben sich wohl eher ergeben.

Frage: Du bist in den letzten Monaten sehr aktiv im Social Web gewesen und hast dadurch vermutlich nicht nur Sichtbarkeit gewonnen, sondern Dir auch ein gutes Netzwerk aufgebaut. Hat Dir das bei der Jobsuche geholfen?

Nina Riedel: Erstaunlicherweise hat mir die Sichtbarkeit und vor allem die teilweise publizierte Abschlussarbeit  im Netz mehr geholfen als etwaige Kontakte. Es war schon spannend zu sehen, wie sehr die theoretische Expertise im Crowdfunding mir Türen geöffnet hat und letztendlich dazu führte, dass ich jetzt mehrere Kampagnen betreue und bei weiteren Projekten mitkonzipiere.

Frage: Bleibt dieser Job hier eine einmalige Tätigkeit oder wirst Du in Kürze eine begehrte Crowdfundingexpertin sein, um die sich Firmen aus dem Kreativ- und Kulturbereich  reißen werden? Mit anderen Worten: Haben wir es hier mit einem neuen Job zu tun?

Nina Riedel:  Definitiv. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die beiden aktuellen Kampagnen nicht die einzigen bleiben werden.  Gerade für Musik und Film stellt Crowdfunding eine vielversprechende Möglichkeit der Finanzierung dar, die allerdings zeitaufwendig ist und viel Engagement benötigt. Zeit, die ein Künstler oder Kreativschaffender vielleicht nicht hat oder die ich mit meinen Kenntnissen der Tools und Plattformen vielleicht verkürzen kann. Vor allem Beratungen sind ein gutes Mittel, um vielen Projektstartern zu helfen. Komplett betreuen kann man aber sicherlich nur einige wenige Kampagnen gleichzeitig, da eine intensive Auseinandersetzung und Identifizierung mit dem Thema notwendig ist, damit man mir glaubt was ich poste/schreibe/sage.

Frage: Ihr schließt jetzt gleich die erste Kampagne ab, vermutlich erfolgreich, und habt gerade die zweite begonnen. Worum geht es in dem Film und wie habt Ihr die Kampagne konzipiert?

Nina Riedel:  In unserem Dokumentarfilm „The First Sea“ geht es um palästinensische Kinder aus dem Westbank Gebiet, die von israelischen Friedensaktivistinnen eingeladen werden, um in Israel das erste Mal in ihrem Leben das Meer zu sehen.  Obwohl Israel und Palästina von drei Meeren umgeben sind, ist es den Kindern im Westbank Gebiet in der Regel nicht möglich zu einem dieser Meere zu fahren. Sie können von ihrer Veranda aus das Meer sehen, aber einfach hinfahren können sie nicht. Das Leben der Kinder dort wird von Krieg und Konflikten beherrscht, die sie noch gar nicht verstehen können. Es geht um Frieden, Grenzen und die Magie der ersten Male.

Wir sind drei Outreach Koordinatorinnen, die in Absprache mit der Produzentin Sarita Sharma und der Regisseurin Clara Trischler, die Kampagne konzipieren und durchführen. Dadurch, dass wir die Postproduktion finanzieren wollen, haben wir bereits Bildmaterial, welches wir verwenden können. Dies macht es uns recht einfach die Inhalte unseres Filmes zu transportieren. Bei diversen Meetings haben wir die gesamte Kampagne konzipiert. Unter anderem haben wir die meisten Texte vorbereitet, die Gegenleistungen durchdacht und Kommunikationsstrategien entwickelt.  Wir arbeiten auf Konzeptebene eng zusammen, weil wir so das breiteste Spektrum an Meinungen und Ideen bekommen und schließlich soll „The First Sea“  möglichst viele Menschen begeistern und erreichen.

Frage: Du hast ja Deine Abschlussarbeit über die Erfolgsfaktoren von Crowdfunding geschrieben.  Im ersten Projekt hat das ganz gut geklappt, auf welche Erfolgsfaktoren setzt Du jetzt beim zweiten Projekt?

Nina Riedel: Da unsere Kampagne auf IndieGogo läuft, versuchen wir auch ein internationales Publikum anzusprechen.  Wir kommunizieren viel mit unseren Unterstützern und haben bereits ein ganz gutes Netzwerk. Vor allem durch spannende Hintergrundinfos, eine später online stehende, exklusive Gegenleistung  und viel Engagement wollen wir überzeugen. Unsere Kampagne findet man auf Facebook, Twitter und natürlich auf Indiegogo. Wir freuen uns über jede Unterstützung.

Frage: Und wie geht es weiter? Welche Projekte habt Ihr in der Pipeline?

Nina Riedel: Wir arbeiten hier bei Kinomaton Berlin zurzeit an vielen spannenden Projekten. In Zukunft werden auch einige Filme produziert, die transmedial erreicht werden. Zum Beispiel Baltic Warriors, ein Dokumentarfilm über Aktivistengruppen aus 6 Ländern die sich für die ökologische Situation der Ostsee einsetzen.  Weitere Filme laufen jetzt auf den Filmfestivals an oder sind in der Planungsphase.

Frage: Und zum Schluss: Würdest Du anderen empfehlen, sich wie Du auf so Themen wie Social Media, Crowdfunding oder Transmedia Storytelling zu konzentrieren?

Nina Riedel: Nicht jedes Projekt ist ein Crowdfunding-Projekt und auch nicht jedes Projekt kann den entscheidenden Erfolg in den Social Media Netzwerken generieren. Aber es lohnt sich definitiv die Möglichkeiten zu kennen und abschätzen zu können ob zum Beispiel Crowdfunding in Frage kommt. Ich finde gerade Kulturinstitutionen sollten sich diese Themen aneignen und ihre Arbeit innovativ und am Zeitgeist ausgerichtet konzipieren. Vor allem bei jungen Projekten oder jungen Zielgruppen kann transmedia Storytelling gut funktionieren und spannende Projekte hervorrufen. Und wer keine Zeit hat sich auf diese Themen zu konzentrieren, der kann mich gern kontaktieren. Ich helfe gern.

Danke für Deine Antworten!

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Crowdfunding-Wettbewerb: es geht um 500 Euro

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Auf Startnext läuft derzeit ein Wettbewerb, bei dem zwei Crowdfundingkampagnen gegeneinander antreten und versuchen, das Preisgeld von 500 Euro für sich zu gewinnen. Eine Woche haben sie Zeit, in der sie möglichst viele UnterstützerInnen gewinnen müssen. Unterstützen heißt in dem Fall finanzielle Unterstützung. Aber es geht nicht um die Summe, sondern um die Anzahl der UnterstützerInnen. Mir gefällt dieser Ansatz, denn auf diese Weise spielt auch ein Beitrag von einem Euro eine wichtige Rolle.

Die beiden Projekte werden jeweils von einer Person aus dem Advisory Board ausgewählt, diese Woche bin ich dran. Die Auswahl ist mir gar nicht so leicht gefallen. „Sie nannten ihn Spencer“ soll ein Kinodokumentarfilm über und mit Bud Spencer werden und ist als Film von und mit Fans für Fans gedacht.

Begründet habe ich die Auswahl auf Startnext so: „Sie nannten ihn Spencer: Ein Film von Fans für Fans, das garantiert nicht nur das richtige Maß an Heldenverehrung, sondern macht wahrscheinlich auch beiden Seiten viel Spaß. Ich war früher immer vor dem TV-Gerät zu finden, wenn ein Bud Spencer-Film im Fernsehen lief. Dieses Projekt habe ich ausgesucht, weil es mich an früher erinnert, weil es tolle Gegenleistungen für die Unterstützer gibt und weil es ein österreichisches Projekt ist. ;-)“

Hier ist das Video:

Beim zweiten Projekt handelt es sich um ein Klassenmusical. „Traumatical“ wird von 26 Schülerinnen und Schülern einer Musikklasse der Sophie-Scholl-Gesamtschule in Berlin Schöneberg entwickelt und produziert. Ich habe viel Respekt vor dieser Leistung, denn ein Musical zu produzieren ist schon nicht ohne. Wenn dann aber noch Musik und Texte produziert werden müssen, dann ist das eine ziemlich große Herausforderung. Und der scheinen alle gewachsen zu sein, wie das Video zeigt:

Beide Projekte sind schöne Beispiele, welchen Mehrwert Crowdfunding bieten kann. „Keiner von uns hat je vorher Crowdfunding gemacht – kein Teenager, kein Elternteil, auch ich nicht“, hat Gabriele Sindler, die Initiatorin von „Traumatical“ geschrieben. Und hier sehe ich neben allen Möglichkeiten für die Profis auch eine Perspektive, die wir nicht vergessen sollten. Crowdfunding ist auch eine Chance für diejenigen, die sonst kein Geld bekommen würden und deshalb ihr Projekt nie realisieren können.

Wenn Ihnen die beiden Projekte (oder auch nur eines von beiden) und auch die Gegenleistungen gefallen, dann könnten Sie doch jetzt aktiv werden und einen Beitrag dazu leisten. ;-)